Das Buch Sohar müssen wir vollständig von unserer Realität abstrahieren und unser „Ich“ als kleinen Punkt vorstellen, aus dem wir die Seele entwickeln und die wahre Realität erkennen können. Sie hat nichts mit unserer illusorischen Welt zu tun. Solange dieser Punkt im Herzen nicht entwickelt ist, kann der Mensch die zukünftige Welt nicht wahrnehmen und verstehen, da sie jetzt noch als Dunkelheit empfunden wird. An dieser Stelle kommt das Buch Sohar zur Hilfe. Alle Kräfte und Phänomene der spirituellen Welt, die in unsere Welt herabsteigen, kleiden sich in ihre materiellen Objekte, denen wir irdische Namen geben. Darum erzählt uns der Sohar absichtlich von der Höheren Welt in irdischer Sprache. Unsere Aufgabe ist es dann, durch eigene Anstrengungen herauszufinden, worum es geht. Es spielt keine Rolle, dass wir nichts verstehen und uns in unseren Empfindungen und Annahmen irren. Das Wichtigste ist, wie ein Kind maximale Anstrengungen zu unternehmen, um die Welt zu erforschen: Es weiß nichts und nimmt einfach alles um sich herum auf. Wie Kleinkinder schalten wir alles aus der Vergangenheit, die nicht zum Gegenstand unserer Erkenntnis gehört, ab und nehmen alles auf, worüber das Buch Sohar spricht. Dann beginnen wir zu fühlen, zu sehen, zu verstehen und die vielfältigen Eindrücke zusammenzufügen, die allmählich in uns das Bild der Höheren Welt schaffen. „Aber es wäre doch genauer, vom dritten Tag als dem Tag zu sprechen, der die Schöpfung der ersten drei Tage offenbart.“ Die Schöpfung ist ein allmähliches Herabsteigen und die Verwirklichung der Eigenschaften des Schöpfers: Chesed (Licht) – die rechte Linie, Gwura (Verlangen) – die linke Linie, Tiferet (Seele) – die mittlere Linie. Diese drei Eigenschaften entsprechen den ersten drei Tagen der Schöpfung. Der Schöpfer gibt uns das Verlangen und das Licht zur Korrektur des Verlangens. Die richtige Kombination dieser Eigenschaften schafft die dritte Linie, die „Seele“, „Mensch“, die „Ich“ genannt wird. Der Mensch nimmt die Eigenschaften des Schöpfers in sich auf, analysiert und vergleicht sie miteinander, ohne einer von ihnen den Vorzug zu geben. Durch die verschiedenen Kombinationen, die der Mensch erarbeitet, erhält er schließlich die mittlere Linie. Alle Anstrengungen und Arbeiten in der mittleren Linie führen zur Erkenntnis des Schöpfers und zur Entschlüsselung des Schöpfungsplans. „Denn es ist von ihm gesagt: Die Erde bringe Gras hervor.“ Der dritte Tag ist der Haupttag der Schöpfung. Denn an ihm offenbart sich der gesamte göttliche Plan. Wozu wurden Himmel (Chesed, Licht) und Erde (Gwura, Verlangen) geschaffen? Damit der Mensch diese beiden Eigenschaften in sich vereint. Aus dieser Verbindung von Himmel und Erde werden dann die Sprossen hervorgehen – die mittlere Linie, d.h. hier offenbart sich das Leben.