Tägliche Lektion6 Ağu 2026(Morning)

Part 1 Rabash. Artikel 34 (1989) (08.08.2002)

Rabash. Artikel 34 (1989) (08.08.2002)

6 Ağu 2026

Dieses Transkript wurde mithilfe KI aus dem hebräischen Original übersetzt und nicht redaktionell bearbeitet.

Rohabschrift ohne abschließende Korrektur. Fehler sind möglich.

Morgenunterricht 08.08.2002

Buch „Schriften des Rabash", Band 2, S. 935, „Was bedeutet “Frieden in der Arbeit”?"

Rav: Wir haben den Artikel mit so einer bewegenden Stimme gehört: „Was bedeutet “Frieden in der Arbeit”?". Ein Artikel aus Band 3 von „Shlavei haSulam", S. 236, Wochenabschnitt Pinchas. „Was ist Frieden in der Arbeit". Das Problem ist: Wir müssen zu einem Zustand kommen, der „Frieden" heißt. Und Frieden ist der Zustand, der alle Enden vervollständigt.

„Alle Enden" meint: alle Gedanken, alle Verlangen, alle Neigungen, die einander entgegengesetzt sind. Nicht bloß verschieden. Verschieden ist: Ich will Bitteres und ich will Süßes, ich will dies und das – das kann auch zusammen bestehen. Wir wissen das vom Essen: Je feiner wir in allen möglichen Geschmacksrichtungen werden, gerade aus der Verbindung entgegengesetzter Dinge kommen solche Neuerungen und Erfindungen aus allen möglichen Dingen. Auch in der Wissenschaft entsteht alles aus der Verbindung von diesem mit jenem, ja? Die Malerei kommt in die Computer und die Computer in die Malerei – was früher überhaupt nicht nah beieinander war, und so weiter. Das heißt, von solchen Dingen kann man nicht sagen, dass sie Frieden untereinander schließen, eine Verbindung untereinander – denn entgegengesetzt sind sie ja trotzdem nicht.

Der eine beschäftigt sich zum Beispiel mit Malerei und der andere mit Computern. Sie widersprechen einander nicht, sondern jedes steht für sich. Jeder hat sein eigenes Gebiet, und keiner widerspricht dem anderen und sagt: Wenn ich existiere, existiert der andere nicht. Entgegengesetzt aber heißt: umgekehrt, einander gegensätzlich.

Frieden kann sich nur auf solche Dinge beziehen, wo eines sagt: Entweder existiere ich, oder er existiert. Und der wahre Frieden ist, dass beide entdecken: Sie können nur dadurch existieren, dass der eine den anderen stützt, und dadurch, dass jener nur durch meine Existenz existiert. Ein Ding und sein Gegenteil – das geschieht hier. 02:33

Das ist eine sehr merkwürdige Sache. In unserer Welt lässt sich dafür überhaupt kein Beispiel finden – kein Beispiel heißt: nichts in der Praxis, wo so etwas bestünde. Manchmal etwas, irgendeine Andeutung, dort Hass, Liebe zwischen … aber nicht in wirklicher Form.

Nur in der Spiritualität müssen zwei Dinge einander gegenüber bestehen. Und jedes von beiden, das im Grunde das andere auslöschen will, wirklich bis dahin, dass es nicht mehr existiert, entdeckt plötzlich: Wenn das andere nicht existiert, existiert es selbst auch nicht. Diese Gegensätzlichkeit – Jesch miAjin, Existierendes aus dem Nichts – liegt von Anfang an, von vornherein in der Schöpfung. Das Jesch kann nur bestehen, wenn das Ajin in ihm existiert, ja? Ajin. Und daraus entdecken sie wirklich, dass sie in Einheit sein müssen; und danach entdecken sie aus der Einheit heraus diesen wunderbaren Punkt der Vereinigung, der Dwekut.

Aber auf dem Weg dorthin bleiben wir in einem Zustand stecken, den wir nicht verstehen. Der Mensch denkt: Weil er ein Verlangen nach Spiritualität hat, muss der Schöpfer ihm schon die ganze Welt öffnen. Weil ich irgendeine Anstrengung gemacht habe, steht mir dafür schon eine ordentliche Bezahlung zu.

Das heißt, wir … Er drückt das schön in „Shamati" aus. Schaut euch diesen ersten Artikel an, „Die Schechina in der Verbannung". Er sagt so: „Jedoch, wenn er irgendeine Übertretung begangen hat," – sagen wir, ein Mensch empfindet dann Leid, einfach so, man zeigt ihm, dass er schlecht ist, egal, was hier „schlecht" heißt – „und sicher muss er bereuen und Leid darüber empfinden, dass er die Übertretung begangen hat; auch hier muss man die Ordnungen des Leids und des Schmerzes ordnen: an welchem Punkt er die Ursache festmacht, die die Übertretung bewirkt hat […] Und der Mensch muss dann Leid empfinden und sagen: Dass ich die Übertretung begangen habe," – das kommt daher – „[…] dass der Heilige, gepriesen sei Er, mich weggeworfen hat" und so weiter und so weiter […] Und die Hauptsache: Er muss Leid darüber empfinden, dass er damit jemandem Leid zufügt – dem Schöpfer.

[…]

„Und ebenso, wenn der Mensch fühlt, dass er sich jetzt im Aspekt des Aufstiegs befindet, und Freude fühlt" – dann genauso: dass die Freude nicht daher rührt, dass es mir jetzt gut geht, das heißt, ich habe etwas Gutes getan und mir steht dafür Freude zu, ein gutes Gefühl. Sondern Freude und gutes Gefühl so, wie auch die gute Handlung von mir weg gerichtet ist, auf das, was mir entgegengesetzt ist, auf den Schöpfer. Völlig entgegengesetzt zu mir, denn der Schöpfer ist dem Menschen entgegengesetzt. Diese beiden Dinge, die es insgesamt in der Wirklichkeit gibt, stehen einander gegenüber. 5:56

Und genau das schafft bei uns das Problem: diese Verbindung, die sein muss. Ich schreie, ich will Ihn – auf der einen Seite; auf der anderen Seite empfange ich Ihn nicht. Warum empfange ich Ihn nicht? Ich will Ihn, das heißt, ich will nicht genau Ihn, denn Er ist mir entgegengesetzt. Das mir Entgegengesetzte kann ich nur unter der Bedingung empfangen, dass ich dann nicht an mich denke, sondern an Ihn – das heißt, dass ich mich innerlich umkehre und innen in mir Er sein werde. Dann wird es Frieden geben, dann wird es Verbindung geben, dann werde ich empfangen, wonach ich schreie – das, worum ich schreie, dass ich es habe.

Ich kann es nicht so gut ausdrücken, aber das ist es, was der Rabash hier eigentlich vermitteln will: was Frieden in der Arbeit ist. Frieden ist, wie der Mensch zwei entgegengesetzte Punkte in sich verbindet, deren Verbindung unmöglich ist – es sei denn unter der Bedingung, dass das, was ich tue, für das Entgegengesetzte geschieht, für den Schöpfer, und dass auch die Bezahlung, die ich im Sinn habe, eine Bezahlung für Ihn ist.

Wenn ich es auf diese Weise tue, dann entsteht in mir der Teil, der mir entgegengesetzt ist, und dann kann in mir Frieden sein, das heißt die Verbindung von Ich und Er zusammen. Nur dadurch, dass wir die Absicht um zu geben erwerben. Das ist es, was er hier in „Shamati" sagt: wie wir sowohl unser Leid als auch unsere Freude ordnen müssen. Nicht in mir soll ich Leid und Freude fühlen, sondern in Ihm: Wenn es mir schlecht geht – wie ich Ihm Leid zufüge; wenn es mir gut geht – wie ich Ihm Gutes tue. Unter dieser Bedingung entsteht dann in mir Sein Wille, das Gefühl, das in Ihm ist. Und auf diese Weise entsteht dann in mir Frieden. 8:37

Deshalb unsere Schreie – gut, dass wir schreien. Ein Mensch schreit „mir geht es schlecht", das ist wie ein Säugling, der schreit, weil es ihm schlecht geht. Manchmal weiß man nicht, warum er schreit. Der Schöpfer weiß sicher, warum wir schreien, aber das heißt noch lange nicht, dass Er uns antworten würde. Solange unser Schrei noch nicht darauf gerichtet ist, dass wir irgendeinen Punkt in der Arbeit vervollständigen, noch einen Schritt in der Arbeit, hören diese Schreie nicht auf – bis wir aus dem Schrei heraus zu dem Zustand kommen, in dem wir verstehen: Der Schrei muss auf Ihn gerichtet sein. Denn wenn ich schreie, schreie ich, dass es mir schlecht geht, dass ich leer bin. Das ist nur die Hälfte des Schreis, die Hälfte der Offenbarung – nur die Offenbarung des Mangels.

Aber wo ist die Absicht über dem Mangel? Denn dieser Mangel muss auch in der Absicht um zu geben sein, in Verbindung mit dem, der mir entgegengesetzt ist. Bis unsere Schreie so weit sind, dass wir nicht mehr brüllen wie Säuglinge, sondern der Schrei zielgerichtet wird: Ich schreie nicht mehr nur, weil es mir einfach schlecht geht. Der Schrei fängt an, sich zu entwickeln. Ich schreie nicht nur, dass es mir schlecht geht – ich fange an zu schreien, dass es mir auch deshalb schlecht geht, weil ich in diesem Schrei an mich selbst denke; weil ich nicht herauskomme aus dem, dass ich nur fühle, mir geht es schlecht, mir. Und dann fühle ich, dass ich nur schreie und dass es mir schlecht geht, weil ich nicht daran denke, dass es Ihm schlecht geht, und so weiter.

Bis ich mit dieser Inversion anfange: Diese Umkehrung beginnt, meinen Schrei und seine Folgen auf Ihn zu richten, bis ich anfange, mich durch den Schrei mit Ihm zu verbinden, dafür zu sorgen, dass es Ihm gut geht – und deshalb höre ich dann auf zu schreien, weil ich fühle, dass es Ihm schlecht geht. Und danach fange ich schon von der anderen Seite her an zu schreien: warum ich Ihm nichts Gutes tun kann. 11:00

Das ist dann schon ein Schrei aus einem anderen Grund, genau auf Ihn gerichtet. Ich sehe mich selbst nur noch als Ursache dafür, dass ich Ihm Gutes verschaffen kann; ich beziehe mich überhaupt nicht mehr auf mich, sondern lebe nur in Ihm – so weit, wie ich Ihm Gutes verschaffen kann. Bis dieser Schrei sich Stück für Stück in die Form aufbaut, die der früheren entgegengesetzt ist: Ich schreie schon in die umgekehrte Richtung, um Seinen Mangel und nicht um meinen, und so weiter. Das nennt man einen Schrei, der wirklich gehört wird.

Wir brauchen uns also nicht darüber zu wundern, dass wir schreien und der Schöpfer nicht antwortet, und dass wir Ihn verfluchen: Warum schreie ich zu Dir und Du antwortest nicht? Er kann einfach noch nicht auf etwas antworten, das unvollständig ist. Nur darüber, dass es mir schlecht geht – auch wenn ich über Ihn schreie und nicht zu Ihm; ob ich nun säkular bin, religiös, weiß nicht, Kibbuznik, woher auch immer, ein Nichtjude, egal: Auf solche Schreie kann es von Oben noch keine Antwort geben. Von Oben kann die Antwort nur eine Korrektur sein, und hier gibt es noch nichts zu korrigieren, weil wir keinen Mangel für die Korrektur aufgedeckt haben.

Deshalb noch ein bisschen, noch ein bisschen Schreie. Jedes Mal ist der Schrei mehr in die richtige Richtung gelenkt, bis er sich umkehrt. Auch während er sich umkehrt und diesen ganzen Prozess durchläuft, verstehen wir die Stufen nicht, die wir durchlaufen. Sie erscheinen uns langgezogen, ohne Notwendigkeit, ohne Nutzen. Wir verstehen nicht, warum diese Umkehrung die ganze Zeit geschieht. Bis wirklich ein Wunder geschieht, ein echtes Wunder.

Und davon wird schön bei den Propheten erzählt. Alle Bücher, die wir „Propheten" nennen – da lesen wir scheinbar Mahnworte, Zurechtweisung nennt man das, ja? Das ist … Wie?

Schüler: Ja, Ermahnung und Zurechtweisung.

Rav: Ermahnung und Zurechtweisung, ja: „na, na, na, wenn du so handelst", „na, na, na, wenn du so handelst". Sie haben das aber über den Weg des Menschen erzählt, der einen inneren Prozess durchläuft: dass im Menschen all diese Kriege und all diese Klärungen stattfinden, Aufstiege, Abstiege, Fälle, dass er die Übertretung begeht und vor ihr flieht, und so weiter. Sie haben uns diesen Weg also sozusagen als eine Art äußeres Bild gezeichnet.

Aber wir müssen verstehen – und das sagt der Rabash auch hier in diesem Artikel –, dass alles, wovon die Rede ist, vom inneren Krieg des Menschen handelt. Daraus wollten sie uns die Zustände zeichnen: wie nach und nach unsere Verlangen, unsere Absichten anfangen, ausgerichtet zu werden, sowohl das Verlangen als auch die Absicht in uns hinein; wie wir stattdessen auch ein Verlangen erwerben – statt in meinem lebe ich in Seinem Verlangen –, und ebenso die Absicht: Statt mein Verlangen zu füllen, ist meine Absicht, Sein Verlangen zu füllen. Der Mensch tauscht sein Kli wirklich gegen das Kli des Schöpfers, und daraus kommt er zum Frieden.

Die Propheten schreiben das in sehr schwerer Form. Wer diesen Prozess sehen kann – was sie geschrieben, was sie ausgedrückt haben –, das ist durchaus der ganze Prozess, kurz gesagt: wie man zum Frieden kommt. 15:11

Gibt es Fragen? Ja.

15:16 Schüler: Haben die Propheten über die Stufe geschrieben, wie man zum „um zu geben" kommt, oder über die Stufe schon nach dem Machsom – also über die Stufen, wie man innerhalb des „um zu geben" vorankommt?

Rav: Die Propheten haben beides geschrieben. Und überhaupt: Die ganze Tora ist eine einzige Tora, sie wurde sowohl für die vor dem Machsom geschrieben als auch für die nach dem Machsom. Bei denen vor dem Machsom wirkt die Tora als Or Makif und ist als Vorbereitung gegeben; aber auch diese Vorbereitung sind richtige Dinge und nicht, Gott bewahre, irgendeine Lüge. Und auch nach dem Machsom fängst du schon an zu sehen, was sie schreiben, und es in Handlungen umzusetzen, in der Praxis – Lichter und Kelim.

Was lachst du?

Schüler: Lichter und Kelim.

Rav: Lichter und Kelim, ja. Ja.

16:14 Schüler: Diese Umkehrung im Gebet, von der Sie gesprochen haben – ist das der Unterschied zwischen „um zu geben", oder ist dieses Gebet … um zu geben? Über die Ursache des Leids und des Schmerzes, dass …

Rav: Die Ursache des Leids und des Schmerzes – siehst du, so wie er es in „Shamati" schreibt, im ersten Artikel. „Die Schechina in der Verbannung" ist die ganze Grundlage der Arbeit des Menschen. Er sagt: Am Anfang, wenn der Mensch kommt und ankommt, fragt er: „Was ist der Sinn meines Lebens?" Er fragt nach seinem Leben, er fragt nicht nach jemand anderem und nicht nach dem Schöpfer. All diese Dinge sind ihm verborgen, sie kümmern ihn nicht; ihn kümmert sein eigenes Leben.

Wenn man ihm sagt, es gebe eine Methode, dann nimmt er diese Methode vorläufig so an: na gut, schauen wir mal, schauen wir mal, was springt dabei heraus, wie man sich damit aufbaut – im Grunde, damit es mir gut geht. Und wenn er dann anfängt zu hören, dass es mir nicht gut gehen kann, ohne dass es Ihm gut geht, ja? – hier fängt das Problem an.

Gut, wenn ich das in dieser Welt sehe, dass es mir nicht gut gehen kann, wenn es ihm nicht gut geht, dann machen wir das, was wir Frieden nennen: Komm, leben wir zusammen, leben wir so, dass es uns gut geht, dir und mir. Sonst – was, bringen wir einander um? Keiner … wir alle verlieren. So können wir wenigstens ein bisschen gewinnen.

In der Spiritualität nicht, da gibt es kein „ein bisschen" oder so. In der Spiritualität heißt Frieden, dass du wirklich das erwirbst, was dir entgegengesetzt ist. Nur auf diese Weise schließt du Frieden, ja? Das heißt, du musst dein Kli gegen Sein Kli austauschen – und diese Dinge sind in ihren Absichten vollkommen entgegengesetzt –, und dann kommst du zum Zustand der Vollkommenheit. Der Mensch verdaut das nach und nach und versteht, dass es keine andere Wahl gibt: dass dieses Leben ihm trotzdem nichts geben wird und dass er aufs Ganze gehen muss. Dabei kommt es ihm vor, als verlöre er wirklich eine ganze Welt. Bis er versteht, dass es keine ganze Welt ist – er hat ohnehin nichts. Aber die Sitra Achra lässt ihn die ganze Zeit das Gegenteil denken.

Kurz gesagt: Der Prozess zieht sich. Und diese Klärungen müssen Klärungen über jedes einzelne Detail im Aufbau der Seele sein. Soweit wir die Entwicklung beschleunigen, gewinnen wir; soweit nicht, „kriegen wir es ab", wie man sagt. Aber das Endergebnis ist, dass man das entgegengesetzte Kli erwirbt. Ohne das nicht … das heißt: Mit unseren Kelim kann man das Ziel der Schöpfung nicht empfangen.

Das ist es, was er in „Die Schechina in der Verbannung" sagt. Zum Leid zu kommen ist kein Problem – Leid darüber, dass das ganze Leben nichts wert ist, ja. Zum Schöpfer zu schreien ist kein Problem: Du kannst jetzt eine Milliarde Menschen hinstellen, die schreien, das war's. Mit diesem Schrei können sie nur irgendwelche Trinkgelder dieser Welt bekommen. Wenn ihnen Trinkgelder in guter Form zustehen – ja. Wenn ihnen schon Trinkgelder in schlechter Form zustehen, um sie noch weiter voranzubringen, dann bekommen sie das. Das heißt: Die Schreie führen entweder zu einer scheinbaren materiellen Versüßung oder zu noch größerem Leid, um aufzudecken, wie sehr dieser Schrei noch nicht zielgerichtet ist. Es hängt von der Entwicklung des Menschen ab, wie man ihm auf seinen Schrei antwortet. 20:21

Du siehst: Wenn ein Kind schreit, gibt man ihm etwas, schon gut, nicht so schlimm, man beruhigt es. Ein Erwachsener weiß nicht, warum … Wie schreibt er in „Matan Tora"? Dass die Lenkung eine zielgerichtete Lenkung ist. Solange er ein Säugling ist, behandeln ihn alle gut und schön und verstehen, dass man ihm geben muss. Und wenn er groß wird: Warum gibt man mir nicht weiter? Wir sehen eine Welt voller Säuglinge, alle fordern, dass man ihnen gibt. Warum steht mir nichts zu? Sie verstehen nicht, dass du dann losgehen und anfangen musst zu arbeiten. Keiner will das, aber …

Und es ist erstaunlich: Du siehst, je weiter die Entwicklung fortschreitet, desto kindlicher wird der Mensch. Heute ist er mit dreißig noch nicht bereit fürs Leben. Früher war er mit dreißig, vierzig mit dem Leben schon fertig. Im Mittelalter zum Beispiel, oder sagen wir vor hunderttausend Jahren – wie lange lebte man? Dreißig, vierzig Jahre. Bis vierzig, das war schon die Obergrenze. Heute kann er mit dreißig noch nicht allein leben, er ist noch … wo ist er? Was haben wir also davon, dass wir doppelt so lange leben wie sie? Die Rechnung ist eine sehr problematische Rechnung. Wenn man zusammenrechnet, wie viele nützliche Jahre wir gewinnen – Jahre, in denen wir wirklich selbstständig handeln –, dann sind es verhältnismäßig genauso wenige. Dem Menschen scheint es, er habe viel im Leben getan. Früher haben die Menschen bis dreißig, vierzig ebenfalls enorm viel getan. Heute ist das … schau.

Ja.

22:26 Schüler: Und was heißt es, dass Frieden die Verbindung zwischen zwei Dingen ist, die man eigentlich nicht verbinden kann? Auf Seite 247 steht doch, dass man zur Zeit des Aufstiegs sagt, wir seien im Frieden mit dem Heiligen, gepriesen sei Er …

Rav: Zur Zeit des Aufstiegs, sagst du, kommt es dir vor, du seist im Frieden mit dem Heiligen, gepriesen sei Er. Warum kommt es dir so vor? Weil du in deinen Gefäßen des Empfangens irgendeine Befriedigung spürst. Wenn du Befriedigung davon hast, dass Er dir gibt, dann sagst du: „Du bist gut." Und wenn du in deinen Kelim spürst, dass sie leer sind, sagst du zu Ihm: „Du bist schlecht." Nun, nennt man das Frieden?

„Schalom" kommt nicht von dem Wort „Schulem, Schulem", du weißt schon: Wie geht's, und Tschüss, und so weiter. „Schalom" meint Vollkommenheit, Vollkommenheit, das heißt Verbindung mit dem, was dir entgegengesetzt ist – anders kann es nicht sein. Worauf sonst könnte sich das Thema Frieden beziehen? Es gibt nur mich, und es gibt dort etwas, das mir entgegengesetzt ist. Zwei Dinge gibt es in der Wirklichkeit. Wie schließe ich Frieden mit etwas, das gegen mich ist, wo wir einander von vornherein auslöschen?

Vollkommenheit kann es nur dadurch geben, dass ich Seinen Willen erwerbe. Ich lebe in Seinem Willen. Das heißt, dass alle meine Kelim auf Seinen Nutzen ausgerichtet sind, um zu geben, das war's. Was du mir jetzt erzählst – dass ich, wenn es mir gut geht, im Frieden mit dem Heiligen, gepriesen sei Er, bin –, das nennt man nicht … das nennt man Frieden bei uns in dieser Welt, das war's. Das will jeder von uns. Wie wenn du zu deiner Frau sagst: „Du willst, dass wir Frieden im Haus haben – dann tu, was ich will, und fertig." Gibt es etwas Einfacheres? Das war's. Von ihr habe ich das nicht gehört, aber mir scheint, so ist es.

Schüler:

Rav: Auch …, das war's, so ist es eben.

Schüler: Gibt es einen Unterschied zwischen einem Aufstieg, auf den ich sozusagen vorbereitet war und den ich als Lohn bekommen habe, und einem Aufstieg, den ich als Geschenk bekommen habe?

Rav: Bei uns gibt es keinen Unterschied, ob ich den Aufstieg als Lohn bekommen habe, als Geschenk oder überhaupt unbeabsichtigt oder wie auch immer. Wenn unsere Kelim etwas empfangen und es uns gut geht, nennen wir das einen guten Zustand, das sei Frieden. Wir können uns zu unseren Kelim nicht zielgerichtet verhalten. Das ist das Problem, da kann man nichts machen. Deshalb ist der Weg noch nicht zu Ende: Auch nachdem wir fühlen, dass es uns gut oder schlecht geht, ist das noch kein Anzeichen, das sagt überhaupt nichts darüber, was wirklich geschieht. Und es ist noch ein sehr, sehr langer Weg, jetzt an der Absicht zu arbeiten, an der Umkehrung meiner Aufmerksamkeit: Wohin ist mein Auge wirklich gerichtet? Auf das, was in mir drinnen geschieht, oder auf das, was in Ihm geschieht? 25:58

Das heißt: Nachdem der Mensch die Stufen durchlaufen hat, wo es ihm schlecht und gut geht, und dies und jenes, und schon anfängt, sozusagen in Verbindung mit dem Schöpfer zu sein, und fühlt, dass er von Ihm abhängt – jetzt wird es mir gut gehen, jetzt wird es mir schlecht gehen, und ich bin verzweifelt, dass ich das nicht bestimmen kann, und … alle möglichen Prozesse. Danach gibt es schon einen Prozess, noch vor dem Machsom, schon einen Prozess mit noch etwas Zusätzlichem. Nun, und was ist mit deiner Absicht? Das heißt: Wo bist du wirklich? An wem bist du wirklich interessiert – an dir selbst oder an Ihm?

Und das ist ein bisschen anders, als wenn du an dir selbst interessiert warst und auch an deiner Dame, ja. Da ging es dir gut durch sie, also bist du bestens interessiert: Damit es mir gut geht – wie kann ich mir dieses Gute näherbringen? Hier aber ist die Arbeit mit etwas, das mir entgegengesetzt ist. Und wenn ich an Ihn denke, muss ich aufhören, an mich selbst zu denken und daran, wie ich mich als Folge davon fühle. Hier gibt es Dinge, die nicht direkt verlaufen – mir geht es gut, Ihm geht es gut –, sondern es kann sozusagen sein, sozusagen, dass es Ihm gut geht und mir nicht gut geht. Weil wir uns … weil ich noch Egoist bin.

Bis der Mensch also all diese Unterscheidungen durchläuft, dauert das auch eine Weile. Nun, wir werden es durchlaufen. Aber nach und nach klären wir zunächst, was noch vor uns liegt. Ja. Aber durchaus Fortschritt … Einerseits gibt es guten Fortschritt. Andererseits das Tempo – das Tempo fehlt uns.

27:53 Schüler: Woher weißt du, was für Ihn gut ist und was nicht gut? Ich weiß jetzt … ich weiß, was für mich gut ist und was schlecht. Ich habe keine Ahnung, was für Ihn gut ist und was nicht gut für Ihn ist. Mein Wille zu empfangen kann so raffiniert sein, dass er mich überzeugt: Obwohl es mir jetzt schlecht geht, geht es Ihm gut. Und ich habe nicht die geringste Ahnung. Woher nehme ich also die Festlegung …

Rav: Das heißt, die Frage ist: Wie und worin kann ich meinen Gedanken glauben, die sicher aus meinem Willen zu empfangen stammen und die mich verwirren, verführen und aus mir … und mir tausendundein Theorien liefern können, und Beweise und … ja. Wem soll man glauben und wem nicht? Du hast nichts außer dem Verstand und dem Herzen. Außer dem Gefühl und ein bisschen Gedanken neben dem Gefühl hast du überhaupt nichts weiter. Du sagst: Wie kann ich dem glauben, dem nicht glauben – aber das ist es, was da ist, das ist alles, was da ist. Wenn ich also nicht benutze, was ich bin, dann kommt einfach nichts heraus … Wie soll ich weitermachen? Also aus Mangel an Wahl, ja – weil ihm nichts anderes bleibt, denkt der Mensch so; aber er muss von dem aus weitermachen, was er hat.

Das Problem ist nur, nicht … möglichst wenig unter dem Einfluss zu stehen, entweder unter dem Verstand oder unter dem Herzen, dem Gefühl, sondern sie so weit wie möglich zusammen zu verbinden und eine Rechnung zu machen, oder eine Rechnung zu machen. Nach dem ganzen Gefühl: Du willst ins Gefühl versinken – dann denk nach, ob es sich für mich lohnt, ins Gefühl zu versinken; du entscheidest: Also versinke ich eine Viertelstunde im Gefühl. Und dann geh ins Gefühl und tauch wirklich eine Viertelstunde darin unter. Versuch, es so zu machen.

Das ist fast unmöglich einzuhalten, aber es gibt dir zumindest das Wissen, wie hingeworfen wir sind. Und nicht so, dass ich mich selbst hinwerfe – ich bin ja ein Held und mir ist alles egal –, sondern wie sehr wir ohne jede Entscheidung sind, ohne jede Selbstständigkeit und überhaupt ohne eigenes Selbst.

Was uns also bleibt, ist durchaus, so zu arbeiten, wie die Kabbalisten sagen: aus dem heraus, was wir haben, in der Erkenntnis, dass es das ist, was wir vorläufig haben. Wir sind Puppen. Aber diese Puppen haben trotzdem einen Faden – du weißt ja, eine Puppe hängt an den Fäden, die sie bewegen; aber es gibt für diese Puppe einen Faden, an dem sie sich selbst hinaufziehen kann bis auf die Ebene des Menschen, der sie lenkt. Sie kann das tun, es gibt einen Faden – sonst hätte man uns von dieser ganzen Sache nichts erzählt. Wir wären wie Tiere geblieben, das war's.

Dieser Faden geht durch den Punkt im Herzen: Ich ziehe Or Makif auf mich. Ich steige an diesem Licht empor, an diesem Lichtstrahl nach oben, und dann hänge ich nicht mehr an den Fäden. Ich hafte mich an die Hand, die mich lenkt, ich gehe in diese Hand hinein, in diesen Verstand, der mich lenkt, in dieses Gefühl, das mich lenkt. Ich nehme auf, ich – wie soll ich sagen – ich erwerbe Seinen Verstand und Sein Gefühl, alles, was in dem ist, der diese Fäden bewegt, verstehst du? Ich fange an, Er zu sein – so sehr, dass ich, wenn ich in Ihm bin, alles bestimme, was geschieht.

Denn der Erwerb Seines Verstandes und Seines Gefühls verschafft mir alle Möglichkeiten. Verstehst du? Dann entdecke ich, dass das, was Er tut, wirklich das Allerbeste ist, dass man dort nichts hinzufügen und nichts wegnehmen muss. Aber ich bin schon dahin gekommen, ich will darin sein, und dann erwerbe ich wirklich einen Verstand, der nicht der einer Puppe ist. Solange ich unten an den Fäden bin, habe ich nur so viel Verstand und Gefühl, um die Befehle durchzugehen, die über die Fäden auf mich herabkommen. Etwas anderes habe ich nicht.

32:27 Schüler: Einerseits sagst du: Ich bin in der Finsternis, ich habe keine Ahnung, was mit mir geschieht, ich habe wirklich keine Wahrnehmung. Andererseits bin ich der Einzige, der jetzt fühlen kann, was mich voranbringt und was nicht. Das ist ein bisschen problematisch, ja? Denn wenn ich jetzt ein Wille zu empfangen bin, dann lege ich mir naturgemäß fest, was mir bequem ist, als Fortschritt zu verstehen, und was nicht.

Rav: Du bist ein Held, du kannst festlegen, was du willst, mit deinem Willen zu empfangen und allem. Du weißt ja nicht einmal, wie man dich mit diesen Fäden lenkt. Nach all den Klugheiten sagt man dir nur: Da kommst du nicht heraus. Da kommst du nicht heraus. Die Frage ist nur: Willst du einmal klug sein? Dann benutze diesen einen Faden, den es gibt. Benutze ihn. Wenn nicht, bleibst du eine Puppe. Nur an diesem Faden wirst du etwas Neues entdecken, etwas anderes – ein Leben, das oberhalb ist, oberhalb der Fäden.

Schüler: Konkret: Was ist dieser Faden? Denken, versuchen, außerhalb meines Körpers zu denken?

Rav: Ja. Innerhalb deines Körpers kannst du nicht – solange du nicht den Willen des Führenden erwirbst, den Willen des Schöpfers, ja? Solange du nicht Seinen Willen, Seinen Verstand, Sein Ziel erwirbst, solange du nicht Er wirst, ja? – kannst du nicht aufhören, eine Puppe zu sein. Du hast nur zwei Möglichkeiten: Soweit du einen Teil von Ihm erwirbst, wirst du Er, der Führende. Soweit du noch nichts erworben hast, bleibst du eine Puppe – man gibt dir nur noch ein bisschen Verstand dazu, um zu verstehen, dass du eine Puppe bist.

Diesen Fischen im Aquarium, die du siehst, gibt man diesen Verstand nicht. Sie fühlen sich selbst, das war's. Das ist es, was er auf Seite 64 im Brief schreibt: dass das Tier lebt, es fühlt. Da steht so ein sehr schwieriger Satz, an dem alle hängen bleiben. Wie ein Mensch – schau dir einen Menschen auf der Straße an, er versteht nicht, wovon du mit ihm redest: „Ich lebe, was willst du von mir?" Verstehst du? Er versteht nichts außerhalb seines Lebens, er kann sein Leben nicht von der Seite betrachten. Wenn du jetzt den Punkt des Schöpfers erwirbst, heißt das, dich von Seiner Seite aus zu sehen.

35:03 Schüler: Ohne zu verstehen, warum der Film so läuft, wie er läuft …

Rav: Nein. Soweit du Seinen Blick auf dich erwirbst, wirst du sehen, wirst du deinen ganzen Weg verstehen. Aber wenn du die Augen schließen willst und nicht aus dir selbst herausgehen willst – wie willst du dann verstehen, wie willst du sehen, wer du bist, was du bist? Aus dir selbst heraus wirst du es nie verstehen. Du kannst mit den größten Weisen dieser Welt sprechen. Das ist der ganze Unterschied der verborgenen Weisheit: dass es einen völlig, völlig äußeren Blickwinkel gibt. Das ist nicht einfach Philosophie, ein Philosophieren über unsere Welt und über unser Leben, wie sehr das Leben im Müll ist und so weiter – weißt du, das sind keine bloßen Salongeschichten.

Es geht darum, eine Wirklichkeit zu fühlen, eine Wirklichkeit zu fühlen, ein Leben oberhalb unserer Wirklichkeit. Noch sagen wir das nur mit Worten, aber du hast keine Wahl: All das, was du jetzt durchmachst und fühlst und denkst – das ist vorläufig eine Puppe, die so fühlt und so denkt. Nach all dem hast du nur eines: Willst du – benutze es. Willst du nicht – benutze es nicht. Das war's. Hier gibt es keine Kompromisse oder so etwas, das ist … 36:43

Deshalb sagt er: Wenn jemand wirklich die Frage hat „Was ist der Sinn unseres Lebens?", eine Frage, bei der ihm keine Wahl bleibt, dann muss er aus unserem Leben heraustreten, er muss fühlen: „Schmecket und sehet, dass der Herr gut ist." Auf die Stufe des Schöpfers aufzusteigen, der die Fäden über der Puppe lenkt, sie zieht – das ist oben, weißt du, man ist oben, manchmal einige Meter, und lenkt die Puppe von oben; das ist eine sehr schwere Sache. Ich hatte in Leningrad Freunde, die dort im Puppentheater gearbeitet haben. Weißt du, so eine Puppe wiegt fünfzehn Kilo, das ist … weißt du, das ist … das ist eine sehr schwere Arbeit.

Und das war's, und … „Schmecket und sehet, dass der Herr gut ist." Das heißt: Steig hinauf auf die Stufe dessen, der lenkt. In deinem Leben, auf deiner Stufe, wirst du nichts Gutes fühlen. Du hast schon angefangen, Schlechtes zu fühlen; ich verspreche dir, besser wird es nie werden, die ganze Zeit wird es nur schlechter, das war's. Fliehen kannst du auch nicht, das ist … das ist ein Problem. Man flieht in die Drogen, ja; außerdem gibt es keinen Ort, wohin man fliehen könnte. Aber das ist keine Flucht, denn von den Drogen bekommst du kein Leben, keine Fortsetzung des Lebens, in der du es besser machst, es verschönerst, dein Leben in rosigeren Farben malst – das kannst du nicht. Damit beendest du einfach das Leben, du klinkst dich aus. Deshalb nennt man das keine Lösung. Aber eine Lösung gibt es wirklich nicht, was soll man machen. Wenn du eine Lösung hast, sag es mir.

38:24 Schüler: Du schaust von der Seite und kannst dir das Warum nicht beantworten. Ich kann jetzt anfangen … ich kann jetzt meinen Film von der Seite anschauen und sagen: „Komm her, ich hatte einen schlechten Tag, davor hatte ich einen guten Tag, so hat Er es mir hier gemacht, so hat Er es mir dort gemacht" – und dann kann ich anfangen, mich selbst wieder einzuseifen: „Ah, das ist die Ausbreitung und das Verschwinden des Lichts, hier ist es so, dort ist es so." Aber an das Warum kommst du wirklich nicht heran. Denn da fällt wieder dein Wille zu empfangen hinein, du kommst aus diesem Kreis nicht heraus. Wo erwirbst du hier etwas von Ihm dadurch, dass du dich von der Seite anschaust? Vielleicht bekommst du – wirklich – vielleicht bekommst du Befriedigung daraus: Ah, ich trete aus mir heraus, ich schaue mich von der Seite an, das können nicht alle, wie schön.

Rav: Nicht, dass ich in denen Augen den Weg des Herrn rechtfertigen will, ja, den Weg des Schöpfers. Das Problem ist, dass du diese Entwicklung so verstehst, wie du diese Welt verstehst. In dieser Welt bist du klug, du kennst dich aus, du kennst alle Stufen, wie sich die Welt gewöhnlich verhält und du in ihr. Hier ist das Problem, dass du nicht einfach ein neues Gefühl oder einen neuen Verstand erwerben musst. Du musst zuallererst ein neues Kli erwerben. Du kannst nicht einfach noch klüger sein oder noch mehr fühlen, nein. Hier musst du überhaupt eine zweite Natur erwerben, in der du neue Dinge fühlen musst, und einen neuen Verstand. 40:00

Das heißt: etwas, was du weder im Herzen noch im Verstand hattest. Du musst zuerst diese Kelim erwerben – ich weiß nicht, wie ich sagen soll, was diese Kelim sind, verstehst du. Deshalb geht es nicht auf natürlichem Weg weiter, dass die Entwicklung immer weiter und weiter läuft. Ich bringe dir keine neue Methode für die Fortsetzung der Entwicklung. Was man dir an allen möglichen Weisheiten oder Theorien oder überhaupt Methoden bringt – das ist keine Fortsetzung. Es ist etwas völlig anderes, das in dir geboren zu werden beginnt. Und deshalb sind die Stufen dieser neuen Entwicklung keine logischen Stufen, gemessen an dem, was du aus der früheren, natürlichen Entwicklung hast, wie sie in dieser Welt üblich ist.

Du fängst also an zu vergleichen, was mir heute geschieht, mit dem, wie ich mich früher entwickelt habe. Ich habe auch gelernt, bin herumgekommen, habe mich mit allem Möglichen beschäftigt, zu meinem Vergnügen wie auch zur Entwicklung meines Verstandes, ich hatte dies und das, alles Mögliche im Leben. Und als ich hierher kam, fing ich an zu sehen, ja. Ich bekam einen ersten Schlag, einen zweiten, die Welt ist finster, dies ist so und das ist so, ich geriet in Verzweiflung und dies und das. Ich fing an, mich aufzuregen, fing an, wütend zu werden, fing an zu schreien, zu weinen, so und so. Und was? Daraus fängst du erst an zu verstehen, dass hier etwas geschieht, was nicht so ist wie früher im Leben. Es ist nicht wie früher – was geschieht denn nun hier? Was geht hier vor?

Ich verstehe deine Frage, aber versteh, woher sie kommt: daher, dass du willst, dass die Entwicklung in deinen alten Kelim stattfindet, so wie du es gewohnt bist. Aber so ist es nicht. Hier müssen zuerst Kelim herabkommen, und danach fängst du an, in den Kelim die neue Wirklichkeit zu fühlen. Und das läuft parallel zu dem, was du in dieser Welt fortsetzt. Deshalb ist das kein Verstand, keine Vernunftannahme und keine Logik. Wo ist das … ist das logisch wie …? Das ist sicher nicht logisch. Das ist eine völlig andere Logik. Und bis man diese Logik versteht, bis man anfängt zu begreifen, dass wirklich eine Logik darin liegt – eine Logik, die plötzlich überhaupt nicht dieser Welt gleicht, so wie es sich hier entwickelt. 42:35

Weißt du, das ist etwas, was dich zerbricht. Du bist in dieser neuen Entwicklung, verglichen mit der materiellen Entwicklung, und fängst an zu sehen, dass dich das wirklich herumdreht, dich zusammenzieht, wirklich eine Art seltsames Wesen aus dir macht – mal in dem, mal in jenem, und beides kannst du nicht verbinden. So ist der Weg, da ist nichts zu machen. Ich sehe, was jeder Einzelne durchmacht. Ich schweige. Warum? Ich weiß, dass es so geschehen muss, das war's. Das ist nicht … so, so ist es.

Ja.

43:28 Schüler: Also am Ende, am Ende sozusagen alles … die Sache … worüber ich gesprochen habe, dass …

Rav: Deshalb schreibt er, dass nur die Helden, denen die Eigenschaft der Geduld beistand – die Eigenschaft der Geduld. Denn an dir wird von Oben gearbeitet, alles wird dir von Oben gegeben, alles wird dafür von Oben geordnet; du fühlst nur, was über dich hinweggeht, das war's, und das ist es, was dich aufbaut. Willst du dabei helfen – dann hilf bei der Geschwindigkeit, beim Vorankommen, bei der Beschleunigung, all diese Dinge schneller zu durchlaufen. Das ist deine einzige Hilfe. Alles Übrige hängt nicht von dir ab, hängt nicht von dir ab. Der, der mit den Puppen spielt – wie heißt der noch mal, hm?

Schüler:

Rav: Ja. Hat er irgendeinen Namen? Ich weiß nicht. Kurz gesagt: der, der die Puppe führt. Er zieht dich nach und nach an diesem einen Faden zu sich. Außer dass er dich mit allen Fäden in deinen Bewegungen in deiner Welt führt, das heißt auf deiner Stufe, hat er noch einen Faden, an dem er dich zieht. Du kannst ihm auch helfen und dich an diesem Faden zu ihm ziehen lassen, bitte. Aber wenn nicht, macht er es selbst. Er macht es trotzdem selbst.

Er hat da eine Maschine, er hat da so einen Motor, und dieser Motor dreht sich die ganze Zeit, dreht sich so; er hat einen Plan über, sagen wir, dreihundert Jahre, durch Leiden natürlich, ja, um dich von unten nach oben zu bringen, das war's. Sodass du – ob du willst oder nicht – trotzdem hindurchgehst. Willst du, bitte, hilf mit; nicht, dann nicht, das ist alles. Nun, was gibt es hier … Ich verstehe, dass du nicht einverstanden bist und nicht willst, bitte. Schreib Ihm ein Gesuch, schreib Ihm eine Art Ultimatum, ich weiß nicht, wie man das sagen soll. Ja, dass du nicht einverstanden bist, das war's. Dass Er dich in Ruhe lassen soll, bitte. Vielleicht hilft es.

Nun.

45:39 Schüler: Am Ende ist es aber „die Seele des Menschen wird ihn lehren", also am Ende … ich kann, sagen wir, sein …

Rav: Sicher, „die Seele des Menschen wird ihn lehren", gar keine Frage. Weißt du, du kannst all diese Bücher zumachen, sie geben dir nichts. Wenn du den Weg der Leiden gehen willst – mach diese Bücher zu, warte, bis deine Seele sich so schlecht fühlt, dass dir keine Wahl bleibt. Ich sage dir: Wir hatten alle möglichen solchen Fälle, dass Menschen zu uns kamen – ich war damals beim Rabash – und uns von ihren Errungenschaften erzählten, ohne überhaupt irgendetwas über Kabbala zu wissen.

Einer kam aus Sibirien, aus Russland, fünfzig Jahre alt. Er war dort in einem Arbeitslager in Russland, und aus dem Leid heraus haben sich ihm solche Dinge offenbart. Er kam … Der Rabash sagt: „Es ist wirklich erstaunlich, was dieser Mensch über Spiritualität erzählt" – er befindet sich wirklich im spirituellen Erlangen, ohne ein Wort Hebräisch zu können. Er fing an, das Hebräische aus seinem Erlangen heraus zu entdecken, das war's. Solche Dinge gibt es in der Welt. Aus den Leiden heraus, bitte, das ist möglich. Geh den geraden Weg, wie sie sagen: „Brot mit Salz sollst du essen" und so weiter, all diese Dinge. Sprich mit deinem Vater, er wird es dir einrichten. Was?

Schüler: Was heißt das, dass sich ihm das Hebräische aus den Erlangen heraus zu offenbaren begann?

Rav: Darüber sprechen wir später. Er hat sich am Hebräischen festgemacht und daran: Buchstaben, Gematrien, alles … alles fängt an … Ja. Er liebt diese Dinge, das ist … Ich erinnere mich nicht … Ich weiß nicht, wo dieses Buch ist, vielleicht bei Feiga, vielleicht ist es zu Hause geblieben. Er hat es mir geschenkt, weil er Russe ist, er kam zu mir. Und ich habe es dem Rabash gebracht. Er hat hier im Land die Gedichte herausgegeben, die er in Russland geschrieben hatte. Ein Mensch, der weder Jiddisch noch Hebräisch kann, nur Russisch, ein Jude. Dem sich aus den Leiden heraus eine Sprache offenbart hat und spirituelles Erlangen aus den Leiden heraus. Und er schrieb Gedichte über das spirituelle Erlangen in einem sehr hohen Hebräisch. In hebräischen Buchstaben und in hebräischer Sprache, ohne etwas zu wissen. Und er schrieb das dort, brachte es hierher, ja, heimlich – er hat erzählt, wie –, und hier hat er es gedruckt. 48:17

Und das sind Gedichte, von denen der Rabash sagt, sie seien wirklich wie die aus dem Sidur, die wir singen und die alle aus dem hohen spirituellen Erlangen kommen. So sind seine Gedichte, ohne vorher ein einziges Wort zu kennen, das war's. Ich selbst habe damals kein einziges Wort verstanden von dem, was er schreibt. Ich brachte dieses Buch dem Rabash, ich wusste nicht, wovon er erzählt. Der Rabash schlug es auf und sagt: Das ist … so ist das, aus dem Leid heraus. Willst du es so versuchen – bitte. Nur, verstehst du, das ist … Wie viele Menschen neben ihm haben gelitten, nicht weniger, und ihnen ist es nicht gelungen. Und so ist das … so ist die Seele. Das steht uns nicht zu, darüber zu urteilen.

Aber ich sage, dass es auch solche Dinge gibt. Das heißt, das nennt man „die Seele des Menschen wird ihn lehren": dass mir alle Erlangen zukommen, dass man keinerlei Sprachen braucht, dass man gar nichts braucht, sondern dahin kommt und es fühlt und darin lebt. Er empfängt schon die Offenbarung der Lichter innerhalb der Kelim – das ist die ganze Weisheit der Kabbala. Er braucht keine Hilfe aus den Büchern. Wie der Rabash im „Vorwort zum Talmud haSfirot" sagt – Baal HaSulam: Wenn ihr so und so seid, braucht ihr keine Hilfe aus den Büchern, bitte. Aber wer kann das?

Wir sind gewöhnliche Seelen, man hat uns ein Erwachen gegeben. Das ist schon nicht mehr gewöhnlich, das war's. Die, von denen erzählt wird, sind schon einzelne Auserwählte. Und jeder von ihnen hat einen besonderen Grund, warum es ihm so ergangen ist. Aber in der Regel geschieht es durch furchtbare Leiden.

Lauf du vor diesen Leiden weg, das ist nichts für dich. Man hat dir ein schönes, gutes Mittel gegeben, das war's. Diese Schreie – ich kenne sie. Das ist nicht von heute, und das hört nicht auf, du wirst sie noch einige Jahre haben. Das ist natürlich. Es gibt keine Wahl, das ist der Wille zu empfangen. Die Natur des Menschen begehrt so gegen alles auf, und das ist eine natürliche Erscheinung.

50:37 Schüler: Wie kann man zu einer so großen Veränderung kommen, dass man Ihm am Ende sogar in dem zustimmt, was Er einem angetan hat?

Rav: Nicht, dass du Ihm zustimmst. Du wirst Ihm für jeden Schlag – den schlimmsten, den Er dir auf die übelste Weise zugefügt hat – so sehr vergelten wollen, dass du gar nicht weißt, wie dir geschieht. Warum? Weil sich dir in diesen Dingen, die du im Willen zu empfangen durchgemacht hast, ihr Gegenteil im Willen zu geben offenbaren wird. Du wirst in ihnen gerade Liebe fühlen.

Liest du manchmal die Briefe von Baal HaSulam? Du siehst, was er schreibt: Denen, die alle möglichen Schrecken durchmachen, offenbart sich gerade in den furchtbarsten Dingen der Tropfen der Vereinigung. Und dann sind sie zu allem bereit. Und der Tropfen der Vereinigung ist nicht einfach ein tierischer Genuss, der sich mir jetzt lohnt – sondern sogar ein einziges Mal, im Tausch gegen tausend Jahre Leiden: ein einziges Mal zu fühlen. Das ist etwas Spirituelles, das lässt sich nicht so erzählen.

Ich verspreche dir, dass am Ende … Weißt du, mein Rabbi hat erzählt, wie man ihn im Cheder unterrichtet hat. Er sagt, er kam in den Cheder … er musste den Cheder wechseln, kam in den neuen Cheder. Er war auch so wie du: Ich, was, ich? Also, zuerst einmal gab es dort im Cheder einen Melamed, einen Melamed. Dieser Melamed macht das so: Du willst nicht lernen? Er hat zwei Dinge – einen Stock: Er gibt dir einen Schlag mit dem Stock, und du musst ihm die Hand küssen. Wenn du also nicht in Ordnung bist oder so – ein Schlag, und du küsst ihm die Hand.

Und Geld – er hatte so ein paar Groschen, was es damals eben gab, ja? Also sagt er: Du liest nicht, du lernst nicht. Dann kommt er und wirft dir die Münze hin, direkt vor deine Nase. Eine Münze, für die du dir dort ein Bonbon oder so etwas kaufen kannst. Er sagt: fertig. Diese zwei Dinge – fertig. Keiner blieb gleichgültig.

53:10 Schüler: Du wirst selbstständig …

Rav: Bei dir gibt es eben auch Bonbons und es gibt den Stock. Vom Himmel erfindet man für dich alle möglichen raffinierteren Dinge. Das ist nicht für Kinder in Polen vor hundert Jahren, verstehst du. Aber genau so macht man es mit uns. Schau dir all diese Leute an – klug, Computerleute, alle möglichen großen Leute, Doktoren und weiß nicht was. Nun, und? Dasselbe wie mit jenem Kind im Cheder.

Schüler: Du wirst … ich verstehe es nicht: Einerseits wirst du selbstständig, und wenn du selbstständig wirst, rechtfertigst du Ihn. Andererseits dressierst du dich selbst, oder man dressiert dich sozusagen wie einen Hund. Wie …

Rav: Von der einen Seite bist du selbstständig. Von der einen Seite bist du nicht selbstständig, sondern empfängst Seine Natur, das war's. Du hast keine Wahl – wenn du von der Seite schaust: entweder in der Natur zu sein, die Er jetzt in dir erschaffen hat, wo du ebenfalls vollständig unter Seiner Herrschaft stehst, denn was Er in dir erschaffen hat, hat Er in dir erschaffen; oder in Seiner Natur zu sein. Auch das ist etwas, was von vornherein gegeben ist.

Moment, was wolltest du denn sein? Weder in diesem noch in jenem – sondern worin? Stell dir für mich einen anderen Zustand vor. Ich will einfach … Sagen wir, ich gebe dir alle Möglichkeiten: Du existierst überhaupt außerhalb der Wirklichkeit. Weder Schöpfer noch Geschöpf noch gar nichts. Zeichne mir so einen Zustand, ich will es hören. Dein Verstand kann sich so etwas nicht einmal vorstellen. Hör, was ich dir sage: Du kannst dir nicht einmal etwas außerhalb dieser Dinge vorstellen, außerhalb dieser zwei Dinge. Versuch es, ich bin bereit. Gehen wir zu irgendeinem dritten Zustand. Los.

54:57 Schüler: Ich sage sozusagen … Du siehst das Endziel heute als einen Zustand, in dem du im Schöpfer weilst, in dem Er dir für deine Bedürfnisse dient. In dem du deinen Willen zu empfangen mit derselben Kraft beherrschst, die alles bewegt. Dann sagst du mir … das ist es, was dich antreibt, das ist konkret dein Treibstoff. Was ist denn dein Treibstoff? Dass Er dir jetzt eine Frau besorgt oder dir jetzt Geld besorgt? Gut, das kann ich draußen auch allein.

Rav: Nicht allein – Er besorgt es dir. Gut, mein Junge, das geht vorbei, das ist in Ordnung. Die Hauptsache ist weiterzumachen. Ich sage dir: Die Weisheit besteht darin, durchzuhalten. Nach all den Klugheiten, nach allem – trotzdem durchhalten. Wer klug ist, beschleunigt die Entwicklung. Mehr nicht.

Dir scheint, dass du damit von deiner Männlichkeit etwas abgibst. Nein. Bei jungen Männern gibt es so ein Gefühl, ich … Nachdem er erkennt, wer er ist, was er ist, beruhigt er sich etwas und versteht, dass er ein Geschöpf ist und unter dem Einfluss des Schöpfers steht – entweder in der tierischen Natur oder in der göttlichen Natur; aber es gibt keine Wahl, in einer von beiden. Oder in beiden, halb und halb, vorläufig irgendwo dazwischen. Das war's. Denn er fängt an zu erkennen, dass seine ganze Selbstständigkeit, die er jetzt hat, keine Selbstständigkeit ist – es ist eine Verhüllung darüber, dass er beherrscht wird.

Ja.

Schüler: Wie fasst man aus all diesen Fäden dessen, der mit uns spielt, den einen richtigen Faden und fängt an, daran hinaufzuklettern, das Tempo zu beschleunigen? Das heißt: Wie weiß man, dass das der richtige Faden ist? Wie weiß man, dass ich mich nicht einfach an irgendetwas Nebensächlichem festhalte? Wie weiß man, dass ich wirklich …

Rav: Er sagt es dir doch, wie man den richtigen Faden fasst: dass du und Er und dein Fassen dieses Fadens wie eins sein sollen.

57:08 Schüler: Aber ich habe keine Kelim, um das zu wissen …

Rav: Du hast Kelim, um das zu wissen, gar kein Problem. Du musst nur bei allem, was du im Leben tust, in deinem Gedanken vorstellen, dass du und Er und das, was du tun wirst, eins sind. Es spaltet sich wirklich nicht in mehreres auf, ihr seid in einem Punkt. Das nennt man „Punkt der Dwekut", „Tropfen der Vereinigung". Das war's. Dass du keinen Widerspruch hast, dass du nicht wegläufst, dass es nicht so ein Geschäft wird, weißt du – ein bisschen so und ein bisschen so, du und danach ich und … Nein, sondern in einem Punkt. Soweit der Mensch sich das wirklich so vorstellen kann, dass sie in einem Punkt zusammen sind, ohne jeden Unterschied – das nennt man, dass er diesen Schritt richtig macht.

58:01 Schüler: Aber es gibt genug Einbildungen, genug Illusionen – schon wieder anfangen, sich etwas vorzustellen …

Rav: Das ist keine Illusion. Ich sage dir: Vorstellung, Illusion – es fällt uns überhaupt schwer zu verstehen, was Illusion ist und was nicht. Auch jetzt könnte es sein, dass du schläfst und es dir nur so vorkommt, dass wir hier im Unterricht sitzen und diskutieren und du dich hier über mich ärgerst und ich dir antworte. Vielleicht wachst du in einer Viertelstunde daraus auf und sagst, das war ein Traum.

Nun? Was ist ein Traum und was nicht? Alles, was wir durchmachen, müssen wir als Vorbereitung annehmen für etwas, wo ich jetzt handle. Das war's. Vielleicht ein Traum in einem Traum in einem Traum – na und? Es stimmt, dass es so ist. Jede vorangehende Stufe wird gegenüber der nächsten Stufe „Traum" genannt. Traum heißt WaK, noch das Verschwinden der Mochin, wo du die Stufe nicht beherrschst. Das stimmt genau. Na und?

59:04 Schüler: Was heißt dann „sich vorstellen"? Was heißt es, sich diese Sache vorzustellen? Was heißt das – sich vorstellen, einfach im Kopf durchgehen …?

Rav: Sich diese Sache vorzustellen heißt, dass du den Zustand der nächsten Stufe oberhalb deiner Stufe schon abschätzt, ihn spürst. Das war's. Deshalb wirkt es für das Vorankommen. Denn aus allen Richtungen, in die ich sozusagen vorankommen kann, gibt es irgendeinen nächsten Zustand, der wahr ist. Wieso ist er wahr gegenüber meinem Zustand? Weil ich dort mit dem Schöpfer verbunden bin – nach all meinen Einbildungen und all meinen Fehlern und allem, was ich mir vorstellen kann, und all meinen „Philosophiereien", egal. Ich kann mir vorstellen, dass ich dort mit Ihm zusammen verbunden bin? Dann ist das ein weiter fortgeschrittener Zustand als meiner. Das war's.

Ja.

59:55 Schüler: Eine Frage zu …

Rav: Welche?

Schüler:

Rav: Vielleicht erst über Nekudot, Tagin, Teamim, danach über die Buchstaben.

Schüler: … Die Kabbalisten sind es, die die Buchstaben geschrieben haben, sie haben die Buchstaben geschaffen. Warum dann gerade auf Hebräisch? Es hätte in allem sein können, in jeder Sprache.

Rav: Warum diesem Menschen, der aus Sibirien kam …

Schüler: Gerade auf Hebräisch.

Rav: … sich plötzlich das Hebräische offenbart hat?

Schüler: Ja.

Rav: Am einfachsten ist es für mich zu sagen: weil er Jude war.

Schüler: Wenn er zum Erlangen gekommen ist …

Rav: Wenn er Engländer gewesen wäre … Wenn er Engländer gewesen wäre, fragst du mich, ja? Sagen wir irgendein angelsächsischer Protestant, so etwas – was hätte sich ihm dann aus all den Leiden offenbart? Schau, wir sind noch nicht klug genug, über solche Dinge zu sprechen. Ich habe Angst, euch den Kopf zu sehr zu verdrehen. Das war's. Ein bisschen so, in kleinen Portionen.

61:06 Schüler: Etwas Optimistisches zu fragen.

Rav: (Der Rav lacht) Nun.

Schüler: Man lernt so: Das Ende aller Klärungen und Überwindungen ist der Zustand der Verzweiflung. Ist das also Pflicht?

Rav: Wie?

Schüler: Der Zustand der Verzweiflung, Verzweiflung, ist es … Pflicht, dahin zu kommen …

Rav: Der Zustand der Verzweiflung – muss man zum Zustand der Verzweiflung kommen? Baal HaSulam schreibt in „Pri Chacham, Briefe", dass es in der Welt eines Menschen keinen fröhlicheren, besseren, glücklicheren Zustand gibt als den, dass er zur totalen Verzweiflung gekommen ist, dass es für ihn kein Heilmittel gibt und nichts ihm helfen kann und es kein Heilmittel gibt – denn dann kommt er zu dem Zustand, den man wahres Gebet nennt.

Aber wir müssen verstehen: Wahres Gebet ist nicht einfach Verzweiflung, dass einer dasitzt und weint. Dasitzen und weinen, das heißt: „Der Tor legt die Hände in den Schoß und verzehrt sein eigenes Fleisch." Verzweiflung heißt, dass er „an seinen eigenen Kräften verzweifelt" – so steht es dort –, aber zugleich weiß er, dass es ein Ziel gibt, und dieses Ziel wiegt für ihn sein ganzes Leben auf. Sonst nennt man das nicht … sonst wird er kein Gebet zustande bringen, sonst weint er einfach nur. Er wird in sich selbst versunken sein, schaut in seinen Krug und hat nichts und weint: „Ich habe nichts, ich habe nichts, das ist …"

Worüber weinst du? Darüber, dass du nichts hast – darüber bist du verzweifelt? Oder bist du darüber verzweifelt, dass du dich nicht an den Schöpfer anhaften kannst? Sich an den Schöpfer anhaften – willst du dich also an Ihn anhaften oder nicht, zusammen damit, dass du verzweifelt bist, dass du selbst nicht zu Ihm kommen kannst? Wenn du willst, dann hast du schon ein Gebet.

Ein Gebet muss wie jede spirituelle Handlung aus Reshimo de Hitlabshut und Reshimo de Awiut bestehen. Jede spirituelle Handlung umfasst zwei Dinge, zwei Arten von Information: Ich muss mich nach dem Licht sehnen, und ich muss zeigen, dass ich ein leeres Kli dafür habe. Dann kann es eine spirituelle Handlung sein. Sonst – was ist das, einfach weinen? Dann wein doch. Du brauchst zusammen damit eine starke Kraft, ein sehr starkes Verlangen nach Ihm. Das ist es, was uns fehlt.

Was schreibt Baal HaSulam, was schreibt der Rabash die ganze Zeit? Die Gruppe muss stark sein, um im Menschen die Größe des Schöpfers zu erwecken: dass Er groß ist, dass es sich für mich lohnt, Ihn zu erlangen, dass ich mich nach Ihm sehnen muss – ah, wie einer mit einer sehr großen Begierde. Das liefert unsere Gemeinschaft noch nicht in der richtigen Form für alle. Weinen – alle weinen. Worüber weinen sie? Dieses zweite Datum fehlt, die Reshimo de Hitlabshut, sagen wir es so. Und dann ist es kein Gebet, es steigt nicht nach oben.

64:10 Schüler:

Rav: Wer einfach nur weint, weint in sich selbst hinein. Er wendet sich nicht nach oben, das sage ich dir. Das war's. Ihm fehlt die Sehnsucht nach dem Schöpfer, er fühlt nicht … fühlt nicht – was heißt „fühlt nicht"? Er ist nicht beeindruckt von Seiner Größe, er denkt nicht daran, ob es sich lohnt, an die Größe, an die Ewigkeit, an die Dwekut; er weint nur, dass es ihm schlecht geht. Das ist letztlich das, was bei uns geschieht. Warum haben wir dieses Zweite nicht? Weil wir es einander nicht liefern.

Es ist nicht wichtig, dass keiner die Erkenntnis der Göttlichkeit hat und dass keiner sie mit dem anderen teilen kann. Selbst wenn ich sie habe, kann ich sie nicht mit euch teilen. Sondern jeder Einzelne muss mit dem anderen über die Größe des Schöpfers sprechen – nicht darüber, wie er den Schöpfer fühlt. Über die Größe der Gruppe, die Größe des Schöpfers. Dann werden wir von Ihm beeindruckt sein, dann wird uns jetzt die zweite Reshimo nicht fehlen, das Beeindrucktsein. Dann wenden wir uns an Ihn. So aber weinst du einfach nur, dass dir in deinem Krug die Füllung fehlt.

Ja.

Schüler: Wie kann ich über die Größe sprechen, wenn ich Ihn nicht fühle?

Rav: Du musst nicht fühlen. Du kannst den Schöpfer fühlen. Du kannst davon beeindruckt sein, dass ich beeindruckt bin. Von meinen Worten kannst du beeindruckt sein, als wäre es die Wahrheit. Das ist die Kraft der Gruppe, und so muss man es machen. Lies noch einmal, was der Rabash schreibt. Und wir haben das nicht. Uns fehlt das zweite Datum in unserem Gefühl, um von Oben eine Reaktion, eine Antwort zu bekommen. Das war's.

Ihr seht: nach Pessach oder nach etwas, woran wir wirklich stark arbeiten und was wir wollen, und irgendwie Auszug aus Ägypten, irgendwie spricht man so über solche Dinge – alle bekommen eine Art Erwachen, Erhebung, Fortschritt. Nur als Beispiel, sagen wir Pessach, wo alle ein bisschen darin sind und auch in der Arbeit, zusammen mit all diesen Dingen. Warum soll das nicht noch ein paar Mal im Jahr so sein? Von jedem Tag rede ich gar nicht erst.

66:43 Schüler: Aber auch jetzt. Wir fangen an … ab dem Ausgang des Schabbat fangen wir an.

Rav: Ja, jetzt sicher – du sagst, dass wir in der Synagoge schon anfangen zu beten. Aber was soll ich machen, ich bin Aschkenase und kein Sepharde? Dann verliere ich noch drei Wochen, ja? Er spricht von den Slichot, die anfangen. Du fährst nach Meron. Du hast dort offenbar eine starke Gruppe, die dir die Größe des Schöpfers ausstrahlt. Und was soll ich machen?

67:16 Schüler: … der erste der Slichot und alle 40 Tage. Nicht nur das. Man kann von dem beeindruckt sein, was heute im Alltag geschieht.

Rav: An deiner Stelle würde ich nach Meron gehen, dort ein Zelt aufstellen und diese ganzen vierzig Tage dort sitzen. Warum nicht? Nun, es gibt dort solche Leute, die dort sitzen und wirklich mit einem Gefrierschrank ankommen, mit irgendeinem großen Radio, Kassettenrekordern und allem Möglichen, und sie sitzen da und lassen Musik laufen. Vierzig fröhliche Tage bei Rabbi Schimon.

Ich lehne das übrigens nicht ab. Wieder, wie ich immer sage: Ich lehne es nicht ab. Auch das ist gut. Auch das ist gut. Das ist Verbindung. Auch das ist Verbindung. Volkstümlich – na und? Ich komme aus Be'er Scheva, weißt du, das ist … Ich bin angekommen, er hat ein Lamm, er hat alles. Das ist sehr, sehr ehrenwert. Das ist eine sehr gute Stufe des Volkes.

Schüler: Es kommen an die dreißig, vierzig Busse.

Rav: Ja, aber mein Lieber, ich sage es dir noch einmal: Es gibt die Lehre des Allgemeinen und es gibt die Lehre des Einzelnen. Es gibt solche, die dorthin kommen und ein Erwachen voneinander bekommen und davon, dass sie Lamm essen und Radio hören, ja? Solche Lieder dort, weißt du … und Dummheiten. Und es gibt solche, die davon nicht beeindruckt sein können, sondern die schon ein Problem haben. Verstehst du, sie sind komplizierter.

Was soll man also machen? Sie haben eine andere Lehre. Sie gehen gerade allein und wollen sich nicht unter das Allgemeine mischen. Aber auch ihnen sage ich: Es muss eine Gruppe geben. Obwohl sie nicht wollen – keiner will eine Gruppe, und jeder pfeift auf alle, und ihm geht es schon mit sich selbst schlecht, erst recht mit den anderen. Aber man muss verstehen: Ohne das kommt er nicht voran, denn ihm fehlt diese Reshimo über die Größe des Schöpfers. Die gibt es nicht. Er muss sie aus der Gemeinschaft bekommen. Wenn er also nach Meron geht, wird er von deinen Leuten, zu denen du gehst und von denen du beeindruckt bist, nicht beeindruckt sein. Er wird an ihnen sehen, was sie tun, woran sie denken. Das heißt: Für sie ist es gut und für ihn ist es nicht gut. Das ist eine andere Ebene.

Ja.

69:37 Schüler: Wie erzeugt man das richtige Beeindrucktsein gegenüber der Umgebung? Nicht einfach „der Schöpfer ist groß, der Schöpfer ist groß" – das hängt den Leuten schon zum Hals heraus, das erzeugt sogar eine Gegenreaktion, das kann es bewirken. Wie erzeugt man ein Beeindrucktsein, das bei den Menschen Beeindrucktsein bewirkt, das …?

Rav: Wie man bei den Freunden – nicht bei irgendwelchen Leuten, bei den Freunden – ein Beeindrucktsein davon bewirkt, dass der Schöpfer groß ist: Zeig ihnen, dass du für die Gemeinschaft arbeitest. Dass du arbeitest für … Hier, du bist drinnen und handelst und handelst – aber zeig deine Arbeit. Dann werden sie verstehen, dass du das tust, weil dir Spiritualität wichtig ist. Daraufhin fangen die anderen Menschen an zu denken: „Oh, wirklich, er versteht schon, dass das wichtig ist." Und sie fangen an, dasselbe zu tun. Es gibt nichts, was stärker wirkt als das Beispiel. Ein Beispiel in der Gemeinschaft ist das Allerbeste. Sag gar keine Worte. Zeig ihnen nur, dass es so ist. Aber zeig es ihnen. Mach es nicht, weißt du, in Bescheidenheit. Dann wird es gut wirken.

Und das ist Pflicht. Nicht ohne Grund … Nun, wer ist bei uns der Große? Bitte, nimm ein Glas Wein. Wer ist bei uns das? Nun, Lechaim. Das ist nicht ohne Grund, ich sage es im Ernst. Das ist einfach … Bei uns ist das schon so eine Art Brauch, das ist schon das, aber wir brauchen es wirklich. Es fehlt uns noch, da gibt es nichts zu reden.

Ja, lernen wir etwas? Über die Buchstaben lernen wir gleich. Gut. 71:14

(Ende des Unterrichts)