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Morgenunterricht 22.05.2002
Buch „Schriften des Rabash", Band 2, Artikel „Was bedeutet „In dem, was gezählt wird, liegt kein Segen“ in der Arbeit?"
Rav: Wir haben einen Artikel aus „Schlavej haSulam", Band 2, Seite 240 gelesen: „Was bedeutet „In dem, was gezählt wird, liegt kein Segen“ in der Arbeit?". Das ist trotzdem ein bisschen unverständlich – was heißt das, dass nicht gezählt wird? Doch, es wird gezählt. Soll der Mensch nicht zählen, was er hat? Soll er nicht wissen, wo er sich befindet, wie viel er getan hat, wie viel ihm noch zu tun gegeben ist? Es gibt auch im „Schulchan Aruch", überhaupt in den Gesetzen, Gesetze, bei denen man zählen muss, und Gesetze, bei denen man nicht zählen darf. Sie alle gehören zur spirituellen Arbeit – dadurch, dass es davon abhängt, mit welcher Ausrichtung, mit welcher Absicht der Mensch kommt, um die Dinge zu zählen. Denn der Wille zu empfangen ist ganz von Anfang an aufgebaut und uns mit der Absicht „um zu empfangen" gegeben worden. Wenn also der Mensch nicht zu ihm kommt, um ihn zu korrigieren, dann darf er nicht hineingehen und diesen Willen zu empfangen zählen und in ihm verweilen, denn dadurch verliert er einfach die Kräfte, befindet sich unter der Herrschaft des Willens zu empfangen „um zu empfangen" und entfernt sich vom Ziel der Schöpfung, davon, es zu erreichen. Es sei denn, der Mensch kommt zuerst zur rechten Linie und geht danach zur linken Linie, dann ist es sicher Pflicht, zu zählen, was er in der linken Linie hat und wie viel er von dort nehmen und korrigieren kann, denn dann ist die Herangehensweise schöpferisch, dem Fortschritt und der Korrektur dienlich. Deshalb hängt alles von der Ausrichtung ab – wie man zum Willen zu empfangen kommt; und dann darf man ihn entweder gar nicht zählen oder gerade umgekehrt, man muss zählen. Gibt es Fragen? Ja.
2:57 Schüler: Er hat gesagt, dass es sowohl im Aufstieg als auch im Abstieg Zweifel gibt. Was bedeutet das also, ... wenn es weder zum Abstieg noch zum Aufstieg gehört, ... Gefühl, Verständnis, Einstellung.
Rav: Der Mensch muss zu einem Zustand kommen, in dem seine Einstellung zu sich selbst, zu seinen Eigenschaften – zuerst muss er nur in sich selbst schauen. Nicht auf die Welt und nicht auf die anderen – die anderen verstehen wir sowieso überhaupt nicht –, sondern er lebt in sich selbst, und wenn man in sich selbst schaut, muss man nur aus einem solchen Blickwinkel schauen, dass du kommst, um zu korrigieren, was du hast. Wenn du überhaupt nicht die Fähigkeit hast, so zu schauen, darfst du nicht auf das schauen, was du hast. Dann muss man sich zuerst damit beschäftigen, sich auf die richtige Betrachtung vorzubereiten. Die Zweifel, Ängste, die Vorsicht – all diese Gefühle helfen dem Menschen, genau zu fühlen, wo er sich befindet, worin er sich schon auszeichnet. Ich verstehe deine Frage nicht.
Schüler: Weil ich oft ... zu einem guten Gefühl oder einem schlechten Gefühl...
Rav: Nein, nein, ein gutes Gefühl oder ein schlechtes Gefühl, das ist das Letzte. Sicher steht geschrieben „und lebe durch sie", und es steht „das Ziel der Schöpfung ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun", und das Ziel sind gerade Genüsse, und „der Gute und Gutes Tuende" – das muss man fühlen, und unser ganzer Weg ist der Weg der Korrektur des Gefäßes für das Fühlen. Unsere Gefäße sind Gefäße, um zu genießen, aber solange wir die Arbeit nicht beendet haben, solange der Mensch nicht zum Ende der Korrektur kommt, muss er ständig sein Gefühl unter Aufsicht halten, damit sein Gefühl ihn nicht in die Irre führt. Wenn du dem Gefühl folgst, dann bringt dich dein Gefühl, solange du keine Schirme hast, zu einem immer übertriebeneren Gebrauch des Verlangens zu genießen „um zu empfangen". Sondern der Mensch muss die ganze Zeit die Aufsicht über sich selbst behalten, wie viel und wie er das gebraucht. Sonst wird er niemals aus den Gefäßen des Empfangens herauskommen können. Nach dem Gefühl können wir nichts bestimmen. Baal HaSulam gibt viele Beispiele dafür. Er sagt, ein Mensch hat eine Krätze und kratzt sich, und das Kratzen, mit dem er sich kratzt, bereitet ihm noch Genuss, aber der Prozess selbst bringt ihn zum Tod, zur Infektion und zum Tod. Wonach soll man also gehen? Danach, was du im Gefühl fühlst, oder danach, was du mit deinem Verstand über die Handlungen prüfst, die du machst – verstehst du? Das ist die Frage. Also solange ich nicht alle Korrekturen beendet habe – das heißt sowohl in dieser Welt als auch in der Spiritualität, in den spirituellen Stufen –, darf ich nicht einen Moment lang ohne Aufsicht über mich selbst mit dem Verstand sein und muss den Verstand mit dem Ziel der Schöpfung verbinden, und mit dem, was jetzt geschieht, und was ich tue, und so weiter. Es sei denn, du willst auf zielgerichtete Weise sagen: Jetzt trete ich aus allen Zäunen heraus, aus allen Ordnungen, aus allem, ich gehe wie an Purim, das war's, mich zu verlieren. Aber auch das, wenn man es macht, macht man auf bewusste Weise, und dann hat auch das einen Nutzen. Aber ohne Aufsicht zu sein, das ist überhaupt nicht...
8:08 Schüler: Was ist dann die Freude darüber, dass ich korrigiere?
Rav: Und darüber soll Freude sein.
Schüler: Im Gefühl.
Rav: Ja. Dass du in jedem einzelnen Moment dann nach der Kontrolle – einer verständigen, zielgerichteten Kontrolle – siehst, wo du dich befindest. Und ob du den Zustand korrigieren kannst oder nicht, das ist nicht wichtig, aber du fühlst ihn schon, du spürst ihn, du wirst von ihm beeindruckt, und diese Eindrücke – das nennt man, dass du die Zustände durchläufst und vorwärtsgehst.
Schüler: ... diesen Druck kann ich aus der Gemeinschaft nehmen – woher nehme ich diesen Pfad, genau in diese Richtung? Soll man das auch aus der Gemeinschaft nehmen, dass ich wirklich...
Rav: Nein, die Gemeinschaft kann... nein, nein, die Gemeinschaft muss dem Menschen nicht Verstand geben, die Gemeinschaft muss dem Menschen Erhebung geben. Der Verstand kommt aus der Anstrengung, nachdem du Erhebung empfangen hast, und du arbeitest mit den Büchern, mit den Autoren, du arbeitest schon an der Gemeinschaft – daraus kommt der Verstand. Der Verstand kommt als Ergebnis deiner Anstrengung, nicht daraus, dass du etwas von der Gemeinschaft empfangen hast. Die Gemeinschaft liefert uns hauptsächlich nur Erhebung zum Ziel.
Schüler: Woher kommt meine Anstrengung? Woher weiß ich, dass ich in der Anstrengung bin? ... Wie soll ich mich selbst prüfen, wie soll ich mich ausrichten, mich in der Anstrengung halten, dass ich wirklich Anstrengung leiste? Ich befinde mich im Willen zu empfangen – von welcher Anstrengung sprechen Sie?
Rav: Ja.
Schüler: ...
Rav: Furcht des Himmels nennt man, wie viel Erhebung ich zum Schöpfer habe und [wie viel] Verlangen, mich auf das „um Ihm zu geben" auszurichten. Das nennt man Furcht des Himmels im Allgemeinen. Das war's. Du musst dich nicht vor Ihm fürchten. Wenn du dich vor Ihm fürchtest, dann fürchtest du dich, um zu empfangen – das ist nicht Furcht des Himmels, das ist Furcht vor den Schlägen, vor Leiden. Du fürchtest dich nicht vor dem Schöpfer, du fürchtest dich vor den Leiden, die du von Ihm bekommen wirst, ja? Wir sagen das nur so: „Ich fürchte mich vor Mama, Mama gibt mir Schläge." So denkt ein Kind. Aber das ist nicht Furcht vor Mama, das ist Furcht vor Schlägen, vor Leiden. Ja? Wir müssen uns nicht vor Leiden fürchten, wir müssen uns vor dem Schöpfer fürchten. Was heißt vor dem Schöpfer? Dass wir Ihm nicht werden geben können – indem wir die ganze Sache von uns selbst lostrennen. Das nennt man Furcht des Himmels, sonst nennt man es, dass ich Furcht vor dem Schlag habe und nicht vor dem Himmel. Stimmt, der Schlag kommt, sagen wir, von Oben, aber das ist nicht... die Worte selbst sind nicht genau. Ja.
11:37 Schüler: Was bedeutet es, die Zustände, die ich durchlaufe, mit dem Verstand zu beaufsichtigen – der Verstand selbst...?
Rav: Es gibt Mocha und es gibt Liba; wir müssen die ganze Zeit unter verstandesmäßiger, zielgerichteter Aufsicht sein, in welchem Zustand ich mich befinde und was über mich hinweggeht. Es kann sein, dass ich mich jetzt in einem Zustand befinde, in dem ich nichts tun kann, und ich bin wirklich ein toter Körper und kann mich nicht bewegen und so weiter und so weiter, aber das sehe und fühle und weiß ich, und ich bin mir bewusst, dass es so ist. Oder ich bin verwirrt, so verwirrt, dass ich gar nichts weiß, ich stoße Worte aus, fühle nicht, was ich aus dem Mund herauslasse. Ich kann keinen einzigen Gedanken ordnen, ich kann meinen Kopf überhaupt nicht fassen und ihn stabilisieren. Aber ich kontrolliere meinen Zustand und weiß, dass ich mich jetzt in einem solchen Zustand befinde. Das heißt, es muss eine Art seitlicher Kontrollmechanismus da sein, sozusagen nicht ganz meiner, als käme er wirklich von der Seite, sodass ich mich so selbst sehe. Ja.
Schüler: ... sozusagen objektiver, mit dessen Hilfe ich...
Rav: Ich sage nicht, dass das eine objektive Kontrolle ist, es kann auch nicht objektiv sein. Ich kann nicht sagen, was objektiv ist und was nicht, aber dieser seitliche Blick auf mich selbst hilft mir, mich selbst zu lernen.
Schüler: ...
Rav: Gut, aber so lerne ich mich selbst, ich habe keine andere Wahl. Ich lerne mich selbst, ich lerne, wer ich bin, was ich bin, so wie ich lernen kann. Was denn sonst – soll ich das mit deinem Verstand lernen? Nach und nach, soweit ich die Eigenschaften des Schöpfers auf mich selbst übertrage, schaue ich auf mich selbst von der Seite des Schöpfers. Und dann, nach und nach, bis ich beginne, mich mit den Eigenschaften zu identifizieren, die ich von Ihm erwerbe – und meine [eigenen] Eigenschaften beginne ich zu sehen wie Pharao, wie eine fremde Kraft in mir.
Schüler: Die Eigenschaften des Schöpfers erwerbe ich nicht ... gerade?
Rav: Ja, aber mit dem Verstand machst du trotzdem eine Kontrolle. Nur in den Gefühlen kannst du nicht sein, denn bei den Gefühlen – wie vergleichst du die Gefühle, dieses Gefühl mit jenem Gefühl, was ist die Wahrheit zwischen ihnen? Es gibt Gut und Böse und Wahrheit und Lüge. Wahrheit und Lüge ist eine verständige, verstandesmäßige Kontrolle, und Gut und Böse ist eine gefühlsmäßige Kontrolle. Also musst du nach Wahrheit und Lüge gehen. Du unterscheidest, aber nicht nach bitter und süß – das ist überhaupt, bei uns sind das Dinge, die uns ins Gegenteil von... werfen würden. Wenn es ins Gegenteil von der Heiligkeit ginge und man weiß, was das Gegenteil ist, auch gut; aber [auch] fürs Gegenteil brauche ich schon Verstand und nicht nur bitter und süß. Verstehst du. (zum Schüler) Setz dich hierher. Dir geht's gut, nu, aber von dort kommt frische Luft, gleich schläfst du ein. Ja.
15:19 Schüler: Wir sagen, dass der Verstand dem Gefühl dient, sozusagen zuerst kommt das Gefühl. Und der Verstand ist schon das, was kommt – [wenn] irgendein Verlangen [da ist] –, er dient schon... Wie kann ich mit dem Verstand über dem Gefühl sein?
Rav: Wie kann man mit dem Verstand über dem Gefühl sein, was kann helfen?
Schüler: Dass das Gefühl darüber nicht herrscht?
Rav: Nur Furcht, nichts anderes. Die Furcht kann eine Furcht vor dem Verlust des Ziels sein, eine Furcht vor... Aber „Was ist der Sinn unseres Lebens?" – das verpflichtet uns letztlich, den Verstand mehr als das Gefühl einzusetzen. „Was ist der Sinn unseres Lebens?" – wenn ich im Gefühl sehe, dass ich nichts habe und keine Genüsse erlange und gar nichts, dann wende ich mich an den Verstand, um zum guten Zustand zu kommen. Das sind einfache Dinge. Ja.
Schüler: Kann ich Linien definieren – rechts, links –, wenn das nicht ... Gefühl, das ist...
Rav: Linien, rechts, links, das ist etwas sehr... Doron, wie [sagt man] (auf Russisch – ...?)
Schüler: Bedingt.
Rav: Bedingt? Das ist etwas sehr...
Schüler: Relativ.
Rav: Relativ, vielleicht, ja. Relativ. Das heißt, ich weiß nicht, was rechts und links in spiritueller Form ist. Wenn ich „um zu empfangen" und „um zu geben" habe, dann ist „um zu geben" rechts, „um zu empfangen" links, sagen wir. Und auch darin gibt es viele verschiedene Arten. Aber in unserem Zustand, unterhalb des Machsom, ist rechts und links zumindest [Folgendes]: dass ich Erhebung habe – sicher ist das alles nicht lischma, aber Erhebung zum Schöpfer nennt man rechts, und Erhebung zu meinem Körper, zu dem, was er verlangt, nennt man links.
17:47 Schüler: Wenn ... ich es mir selbst definiere, dass ich mich jetzt rechts befinde, jetzt befinde ich mich links, oder ob das...
Rav: Nein, wir können uns jetzt noch nicht damit beschäftigen und sagen: Ja, ich [bin] rechts, ich [bin] links oder was. Nein. Sondern die Hauptsache, die der Mensch tun muss, ist... Warum ermüden wir so sehr? Warum sind wir nach einem Artikel oder besonders nachdem man über etwas spricht, ausgelaugt? Weil unsere ganze Arbeit in der Klärung besteht, in einer verstandesmäßigen Klärung, und das nimmt wirklich enorm viel Energie. Wenn das zusammen mit dem Gefühl kommt, dann erst recht – ein Mensch leistet in einer Stunde eine Arbeit, wie ein gewöhnlicher Mensch sie in einer Woche leistet. Ja.
Schüler: Wenn man den Zustand sehen und darauf reagieren soll – gibt es einen Zusammenhang zwischen ... der Schleuder (Kaf haKela), die von einem Ende zum anderen geschleudert wird, und dem Embryo, der von einem Ende zum anderen sieht? Hängt das eine mit dem anderen zusammen?
Rav: Der Embryo, der von einem Ende bis zum anderen sieht, sieht, weil er sich selbst annulliert. Und dann ist alles, was über ihn hinweggeht, nicht wichtig; es geht vorüber, und er befindet sich einfach in diesen Zuständen, die vorübergehen. Der Mensch, über den diese Dinge von einem Ende zum anderen hinweggehen, ist aus ihnen zusammengesetzt, er wird in sie einbezogen, er wird von ihnen ergriffen. Der Embryo wird nicht ergriffen, er hat einen Schirm, und obwohl er diese Dinge durchläuft, durchläuft er sie, ohne dass sie über ihn herrschen. Wohingegen bei uns hier – von der Schleuder, von einem Ende zum anderen, die wir durchlaufen, von einem extremen Zustand zu einem anderen, verschiedenen extremen Zustand – wir in diesen Zustand einbezogen werden, wir versinken in ihm, und jeder einzelne Zustand herrscht über uns. Das ist also ein gewaltiger Unterschied.
Schüler: Ist das nicht die Rückseite (Achoraim) einer Stufe des Embryos?
Rav: Nein, das ist nicht die Rückseite einer Stufe des Embryos, das ist noch weit davon entfernt. Das sagt dem Menschen einfach, wie schwach er ist. Ja.
20:17 Schüler: Auch hier steht, dass man die Mängel nur im Aspekt ihrer Korrektur betrachten soll. Und wenn ein Mangel kommt, ein Verlangen, das man nicht korrigieren kann – was soll man damit machen?
Rav: Man sagt: Ein Verlangen, das ich nicht korrigieren kann – der Mensch muss trotzdem irgendwie zu einem Zustand kommen, in dem er es nicht gebraucht. Oder er bringt es in irgendeiner Gebrauchsform heraus, bei der er weiß, dass er es benutzt – aber er weiß, dass es ihm bleibt, und dass er zu einem Zustand kommen muss, der es korrigiert. Eine Kontrolle muss da sein. Der Mensch kann nicht korrigieren. Wo hat man denn je so etwas gehört, dass jemand etwas korrigieren kann? Unsere Anstrengung bringt von Oben eine Veränderung, Licht, Erleuchtung – das Licht, das zum Guten zurückführt; das Licht korrigiert. Und ohne Licht kann ich durch Zwang gar nichts korrigieren. Dann sag mal so: Was bedeutet es dann, dass du eine Einschränkung (Zimzum) machst? Es steht geschrieben: „der seinen Willen zurückhält, obwohl er sich sehr danach sehnt." Ist das nicht Zwang? Also wenn ich mich selbst zwinge, nennt man das Zwang, oder wenn andere mich zwingen, nennt man das Zwang, ja? Wie soll ich zu einem Zustand kommen, in dem ich mich zu nichts zwinge außer zur Anstrengung im Lernen, und soweit das Licht kommt und mich korrigiert, wird das meine Korrektur sein, und soweit das Licht noch nicht kommt, gibt es noch keine Korrekturen. Heißt das, dass ich mich wirklich in spiritueller Entwicklung befinde? Oder wenn ich etwas nicht korrigieren kann, das Licht hat es noch nicht korrigiert, und die übrigen Dinge, die es nicht korrigiert hat – von denen ich sehe, dass sie nicht in Ordnung sind –, friere ich trotzdem ein, ich gebrauche sie nicht: Ist das spirituelle Entwicklung, oder ist das zwanghaft? Ja? Nu, was meint ihr? Äh? Keine Antwort?
Schüler: ... keine Antwort.
Rav: Du weißt es nicht. Man sagt: „Es gibt keinen Zwang in der Spiritualität, und sogar in der Materialität ist er nicht von der Seite der Heiligkeit." Was bedeutet das? Wenn an der Tafel steht, dass man dies und das nicht tun darf, und ich nehme das und wende es auf mich an, nennt man das Zwang. Oder wenn an der Tafel dies und das steht, und ich zwinge es jemand anderem auf, nennt man das Zwang. Das ist zunächst die Frage. Äh. Wenn ich mir selbst sage „verboten" und mir das wirklich verbiete und mich unter Spannung halte, irgendeine Eigenschaft, irgendein Verlangen nicht zu gebrauchen – nennt man das Zwang oder nicht? Oder muss ich zu einem Zustand kommen, in dem ich alle meine Verlangen gebrauche, was auch immer es sei, sondern ich mich bemühe, Anstrengung zu geben, und das Licht kommt und korrigiert mich, dann werde ich in Ordnung sein. Kommt es nicht, dann gebrauche ich [sie] so, wie ich bin. Ist nicht klar, was ich sage? Nein, Snilewitsch kapiert es nicht. Ja? Nu, also was meint ihr?
24:07 Schüler: Wenn es auf mich selbst [angewandt] ist, ist es kein Zwang, so scheint es.
Rav: Wenn es auf dich selbst [angewandt] ist, ist es kein Zwang. Nu, Pagut.
Schüler: Das Licht wird kommen und die Formen korrigieren, die...
Rav: Das Licht muss kommen und korrigieren.
Schüler: Ja.
Rav: Und ich darf mir selbst nicht „verboten" sagen?
Schüler: Das ist ein Ergebnis des Lichts.
Rav: Ja.
Schüler: Zunächst denke ich, dass Zwang überhaupt nicht mit einem Verbot verbunden ist, sondern damit, etwas auszuführen.
Rav: Das heißt, Zwang ist nicht...
Schüler: Nicht im Verbieten, sondern darin, den Menschen anzutreiben, etwas zu tun.
Rav: Moment, Moment, Moment, ich hab's nicht verstanden. Du fügst etwas hinzu.
Schüler: Nein.
Rav: Sondern was?
Schüler: Sie haben gesagt, dass Zwingen bedeutet, sich selbst oder jemand anderem zu verbieten, etwas zu tun. Und ich sage, dass Zwingen gerade das ist – übrigens –, mich selbst oder jemanden anzutreiben, etwas zu tun.
Rav: Das heißt, Zwang ist nicht im Nicht-Tun, sondern Zwang ist im Doch-Tun. Was ist der Unterschied?
Schüler: Der Unterschied, dass es ein großer Unterschied ist – was heißt zwingen?
Rav: Aber so ist es gegen meinen Willen und so ist es auch gegen meinen Willen. Also sag...
Schüler: In dem einen Fall hat man ein Verlangen, im anderen hat man keines, als würde man es künstlich herbeiführen.
Rav: Gut, richtig, Unterschiede gibt es sicher, aber auch das ist gegen meinen Willen, auch das ist gegen meinen Willen. Nu, also willst du sagen „verboten im Gedanken" oder „verboten in der Tat"? Dass es im Gedanken verboten ist, in der Tat erlaubt, oder umgekehrt?
Schüler: In beiden verboten.
Rav: In beiden verboten. Das heißt, du bist wie er, verboten... Was?
Schüler: Bei jemand anderem verboten, sowohl im Gedanken als auch in der Tat.
Rav: Bei jemand anderem, sowohl im Gedanken als auch in der Tat. Sich selbst zu verbieten – ist das Pflicht? Pflicht. Aber was heißt Pflicht, wenn ich nicht dazu fähig bin?
Schüler: Dann bringt man sich zu jemandem, der es mit einem macht, weil man keine Kraft und keine Möglichkeit hat, es zu tun.
Rav: Sagen wir mal Rauchen. Du rauchst nicht, du weißt nicht, was das ist. Man sagt mir, Rauchen ist verboten, das Gesundheitsministerium legt das fest. Ist ja egal, ja? Dann nehme ich das von dem Moment an als Befehl: Und wenn ich platze, ich rauche nicht, ja?
Schüler: Nein, das ist wieder ein Verbot. Aber wenn das Gesundheitsministerium festlegen würde, dass man rauchen muss, dann wäre...
Rav: Oder sagen wir, der Arzt sagt mir, dass ich von heute an nur noch Kohl essen muss.
Schüler: Ja, ist das Zwang?
Rav: Das ist Zwang – dass man keinen Zucker essen darf, ist das kein Zwang? Nu, gut, ich weiß nicht, ich – einen Unterschied gibt es, aber ist das Zwang oder nicht Zwang? Das – gut, Zwang ist eine fremde Kraft oder...
27:05 Schüler: Richtig, wenn ich nicht denke, dass es so ist, dann ist es Zwang ...
Rav: Gut, nu.
Schüler: Ein Mensch verbietet sich selbst und hält sich selbst von etwas ab oder zwingt sich selbst, etwas zu tun – dann ist das kein Zwang, weil es aus seinem eigenen Willen kommt.
Rav: Wenn ich entscheide, ist es kein Zwang?
Schüler: Man zwingt sich selbst, sagen wir, um drei Uhr morgens aufzustehen, auch wenn man nicht will, weil man ein Ziel hat – und dann zwingt man, man tut etwas...
Rav: Das heißt, wenn ich mich selbst zwinge, etwas zu tun oder etwas nicht zu tun – obwohl ich, sagen wir, ein bestimmtes Verlangen erfülle, aber mit einem anderen Verlangen will ich mich selbst zwingen –, und wenn ich das an mir selbst tue, nennt man das nicht Zwang. Ooh, das ist etwas Gutes. Das heißt, wenn ich – aber dann ist die Frage: Bin ich selbst zu dieser Entscheidung gekommen, dass ich es tun soll oder nicht tun soll, es mir selbst verbieten soll? Oder nehme ich dieses Stigma, irgendein Gesetz von außen? Vielleicht sagt mir gerade das genau, ob es Zwang ist oder nicht. Verstehst du.
Schüler: Also selbst wenn man eine Empfehlung aus den Büchern oder von einer Gruppe nimmt, dann übernimmt man sie letztlich, weil man befürchtet, dass es ...
Rav: Ooh, also wenn ich sie von außen nehme, ich denke, sagen wir, dass es richtig ist, dass es sich lohnt, dann ist es kein Zwang – obwohl ich nicht will, aber nach der Rechnung. Sagt jemand nein? Ja ...
Schüler: Nein, ich wollte sagen, dass Zwang nur mit der Einstellung zu tun hat, die ich einer Sache gegenüber habe. Sagen wir, beim Rauchen gibt man mir sozusagen eine Empfehlung, der Arzt sagt mir, ich darf nicht rauchen, und ich kann sozusagen aufhören zu rauchen, aber meine Einstellung zur Zigarette und zum Rauchen bleibt sozusagen so, als wäre ich ein Mensch, der raucht.
Rav: Aha.
Schüler: Also faktisch rauche ich nicht, und das nennt man nicht Zwang, weil es meine Einstellung nicht verändert hat, es hat meine Einstellung nicht beeinflusst. Und was ist Zwang? Zwang ist, wenn man mich zwingt, wenn jemand auf mich einwirkt.
Rav: Das heißt, Zwang ist, wenn man ohne meine Zustimmung eine fremde Kraft auf mich anwendet, ja? Und ich muss ausführen, was man mir sagt, ohne innere Zustimmung?
30:07 Schüler: Ja.
Rav: Ohne innere Zustimmung. Was verpflichtet mich, es zu tun – Furcht?
Schüler: Ja, Furcht ...
Rav: Furcht, das heißt – aber auch so ist es Furcht. Entweder habe ich es übernommen, weil ich Furcht habe und es tue, oder ich fürchte mich wovor – vor den Leiden, die von Ihm kommen?
Schüler: Ich fürchte mich vor den Leiden von dieser Sache, sozusagen.
Rav: Ich fürchte mich vor Leiden vom Schöpfer, deshalb tue ich viele Dinge nicht – ist das Zwang oder nicht? Oder ist Zwang nur, wenn ich mich vor irgendeinem Menschen fürchte? Und dann könnte Zwang nur ein Ergebnis davon sein, dass ich „Es gibt nichts außer Ihm" noch nicht vollziehen kann? Äh? Ja, nu. Nu, du willst, nicht?
Schüler: Jedes Mal, wenn ich gegen ein Verlangen gehe, ob gegen mein eigenes oder gegenüber jemand anderem, ist das immer Zwang. Selbst wenn ich verstehe, dass Rauchen schädlich ist, selbst wenn ich beschlossen habe aufzuhören, aber trotzdem leide – ich zwinge mich selbst, das ist immer Zwang.
Rav: Das heißt, du sagst Folgendes: Ich will rauchen, ich weiß, dass es nicht gut ist, aber ich habe keine Wahl, der Körper zwingt mich, und ich rauche.
Schüler: Nein, nein, umgekehrt.
Rav: Was heißt umgekehrt?
Schüler: Ich habe beschlossen, dass ich aufhöre zu rauchen, ich habe es beschlossen.
Rav: Nu.
Schüler: Und ich habe aufgehört, aber ich leide, ich zwinge mich selbst.
Rav: Ich habe aufgehört zu rauchen, ich leide darunter, dass ich aufgehört habe und nicht rauche, und das nennt man Zwang. Gut – zwingst du den Körper? Nein, aber du zwingst. Ja.
Schüler: Ich denke, dass kein Zustand, in dem nur der Mensch selbst, sein Körper existiert – das macht keinen Unterschied – Zwang ist; das ist einfach eine Rechnung, wovon ich mehr Genuss habe, und das war's. Zwang muss daher kommen, dass jemand anderes die Rechnung macht und ich nur das Ergebnis sehe, und das Ergebnis zwingt mich, etwas anderes zu tun. ... der Schöpfer – der Schöpfer hat irgendeine Rechnung, ich weiß nicht, was Seine Rechnung ist, ich weiß nur, dass ich tun muss, was Er sagt, und weiß nicht warum, obwohl ich einen riesigen Genuss dagegen sehe – das nennt man Zwang. Und dass die Rechnung nicht in meinen Händen liegt. Wenn die Rechnung in meinen Händen liegt, ist das die Wahl, das ist einfach eine Rechnung.
Rav: Eine Rechnung. Auch wenn ich gezwungen bin, es mit Kraft zu tun, aber es ist eine Rechnung. Gut. Ja.
33:17 Schüler: Daraus folgt, dass es keinen Zwang gibt, weil es keinen solchen Zustand gibt, in dem die Rechnung nicht in meinen Händen liegt. Zumindest nicht in unserem Zustand. In der Spiritualität sagen wir, dass es überhaupt keinen Zwang gibt.
Rav: Was bedeutet das? Wenn jemand eine Rechnung macht, und ich kenne seine Rechnung nicht, aber ich bin verpflichtet, [sie] auszuführen.
Schüler: Da hat man irgendeine Rechnung, die nicht Seine Rechnung ist, sondern die eigene, also...
Rav: Das ist immer so, wir reden über Dinge, die ich ausführe, nicht über solche, die an mir ohne mein Wissen ausgeführt werden.
Schüler: Ja, ja, klar, dass ich es ausführe, und die Rechnung liegt sozusagen nicht in meinen Händen, aber trotzdem komme ich mit meiner eigenen Rechnung. Ich sage: Wahrscheinlich ist dieser Mensch klüger als ich, oder wahrscheinlich ist der Schöpfer größer als ich, Er weiß, was gut für mich ist – also mache ich irgendeine Rechnung. Ich nehme das nicht einfach so an. Was Gilad sagt, ist über dem Verstand, oder ich weiß nicht, was ich sagen soll, irgendetwas...
Rav: Gut, darüber reden wir noch.
(Ende der Lektion)