Tägliche Lektion16. Sep. 2003

Rabash. Article 884. The Rosh Hashanah Prayer

Rabash. Article 884. The Rosh Hashanah Prayer

16. Sep. 2003

Dieses Transkript wurde mithilfe KI aus dem hebräischen Original übersetzt und nicht redaktionell bearbeitet.

Rohtranskription ohne abschließende Korrektur. Fehler möglich.

Morgentranskript 16.09.2003

Buch „Schriften des Rabash", Sammlung „Stufen der Leiter", Band 3, Aufzeichnung 884, „Das Gebet an Rosh HaShana"

Rav: „Das Gebet an Rosh HaShana", ja? Manchmal ist es sehr schwer, den Artikel auszulegen, denn das ist gar kein Artikel – er hat sich ein paar Dinge notiert, aus denen er später einen Artikel zusammenstellen wollte. Keine Fragen? Doch? Ja.

Schüler: Er sagt … „Und die Sache ist die: Vor allem darf man den Schöpfer, gepriesen sei Er, keinen Augenblick vergessen. Und wie erlangt man das? Dadurch, dass der Mensch sich jedes Mal mit mehr Geist und mit mehr Erhabenheit und Kraft anstrengt – dadurch erlangt man die Bchina ‚Erinnerung'."

Rav: Ja.

Schüler: Was ist diese Anstrengung, wozu?

Rav: Diese Anstrengung bringt uns Mühe in einer Sache, und sie gibt uns die Wichtigkeit dieser Sache. Ganz einfach: Wenn ich in etwas investiere, wird mir diese Sache wichtig. Und wenn sie mir wichtig wird, vergesse ich sie nicht. So ist es mit allem, was ich mir wichtig machen will, groß vor mir: Ich muss einfach die ganze Zeit daran denken. Die Mühe selbst erzeugt mir die Wichtigkeit, und die Wichtigkeit führt dazu, dass ich die ganze Zeit Aufmerksamkeit dafür habe und es nicht vergesse. Das ist alles ganz einfach.

Schüler: Ich verstehe nicht: Der Rat, nicht zu vergessen, ist, sich die ganze Zeit zu erinnern – was ist das für ein Rat?

Rav: Eine Mutter vergisst ihr Kind nicht, weil sie es auf natürliche Weise geboren hat – Schluss. Wie es heißt: Vom Augenblick der Empfängnis an sind schon alle ihre Gedanken bei ihm, beim Embryo. Und danach sind alle Gedanken beim Kind. Das ist Natur, ja? Das ist das Allerwichtigste, so ist es in der Natur.

Wie mache ich es also, dass ich dasselbe Maß an Wichtigkeit, das es auf der tierischen Ebene gibt, gegenüber der Spiritualität habe, gegenüber dem Schöpfer? Dass Er die ganze Zeit in meinem Fokus ist, dass ich Ihn die ganze Zeit als die Ursache dessen ansehe, was mir geschieht, und als das Ziel, zu dem ich kommen will.

Was habe ich denn sonst? Von dort kommen mir alle Kräfte, alle Verlangen, alle Handlungen, und ich bin das Ergebnis davon. Ich muss dem nur noch meine Wichtigkeit und meine Aufmerksamkeit hinzufügen, und dann … Ich höre nichts, da ist ein Echo. Und wenn ich das hinzufüge … und mich so dazu verhalte, dann heißt das, dass ich den Schöpfer über mich zum König mache.

Und wenn ich Ihn wirklich über mich zum König mache, dann habe ich überhaupt kein Problem mehr, mit meinen Kräften zu Seinem Nutzen zu arbeiten. Am Anfang gibt es Stufen, auf denen es einfach nur darum geht, dass ich Ihn vorziehe und an Ihn denke, weil es wirklich so ist, weil es zu meinem Nutzen ist und sich für mich lohnt.

Und danach gibt es schon andere Stufen, wo es nicht zu meinem Nutzen ist und sich für mein Ego nicht lohnt, wo ich vom Ego schon getrennt bin – ich und es sind nicht mehr dasselbe –, sondern es lohnt sich für mich, damit das „wichtig" heißt, das ist Spiritualität.¹

Bis ich eine solche Stufe an Wichtigkeit und Kraft bekomme, dass ich überhaupt keine Zuwendung mehr zu mir selbst habe, sondern nur zu Seinem Nutzen – und was das ist, verstehen wir noch nicht. Das ist jenseits der Eigenschaften von Bina. Das war's. Alles hängt also an der Aufmerksamkeit für den Schöpfer. Wie mache ich das? Vorerst durch die Anstrengung.

5:07

Schüler: Worin?

Rav: Worin? Man gibt mir von Oben einen Punkt im Herzen, das heißt eine Sehnsucht nach Spiritualität.² Was Spiritualität ist, weiß ich noch nicht – irgendetwas will ich. Danach fange ich an, etwas mehr zu klären, fange an zu lernen, fange an, in einer Gruppe zu sein, einen Lehrer zu hören. Mir wird klarer, dass Spiritualität die Höhere Kraft ist. Ich fange an zu denken, dass von dort alle Kräfte und meine Verlangen kommen, und fange an zu fühlen, dass ich davon abhängig bin.

Ich fange an zu fühlen: Wenn ich an Ihn denke und nicht an mich, dann habe ich überhaupt keine Kraft, mein Wille zu empfangen unterstützt das nicht. Oder umgekehrt – ich fühle, dass mein Wille zu empfangen, wirklich mein ganzer, zum Sklaven in der Hand der Höheren Kraft wird. Und so weiter. Das heißt, ich durchlaufe nach und nach Stufen des Empfindens und fange an, auf alle möglichen Weisen zu sehen, wie ich mit der Höheren Kraft verbunden bin.

Einmal will ich Ihn, ein anderes Mal nicht – vielleicht wäre es besser, es gäbe Ihn gar nicht. Dass ich von Ihm abhängig bin, dass ich mich wegen Ihm nicht selbst beherrschen kann, dass ich Ihn beherrschen will, dass ich Angst vor Ihm habe, dass Er anfängt, zwischen mir und meinem Willen zu empfangen zu trennen, zwischen mir und meinem Ego.

Dass ich schon anfange, meinen Willen zu empfangen zu hassen. Ich fange an, darüber nachzudenken, wie ich Ihm Gutes tue – man sagt, so muss es sein: Wenn es Ihm gut geht, dann geht es auch mir gut; wenn ich nicht an Ihn denke, dann geht es mir schlecht. Das heißt, ich beginne, alle möglichen Formen der Beziehung zwischen uns zu durchlaufen.

Man sagt: Ich brauche eine Gruppe. Ohne Gruppe werde ich mein Verhältnis zu Ihm, zum Schöpfer, nicht genau bestimmen können, denn das Verhältnis zu Ihm muss so sein wie zu einem fremden Menschen. Wenn ich einen fremden Menschen liebe – egal wer, auch den größten Feind –, wenn ich anfange, ihn zu lieben, ohne irgendeinen tierischen, materiellen Grund, ohne dass ich an ihm Dinge gefunden hätte, die für mein Ego gut sind, sondern wenn ich finde, dass diese Sache an sich erhaben und groß ist – sich so zum Nächsten zu verhalten, das nennt man eine Art Eigenschaft des Schöpfers. Ich habe davon keinen Geschmack, keinen Nutzen.

Und jeder ist mir fremd, ich habe zu ihm keine Neigung und kein Verhältnis. Aber man sagt, dass ich nur so prüfen kann, ob ich wirklich ein Verhältnis zum Schöpfer habe – denn das ist Seine Eigenschaft, so verhält Er sich zu uns. Wie verhält Er sich so zu uns – heißt das, dass Er uns liebt? Ich fühle nicht, dass ich mich zu einem Fremden so verhalte, das kommt nicht aus meinem Herzen, das heißt nicht Liebe. Also bin ich wirklich verwirrt und weiß nicht, was ich tun soll. Ich habe in mir keinerlei Vorbereitung, um in diesem Satz von der Liebe zu sein, von dem sie sprechen.

Kurz gesagt: Der Mensch klärt nach und nach seine ganze Verbindung, sein Verhältnis, seine Abhängigkeit oder das Gegenteil gegenüber dem Schöpfer. Das ist unsere ganze Arbeit. Die meisten Zustände und Stufen, die er durchläuft, sind so, dass er nicht fühlt, dass es sich auf den Schöpfer bezieht – es scheint ihm auf die Freunde bezogen, auf die Gemeinschaft, auf alle möglichen Vorstellungen davon, was Spiritualität ist. Aber in Wirklichkeit ist es auf den Schöpfer bezogen, der hinter all dem verborgen ist. 10:43

Und wenn er das klärt – das ist es, was wir Rosh HaShana nennen: Er befindet sich in einem besonderen Zustand, an einem so wichtigen Punkt, der ihm den ganzen weiteren Weg bestimmt. Nämlich dass er den Schöpfer über alles, was geschieht, zum König macht und mit Sicherheit feststellt, dass er von Ihm abhängig ist. Ein Wille zu empfangen, der schon dahin gekommen ist und aus all den vorherigen Gründen, aus den Zuständen, die er durchgemacht hat, entschieden hat, dass der Schöpfer „König über die ganze Erde" ist – das heißt, dass der Schöpfer über alle meine Verlangen herrscht. Und daraus setzt er den Schöpfer sozusagen an den Kopf des Weges, den er jetzt gehen wird. Dann ist er wirklich schon in Rosh HaShana.³ Von diesem Wissen an ist die Entwicklung schon richtig.

Und dann verbindet er alles – jede Eigenschaft, jeden Zustand, jede Mühe in irgendeine Richtung und das, was er als Ergebnis davon will – schon mit einer weiteren Annäherung an den Schöpfer. Und auch den Begriff „Schöpfer" verändert er die ganze Zeit, macht ihn die ganze Zeit wahrhaftiger – das heißt, weiter entfernt von seinem Willen zu empfangen und näher am wirklichen Begriff des Gebens. Und dementsprechend verändert er auch in sich, ein bisschen und noch ein bisschen, Maß für Maß, das Verständnis davon, was „um zu geben" ist – diese Eigenschaft, die im Schöpfer existiert und der er zustimmt, obwohl sie in ihm selbst nicht vorhanden ist. Aber irgendwie versteht er, dass diese Sache wichtig und erhaben ist, dass man sich an sie gewöhnen muss und irgendwie Ratschläge und Kräfte zusammentragen muss, um dahin zu kommen. 13:51

Das heißt, der Mensch muss die ganze Zeit daran arbeiten, dass das Geben – ganz gleich, was er sich unter diesem Begriff vorstellt – als Begriff vor ihm steht, anstelle aller anderen Wörter. Höhere Welt, Schöpfer, Höhere Kraft, Gelassenheit, Ruhe – all die Wörter, mit denen er etwas oberhalb dieser Welt beschreibt. Denn bei uns heißt „höher" das, was gut ist und was mein Ego füllt. Das war's. Ich kann mich vor allem verbeugen, wovon mein Ego eine Füllung bekommt – das heißt letztlich das Goldene Kalb, ja, irgendein Bild.

Deshalb ist es besser, dass ich mir dieses Bild als einen einfach abstrakten Begriff aufbaue, der „Geben" heißt. Und dass ich diesen Begriff die ganze Zeit kläre, ein Tröpfchen mehr und noch ein Tröpfchen mehr, und je losgelöster er von meinem Verlangen ist, desto besser.

Das ist die ganze Arbeit. Und wenn ich das die ganze Zeit an diesem Rosh HaShana halte, also am Kopf meiner Entwicklung, dann sind Lernen, Bücher, Lehrer, Freunde, Gruppe und alle Mühe, die ich darauf verwende, genau die Mittel, um diesen Begriff „Geben" zu verstehen und zu erlangen – und das ist eigentlich die Spiritualität, der Schöpfer, wie immer du es nennst. Warum sage ich das so? Weil ich, sobald ich sogar dieses Wort „Geben" durch irgendein anderes Wort ersetze, sofort anfange, mir irgendein Standbild aufzubauen, irgendein Bild, das für meinen Willen zu empfangen verständlich ist, für das Ego – und dann lüge ich mir vor, das sei Spiritualität, das sei der Schöpfer. Das war's.

Verständlich?

16:49

Schüler: Wie kommt man dahin?

Rav: Wie man dahin kommt? Ganz einfach anfangen. Das heißt: Vor mir steht ein Begriff, der „Geben" heißt, und den muss ich klären – sonst nichts. Das ist etwas Trockenes für mich, etwas Unverständliches, was darin ist, weiß ich nicht. Aber dieses Wort muss für mich der Mittelpunkt meines ganzen Interesses sein, meiner ganzen Mühe, von allem – das ist das Ziel. Das war's. Ich muss es verstehen, mich die ganze Zeit dazu verhalten, mich die ganze Zeit daran messen, es erlangen, mich damit verbinden, es lieben, mich ihm angleichen, mich davor verbeugen – alles.

Und dann irre ich mich nicht, wenn ich sage: Das ist Spiritualität, das ist der Schöpfer, das ist der Nächste, das ist die Gruppe, das ist alles. Ich habe gestern bei diesem Kongress gespürt, dass genau das fehlt. Die Menschen sind sich nicht bewusst, wonach sie sich sehnen sollen. Unter diesem Begriff – Spiritualität oder Göttlichkeit oder der Höhere – denken sie das, was ihr Wille zu empfangen daraus macht.

Der Höhere ist der Höhere, Er ist groß – so schaut ein Kind: groß, Er herrscht, Er wird mich füllen. Er wird den Willen zu empfangen füllen, verstehst du. Er bestimmt mein ganzes Schicksal. Das ist wie ein Säugling, wie ein kleines Kind, das so schaut und über die Welt staunt. Das ist also ein Sich-Verbeugen vor allen möglichen Kräften und Füllungen, die über meinen Willen zu empfangen herrschen und ihn füllen. Das ist nicht der Schöpfer. Von Ihm kann ich nicht erwarten, dass Er mir den Willen zu empfangen füllt. 19:16

Er herrscht über den Willen zu empfangen, aber so, dass Er ihn nach und nach zertritt. Verstehst du. Das heißt, der Begriff der Spiritualität, was das Ziel ist – das ist nicht klar. Deshalb muss man dem Menschen erklären: Es lohnt sich für dich, das so zu machen und nicht so, und so weiter. Wäre dieser Begriff in ihren Augen immer deutlicher, dann würde ein einziges Wort genügen, und der Mensch würde schon verstehen, dass die Handlung, die du von ihm willst – Verbindung, Gruppe, „Liebe deinen Freund wie dich selbst" –, auf diesen Begriff „Geben" zugeht. Das ist ein und dasselbe.

Und dass es so eine Gelegenheit gibt, diesen Begriff „Geben" zu erlangen oder sich ihm zu nähern, ihn zu verstehen, sich eine Woche lang mit ihm zu beschäftigen – das hätte man nicht erklären müssen, denn der Mensch hätte verstanden, was für eine Gelegenheit das ist. Verstehst du. So aber muss man erst noch erklären, was dieser Begriff ist, wozu wir ihn brauchen, was er mit der Handlung zu tun hat, und so weiter. Wir müssen dem Menschen also immer mehr … Wie sagt man, dieses „Hlogan"?

Schüler: Slogan.

Rav: Slogan, ja, Losung – nicht Losung, einfach das Wort, diesen Kasten, sagen wir, oder eben ein Kasten, ja.⁴ Diesen Kasten, diese Schachtel, die „Geben" heißt – und er soll prüfen, was genau sie enthält.

Ja.

Schüler: Wie kann man näher beschreiben, was Geben ist? Ob das Handlungen sind oder eher so eine Richtung? … verborgen, also …

Rav: Wie das möglich ist? Nur dadurch, dass du dich in diese Richtung anstrengst – wie man klären kann, was Geben ist –, dass du genau darin investierst und dich darauf zu anstrengst. Und darüber ist geschrieben, durch welche Anstrengungen, durch welche Handlungen.

Kurz gesagt: Von jetzt an, wo du gehört hast, dass es diese Sache „Geben" gibt – in diesem Geben ist der Schöpfer, ist die Gemeinschaft, ist der ganze Nächste, alles außer dir, der ganze Begriff Gruppe, das Lernen, die Höheren Welten, alles, was du dir vorstellen kannst außer deinem Ego. Das war's. Das ist nichts Kleines, im Gegenteil: Es ist alles, was außerhalb von dir ist.

22:36

Schüler: Das ist ein komplexer Begriff.

Rav: Das ist ein sehr komplexer Begriff, ja.

Schüler: … woher … ich, das ist nur mein Ego …

Rav: Also außer dir: Wenn du dich dazu verhalten und fühlen kannst, dass es sich außerhalb von dir befindet, dann heißt das „Geben". Fang an zu klären. Zunächst wird es wenigstens keinen Irrtum geben: Wenn man „Schöpfer" sagt, sagt man „Geben", die Eigenschaft des Gebens. Wenn du das jedes Mal so sagst, wird dir sofort klar, wie sehr du dich selbst belügst, wie sehr du Ihn dir auf falsche Weise vorstellst.

In jedem Begriff, in jedem Sinn, in jeder Handlung, über die du sprechen willst, kannst du anstelle dessen, was in den übrigen Wörtern steht, an ihrer Stelle das Wort „Geben" einsetzen. Und wenn du dann sagst „der Große, der Mächtige, der Furchtgebietende" – wogegen? Gegen den Willen zu empfangen. So sieht der Begriff des Gebens aus. Darum geht es bei Rosh HaShana: diesen Begriff zu klären und ihn an den Kopf des Weges zu stellen.

Ja, Marik.

Schüler: Wo findet diese Klärung statt – im Ego selbst? Oder was gibt es sonst im Inneren des Menschen?

Rav: Die Klärung geschieht sicherlich im Ego, aber im Ego so, dass wir … wie soll ich sagen? Dass wir anfangen, im Ego zu fühlen, dass es in unserem Herzen noch einen Teil gibt, vom Punkt im Herzen, der sich nach und nach ausgeweitet hat und schon verstehen will, worin er sich vom Herzen selbst unterscheidet. Er will sich schon vom Herzen trennen und sich als etwas sehen, das nicht zum Herzen gehört. Daraus kommt uns der Drang, den Begriff „Geben" zu klären.

Gäbe es diesen Drang nicht – das heißt, hätte sich der Punkt im Herzen nicht ein wenig von einem Punkt zu einer kleinen Fläche ausgeweitet –, dann würden wir in ihm keine Eigenschaft fühlen, dann bekämen wir dagegen kein Leuchten des Umgebenden Lichts, dann würden wir den Unterschied zwischen ihm und dem Herzen nicht fühlen und hätten keinerlei Neigung, ihn zu erforschen. 26:29

Dadurch, dass wir anfangen, ihn zu erforschen, kommt diese Frage. Und ihn zu erforschen oder den Schöpfer zu erforschen oder den Nächsten zu erforschen, das ist dasselbe. Denn es gibt keinen Schöpfer und keinen Nächsten außerhalb dieses Punktes. Einfach: In mir vollziehen sich jetzt, wenn man so sagen kann, zwei entgegengesetzte Begriffe – das Herz und der Punkt im Herzen. Und zwischen ihnen kläre ich eigentlich mein Ich, das in der Mitte ist, als die künftige mittlere Linie zwischen ihnen. Und wenn das so ist, dann lohnt es sich für mich, meinen Punkt im Herzen von vornherein „Geben" zu nennen. Und weiter wird er für mich nach und nach zur rechten Linie.

Ja.

Schüler: … diese Dreiheit, das heißt: wo ist der Punkt im Herzen und ich in der Mitte?

Rav: Herz, Punkt im Herzen und ich in der Mitte? Das ist so, wie wir sagen: Es gibt den Willen zu empfangen, der an sich weder gut noch schlecht ist. Es gibt die Absicht „um zu empfangen", und die ist schlecht – das ist das Herz. Und es gibt die Absicht „um zu geben", und das ist der Schöpfer, der Begriff des Gebens. Und diese Absichten, „um zu empfangen" und „um zu geben", gehören nicht mir; ich bin zwischen ihnen und muss prüfen, was ich dem anderen vorziehe. Das ist alles.

Nun, wie kann ich prüfen, was ich vorziehen soll? Wäre ich in der Eigenschaft von Bina, das heißt schon losgelöst von der Absicht „um zu empfangen" – weder „um zu empfangen" noch „um zu geben" –, nun gut, dann stehe ich über dem Willen zu empfangen und kann entscheiden. Aber darin bin ich noch nicht. Ich fange beim tierischen „um zu empfangen" an. Und da ich beim tierischen „um zu empfangen" anfange, finde ich Kräfte, finde ich Ratschläge, Mittel – über die Gruppe, über das Lernen und das Umgebende Licht – und komme in den Zustand, dass ich aus dem „um zu empfangen" heraus will, aus der Absicht „um zu empfangen" auf der tierischen Ebene dieser Welt.

Dann stelle ich mich in den neutralen Punkt: weder „um zu empfangen" noch das spirituelle „um zu geben". Ich habe keinen Willen zu empfangen für die Spiritualität, ich habe keine Absicht – weder „um zu empfangen" noch „um zu geben" gegenüber der Spiritualität, ja? Das ist sozusagen: Ich habe den Machsom überschritten, ich bin im Machsom. Und dann fängt das spirituelle „um zu empfangen" an, das spirituelle „um zu geben". Und meine Arbeit, alles, was ich bis dahin getan habe, bis ich zum Machsom gekommen bin, war eine Vorbereitung, ein Verstehen, wie man eigentlich mit dem materiellen „um zu empfangen" arbeitet – noch nicht gegenüber dem Schöpfer.

Ja.

Schüler: Was gibt mir die Kraft, mich in diesem neutralen Zustand zu halten?

Rav: Was gibt mir die Kraft, zwischen der Absicht „um zu empfangen" und der Absicht „um zu geben" zu sein? Das ist nur eine Kraft von Oben, das Umgebende Licht. In mir gibt es dafür keinerlei Möglichkeiten.

Ja.

31:35

Schüler: Sie haben vorhin gesagt, man müsse gegen das Verlangen gehen, eigentlich …

Rav: Gegen das Ver… nu, nu.

Schüler: *Aber für den Versuch, den Machsom zu überschreiten, braucht man doch viel Verlangen. Wie passt das zusammen?*⁵

Rav: Wir müssen nicht gegen das Verlangen arbeiten. Habe ich das so gesagt? Ich weiß nicht. Denn die Verlangen selbst sind weder gut noch schlecht. Ich kann von keiner Handlung des Menschen sagen, dass sie gut oder schlecht ist – wenn wir über Spiritualität sprechen und nicht auf der menschlichen Ebene. Ich muss nur sehen, ob diese Handlung zum Nutzen des Schöpfers ist oder zum Nutzen des Menschen selbst, und nicht das Verlangen prüfen.

Sagen wir, jemand hat jemanden bestohlen. Es kann sein, dass er damit eine sehr wichtige und ausgezeichnete Handlung getan hat – vielleicht war es eine Spionagehandlung zum Nutzen des Staates, zum Nutzen des Vaterlandes, um die Menschheit vor irgendwelchen bösen Kräften zu retten, wer weiß, ja? Wir können uns nicht auf die Handlung selbst beziehen und sagen: „Das ist verboten." Baal HaSulam schreibt darüber, dass all das nicht in abstrakter Form betrachtet werden darf, sondern in einer Form, die in Materie gekleidet ist – das heißt: zu welchem Nutzen es getan wurde.

Er spricht dort über den Begriff der „Wahrheit", ja? Wenn ein Mensch einfach am Begriff der Wahrheit klebt, dann heißt es: Töte ihn sogar, das ist die Wahrheit, Schluss. Wie kann es sein, dass wir … Und die Tora verbietet das und sagt: Wahrheit ist Wahrheit, aber das Leben des Menschen … Das heißt, man muss sich nicht auf die Handlung beziehen, sondern auf ihre Natur.⁶

Deshalb müssen wir prüfen, zu wessen Nutzen. Und deshalb sage ich, dass der Begriff des Gebens hier ist: Wenn wir die ganze Zeit an ihn denken, dann ist uns schon klar, dass wir prüfen, zu wessen Nutzen etwas geschieht. Geben ist das, was außerhalb von mir ist – für das, was außerhalb von mir ist.

Ja.

34:32

Schüler: Findet die Prüfung hauptsächlich aus der Position eines Beobachters statt oder aus der eines Beteiligten, der in eine bestimmte Richtung gehen will?

Rav: Die Prüfung muss von der Seite her geschehen, dass darin mein Leben ist, mein Schicksal, darin mein Ich – und dass ich außer dem in dieser Welt nichts zu klären habe. Auf allen Ebenen, auf denen ich mich befinde: Wenn ich einfach mein Leben nehme, um in jedem Augenblick zu prüfen, ohne dass ich daraus Ergebnisse ziehen müsste, ja? Irgendwelche Schlussfolgerungen, die man danach umsetzt – nein, sondern einfach um der Prüfung willen: Fang an, mein Verhältnis zum Begriff des Gebens auf jeder einzelnen Stufe zu klären. Dann bekommen wir daraus die Wichtigkeit des Begriffs, wir bekommen Volumen in ihm, ja? Aus all den verschiedenen Bezügen meines Willens zu empfangen dazu – wir fangen an, darin zu leben. Und das ist letztlich die Erforschung des Schöpfers und meines Verhältnisses, meiner Einstellung zu Ihm, zu dieser Eigenschaft.

Schüler: Die Frage ist: Wenn man erforscht, schaut man von außen darauf, oder ist man in dem drin, was man erforscht? Wenn ein Mensch etwas erforscht, ist er darin beteiligt; er kann aber auch einfach hinschauen, betrachten.

Rav: Schau, sowohl so als auch so, von innen und von außen. Das ist nicht wichtig. Letztlich müssen wir prüfen: ich und Er – eine andere Arbeit gibt es nicht.

Schüler: Ich frage wegen des Punktes, den Sie genannt haben: dass alles außerhalb von dir ist, sowohl das „um zu empfangen" als auch das „um zu geben".

Rav: Ja.

Schüler: An welchen Ort muss man sich stellen, damit alles Übrige außerhalb von dir ist?

Rav: Wenn du nicht zwischen dir und deinem Körper unterscheidest, zwischen dir und deinem Willen zu empfangen – wie kannst du dann den Begriff „Geben" prüfen und dich dazu verhalten?

36:55

Schüler: Wo muss man dann anfangen, sich hinzustellen? Wo sucht man den Beobachtungspunkt oder den Forschungspunkt, von dem aus man die Forschung beginnt? Sozusagen die Einleitung – man kommt, um etwas zu erforschen …

Rav: Die Einleitung ist die Unterscheidung zwischen mir und meinem Willen zu empfangen. Soweit du dich trennen kannst, so weit kannst du forschen.

Schüler: Und das muss die ganze Zeit das Allerwichtigste sein – dass du weder das eine noch das andere bist?

Rav: Wie willst du sonst forschen? Ich verstehe nicht, wie man forschen kann, wie man den Begriff „Geben" erforschen kann. Wenn ich ihn nur aus meinem Willen zu empfangen heraus erforsche, was heißt dann „ich erforsche"? Wer erforscht dann?

Schüler: Es gibt die ganze Zeit die Versuchung, hineinzugehen, die ganze Zeit den Sog, in einen von beiden hineinzugehen – und dann vergisst man, wo man ist. Wie hält man diese neutrale Position?

Rav: Ich denke, das muss eine Handlung vor allem anderen sein. Das heißt, die Eigenschaften von Bina zu erlangen – nu, so wie das bei uns ist, ja? Die Eigenschaften von Bina erlangen, das heißt sozusagen in der Mitte zu sein, zwischen Keter und Malchut. Die Kraft des Gedankens zu erlangen, wenigstens die Kraft der Wahrnehmung – ich spreche nicht von der inneren Eigenschaft –, eine solche Kraft zu erlangen, dass ich mich zumindest zu diesen beiden Begriffen als zu mir fremden Begriffen verhalten kann, sowohl zum Willen zu empfangen als auch zum Willen zu geben.

39:24

Schüler: Und angenommen, man hat das von vornherein erlangt – wie verliert man danach, wenn schon etwas erwacht, nicht den Beobachtungspunkt und geht doch hinein?

Rav: Dann muss man prüfen und gut darauf achten, die ganze Zeit zwischen ihnen zu sein, in der mittleren Linie. Denn auch wenn du sozusagen hingehst und dich zum Begriff „des Gebens" als zu etwas Gutem verhältst – warum? Wenn du das nicht wieder als unbestechlicher Beobachter prüfst – wieso zieht dich das plötzlich an? Was ist die Größe des Schöpfers, die du hier klären sollst? Was geht es mich an, ob Er groß oder klein ist, ob Er herrscht oder nicht herrscht? Womit kauft Er mich damit – wieder über meinen Willen zu empfangen? Was prüfe ich denn, wenn ich sage, dass Er groß ist? Womit kann ich das prüfen? Dass Er unendlich, vollkommen, ewig ist – dass diese Dinge gut sind, verstehe ich.

Das heißt, hier fange ich an zu sehen, wie sehr mir jede innere Vorbereitung fehlt, Ihn von der Seite des Gebens her einzuschätzen – dass der Begriff des Gebens für mich unerreichbar ist. Denn alles, was ich prüfen gehe, prüfe ich von der Seite des Willens zu empfangen. Und das ist noch unter der Bedingung, dass ich mich mit Gewalt immer in die „Unabhängigkeit" stelle, weder in das eine noch in das andere.

Schüler: Und was dann? Zeigt die Klärung jedes Mal, wie abhängig man doch ist?

Rav: Nein, die Klärung zeigt mir, dass ich den Begriff des Gebens die ganze Zeit innerhalb des Willens zu empfangen kläre. Wenn ich mir sage, dass ich mich danach sehne, ja? – nach dem Geben: Wer sehnt sich denn? Das ist ein Zeichen, dass ich aus diesem neutralen Punkt herausgetreten bin.

Und gerade durch all diese Unterscheidungen komme ich in den Zustand, dass ich wirklich keinerlei Berührung, keine Erlangung, keine Wahrnehmung davon habe, was Geben ist. Und dann entsteht bei mir aus dieser Ablehnung⁷ des Begriffs „Geben" heraus trotzdem ein relatives Verhältnis zu ihm. Er beginnt sich mir dadurch zu klären, dass er sich von allen Dingen unterscheidet, die ich mir innerhalb meines Willens zu empfangen vorstellen kann.

Und daraus fange ich an, mich ihm gegenüber auf eine besondere, achtungsvolle Weise zu verhalten. Ich fange an, ihn wirklich als höher als mich einzuschätzen, als für mich nicht erfassbar. Das klärt sich unterwegs, ich weiß nicht – das sind schon Feinheiten der Forschungen des Menschen. Das ist keine Philosophie, das kommt wirklich aus seinem Empfinden und aus der Feinheit der Zustände. Und daraus kommt er in den menschlichen Zustand,⁸ in dem dieser Begriff ihm wirklich wichtig wird. Er versteht, dass er höher ist, dass er losgelöst ist, dass er in einer ganz anderen Dimension, in einem ganz anderen Raum ist als er selbst. Und er fängt an – nicht nur, dass er ihm wichtig ist –, er fängt an, ihn zu wollen. Und dann kommt er, kurz gesagt, zum Machsom.

Ja.

44:15

Schüler: Was ist dann dieser Zustand, der „lo liShma" heißt – dass ich Ihn aus dem lo liShma heraus will?

Rav: Genau diese Klärung: dass wir verstehen, dass wir uns im Willen zu empfangen befinden – so sehr wir auch nicht darin sein und nicht aus ihm heraus denken und verstehen wollen – und dass wir die ganze Zeit klären, dass wir trotzdem nur aus ihm heraus denken und forschen, ja? Dann heißt es, dass wir im Zustand lo liShma sind. Auch diesen Begriff „lo liShma" musst du nicht aus dem lo liShma heraus sehen, sondern von außerhalb – dann kannst du feststellen, dass es lo liShma ist.

Schüler: Nicht aus meinem Willen zu empfangen heraus?

Rav: Nicht aus der Absicht „um zu empfangen" heraus. Lass den Willen zu empfangen – die Absicht.

Ja.

Schüler: Ist dann die ganze Arbeit gegenüber dem Schöpfer die Arbeit am Verhältnis zu diesem Begriff des Gebens? Was sind dann all die Namen und Eigenschaften, die es in dieser Sache gibt?

Rav: Nu, das ist schon leicht. Die ganze Arbeit gegenüber dem Schöpfer ist unsere Arbeit gegenüber dem Begriff „Geben". Was sind all die Namen und was sind die Eigenschaften? Das ist genau das, was ich an diesem Begriff kläre – mehr gibt es nicht.

Weißt du was, mach … Willst du es leichter haben? Wirf die ganze Materie dieser Welt weg, nimm nur Kräfte. Dann hast du einfach die zwei Begriffe, „um zu empfangen" und „um zu geben", über dem Verlangen. Mehr gibt es nicht. Fang an, damit zu arbeiten. Die Materie verwirrt dich – lass sie, sie existiert nicht. Sagen wir, du setzt eine Brille auf, mit der du die Materie nicht siehst, sondern diese zwei Begriffe: dass die ganze Materie, die ganze Materie dieser Welt, im „um zu empfangen" arbeitet. Such, was das „um zu geben" ist, was „Geben" heißt.

Schüler: Also den Begriff nicht zu sehen … Können wir damit nicht erst anfangen, wenn die Dinge in Materie gekleidet sind? Wir kennen ja die Bedeutung davon nicht.

Rav: Nein, nein, nicht richtig.

Ja.

47:01

Schüler: Wo kommt hier die Verwirklichung des freien Willens hinein, worin?

Rav: Der freie Wille liegt in der Klärung dieses Begriffs – wenn ich wirklich wähle, zu klären, was Geben ist, ja? Den Begriff des Gebens klären kann ich nur in der Tat, an einem besonderen Gefäß, das „der Nächste" heißt und das in dieser Welt ist. An ihm kann ich sehen, wie weit ich darin bin oder nicht darin bin. Und wenn ich nicht darin bin: wie sehr mein Wille zu empfangen über mich herrscht, ja? Und wie fremd mir dieser Begriff „Geben" ist – ganz einfach.

Weißt du, was heißt „mir fremd"? Dass du irgendeinen Menschen nimmst, einfach von der Straße, und er herrscht über dich, anstatt dass du über dich selbst herrschst. Das ist es eigentlich. In unserer Welt können wir in diesen Kasten „Geben" nichts anderes hineinlegen als die Arbeit in der Gruppe – um das nützlich und schnell zu klären und genau auf dem Weg, Schritt für Schritt, zu unterscheiden, zu prüfen, zu klären und diesen Begriff „Geben" bei uns aufzubauen. Nicht ihn zu erlangen, sondern unser Verhältnis dazu aufzubauen. Woanders gibt es das nicht.

Ja.

Schüler: Wenn ich richtig verstanden habe: Es ist mein inneres Verhältnis zur Klärung des Begriffs „Geben", und Geben gibt es nur gegenüber dem Nächsten. Wenn ich darin bin, heißt das Verwirklichung des freien Willens. Das heißt, ich muss sozusagen gar nichts mit ihnen machen – ich mache etwas mit mir selbst, diese Klärung mit mir selbst, was Geben ist. Und weil man Geben nur gegenüber dem Nächsten klären kann: Wenn ich in dieser Klärung bin, heißt das Verwirklichung der Wahl?

Rav: Wenn du für dich schon feststellst, dass der Schöpfer Geben ist, und: diesen Begriff muss ich prüfen, ich muss ihn kennenlernen, ich muss mich ihm nähern, ich muss ihn erwerben, sodass dieser Begriff anstelle meiner ganzen Natur in mir der Einzige ist, der herrscht – und all das muss ich mit meinen eigenen Kräften tun. Wie führe ich das jetzt aus? Da sagt man mir: Dieser Begriff „Geben" kann für dich in der Gemeinschaft sein, in ein paar weiteren Menschen, die sich ebenfalls nach demselben Thema sehnen. Und in der gegenseitigen Arbeit unter euch könnt ihr ihn klären, sowohl von der guten als auch von der schlechten Seite, in allen möglichen Arten von Beziehungen.

Und warum musst du dir solche Freunde aussuchen, die sich ebenfalls wirklich, auf wahrhaftige Weise nach dem Begriff des Gebens sehnen – also aus den Schülern, die Kabbala lernen und zum Schöpfer kommen wollen? Weil ihr euch dann gemeinsam einer dem anderen helfen könnt, „einer helfe dem anderen", und jeder kann für den anderen ein Beispiel sein und auch das Gegenteil, und so weiter. Und jeder kann eine Kraft sein, eine Hilfe. In dieser Welt gibt es für dich keine andere Form voranzukommen, als den Nächsten als Ziel zu sehen. Und hier ist der Nächste zugleich einer, der dir helfen und für dich eine Quelle der Kräfte und der Unterstützung sein kann. 52:29

Sonst gehst du den Weg, von dem Baal HaSulam spricht: Früher hat sich ein Mensch, um zur Form des Gebens zu kommen, mit einem Bissen Brot mit Salz und Wasser begnügt, wirklich in einem Leben in Armut und Leiden, um seinem Willen zu empfangen nicht mehr zu geben als die Existenz, wirklich nur das Minimum. Und alles Übrige, was er hatte, verteilte er an alle, und so beschäftigte er sich mit dem Zerbrechen des Willens zu empfangen. Wenn du so gehen willst – bitte. Aber unser Wille zu empfangen kann durch solche Handlungen schon nicht mehr korrigiert werden; unsere Handlungen müssen schon über das Licht laufen, das zur Quelle zurückführt, nicht über sein Zerbrechen auf einer solchen Stufe.

Wärst du auf der Stufe der Awiut dort – Wurzel, eins –, dann würdest du dich so mit deinem Willen zu empfangen beschäftigen und ihn tatsächlich korrigieren. Aber mit der Stufe der Awiut, die wir in unserer Generation haben, sind wir dazu schon nicht mehr fähig. Und schon die Weisen der Gemara, und noch vor ihnen, haben uns das Umgebende Licht als Kraft zum Korrigieren bereitet – um den Begriff des Bösen überhaupt zu sehen und ihn zu korrigieren.

Deshalb hat man uns stattdessen das Licht gegeben, das zur Quelle zurückführt – anstatt alles an die Menschheit zu verteilen und zwanzig Stunden für die Menschheit zu arbeiten, ein Leben in Kummer und Armut zu führen und sich Tag und Nacht in der Tora zu mühen; all diese Dinge können wir nicht ausführen. 54:48

Es ist nicht so, dass es ein Ersatz dafür wäre, sondern die frühere Methode ist für unseren Zustand untauglich. Du kannst das nicht machen. Das sind entweder Umgangsformen⁹ … Bei ihnen ist der Wille zu empfangen klein, also machen sie es so und gehen in irgendein Nirwana. Aber mit einem großen Willen zu empfangen kann man das nicht machen. Und warum machen sie es überhaupt? Weil sie keine andere Möglichkeit haben. Hätten sie mehr als eine Tasse Reis am Tag, dann würden sie etwas anderes machen. All diese Methoden sind aus der Armut gewachsen, nicht aus der Notwendigkeit, zur Göttlichkeit zu kommen.

Ja.

**Frage:**¹⁰ Heißt das, dass den Leuten beim Kongress gestern genau dieser Kasten gefehlt hat, der „Geben" heißt? Wenn ich mich selbst nicht vor diesen Kasten stellen kann und jedes Mal ein ganzes System brauche, das mich immer wieder zurückbringt, mich damit auseinanderzusetzen, dann … Heißt das nicht, ihnen ein Hindernis in den Weg zu legen, wenn ich jetzt komme und dem Menschen gleich am Anfang diese Sache hinstelle, die „Geben" heißt?

Rav: Nein, nein, ich denke nicht, dass wir etwas verbergen müssen. Das heißt, die Frage ist so: Wenn ich zu einem Menschen komme, der wirklich neu ist, und ihm sage: „Mein Lieber, du musst zum Geben kommen, das heißt, dass du die anderen liebst und dich selbst wirklich hasst, und du sollst nur an sie denken, und über dich selbst sollst du froh sein, wenn du nicht fühlst"¹¹ und so weiter – lege ich damit dem, der anfängt, ein Hindernis in den Weg?

Zunächst einmal gehen wir so nicht vor, im Gegenteil: Wir sagen, dass Kabbala Herrschaft über das Schicksal ist und dass es einfach darum geht, den Leiden zu entkommen, also zu einem guten Leben zu kommen. Dann hört er alles innerhalb seines Egos – er hat ja nichts anderes, womit er hören könnte. Und wir unterstützen das sozusagen. Das ist es, was man sagt: Man muss den Frauen, den Kindern und den Sklaven das sagen, was sie aufzunehmen bereit sind, und danach nach und nach, bis sie zu größerer Weisheit gelangt sind, ihnen mehr und mehr öffnen – das heißt entsprechend der Bereitschaft, für das Erlangen der Wahrheit zu leiden.

Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite sehe ich, dass Baal HaSulam nicht weniger klug war als wir alle zusammen – aber was heißt hier „klug", er versteht diese Dinge von der Wurzel her. Und trotzdem hat er seinen ersten Artikel in seiner Wendung an das Volk, „Die Gabe der Tora", geschrieben und darin einfach gesagt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Er weicht nicht von der Wahrheit ab und setzt das als erste Bedingung noch vor den Artikel, nimmt es wirklich als Kopf des Artikels, in den Kopf des Artikels hinein: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst – eine große Regel in der Tora", und geht dann daran, es auszulegen. 58:21

Und noch einmal, ich sage dir: Dass wir sie und uns selbst jahrelang belügen, es sei nicht genau das, sondern Höhere Welten, den Schöpfer zu erlangen, dort in irgendwelchen Weiten zu schweben, in Fernen – ich denke, das zieht sich zu sehr in die Länge. Wir müssen diesen Prozess verkürzen. Das heißt, ein Mensch, der wirklich schon einige Monate im Lernen ist, muss anfangen, dazu eine gezieltere Klärung zu bekommen. Und dann soll er sich selbst prüfen – ja, nein – und sich die ganze Zeit damit auseinandersetzen. Sicher will er weglaufen, und mangels Alternative kommt er zurück und nimmt diesen Begriff irgendwie wieder als notwendig und verhasst an – alles richtig, aber er hat sich schon damit auseinandergesetzt. Und nicht, dass ich es ihm ins Gesicht werfe und ab morgen sage: „Entweder du nimmst das an, oder geh." So sage ich es ihm nicht, sondern ich sorge trotzdem dafür, dass diese Wahrheit die ganze Zeit vor ihm steht.

Schau, er wollte eine Zeitung herausgeben. Und in dieser Zeitung hat er „Die Gabe der Tora" und „Die Bürgschaft" geschrieben: dass wir jeden aus Israel lieben müssen und danach jeden auf der Welt, und dass es in unserer ganzen Arbeit nicht darum geht, stolz zu sein – Nationalismus, schreibt er dort –, sondern dass wir umgekehrt allen geben und die ganze Welt dazu bringen müssen, zur Korrektur zu kommen.

Nu.

Schüler: Aber man hat gesagt, er sei Kommunist …

Rav: Weil er Kommunist war?

Schüler: Nein, nein, ich sage, man hat es gedacht …

Rav: Wie haben sie es gemacht? Sie haben etwas gefunden … Darin sind sie groß: Dinge zu finden, um den Menschen vom Weg der Wahrheit abzubringen. Also was fragst du dazu?

Schüler: Nein, ich sage, sagen wir, auch uns könnte man falsch verstehen …

Rav: Nein, uns kann man nicht falsch verstehen, denn diese Sache ist klar und erfassbar, sie ist deshalb verbreitet, und wir müssen nur erklären, dass sie durchaus nicht uns gehört¹² und dass sie bei uns anders ausgelegt wird als bei den Kibbuzniks und dort bei den Kommunisten, die es schon nicht mehr gibt, Gott sei Dank. Du siehst, genau die sind von der Welt verschwunden. Und in „Die letzte Generation" schreibt er Dinge, die sozusagen noch härter sind – was in der Verwirklichung dieses Begriffs sein muss. Du kannst dem also nicht entkommen. Und außerdem: Wenn du nicht hingehst und es anderen erklärst, ist das ein Zeichen, dass du es dir selbst nicht erklärt hast.

Ja.

61:55

Schüler: Ist es richtig zu sagen, dass Geben über den Freund zum Schöpfer hin geschieht?

Rav: Richtig, da bist du angekommen, ja, schön. Geben über den Freund zum Schöpfer – genau das kann Geben sein. Nicht anders, denn sonst gibst du dem Schöpfer nicht; dann lügst du dir irgendwie vor, dass das Geben sei.

Ja.

Schüler: Und wenn ein Mensch plötzlich entdeckt, dass der Begriff des Gebens ihn wirklich abstößt …

Rav: Es ist sehr gut, dass er entdeckt, dass der Begriff des Gebens ihn abstößt. Er ist am Punkt der Wahrheit.

Schüler: Was macht er dann weiter damit?

Rav: Soll er weglaufen. Moment, ich verstehe dich nicht: Ist es besser, in der Lüge zu sein und nicht wegzulaufen? Oder in der Wahrheit zu sein und wegzulaufen? Die Wahrheit ist das Allerwichtigste. Nur: Diese Wahrheit muss man nach und nach öffnen. Man darf sie ihm nicht ins Gesicht sagen, „entweder so oder so", sondern nach und nach. Aber wir sehen, dass er wirklich mit diesem Begriff anfängt und ihn durch all das hindurchführt.

Und wir denken bei dem Material, das er geschrieben hat – „Talmud Esser haSfirot", „Sohar" mit dem Sulam-Kommentar –, dass das die Hauptsache ist. Das ist nicht die Hauptsache. Das ist eigentlich dazu da, das Umgebende Licht anzuziehen und diesen Begriff zu verwirklichen. Zu verwirklichen … gibt es vielleicht noch andere Wörter?

Schüler: Umsetzen.

Rav: Umsetzen, ihn ausführen, ja, ihn in uns umsetzen. Dafür müssen wir das ganze Material lesen, bla, bla, bla. Und wenn du anfängst, diesen Begriff wirklich an den Verlangen zu klären, dann schreibst du selbst den „Talmud Esser haSfirot". Du führst letztlich diesen Begriff aus, den Begriff des Gebens. Dann öffnet sich dir die spirituelle Welt, über die du schreiben wirst – über den Begriff des Gebens. Du wirst in den Wörtern des „Talmud Esser haSfirot" schreiben. Und du wirst die vier Sprachen haben, von denen er schreibt, die Sprache der Kabbala und all diese Dinge – über den Begriff des Gebens.

Ja.

64:10

Schüler: Was die Freunde eigentlich tun müssen – sie müssen mir sozusagen verbreiten, dass Geben die Wahrheit ist …

Rav: Dazu müssen wir verstehen, was die Arbeit in der Gruppe ist, ja, richtig, richtig. Ich hoffe, dass es uns in einem Monat, nach diesem ganzen Sukkot, leichter fallen wird, das zu verstehen. Ich hoffe, dass wir diesen Krisenpunkt gegenüber diesem Begriff überwinden.

Ja.

Schüler: Dann stellt sich also einfach heraus, dass wir die ganze Methode der Verbreitung ändern werden …

Rav: Nein, nein, wir werden die Methode der Verbreitung nicht ändern, Gott bewahre. Gott bewahre. Du wärst der letzte Dummkopf und ein Idiot, wenn du dich mitten auf die Straße stellst und rufst: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Man würde denken, du bist vielleicht ein Breslover, ich weiß nicht wer. Aber das ist völlig, völlig falsch.

Du musst dich auf den Menschen beziehen, auf seine Sehnsucht, auf seinen Punkt im Herzen – er sucht ja nicht das Geben. Er sucht etwas, von dem er nicht weiß, was es ist. Denn wenn der Schöpfer ihm enthüllen würde, dass dieser Punkt in seinem Herzen der Anfang des Begriffs „Geben" ist, dann würde der Mensch sich das Herz aufreißen und diesen Punkt einfach herausnehmen … Stell dir vor, egal mit welcher Handlung. Ich sage es dir.

Sondern nach und nach muss dieser Punkt wachsen und das ganze Herz einnehmen – aber das geht nach und nach. Nein, unsere Verbreitung ändert sich nicht. Wir können mehr darüber schreiben, aber nicht, dass wir müssten … Schau, wie sehr sein Artikel „Die Gabe der Tora" … Ihr habt diese Artikel zwanzig Mal gelesen, ihr habt Gespräche und irgendwelche Auslegungen dazu gehört – und jetzt plötzlich ist es, als würdest du sagen: Was will man mir da verkaufen? Als wärst du zum ersten Mal in diesem Laden. 66:23

Ich sage nicht, dass ich in der Verbreitung erfolgreich bin, aber sicher ist: Man muss sich zum Publikum verhalten wie zu einem Säugling, mit dem man nach und nach anfängt zu sprechen. Was sieht ein Kind? Oh, das ist ein Pilot. Ich will Pilot werden. Es versteht den ganzen Weg nicht, den es gehen muss: dass jetzt zwanzig Jahre Lernen vor ihm liegen, in der Schule und danach in allen möglichen Kursen. Und danach eine sehr harte Arbeit: Er sitzt einfach drinnen und führt die ganze Zeit Handlungen aus. Und nicht so eine Romantik, wie er sie sich denkt, und irgendwie … Wenn du ihm also nach und nach den Weg zeigst und was der Begriff „Pilot sein" wirklich bedeutet – was ist es dann letztlich? Wie ein Taxifahrer, nur ausgefeilter und ärmer dran. Das ist alles, ja, nu, ich kenne diese Arbeit ein bisschen.

Also führt man den Menschen nach und nach dahinein, damit er etwas ganz anderes einschätzen kann als den Punkt, den er jetzt darin sieht. Nicht denselben Punkt. Er sieht jetzt im Begriff „in der Spiritualität sein" eine Füllung für sein ganzes Ego. Und man muss das Gefäß völlig auswechseln und sich darüber freuen, dass man ein Gefäß des Gebens hat und dieses ganz füllt – und das heißt wirklich Spiritualität. Wie kann man jetzt über jenen Zustand sprechen? 68:21

Als ich zum ersten Mal zu einem Vortrag ging – vorher war ich Referent im Auftrag der Jewish Agency¹³ und habe überhaupt auf alle möglichen Weisen mit Publikum gearbeitet –, und als ich im Auftrag des Rebbe zu einem Vortrag nach Tel Aviv ging, da habe ich ihn gefragt; weißt du, es gibt eine Gelegenheit zu fragen. Er weiß, dass ich am Abend zu einem Vortrag gehe – da war irgendeine bucharische Synagoge, ich erinnere mich nicht, so etwas, und dort habe ich einen Vortrag gehalten –, und ich fragte ihn: Was soll ich ihnen sagen? Da schlug er „Das Wesen der Weisheit der Kabbala" auf und sagte: Du musst ihnen diesen Begriff erklären – dass die Weisheit der Kabbala die Enthüllung der Göttlichkeit an Seine Geschöpfe in dieser Welt ist und dass das zu ihrem Nutzen ist. Das war's.

Was heißt „Enthüllung der Göttlichkeit an das Geschöpf in dieser Welt"? Verstehst du, „Anfang und Ende widersprechen einander": diese Welt und die Enthüllung der Göttlichkeit. Kann man Göttlichkeit enthüllen, und wo – in dieser Welt? Das heißt dann doch schon Höhere Welt. Und was heißt genau „an Seine Geschöpfe", in welcher Form enthüllt Er sich? Öffnet sich der Himmel? In welcher Form sehe ich Ihn in meinem Herzen – keiner sieht, ich sehe?

Ich fing an, ihm alle möglichen Fragen zu stellen, und er sagt: Das werden sie nicht fragen, das werden sie nicht fragen. Du musst ihnen nur erklären, dass es zu ihrem Nutzen ist. Das war's. Und hör zu, das sagt ein Kabbalist, das …

Ja.

70:27

Schüler: Bis wann?

Rav: Was heißt bis wann – bis wann man so sprechen soll? Da müssen wir schon fühlen, wann wir mehr und mehr und mehr hinzufügen können. So wie Rambam schreibt: Am Anfang musst du das sagen, was sie zu hören bereit sind – kleine Kinder und Frauen und Sklaven –, und danach, bis sie zu größerer Weisheit gelangt sind, öffnet man ihnen dieses Geheimnis nach und nach, enthüllt man ihnen dieses Geheimnis nach und nach. Das ist entsprechend der Entwicklung. Und wir sehen an uns selbst, wie viel wir hören müssen, damit wir, nu, jetzt bereit sind, noch ein bisschen mehr zu hören.

Schüler:

Rav: Schau, noch einmal, ich kann dir nur eines sagen, so wie der Rebbe sagt. Ich habe erzählt, wie er plötzlich zu den Schülern von Rav Dessler sprach und ihnen ein bisschen Wahrheit öffnete – und sie sahen, dass sie überhaupt nicht darin sind und dass sie sich eigentlich umbringen und zerstören müssten, und was mit ihnen geschehen wird, und dass sie überhaupt falsch lernen, falsche Bücher, und in der Lüge sind. Wenn es also nicht der Stufe des Menschen entspricht, verschwindet es vor ihm, es gibt nichts, woran er sich festhalten kann. Deshalb geht es vorüber. Ihr seht das auch an uns: wie viel wir lernen und hören, und ein bisschen bleibt, etwas verändert, etwas verändert sich und wird in ein weiteres Gefäß aufgenommen.

Ja.

Schüler: Was ist die Füllung in den Gefäßen des Gebens?

Rav: Was die Füllung in den Gefäßen des Gebens ist? Das, womit sich das Gefäß des Gebens füllt, heißt der Schöpfer. Das war's. Wenn du wissen willst, wer der Schöpfer ist: Die Füllung im Gefäß des Gebens heißt Schöpfer.

Schüler: Womit kann ich fühlen …

Rav: Äh?

Schüler: In unseren Gefäßen, mit dem, was ich jetzt habe …

Rav: Womit du fühlen kannst? Soweit du Ihm in deinem Gefäß ähnlich wirst, ähnlich Ihm. Was heißt „Ihm"? Diesem Begriff, den du fühlen sollst.

73:16

Schüler: Vielleicht kann man so fragen: Eine Mutter, der ein Säugling geboren wurde, ja? Und sie fühlt das Leiden, dass der Säugling nicht bekommt¹⁴ – fühlt sie das in ihren Gefäßen des Gebens?

Rav: Nu?

Schüler: Ihre Füllung ist also das, was der Säugling bekommt – das ist die Füllung. Heißt dieser Begriff dann Schöpfer?

Rav: Wenn die Mutter sich zum Säugling wie zu einem fremden Körper verhalten würde – so sehr, dass es ihr innerhalb ihres Willens zu empfangen gleichgültig wäre, was mit ihm geschieht –, und sie würde ihm gegenüber einen Willen zu geben erwerben, ja? Wäre sie in Übereinstimmung mit dem Begriff des Gebens, ja? Dann würde sich ihr Begriff des Gebens mit der Füllung füllen, die „Liebe zum Nächsten" heißt – und diese Füllung heißt Schöpfer. Außer dem haben wir nichts; außer dem gibt es nur Sein Wesen. Was sich im Gefäß des Gebens enthüllt, das Höhere Licht – das heißt Schöpfer; darüber hinaus können wir nichts über Ihn sagen. Warum nennen wir Ihn „Geben"? Weil wir Ihn aus unserem Gefäß des Gebens heraus erfassen können.

Schüler: Ich habe eine riesige Begeisterung für etwas … was man macht und kann. Und da ist das Gefühl: Ich will das ausschütten.

Rav: Ja.

Schüler: Einfach ausschütten … wo ich bin, … darin.

Rav: Ja.

Schüler: Also dieser Begriff, dass ich das ausschütten will und mich nicht zurückhalten kann, weil es mich füllt, und ich es jemandem geben will – ist dieses Verhältnis, das, was ich ausschütten will, ein Gefäß des Gebens? Kann man das nicht so sagen? Und wenn ich es ausschütte, bin ich voll, werde ich gefüllt …

Rav: Du sagst: Ich habe ein Verhältnis zu einer Gruppe von Menschen oder zu meiner Gemeinschaft, ich will ihnen Gutes tun, und dadurch, dass ich ihnen Gutes tue, fühle ich mich selbst gut, ich fülle mich mit einem guten Gefühl. Heißt dieses Gefühl, mit dem ich mich fülle, „Schöpfer", ja? Unterm Strich das, was ich gesagt habe – du führst es also weiter, hab keine Angst, richtig?

76:05

Schüler: Ja.

Rav: Ja, das war's. Ich würde sagen: ja. In dem, dass du die Erhabenheit des Gebens an andere fühlst – das Leuchten, das du bekommst, ja? –, ist es ein spirituelles Leuchten. Zwar existiert es in den Gefäßen des Empfangens, zwar sind alle diese Begriffe noch im „um zu empfangen", aber sie entspringen der Zugehörigkeit – der Zugehörigkeit zu irgendeiner Korrektur, zu irgendeiner spirituellen Eigenschaft; sie gehören dazu. Und dann bekommst du dafür ein kleines Leuchten von Oben; diese Erhebung ist trotzdem eine Erhebung.

Du kannst sagen: Diese Erhebung kann es auch ganz ohne Gruppe geben, ohne Lernen, ohne alles – irgendeine Gruppe, ich weiß nicht was, eine Fußballgruppe, die einander geben will, die dort etwas gewinnen will, ich weiß nicht, ja? Richtig, auch sie haben eine Erhebung. Überhaupt: In jeder Gruppe, die an die Liebe zur Gruppe denken kann, wird es eine Erhebung gegenüber dem spirituellen Begriff geben. Aber bei uns ist es wirklich das Leuchten von Oben, weil wir letztlich auf den Begriff „um zu geben" im eigentlichen Sinn zugehen. Bei ihnen bringt ihre Arbeit sie also nicht zur Korrektur, und unsere Arbeit bringt uns sehr wohl zur Korrektur.

Und wir sehen, wie wir anfangen, diese Begriffe mehr zu verstehen und ihnen irgendwie zuzustimmen, und wie sie uns teurer werden und wir bereit sind zu leiden und sie auf uns zu nehmen. Und das ist es, was wir hoffen, dass es bei uns so sein wird. Wofür investieren wir jetzt? Damit uns der Begriff des Gebens in irgendeiner Form mehr einleuchtet – dafür sind wir bereit zu zahlen. Deshalb investieren wir jetzt so viel. Das war's.

Schüler: Wie fällt man dann aus diesem Zustand, aus der Erhebung … nicht in die Klipa? Da ist die Klipa, und sofort willst du Genuss empfangen …

Rav: Wie kann man in dieser Erhebung nicht in die Klipa fallen? Ich würde sagen: Wir werden sicher fallen, sicher werden wir fallen. Aber wenn ich auf meinem ganzen Weg eine Umgebung aufbaue, mit der wir gemeinsam gehen, dann habe ich keine Angst zu fallen. Ich habe Sicherheit, ich habe Unterstützer, ich habe einen Rahmen, der mich vorwärtszieht, auch wenn ich falle. Dann denke ich schon nicht mehr daran, an diese Zustände denke ich schon nicht mehr. Im Gegenteil, ich bin sozusagen sicher, dass ich auch in ihnen, wenn ich wirklich durchs Tal der Todesschatten gehe, ja? – „Ich fürchte kein Unglück, denn Du bist bei mir" –, so weiß ich, dass ich trotzdem vorankomme.

Das heißt, dieser Begriff, diese Arbeit umfasst alle Themen in sich. Das ist von allen Seiten so geschlossen, dass alle Fragen und Antworten drinnen sind – wir brauchen nichts von außen.

Nu, die letzte, ja.

80:10

Schüler: Was macht es für mich für einen Unterschied, ob es noch einen wie mich gibt, der diesen Begriff erforscht, oder hundert oder tausend? Was geht es mich an, wie viele solche wie ich diesen Begriff erforschen …?

Rav: Nein, es geht mich nichts an, dass noch ein paar solche wie ich den Begriff des Gebens erforschen. Aber wenn ich sie aus der ganzen Welt zusammensammle – diese Menschen, die sich ebenfalls nach Spiritualität sehnen, und zwar wirklich nach derselben Art von Spiritualität, nach der ich mich sehne. Wenn es all die gibt, die dort irgendeine besondere Methode suchen … Menschen verbinden sich entsprechend der Stufe der Awiut, ja? Entsprechend einer Sehnsucht bestimmter Art, aus einer bestimmten Stufe der Awiut. So gibt es welche, die alle nach Indien fahren – nicht alle, eine bestimmte Gruppe –, eine andere Gruppe geht zum Veganismus, eine andere dort zum Healing, und noch weitere Gruppen aller Art, ja? Methoden – und alle denken, das sei Spiritualität.

Und ich suche meine eigene Gruppe. Wenn ich meine eigene Gruppe finde – was ist daran gut? Gut ist, dass ich an ihnen den Begriff „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" klären und verwirklichen kann, dass ich mehr oder weniger sicher sein kann, dass ich diesen Begriff verstehe und erforsche. Ich habe niemanden sonst, nur sie. Und ich kann ihn verwirklichen, ich kann mich durch ihn schon an den Schöpfer wenden. Was heißt „sich an den Schöpfer wenden"? Wenn ich dieses Gesetz an ihnen auf richtige Weise verwirkliche, kleidet sich der Schöpfer schon in mich ein.

Wenn ich ein Gefäß des Gebens gegenüber dem Nächsten erlange, dann muss ich Ihm gegenüber keine besondere Handlung machen, das muss ich nicht. Das ist eigentlich das Gefäß, in dem ich schon einen Siwug de Hakaa mit dem Höheren Licht mache. Das ist ein und dasselbe – nur ist der Schöpfer das Allgemeine, und dieses Gefäß sind die Einzelheiten. Aber es gibt hier, wie soll ich sagen, nicht einmal so etwas wie zwei Stufen. Das ist ein und dasselbe, ja? Das Licht, das sich in das Gefäß des Gebens an den Nächsten einkleidet, heißt Schöpfer.

Das heißt: Wenn ich ein Gefäß habe, dessen Teile Geben an den Nächsten sind – das heißt, dieses Gefäß verbindet sich mit allen übrigen Seelen von Adam HaRishon, und in diesem Gefäß gibt es schon Geben an den Nächsten, also „um zu geben" –, was brauche ich dann mehr? Ich habe alles erlangt, jetzt muss ich einen Siwug de Hakaa mit dem Höheren Licht machen. Der Schirm ist schon da.

Nu.

83:24

Schüler: Sie haben gestern gesagt, dass, wenn es zehn Menschen gäbe, die das wirklich wollen, nichts sie aufhalten würde. Was macht es für einen Unterschied, ob es zehn sind oder einer oder zwei?

Rav: Wie viele Menschen? Bei einem oder zweien verwischt sich der Begriff des Gebens zu sehr. Es müssen doch nahe an einem Minjan sein, denn sonst, bei einem oder zweien, kannst du sie wie dich selbst aufnehmen – sie werden dir zu nah.

Ja.

Schüler: Das heißt, wir forschen auf dem Weg der Elimination: Ich prüfe „Ist das Geben?", ich versuche es zu fassen – „ah, das ist es nicht. Ah, ist das Geben? Das ist es nicht" –, ja, und die Gemeinschaft hilft dabei?

Rav: Darüber sprechen wir noch. Nu, lasst uns lernen.

(Ende des Unterrichts)