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Morgenunterricht 16.06.2002
Buch „Schriften des Rabash", Band 1, S. 482, „Zwei Unterscheidungen in der Heiligkeit"
Rav: Wir haben einen Artikel aus dem Wochenabschnitt „Kedoshim" gelesen, „Stufen des Sulam", Band 2, Seite 109, „Zwei Unterscheidungen in der Heiligkeit".
Kedusha nennt man das, was um zu geben ist. Das heißt, es kam auf die Absicht an, nicht auf die Handlung. Die Handlung bezeugt nur, dass die Absicht wirklich um zu geben ist. Deshalb ist die ganze Kedusha vom Machsom aufwärts bis zur Endkorrektur der Seele nichts anderes als Stufen von „um zu geben", alle, Absichten um zu geben. Aber es hängt davon ab, welchen Willen zu empfangen, welche Gefäße des Empfangens, welche Handlungen wir mit dieser Absicht verbinden können.
In dem Maß, wie ein Mensch immer mehr von seinem eigenen Selbst mit der Absicht um zu geben verbinden kann, steigt er auf immer höhere Stufen. Die Hauptsache ist also die Absicht: Mit ihr fängt man an, und mit ihr beendet man den ganzen Weg. Die ganze Spiritualität ist nur Absicht – aber auf welchem Willen die Absicht reitet, das bestimmt die Stufe des Menschen. Und darin gibt es sicher eine bestimmte Abstufung: nach der Awiut des Willens, nach der Awiut des Massach, den ein Mensch auf den Willen setzen kann – danach misst man die Stufe des Menschen.
Wenn man mit der Absicht um zu geben den Willen zu empfangen von der Awiut Shoresh, 1 und 2 benutzt, dann heißt das, dass wir dabei nicht empfangen, um zu geben, sondern nur geben um zu geben. Warum? So etwas wie „geben um zu geben" gibt es gar nicht, das ist eine Handlung, die dem Geschöpf nicht zukommt. Ein Geschöpf ist ein Gefäß des Empfangens, wie wir lernen. Aber weil der Wille zu empfangen in der Awiut Shoresh, 1 und 2 noch nicht als einer empfunden wird, der den Genuss empfängt, deshalb nennt man die Arbeit mit ihm die Arbeit „geben um zu geben".
Und nur wenn die Absicht um zu geben auf dem Willen zu empfangen von Awiut 3 und 4 reitet, dann heißt es, dass man empfängt um zu geben. Denn in einer solchen Awiut, 4 und 3, gibt es schon das Gefühl der Empfangenden, das Gefühl des Genusses, das Gefühl der Scham und all das. Dann fängt man an, um zu geben zu empfangen, sozusagen das Gefühl des Empfangenden um zu geben. Deshalb teilt sich jede Seele, jedes Kli in Galgalta we Ejnaim und ACHaP, und die Arbeit ist unterschiedlich. 4:01
Die Arbeit an Galgalta we Ejnaim nennt man die Arbeit von Ibur, Leida, Yenika bis zur Zeit von Katnut. Und die Arbeit an den Gefäßen des Empfangens, an der Awiut 4 und 3, das ist dort die Arbeit an den Gefäßen von Gadlut, und die geht ab der Bar Mizwa und weiter, wie man es in der Spiritualität nennt. Bar Mizwa heißt, dass man anfängt, mit dem ACHaP zu arbeiten. Das sind die „Zwei Bchinot in der Kedusha".
Aber Kedusha misst man eigentlich nicht nach dem Willen, sondern nach der Absicht. Die minimale Absicht um zu geben – eine, die wirklich um zu geben ist – stellt einen Menschen, sobald er sie erwirbt, sofort in den spirituellen Raum, in die spirituelle Welt. Das heißt: Was nennt man den Erwerb des Machsom, das Überschreiten des Machsom? Den Erwerb der Absicht um zu geben, die man liShma nennt.
Gibt es Fragen? Alles klar. Ja.
5:25 Schüler: Die minimale Absicht zu geben – heißt das, dass sicher eine Handlung damit einhergeht? Ist das der Punkt, dass die Hauptsache die Absicht ist? Kann es in der Spiritualität eine Absicht ohne Handlung geben?
Rav: Absicht ohne Handlung in der Spiritualität – ich weiß nicht genau, was du mit Handlung meinst. Ich kümmere mich zuerst einmal um die Absicht. Ja, das ist es, worüber wir gesprochen haben: Zuerst muss ich den Schöpfer finden, damit ich irgendeinen Halt an ihm habe. Danach muss ich prüfen, welche Verbindung ich zu ihm habe – vielleicht ist sie überhaupt um zu empfangen, vielleicht gibt es gar keine Verbindung. Wenn es eine Verbindung gibt, prüfe ich, ob diese Verbindung um zu geben ist.
Sagen wir, ich bin schon in einen Zustand gekommen, in dem ich durchaus die Fähigkeit habe, im Zimzum zu sein, in dem ich meine Wünsche einschränke und meine ganze Beziehung zu ihm um zu geben ist. Jetzt die Frage: Was heißt „um zu geben", in welcher Höhe kann das sein? Entweder esse ich einen Salat, oder ein Stück Brot, oder Fisch, oder sogar Fleisch. Das ist ein Unterschied. Fünf Portionen, fünf Stufen der Awiut. Bei welcher maximalen Portion, in Menge und Qualität, kann ich die Rechnung machen, dass ich diesen Genuss um zu geben empfange, sicher um zu geben? Das nennt man die Rechnung, die man im Rosh des Parzuf macht. Und danach kommt die Handlung.
Aber die Rechnung im Rosh des Parzuf gilt in der Spiritualität eigentlich schon als die Handlung selbst, denn danach wird die Handlung von selbst mit Sicherheit ausgeführt – darüber gibt es keinen Streit, wenn es die Rechnung im Rosh gibt. Das heißt: Die Rechnung im Rosh, mit der ich prüfe, ob ich fähig bin, einen Rosh des Parzuf zu bauen, bezeugt schon alles, was danach sein wird. Das nennt man Absicht im Rosh um zu geben, und gemäß der Handlung, die ich prüfe und mache, bereite ich alles für das Empfangen im Inneren des Kli vor.
Ja.
8:06 Schüler: Der Mensch muss ja irgendwann zur höchsten Stufe von „empfangen um zu geben" kommen. Das sieht auf den ersten Blick sogar höher aus als das, was hier über den Schöpfer gesagt wird, denn der Schöpfer kommt nur zu „um zu geben".
Rav: Du warst vielleicht vor zwei oder drei Tagen nicht hier, wir haben so einen Artikel gelesen: Für den Schöpfer gibt es sicher kein Problem, er gibt aus seiner Natur heraus. Ich gebe – ich muss ein Gebender sein, um zu geben. Das sind irgendwie seltsame Dinge, ja? Was für eine Verbindung von Wörtern. Denn das Geschöpf ist ein Wille zu genießen, und wenn seine Absicht bei dem Genuss, den er fühlt, darauf gerichtet ist, dem Geber des Genusses, dem Schöpfer, Freude zu bereiten, dann heißt es, dass er gibt – insgesamt gesehen nach der Art der Handlung, nach dem Wesen der Handlung.
Aber in Wahrheit empfängt er immer, er hat keine andere Möglichkeit. Ich benutze immer meinen Willen zu empfangen, meinen Appetit und die Speisen, die vor mir stehen, um mich mit dem Hausherrn zu verbinden. Ich habe überhaupt keine Verbindung zum Hausherrn außer über die Speisen und über meinen Hunger. Das sind die Mittel. Also, was fragst du? Beim Schöpfer, der aus seiner Natur heraus gibt, ist es sicher so – ich weiß nicht, ihm gegenüber kann ich nicht sagen, dass es bei ihm irgendwelche Anstrengungen zu geben gäbe, sicher nicht; das ist sein Wille, und das führt er aus.
Ich spreche überhaupt nicht über die Höhere Kraft, wie sie losgelöst von mir ist, das kann ich nicht sagen, wie er ist. Ich kann nur sagen, was ich von ihm empfange, was ich von ihm fühle: entweder gute Dinge oder schlechte, oder Scham, oder Genüsse, das ist alles. Aber was er ist – ich kann mir nicht vorstellen, was ein bloßer Wille zu geben ist.
Ich kann es mir nicht vorstellen. Selbst wenn ich ein Geschöpf sein werde, ich weiß nicht, auf welcher Stufe – vielleicht gibt es dort irgendwelche Geschenke vom Schöpfer, durch die man irgendwie verstehen kann, was das ist. Aber das, was ich verstehe, verstehe ich innerhalb meiner Gefäße des Empfangens. Und dann kann ich ihn über die Handlung des Empfangens beschreiben, und nicht oberhalb meiner Kelim. Niemals kann ich aus meinen Kelim heraustreten; aus meinen Kelim heraustreten heißt abstraktes Licht, und das ist kein Geschöpf.
Auch das fühle ich nicht, dieses abstrakte Licht. Wenn ich abstraktes Licht fühle, dann einfach deshalb, weil ich in einen Zustand gekommen bin, in dem ich fühle, dass es abstrakt ist – trotzdem innerhalb meiner Kelim, der Gefäße des Empfangens. Also ist die Frage nicht relevant. Mit dem, was außerhalb des Rahmens des Geschöpfs liegt, beschäftigen wir uns nicht, denn das ist bloße Philosophie. Niemand hat darin irgendeine Erfahrung, und ein Geschöpf kann darin niemals eine Erlangung haben. Es gibt zwar eine Erlangung darin, aber in der Weise, dass der Schöpfer eine Art Verständnis gibt, das oberhalb unserer Kelim ist. Es gibt solche sehr hohen Stufen, aber Kabbalisten schreiben darüber nicht einmal. Das hat keine Bedeutung. In Ordnung?
Gut, was?
12:14 Schüler: Wie kann sich ein Mensch vor dem Machsom um „um zu geben" kümmern? Wir sagen doch immer, dass es vor dem Machsom unmöglich ist, dass wir überhaupt nicht wissen, was das ist.
Rav: Vor dem Machsom können wir uns nicht um „um zu geben" kümmern, können wir nicht in „um zu geben" denken, können wir keine Handlung um zu geben ausführen – deshalb heißt es „vor dem Machsom". Das heißt, es gibt in der Spiritualität keinen Platz, an dem ich in diesem Zimmer sein könnte und schon passend wäre für die Gemeinschaft im Nebenzimmer, so etwas gibt es nicht. In dem Moment, in dem ich dazu passe, im Nebenzimmer zu sein, bin ich schon dort.
Verstehst du? In der Spiritualität hast du einen Motor, hinter deinem Rücken hast du einen Motor, der dich entsprechend deinen Eigenschaften, die sich verändern, an den Zustand bewegt, an den Ort, wo es zu dir passt. Das ist wie eine elektrische Ladung in einem elektrischen Feld, oder wie ein Stück Eisen, sagen wir, in einem magnetischen Feld, oder alles Mögliche dieser Art, verstehst du?
Die Gleichheit der Form zwischen etwas und einem Feld, dem Potentialfeld. Wir haben also den Schöpfer, er ist das Zentrum der spirituellen Kraft, von ihm gehen die Wellen dieses Feldes aus, ja, des spirituellen Feldes. Und du als Seele befindest dich in diesem Feld, ja, innerhalb dieses Raums. Und gemäß dem Potential, das du in der Seele hast: In dem Maß, wie du ihm ähnlicher bist, näherst du dich; in dem Maß, wie du nach den Eigenschaften weiter von ihm entfernt bist, entfernst du dich. Das ist alles. So bestimmst du die spirituelle Bewegung. Wenn du dich im Lauf deines tierischen Lebens ihm gegenüber in nichts verändert hast, dann hast du keine Bewegung gemacht; dann warst du tot und bist tot geblieben.
Wenn du irgendeine Bewegung gemacht hast, oder wenigstens eine Bewegung machen wolltest, dann hast du schon eine Beziehung zu ihm, und es kann sein, dass du wirklich eine Bewegung gemacht hast. Es steht geschrieben, dass unser Ziel ist, an ihm anzuhaften, ins Zentrum dieses Feldes zu kommen, dieses Raums, wo er in der Mitte ist – gemäß der Gleichheit der Form immer mehr und mehr, und so immer näher und näher zu ihm hin voranzukommen, bis man wirklich in ihm eingeschlossen ist. Aber in ihm eingeschlossen zu sein heißt nicht, dass ich mich auflöse, sondern dass ich wie er werde: Meine Eigenschaften werden wie seine Eigenschaften. Und dann sind wir dort zu zweit, nicht einer. Das ist es.
15:10 Schüler: Wie macht man eine Bewegung?
Rav: Eine Bewegung macht man durch die Veränderung der Form. Ich muss ihm ein bisschen ähnlicher sein als vorher, das nennt man, dass ich eine Bewegung mache. Das heißt, eine Bewegung macht man durch die Anstrengung, die ich an mir selbst mache. Wenn sich meine Eigenschaften in etwas verändern und näher an seine Eigenschaften heranrücken, dann heißt es, dass ich um dieses Maß zu ihm hin vorangekommen bin.
Wir messen also den Abstand, der von vornherein 125 Stufen beträgt, vom Machsom bis zu ihm. Und in dem Maß, wie wir die Form mit ihm angleichen können, befinden wir uns auf dieser Leiter von Stufen zwischen mir und ihm und bewegen uns darauf – mehr, noch mehr, noch mehr; weniger gibt es nicht. Wenn man überhaupt in diese Arbeit eintritt, sogar so, wie du jetzt hier sitzt, wirst du nie in einem schlechteren Zustand sein als jetzt, man kommt immer nur voran.
Vielleicht scheint es dir manchmal, dass du gleichsam abfällst oder zurückweichst, aber das scheint nur so. Das ist dazu da, dich zu erwecken, dich sozusagen zu Fall zu bringen, dir alle möglichen Gelegenheiten zu geben, neue Unterscheidungen zu fühlen. Meistens kommen Störungen deshalb, weil ein Mensch gerade in ihnen tiefer gehen und sich selbst mehr sehen muss – denn in ihnen wird er danach eine besondere Beziehung vom Schöpfer fühlen. Wo man Schläge gibt, dort ist eine besondere Beziehung, auch jetzt und auch für die Zukunft. Das Schlechte wird zum Guten gewandelt, aber es ist eine besondere Beziehung.
Ja.
17:08 Schüler: Was ist der Unterschied zwischen „ich bin dem Schöpfer nahe" und „der Schöpfer ist mir nahe"?
Rav: Was ist der Unterschied zwischen „ich bin dem Schöpfer nahe" und „der Schöpfer ist mir nahe"? Wenn ich vorankomme und mich dem Schöpfer nähere, entdecke ich, dass es von seiner Seite so etwas wie nah oder fern zu mir gar nicht gibt, und überhaupt zu niemandem. Sondern ich bin die ganze Zeit in ihm, und von seiner Seite bin ich im Gmar Tikun, und aus dem Gmar Tikun heraus verhält er sich zu mir. Das ist es. Nur fühle ich seine Beziehung zu mir negativ, in dem Maß, wie ich nicht korrigiert bin, das ist alles.
Genau so verhalten wir uns im Leben: So eine fordernde Mutter, die will, dass ihr Kind zum Beispiel Arzt wird – das ist der Traum einer polnischen Mutter. Wie viel Druck und Schläge und Leiden gibt sie ihm, bis er darauf fixiert ist, bis er lernt und nur die höchste Note bekommt, richtig? Nicht weniger. Und in dem Maß, wie er nicht einverstanden ist, drückt sie stärker. Nu, daran ist überhaupt nichts Neues.
Ja.
Schüler: Was kann ich eigentlich mit der Absicht um zu geben empfangen?
Rav: Was bekommst du als Gegenwert für die Absicht um zu geben?
Schüler: Was kann ich mit der Absicht um zu geben empfangen? Mit welchem Willen in mir genau soll ich das zusammen mit ihm um zu geben machen? Oder entscheide ich das gar nicht, weil ich es nicht weiß?
Rav: Was ich? Ich habe nicht verstanden.
Schüler: Welcher Wille in ihm ist um zu geben?
Rav: Nein, nein.
Schüler: Welchen Willen soll ich wählen, um an ihm zu arbeiten, um zu geben? Ihn um zu geben zu empfangen, ihn zu korrigieren, damit er mit Absicht ist.
Rav: Ah, sagen wir, ich habe viele, viele Wünsche. Welchen Willen nehme ich, gleichsam vom Kleiderhaken herunter, und arbeite jetzt mit ihm, damit er um zu geben wird, und den Rest lasse ich vorerst.
Schüler: Man muss mit irgendetwas anfangen.
Rav: Ja, ich verstehe, ja. Nicht mit allen zusammen, einer nach dem anderen. Man sagt: mit dem kleinsten Willen, damit es sicher ist, dass man vorwärtsgeht und nicht scheitert, ah?
Schüler: Das klingt völlig einfach.
Rav: Es ist einfach, wunderbar. Bist du damit fertig? Nimm einen größeren.
Schüler: Aber das ist ohne Verbindung zum Schöpfer.
Rav: Für wen machst du dann „um zu geben", wenn du keine Verbindung zum Schöpfer hast? Nein – auf wen beziehst du dann diesen Willen?
20:20 Schüler: Nicht auf mich selbst.
Rav: Nein, nein, ich mache keine Witze, das ist ernst: nicht auf dich selbst. Das heißt, du könntest vielleicht irgendeine Handlung machen – ich weiß nicht, sagen wir einfach ein Sandwich machen und den Genuss daran fühlen und diesen Genuss auf den Schöpfer beziehen: dass du wie ein Hausherr mir diese ganze Welt bereitet und mich in einen solchen Zustand gebracht hast, dass ich dieses Sandwich genieße. Und ich möchte dich fühlen, um dir den Genuss zu zeigen, den ich von dem Sandwich bekomme – aber eigentlich nicht vom Sandwich, sondern von dem Gefühl, dass du es mir bereitet hast. Das heißt, ein Mensch kommt in einen Zustand, in dem es dir fehlt, in dem du es nötig hast, ihn zu fühlen. Damit du dann jemanden hast, dem du danke sagen kannst. Nu, fang damit an, du wirst sehen, dass er sich enthüllt. Kein Problem. Wenn du nur daran denkst, ihm danke zu sagen, wird er sich enthüllen, dazu ist er bereit. Denn das wird wirklich um zu geben sein; es ist nicht wichtig, dass es um das Sandwich geht.
Ja.
Schüler: Rav, was bedeutet es, dass der Schöpfer sich zu uns verhält, als wären wir im Gmar Tikun?
Rav: Was heißt das, dass der Schöpfer sich zu uns verhält, als wären wir im Gmar Tikun? Wir sind wirklich mit ihm im besten und vollkommensten Zustand, nur ist dieser Zustand vor uns hinter 125 Verhüllungen verborgen. Er verhält sich also zu mir jenseits der 125 Verhüllungen, dort im Gmar Tikun. Ich fühle seine Beziehung zu mir nach den 125 Verhüllungen, die seine Beziehung abschwächen – so sehr, dass sie sie ins Gegenteil verkehren. Es kommt also heraus, dass ich für ihn vollkommen bin und nur mir selbst gegenüber der Verdorbene.
22:42 Schüler: Heißt das, dass er uns gleichsam gibt, als wären wir...
Rav: Das heißt, du tust ihm damit, dass du dich korrigierst, keinerlei Gefallen. Denk nicht, dass das zu seinem Nutzen ist, es ist zu deinem Nutzen.
Schüler: Heißt das, dass er uns gleichsam gibt, als wären wir im Gmar Tikun, wir fühlen es nur einfach nicht?
Rav: Er gibt uns, als wären wir im Gmar Tikun – und wir sind wirklich im Gmar Tikun, es scheint uns nur, dass wir gleichsam nicht dort sind. Das heißt, das „gleichsam" bezieht sich umgekehrt auf unseren Zustand und nicht auf den Zustand des Gmar Tikun. Der Gmar Tikun ist der einzige Zustand, der wirklich existiert, und dass es uns scheint, wir wären außerhalb des Gmar Tikun, ist eine Illusion. Sie kommt als Folge der Stumpfheit der Sinne, dass unsere Sinne … das ist es, was wir korrigieren müssen, um zu fühlen, wo wir sind. Er vergleicht das mit einem Menschen, der bewusstlos ist und dann nach und nach aufsteht, zum Bewusstsein zurückkehrt. Und diese Rückkehr zum Bewusstsein sind 125 Stufen, auf denen sich ihm nach und nach die Zustände klären, bis er zu dem Zustand kommt, der wirklich der Zustand ist, in dem er sich befindet – wo sein Bewusstsein und der Zustand, in dem er ist, wirklich eins sind.
Ja.
Schüler: Wenn wir gerade jetzt im Gmar Tikun sind, wie kann man dann sagen, dass wir nach dem Machsom in „um zu geben" sind? Das kommt doch als Lüge heraus, denn er gibt uns ohnehin auf diese Weise, und er genießt es von uns, dass wir ihm das geben. Also was ist da die Veränderung, wenn ich den Machsom überschritten habe? Wo ist die Zugabe?
Rav: Vor dem Machsom durchläuft ein Mensch zwei sehr wichtige Hauptstufen, die „doppelte Verhüllung" und „einfache Verhüllung"¹ heißen. Diese Stufen geben dem Menschen alle Kelim, alle Unterscheidungen, die er danach in der Spiritualität nur noch vergrößert; er kleidet weitere Unterscheidungen auf sie. Aber die absichtlichen und die unabsichtlichen Sünden, die er jetzt auf seinem spirituellen Weg zum Machsom hin begeht, sind die wahren Kelim, die er danach benutzt.
Der Unterschied zwischen vor dem Machsom und nach dem Machsom liegt nicht nur in diesen Kelim, es gibt vieles, aber insgesamt ist das Wesentliche: Vor dem Machsom bist du in der Verhüllung, und der Schöpfer ist nicht enthüllt. Du kannst denken, manchmal fühlst du ein bisschen etwas. Eigentlich ist das, was du vom Schöpfer fühlst, Or Makif, nicht Or Pnimi, weil du keinen Massach hast. Nach dem Machsom heißt es, dass du den ersten Massach erworben hast – das nennt man, dass du den Machsom überschritten hast, und danach kommen weitere Massachim. Gemäß deinem Massach kannst du dann Or Pnimi empfangen, und das ist das Gefühl der Göttlichkeit, wirklich klar und wirklich real.
26:11 Schüler: Ich sage doch, es gibt doch überhaupt keinen Unterschied.
Rav: Wir sprechen nie darüber, was der Schöpfer fühlt, wie er ist. Wir sprechen darüber, wie ein Geschöpf ihn fühlt oder wie ein Geschöpf sich den Zustand des Schöpfers vorstellt, aber nicht über seinen Zustand außerhalb des Geschöpfs. Es passiert ja, dass du manchmal über deinen Freund alle möglichen Gedanken denkst, die überhaupt nicht er sind, überhaupt nicht er. Du denkst, er hat solche und solche Dinge, und er denkt so, und er hat solche Sorgen, und vielleicht ist es so und so. Danach kommst du näher und siehst, dass es überhaupt nicht so ist, dass es das nie gab – das war alles ein Bild, das du dir selbst gemalt hast, ja?
Das heißt, es gibt die Sache, etwas aus sich selbst heraus zu erkennen, dass es mir so und so scheint, und es gibt die Sache, dass es wirklich sein wahres Bild ist. Das wahre Bild des Schöpfers kenne ich also nie. Ich weiß es nicht. Ich kann ihn nur so erkennen, wie ich über ihn denke, wie ich ihn verstehe und so weiter. Das wahrste Bild, das ich überhaupt fassen kann, ist der Gmar Tikun, wo meine Kelim das nicht verderben, was er will, dass ich von ihm fühle. Ein Hausherr, der fünf Portionen geben will, hundert Prozent von jeder einzelnen Portion – ich empfange das, und dadurch fühle ich die Beziehung des Hausherrn zu mir. Das ist es, mehr gibt es nicht, mehr als das kann ich nicht.
Schüler: Meine Frage ist: Sagen wir, ich sitze dem Hausherrn gegenüber, praktisch sitze ich schon und nehme und esse von ihm, er genießt es, dass ich esse – dieser Zustand ist schon geschehen, er geschieht. Also was ist die Zugabe darin, dass ich plötzlich...
Rav: Oh, die Zugabe – die Zugabe ist das Ich.
Schüler: Aber praktisch habe ich das hier doch schon gegessen.
Rav: Nein, du warst von deiner Seite aus nie in Verbindung mit dem Hausherrn und hast ihn nicht so gefühlt, wie du ihn fühlen wirst. Denn das, was war – also der Gmar Tikun, den der Schöpfer erschaffen hat –, geht auf Rechnung des Schöpfers und nicht auf Rechnung des Geschöpfs. Wir lernen, dass die Ausbreitung des Lichts und sein Verschwinden das Kli für seine Aufgabe geeignet machen. Das heißt, dann gibt es einen Mangel, und aus diesem Mangel heraus gibt es eine Verbindung des Geschöpfs zum Schöpfer, und vorher gab es das nicht.
Das Maximum, was der Schöpfer tun kann: einen Willen zu empfangen erschaffen, ihn füllen, ihm das Gefühl der Scham geben, damit er sich dadurch einschränkt, sich wälzt und von ihm weg ans andere Ende rutscht². Ihn näher zu bringen, dazu ist der Schöpfer allein nicht fähig. Das heißt nicht, dass sich dieser Wille entwickelt, er nähert sich nicht. Er kann alles zurück machen, er kann alles machen – außer, wie Baal HaSulam dort im Brief das Beispiel gibt, außer dem Menschen das Gefühl zu geben, dass er es selbst tut.
Zwei Freunde treffen sich, nach zwanzig Jahren ist der eine reich geworden und der andere arm. Der Reiche nimmt den Armen zu sich nach Hause und sagt: Alles, was mir gehört, gehört dir. Nach einer Woche, in der sie so die Zeit verbringen und alles gut und schön ist und wirklich von allem Guten – er macht das ohne irgendeinen Hintergedanken im Herzen, dass es vielleicht so oder so wäre; im Gegenteil, der Reiche ist bereit, wirklich alles zu öffnen. Nu.
Und trotzdem, was sagt der arme Freund, der versteht, dass jener ihm gibt wie sich selbst, sogar noch mehr? Was sagt er? Hier gibt es ein Problem, nur einen einzigen Makel: dass nicht ich es bin, sondern du es getan hast, und damit kannst du nichts machen. Was kannst du also tun? Wenn du mir wirklich etwas Gutes tun willst, gib mir die Gelegenheit, dass ich selbst zu dem komme, was du hast. Das ist es. Und das ist es, was der Schöpfer für uns tut. So kommt man tatsächlich mit ihm auf gleiche Höhe.
Ich bin richtig krank.
Ja.
31:03 Schüler: Wir lernen, dass die Eigenschaft des Schöpfers gut und gut tuend ist, aber bis zum Machsom fühlen wir das nicht. Wie kann man also das Schlechte benutzen, das wir die ganze Zeit von ihm bekommen? Können wir einstweilen irgendwie unser Bild von ihm benutzen?
Rav: Ich verstehe nicht, was das heißt, das Schlechte zu benutzen, das ich von ihm bekomme. Benutz es so weit, wie du verstehst, nu. Was heißt das, das Schlechte zu benutzen, das man von ihm bekommt? Jede Sache: Wenn du sie benutzen willst, heißt das, dass du diese Sache nimmst und dich damit an ihn wendest, das nennt man benutzen. Denn was denkst du, dass du selbst etwas machen kannst? Du kannst etwas machen, wenn du es von ihm forderst, ihn darum bittest, und er ist der Ausführende. Er kann es nicht allein ausführen, ohne dass du bittest, und du kannst ihn zu nichts verpflichten, ohne dass diese Bitte bei dir geklärt und wahr ist. Das ist alles.
Ja, Ewjatar.
Schüler: Wir sind die ganze Zeit mit meiner Beziehung zum Schöpfer beschäftigt, mit meiner Beziehung zu den Störungen, mit uns selbst in Beziehung zum Schöpfer. Wie schaffen wir es trotzdem, die ganze Zeit darauf zu achten, was mit den Freunden geschieht, auf den Zustand der Freunde zu achten?
Rav: Wie können wir trotz allem auf den Zustand mit den Freunden achten – und nicht nur auf die Freunde, vielleicht auch auf die Verbreitung und auf alles, was zur Ausbreitung der Weisheit der Kabbala gehört? Wenn ich die ganze Zeit auf den Schöpfer fixiert bin, verpflichtet das dazu. Der Mensch entdeckt, dass er allein, so wie er gebaut ist, nicht fähig ist, die Verbindung zum Schöpfer zu erneuern oder sie auch nur im Geringsten zu vergrößern. Nicht fähig. Setz dich zu Hause hin, und du wirst sehen, wie leer du sein wirst, du wirst überhaupt keine Gedanken haben, keine.
Du kommst hierher – zwar denkst du: Was komme ich hierher, noch hundert Leute um mich herum, das ist ein Durcheinander, es wäre besser³. Du kommst hierher, du fängst an zu arbeiten, du hast fremde Gedanken, gute Gedanken, egal, alles dreht sich, du kommst in diesen Strudel hinein. Und das ist das Nützlichste.
Du siehst, gestern war ein guter Schabbat, wirklich gut, wir haben so gut gearbeitet, wir haben über viele Dinge gesprochen, es gab eine besondere Verbindung. Das Ergebnis davon wird jetzt sein, dass ihr eine Schwere fühlt. Warum? Es kommen neue Wünsche, Kräfte sind noch nicht da, aber die Awiut steigt, es fängt an, sagen wir, die linke Linie aufzusteigen, wie man es nennt. Das ist noch nicht die linke Linie, aber – und dann fühlst du eine Schwere, es gibt nicht mehr dieses Gefühl des Schwebens.
Nach einem, zwei Tagen geht er trotzdem mit dieser Schwere weiter, aber er kehrt zur Gemeinschaft zurück und ist die ganze Zeit in irgendeinem Prozess. Dann fängt er an, etwas Reiferes zu erlangen: Der Wille, der jetzt nach dem Schabbat als Schwere gefühlt wurde, mit der es ihm schwerfällt zu gehen – dieser Wille hat sich durch das Lernen mit irgendeinem Leuchten verbunden, und es fängt schon an, gleichsam ein neuer Verstand und ein neues Herz zu werden. 35:25
Der Wille, der sich vorher wie eine solche Schwere anfühlte, die ihm etwas gibt … die ihn wirklich verbirgt (beschwert?)⁴ – durch das Lernen, nach einigen Tagen, muss er fühlen, dass er gerade innerhalb dieser Wünsche und dieser Unterscheidungen, der faden, die ohne Geschmack waren, wo es schwer war, wo Schwäche war, dass er dort anfängt, neue Unterscheidungen zu fühlen, ein neues Wissen, schon Erfahrung. Und bis er dahin kommt, dass er es wirklich genießt, dass er sowohl einen Abstieg als auch einen Aufstieg durchgemacht hat. Das nennt man: Ein neuer Tag ist vergangen. Dieser Tag kann eine Woche sein oder einen Monat, das ist nicht wichtig. Und so weiter.
36:21 Schüler: Es ist klar, worauf du hinauskommst: dass unsere Arbeit in der Gemeinschaft sein muss und dass es allein zu Hause unmöglich ist. Aber trotzdem, wenn du in der Gemeinschaft bist und sogar während des Unterrichts, wo du so damit beschäftigt bist, nach innen zu schauen und all das – wie schaffst du es trotzdem, gleichsam an den zu denken, der neben dir ist, was mit ihm ist, aufzupassen: der ist dort, der ist hier, der...
Rav: Du sagst, dass du nicht fähig bist, an mehrere Dinge auf einmal zu denken. In Ordnung. Zuerst einmal: Denk nicht, dass du deswegen weniger erfolgreich bist als jemand, der in den Gedanken schneller ist. Das gehört überhaupt nicht hierher. Es gibt hier überhaupt kein Maß, mit dem man einen gegen den anderen messen und sagen könnte, er wird mehr Erfolg haben als ich, schneller, auf bequemeren Wegen oder irgendwie, gibt es nicht. Diese Dinge prüft man einfach nicht auf diese Weise.
Sondern: Ich sitze, ich weiß, ich muss an das Lernen denken. Wir lernen zum Beispiel etwas im „Talmud Esser Sfirot", das ist dort nicht einfach, das ist etwas Neues für mich. Das ist schwer. Ich muss viele Dinge verknüpfen, mich erinnern. Und zugleich muss ich an den Schöpfer denken: ich und der Schöpfer, und die Handlungen, die ich mache, oder das, was ich lerne.
Wie sehne ich mich danach, zum Ziel zu kommen – und das Ziel ist die Dwekut mit ihm dort, auf der höchsten Stufe, was man Gmar Tikun nennt. Wie denke ich daran, und zugleich muss ich auch an das Lernen denken. Und danach muss ich nicht nur daran denken. 38:09
Um dahin zu kommen, muss ich mich an die Freunde erinnern: wo sie neben mir sind. Und ich muss daran denken, dass sie mehr haben sollen, als ich haben werde – dass ich lerne, aber dass sie es haben sollen. Wirklich so … Was für Dinge, das sind auch noch zusätzliche Gedanken und dazu meiner Natur fremd, die mich wirklich ganz aus der Beschäftigung mit dem Lernen, mit der Weisheit nach dem Verstand herausnehmen.
Und die Liebe der Freunde, und wie wir zusammen sind. Kurz gesagt: Man fordert so viel von mir, dass ich einfach nicht weiß, was ich tun soll. Sag mir einfach: lerne – ich werde lernen. Sag: lerne nur nicht, egal, öffne das Buch und denk an den Schöpfer – ich werde es machen. Aber ich kann nicht alle diese Enden zusammenknüpfen. Die Lösung ist: Knüpf sie nicht zusammen. So gut du kannst, sei darin. Zusammen mit dem Lernen, das ist eines. Die Hauptsache ist zu lernen und während des Lernens zu fordern, dass diese Sache in dir sein soll. Das ist es. Alles Übrige ist als Vorbereitung dort drinnen.
Schüler: Aber wie wir am Schabbat gesehen haben, kann man eigentlich in einen Zustand kommen, in dem jeder mit sich selbst beschäftigt ist, und es passiert, dass ein Mensch wirklich in Gefahr ist, wie es am Schabbat war. Also wie eigentlich … denn hier ist es wirklich so wichtig, dass wir für den Zustand der Freunde empfindsam sind, und es ist fast unmöglich, alles zu machen.
Rav: Versammle alle Leute, die mehr oder weniger zu dieser Sache gehören, nehmt ein Blatt Papier und macht eine Vereinbarung untereinander, dass ihr sagen wir jede halbe Stunde alle überprüft: wo jeder von uns ist, ob er nicht weggelaufen ist. Du weißt schon – wenn er weggelaufen ist, muss man ihn sofort zurückbringen. Vielleicht habt ihr zwei, drei besondere Leute, die wirklich einen solchen Zugang haben, mit einem Menschen zu sprechen, dem es nicht so gut geht, ihn zu erwecken, ihn zurückzubringen, ihn in die Gruppe zu setzen und so weiter. Aber es ist Pflicht, dass eine Gruppe sich um jeden Einzelnen kümmert, der da ist.
Siehst du, warum wir Gruppen aufgeteilt haben, warum wir uns in Gruppen aufgeteilt haben? Weil man bei 100 Leuten nicht sehen kann: Ist der da, nein, ist der da. Das ist unmöglich. So sitzt wenigstens an einem Tisch meine ganze Gruppe, und dann sehe ich, wer da ist und wer nicht da ist. Auch 15–20 ist viel, wünschenswert sind 10. Aber diese Vereinbarung muss es geben, sie kann auch nicht schriftlich sein, sondern mündlich, das ist nicht wichtig. Aber macht es so, dass ein Mensch fühlt, dass es ihn verpflichtet. Macht es schriftlich, macht es auf eine sehr ernste Weise, das wirkt psychologisch auf den Menschen.
Ja.
41:31 Schüler: Einerseits habe ich einen Mangel nach dem Schöpfer, das heißt, ich will sehr, sehr vorankommen, und ich komme langsam voran. Andererseits soll ich in Freude vorankommen, in Liebe, in der rechten Linie. Aber ich komme nach meinem Geschmack langsam voran, zu langsam, ich würde gern schneller vorankommen. Ich habe diesen Mangel.
Rav: Wie beschleunigt man das Vorankommen?
Schüler: Wie voranzukommen … wie sich die Dinge zusammenfügen, das heißt, dass sie...
Rav: Die Beschleunigung im Vorankommen geschieht nicht dadurch, dass du „ai, ai" irgendwelche Anstrengungen machst, ich weiß nicht, verstehst du. Die Beschleunigung im Vorankommen ist, dass du dich jedes Mal daran erinnerst, zum Kontakt mit ihm zurückzukehren. Je weniger leere Zeit du zwischen den Eintritten hast, wie man das nennt, zwischen den Berührungen mit ihm. Mach dir alle möglichen Zeichen, denk dir alle möglichen Mittel aus, damit du in jedem Moment, in dem du irgendwo bist, hörst, liest – egal was, wer, wie – dich erinnerst: „Oh, schon wieder habe ich es für ein paar Momente vergessen, oh, schon wieder habe ich es vergessen." Und diese Eintritte – dass du dich abtrennst, das ist gut; nicht gut ist, dass die Zeit, bis du zur Verbindung zurückkehrst, ein paar Stunden dauern kann, vielleicht ein paar Tage, ich weiß nicht. Hier ist deine Arbeit.
Schüler: Diese Aufstiege und Abstiege – ich habe verstanden, dass das erst nach dem Machsom ist, in der Zeit der Vorbereitung gibt es überhaupt keine Aufstiege und Abstiege.
Rav: Das wollen wir mal sehen. Aufstiege und Abstiege gibt es auch vor dem Machsom und auch nach dem Machsom, nur nennt man das bei uns in der Zeit der Vorbereitung nicht wirklich Aufstiege und Abstiege, so wie danach. Danach sind Aufstiege und Abstiege ein Fall in die Klipot, das ist das Gefühl der Entfernung, wirklich Entfernung, ein reales Gefühl innerhalb der Kelim; das heißt, dass ein Mensch aus zwei Enden zusammengesetzt ist: dem Schöpfer und dem Gegenteil davon.
Und einstweilen fühlen wir jetzt entweder ein Or Makif, das ein bisschen verborgen ist – dann fallen wir in unsere kleine Tierhaftigkeit: Geld, Ehre, Wissen, oder überhaupt nichts, so eine Fadheit –, oder das Licht leuchtet, und dann sind wir Helden, denken wir, dann entbrennen wir für ihn, wir sind zu allem bereit. Das sind nicht genau die Aufstiege und Abstiege, die es nach dem Machsom gibt, aber trotzdem ist es auch etwas.
Gut.
(Ende des Unterrichts)