Tägliche Lektion11. Aug. 2002

Rabash. Art. 37 (1990). What Is, “The Shechina Is a Testimony to Israel,” in the Work?

Rabash. Art. 37 (1990). What Is, “The Shechina Is a Testimony to Israel,” in the Work?

11. Aug. 2002

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Transkript Morgenunterricht 11.08.2002

Buch „Schriften des Rabash", Band 2, S. 1140, „Was bedeutet „Die Shechina ist ein Zeugnis für Israel“ in der Arbeit?"

Rav: Wir haben einen Artikel aus Band 3 von „Shlavei haSulam" gelesen, Seite 258: „Was bedeutet „Die Shechina ist ein Zeugnis für Israel“ in der Arbeit?". Das Ziel der Schöpfung ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und der Mensch versteht nicht, warum er auf einem so schweren Weg zu etwas Gutem kommen soll — zu einem guten Gefühl, zu einem guten Leben, schon in dieser Welt, und erst recht zu dem, was für die Kommende Welt versprochen ist: ewiges Leben, Erlangungen¹, das Gefühl der Vollkommenheit, Ewigkeit. Warum muss er auf einem so schweren Weg dorthin kommen? Der Schöpfer soll doch alles machen, so wie Sein Gedanke ist: Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.

Wie kommt es, dass es im Schöpfungsgedanken, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, Bedingungen gibt — dass man hart arbeiten muss, sich anstrengen, alles Mögliche überwinden, Leiden durchmachen, die schwerer sind als der Tod, ein Leben, das wirklich weder Leben noch Tod ist? Wozu braucht man all diese Dinge? Man braucht sie deshalb, weil das Geschöpf — etwas, das außerhalb des Schöpfers ist — nicht zu der Stufe kommen kann, wie der Schöpfer zu sein. Und nur diese Stufe, wie der Schöpfer zu sein, heißt Vollkommenheit und Ewigkeit.

Das Geschöpf kann also nicht zu der Stufe kommen, wie der Schöpfer zu sein, wenn es nicht von der entgegengesetzten Seite her zu ihr kommt. Das heißt: dass es das Gegenteil des Schöpfers ist, dass es in seiner ganzen Natur, in allen Gedanken, in allen Verlangen völlig entgegengesetzt zu Ihm ist. Und dann kommt es zur Angleichung der Form. Denn der Wille zu empfangen ist das Gegenteil des Schöpfers, ein Mangel daran, wie der Schöpfer zu sein. Wenn dieser Wille zu empfangen die Füllung auf direktem Weg bekommt, hört er sofort auf, die Füllung zu fühlen, hört sofort auf, den Genuss zu fühlen.

… du, weiter auf das Ziel zuzugehen. Jetzt enthüllt man dir dein Kli noch größer. Das heißt, du sitzt ohnehin auf dem Kli von Ejn Sof; es geht nur darum, wie viel du davon gefühlt hast. Sagen wir, du hast 20 % gefühlt — jetzt gibt man dir 25 % zu fühlen. Diese zusätzlichen 5 % sind dann der schwerere, gröbere Teil gegenüber dem vorherigen Kli, denn die Kelim werden jedes Mal vom Leichten zum Schweren hin enthüllt.

So kommt es, dass der Mensch plötzlich entdeckt, wie schlecht seine Eigenschaften sind. Das Kli ist ja meines, das bin ich — und plötzlich zeigt man mir, wie viel schlechter und gröber ich bin, wie viel roher, wie viel fauler, mehr und mehr und mehr, entgegengesetzt zum Or Makif, das schon auf mich leuchtet. Es kommt also heraus, dass die Gegenleistung, der Lohn, den ich für gute Taten bekomme, ein schlechter Zustand ist. Der Mensch steckt dann wirklich in so einem Labyrinth, er weiß nicht, was passiert. 3:45

Er wollte so sehr, kam so weit voran, machte so viele Dinge, wollte richtig nach vorne rennen — und plötzlich bekommt er so etwas. In unserer Natur gibt es nie etwas Vergleichbares: dass man im Gefühl sozusagen eine Strafe bekommt, eine Strafe statt Lohn. Das nimmt einem die ganze Kraft, den ganzen Willen, überhaupt etwas zu tun, das bricht so sehr. Und bis der Mensch das versteht, bis er das verdaut … Er hört es nicht — am Anfang ist er nicht einmal fähig, es zu hören.²

Bis er anfängt, Zustände des Abstiegs mit Freude aufzunehmen. Denn er fühlt schon im Voraus, er ahnt schon im Voraus, was er davon haben wird, wenn er diesen Zustand später durchlaufen hat, welche Enthüllung er in den Kelim bekommen wird, die sich jetzt als schlechte Kelim enthüllen. Dann lebt er schon aus der Zukunft heraus, und dann freut er sich. So wie Baal HaSulam dort schreibt: „Ich freue mich über die Bösewichte, die sich enthüllen, denn Bösewichte, die sich nicht enthüllen, sind ohne jede Hoffnung." Das schreibt er dort in den Briefen.

Aber das kommt schon aus Erfahrung, daraus, dass er den ganzen Prozess schon versteht und kennt, dass er sich an alle Abstiege und Aufstiege gewöhnt hat. Dann nimmt er diese Dinge mit Verständnis auf. Und nicht nur mit Verständnis, sondern mit Freude — obwohl er sich schlecht fühlt. Mit dem Gefühl kannst du nichts machen, es ist ganz und gar ein Gefühl der Kraftlosigkeit. So wie Rabash³ hier schreibt: Du willst nur schlafen. Wenn man wirklich irgendeine Tablette bekommen und für ein halbes Jahr schlafen gehen könnte, dann würdest du sie mit Freude nehmen und dich abschalten, bis es vorbeigeht.

Wer also Erfahrung hat, der sieht das Kommende voraus, sieht, was daraus hervorgeht; er ist im Zustand des Kommenden und sieht das Ergebnis daraus — und er freut sich.

Ja.

6:07 Schüler: Aber alle fühlen sich schlecht … fühlt sich gut, warum gerade dass …

Rav: Jeder in unserer Welt fühlt sich schlecht. Das Problem ist nur, dass die Menschen sich nicht zielgerichtet schlecht fühlen. Hier dagegen hast du ein Gefühl, wo statt des Guten … Du bist darauf zugerannt, hast dafür gearbeitet, hast Anstrengungen gemacht, Handlungen; und man hat dir versprochen, dass es dir gut gehen wird, Spiritualität, ich weiß nicht was: Der Himmel öffnet sich, Engel kommen zu dir — ich weiß nicht, wie du dir Spiritualität vorgestellt hast. Und stattdessen bekommst du das Gegenteil. Eine größere Enttäuschung gibt es nicht.

So steckt der Mensch wirklich in Frustration. Ich erinnere mich an diese Dinge, bei mir ist das ganz lebendig, oh weh. Ich erinnere mich an den ersten Fall, den ersten Abstieg: Ich habe nicht verstanden, wo ich bin, es war so dunkel. Auch vorher war ich nicht besonders glücklich, ich war auf der Suche in meinem Leben — aber so sehr? Das ist, weißt du, wie ein Block vor den Augen: Du kannst dich wirklich nirgendwohin drehen, wo du irgendeinen Tropfen Genuss finden würdest, irgendwie zu leben, irgendwie innerlich etwas zu finden gegenüber irgendeinem Bild, irgendetwas. Gar nichts. Das …

Schüler: … dass du Unterscheidungen in deinem „Ich", in deinem Willen zu empfangen fühlst, Or Makif.

Rav: Ich weiß nichts von Or Makif, ich weiß nichts von meinem Willen zu empfangen — ich spreche über den Zustand. Der Mensch, der anfängt und in diese Zustände hineinkommt, weiß nicht, woher und was. Aber trotzdem hat er so eine Art Enttäuschung gegenüber dem Weg. Ja? Das war's. Nicht davon, dass er auch schon einen Monat vorher, als er noch nicht zur Kabbala gekommen war, sagen wir, von diesem ganzen Leben enttäuscht war — wozu ist er denn zu uns gekommen? Ja? Und jetzt ist er bei uns und hört, dass man hier etwas Gutes finden, etwas gewinnen kann, nicht so wie dort, wo er sieht, dass er bei allem verliert — und plötzlich sieht er, dass es bei uns noch schlimmer ist.

Dort gab es Enttäuschungen mit dem einen, dann sprang er zum zweiten, vom zweiten zum dritten. Er konnte immer irgendwie vor der Verzweiflung fliehen und sich mit irgendetwas füllen. Weißt du: Die Arbeit ist nicht in Ordnung, dann geht er mit den Jungs in eine Bar, geht so aus, vergnügt sich, irgendetwas, Fußball, egal was — es gibt etwas im Leben. Hier aber ist der Mangel an Füllung in dem spirituellen Kli, das jetzt angefangen hat, größer als alle Kelim dieser Welt. Und dann fühlt der Mensch, dass ihm im Leben gar nichts geblieben ist.

Dort war er hier und da ein bisschen verzweifelt, aber es gab trotzdem immer Möglichkeiten, sich selbst am Leben zu halten. Hier bleibt ihm nichts mehr, womit er sich beleben könnte⁴ — nur noch daliegen, sich nicht bewegen, sich womöglich abschalten und warten, dass es vielleicht vorbeigeht. Was heißt „vielleicht vorbeigeht"? Sich selbst nicht zu fühlen. Dagegen muss man viele Zustände durchlaufen, viel Erfahrung sammeln, um zu verstehen, dass diese Zustände ein Zuwachs an Kelim sind: dass du ein immer größeres und größeres und größeres Kli brauchst, und zwar entsprechend deinen Kräften. 9:59

So gewaltig dir diese Schwermut auch erscheint, die jetzt auf dich fällt — man gibt sie dir genau entsprechend deinen Kräften. Und dann, beim nächsten Mal, kommst du voran und überwindest wieder und kommst wieder voran und fällst wieder. „Tausendmal fällt der Gerechte und steht auf"⁵ — so steht es geschrieben. Was soll man machen. Aber was soll man machen? Am Ende erwirbst du ein riesiges Kli. Du weißt nichts von ihm, du kennst es nicht.

Übrigens scheint es dir jedes Mal, wenn du fällst, dass du noch schwächer wirst, dass du noch abhängiger davon bist, was man von Oben mit dir macht, dass du eine Puppe bist, die jedes Mal schlaffer wird, ohne eigene Entscheidung und ohne eigene Kräfte. Das ist deshalb so, weil man dir immer mehr das spirituelle Kli enthüllt, das wirklich nicht von dir abhängt. Bis es ein sehr großes Kli sein wird und du fühlst, dass du wirklich ganz und gar unter der Herrschaft des Schöpfers stehst. Leben und Tod liegen wirklich in der Hand des Schöpfers.

Und das ist eine gute Sache, freu dich darüber, dass dein Leben und dein Tod nicht in deinen Händen liegen, sondern in Seinen. Der Weg ist nicht leicht und nicht kurz. Wie könnte er kurz sein? Auch in dieser Welt: Um etwas zu lernen und etwas zu erwerben, gehe ich an die Universität, lerne von Kindheit an, bis dreißig lerne ich. Danach arbeite ich noch 20–30 Jahre hart, um etwas zu verdienen, etwas zu erreichen. Mit 50–60 kann man vielleicht gerade sagen, dass ich etwas erreicht habe — ganz einfach, auf gewöhnliche Weise. Nu. Und danach, in den letzten 10–20 Jahren, sitze ich schon im Sessel, kann mich nicht bewegen und genieße angeblich, sozusagen, das Leben. Ja?

Meine Frage ist also so: Du willst hier Ewigkeit gewinnen, in unendlichen Kelim. Zuerst muss man diese Kelim erwerben, dann muss man sie korrigieren, dann empfangen. Der Prozess ähnelt im Grunde dem, was in dieser Welt passiert. Ja? Nur dauert er womöglich nicht weniger lange als das, wofür du in dieser Welt etwas Gutes, etwas Großes gewinnen willst. Also was ist daran so besonders?

Das Problem ist nur: Was du hier gewinnen wirst, das siehst du — und Fälle und Abstiege und all diese Dinge. Du siehst, dass es auch in der Gemeinschaft jedem passiert, der gewinnen will, alle sind so in Anstrengung und in Frustration. Nun, das Leid der Gemeinschaft ist ein halber Trost. Aber wirklich: Wo hast du gesehen, dass jemand glücklich ist und du dieses Glück⁶ gegen das spirituelle Leid eintauschst? Wenn es so wäre, wären wir nie zur Weisheit der Kabbala gekommen.

Ja.

13:27 Schüler: Wie kann ein Mensch, der in einem Zustand ist, in dem er sich gut fühlt, wie kann er … es hängt ja von ihm ab, Achishena zu wählen … Wenn man dem Menschen seine Natur enthüllt und er fühlt, in dem Zustand …, den Sie beschrieben haben — wie kann er jetzt Achishena ergreifen …?

Rav: Im Zustand des Falls kann der Mensch gar nichts fühlen und gar nichts mit sich anfangen. Nur wenn er im Voraus alle möglichen Ordnungen festgelegt hat, alle möglichen Verbindungen mit den Freunden, dann ist er durchaus zu etwas fähig. Wenn nicht, dann nicht. Wenn er weiß: Ob ich will oder nicht will, ich muss in die Küche zum Arbeiten gehen — dann steht er auf und geht, und schon dadurch kommt er voran. Wenn er weiß: Ich muss jetzt etwas übersetzen, etwas aus dem Lernmaterial vorbereiten, unterrichten gehen — dann macht er es, und das hilft ihm voranzukommen.

Aber wenn er solche Verpflichtungen nicht hat, dann liegt er zu Hause, da ist nichts zu machen. Oder er kommt, sitzt hier im Unterricht und nimmt einfach nur Platz weg. Auf jeden Fall muss man sich einen Rahmen setzen. Rahmen heißt: dass ich nach den Zeiten verpflichtet bin. Zur Zeit des Falls, im Zustand des Falls, sind wir nicht in der inneren spirituellen Arbeit — dann müssen wir nach den Zeiten dieser Welt handeln.

Ich weiß: Um drei Uhr nachts muss ich aufstehen und hierherkommen zum Lernen. Um sechs Uhr morgens muss ich essen, mich vielleicht ausruhen gehen oder direkt zur Arbeit gehen; nach der Arbeit unterrichten gehen oder hier im Zentrum noch irgendeine Arbeit machen und so weiter. Das heißt, ich muss dann nach dem Zeitplan arbeiten. Deshalb darf es in unserem Leben keine — wie soll ich sagen — einfach freie Zeit geben, die nicht unter einem Zeitplan steht. Das ist nicht gut.

15:48 Schüler: … Rahmen. Aber was ist Achishena — ist das der Rahmen?

Rav: Achishena heißt, dass der Mensch sich mit eigenen Kräften bemüht, mit dem, was er sich selbst organisiert, Anstrengung zu geben, um in schnellerem Tempo zu den Korrekturen zu gehen, als die Leiden⁷ ihn dazu zwingen würden. Mit Achishena oder beIto ist gemeint: Wie lange brauche ich in jedem einzelnen Zustand, um zu verstehen, dass dieser Zustand zielgerichtet ist. Zielgerichtet, und dass ich von ihm aus aufwärts gehen muss, zum Ziel voranzukommen.

Das Erkennen des Zustands — jedes Zustands, egal welchen: Aufstieg wie Abstieg, Verzweiflung, Enttäuschung, egal; ein Zustand, der scheinbar gut ist, im Gefühl aber schlecht, egal welche Zustände — mich selbst dabei zu erwischen, dass dieser Zustand zielgerichtet ist, dass ich ihn nutzen muss, um weiter zum Ziel voranzukommen. Dafür muss ich mir ein System aufbauen und dieses Erkennen so weit wie möglich beschleunigen. Das nennt man Achishena.

Außer dem gibt es für uns nichts mehr zu tun. Das heißt, die Handlungen liegen nicht bei uns; wir müssen nur den Prozess verdauen, der über uns hinweggeht, und mehr nicht.

Ja.

Schüler: … durch ein nicht gutes Gefühl. Dieses Gefühl hat alle möglichen Ursachen — spielt es eine Rolle, welche Ursachen zu diesen Gefühlen führen?

Rav: Das spirituelle Kli enthüllt sich durch die vorherige Arbeit, den vorherigen Erfolg. Du warst bei der vorherigen Anstrengung mit zehn Kilo erfolgreich — jetzt gibt man dir eine Last von zwanzig Kilo. Mit dieser Last fällst du hin, du schaffst es nicht. Dann musst du, weißt du, wie es in der Gemara steht, deinen Freund rufen; dein Freund muss zusammen mit dir deinen Esel aufrichten und ihm die Last aufladen. Der Esel fällt hin. Nach dem Gesetz der Tora musst du das dreimal machen: ihn aufrichten, ihm aufladen. Ja? Damit der Esel es am Ende doch schleppt und vorwärtsgeht. Allein geht das nicht — den Esel hebt man zusammen mit dem Freund auf.

18:36 Schüler:

Rav: Was, die Ursache dafür?

Schüler: Nein, es gibt alle möglichen Ursachen …

Rav: Der Grund dafür, dass man dir statt eines Sacks zwei Säcke zu tragen gibt, ist, dass du stark geworden bist, dass du es machen kannst. Man muss nur beim Aufstehen helfen, aber die Kraft ist da. Das heißt, es fehlt an Motivation.

Schüler: … ob es eine Rolle spielt, welche Ursache …

Rav: Es gibt keine andere Ursache dafür, dass man dem Menschen einen Fall gibt, als die, dass er bei der vorherigen Aufgabe erfolgreich war. Und man gibt ihm jetzt einen Fall genau nach der Größe seiner Überwindungskräfte.

Ja.

Schüler: … die Schwierigkeit, die es in der Arbeit gibt … Auswirkungen auf den Körper selbst … Krankheiten …

Rav: Insgesamt: die Zustände, die der Mensch durchläuft — in Freude, im Aufstieg, oder in Traurigkeit, im Abstieg. Es kann sein, dass er im Abstieg über den Zustand traurig ist, sich aber über die Annäherung an das Ziel freut. Diese Dinge können sozusagen gleichzeitig da sein, weil sie aus zwei Ursachen kommen. Ja: Mein Zustand ist nicht gut, aber in Richtung Ziel — das Ziel ist gut und leuchtet mir aus der Ferne. Dann habe ich schon zwei, sozusagen; ich bestimme meinen Zustand schon relativ zu zwei Maßstäben. Ja? Nach meinem jetzigen eigenen Maßstab und nach dem zukünftigen Zustand.

Es kann also sein, dass ich zugleich verzweifelt und zugleich froh bin, wenn ich weiß, dass die Verzweiflung ein gutes Zeichen für das Ziel ist. Du fragst also so: Kommen diese Dinge nur als Gefühltes zu uns, ja, in unseren Sinnen — oder können sie auch auf die allgemeine, körperliche Gesundheit wirken? In Wahrheit wird der Körper davon nur stärker. Unser tierischer Körper wird sowohl von den Aufstiegen als auch von den Abstiegen nur stärker, er nimmt nie Schaden. Im Gegenteil: Am Ende fügst du ihm Leben hinzu.

21:25 Und das Leben hat zwei Enden. Baal HaSulam schreibt darüber beim Atmen: dass es ein Zusammenziehen gibt und ein Ausdehnen. So wie wir atmen, so gibt es einen Abstieg und einen Aufstieg. Es kann nicht sein, dass es kein Zusammenziehen gäbe, damit du danach in der Ausdehnung atmen kannst — denn es ist derselbe Ort, der sich nur immer weiter und weiter zusammenzieht und ausdehnt, immer weiter. Deshalb bekommst du durch diese Abstiege und Aufstiege insgesamt Leben, eine Lehre des Lebens, Licht: näher, das ist das Or Makif; noch näher, noch größer; und danach, bis das Or Pnimi kommt. Das heißt, es kann nicht sein, dass der spirituelle Prozess dem Körper Schaden zufügt, so schlecht sich die Dinge auch anfühlen mögen.

Zwar können die Erscheinungen, die du fühlst, während du sagen wir einen Abstieg durchmachst, Schwäche sein, Kopfschmerzen, Funktionsunfähigkeit — wirklich: ein schweres Herz, die Beine gehen nicht, du bist einfach völlig in Einzelteile zerlegt. Ja? Fünf Minuten später wechselt der Zustand, du bist wie ein Held, als wäre nichts gewesen; du glaubst nicht, was vorher war, du lachst über den vorherigen Zustand — bis wieder der nächste Zustand kommt. Das war's. Und am Ende wird der Körper davon stärker. Das ist das Leben, für das der Körper bestimmt ist.

Ja.

23:06 Schüler: Was heißt Erfolg in einem bestimmten Zustand?

Rav: Erfolg im vorherigen Zustand heißt, dass ich jetzt größere Kelim bekomme.

Schüler: Was habe ich getan?

Rav: Einen größeren Fall. Ha?

Schüler: Worin war ich erfolgreich?

Rav: Ich war im vorherigen Zustand erfolgreich: dass ich gearbeitet habe, dass ich Kraft investiert habe, dass ich … in Anstrengungen, im Lernen, in allen Dingen. Offenbar habe ich, weil ich all diese Dinge getan habe, jetzt einen Zuwachs an Kli zur Korrektur bekommen, der sich bei mir als Abstieg anfühlt. Wir sind Fühlende, wir fühlen, was man uns gibt. Gibt man mir ein Kli zu fühlen, fühle ich mich schlecht. Gibt man mir Füllung zu fühlen, fühle ich mich gut. Das ist alles.

Schüler: Wenn ich nicht erfolgreich war, bekomme ich keinen Abstieg?

Rav: Wenn du nicht erfolgreich warst, bekommst du keinen Abstieg. Wie das Unbelebte der Kedusha. Du bekommst irgendeine Füllung daraus, dass alles gut ist und dass du ein Gerechter bist und dass du handelst, und dieses Gefühl bleibt das ganze Leben. Du kannst die ganzen hundertzwanzig Jahre tanzen wie die Breslover. Das ist überhaupt kein Problem. Denn es gibt keine Aufstiege, es gibt keine Abstiege. Das war's.

Ja.

24:22 Schüler: Wie kann ein Mensch prüfen, ob er wirklich die richtige Aufgabe ausführt? Das heißt: Es kann sein, dass es einem Menschen so scheint, als würde er viele Dinge tun, und das nennt man Handlung — aber in Wirklichkeit macht er den Fall, den er sozusagen …⁸ So wie Sie gesagt haben: Man kann hundertzwanzig Jahre tanzen, man kann dies machen, man kann das machen, aber tatsächlich führt er die Aufgabe nicht aus. Wie kann ein Mensch also in jedem einzelnen Zustand prüfen, ob er die Aufgabe wirklich ausführt oder ob er …

Rav: Wie weiß der Mensch, ob er die richtige Aufgabe ausführt, das heißt, ob er Korrekturen macht, ob seine Handlungen wirklich Handlungen in Richtung Korrektur sind? Es kann sein, dass er herumläuft und viel Lärm macht und so, aber diese Dinge bewegen ihn überhaupt nicht. Sondern es ist wie ein Spiel: Wo du das Spiel angefangen hast, dort hast du das Spiel auch beendet. Du hast daraus nichts geschaffen. Das Spiel ist in sich selbst, in sich selbst geschlossen — so hast du die Zeit schön verbracht.

Wie soll man wissen, ob wir in einem Spiel sind oder ob wir wirklich handeln, um … uns korrigieren, ja? Uns auf irgendeine Weise dem Ziel nähern. Noch einmal: Das klarste Zeichen ist der Fall. Es sind die Abstiege, die zu ihnen kommen. Es ist das Gefühl des Bösen, das der Mensch bekommt, dadurch, dass man ihm zeigt, wie schlecht er ist. Das ist es. Dass man einen Aufstieg bekommt — im Grunde kann man auch das ein Zeichen nennen, aber das kann von allem Möglichen anderen kommen. Es kann daher kommen, dass du Kontrolle bekommen hast, dass du in irgendeinem anderen Erfolg bist und es dir so scheint, als wäre das ein spiritueller Erfolg. Der Abstieg ist das sichere Zeichen dafür, dass du vorangekommen bist, dass du jetzt ein neues Kli erwirbst.

26:46 Schüler: Aber trotzdem gibt es, dass ein Mensch …

Rav: Sieh mal: Die Ausbreitung des Lichts und seine Entfernung bauen die Kelim auf. Und gerade zur Zeit der Entfernung wird ein Kli erschaffen.

Ja.

Schüler: Ein Mensch ist mitten in der Aufgabe. Worauf soll er sich aus sich selbst heraus vorbereiten, womit … Wenn ein Mensch mitten in der Aufgabe ist — womit soll er sich denn einschließen, wonach soll er sich denn sehnen …? Nicht nur: Ich tue und tue und tue, und da kommt ein Abstieg, wunderbar, also war ich erfolgreich. Während er tut — was kann er aus sich selbst heraus dazu beitragen, damit das kein Spiel ist, sondern echt?

Rav: Damit … Wir können nie … (Was ist das für ein Lärm da?)⁹ Damit man nicht durcheinanderkommt — und wir können ja nicht bestimmen, was Abstiege und Aufstiege sind und was nützt und was nicht nützt —, muss der Mensch Zeiten festlegen. Baal HaSulam schreibt darüber auch dort in einem Brief: so und so viele Stunden für dies und so und so viele Stunden für das. Das heißt, er gibt dort jemandem ein Beispiel, wie es sein soll, damit du weißt, dass du genau das machst, was nötig ist. Unser Lernen ist mehr oder weniger so geordnet, wie es bei Rabash war, und auf diese Weise müssen wir gehen.

Ein Teil ist der Artikel, so wie jetzt, dazu noch anderthalb Stunden „Talmud Esser haSfirot". Das war's, das ist das Lernen. Außerdem musst du deine Zeit noch damit füllen, dass du in der Verbreitung bist, unterrichtest. Und die übrige Zeit, in der du körperlich nicht kannst, sondern nur dein Kopf und dein Herz frei sind, das kann sein. Es kann auch eine Beschäftigung sein, bei der du weder im Herzen noch im Kopf, im Verstand, frei sein kannst — sagen wir, du arbeitest in irgendeiner besonderen Arbeit, die dein ganzes Wesen in Anspruch nimmt.

Aber soweit du freier sein kannst, kannst du dort in diesen leeren Raum noch das hineingeben, was du an Arbeit hast, entweder im Mocha oder im Liba, also die Verbindung zum Ziel, und die ganze Zeit darin zu sein. Das ist es, was wir lernen, dass man so machen muss. Und entsprechend: wie sehr du das machen willst, wie sehr du dich aus diesen Zuständen heraus auf den Unterricht vorbereitest, und wie es während des Unterrichts ist — jetzt fangen wir an, TES zu lernen —, wie sehr du dabei mehr mit dem Ziel verbunden bist: Wozu lerne ich? Ich lerne nicht, um zu wissen, sondern um zu etwas zu kommen, zu den Korrekturen … (Ich weiß nicht, was ist da mit jemandem passiert?) Danach also, nach deiner Absicht während des Lernens — das nennt man die Qualität der Anstrengung —, danach wirst du vorankommen. Das Or Makif, das du anziehst, hängt von der Qualität der Anstrengung ab: davon, wie sehr du willst, dass das Material, das du lernst, auf deine Korrektur wirkt und nicht einfach nur den Verstand füllt.

Das heißt, wie sehr du darüber nachdenkst: Wozu lebe ich? Was ist das Ziel? Wie korrigiere ich mich? Also: Wie nähere ich mich dem Ziel? Was ist die Methode der Korrektur? Wie hängt das Lernen damit zusammen? Was muss ich während des Lernens fordern? Wenn du dann zum Lernen kommst, nimmst du es als Gebet auf, als Ort des Gebets. Das heißt, als Ort der Wendung an die Höhere Kraft, dass sie dich korrigiert, dass sie dich erhebt. Das ist die Hauptsache.

Das ganze Or Makif kommt während des Lernens. Und das Problem, dass wir nicht so recht vorankommen — schau in einer halben Stunde hin, wenn wir anfangen zu lernen, und du wirst hier all die Leute sehen: halb schläfrig, die Hälfte schläft überhaupt, und noch ein paar schlafen oder gehen raus zum Rauchen. Entsprechend ist dann das Vorankommen. Die Hauptsache ist die Vorbereitung auf das Lernen. Auch die Verbreitung, auch all diese Dinge sind am Ende Vorbereitung auf diese anderthalb Stunden, in denen du TES lernst.

Ja.

31:38 Schüler: Das Ziel von vornherein, weswegen wir überhaupt in diese Welt herabgestiegen sind, ist, uns zu korrigieren, uns zu entwickeln, und Er wird uns das Gute und den Genuss geben, den Er geben will. Okay? Und jetzt: Wie trägt es dazu bei, dass ich Kabbala lernen komme, lernen will, wirklich ankommen will — und dass es tausendundeine Möglichkeit gibt, sich zu irren und wirklich vom Weg abzuweichen? Und man will doch wirklich. Und selbst wenn du auf tausend Arten abweichst: Wie trägt das etwas zum Ziel bei?

Rav: Wirklich: Du bist endlich in deinem Leben zu der Entscheidung gekommen, dass du zum Ziel des Lebens kommen musst, sonst fühlst du dich schlecht. Du kommst hierher, du willst wirklich vorankommen, zum Ziel kommen. Und einerseits sagt man dir, es gebe einen Weg, einen guten Weg, einen gebahnten, klaren Weg — und wenn du anfängst, ihn zu gehen, entdeckst du, dass gar nichts klar ist, dass alles durcheinander ist, dass jeder Schritt plötzlich und zufällig kommt. Dass du dich überhaupt nie in Klarheit findest, in Kräften, im Erkennen des Ziels, in einer Handlung, irgendetwas zu tun. Sondern alles ist so wackelig und lose, und … Ja? Warum ist das so?

Mit Absicht ist es so gebaut, um den Menschen aus seinem Ego herauszuholen, aus seinem Willen zu empfangen. Damit er weiß, dass die Füllung des Willens zu empfangen nicht in seiner Hand liegt, sondern in der Hand der Höheren Kraft. Was am Ende … Wenn du den Weg nicht verstehst, ist das gerade natürlich und gut. Das ist gerade ein Zeichen des Vorankommens.

Aber stell dich mal auf die andere Seite. Du schaust von oben auf dich selbst, von der Seite des Schöpfers. Was hättest du mit dir machen müssen, um dich zum Ziel zu bringen? Du musst die Kelim vergrößern, einfach ein Kli dem Volumen nach, einen großen Willen zu empfangen. Wozu einen großen Willen zu empfangen? Für das Licht, für das Licht. 33:51

Du weißt nicht, was Licht ist, also vergrößert man dir den Willen zu empfangen. Und schon bist du in Verwirrung. Du weißt nicht, was … Ich will. Aber was ich will, weiß ich nicht. Nur: Mir geht es nicht gut. Schon ist es nicht in Ordnung. Wenn ich nicht weiß, was ich will, ist auch mein Verstand völlig abgeschnitten. Er kann nicht arbeiten. Mein Verstand arbeitet nur nach dem Willen.

Ich weiß: Das will ich, und hier bin ich jetzt — wie erreiche ich, was ich will? Ich mache alle möglichen Tricks, so und so, alle möglichen Dinge, und ich komme hin. Wenn ich den ganzen Weg nicht kenne, wenn mir nicht klar ist, was ich will, wird der Verstand so vernebelt, und plötzlich fühle ich mich verblödet. Weißt du? Ich habe nichts, woran ich mich mit dem Verstand festhalten könnte. Und im Gefühl auch nicht.

Also wirklich, was soll man machen? Machen … Es gibt nichts zu machen. Du wirst noch viele solche Zustände erwerben, sowohl im Verstand als auch im Gefühl. Das nennt man „beMocha uveLiba" — einstweilen nennt man es so, bis du zu einem Zustand kommst, in dem eine völlige Abhängigkeit von der Höheren Kraft besteht: dass sowohl dein Wille als auch das Ziel und auch der Weg dorthin und jede Handlung, dass alles von Ihm abhängt.

Und wer bin ich? Das Ich ist nur der, der das bemerkt, und mehr nicht. Denn alles macht der Schöpfer von Oben, nach Seiner Ordnung, nach dem Plan, und all diese Dinge sind im Voraus festgelegt. Und wer bin ich? Ich bin nur der, der zugibt, dass es so gemacht wird. Aber außer dass ich es zugebe — was dann? Bin ich nur ein Beobachter, wie eine Art Golem? Nein.

Später fange ich dann an zu verstehen, dass ich daran — das ist nach dem Machsom —, ich fange an zu fühlen, zu sehen, dass ich daran einen aktiven Anteil habe. Dass ich an Seiner Stelle auf meine Entwicklung einwirken kann. Das heißt: In dem Maße, in dem ich erwerbe — stell dir vor —, in dem Maße, in dem ich Sein Kli erwerbe, Seine Kraft, bin ich schon nicht mehr unten in mir selbst, sondern schon in Ihm. 36:23

Und dann wirke ich aus Ihm heraus, von Oben, auf mich selbst und mache mich selbst. Das heißt, ich werde sozusagen einer, der von Oben an sich selbst arbeitet, anstelle des Schöpfers.

36:36 Schüler: Dann müssen wir Ihn also verstehen, aber …

Rav: Ich muss Ihn verstehen. Deshalb steht geschrieben: „Erkenne den Schöpfer, deinen Gott, und diene Ihm."¹⁰ Man muss wissen, man muss erkennen — nicht auf einmal ganz, sondern nach und nach. Aber in dem Maße, in dem ich Sein Wissen erwerbe, Seine Gedanken, Seine Ziele, Seine Kräfte, in diesem Maße fange ich an, von Ihm die ganze Arbeit zu übernehmen: die der Vorsehung, der Führung, des Kommandos, von allem. Und ich fange an, an Seiner Stelle zu herrschen, an Seiner Stelle. Verstehst du?

Das heißt, sozusagen aus Bewusstlosigkeit, aus Tatenlosigkeit, aus Verzweiflung und aus Schwäche und überhaupt aus dem Nichts komme ich zu einem Zustand, in dem ich wie Er bin, überhaupt an Seiner Stelle, wirklich an Seiner Stelle, und über die ganze Schöpfung herrsche. Aber auf dem Weg fühlt man wirklich, wie du sagst, Verwirrung, Schwäche, Unverständnis. Wirklich total „out".

Ja.

37:40 Schüler: Die Enthüllung des Bösen … zum Schöpfer. Gibt es da eine Stufe …?

Rav: Die Enthüllung des Bösen gegenüber dem Schöpfer — wie das gegenüber den Freunden ankommt, sich enthüllt, wie es sich gegenüber dem Schöpfer enthüllt … Sagen wir es so: Wenn das zusammen geht, enthüllt es sich wirklich in gutem Tempo, aber es enthüllt sich wechselseitig. Das heißt, es kann nicht sein, dass ich gegenüber dem Schöpfer schlecht bin und gegenüber den Freunden nicht schlecht, oder umgekehrt. Denn es ist dasselbe.

Baal HaSulam schreibt: Was außerhalb des Körpers des Menschen ist, das ist egal — ob es ein Nachbar ist, ob es der Schöpfer ist, ob es wer auch immer ist, jeder Beliebige, egal wer. Wenn es außerhalb von mir ist, wenn es nicht auf mich gerichtet ist, um mein Kli zu füllen, sondern etwas außerhalb von mir ist, dann gibt es für mich keinerlei Unterschied, für wen es bestimmt ist. Und wenn es doch einen Unterschied gibt, ist das ein Zeichen dafür, dass ich einfach nicht spüre, dass es trotzdem darum geht, mich durch ihn hindurch wieder selbst zu füllen. Deshalb sieht man daran, wie man gegenüber den Freunden handelt, sofort, wo wir gegenüber dem Schöpfer stehen.

Habe ich nicht geantwortet?

39:29 Schüler: Kann es einen solchen Zustand geben, dass ich Böses gegenüber den Freunden enthülle und den Schöpfer noch nicht fühle? So eine Stufe?

Rav: Ja, sicher. Sicher. Ich kann noch nicht verbinden … Sagen wir, ich bin mit den Freunden in einem bestimmten Zustand, sagen wir einem schlechten, ich komme irgendwie nicht mit ihnen zurecht, und ich kann nicht entdecken, in welchem Zusammenhang diese Sache zum Schöpfer steht. In Wahrheit ist es nicht wichtig, was ich in Bezug auf sie fühle. Wichtig ist, wie sehr ich, wie sehr ich … wie soll ich sagen? … mein Verhältnis erkenne. Ich weiß nicht wie, mir fehlen die Worte.

Nu, wir werden lernen.

Ja.

Schüler: Was sind die Filme, die den Menschen von der Arbeit für den Schöpfer entfernen, und wie soll man sagen, dass das ein zielgerichteter Zustand ist?

Rav: Was, was?

Schüler: Die Filme, die entfernen …

Rav: Filme?

Schüler: Bilder, Bilder.

Rav: Nu.

Schüler: Und wie soll man sagen, dass das ein zielgerichteter Zustand ist?

Rav: Das ist in Bezug auf den Menschen: Nichts kommt vom Schöpfer, um den Menschen von der Arbeit zu entfernen. Das heißt, du fragst: Was sind die Bilder, die den Menschen vom Ziel entfernen? Ich würde so sagen: Man sagt, der Schöpfer wolle den Menschen sozusagen wegwerfen, und der Mensch kommt voran und will trotzdem dem Schöpfer näher sein. Aber in Wahrheit geschieht das nicht so; alles geschieht aus derselben Kraft, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun: dass der Mensch die ganze Zeit von Oben Hilfe bekommt. Nur wird diese Hilfe sozusagen mal als schlecht empfunden und mal als gut.

Wir müssen ein Kli gegenüber dem Licht aufbauen. Je größer also der Unterschied zwischen Schwarz und Weiß ist, zwischen dem Empfinden des Kli und dem Empfinden der Füllung, desto weiter fortgeschritten ist der Zustand. Es gibt nichts, was den Menschen vom Weg wirft; das allerschlimmste Gefühl, das es gibt, wirft ihn nicht vom Weg.

Und der Mensch verlässt den Weg nie deshalb, weil man ihm solche Schwierigkeiten gibt oder ihm Enttäuschungen gibt. Er verlässt den Weg, weil er sich selbst von der Gemeinschaft entfernt hat, vom Kreis, von der Gruppe, und von ihnen keinen Treibstoff bekommt, keine Unterstützung bekommt — nur deswegen. Und dass wir allein von vornherein nicht zum Ziel kommen werden, ist uns klar. 42:42

Das heißt: Wer sich nicht mit den anderen verbinden will und wirklich keine Hilfe von anderen annehmen will und dementsprechend auch nichts von sich beitragen will, der ist wirklich ein fremder Teil in unserer Gemeinschaft. Und dann muss man ihn entweder korrigieren oder sich von ihm trennen. Das war's, da ist nichts zu machen.

Baal HaSulam schreibt, dass einer, der nichts beiträgt, wie einer ist, der schadet. Wir können diese Dinge nur nicht messen, also messen wir den Menschen danach, ob er ein Dieb ist oder kein Dieb — kein Dieb, dann ist es schon in Ordnung. Er schreibt, dass das nicht in Ordnung ist: Wer nicht gibt, der stiehlt ebenfalls. In der Spiritualität ist es so.

Deshalb müssen wir uns so in der Gemeinschaft sehen. Und wenn es kein solches Gesetz gibt, dann wird die Gemeinschaft uns nicht voranbringen; dieses unser Boot wird uns nicht zum Ziel bringen. Es arbeitet ja nach spirituellen Gesetzen, nicht nach materiellen. In der Spiritualität gilt: Wer nicht gibt, der arbeitet nicht, der handelt nicht, der schadet.

Das ist in einem Artikel, ich erinnere mich nicht, „Das Wesen der Religion" vielleicht, irgendetwas, ich erinnere mich nicht, in „Matan Tora".

Ja.

44:22 Schüler: Sie sagen, dass ein Mensch den Weg im Grunde nicht verlässt, weil man ihm Zustände bringt, sondern nur, weil er sich selbst von der Gemeinschaft entfernt. Manchmal ist aber einer der Zustände, die über den Menschen kommen, gerade der, dass man ihm einen Zustand bringt, in dem er sich von der Gemeinschaft entfernen will.

Rav: Dass man einen in einen Zustand des Falls bringt und ich mich im Fall von der Gemeinschaft entferne und niemanden will — das ist ein bestimmter Zustand. Das ist nicht so, dass ich mich insgesamt entferne; man entfernt mich dadurch, dass man mir jetzt Willen zu empfangen hinzufügt. Das ist in Ordnung, das ist natürlich, das ist normal. Aber es darf nicht sein, dass ich mir in den Zuständen, in denen ich es sehr wohl kann, keine gute Umgebung aufbaue. Denn darin besteht meine ganze freie Wahl: um mich herum eine Umgebung aufzubauen, auf die ich mich stützen kann, zu der ich beitrage und aus der ich in eben diesem Maß Kräfte bekommen kann. Ohne das kann ich nicht vorankommen — nicht weil man die Umgebung braucht, sondern weil das die eigentliche Korrektur ist: die Verbindung der Seelen.

Wir verstehen nicht, wie sehr wir durch solche wechselseitige Arbeit Seelen verbinden. Das ist die eigentliche Korrektur. Es ist nicht so, dass das ein Mittel wäre, um zum Ziel zu kommen — nicht so, dass man es mit diesem Mittel macht, wenn es geht, und ohne dieses Mittel, wenn es nicht geht. Es ist kein Mittel, es ist die Arbeit selbst. Nicht so: Es gibt eine Gemeinschaft, dem Schöpfer sei Dank¹¹ habe ich den ganzen Weg hinter mir, ich brauche die Gemeinschaft nicht, geht zum Teufel, ich bin schon — das war's, ich bin dem Schöpfer nahe, fertig. Nein, es ist dasselbe. Später entdecken wir, dass der Schöpfer in die Seelen eingekleidet ist und dass unsere Verbindung mit Ihm nur über die Verbindung mit den übrigen Seelen zustande kommen kann.

Wir können den Schöpfer nicht empfangen, Ihn nicht sehen, Ihn nicht fühlen — nur durch die anderen Seelen hindurch, indem wir uns mit ihnen verbinden. Deshalb ist „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" die große Regel in der Tora; es ist ein Gesetz, das die ganze Annäherung an den Schöpfer umfasst. Er ist dort: „Inmitten meines Volkes wohne ich." Das war's.

46:27 Schüler: Was soll man also wirklich in diesen Zuständen machen, wenn sie über einen Menschen kommen?

Rav: Wenn ich in einem Zustand bin, in dem ich niemanden ertragen kann, nennt man das „Abstieg" — da ist nichts zu machen. Der Zustand selbst bestimmt, was ich tun kann und was ich nicht tun kann. Aber in den Zuständen, in denen ich es sehr wohl kann, muss ich mich zusammennehmen und maximal geben. Niemand sagt einem Toten, dass er arbeiten und rennen und leben muss. Wenn der Lebensgeist aus dem Menschen gewichen ist, dann ist er gewichen, dann kann er jetzt nicht. Lass ihn, hilf ihm nach und nach. Aber solange er im Aufstieg ist, muss er der Gemeinschaft maximal beitragen.

So wie Rabash sagt, dass es wie beim Tanz ist: Einer steigt auf, einer steigt ab, einer steigt auf, einer steigt ab — insgesamt tanzen alle und freuen sich und helfen einander.

Und noch einmal: Die Gemeinschaft ist nicht so, wie es aussieht. Wir geben zwar auch solche Beispiele, aber es stimmt nicht genau — als wäre sie so eine Art Kraftspeicher, wie ein Lager: Ich lege bei dir etwas ein, danach hilfst du mir; jetzt tue ich etwas für sie, danach helfen sie mir. Nein, das ist nicht genau so, es ist viel mehr als das. Denn hier gibt es eine Verbindung zwischen den Seelen, durch die hindurch — in ihnen und durch sie hindurch — ich den Schöpfer fühle; durch sie hindurch kommt das Or Makif zu mir. Denn der Mensch selbst, jeder von uns, ist ein kleiner Funke aus der allgemeinen Seele und muss alle Seelen in sich sammeln; jeder soll aus allen Seelen eingeschlossen sein.

Auf dem Weg zum Ziel gibt es einen Abschnitt, der heißt, dass man „am Leid der Gemeinschaft leidet". Dann nimmt er wirklich, tatsächlich, alle Seelen von Adam haRishon, verbindet sie mit sich und kommt dadurch voran. Das ist eine sehr schwere Arbeit. Wir sind ja mit unserer eigenen Seele nicht fähig, Aufstiege und Abstiege zu ertragen — und hier ist von zusätzlichen Kelim die Rede. Nicht so, dass du sie aufnimmst, wie sie sind. Was heißt „am Leid der Gemeinschaft leiden", sich auch am Leid der Gemeinschaft grämen? Dass du in ihren allgemeinen Abstiegen anfängst, die Kelim zu enthüllen, und durch diese Kelim kommst du voran. Im Vergleich zu dem, was es heute gibt, ist das milliardenfach größer.

Gut, nu. 49:03

(Ende des Unterrichts)