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Morgenunterricht Transkript, October 15, 2003
Sukkot 2003, Lektion 10
Zur Organisation der Gruppe, zur Arbeit innerhalb der Gruppe, zur Verbindung mit Bnei Baruch, zur Durchführung von Versammlungen, Vorträgen, Lektionen, Veranstaltungen, Picknicks, zur Abgabe von Geldern. Ist uns das alles, alles klar?
Aus der Praxis wisst ihr: Das Zentrum Bnei Baruch hat nie von irgendjemandem von euch etwas verlangt. Alles, was wir herausbringen – eine riesige Menge an Medien –, die Technik, die wir anschaffen, alles, was wir machen, geht nicht auf Kosten irgendwelcher Gruppen, obwohl die Gruppen die Früchte dieser Arbeit nutzen. Das alles wird aus ganz anderen Mitteln bezahlt.
Deshalb achten wir in erster Linie darauf, dass unsere Beteiligung am Vorankommen den Anweisungen entspricht, dem Gesetz der spirituellen Welt: Der zehnte Teil wird nach außen gegeben, nicht für sich selbst. Deshalb wollen wir in erster Linie wissen, dass das wirklich eingehalten wird.
Versteht: Das richtige Wissen um die Gesetze der Höheren Welt und darum, wie wir uns an sie anpassen müssen, treibt mich ständig an zu suchen, mich an die Höhere Welt anzupassen, Ihr ähnlich zu sein. Wenn ich nicht genau weiß, was die Rahmen des nächsten Parzuf sind – des ACHaP de Eljon¹ –, wem soll ich dann entsprechen?
Dieser ACHaP de Eljon, die Eigenschaft der höheren Stufe, muss ausgedrückt sein. So kann ich mich ständig mit etwas vergleichen, mich an etwas messen. Wenn es das nicht gibt, dann … Oder ich vernachlässige es – dann sehe ich klar, dass ich es vernachlässige, und kann mich korrigieren; ich muss mir sonst irgendeine Rechtfertigung suchen.² All diese Rahmen, die wir uns auferlegen müssen, dienen also dazu, dass wir konkreter und schneller vorankommen.
Wir lernen, dass der Schöpfer im Prinzip alles auch umgekehrt hätte machen können. Das heißt: Worin unterscheidet sich unser Vorankommen in der Arbeit „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ vom Endziel „Liebe den Schöpfer mit ganzem Herzen und ganzer Seele“? Das nennt man die Endstufe: wenn die Beziehung des Menschen zum Schöpfer und die Beziehung des Schöpfers zum Menschen absolut gleichberechtigt, gleich sind. Uns ist also die Arbeit gegeben, diese Stufe der Liebe, der Dwekut, der Ähnlichkeit mit dem Schöpfer zu erreichen, und uns ist die Arbeit in der Gruppe gegeben, denn hier können wir – wie gesagt, wir lernen es ja …
Denn hier können wir uns überprüfen, von unseren Freunden Rückmeldung bekommen, sie kritisieren, und sie können uns kritisieren. Wir können Anstrengungen in sie investieren, und diese Anstrengungen kommen in schweren Minuten zu uns zurück. Wir können in verschiedenen Zuständen sein, in Aufstiegen und Abstiegen. Wenn ich kann, tue ich etwas für die Gruppe; wenn ich nicht kann, hilft mir die Gruppe, und so weiter.
Gegenüber dem Schöpfer funktionieren all diese Arbeitsweisen überhaupt nicht. Gegenüber dem Schöpfer gilt: Du überschreitest eine Stufe, du hast über dir einen Massach gemacht – dann bist du in diesem Maß mit Ihm. Hast du ihn nicht gemacht, bist du nicht mit Ihm. Und das war's. Es gibt keine Zwischenzustände, keine Möglichkeit zu variieren: Mir geht es schlecht, mir geht es gut, manchmal ja, manchmal nein.
Gegenüber dem Schöpfer gibt es kein „manchmal ja, manchmal nein“. Alles muss absolut sein. Jede Stufe, jedes Maß der Verbindung mit dem Schöpfer ist an sich absolut. Deshalb ist uns die Möglichkeit gegeben, all das in der Gruppe durchzuspielen und umzusetzen, denn hier können wir uns in unserem Zustand auf verschiedenen Wegen bewegen. Das haben wir durchgenommen. (Wo ist dieser Artikel? In Punkt 13 haben wir gelesen.)³
Obwohl es zwei Handlungen des Gebens gibt – zwischen dem Menschen und dem Schöpfer und zwischen dem Menschen und dem Nächsten –, ist die Handlung des Menschen gegenüber dem Nächsten, gegenüber der Gruppe, wichtiger als die Handlungen gegenüber dem Schöpfer.
Warum? Weil mich die Handlungen gegenüber dem Schöpfer heute verwirren. Ich kann mich überhaupt nicht zu Ihm verhalten: Er reagiert sowieso nicht auf mich, und ich reagiere nicht auf Ihn. Das Einzige, was ich tun kann: in meinem Verhältnis zum Nächsten in mir alle Voraussetzungen für das richtige Verhältnis zum Schöpfer schaffen. Deshalb wird erklärt, warum diese Beziehungen zum Nächsten uns zur letzten, höchsten Stufe führen können: Weil unsere Zustände unbeständig und unbestimmt sind, werden sie von der Umgebung eingefordert.
Die Gruppe verlangt von mir die richtige Haltung ihnen gegenüber. Sie verlangen, dass ich sie liebe, dass ich mich richtig zu ihnen verhalte. Das Ziel ist näher, ich sehe es, ich kann es greifen. Meine Positionen, Zustände, Beziehungen zur Gruppe, in welchen Variationen auch immer, werden kontrolliert und kritisiert, von mir selbst wie von den anderen. Gegenüber dem Schöpfer dagegen weiß ich überhaupt nicht, wo ich stehe, in welcher Beziehung zu Ihm. Ich kann mich mit Ihm vergleichen, wie ich will, und mich selbst belügen, wie ich will.
Genau darin liegt der Unterschied zwischen dem kurzen, effektiven Weg – wenn der Mensch die ihm gegebene Möglichkeit richtig annimmt und es über die Gruppe tut – und dem langen, ineffektiven Weg: „Ich habe meinen Schöpfer, ich sitze für mich allein und arbeite mich selbst in diese Weisheit der Kabbala ein, lasst mich in Ruhe, ich bin selbst klug.“ Die einzige Möglichkeit, die uns gegeben ist, um uns effektiv und klar durchzuarbeiten, ist die Gruppe. Und wenn ein Mensch davor wegläuft, dann kann man nichts machen, deshalb …
In der Tora gibt es eine sehr einfache Regel: „O Chawruta, o Mituta“.⁴ Das heißt: Entweder bist du in der Gruppe, oder du bist tot, spirituell tot – ein Drittes gibt es nicht. Und so geschieht es: Diese Schlauen, die das ablehnen, fangen nach 5, 10, 15 Jahren (ich habe solche Beispiele) plötzlich nach und nach an zu verstehen, dass sie diese Jahre umsonst gelebt haben. Sie konnten ihren eigenen kleinen Egoismus nicht niedertreten, um sich dieser Arbeit einfach hinzugeben.
Da kann man nichts machen – man muss sich selbst niedertreten, sich beugen. Das ist unangenehm, das ist nicht schön, man will jede Sekunde auf jede Weise davor weglaufen. Da kann man nichts machen, es gibt keinen anderen Weg. Die gemeinsame Seele ist absichtlich zerbrochen worden, um uns die Möglichkeit zu geben, beim Durcharbeiten unserer Beziehungen zu den anderen Seelen dort die Eigenschaften des Schöpfers zu finden, Ihn dort zu fühlen und mit Ihm zu verschmelzen. Nur dort, in diesem allgemeinen Gefäß.
Weiter. Die Beziehungen des Menschen zum Schöpfer dagegen, schreibt Baal HaSulam, müssen beständig sein – das heißt absolut: unveränderlich in der Zeit und beständig in ihrer Ausrichtung. Weiter: Es gibt kein Gefühl, das ihre Erfüllung einfordert, der Schöpfer ist vor uns verborgen. Ich weiß weder, wem ich etwas tue, noch, von wem ich etwas empfange.
Hier ist also Raum für Fantasien, man kann sich alles Mögliche ausdenken. Solange ich unterrichte und Menschen zu mir kommen, habe ich immer wieder gehört und höre bis heute, wie sehr Menschen sich verwirren und sich Zustände ausdenken können: Sie seien schon in Ejn Sof, irgendwo mitten in den spirituellen Welten – dabei haben sie mit der Arbeit an ihren Eigenschaften noch gar nicht angefangen.
Und weiter: Der Mensch gewöhnt sich schnell an Handlungen, und Handlungen aus Gewohnheit bringen keinen Nutzen. Das heißt: Gegenüber dem Schöpfer, wenn ich allein bin, und gegenüber irgendetwas, das ich mir da ausdenke, irgendwelchen Illusionen, kann ich mir alle möglichen Argumente, Bräuche, Rituale ausdenken. Was kann ich mir da nicht alles ausdenken! Menschen denken sich solche („Pulchanim“⁵, wie sagt man?) Kulte aus, ja, Kulte, angebliche Beziehungen zwischen sich und dem Schöpfer, da bauen sie regelrecht eine neue Religion auf. Sie denken sich das alles aus.
Deshalb braucht es einfach das klare Verständnis: Außer in der Gruppe, unter meinesgleichen, habe ich keinen anderen Weg, mich dem Schöpfer anzunähern. Und die Menschheit wird nie einen anderen haben, denn das wird uns an der Shwirat Kelim deutlich gezeigt. Das Zerbrechen der gemeinsamen Seele und die uns gegebene Arbeit, sie wieder zusammenzukleben – das ist der einzige Weg zurück in jenen vollkommenen Zustand, in dem sie sich befand, nur auf Awiut Shoresh. Und wenn wir in denselben Zustand zurückkehren, kehren wir schon auf Awiut Dalet zurück (auf die vierte Stufe der Awiut).
Und soweit wir weiter vorankommen, soweit unsere Gruppe verständiger wird und die spirituellen Anforderungen richtig umsetzt …
Wenn sich die Anforderungen nicht ändern, heißt das, dass wir uns nicht ändern. Und sie müssen immer ein Stück über uns liegen. Woher nehmen wir dieses „ein Stück über uns“? Aus den Artikeln, aus dem, was unsere Lehrer uns zeigen.
In den grundlegenden 20–30 Artikeln, die Rabash für uns geschrieben hat, ist deshalb im Prinzip alles enthalten, oder in diesen Artikeln, die Baal HaSulam geschrieben hat. Nur dann fangen wir an, im Talmud Esser haSefirot zu fühlen, was dort wirklich steht, und stellen es uns nicht als Illusion vor, als etwas, das mir nur so scheint. Wir werden wirklich darin leben.
Unsere wichtigste Arbeit ist also meine Arbeit in der Gruppe. Deshalb bitte ich euch sehr: Versucht, euch davon beeindrucken zu lassen, was ihr hier seht – wie zumindest die zentrale Gruppe von Bnei Baruch arbeitet –, und lasst uns alle unsere Gruppen auf dieses Niveau bringen. Dann werden wir alle auf einer ganz anderen spirituellen Stufe sein.
Frage: Nach der Umsetzung des Tagesmottos haben wir Kraft und Energie. Wie können wir das in den verbleibenden Tagen maximal nutzen?
Unser größtes Problem ist, dann nicht zu arbeiten, wenn wir Energie haben, wenn wir von Begeisterung erfüllt sind, vom Höheren Licht, wenn der Schöpfer uns ein gutes Gefühl gibt: Wir sind morgens aufgewacht, alles ringsum strahlt, es ist gut, ich habe gute Laune, ich bin zu allem bereit.
Das bin nicht ich. Man hat mich so angehoben, man hat mich so geschaffen, all meine jetzigen inneren Bedingungen. Und wenn ich mit ihrer Hilfe so handle, geht das nicht auf meine Kosten, sondern auf Kosten der sogenannten Itaruta de Leila⁶, das heißt, wenn von oben das Licht herabkommt und man den Menschen anhebt. Der Zustand ist gut, leicht, angenehm, da stimme ich euch zu. Aber das ist kein Durcharbeiten der Reshimot, das ist es nicht.
In diesen Zuständen könnt ihr nur schnell die schwierigen Stellen in den Büchern nehmen, sie anschauen und darin neue, tiefere Erkenntnisse sehen: Verbindungen zwischen den Elementen der Schöpfung, zwischen der unbelebten, pflanzlichen, tierischen und menschlichen Stufe. Vielleicht könnt ihr endlich verstehen, wovon Baal HaSulam irgendwo spricht oder ich, oder die verworrensten Stellen in irgendwelchen Büchern.
Wenn ihr so begeistert seid, könnt ihr endlich verstehen, wie man sich überhaupt (nur klar) zu den Freunden und zu anderen verhalten muss. Versucht nur, in diesen Zuständen nicht einfach zu schwimmen, sondern bringt jetzt euren Verstand hinein, eure Kritik, eure Haltung – eine verstandesmäßige Haltung, nicht nur eine gefühlsmäßige –, und schreibt diese Zustände auf.
Und schaut dann: Was passiert mit euch, wenn man euch das von oben wegnimmt und alles grauer wird, trüber, keine Energie mehr da ist? Manchmal ist so wenig Energie da, dass ihr einfach liegt und euch nicht rühren könnt; und wenn man euch umbringt – ihr könnt keinen Finger rühren. Wenn sich das spirituelle Licht entfernt, bleibt der Mensch völlig leblos und kann nichts bewegen. Deshalb muss man diese Zustände manchmal aufschreiben und beobachten, kontrollieren: Wer bin ich eigentlich?
Wie kann man von oben überhaupt so mit mir spielen, und warum spielt man so mit mir? Weil man mir von oben zeigt, wie ich meine inneren Zustände selbst lenken muss, von welchem niedrigsten bis zu welchem höchsten Parameter – ich, mithilfe meiner Umgebung.
Ich allein – auf keinen Fall, niemals. Mit meiner Umgebung, ja, kann ich es: Egal, wie der Schöpfer mit mir spielt – und Er wird mir so etwas ständig unterschieben, Er wird mich ständig aus guten Zuständen herausziehen und dabei absichtlich Egoismus hinzufügen –, ich muss meinerseits einen solchen Zustand erreichen, einen solchen Zustand der Unabhängigkeit …
Was bedeutet Freiheit des Einzelnen? Freiheit von wem? Freiheit vom Schöpfer! Ob Egoismus oder Altruismus, egal – es ist Freiheit vom Schöpfer. Er ist ja der Einzige, der alles lenkt. Also Freiheit von Ihm. Es gibt einen solchen Artikel in „Dargot haSulam“, nicht in „Shlawei haSulam“, sondern in „Dargot haSulam“: „Domem, Zomeach, Chai, Medaber“⁷ (stimmt's, Oren?). Ist das in „Shamati“? Er ist auch ins Russische übersetzt, aber nicht ganz ausgearbeitet, deshalb steht er wohl irgendwo im Internet (ich weiß nicht).
Wodurch unterscheidet sich also eine kleine spirituelle Stufe von einer größeren, noch größeren, noch größeren, noch größeren? Durch den Grad der Unabhängigkeit vom Schöpfer! Vom Schöpfer! Wenn der Mensch Ihm gleich wird, selbstständig, auf Augenhöhe mit Ihm. Wenn der Schöpfer uns vor und zurück, hoch und runter zerrt, uns gute, geradezu euphorische Zustände gibt und schlechte, in denen Er uns alle Lebenskraft entzieht, dann zeigt Er uns damit, wie abhängig wir von Ihm sind, wie sehr wir überhaupt an einem Fädchen hängen. (Kennt ihr diesen Ball an der Schnur, mit dem Kinder spielen, „Jo-Jo“? Ja, auf Hebräisch heißt er „Jo-Jo“.)
Damit zeigt Er uns die Grenzen zwischen unserem oberen und unteren Zustand, innerhalb derer wir heute schon frei, unabhängig von Ihm existieren müssen. Er kann alle Energie aus mir herauspumpen, und ich kann trotzdem selbst, selbstständig, bis zur höchsten Stufe aufsteigen, die mir schon vorgegeben ist: dieses Delta, diese Parameter. Und auf der nächsten Stufe wird das noch höher sein, noch höher und so weiter.
Es kann also in Wirklichkeit auf keinen Fall einen Zustand geben, in dem der Mensch völlig in der Macht des Schöpfers ist. Das kann es nur als Beispiel vonseiten des Schöpfers geben oder als unkorrigierten Zustand des Menschen. Für Schwermut, für irgendwelche niedergeschlagenen Zustände ist also kein Platz, das ist unannehmbar, unmöglich. Die Gruppe ist verpflichtet, von jedem ihrer Mitglieder zu verlangen, schneller mit diesen Zuständen fertigzuwerden, weil er damit die ganze Gruppe zurückzieht. Sie muss …
Was heißt „verlangen“? Sie muss in sich immer ein solches Feuer pflegen und entwickeln, dass niemand um sie herum, also keines ihrer Mitglieder, ruhig weiter existieren könnte, irgendwo unten herumhängen, in irgendeiner spirituellen Depression trübsinnig sein. Also … Die Frage war ja: Wie soll ich, was soll ich jetzt weiter tun? Genau jetzt, nach diesem Kongress, fängt für euch die echte, bewusste Arbeit an, die eigene spirituelle Stufe der Unabhängigkeit zu meistern.
Frage: Wenn der Mensch selbstständig geworden ist, kann er dann seine eigenen Verlangen erzeugen?⁸
Ja, seine Stimmungen, absolut richtig. Er selbst ist völlig frei, gewissermaßen unabhängig vom Schöpfer. Warum? Weil er diese Zustände, diese Reshimot, so in sich durchgearbeitet hat, dass sie schon seine innere, eigene, gewissermaßen energetische Ressource sind. Er hat gewissermaßen sein eigenes Kraftwerk in sich, seine eigene Stromquelle. Er hat sich schon so mit der Gruppe verbunden, so viel in die Gruppe investiert, dass er aus der Gruppe schöpfen und in sie abgeben kann, je nachdem, in welchen Zuständen er ist.
Er ist etwas unter die Gruppe gesunken, gefallen, weil der Schöpfer ihm Egoismus hinzugefügt hat – jetzt kann er dank der Gruppe aufsteigen. Sobald er aufgestiegen ist, und zwar auf eine höhere Stufe als vorher, fließt es nach dem Gesetz der kommunizierenden Gefäße⁹ aus ihm heraus: Er gibt seinen spirituellen Vorrat in die Gruppe.
Und so hat er keine Angst, dass er beim nächsten Mal fällt: Er hat in der Gruppe schon einen Vorrat, und sobald er fällt, kann er wieder Energie aus ihr schöpfen, um wieder aufzusteigen. So entsteht ein interessantes Paar, eher ein Dreieck: der Schöpfer, ich und die Gruppe. Und ich befinde mich zwischen ihnen. In Wirklichkeit ist die linke Linie das, was der Schöpfer mit mir macht, und die rechte Linie ist, wie sich zeigt, die Gruppe.
Und dann muss er das nicht mehr mit dem Schöpfer verbinden, dann hat der Mensch also hundertprozentig recht … Nein, es ist unmöglich, sich nicht mit dem Schöpfer zu verbinden, denn der Schöpfer gibt die linke Linie, und der Schöpfer gibt die rechte Linie. Sowohl das Gefäß als auch das Licht kommen im Grunde vom Schöpfer. Vom Menschen hängt die Freiheit der Wahl ab: wie er es umsetzt, um die Eigenschaften des Lichts mit den Eigenschaften des Gefäßes zu verbinden.
Frage: Rav, alles, was Sie über die Gruppe sagen, über die Beziehungen, die Regeln des Gruppenlebens, Maaser und so weiter – all diese Rahmen sind für Männer, für Frauen sind viele davon nicht annehmbar. Gibt es irgendwelche festen Rahmen für das Bestehen einer Frauengruppe? Kann sie wie eine Männergruppe funktionieren?
Darüber haben wir schon gesprochen. Ich verstehe nicht, warum in der Frauengruppe immer wieder Missverständnisse entstehen, wie man sich verhalten soll. Versuchen die Frauen, für sich mildere Bedingungen zu finden? Oder glauben sie, dass die Frage nach dem Sinn des Lebens, die in ihnen aufkommt, nicht vom Schöpfer kommt? Oder sind sie irgendwelche besonderen Geschöpfe, nicht aus derselben einen Seele, in der sich der männliche und der weibliche Teil auf jener Stufe befanden und befinden? Ich verstehe nicht, wie man ständig in diesen Fragen stecken kann. Ihr Sinn oder ihre Quelle? Wollt ihr vor dieser Arbeit weglaufen – dann arbeitet nicht; wenn nicht, wenn ihr sie machen wollt … Wo ist das Problem? Mit wem soll eine Frau arbeiten, wenn nicht innerhalb der Gruppe?
Frage: *Wenn Störungen kommen, müssen wir in ihnen das Einwirken des Schöpfers auf uns enthüllen.*¹⁰ Was tun, wenn Stille eintritt?
Ich habe schon darüber gesprochen: Wenn Stille eintritt, zeigt das eure Untätigkeit, es kann nicht sein, dass Stille eintritt. Der Schöpfer – das sogenannte Or Makif – oder der Schöpfer als das Höhere Licht ist in absoluter Ruhe. Er muss keine Bewegungen, keine Handlungen machen, um in euch die nächste Reshimo zu erwecken. Sobald ihr die vorherige Reshimo an euch durchgearbeitet habt, springt sofort die nächste hervor.
Wenn ihr in euch unveränderte, langsame, schleppende Zustände fühlt, heißt das, dass ihr entsprechend arbeitet: entweder gar nicht oder sehr langsam, unnatürlich, ineffektiv, und deshalb ändern sich eure Zustände langsam. Es kann nicht sein, dass der Zustand … Der Wechsel des Zustands hängt nur vom Menschen ab, absolut nur vom Menschen. Wie schnell der Zustand maximal wechseln kann? Ich habe es schon gesagt: bis zu mehreren Hundert Mal pro Minute. Bis dahin, dass die Wechsel so häufig werden, dass das Zeitgefühl verschwindet.
Frage: Wie verstehe ich, dass ich meine Reshimot durchgearbeitet habe?
Wenn sie sich bei euch ständig ändern: Jede Minute kommen in euch neue und immer neue Störungen, und sie erwecken euch gleichzeitig zu immer neuen Verbindungen mit dem Schöpfer, sozusagen entgegen. Sie steigen auf, und ihr findet trotzdem immer wieder diesen Kontakt mit dem Schöpfer, mit den Freunden, mit dem allgemeinen Gefäß, egal wie man es ausdrückt. Dann arbeitet ihr sie durch. Wenn dagegen innere Stille eintritt¹¹, ist das schlimm – dann seid ihr in eurer spirituellen Entwicklung einfach stehen geblieben.
Frage: Wie kämpft man mit störenden Gedanken, die vom Weg abbringen?
So etwas wie „störende Gedanken“ gibt es nicht. Wir nennen das Störungen. In Wirklichkeit sind es keine Störungen. Es ist das, was uns als zusätzliche Awiut gegeben wird, um unseren größeren Aufstieg zu verwirklichen.
Frage: Behindern Kinderlosigkeit und eine unvollständige Familie das spirituelle Vorankommen?
Nein. Wenn das auf natürliche Weise geschieht, ist das nicht mehr euer Problem.
Frage: Warum sind meine Eindrücke vom Spirituellen gröber geworden, jetzt, wo ich schon zum dritten Mal zu Ihnen komme? Ich weine nicht mehr, ich schreie nicht mehr so wie früher, innen ist alles sehr hart, ein Zynismus wie bei einem Chirurgen.
Ja, weil man dir Egoismus hinzugefügt hat, und jetzt musst du ihm Sakut¹² hinzufügen (wie sagt man „Sakut“?) – Feinheit. Ein kleines Kind weint oder lacht aus jedem kleinen Anlass, in die eine oder die andere Richtung. Je größer ein Mensch ist, desto tiefer sind seine Trauer, sein Weinen – da wirklich ernsthaft – oder seine Freude, sein Glück, sein Lachen. Früher warst du so ein kleines Kind.
Man konnte dich ganz leicht zum Weinen, zum Lachen, zum Freuen bringen. Heute nicht mehr: Dir ist Awiut hinzugekommen, und von ihr aus fängst du natürlich an, deine Zustände zu bewerten. Du musst auf eine ernsthafte Stufe der Feinheit dieser Awiut kommen, ihr also einen Massach auf ihrer Stufe hinzufügen – der Stufe dieser riesigen Awiut, der Härte, des Zynismus, der Grausamkeit, all dessen, was uns der Egoismus gibt –, und trotzdem die Dwekut mit dem Schöpfer, das Gefühl der Spiritualität, das Gefühl der Verbindung mit den Freunden erreichen. Das ist sehr schwer.
Wir haben jetzt eine riesige, gigantische Arbeit gemacht. Wir sind vorangekommen – ich weiß nicht, es gibt keine Worte für diesen gewaltigen Sprung, den wir gemacht haben. Erwartet jetzt eine große Awiut, die in euch hervortritt, und ihre Lösung kann nur in der Gruppe liegen.
Eine gute Anstrengung endet immer mit einem großen Abstieg und danach mit einem sehr langsamen, selbstständigen Aufstieg. Diesen langsamen, selbstständigen Aufstieg müssen wir jetzt im Prinzip zum ersten Mal gemeinsam anfangen. Und er muss uns zur Enthüllung des Machsom führen. Wenn wir das gemeinsam machen, wird das unsere erste, einzige selbstständige Handlung sein – eine gemeinsame, mit einem großen Gefäß, mit einer großen Awiut, die gerade erst in uns entstanden ist.
Ich habe hier Fragen: Wo ist denn der Machsom, der uns versprochen wurde? Er hat recht. Die Leute, die das sagen, haben recht. Den werden wir jetzt gerade erschließen. Denn der Schöpfer hat die Stufe null geschaffen, dann die erste, zweite, dritte, vierte, hat in ihr einen Zimzum gemacht und so weiter, und Er zerstört dieses Gefäß, das Er geschaffen hat, bis zur niedrigsten Stufe. Und Er gibt uns alle Möglichkeiten aufzusteigen.
Dasselbe ist mit uns geschehen. Wir sind zusammengekommen, wir haben eine bestimmte Menge an Anstrengungen gemacht, Er hat uns jetzt geholfen, uns zu einer Gruppe zusammenzuschließen. Wir waren jetzt ein paar Tage – vier, fünf Tage, so lange wir hier zusammen sind – damit beschäftigt … Wir haben versucht, irgendwie gemeinsam mit einer Idee zu leben, einander so nah wie möglich zu sein. Damit haben wir unser erstes allgemeines Gefäß geschaffen.
Jetzt muss es das Zerbrechen durchlaufen. Jetzt, auf der Stufe, auf der wir unsere noch kleine, aber immerhin irgendeine Gemeinschaft geschaffen haben – nachdem wir genug Mittel und Kräfte investiert haben, innere und körperliche –, müssen wir gemeinsam einen gewaltigen spirituellen Abstieg fühlen: Abstoßung, Kraftlosigkeit, Enttäuschung.
Alle werden ihn fühlen. Und jetzt hängt es von uns ab, ob wir es wiederherstellen können. Wenn wir jetzt anfangen, es bis zu unserem allerbesten Zustand wiederherzustellen, der hier zwischen uns allen war, zu dem besten Augenblick, dann wird dieser Zustand von uns erreicht sein. Beim ersten Mal war er uns vom Schöpfer gegeben.
Jeder spirituelle Zustand wird immer zuerst nach dem Gesetz „Pnu elai we-ani porea“¹³ gegeben. Das heißt, zuerst gibt ihn der Schöpfer, die Höhere Kraft: Die sogenannten NeHJ de Ima, ACHaP, Achoraim de Ima¹⁴ steigen herab und zeigen es. So wie Mutter oder Vater dem Kind zeigen, wie man es macht; dann versucht es das Kind und macht es schließlich selbst. Auch dieses Beispiel aus unserer Welt stammt aus der spirituellen Welt.
Dasselbe wurde also mit uns gemacht. Uns wurden bestimmte spirituelle Zustände gegeben, erhabenere. Wenn wir jetzt anfangen, sie gemeinsam aus unserem gemeinsamen Egoismus heraus zu verwirklichen, der jetzt bei uns hervortreten wird, dann ist das wirklich ein Zustand, den wir erreicht haben, und nicht einer, den der Schöpfer uns von oben gegeben hat. Und genau dann werden wir den Machsom fühlen.
Das heißt, jetzt müssen wir … Aber wie kommt man mit diesen Zuständen zurecht? Auf keinen Fall warten, bis es mir noch schlechter geht: „Wenn ich erst meine echte Awiut habe, in all ihrer Wucht, ihrer Härte, ihrem Zynismus, wenn ich überhaupt nichts mehr will – dann strenge ich mich an und springe hoch.“
Nichts wird passieren. Im Gegenteil: Wenn ihr euch in dem Moment, in dem ihr die kleinste Abkopplung von eurem höchsten spirituellen Zustand bekommt, dieser Abkopplung, dieser Regression, diesem Abstieg nicht widersetzt, dann fallt ihr weiter, schon nicht mehr aus eigenem Willen, und ihr werdet nicht aus eigenem Willen aufsteigen. Ihr verliert schon auf dem Weg.
Das Wichtigste ist, schon die kleinsten Abstiege zu fühlen. Sobald sie anfangen: sofort „Hilfe!“ schreien, sofort einen Aufstieg fordern, sofort in euch irgendwelche Ressourcen ausfindig machen, euch mit der Gruppe zusammenschließen, wieder etwas tun. Sofort, nicht auf einen tiefen Abstieg warten.
Frage: Warum entstehen Zustände, die mit keinerlei Ereignissen zusammenhängen, was bedeutet das?
Das bedeutet, dass man sie euch von oben gibt. Was soll man sagen?
Frage: Wie kann man einen Abstieg verhindern?
Einen Abstieg kann man nur verhindern, wenn ihr selbst in euch sucht … Es gibt das Beispiel des alten Mannes, der geht, als hätte er etwas verloren. In Wirklichkeit hat er nichts verloren, aber er geht, als hätte er etwas verloren. Was bedeutet das? Man muss in sich zusätzliche Möglichkeiten des spirituellen Aufstiegs suchen. Dann schließen eure Zustände sowohl den Aufstieg als auch den Abstieg in sich ein. Worum geht es also? Ich war auf einer bestimmten Stufe, bekam einen Abstieg und steige jetzt wieder auf. Ich bekam einen größeren Abstieg und steige jetzt auf. Kann ich auch ohne Abstieg aufsteigen? Ja, das könnt ihr. Wenn ihr, ausgehend von der Stufe, auf der ihr steht, sucht, wie ich mich erheben kann …
Dann müsst ihr nicht fallen. Dann kommt sofort das Licht von oben, das in euch zuerst die Reshimo, das Gefäß, erweckt und dann das Licht für seine Korrektur gibt. Sonst läuft es so: Ihr steigt ab, seid eine Zeit lang im Winterschlaf, fangt an, euch zu regen, fangt an, etwas zu tun, werdet wach und kommt auf eine neue Stufe.
Das ist eure spirituelle Stufe eins, das ist Stufe zwei. Wenn ihr aber so handelt, dass ihr schon jetzt sucht, wie ihr aufsteigen könnt, dann führt euch dasselbe Licht, das in euch die Awiut hervorruft und euch dann seine Kräfte zu ihrer Korrektur gibt, sofort vorwärts. Man muss nur wie der alte Mann schon von Anfang an suchen, worin ich meinen Zustand verbessern, vergrößern könnte.
Man muss also nicht auf den Abstieg warten, auf keinen Fall muss man darauf warten. Deshalb haben echte Kabbalisten, die es wirklich gewohnt sind, an sich zu arbeiten, 400, 500, 700 Umschaltungen pro Minute. Mit dieser Geschwindigkeit arbeiten sie.
Frage: Hat Rabash Sie zum Vergleich zu einem anderen Rav geschickt?
Mich hat er nirgendwohin geschickt. Ich habe Rabash einfach gefragt, woher ich sicher sein kann, dass ich bei ihm wirklich das Wichtigste, das Hauptsächliche lerne und nichts verliere, und dass er wirklich der Mensch ist, der mich in die Höhere Welt führen kann. Er sagte ganz einfach: „Prüfe es, geh zu anderen, schau, frag. Vielleicht ist es dort für dich bequemer und besser.“ Der Mensch soll nicht an einem Ort stehen bleiben, das rate ich euch auch. Wie prüft man? Es heißt: „Ejn Adam lomed ela be-Makom she-Libo chafez“¹⁵ – der Mensch kann nicht … Der Mensch muss dort sein, wo er mit seinem Herzen fühlt, dass das sein Platz ist. Ich rate euch, es auszuprobieren.
Frage: Was tun damit, dass die Trinksprüche beim Festmahl manchmal Gereiztheit auslösen, auch wenn sie vielleicht aufrichtig sind? Das stört sehr.
Das stimmt. Aber man muss berücksichtigen, dass sowohl ihr als auch eure Freunde noch nicht im korrigierten spirituellen Zustand seid. Deshalb sind sie keine guten Redner, und ihr auch nicht. Ich sage euch, es gibt eine sehr klare, goldene Regel: „Al kol Pshaim tchasse Ahawa“¹⁶. Das heißt: Alle Gereiztheit, alle schlechten Beziehungen und Zustände muss die Liebe zudecken.
Wenn Menschen einander mit Liebe begegnen, bemerken sie solche Dinge praktisch nicht. Mich reizt das auch manchmal. Jemandem kommt plötzlich in den Sinn, eine halbe Stunde lang einen Trinkspruch herunterzuleiern, und am Ende weiß er selbst nicht mehr, worum es ging. Das gibt es. Aber man muss versuchen, gerade darin eine Möglichkeit zu sehen, sich gegenüber dem Freund zu korrigieren. Da kann man nichts machen. Und dann kann man das auch irgendwie regeln, unterbinden. Das verstehe ich.
Frage: Gab es Fälle, in denen viele den Machsom gemeinsam überschritten haben?
Solche Fälle gab es nicht, leider sind wir die Ersten. Vielleicht nicht leider – wir sind vom Schöpfer Auserwählte¹⁷ –, aber einen solchen Fall gab es nicht, es gibt kein Vorbild. Allein den Machsom zu überschreiten, ist in unserer Zeit praktisch unmöglich. Wenn es jemandem möglich sein sollte, dann vielleicht wegen einer ganz besonderen, besonderen Rolle, ich weiß nicht. Soweit ich verstehe, kann das nicht mehr sein.
Den Machsom kann man nur massenhaft überschreiten, nur aus der Gruppe heraus. Darüber schreibt Baal HaSulam praktisch in allen seinen Artikeln, in denen er über … nun ja, „Matan Tora“, „Arwut“ spricht, also „Die Gabe der Tora“, „Die Bürgschaft“, „Der Frieden“, „Die letzte Generation“.¹⁸ Unsere Zeit ist schon so, dass es keinen individuellen Eintritt in die Höhere Welt geben kann, nur einen gemeinsamen. Das habe ich von meinem Rav verstanden, und leider sehe ich keinen anderen (vielleicht leider, vielleicht nicht, ich weiß es nicht), aber ich sehe überhaupt keinen anderen Weg.
Ich lehre das, was ich von ihm verstanden habe und was ich aus meinem spirituellen Erreichen verstehe. Das gebe ich euch weiter.
Frage: Wie erarbeitet man die Awiut, die offensichtlich fehlt?
Auf keinen Fall muss man über die Awiut nachdenken! Awiut bekommt ihr in dem Maß, in dem ihr die Awiut durcharbeitet, die ihr habt.
Frage: Wie überwindet man schneller einen passiven Zustand?
Nur indem man sich in die Gruppe einbezieht. Darüber schreibt Rabash. Fangt an, allein mit euch selbst zu tanzen, fangt an, in die Gruppe zu gehen, eure Freunde irgendwie zu erwecken, beteiligt euch an der Arbeit in der Küche, an der Verbreitung, an irgendetwas. Das Beste, was dem Menschen hilft, aus einem passiven Zustand herauszukommen, ist die Verbreitung. Geht, vereinbart irgendwo Vorträge, gebt jemandem Lektionen, macht mit jemandem etwas. Gebt das, was ihr habt, nach außen weiter. Das ruft in euch die zusätzliche Enthüllung eines zusätzlichen Gefäßes hervor, das sofort anfängt, das Höhere Licht zu empfangen. Etwas anderes gibt es nicht. Diese Ratschläge habt ihr wahrscheinlich schon oft gehört.
Frage: Wo sind jetzt die anderen Schüler von Rabash, die gegen die Verbreitung waren? Haben sie ihre Meinung inzwischen geändert?
Praktisch haben sie ihre Meinung nicht geändert. Sie haben sich in mehrere Gruppen aufgespalten, bestehen als einzelne Gruppen, treffen sich untereinander und lernen. Manche lernen zweimal pro Woche, manche treffen sich nur am Shabbat, manche von Zeit zu Zeit oder bei Neumond, am sogenannten Rosh Chodesh, und so weiter.
Meine Schüler wissen, wo das ist, ich kann euch Adressen geben, ihr könnt hingehen. Praktisch nehmen sie niemanden von der Straße auf. Wenn doch, dann nur unter sehr harten Bedingungen: Ihr müsst alle Gebote einhalten, ihr müsst orthodoxe Juden werden, ihr müsst … nun, es gibt bei ihnen alle möglichen Einschränkungen. Im Prinzip sind sie alle darauf ausgerichtet, ihre innere Struktur zu bewahren, eine Struktur, die es praktisch nicht erlaubt, von außen zu ihnen hineinzukommen.
Frage: Wie zeigt sich äußerlich der Beginn eines Abstiegs, wie fühlt man diesen Beginn?
Stellt euch vor, ihr seid in euren Zuständen ständig mit euren Freunden zusammen, in einem Kopf¹⁹, in denselben Verlangen, als ob ihr ständig ein und dieselbe Sache macht, zu ein und demselben Ziel strebt, ihr alle zusammen mit eurer Seele und eurem Herzen. Dann könnt ihr schon die kleinste Abkopplung von diesem Zusammen, vom gemeinsamen Sehnen, als Beginn eines Abstiegs betrachten.
Dabei müsst ihr euch daran gewöhnen, gleichzeitig gewissermaßen in zwei Dimensionen zu existieren. Einerseits: Ich bin mit ihnen, ich bin im selben Sehnen, ich bin beim selben Schöpfer, ich bin in Vorahnung, ich bin in Erwartung, ich bin darin, Ihn so scharf, so feinfühlig, so nah wie möglich zu erfassen – ich bin außen, in mir.²⁰ Andererseits beschäftige ich mich mit allen möglichen Lebensproblemen, gehe herum, rede, arbeite, habe mit Menschen zu tun. Da sind also gewissermaßen zwei Bilder von mir: ich mit der Gruppe und mit dem Schöpfer, durch die Gruppe auf den Schöpfer fixiert, bemüht, mich zu Ihm hochzuziehen – und ich gegenüber dieser ganzen Welt. Diese zwei Zustände müssen in mir absolut frei und ständig leben. Und ich muss erreichen, dass ich dabei überhaupt kein Unbehagen fühle, bis sie in mir deutlich verschmelzen. Und sie verschmelzen in mir, wenn sich der Schöpfer deutlich zeigt. Dann sehe ich Ihn beide Zustände erfüllen, Ihn allein.
Frage: Wozu feiern wir heute Purim – damit wir am nächsten Tag noch tiefer fallen?
Nicht schlecht, aber eine richtige Vermutung.
Frage: Wir haben uns alle zu einer Gruppe zusammengeschlossen – das ist ein allgemeines Gefäß. Aber wo bleibt meine individuelle Entwicklung, mein Wachstum, die Enthüllung des Lichts des Schöpfers? Wie richte ich meine Gedanken einzeln aus?
Bei euch gibt es nichts Individuelles, versteht das. Eine individuelle Enthüllung des Schöpfers gibt es nicht. Der Schöpfer enthüllt sich in dem Gefäß, das ihr mit euren Freunden zusammengeklebt habt, und im Idealfall mit der ganzen Menschheit. Der Schöpfer enthüllt sich nicht im „Ich“. Auf dieses egoistische „Ich“ gab es schon den Zimzum in Malchut de Ejn Sof. In dieses „Ich“, in diesen Egoismus, dringt das Licht nicht ein. Das ist es, was wir in unserer Welt vergeblich zu füllen versuchen.
Was ich auch kaufe, was ich auch erwerbe, was ich auch in unserer Welt tue – es verschwindet sofort, weil das Licht Malchut nicht füllen kann. Und ich muss wieder suchen, wieder wozu auch immer irgendetwas erreichen oder mir sogar irgendeinen Chissaron, irgendein Verlangen ausdenken, um es ein wenig zu füllen, irgendwie irgendwo etwas zu erhaschen und dabei einen kleinen Genuss zu fühlen, den wir Leben nennen.
Hört auf zu denken, dass ihr euer „Ich“ füllen könnt – das ist der größte Fehler der ganzen Menschheit. Versteht: Nur in den ersten neun Sefirot, oberhalb von Malchut, existiert Licht, nur dort kann es uns füllen. Deshalb denkt darüber nach, wie wir diese neun Sefirot zu unserem allgemeinen Gefäß machen. Und es ist unser gemeinsames, ein anderes kann es nicht geben. Da kommt man nicht drum herum!
Das ist die allgemeine Regel der Tora: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Das Licht kann nur in diesem allgemeinen Gefäß existieren. Nun, wenn ihr euch nicht selbst überzeugt – dann eben nicht. Wartet, bis das Leben euch überzeugt, noch ein paar Lebenskreisläufe … Was soll man machen. Es gibt trotzdem keinen anderen Weg, keine andere Regel, so ist das Universum geschaffen. Das allgemeine Gefäß ist zerbrochen: Klebst du es zusammen, fühlst du in diesem zusammengeklebten Gefäß den Schöpfer, fühlst dein ewiges Leben. Klebst du es nicht zusammen, wirst du wie ein Idiot ständig versuchen, deine Malchut zu füllen, und sie bleibt trotzdem leer.
Frage: Wenn ich im Freund etwas Schlechtes sehe – ist das mein unkorrigierter Teil der Seele des Schöpfers?²¹
Kann sein, ja und nein – das ist nicht wichtig. Aber natürlich seht ihr euren Freund, nachdem ihr über den Machsom hinausgekommen seid, als jemanden, der den Willen des Schöpfers in allem vollkommen erfüllt. Wie könnte es anders sein, wenn er ein absoluter Egoist ist? In wessen Händen liegt sein Egoismus? In seinen eigenen? Natürlich nicht. Unabhängigkeit bekommt der Mensch erst ab dem Machsom. Er fängt an, einen Massach aufzubauen, und das nennt man das Maß seiner Unabhängigkeit: von null, Ibur, Yenika, Mochin und so weiter bis zum vollständigen Parzuf.
Das Maß unseres spirituellen Wachstums ist genau das Maß unserer Unabhängigkeit vom Schöpfer. Unterhalb des Machsom sind wir alle hundertprozentig abhängig, zu hundert Prozent, deshalb wird für dieses euer Leben nicht gefragt. Wenn ihr den Machsom nicht überschritten habt, wird von euch nichts gefordert. Nichts! Ihr könnt euch das nicht vorstellen … das darf man nicht auf der Straße sagen. Egal was ihr tut: Die größten Sünder, Mörder, was weiß ich, wer in dieser Welt, und die größten sogenannten Gerechten in unseren Augen – wenn sie den Machsom nicht überschritten haben, gelten sie … sind sie unterhalb der Stufe des Lebens, wie Unbelebte, also im Spirituellen nicht existent. Wovon soll man da etwas fordern?
Frage: Ist meine Gruppe die Linse, durch die ich meine Korrekturen und meine Verzerrungen besser verstehe?
Ja, in Wirklichkeit ist es so. Praktisch können wir unsere … (wie ich hier diesen Auszug aus dem Artikel „Die Gabe der Tora“²² vorgelesen habe) … Unsere wahren Zustände können wir nur in der Beziehung zu unseren Freunden in der Gruppe sehen. Sie müssen mich kritisieren, ich muss sie kritisieren, wir dürfen nichts voreinander verbergen, wir müssen voneinander ständig gegenseitiges Sehnen fordern, gegenseitige Dwekut. Deshalb ist die Gruppe unser Labor. Erreiche ich es in ihr … kann ich sie zusammenschweißen, kann ich in ihr als untrennbarer Teil mit allen anderen existieren, dann enthüllt sich der Schöpfer, und es wird unseres sein. Wenn nicht, dann nicht. Ihr müsst das für euch ein für alle Mal klar entscheiden und einfach nicht mehr zu diesen Fragen zurückkehren.
Frage: Worin unterscheidet sich die deutliche Enthüllung des Schöpfers von einem kurzen Zustand, in dem man das Geben fühlt und aus seinem „Ich“ herauskommt?
Der Mensch versteht, fühlt manchmal solche Zustände: Gleich ist da etwas Spirituelles, etwas geht vorbei, geht wieder zurück. Es scheint, als springe er irgendwohin in einen anderen Zustand, in eine andere Dimension, dann vergeht das wieder. Das ist natürlich kein Überschreiten des Machsom, denn das Überschreiten des Machsom ist letztlich unumkehrbar. Es gibt keinen Weg zurück. Danach beginnt schon ein Aufstieg, der auch aus Abstiegen und Aufstiegen besteht, aber sie sind nicht mehr so, dass der Mensch unter diese Welt fällt.
Frage: Der Mensch ist länger außerhalb der Gruppe als zusammen in der Gruppe (wahrscheinlich)²³. Wie sichert man die Einheit mit der Gruppe, wenn man einen Abstieg fühlt, während man außerhalb der Gruppe ist?
„Hilfe!“ schreien, sie anrufen, versuchen, etwas zu tun, versuchen, Musik anzumachen, unsere Lieder zu summen, vielleicht könnt ihr zwischendurch etwas lesen. Ihr seid auf der Arbeit und könnt nichts machen – na, dann geht auf die Toilette und lest dort heimlich etwas. Versucht es … ich weiß nicht, die Hauptsache sind unsere Versuche. Fangt an, euch mit eurem Zustand nicht abzufinden, und ihr werdet sehen, welche Möglichkeiten sich euch eröffnen.
Ja, das alles „schiebt“ euch der Schöpfer unter, und Er wird euch auch eingeben, wie ihr aus all dem „herauskommt“. Versucht nur zu suchen, wie, und Er wird es euch eingeben. Ihr werdet Gedanken bekommen, Er wird sie euch geben, und dann wird sich deutlich zeigen, dass Er euch das eine wie das andere macht. Dann erreicht ihr die Einheit des Schöpfers: Aus all diesen Gegensätzen seht ihr ein einziges Feld, einen einzigen Gedanken.
Frage: Wie wird sich die Verbindung in der Weltgruppe in der Zeit zwischen Sukkot und Pessach festigen?
Sie wird sich ständig festigen, und sie wird … sie muss beständig sein, und sie muss auf dem Niveau sein, auf dem wir heute, gestern, vorgestern, all diese Tage waren. Es darf nicht sein, dass ihr wegfahrt und aus unserem Blickfeld verschwindet – das wäre einfach eine Katastrophe. Dann hätten wir nichts erreicht.
Frage: Bringen Sie uns bei, wie man dem Schöpfer dankt und Ihn nicht vergisst, wenn es gut oder wenn es schlecht ist.
Versucht, die Psalmen König Davids zu lesen. König David, David haMelech („Melech“ kommt vom Wort „Malchut“): David verkörpert alle möglichen Zustände der Malchut. Alle seine 150 Psalmen geben absolut alle Zustände absolut aller Seelen wieder, die alle ihre Zustände durchlaufen müssen, von den niedrigsten bis zum höchsten. Deshalb sind seine Psalmen in der ganzen Welt instinktiv als der allgemeinste Ausdruck für die Beziehung, die Gefühle, die Verbindung des Menschen mit dem Schöpfer angenommen.
Ich rate euch sehr: Versucht, sie zu lesen. Man kann sie praktisch nicht kommentieren, nur hier und da ein bisschen, denn das ist echtes Licht, eine gewaltige spirituelle Stufe, die dabei alle, wirklich alle Seelen in sich einschließt. Deshalb findet sich dort jeder, egal wer er ist, was er ist und wo er ist … Er kann sich in ihnen finden. Das rate ich euch sehr.
Was noch? Beliebige Artikel von Baal HaSulam, seine Briefe, das, was ihr … also … Nun, fangt an, es auszuprobieren, und dann wird euch … wird man euch von oben verstehen lassen. Denn so, wie ihr … Was wird von uns verlangt? Man hat uns hergeführt, und weiter will man von uns, dass wir wollen. Nicht, wie man geht – wie man geht, werden wir sowieso nie verstehen und nie können.
Wie kann ich, auf irgendeiner Stufe stehend, wissen, was „über mir“ ist, wenn ich noch nicht dort bin? Ich habe weder Wissen von ihr noch Erleuchtung noch Gefühl, nichts. Woher soll ich wissen, wer das ist, was das für eine höhere Stufe ist? Von mir wird nur das Verlangen gefordert, und wie man dorthin kommt, wird man mir eingeben.
Frage: Was tun, wenn Ihre Worte nach kurzer Zeit vergessen sind?
Sich nicht nur von meinen Worten ernähren. Natürlich habt ihr eine riesige Menge an Informationen im Internet, aber überhaupt ist es am besten, Artikel zu nehmen, das habe ich euch schon gesagt. Nehmt Artikel und versucht, sie zusammenzufassen, kurze Schlussfolgerungen daraus zu ziehen: Anfang, Ende, Mitte, der Zusammenhang zwischen den Gedanken. Warum sind die Teile des Artikels, die vom Universum, von der Schöpfung, ihrem Plan erzählen, so miteinander verbunden? Wie wird sie verwirklicht?²⁴ Warum ist Adam zerbrochen? Warum müssen wir uns miteinander zusammenkleben? Warum müssen wir das in der Gruppe tun? Und warum bin ich nicht allein, sondern mit dem Schöpfer?²⁵ Worin liegt mein freier Wille in diesen Dingen? Also alles, alles, alles.
Nehmt es und fangt an, diese ganze Methodik zusammenzufassen. Setzt euch das Ziel: Ich will das für mich so darlegen, dass es mir deutlich, absolut klar und maximal kurz, knapp ist. Versucht das, und ihr werdet sehen: Ihr braucht meine Gedanken nicht, ihr bekommt eure eigenen. Ihr fangt an, aus euch selbst, von innen, in Wirklichkeit dasselbe Bild zu enthüllen. Versucht dann, es mit euren Fragen zu erweitern, euch zu überzeugen, dass es wirklich das richtige, einzige und wahre ist, dass es keine andere Variante gibt. Sucht vom Gegenteil aus, von der Kritik an diesem ganzen Bild des Universums. Ihr werdet sehen, dass ihr trotzdem zum selben Ergebnis kommen müsst. Habt keine Angst, Fehler zu machen.
Frage: Um jetzt, während Sukkot, aus sich herauszugehen und die Gruppe zu fühlen, kann man sich damit helfen, dass wir einander sehen und nah beieinander sind. Wie ist diese Übung möglich, wenn wir auseinanderfahren? Was kann man zu Hilfe nehmen?
Ihr werdet euch unsere Fotos anschauen, unsere Filme. Sie werden in euch nicht den spirituellen Zustand erwecken, den ihr in diesen Tagen hattet. Und man muss nicht auf diese vergangenen Zustände zurückblicken und versuchen, gerade sie in sich wiederzubeleben. Das ist unmöglich und wird nicht gelingen. Seid erwachsener, seid vernünftiger. Der Mensch kann nicht in die Vergangenheit zurück.
Er muss in seinem heutigen Zustand eine Ähnlichkeit mit dem Vergangenen erreichen, aber so, dass es ein neuer Zustand ist. Trauert auf keinen Fall dem nach, was vorbei ist und jetzt nicht mehr da ist. Das ist falsch. Der Schöpfer führt uns ständig zu immer besseren Zuständen. Es tut mir sehr weh zu hören, dass ihr bedauern werdet, dass es vorbei ist. Das ist falsch.
Vor uns liegen die besten, die erhabensten Zustände. Es wird nie schlechter sein als das, was war. Und das hier … Man trifft mich hier auf den Straßen und sagt mir auch: „Irgendwie macht es Angst: Wie fahre ich von hier weg, wo tauche ich wieder ein?“ Das ist alles falsch. Ihr taucht in Störungen ein, aber auf der Grundlage dieser Störungen kommt ihr in einen besseren Zustand. Genau dahin führt man uns. So zu denken ist nicht gut. Das zeugt von einer (wie soll ich sagen?) noch unzureichenden spirituellen Entwicklung.
Frage: Kann eine kleine, finanziell schwache Gruppe den Maaser aus den gemeinsamen Gruppenmitteln absondern statt jedes Mitglied einzeln?
Nein. In der Tora steht ganz einfach: Jeder Mensch, selbst ein Bettler, egal wer, ist verpflichtet, Maaser abzusondern – den zehnten Teil seines Reingewinns. Da kommt man nicht drum herum. Das ist die Regel. Gebt ihr weniger – euer Problem, gebt ihr mehr – eure Sache … Mehr geben dürft ihr, weniger geben dürft ihr nicht.
Das heißt, wir müssen diesen zehnten Teil für die Verbreitung der Kabbala geben, für den Schöpfer, wie man sagt. Er gehört Ihm, denn Er korrigiert unsere Malchut, nicht wir selbst. Wir selbst korrigieren neun Sefirot, deshalb behalten wir in unserer Welt, gewissermaßen entsprechend diesen neun Sefirot, 90 % für uns. Angeblich kann ich 90 % meiner Mittel selbst richtig für das Spirituelle verwenden. Versteht ihr? Das entspricht dem Verhältnis von Wurzel und Zweig. Den zehnten Teil dagegen kann ich in der spirituellen Welt keinesfalls korrigieren – ihn korrigiert der Schöpfer.
Entsprechend gilt in dieser Welt: Wenn ich diesen zehnten Teil nicht benutze, sondern gewissermaßen für die Verbreitung abgebe, dann korrigiert ihn der Schöpfer. Ich sage euch noch mehr: Ein Mensch, der nicht spirituell arbeitet, aber den zehnten Teil gibt, ist in die spirituelle Arbeit einbezogen. Denn das ist wirklich sein Beitrag zur gemeinsamen spirituellen Arbeit im Sinne von Wurzel und Zweig. Und umgekehrt: Wer irgendwo, irgendwie diesen zehnten Teil der Verbreitung der Kabbala nicht vollständig gegeben hat, der hat sich spirituell selbst beraubt.
Da kommt man nicht drum herum. Ihr könnt damit einverstanden sein oder nicht, wie ihr wollt, aber das ist eine unumstößliche Regel.²⁶ Ihr findet sie in allen kabbalistischen Quellen, in allen alten und sonstigen … Und hier kommt wieder eine Lawine von tausend Fragen von den Frauen: Und wie ist es bei uns? Ja, nein? Mit Kind, ohne Mann? Kurz gesagt: Das ist die Regel.
Sehr viele Fragen zur Kraftlosigkeit. Leute, so etwas wie „Kraftlosigkeit“ gibt es nicht. Denn die Kräfte kommen bei uns allen aus … Versteht doch, wir existieren nicht von uns aus. Es gibt die Awiut von unten und das Licht von oben. Und wir sind der Punkt, der das Verhältnis zwischen ihnen fühlt. Das ist das „Ich“. Sonst nichts.
Deshalb gibt es so etwas nicht, zu sagen: Ich bin kraftlos oder ich bin voller Kraft. Alles hängt vom Verhältnis zwischen Gefäß und Licht ab. Der Mensch kann keinen Zustand haben, in dem er keinerlei Möglichkeit hat, seinen Zustand zu ändern. Komm in die Gruppe, setz dich hin, sitz passiv da. Ich (fragt eure Leute) schreie nie, schimpfe nie und ärgere mich nie über einen Menschen, der in meiner Lektion sitzt und schläft. Nur schnarchen soll er nicht. Ja, im Ernst. Soll er sitzen und schlafen. Er stört mich nicht. Natürlich ist er passiv, er stört, er bringt sich nicht zusammen mit der Gruppe in seine Absicht ein. Aber wenn das sein heutiger Zustand ist und das Maximum, das er in die Gruppe einbringen kann, mache ich ihm keinerlei Vorwürfe.
Er ist in die Gruppe gekommen, auf allen vieren hergekrochen, er sitzt um drei Uhr nachts da, er will sich irgendwie von der Stelle bewegen. Vorher hat er sich eingebracht, und jetzt hofft er, dass die Gruppe ihm diese belebende Kraft gibt und er anfängt, sich zu bewegen. Deshalb mache ich ihm keinerlei Vorwürfe. Es sei denn, das geht ein Jahr so, ein halbes Jahr, ein Jahr. Ja, ja. Solche Fälle hatten wir.
Solche Leute haben wir einfach aus der Gruppe geworfen. Wir mussten uns von ihnen trennen. Denn da geht es nicht mehr darum, ob er gibt oder nicht gibt, jetzt, heute ja, morgen nein. Das ist einfach zu … geworden. Aber wenn ein Mensch heute in so einem Zustand ist und morgen in einem anderen, ist das legitim, das kann sein. Deshalb kann es keinen Zustand geben, in dem der Mensch völlig tot ist.
Und so werdet ihr nicht … Überhaupt kann der Mensch sich nicht … Die Gruppe muss jedem von uns ein Gefühl der Sicherheit geben.
Das ist der nächste Artikel von Baal HaSulam, „Die Bürgschaft“. „Wenn es einen einzigen Menschen gäbe …“²⁷ Hier wird erklärt, warum die Tora nicht gegeben wurde, also die Methodik der Selbstkorrektur: Warum wurde sie nicht Abraham gegeben, sondern dem Volk, der Gruppe? Warum können wir das Höhere Licht nur in der Gruppe enthüllen, warum können wir nur als Gruppe aufsteigen, den Machsom überschreiten?
Die Kabbalisten, die ihn vor uns überschritten haben, waren einzelne Menschen. Sie kamen mit einem Auftrag in diese Welt herab, empfingen mit einem Auftrag die Kabbala und entwickelten sie mit einem Auftrag in dieser Welt. Das ist nicht … In Wirklichkeit geschieht die Korrektur der Welt durch eine solche Gruppe. Warum? Weil es die gegenseitige Bürgschaft gibt.
Was bedeutet gegenseitige Bürgschaft („Arwut“ auf Hebräisch)? Es kommt vom Wort „Garantie“: Alle geben einander, jeder dem anderen, die Garantie; die Gruppe gibt jedem ihrer Mitglieder die Garantie seines spirituellen Aufstiegs, dass er nicht fällt. Dass die Gruppe ihn in dem Maß hält, in dem er sich in die Gruppe einbringt; er geht nicht verloren, wir halten ihn, wir heben ihn mit uns nach oben. Deshalb tut es mir sehr weh, von diesem Gefühl zu hören, wenn ihr Angst habt, nach Hause zu fahren, wenn ihr irgendwohin verschwindet, wenn ihr aus unserem allgemeinen Gefäß herausfallt. Das heißt, ihr fühlt euch nicht in uns, fühlt nicht, dass wir euch halten und stützen werden.
Frage: Es heißt: „Die Erde wird voll sein von der Erkenntnis des Schöpfers.“ Was bedeutet das?
Das bedeutet, dass auch Malchut selbst korrigiert sein wird und das ganze Or Chochma in sie eintreten wird.
Frage: Wenn der Mensch den persönlichen Gmar Tikun erreicht – gilt er als vollkommen, da er den Lew haEwen nicht korrigiert?
Nein. Gmar Tikun bedeutet, dass er seinen Lew haEwen korrigiert hat. Nur hat er nicht die Einbeziehung aller übrigen Lew haEwen in ihn korrigiert, weil die ganze übrige Welt noch nicht korrigiert ist. Dann gibt es also noch den Gmar Tikun haKlali.²⁸
Frage: Letztes Sukkot haben Sie gesagt, dass wir in einem Jahr versuchen sollten, die Tora selbst zu lesen. Warum tun wir das nicht? Sind wir noch nicht reif?
Ich bin nicht reif, ehrlich gesagt. Was heißt „ich bin nicht reif“? Ich versuche, hier und da anzufangen, die Tora in einfacher Sprache darzulegen, nicht in der kabbalistischen, wie es im „Buch Sohar“ geschrieben ist. Wenn ihr das „Buch Sohar“ nehmt, lest ihr dort: „Das Buch Sohar – Kommentare zur Tora“. Nun, wenn ich so etwas in dieser Art … – was soll ich schreiben? Und wer bin ich im Vergleich zu Rabbi Shimon?
Ich will es einfach darlegen, in ganz einfacher Sprache. Zumindest so, dass der Mensch höchstens diese 10 Sefirot kennt – also das, was wir in unserem kurzen Kurs „Pticha“ lernen – und ihm schon klar ist, wovon in jeder Zeile der Tora die Rede ist. Dafür gibt es noch keine Voraussetzungen.
Meine Gruppe weiß: Soweit sie sich korrigieren oder soweit ich irgendwo in die Welt reise und dort Eindrücke sammle, Awiut aus anderen Gruppen, komme ich zurück und gebe ganz andere Lektionen, bekomme eine andere Möglichkeit, die Fähigkeit, alles lebendiger, einfacher auszudrücken. Es fehlen also eure Forderungen an mich. Nicht einfach „Gib!“, sondern ein schärfer hervorgetretener Chissaron.
Frage: Drei Zustände: Ich bin unter dem Freund, ich bin über dem Freund, wir sind gleich. Kann man diese Arbeit durchgehen?
Darüber habe ich schon oft gesprochen. Wenn ich über dem Freund bin, bin ich sein Rav. Wenn ich unter dem Freund bin, bin ich sein Schüler. Und wenn ich ihm gleich bin, bin ich sein Freund. Und alle drei Zustände müssen bei uns gegenüber jedem von uns bestehen. Wenn er gefallen ist, ziehe ich ihn. Wenn ich gefallen bin, zieht er mich. Und wenn wir gleich sind, beschäftigen wir uns mit dem, was man Liebe zu den Freunden nennt.
Frage: Fühlt der Mensch die Scham über seinen Egoismus selbst, oder ist das ein Gefühl, das vom Schöpfer geschickt wird?
Dieses Gefühl entsteht in uns nur in dem Maß, in dem der Schöpfer sich enthüllt. Der Egoismus selbst kann seine Mangelhaftigkeit nicht fühlen, nur im Verhältnis zu etwas: zum Licht, zum Schöpfer.
Frage: Darf man Gebete … zur Jungfrau Maria … lesen?
Ich weiß nicht. Lest sie. Es gibt keinerlei Verbot. Lest sie, wenn euer Herz darauf anspricht … Unter uns gesagt: Wir werden später überhaupt sehen, dass das einfach die Hinwendung des Menschen an die Höhere Kraft ist. Er hat es halt so ausgedrückt.
Frage: Jemand hat seine Arbeit verloren. Muss er Maaser von früher angesparten Mitteln abgeben, wenn er beim Erhalt schon Maaser davon abgegeben hat?
Nein, muss er nicht. Maaser wird vom Gewinn abgegeben: Ob mir ein reicher Onkel etwas gibt, ob ich irgendwo etwas gestohlen oder vor der Kirchentür gebettelt habe, egal wie – von all dem muss ich Maaser abgeben. Wenn ich aber eine Million verdient, davon hunderttausend abgegeben und den Rest auf die Bank gelegt habe und jetzt von diesen 900.000 lebe, dann habe ich davon schon Maaser abgegeben. Das ist nicht mehr nötig.
Frage: Und von den Zinsen nicht?
Von den Zinsen? Nach der Kabbala darf man keine Zinsen machen, also ich … aber wenn … Nein, Moment. Sind das Zinsen oder Börsenspiel? Ah, der Bankzins gilt als Arbeit. Das ist wie Börsenspiel, weil da jemand für dich spielt, ja? Du gibst dein Geld einfach zum Vermehren weg. Das ist dein Verdienst. Von dem, was du verdient hast – 10 %, ja. Aber wenn keine Zinsen da sind, gibt es so etwas wie doppelten Maaser nicht.
Frage: Wie unterscheidet man Chen de Kedusha von Chen …?²⁹
Nein. Auf diese Frage antworte ich nicht.
Frage: *Wie lange muss ein Mensch in der Gruppe sein, um den Machsom als Gruppe zu überschreiten?*³⁰
So etwas gibt es nicht. Ich weiß nicht, Leute. Ich denke … das hängt doch alles von uns ab, von unseren Anstrengungen. Wie lange er sein muss? Ein Mensch kann auch 20 Jahre in der Gruppe sein, und nichts passiert mit ihm.
Frage: Und wie ist es bei Vater und Sohn? Kann er Freund, Rav oder Schüler werden?
Das spielt dabei keine Rolle: Vater oder Sohn können füreinander Rav, Freund, Schüler sein. Wenn sie sich so einstellen können, spielt es wirklich keine Rolle. Denn gegenüber der spirituellen Welt existiert zwischen ihnen diese tierische Verbindung „Vater und Sohn“ nicht.
Oh, man stellt Fragen, die wir schon viele Male durchgenommen haben. „Israel we-Oraita we-Kudsha Brich Hu“.³¹ Weiter: Was bedeutet „Alles ist in der Hand des Schöpfers außer der Furcht vor dem Schöpfer“? (Vielleicht sollten wir schon essen gehen, was?)
Frage: Wenn die Gruppe schwach ist, was tun: eine neue suchen, versuchen, die schwache umzubauen, eine eigene gründen?
Wenn die Gruppe mit uns verbunden ist, aber schwach, darf man sie auf keinen Fall verlassen. Das wäre Verrat an den Freunden, ihr findet nichts Besseres. Wenn sie nur treu ist, aber schwach, muss man sie stärken. Sie kann klein, aber stark sein. Die Gruppe stärken heißt, ihre Verbindung mit allen anderen Gruppen zu stärken, nicht sie selbst. Das sollt ihr auch gut wissen.
Innerhalb der Gruppe könnt ihr einen großen Zusammenhalt haben, ihr könnt hervorragend lernen, einander helfen, alles Mögliche tun – das alles hilft euch nichts, wenn ihr keine Verbindung mit den übrigen Gruppen habt. Eine starke Gruppe bedeutet eine starke Verbindung mit anderen Gruppen, nicht sie für sich allein.
Prahlt uns deshalb nicht vor, dass ihr irgendwo in Kanada oder in Wolgograd stark seid, egal wo. Das heißt nicht, dass ihr stark seid. Wenn ihr stark wärt, würdet ihr Verbindung mit allen anderen suchen. So aber seid ihr einfach Egoisten, die sich selbst versorgen. Ich wundere mich, dass man solche Dinge sagen muss.
Frage: Rav, beim Vorankommen verschmelzen wir in den Eigenschaften immer mehr mit dem Schöpfer. Woher kommt dann der freie Wille, wenn wir doch immer mehr mit Ihm verschmelzen?
Der freie Wille wächst zusammen mit der Dwekut mit dem Schöpfer. Wer entscheidet, mit dem Schöpfer zu verschmelzen? Ich. Das heißt, ich trenne mich von meinem Egoismus und benutze ihn dann für die Dwekut mit dem Schöpfer. Es kommt noch mehr Egoismus zu mir hinzu – ich entscheide mich, über ihm mit dem Schöpfer zu verschmelzen. Am Ende werde ich also dem Schöpfer gleich und absolut frei.
Versteht: Wir kommen ja aus dem Egoismus heraus, der über uns herrscht – darin liegt die Freiheit. Und diese Freiheit ist die Freiheit vom Schöpfer. Meine Angleichung an den Schöpfer wähle ich also absolut selbstständig. Wisst ihr, was „selbstständig“ bedeutet? Im spirituellen Zustand, in der spirituellen Welt, wird euch die absoluteste Freiheit angeboten. Das heißt: Willst du, dass es den Schöpfer nicht gibt, willst du an Seiner Stelle sein, willst du über Ihm sein, willst du über alles herrschen, auch über Ihn? Bitte.
Wenn der Mensch dieser Kraft im Geben gleich sein will, im Verzicht auf sein „Ich“, im Herausgehen daraus, dann erlangt er die Freiheit und wird dem Schöpfer gleich. Die Möglichkeit, die dem Menschen in der spirituellen Welt gegeben wird, ist in Wirklichkeit absolut, frei: Mach, was du willst.
Das ist wie im Gleichnis vom König und seinem Knecht. Der König tut so, als übergebe er diesem Knecht alles, seine Schatzkammer. Da fallen irgendwelche Diebe, Mörder über ihn her, und nur von diesem Knecht hängt ab, ob er seinen König verteidigt, ob man den König tötet, ihn völlig ausraubt – und das war's. So ein Zustand wird uns in der spirituellen Welt gegeben. Ihr könnt sagen: „Er ist trügerisch, der Schöpfer steht ja trotzdem hinter all dem und dreht alles.“ Für uns ist es absolut echt, man kann dem nicht entkommen, und deshalb ist die Entscheidung absolut frei. Glaubt nicht, dass ihr euch vielleicht daran erinnern werdet, dass der Schöpfer euch das unterschiebt – das wird nicht passieren.
Frage: Wenn wir in der Gruppe Artikel lesen, endet das oft damit, dass jeder darauf besteht, dass sein Verständnis richtig ist. Ist das am Ende produktive Arbeit oder Futter für den Egoismus?
Vielleicht lest ihr die Artikel und sagt einander danach nicht, wer recht hat? Gelesen – und fertig. Man muss einander nicht überzeugen, dass jemand recht hat. Man muss keinen Egoismus hineinbringen, auch wenn die Diskussion euch irgendwie tiefere Schichten im Text aufzeigen, herausarbeiten, erklären könnte. Wenn ihr fühlt, dass ihr damit euren Egoismus füttert, lasst es.
Ihr habt alle zusammen gelesen, ihr habt vorher vereinbart, dass ihr an das Sehnen nach dem Schöpfer denkt, an das gemeinsame Sehnen nach dem Schöpfer über diesem Text, um mithilfe dieses Textes das Or Makif auf euch herabzuziehen – wunderbar. Ihr habt es beim Lesen herbeigerufen. Mehr muss man nicht tun, nichts, was zwischen euch Trennlinien ziehen oder euch irgendwie voneinander abstoßen könnte: Er sagt, ich bin innerlich irgendwie nicht mit ihm einverstanden; ich sage, er ist nicht mit mir einverstanden.
Nicht nötig; dann bringt solche Probleme nicht zwischen euch. Es gibt kein Gebot, dass wir selbst unseren Egoismus aufdecken müssen, es gibt kein Gebot, dass wir in ihn eintauchen müssen, es gibt kein Gebot, sich selbst zu zerfleischen. Ihr müsst nicht warten, bis ihr so einen riesigen Egoismus habt, dass ich dann, jetzt, mit ihm fertigwerde. Nicht nötig.
Ihr müsst nur nach oben, nach vorn streben. Auch wenn in euch jetzt nur ein kleiner Egoismus hervorgetreten ist, versucht, euch sofort über ihn zu erheben. Denn dort, wohin ihr strebt, dort seid ihr in Wirklichkeit. Wenn ihr euch aber selbst zerfleischt, seid ihr in eurem Egoismus, auch wenn es euch scheint, dass ihr ihn erforscht.
Ihr leidet unter ihm. Das ist die Klipa, die euch einen Genuss gibt, den ihr einfach Leiden nennt. In Wirklichkeit ist es kein Leiden. Wäre es Leiden, würdet ihr schnell versuchen, aus diesen Zuständen zu fliehen. Der Beweis, dass es kein Leiden ist: Ihr bleibt darin, und es gefällt euch, in diesen Zuständen zu sein. Und das ist die Klipa, in Wirklichkeit die unreine Kraft, die euch auf diese Weise Vergnügen bereitet. Und dazu noch der Stolz: „Wie ich leide!“ Das sind schreckliche Zustände, und leider sind sie für Anfänger natürlich.
Frage: Was tun, wenn nicht alle Mitglieder der Gruppe meine Nächsten sind? Reicht es, gerade die Nächsten zu lieben, oder muss die ganze Gruppe mir nah werden?
Das ist eine sehr schwierige Frage. Sagen wir, in der Gruppe sind hundert Menschen … Ich komme in die Gruppe, ich will, ich bringe mich ein … Neue oder auch nicht Neue, egal. Aber wie kann ich erstens so viele Menschen im Blick behalten? Der eine steht mir näher, der andere ferner, nach seinen Eigenschaften, seinem Charakter, seiner Art Arbeit, Tätigkeit. Mit dem einen habe ich zu tun, mit dem anderen nicht und so weiter.
Was tun? Die Gruppe ist … wie soll ich sagen … Die Gruppe sind nicht die Menschen selbst, die hier sind. Die Gruppe ist die spirituelle Idee, die uns alle lenkt. Versucht, nicht auf die Menschen zu schauen, ihre Gesichter nicht zu sehen, ihre Körper nicht zu sehen, ihren tierischen Charakter nicht zu fühlen, der mit der Seele nichts zu tun hat. Dieser Charakter ändert sich nicht.
Ihr werdet große Kabbalisten sein, und eure Charaktere bleiben dieselben, mit all ihren Fehlern. Was heißt Fehler? Zum Beispiel Reizbarkeit, Ungeduld, irgendeine Langsamkeit oder so … Das alles bleibt. Das sind rein tierische Eigenschaften. Versucht, die Menschen überhaupt nicht zu sehen, versucht, ihr Sehnen nach dem Schöpfer zu sehen – das, was man „Seele“ nennt.
Seele nennt man das Sehnen nach dem Schöpfer. Versucht, das in der Gruppe zu sehen und mit dieser Idee zu verschmelzen. Dann werdet ihr nach und nach im Menschen genau das sehen. Und dann ist euch die Visage des einen nicht zuwider oder das schöne Gesicht des anderen, der dicke Bauch des dritten oder die hängende Lippe des vierten … Ich weiß nicht, was ich überhaupt sagen soll. Ihr werdet das einfach nicht sehen. Ihr werdet … Um euch einzustimmen, fangt an, auf ihr Sehnen zu schauen. Hört auf. Seht nicht direkt ihr Äußeres und ihren Charakter – das ist dasselbe, dasselbe Äußere. Der Charakter gilt zumindest gegenüber der Seele auch als Äußeres.
Frage: Darf man heilige Texte nach dem gemeinsamen Lesen besprechen?
Ja, das darf man. Aber die Texte selbst besprechen, nicht die eigene Beziehung zum Schöpfer. Natürlich darf man – nur wieder: wenn nicht das egoistische Bestreben aufkommt zu zeigen, wie recht ich habe und der andere nicht, oder umgekehrt. [nur in der automatischen Transkription: „Das ist alles Vergangenheit.“]³²
Frage: Darf man versuchen, mit einem Freund zu diskutieren, ihn umzustimmen, wenn er auf alle Fragen antwortet: „Das kommt alles vom Schöpfer“?
Na, wenn alles vom Schöpfer kommt, soll er doch zu Hause sitzen und warten. Wenn sich etwas ändert, dann auch vom Schöpfer; wenn nicht, dann nicht. Wozu ist er dann in der Gruppe, wenn er meint, dass alles vom Schöpfer kommt? Er ist in die Gruppe gekommen, um seinen freien Willen zu verwirklichen. Denn laut diesem Artikel „Die Freiheit“ kann man ihn nur in der Gruppe verwirklichen. Das heißt: Wenn es in ihr und in uns einen einzigen Grad an freiem Willen gibt von allem, was in uns ist, dann ist das meine Beziehung durch die Gruppe zurück zu mir selbst, meine Beziehung durch die Gruppe zum Schöpfer. Nur das. Wenn ich also in der Gruppe bin und sage, dass alles vom Schöpfer kommt, dann habe ich in der Gruppe nichts zu suchen.
Frage: Das Mysterium der Mikwe für Männer und Frauen in der spirituellen Entwicklung?
Unsinn. Aber wenn … Versteht, wir sind doch in unserer Welt. Wir sind in unseren unkorrigierten irdischen Gefühlen. Wenn mich solche Dinge einstimmen, mir helfen, mich zu einem größeren Streben zum Ziel, zum Schöpfer, begeistern, dann lohnt es sich für mich, das zu tun. Dann gehe ich eben in die Mikwe, mache irgendein Ritual oder so … Genau dafür sind diese Rituale in unserer Welt geschaffen. Das heißt, den Menschen wurde erklärt, dass man sie ausführen muss. Warum? Damit zum Menschen irgendein Verlangen kommt, eine Inspiration. Er wird anfangen zu fragen: „Warum? Welche spirituelle Wurzel hat dieses oder jenes Ritual?“ Etwas anderes gibt es in diesen Ritualen nicht, kein Mysterium, keine höheren Kräfte. Das hängt alles von euch ab. Wenn ihr dort wollt …
Mikwe nennt man ein Gewässer wie das Meer. Oder man baut dort ein besonderes Becken, in dem Wasser vom Himmel ist – nicht aus dem Wasserhahn, sondern vom Himmel, die sogenannte Hashaka.³³ Der Mensch taucht in die Mikwe ein. Was bedeutet das? Als ob du ein Gefäß in Bina eintauchst. Das heißt: Malchut, das Gefäß, taucht in Bina ein.
Wir sind auch ein Gefäß, ein Behälter für die Seele, wir tauchen ins Wasser ein und reinigen uns damit gewissermaßen mit dem Or Chassadim. Darin besteht das ganze Ritual. Wenn es euch scheint, dass ihr nach der Mikwe mehr vom Licht, von der Eigenschaft Bina habt – taucht ein. Nein, wirklich.
Wenn es euch so scheint, wenn euch das anders einstimmt, wenn es euch irgendwie (na ja, psychologisch, ja) … wenn es euch irgendwie hilft – dann macht es. Dann ist es gerechtfertigt, sonst nicht. Wenn ich jetzt eintauche und mir der Schöpfer dafür irgendetwas Gutes in der kommenden Welt gibt, dort schon etwas für mich vorbereitet ist – auf mein Bankkonto eingezahlt –, dann natürlich … Macht lieber gar nichts.
Frage: Ist es möglich, den Machsom zusammen mit Bnei Baruch zu überschreiten?
Na, Leute, darauf warten wir.
Frage: Die Leute haben zehn Jahre lang selbstlos und heldenhaft gearbeitet, wir dagegen lernen viel weniger, und man hat ganz den Eindruck, dass die Qualität unserer Anstrengung geringer ist?
Das spielt keine Rolle, weniger oder mehr. Und wir dürfen keinerlei Rechnungen aufmachen: „Bnei Baruch hat ja zehn Jahre gearbeitet, und wir sind hier erst ein Jahr dabei, wir sind ja solche Schmarotzer … Umsonst, verstehst du, fahren wir jetzt durch den Machsom.“ Bnei Baruch kann nichts dafür, dass es zehn Jahre gearbeitet hat und dass der Schöpfer ihm so eine Arbeit untergeschoben hat, und ihr könnt auch nichts dafür.
Jeder von uns macht seine Arbeit ab dem Moment, in dem sie ihm gegeben wurde … Wenn wir gemeinsam zum Ziel streben, sind wir absolut gleichberechtigt. Kinder zum Beispiel müssen sich keinesfalls schämen, von den Eltern zu nehmen, solange sie Kinder sind. Und wenn sie heranwachsen, helfen sie entweder den Eltern oder ihren eigenen Kindern und so weiter. So ist die ganze Menschheit aufgebaut und überhaupt jeder Übergang von einer unteren zu einer höheren Stufe.
Wenn die untere Stufe zur höheren aufsteigt, versorgt sie die höhere mit ihrem Chissaron, und so wird die höhere erfüllt. Wir brauchen euch, ihr braucht uns. Hier gibt es keine Scham, keine Hierarchie von oben nach unten. Diese Hierarchie gibt es, weil wir mehr Erfahrung haben, nicht, weil wir die „Alten“ sind. Eine Schikane der Alten gegen die Neuen gibt es nicht.³⁴
Frage: Worin unterscheidet sich Maaser von der Mikwe?
Also, wenn die Mikwe angeblich nur so ein rituelles Ding ist, ist Maaser dann etwas Spirituelles? Wie kann das sein? Ich ziehe den zehnten Teil aus der Tasche, und das ist etwas Spirituelles? Eine berechtigte Frage. Denn wenn du Maaser herausziehst, handelst du gegen deinen Egoismus. Wenn du aber in die Mikwe eintauchst, kannst du um deines Egoismus willen eintauchen. Darin liegt das Problem.
Frage: Wenn man fühlt, dass dieser Punkt bei manchen verschlossen ist, sie aber mit mir reden … dem Freund …?
Das verstehe ich nicht.
Frage: Wie können wir Jom Kippur effektiver verbringen?
Kommt zu uns. Überhaupt … und ich biete es noch einmal an: Wer irgendwo die Möglichkeit hat, uns im Laufe des Jahres für ein paar Tage, eine Woche zu besuchen, an unseren Werktagen, wenn wir in unserem normalen Rhythmus arbeiten und lernen – ihr seid eingeladen. Das ist sehr gut. Ihr werdet sehen, was wir machen, wie wir leben … Nun, mindestens eine Woche. Ein paar Tage bringen nichts. Euch in unsere Arbeit einbeziehen, das … Ihr fahrt dann mit einem Eindruck nach Hause, den ihr an Feiertagen nie bekommt.
Frage: (nicht hörbar)
Ah, Purim? Auch zu Purim sollen sie kommen … Ah, Purim, das ist … Ah, das heute, was ihr nachts machen wollt? Dann erzähle ich lieber von Purim. Man hat mich hier übrigens nach dem Shabbat gefragt, nach dem Einhalten des Shabbat. Das ist eine ebensolche Konvention wie die Mikwe. Ja. Und überhaupt alle übrigen Bräuche …
Darüber habe ich, glaube ich, genug gesprochen, und ich schäme mich nicht und habe keine Angst, das zu sagen. Alles, was unterhalb des Machsom geschieht, also ohne Massach, hat keinerlei Einfluss auf die Höhere Welt. Versteht dieses einfache Prinzip. Was, ihr wollt mit Händen und Füßen spirituelle Handlungen machen? Nur mit Massach. Mit Massach ist es eine spirituelle Handlung, ohne Massach eine tierische Handlung. Das heißt, es wirkt nur auf unsere Welt: Bewegung von Luft, von Gegenständen in unserer Welt, und nicht mehr.
So, jetzt zu Purim. Heute Nacht – ich weiß nicht, warum das bei uns nicht im Programm steht – wurde beschlossen, Purim zu feiern. Was bedeutet Purim? Purim ist der Zustand, der dem Gmar Tikun entspricht. Vollständig. Wenn die ganze Malchut und alle neun Sefirot absolut erfüllt sind, alle NaRaNCHaY de NaRaNCHaY, mit dem Höheren Licht. Der Schöpfer passt vollständig in die ganze Schöpfung. Die ganze Schöpfung ist vollständig, das heißt dem Schöpfer ähnlich.
Beide geben und beide empfangen voneinander. Zwischen Geschöpf und Schöpfer gibt es keinerlei Unterschied, in keinem Parameter. Dieser Zustand heißt Purim. Das heißt, das Or Chochma füllt absolut alle Verlangen. In unserer Welt ist das Or Chassadim die Speise und das Or Chochma die starken Getränke, der Wein; aber heute ist Wein kein starkes Getränk mehr, also, sagen wir, Wodka. Alles, was mit Alkohol zu tun hat.
Deshalb verkörpert sich in unserer Welt das Aufnehmen des ganzen Or Chassadim, in dem sich das ganze Or Chochma zeigt, darin, dass der Mensch trinkt und isst, ohne jede Unterscheidung und ohne jede Einschränkung. So wird dieses Fest Purim begangen. Das heißt, an diesem Fest gibt es das Gebot, sich vollzufressen und vollzusaufen, bis man selbst nicht mehr weiß, wo man überhaupt ist, wo der Freund ist, wo der Schöpfer und überhaupt was wo ist.
Ein Gebot also. Ein gutes Gebot, ja. Heute lädt Bnei Baruch euch ein, an so einer heiligen Sache teilzunehmen. Ich sage euch ganz offen: Wir sind einfach erstaunt, wie viel Wodka ihr bei diesem Fest gespart habt.
Ihr seht, was das bedeutet: die Erfüllung, die Sättigung durch die Idee, die innere Erfüllung, die spirituelle Erfüllung. Sie lässt keine anderen Bedürfnisse übrig. Die gibt es einfach nicht. Und so wird es mit allem anderen sein. Wenn der Mensch anfängt, für sich die Höhere Quelle des Genusses zu enthüllen, verschwindet das Bedürfnis nach allem überhaupt.
Also ein Hemd, irgendeine Hose. Ich fühle gar nicht, wie ich existiere. Diese Erfüllung gibt wirklich alles. Purim bedeutet also, dass wir vollständig mit Essen und Trinken erfüllt sind; der Ausdruck davon ist natürlich das maximale Streben zur Liebe, zu den Freunden. Kurz gesagt: Wir müssen trinken, tanzen, singen, bis wir unser eigenes „Ich“ vergessen. Na, es gibt kein „Ich“: Ich sitze so, ich stehe so, ich benehme mich so, ich verhalte mich so zu den anderen – das gibt es überhaupt nicht, wir springen aus ihm heraus. Dafür müssen wir ein bisschen trinken. Na, das machen wir auch. Und dann springen wir heraus. Gut?
[nur in der automatischen Transkription: „Mit dieser – wie heißt das? – fröhlichen Note beende ich diese Lektion. Morgen früh haben wir wie immer eine Lektion. Wir versuchen, darin unsere Bilanz zu ziehen.“]