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Artikel „Komm zum Pharao – 1" „Stufen der Leiter" (Sulam), Band 2, Shemot, Parashat Bo, S. 76 Unterricht vom 25.04.2002
Rav: Das war der Artikel „Bo el Pharao 1", aus „Stufen der Leiter", Band 2, Seite 76. „Komm zum Pharao" – das bedeutet, der Mensch kann nicht zum Pharao kommen, er identifiziert sich mit der Störung, mit dem bösen Trieb, und wenn er sich mit ihm identifiziert, stört der böse Trieb den Menschen nicht. Wir können in unserem Egoismus leben, uns gut fühlen und nicht spüren, dass er uns stört, dass er uns entgegengesetzt ist, sondern ein normales, gewöhnliches Leben führen – so wie ein Mensch lebt, bevor er den Punkt im Herzen spürt. Das ist das Leben und das bin ich, und das war's.
Wann beginnt „Komm zum Pharao"? Wenn der Punkt im Herzen im Menschen zu erscheinen beginnt, und dann beginnt er zu spüren, dass es ihn gibt und noch etwas außerhalb von ihm, und dann beginnt bereits ein Zusammenstoß zwischen diesen beiden Dingen. Daraus, nach großer Arbeit, beginnt er zu sehen, dass das, was er zuvor für sein Leben hielt, für seinen Körper, für sich selbst – eigentlich nicht er ist. Es ist eine ihm fremde Kraft, die umgekehrt ist und ihn zuvor so sehr beherrscht hat, dass er nicht einmal wusste, dass er sich in einem Gefängnis befindet – er wurde im Gefängnis geboren, lebte dort, und das war's. Jetzt, wo der Punkt im Herzen in ihn eingetreten ist – ein Teil des Schöpfers von oben –, beginnt er zu spüren, dass der Ort, an dem er sich befindet, nicht sein Ort ist. Das ist das Gefängnis, das ist ein Ort der Verbannung. Und dann beginnt die Arbeit: Er will sozusagen fliehen und kann nicht.
Das heißt, „Komm zum Pharao" bedeutet, dass der Schöpfer dem Menschen einen Punkt im Herzen sendet – das ist bereits der Beginn der Einladung „Komm zum Pharao". Dass der Mensch auf seine Störung schaut, auf seine Natur, vom Blickwinkel des inneren Punktes im Herzen aus. Mit ihm zusammen geht der Schöpfer mit ihm, denn er ist ein Teil des Schöpfers von oben. Und was will der Schöpfer damit, dass er „zum Pharao kommt"? Den Menschen so weit zu erschöpfen, dass der Mensch einerseits den Pharao hasst, andererseits sieht, dass er selbst mit dem Punkt im Herzen nicht fähig ist, gegen den Pharao zu gehen. Dieser Punkt im Herzen muss, um vom Pharao gerettet zu werden, mit dem Schöpfer verbunden sein, denn von dort stammt er, das ist sein Ursprung.
Das heißt, der Mensch muss sich selbst auf die Seite des Schöpfers zurückbringen, mit dem Punkt im Herzen – das ist er, das ist sein Wesen –, und sich dadurch vom Pharao loslösen. So geschieht es tatsächlich beim Auszug aus Ägypten. Die erste Anhaftung: sich wieder an den Schöpfer anzuhaften und sich vom Pharao zu lösen. Und danach beginnt die Arbeit, dass man aus dem Punkt einen Parzuf mit 620 Organen bauen muss, in einer Höhe, in einer Stärke, die dem Schöpfer gleicht. Und das geschieht ebenfalls durch die Arbeit am Pharao. Der Mensch nimmt bereits jeden Teil des Pharao und beginnt mit ihm zu arbeiten. Zuerst nimmt er alle Teile des Pharao und sagt über sie, dass er nur im Geben sein will. Damit baut er seine Galgalta we Ejnaim. Danach nimmt er von jedem einzelnen Teil des Pharao ein wenig in der Einbeziehung von Teilen des Empfangens – damit baut er seinen AHP. Und den Pharao selbst lässt er als Herz aus Stein bis zum Ende der Korrektur, wenn auch der Pharao heilig wird.
Gibt es Fragen? Ah, Moschi.
Schüler: Der Schöpfer wirkt die ganze Zeit auf uns. Auf welchen Teil genau wirkt Er – auf unsere Materie, auf die Absicht um zu empfangen, die der Pharao ist, auf den Punkt im Herzen?
Rav: Der Schöpfer wirkt auf den Teil, mit dem du dich identifizierst, den du spürst. In dem Maße, wie du einen Teil in dir spürst – ob Pharao oder Punkt im Herzen –, spürst du, dass der Schöpfer auf dich wirkt. Wenn du keinen von ihnen spüren würdest, würdest du nicht spüren, dass der Schöpfer wirkt. Von vornherein befindest du dich im Willen zu empfangen. Du befindest dich unter der Herrschaft des Pharao. Wie geschrieben steht, dass die Kinder Israels in Ägypten waren, aber nicht spürten, dass sie sich in Knechtschaft befanden. Ab wann beginnt die Knechtschaft Ägyptens? Wenn man beginnt, den Punkt im Herzen zu spüren, beginnt man zu spüren, dass man sich im Negativen gegenüber der Spiritualität befindet. Das heißt, man kann das eine nicht ohne das andere spüren.
Schüler: Er schreibt, dass „durch die Anstrengung im Sinne von ‚Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen'" der Mensch von der Stufe „Am ha'Aretz" (Volk des Landes) zu „Isra-El" aufsteigt. Was genau ist diese Anstrengung?
Rav: Nochmal.
Schüler: Seite 80, Zeile.
Rav: Nicht wichtig. Was steht dort, wozu du fragst?
Schüler: Er schreibt, dass wenn ein Mensch Anstrengung unternimmt, die er „im Schweiße seines Angesichts" empfangen hat, er so zur Stufe Israels aufsteigt.
Rav: „Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen" bedeutet, dass du durch die Anstrengung, die du gibst, um den Massach zu erwerben, davon wegkommst, ein Tier zu sein, das aus einem Trog zusammen mit dem Esel frisst, und ein Mensch wirst. Ein Mensch lebt im Or Choser (Zurückkehrendes Licht), er isst das Brot. Er frisst nicht die Körner, Weizenkörner wie ein Tier, sondern isst das, was er aus ihnen gemacht hat – eine Speise für den Menschen, Brot. Was ist das Problem, was ist die Frage? Was fragst du dazu?
Schüler: Offensichtlich ist es eine bestimmte Art der Anstrengung.
Rav: Brot zu machen? Was fragst du?
Schüler: Nein. „Im Schweiße deines Angesichts." Es ist also nicht nur, dass ein Mensch Brot macht, sondern du tust es auch „im Schweiße deines Angesichts." Was bedeutet das?
Rav: In Anstrengung. Nun, ich will das nicht weiter auslegen, das genügt. Durch Anstrengung gelangt er von der Speise eines Tieres zur Speise eines Menschen.
Schüler: Was ist die Qualität der Anstrengung?
Rav: Die Qualität der Anstrengung ist, inwieweit du dich darum sorgst, in allen Einzelheiten stark mit dem Göttlichen verbunden zu sein, während du dich in allerlei Geschehnissen und Empfindungen und Zuständen und Ereignissen befindest. Inwieweit du in jedem einzelnen Detail der Ereignisse, die du durchläufst, in deren Tiefe mit dem Schöpfer verbunden bist – das nennt man die Qualität der Anstrengung.
Und die Quantität der Anstrengung bedeutet, dass du insgesamt, bei den Gelegenheiten, die dir von oben gegeben wurden, sie tatsächlich nutzt, um in Anhaftung mit dem Schöpfer zu sein. Sagen wir, im Laufe des Tages habe ich von vierundzwanzig Stunden fünf, sechs Stunden geschlafen, und die übrigen Stunden war ich in allerlei Zuständen, in denen ich bei Bewusstsein bin. Aber von diesem Bewusstsein aus – das heißt, sagen wir, vierundzwanzig minus sechs Stunden, achtzehn. In diesen verbleibenden achtzehn Stunden war ich mir der Arbeit für den Schöpfer bewusst, sagen wir vier Stunden. Und in den übrigen Stunden hat man mich vom Himmel nicht erinnert, ich konnte nichts tun, ich habe vergessen. In diesen vier Stunden habe ich mich daran erinnert, dass es ein Ziel der Schöpfung gibt, dass ich dazugehören will, im Allgemeinen. Von diesen vier Stunden war ich ebenfalls in allerlei Zuständen, von den vier Stunden war ich, sagen wir, eine Stunde lang in dem Verständnis, dass ich selbst etwas tun muss, um in Richtung einer Verbindung mit dem Schöpfer voranzukommen. Und davon war ich, sagen wir, eine halbe Stunde tatsächlich in der Anstrengung, mich und das, was um mich herum geschieht – die ganze Welt, die Ereignisse, die da sind, was mir zukommt – und den Schöpfer zu verbinden, dass alles zusammen als Eines kommt, um mich zu Ihm zu bringen. In dieser halben Stunde war ich also in quantitativer Arbeit.
Nun, von dieser halben Stunde war ich in dem Gedanken, dass ich zur Anhaftung mit dem Schöpfer gelangen muss – ein allgemeiner Gedanke darüber. Und ich sehnte mich danach im Allgemeinen. Und sagen wir, fünf Minuten war ich in einem Zustand, in dem allerlei Störungen in mir aufkamen, und bei jeder einzelnen Störung hielt ich mich immer fester, buchstäblich mit den Zähnen, daran fest, mich mit dem Schöpfer zu verbinden, und mit dem, was mir gerade mit dieser Störung geschieht – die ganze Zeit in einem solchen starken Wirbel –, und ich spürte eine Verbindung mit dem Schöpfer trotz jeder einzelnen Störung, noch mehr, und in einer Art und Weise, die jedes Mal anders und verschieden und besonders war – das nennt man die Qualität der Anstrengung. Das ist alles.
Also notiert man im Himmel, dass der und der drei Minuten in der Qualität der Anstrengung war und, sagen wir, zehn Minuten in der Quantität der Anstrengung. Am nächsten Tag haben wir dann noch mehr, und so weiter, bis der Mensch eine bestimmte Quote erfüllt. Jeder hat seine eigene – es muss eine bestimmte Quantität der Anstrengung geben und eine bestimmte Qualität der Anstrengung, und dann lässt man ihn bereits in die Spiritualität eintreten. Das nennt man „Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen" – du beginnst bereits mit wahren Kelim zu arbeiten.
Schüler: Das heißt, dass ich…
Rav: Man sammelt die Quantität und Qualität nicht einfach so an. Vielmehr bauen diese Quantitäten und Qualitäten zusammen ein Kli, einen Eintritt in die Spiritualität. Was bedeutet Eintritt? Ein Kli – und gemäß der Größe des Kli, das du bereits angesammelt hast, ist es für deine Neshama ausreichend, um Spiritualität zu empfinden, und dann beginnst du zu empfinden. Jemand anderer braucht andere Quantität und Qualität, und er beginnt Spiritualität bei anderen Maßen von Quantität und Qualität der Anstrengung zu spüren. Es ist nicht so, dass man dir öffnet, hinschaut: „Ah, du hast es gemacht!" – und dann öffnet. Vielmehr erschaffst du selbst das Kli, in dem du Spiritualität empfindest.
Wenn du jetzt das ergänzt, was du an Quantität und Qualität gemäß deinem Seelenwurzel brauchst, dann ist in dem Moment, in dem du es ergänzt, genau dieses Kli dasjenige, in dem du zu empfinden beginnst. Und es muss keine weitere Handlung von oben, vom Schöpfer oder so, geben, der dir besonders etwas gibt – also eine Belohnung, ein Bonus oder so etwas. Nein. Du hast es vollendet, und genau das selbst wird zu jenem Kli für die Empfindung der Spiritualität.
Schüler: Das heißt, die Quantität beginnt damit, dass ich mich an den Schöpfer erinnere, wie Er uns nicht auf der Seite lässt, und ich mich erinnere. Und die Qualität beginnt, wenn Störungen gesendet werden, und ich dann fest an diesem Gedanken festhalte und…
Rav: Frage, ohne das „und so weiter", nu.
Schüler: Ist das so richtig, sozusagen?
Rav: Das ist richtig, weiter.
Schüler: In dem Moment, wo ich mich nicht erinnere, zählt das überhaupt nicht, und…
Rav: In dem Moment, wo ein Mensch sich nicht erinnert – erinnert er sich nicht. Man erinnert ihn nicht. Es gibt eine Berechnung darüber, warum man erinnert und warum nicht. Es gibt darüber allerlei Berechnungen: Du hast vorher nicht daran gearbeitet, eine Gemeinschaft zu haben, die dich erinnert; du hast keine Anstrengung in der Zeit unternommen, als man dich tatsächlich erinnert hat; du hast keine Anstrengung angesammelt, um dir selbst allerlei Unterstützungen aufzubauen, und so weiter. Man erinnert dich also vom Himmel aus, aber es hängt davon ab, wie viel und wann. Je mehr du von dir selbst hinzufügst, desto mehr wird dir hinzugefügt. Es gibt ein solches Gesetz. Ja.
Schüler: Auf Seite 78 unten steht, dass der Schöpfer „dem Menschen helfen und geben kann, ob er kleine oder große Hilfe braucht." Was ist der Unterschied zwischen großer und kleiner Hilfe, und wovon hängt es ab?
Rav: Der Mensch teilt seinen Zustand ein, gibt seinem Zustand immer eine Beurteilung als gut, schlecht, schwer, besonders. Und dementsprechend wendet er sich sozusagen an den Schöpfer. Bei kleinen Dingen, weißt du, lohnt es sich nicht, sich an den Schöpfer zu wenden. Du weißt, es gibt diesen Witz: Ein Georgier betet neben jemand anderem in der Synagoge. Der andere bittet ihn um eine Kleinigkeit, dass er heute einen kleinen Erfolg haben möge, irgendetwas. Der Georgier sagt: „Was brauchst du, hundert Schekel? Nimm hundert Schekel, stör nicht, lass mich beten." So etwas in der Art. Das heißt, warum soll man sich wegen kleiner Dinge an den Schöpfer wenden? Bei großen Dingen gehe ich zu Ihm beten. Die kleinen löse ich selbst.
Was heißt das? Dass das nicht richtig ist, die Einstellung ist nicht richtig. Die Einstellung ist falsch, irrig, darin, dass der Mensch denkt, er sei fähig, etwas allein zu tun, und den Schöpfer braucht er wirklich nur dort, wo er nicht fähig ist. Das geschieht uns bei jedem Schritt in unserem Leben. Denn wenn man wirklich offene Augen hätte, würde man sehen, dass man einfach nicht den Finger bewegen kann, ohne dass man ihn von oben bewegt. Und dann wäre die Hinwendung, die Verbindung mit dem Schöpfer, für dich notwendig bei der kleinsten wie bei der größten Sache, weil es nicht wichtig ist – auch bei der allerkleinsten Sache kannst du nichts ohne Ihn tun. Vielmehr ist Er der Ausführende, Er handelt, und danach wiederholst du das wie ein Schatten und machst einfach eine Bewegung, und das war's.
Also, sich nur wegen großer, besonderer Dinge an Ihn zu wenden – wie jener Georgier, der sagt: „Stör mich nicht, ich habe etwas Ernstes, nimm, was du für heute brauchst, lass den Schöpfer sich um etwas Ernstes kümmern" – diese Einstellung ist nicht richtig. Und das passiert, aber uns geschieht es die ganze Zeit. Wir erst, wenn du weißt, wenn wir einen Schlag bekommen – oh, da gehe ich beten, fahre zur Klagemauer, verstehst du, da muss der Schöpfer schon eingreifen. Bei einfachen Dingen kommen wir zurecht, warte, bis etwas kommt. Das ist einfach eine sehr dumme Einstellung, aber so sind wir gebaut. Richtig?
Schüler: Das erinnert mich an meine Mutter, seligen Andenkens. Bei jeder Kleinigkeit hat sie Rabbi Schimon erwähnt.
Rav: Ich erinnere dich an einen Georgier, du erinnerst mich an deine Mutter – das ist… was für ein Vergleich, nu.
Schüler: Nein, weil das der Glaube der Mütter ist, der früheren Generationen. Das machen wir heute wirklich nicht, wir praktizieren diesen Glauben nicht, dass man bei der kleinsten Sache … den Heiligen, gelobt sei Er, und wir wollen nicht, dass man kleinen Dingen keine Beachtung schenken muss, sondern nur großen Dingen…
Rav: Richtig. Im früheren Leben, den Erzählungen zufolge, wie die Menschen wirklich lebten – sie waren sehr primitive Menschen, aber sie hatten einen Glauben, der dem entsprach, einfach, weil sie rein waren und in der Empfindung des Schöpfers waren, dass ja wirklich eine Höhere Kraft auf sie wirkte. Und sie waren die ganze Zeit unter Seiner Herrschaft und zusammen mit Ihm, als ob jeder einzelne Mensch ausführt, was der Schöpfer gerade in ihm ausführt – und so haben sie sich wirklich dazu verhalten.
Deshalb gab es wirklich ein anderes Leben und andere Geschichten und ja, eine andere Einstellung zum Leben. Wir sehen, wie sehr sich diese Generation verändert hat. RABASH sagte – er sagt: Du weißt es nicht, aber in der vorherigen Generation – er meinte das 19. Jahrhundert; ich war ja mit ihm im 20. Jahrhundert –, er sagt: Im 19. Jahrhundert oder sogar am Anfang des 20. Jahrhunderts, sagt er, wenn du einem gewöhnlichen, einfachen Juden gesagt hättest: „Wirf alles weg, und ich öffne dir den Himmel" – das wäre für ihn keine Frage gewesen, das war einfach so. Heute muss ich Mitglied der Knesset sein. Das hilft nicht, verstehst du? Jener einfache Jude will schon unbedingt… Ehre und Geld, Herrschaft, Regierung, nur das.
Wir sehen, wie sehr die ganze Wertschätzung dafür gefallen ist. Das ist der gewachsene Wille zu empfangen, niemand ist daran schuld. Man muss nur den Prozess sehen, ihn richtig lesen. Aber zuvor war es leicht und natürlich, sich selbst mit den Handlungen des Schöpfers zu verbinden. Richtig.
Schüler: Das Gebet, das man verrichtet, bei dem man jeden Tag für jedes Problem und all diese Dinge bittet – wenn ich das nicht tue, dann sündige ich doch wirklich durch Hochmut, weil ich sozusagen sage: Dinge, die ich ständig als selbstverständlich empfange, erbitte ich nicht…
Rav: Unser ganzer Siddur (Gebetbuch) wurde von den Männern der Großen Versammlung verfasst. Sie waren eine sehr starke Gruppe von Kabbalisten, die letzten, nach denen der Tempel zerstört wurde. Wie Baal HaSulam in Buchstabe 1 (Alef) in der Einführung zu TES schreibt, wurde eine eiserne Trennwand zwischen uns und der Kabbala errichtet. Sie waren – das heißt, wir müssen überhaupt verstehen, dass es bis zur Zerstörung des Tempels keine Parteien gab, keine Strömungen. Jemand hat mich im Internet gefragt, welcher Strömung ich angehöre. Es gab nichts. Es gab entweder einfache Menschen oder Kabbalisten – Awraham Awinu, der erste Kabbalist, alle nach ihm –, oder einfache Menschen, die so ein wenig die Höhere Kraft spürten, ohne Bewusstsein, ohne wirkliches persönliches Erkennen, und Kabbalisten.
Also haben sie für uns zusammengestellt – diese letzte Gruppe von Kabbalisten, die Männer der Großen Versammlung –, sie haben für uns einen Siddur zusammengestellt. Und im Siddur haben sie den richtigen, korrigierten Zustand geschrieben, in dem ein Mensch sich bei allen Ereignissen und Zuständen befinden muss, die er im spirituellen Prozess durchläuft. Morgen, Abend, Mittag, Nacht, Tag, essen, trinken – als wären es spirituelle Dinge. Aber sie haben es für uns in einer Form geschrieben, dass wir es auch in unserer Welt einhalten können und auch in der Spiritualität dasselbe. Wenn du also eine solche Handlung im Materiellen ausführst und wirklich beabsichtigst, dadurch auch zur Spiritualität zu gelangen, und es dich daran erinnert, dass es in der Spiritualität eine solche Handlung gibt, dann ist das gut. Dann wird die Handlung selbst und der Siddur selbst für dich zu einer Art Methode der Annäherung. Um vielleicht einmal das Ganze in seiner Fülle innerlich auszuführen. Aber wie wir beten und wie wir es sagen – das ist nur von den Lippen nach außen. Das hat keinerlei, so eine Beziehung, wie sie sein müsste. Du hast noch etwas anderes gefragt? Was?
Schüler: Dass wir uns in der Regel nur wegen großer Dinge an den Schöpfer wenden. Wenn ich Ihn nicht um Geld und die einfachsten Dinge im Leben bitte, dann sage ich damit: Das schaffe ich allein – als ob Er mir das nicht sowieso gibt.
Rav: Ja.
Schüler: Also gibt es etwas an diesem Gebet, bei dem ich dennoch bitte…
Rav: Das heißt, du sagst, dass jedes Mal, wenn du betest oder einen Segen sprichst oder eine Handlung tust, die bei uns in dieser Welt Mizwa (Gebot) heißt – was du tust, erinnert dich daran, dass du dich zu dieser Handlung in innerer Weise verhalten musst. Nicht einfach sagen: bla bla bla, „Gesegnet seist Du, HaWaYaH, unser Schöpfer, König der Welt, der die Frucht des Baumes erschafft", ja? Wenn man einen Apfel isst. Sondern bevor du einen Apfel isst und du den Segen sprichst, den du als Gebot gleichsam verpflichtend tust – bringt dich diese Handlung dennoch zur Kavana (Absicht). Das nennt man „den Handlungen folgen die Herzen". Das stimmt wirklich.
Aber das geschieht bei uns so, dass wir die ganze Zeit an der Kavana festhalten wollen; wir wollen, dass jede einzelne unserer Handlungen uns zum Ziel bringt; dass wir unser Leben nicht verschwenden wollen. Jede Sache, die da ist, ohne sich zur Ewigkeit hin zu bewegen – dass jeder Augenblick von mir in dieser Welt einen Wert haben soll. Wenn ich innerhalb von siebzig Jahren nicht bei jedem Moment, den ich lebe, ihm ein spirituelles Gewicht gebe – dass ich etwas in der Spiritualität will im Gegenzug für diesen Moment –, dann ist dieser Moment aufgehoben, als wäre er nicht da, weil er nur dem Körper gehört. Und unser Körper ist wie ein tierischer Körper – er steigt und fällt ohne irgendeine Berechnung für sich selbst.
Wir müssen also für uns selbst – und deswegen haben sie für uns den Siddur zusammengestellt –, auch für Menschen, die voranschreiten und sich in der Spiritualität befinden, und auch für uns: Jede unserer Handlungen, und auch die praktischen Mizwot, die wir ausführen müssen – wir müssen sie ausführen –, jedes Ding muss als Grundlage dienen, als Punkt; man muss keinen Kult daraus machen. Es muss eine Handlung sein, auf deren Oberfläche ich noch die Kavana ausübe. Ich bringe diese Handlung dann sozusagen in die Spiritualität. Das physische Leben wird zur Grundlage des spirituellen Lebens.
Schüler: Warum lernen wir nicht, wie man Kavanot (Absichten) mit den Mizwot verbindet…?
Rav: Wir lernen nicht?
Schüler: Nein, spezifisch für jede einzelne Mizwa.
Rav: Warum wir nicht lernen, wie man Kavanot spezifisch mit jeder einzelnen Mizwa verbindet? Ich sage dir: Um einen Apfel zu essen mit der Absicht zu geben und zu sagen: „Gesegnet seist Du, HaWaYaH, unser Schöpfer, König der Welt, der die Frucht des Baumes erschafft" – dafür muss ich den Zustand erreichen, in dem ich mich auf der Höhe der Verwirklichung dieser Mizwa befinde. Ich muss einen Genuss nehmen, der Apfel heißt, gegenüber meinem Kli, meinem Mangel. Und durch die besondere Anstrengung, einen Massach zu erlangen, soll dieser Genuss, der Apfel heißt, gegenüber meinem Willen – den ich will –, mit dem Willen durch den Massach verbunden sein, in der Kavana, um dem Schöpfer zu geben.
Das heißt, wo befindet sich die Höhe dieses Parzuf, der eine Handlung des Empfangens ausführt, um den Genuss zu geben, der dem Wert dieses Apfels entspricht? Sagen wir, er befindet sich – wenn ich bereits esse, um zu geben, ist das eine Angelegenheit von Azilut. Also bin ich bereits in Azilut, nachdem ich Galgalta we Ejnaim habe, und ich benutze meinen AHP, der Apfel heißt. Die Größe dieses AHP heißt Apfel. Nu? Also fragst du, warum wir das nicht lernen? Was heißt Lernen? Lernen, wie man das tut?
Schüler: Nein, nicht wie man es tut. Irgendeine Erklärung zu bekommen.
Rav: Also, es zu tun ist sehr einfach. Nimm deinen Willen zu empfangen für jenen Genuss, der Apfel heißt – du kannst ihn abwägen, du kannst wissen, was das ist –, was dieser Apfel in der Spiritualität ist? Bitte. Dann wirst du im Gegenzug wissen, welchen Massach du machen musst. Und du wirst den Massach erlangen. Die Handlungen, mit denen man den Massach erlangt, sind uns bekannt – das lernen wir. Und danach wirst du diese Handlung ausführen. Das nennt man, dass du wirklich eine Handlung in deiner Neshama ausführst, genau dieselbe Handlung, die du in deinem Körper ausführst.
Also in meinem Körper habe ich vor mir einen Apfel, so einen grünen, roten, was auch immer, nicht wichtig, ich halte ihn in meiner Hand, ich schaue ihn an, und ich spreche den Segen und beginne den ersten Biss. Bitte. Also mache ich das so mit meinem Tier, mein Esel nimmt jetzt den Apfel und beginnt zu essen, gibt den ersten Biss. Hat den Segen gesprochen, gibt den ersten Biss. Kann ich zusammen damit eine solche Handlung in meinem Inneren, in der Neshama, ausführen, oder nicht? Ich frage dich.
Schüler: Ich habe keine Ahnung.
Rav: Nu, du hast keine Ahnung. Also, was sagst du dann: „Warum lernen wir nicht?"
Schüler: Wieso, ich habe doch sozusagen eine Ahnung von dem, was in TES geschrieben steht.
Rav: Moment, was heißt das – was heißt „was geschrieben steht"? Ich verstehe nicht, was heißt „was geschrieben steht"? Du musst gemäß dem Geschriebenen ausführen. In TES steht, dass du diese Dinge in der Neshama ausführen musst. Aber wenn du die Neshama nicht berühren kannst, wenn du den Willen zu empfangen nicht spürst – was er in der Neshama ist –, dann spürst du im Gegenzug auch keine Genüsse, also Apfel, Kuchen, irgendeine spirituelle Speise – du weißt nicht, was das ist. Du weißt, was du vor deinem Tier hast, das siehst du.
Das heißt, Brot siehst du nicht. Du siehst die Körner. Weizenkörner siehst du, wie ein Esel. Um dahin zu gelangen, Brot zu essen – nur in der Neshama kannst du Brot essen, in deinem Körper wirst du immer den Weizen selbst essen. Aber um in der Neshama das Brot zu essen, musst du wirklich ein Mensch sein. Das heißt, die gesamte Handlung vollziehen, um vom Esel zum Menschen zu gelangen. Also wird dein Esel immer an diesem Trog fressen, und der Mensch in dir, in der Neshama, wird zum Menschen gelangen, und du wirst das Brot essen.
Schüler: Aber wenn wir zum Beispiel TES lernen, lernen wir Dinge, die wir noch nicht erlangt haben. Und auch in diesem Fall wäre es nur eine weitere Facette des Lernens hinzuzufügen, denn immerhin führen wir all diese Handlungen aus…
Rav: Wenn ich jetzt weiß, dass ich TES lerne und diese Dinge nicht in mir sind und ich nichts erlange – ich bin noch in dieser Welt, und die kleinste Sache verwirrt mich, der Genuss, den man mir bringt, wirft mich von der Kabbala zu irgendwelchen Dingen, die, weißt du, peinlich zu erwähnen sind. Nicht peinlich, weil es unnatürlich wäre, aber peinlich, wie schwach ich in der Kavana bin – es ist die allerkleinste Sache, „pock", und ich bin schon an einem anderen Ort.
Also sagst du: Aber wenn wir dennoch irgendwelche Mizwot nehmen und über sie Kavanot sagen, mündlich oder schriftlich oder durch Lesen, was sie geschrieben haben – dann werden wir damit eine Handlung ausführen. Welche Handlungen werden wir ausführen? Wie kannst du die Kavana der Mizwa ausdrücken? Jene Mizwa über den Apfel. Ihre Kavana bedeutet, meinen Mangel gegenüber dem Genuss zu kennen, der Apfel heißt, und wie ich ihn in „um dem Schöpfer zu geben" verwandle, und wie ich diesen Genuss tatsächlich in mir empfange, und in ihm spüre, wie ich ihn dem Schöpfer gebe, wie Er sich an mir erfreut, wie ich beim Essen des Apfels verbunden bin, wie ich mit Ihm verbunden bin, dass Er sich an mir erfreut und ich Ihm diesen Genuss gebe, und wir wirklich darin zusammen sind.
Wie soll ich mir das vorstellen? Spiritualität ist eine Sache des Gefühls, nicht des Verstandes. Wenn ich allerlei Tricks anwende, wie du denkst, dann werde ich in einer Illusion sein, als ob ich etwas täte. Es gibt solche, die nehmen den Siddur des RaShaSh und beginnen zu lesen, was dort steht. Drei, vier Stunden dauert bei ihnen das Morgengebet, nicht wichtig. Nicht wichtig. Aber sie lesen, was geschrieben steht. Die Frage ist: Wenn ich es wie ein Esel lese, gibt es darin einen Nutzen oder nicht? Du sagst so: Ich füge dem eine spirituelle Facette hinzu. Das heißt, nu, was ist eine spirituelle Facette – ich weiß nicht. Sagen wir, in all diesen Dingen steckt wirklich Heiligkeit. Also dadurch, dass ich lese, und ich – was bin ich jetzt? Was heißt „und ich"?
Wenn ich dadurch die ganze Zeit sehe, dass ich nicht darin bin, und ich mich sehr, sehr danach sehne, darin zu sein – dann wird das wirklich ein Gebet. Und ich ziehe dadurch Or Eljon (Höheres Licht) an, und es bringt mich zum Guten zurück. Aber wenn ich es lese und denke, ich bin schon darin – dann ist das wirklich eine Lüge. Und eine solche Lüge, dass man zu Fledermäusen wird, die nicht sehen, aber denken, sie sehen. Das heißt, es werden ihnen, solchen Menschen, alle Möglichkeiten völlig verschlossen, zur Spiritualität zu gelangen. Sie denken, sie sind jetzt schon in der Spiritualität.
Du sagst mir: „Schau, ich lese." Aber du liest richtig, richtig, du liest, aber bist du in dem, was du liest? Was heißt, darin zu sein? „Ich lese. Ich führe eine Handlung aus und lese darüber alle Kavanot." Du weißt, man prahlt: „Ich habe einen Siddur nach dem ARI." Du weißt, so steht es geschrieben. Nu, und was ist „nach dem ARI"? Nu? Ich verstehe nicht, was heißt „nach dem ARI"? Was du liest – du liest, wie der ARI es gelesen hat, dasselbe? Was heißt das, „nach dem ARI"? Du führst eine solche Handlung aus?
Dem „einfachen Volk" darf man das nicht sagen – sie müssen mit den Kavanot beten, von denen sie denken, sie vollziehen sie in den Kavanot. Du weißt, geh in eine Synagoge – du hast sicher zur Zeit der Trua gesehen, die Trua-Stöße dort, an Jom Kippur? Also macht man Kavanot. Das heißt, er sagt ihm: „Trua." Also steht er vorher einige Minuten, zieht sich so im Gesicht zusammen, fast platzt er, und dann stößt er. Was er da für Drücke macht – ich weiß nicht, fehlt ihm die Luft oder was? Verstehst du, und das heißt dann Kavanot. Und alle schauen: Jetzt wird etwas passieren. Nu, man denkt, das heißt Anstrengung.
Gut, aber nochmals sage ich: Wir dürfen das nicht geringschätzen. Das Problem ist, dass wir zu primitiv sind – wir können nicht zwei entgegengesetzte Dinge in uns halten. Einerseits zu sagen, das ist eine wichtige Sache, und andererseits zu sagen, im Vergleich zur Spiritualität ist es nichts wert. Wir sind dazu nicht fähig. Und so ist es wirklich. Mizwot haben einen Wert, wirklich einen sehr großen Wert in dieser Welt, und ein Mensch muss sie einhalten. Und wenn er Kavanot darüber legt, leistet er vollkommene Arbeit.
Schüler: Und wir brauchen nicht zu fragen, warum? Ich muss nicht fragen, was… morgens, wenn ich Tefillin anlege…
Rav: Nein, du kannst fragen, warum du Tefillin anlegst. Weil es eine solche Handlung in der Spiritualität gibt, und du auch zu dieser Handlung gelangen willst. Einmal auch den Willen zu korrigieren, der Tefillin heißt, mit einem Massach, und darin die Handlung des Anlegens der Tefillin auszuführen und durch diese Handlung einen enormen Genuss zu empfangen, einen wirklich sehr großen, um zu geben. Einmal wirst du dazu gelangen. Bei jeder einzelnen Mizwa, bei allen 620 Mizwot, wirst du diese Mizwa leben müssen, sie korrigieren, auf ihrer Stufe sein und weitergehen. Jede einzelne Mizwa ist eine Stufe. Von hier bis zum Ende der Korrektur hast du sechshundertundzwanzig Stufen – auf irgendeiner Stufe zu sein, das nennt man sie zu verwirklichen, irgendeine Mizwa.
Schüler: Wenn man das Thema „Komm zum Pharao" richtig versteht – die Kavana ist, dass gerade durch die Störung du die Notwendigkeit bekommst, dich zuzuwenden; man muss sozusagen spüren, dass etwas stört. Wie schärfe ich dann dieses Empfinden der Störung, das ist ja ein Problem … mit dieser Notwendigkeit komme ich zu Ihm.
Rav: Du sagst also: Wenn ich stärkere Störungen hätte – wenn ich stärkere Störungen hätte, würde ich besser vorankommen.
Schüler: Nein, nein, nein, nein.
Rav: Ich werde den Pharao besser fassen, ich werde den Schöpfer mehr fordern, was?
Schüler: Es geht nicht darum, mehr Störungen zu suchen, sondern überhaupt eine Störung zu suchen, weil manchmal im Leben – das Leben ist so, dass du nicht spürst…
Rav: Oh, du sagst also: Das Leben fließt so dahin…
Schüler: Ich fahre jetzt im Auto…
Rav: Und du siehst nichts in ihnen, das dir einen Halt im Göttlichen geben könnte, in der Spiritualität. Sie sind so nebensächlich, es ist weder Geschmack noch irgendetwas in ihnen, du bekommst weder einen Schlag noch irgendeine Erweckung, und du hast keine Möglichkeit, irgendwie zu einer Verbindung mit der Spiritualität zurückzukehren, mit dem Gedanken der Schöpfung, mit dem Ziel des Lebens. Man hat dir von oben dieses Wissen gegeben, diesen Gedanken, dass es ein Leben gibt und es ein Ziel hat, aber nur Wissen im Verstand, und im Herzen hat man dir kein Empfinden gegeben, weder schlecht noch gut. Nicht über dein Leben und nicht über die Spiritualität. Du befindest dich also sozusagen nur im Wissen, und du spürst, dass du dich nicht von der Stelle bewegen kannst. Du fragst: Was soll man tun?
Wenn das der Zustand ist und man ihn von oben nicht ändert – außer einer Gemeinschaft kann nichts auf dich einwirken. Du brauchst etwas Äußerliches, und in deiner Äußerlichkeit gibt es entweder diese Welt oder eine Gemeinschaft oder den Schöpfer. Letztendlich sind der Schöpfer und die Welt dasselbe – es kommt vom Schöpfer und wirkt auf dich. Wenn der Schöpfer das nicht tun will, hat Er dir Wahlfreiheit gegeben, freie Wahl, wie er im Artikel „Die Freiheit" schreibt – nur eine einzige Sache: die Gemeinschaft. Das heißt, dort mischt Er sich sozusagen nicht ein. Hast du dir eine bessere Gemeinschaft bereitet? Sie wird dich erwecken.
Schüler: Was nun – wie soll die Gemeinschaft das machen?
Rav: Wie sie das machen soll – ich weiß nicht, nach den Bräuchen der Gemeinschaft. Sagen wir, in deiner Gemeinschaft ist es üblich, jedem eine Ohrfeige zu geben. Sobald du siehst, dass die Augen deines Freundes sich rechts ein wenig schließen, gibst du ihm so eine Backpfeife, und das war's. So ist es üblich, sagen wir, in Gruppe Nummer 3. In Gruppe Nummer 2 ist es ein kleines Streicheln, verstehst du, so, bis hin zu einem kleinen Schrei. Und so weiter – es hängt davon ab, was ihr wollt.
Aber ohne Gemeinschaft ist es nur der Schöpfer. Entweder durch die Welt oder Er persönlich, sozusagen. Oder auf negative Weise durch die Welt – in der Regel –, oder auf positive Weise vielleicht von Ihm selbst. Aber von Ihm – warte nicht darauf, das wird sehr lange dauern. Das heißt, außer einer Gemeinschaft gibt es niemanden, der dich erinnern kann, der dir etwas tun kann. Auch so ist es gut, dass du noch im Wissen bist, dass du ein Leben hast und du dich nicht im Ziel befindest und so weiter.
Aber wenn du nicht einmal darin bist – wenn du sowohl im Empfinden als auch im Verstand vom Ziel des Lebens abgetrennt bist –, und noch schlimmer kann es sein, dass du weder im Sinnen noch im Herzen irgendetwas hast, sondern das Gegenteil: Du spürst, dass dir schlecht wird bei der ganzen Sache. Wie soll man dann handeln? Auf die Gnade des Schöpfers warten? Die kann nach einigen Monaten kommen. Wir wissen, es gibt solche Zustände, in denen ein Mensch monatelang sein kann. Hier hilft nur die Gemeinschaft. Es gibt keine Wahl – nur die Gemeinschaft kann – „Entweder Gemeinschaft oder Tod", so steht geschrieben. Gemäß dem, was er im Artikel „Die Freiheit" schreibt, hast du keine andere Möglichkeit, nur diese.
Schüler: Wir sagen, dass das Geschöpf wirklich absolut vom Schöpfer getrennt ist – Unterschied der Form. Wie wirkt der Schöpfer dennoch auf uns – wie geschieht das?
Rav: Wie ist es, dass das Geschöpf, das sich in so großer Abtrennung und Entfernung vom Schöpfer befindet, und der Schöpfer dennoch in Verbindung mit dem Geschöpf steht und es aktiviert? Unsere Trennung vom Schöpfer ist von unserer Seite, nicht von Seiner Seite. „Ich, HaWaYaH, der in ihnen wohnt, inmitten ihrer Unreinheit." Für den Schöpfer gibt es keine Sitra Achra, es gibt nichts Schadhaftes. Für Ihn – ich möchte es nicht so sagen, vielleicht versteht man mich nicht richtig – ob du auf der Toilette sitzt oder auf dem Ehrenplatz in der Synagoge, das ist dasselbe. Für Ihn gibt es keine Veränderungen. Begreife das einfach. Es gibt keine Veränderungen. Die erschütterndste Sache, die es in unserer Welt geben kann – für Ihn hat sie nicht den Wert, wie es dir erscheint. Er ordnet die Dinge so, dass sie sich einfach alle in der endgültigen, vollkommensten Form befinden, und von dort aus bezieht Er sich auf dich. Und dann spürst du die Kluft zwischen deinem Zustand und Seinem Zustand.
Nun, es gibt hier zwei Dinge, wie bei uns im Leben: Mein Kind hat irgendeinen sehr kostbaren Gegenstand genommen, irgendein sehr teures Glas, und es zerbrochen. Wenn das ein Mensch wie ich gewesen wäre, hätte ich – ich weiß nicht, was ich getan hätte –, ich hätte ihn ins Gefängnis gesteckt, bis er mir den Wert zurückgibt, Millionen kostet so ein Glas oder so. Ein kleines Kind – ich schreie es nicht einmal an, ich weine selbst – das nennt man „Leid der Shechina" –, und ihm kann ich nichts sagen, weil es arm dran ist, nicht entwickelt.
Das heißt, man bezieht sich auf uns nicht nur von der Höhe aus, wo wir uns befinden und wo sich der Schöpfer mit uns am Ende der Korrektur befindet – dass wir mit Ihm am Ende der Korrektur sind, was eine Kluft aller sechshundertundzwanzig Stufen ist. Man bezieht sich auf uns auch gemäß unserer Entwicklung, dass wir uns in einer Entfernung von der normalen, endgültigen Entwicklung – sechshundertundzwanzig Stufen – befinden. Das heißt, das Verhältnis zu uns entspricht dem Maß der Entwicklung.
Schüler: Dann ergibt sich daraus, dass es am besten ist, ein Kind zu bleiben, und dann nie…
Rav: Oh, wunderbar, er sagt richtig. Er sagt: Also ist es am besten, ein Kind zu bleiben. Tatsächlich: „Wer Wissen mehrt, mehrt Schmerz." Seht ihr, die Worte der Weisen – er kommt selbst darauf, richtig. Wunderbar, das stimmt. Jedes Mal, wenn du mehr wächst, bekommst du mehr Schläge, ja. Das ist sicher. Wir sehen das auch in unserer Welt. Das ist klar. Ich war in Miami – dort, weißt du, wer sich dort versammelt, all die Soundso. Und ich kam an einen Ort, wo sich Fahrer versammelten. Das ist in Amerika, wirklich ein besonderes Volk, Fahrer. Sie haben ein Funkgerät miteinander, sie sind solche, von denen keiner mehr als vier, fünf Klassen in der Schule abgeschlossen hat. Sie haben einen Führerschein bekommen – dort bekommt jeder einen –, nur den haben sie, das war's. Sie nehmen einen Kredit bei der Bank auf, die Bank kauft ihnen praktisch ein Auto, und die Bank, das Auto gehört sozusagen der Bank, und sie arbeiten. Ich weiß nicht, das ist so ein Kauf, bei dem er nichts hat, aber er hat einen Führerschein; willst du arbeiten – bitte.
Die Bank belastet das Auto mit einer Versicherung und allem, kurz, und du arbeitest. Und sie wissen nichts vom Leben. Das ist das Auto, das ist sein Zuhause und das ist sein Leben, und das war's. Ich schaute sie an und schaute auf jene Reichen dort, und das ist wirklich – ich denke, die Reichen müssten diese Fahrer beneiden.
Das ist wirklich, wie sie abends feiern, wenn sie sich versammeln, und alles ist so einfach, weißt du. Nichts weiß er mehr als wirklich so, Musik, irgendwelche Nachrichten, nur weißt du, so eine Art Musik die ganze Zeit, vierundzwanzig Stunden, und fährt die ganze Zeit, und das war's. Kann so ein Mensch Schläge im Leben bekommen? Man muss sehen, wie sehr… und deshalb, die Natur des Menschen – schau, durch welche Dinge der Schöpfer uns erweckt: Neid, Lust und Ehre. Negative Dinge. Aber ohne sie erhebst du dich nicht davon, ein Tier zu sein, zum Menschsein. Das heißt, wenn du dem Tier Neid hinzufügst – eine negative Sache, oder nicht? Lust – eine negative Sache, oder nicht? Ehre, Streben nach Ehre – nicht? Dann kommt aus dem Tier ein Mensch heraus. Hörst du, wer ist der Mensch? Ein Tier plus Neid, Lust und Ehre.
Gut. Ich fange heute an, Psychologie zu reden. Nu, lasst uns lernen, ja. Nu, Zion, ja. Du… nu, nu.
Schüler: Wenn ein Mensch irgendetwas Kleines hat – wie wir vorhin sagten, auch bei kleinen Dingen soll man sich an den Schöpfer wenden –, sagen wir, ich will aufhören zu rauchen. Ich bete, da ist so ein Empfinden: Äh, hilf mir, mit dem Rauchen aufzuhören. Andererseits sagt der Verstand: Nein, du wendest dich an den Schöpfer in so einer Angelegenheit – dann frag lieber: Lass mich sehen, dass Du es bist, der mich rauchen oder nicht rauchen lässt. Wie erzeugt man wirklich eine Hinwendung bei solch kleinen Dingen? Wir sagten ja, dass man sich auf jeden Fall an den Schöpfer wenden soll, sowohl bei kleinen als auch bei großen Dingen. Wie wendet man sich also auf die richtige Weise bei kleinen Dingen?
Rav: Oh, du sagst also: Wenn du also sagst, dass der Schöpfer sich in mir befindet und in mir von der kleinsten Zelle, irgendwelchen Atomen, bis zu den Organen im Körper bewegt, und den Verstand und alle Empfindungen und alles, alles kleidet sich in mich ein und alles tut Er – wie werde ich das in einer solchen Weise empfinden, dass ich mich bei der allerkleinsten Sache schon an Ihn wende?
Schüler: Auf die richtige Weise.
Rav: Du kannst dich an Ihn wenden – man erklärt dir, wann: Wenn du spüren musst, dass Er handelt und nicht der Pharao. Das heißt, dass nicht dein Körper agiert, sondern der Schöpfer darin agiert, und es gibt einen Kampf zwischen ihnen in dir, dass du dich die ganze Zeit in Zweifeln befindest: Handelt der Körper oder handelt der Schöpfer – wer von beiden? Und dann musst du in diesen Zusammenstößen und Untersuchungen zu dem Zustand gelangen, dass du, solange du keine Schläge bekommst, denkst, der Körper handelt. Du kannst dich nicht wirklich an den Gedanken, das Wissen und das Empfinden anhaften, dass es wirklich der Schöpfer ist, der handelt. Das nennt man, dass du dich vom Pharao befreist und dich an Ihn anhaftest. Das hätte ich nicht so sagen sollen. Das… Nein, nein. Zu einigen Dingen muss ein Mensch auch allein gelangen.