10 - 17 октомври 2003

Sukkot 2003, lesson 4

Sukkot 2003, lesson 4

Episode 4|12 окт 2003
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Dieses Transkript wurde mithilfe KI aus dem russischen Original übersetzt, ergänzende Prüfung gegen das Transkript der hebräischen Übersetzung und nicht redaktionell bearbeitet.
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Tägliche Lektion, 12. Oktober 2003
Sukkot¹ 2003, Lektion 4
https://kabbalahmedia.info/ru/lessons/cu/0j0AANc9?c=Fsv0OJDD&mediaType=video

Rav: [nur hebr. Fassung: Wir lernen die Weisheit der Kabbala. Das ist eine Weisheit für unsere Empfindungen. Es gibt Zustände, in denen der Mensch nichts fühlt, also nichts Spirituelles. In unserer Welt gibt es außer den Kabbalisten auch andere Menschen. Es gibt Menschen, die sich gleichzeitig in dieser Welt und in der spirituellen Welt fühlen.

Das heißt, sie sehen die spirituelle Welt durch diese Welt hindurch: durch ihre Umgebung, die Atmosphäre, die Menschen, die Gemeinschaft², überhaupt die ganze Wirklichkeit. Und es gibt einen Zustand, in dem der Mensch diese Welt nicht fühlt, sondern nur die Höhere Welt. Das ist vor seinem Dasein im Körper und nach seinem Austritt aus dem Körper.

Nicht zu existieren ist unmöglich. Sich nirgendwo zu befinden ist unmöglich. Das gab es nie, und das wird es nie geben. Wenn wir von etwas als einem Prozess sprechen, der mit der Zeit fortschreitet, dann ist das alles relativ zu unseren Empfindungen. Wir müssen uns eine Art Kreislauf der Ereignisse vorstellen.

Deshalb können wir immer nur über das sprechen, was wir fühlen und empfinden. Das ist das, was das Gefäß von seinem höchsten Zustand bis zu seinem niedrigsten fühlt, dann wieder bis zum höchsten und so weiter, also das ganze Spektrum unserer Möglichkeiten und Zustände. Es gibt dabei keine Ablehnung³, keine Schöpfung, nichts. Ein Teil dieser Übergänge⁴ von einem Zustand in eine andere Empfindung hängt von uns ab, und ein Teil dieser Veränderungen hängt nicht von uns ab. Von uns hängt die Geschwindigkeit des Übergangs von einem Zustand zum anderen ab, also die Beschleunigung oder Verlangsamung. Von uns hängt auch ab, auf welche Weise wir das fühlen, was über uns geschieht.

Die Kabbala lehrt uns also das Empfinden der Seele, des Gefäßes. Sie lehrt ihre unendliche Existenz, aber in verschiedenen Zuständen: Entweder fühlt die Seele sowohl diese Welt als auch die spirituelle Welt, oder nur diese Welt, oder nur die spirituelle Welt. Aus diesen zwei Zuständen ergeben sich drei Möglichkeiten: diese Welt, die spirituelle Welt oder beide zu fühlen.

Der niedrigste Zustand ist eigentlich, wenn man nur diese Welt fühlt. Auch diese Welt kann man auf verschiedene Weise fühlen. Wir verstehen nicht, woher die Empfindungen kommen. Wir wissen nicht, wie die besten Empfindungen in dieser Welt und die Ursache all dieser Zustände von uns abhängen, von unseren Eigenschaften, von unserer Haltung zur Welt. Wir wissen nicht, wie wir sie irgendwie lenken können, also wie wir mit unseren Empfindungen unser Schicksal lenken, unsere Existenz.

Die Kabbala lehrt uns, wie man sich auf den Zustand ausrichten kann, in dem man die höchste Empfindung fühlt, den höchsten Zustand. Darauf müssen wir uns ausrichten. Jeder Kontakt, die ganze Arbeit des Menschen mit sich selbst, seine ganze Arbeit in der Welt, alles, was mit ihm geschieht: All das dient nur dazu, sich auf die Empfindung des höchsten Zustands vorzubereiten.

Wenn der Mensch anfängt, in diese Weisheit, in diese Wissenschaft hineinzukommen, fängt er an zu fühlen und zu verstehen, dass eigentlich alles darin enthalten ist. Das ist das Wichtigste, und außer dem existiert nichts. Es gibt nur mich, der sich selbst in der Welt fühlt, und das hängt nur von mir ab: wie ich mich vorbereite, um …]

Diese Welt heißt „meine Empfindung". Sie kann alle Welten und die Welt Ejn Sof umfassen, alles Mögliche. Trotzdem heißt meine Empfindung „meine Welt". Wie mache ich meine Empfindungen allumfassend, sodass ich den ganzen Umfang der Schöpfung fühle, der „Schöpfer" genannt wird?

Fühlen kann man, wie ich schon sagte, unbewusst. Dann sagt man vom Menschen: „Er existiert in seinen fünf natürlichen Sinnen." Er hat sie nicht erfunden, nicht erworben, und er lenkt sie nicht. Sie werden ihm für eine gewisse Zeit gegeben. Während er in diesen Sinnen existiert, soll er die Möglichkeit bekommen, durch eigene Anstrengung zur Empfindung einer höheren Existenz zu kommen.

Und dann soll er nicht nur zu ihr kommen, sondern sie ganz erschließen. Das heißt: Dass die Seele, dass wir uns nur in der Höheren Welt befinden und nur die Höhere Welt fühlen, ist natürlich. Das ist vor unserer Geburt und nach unserem Tod in dieser Welt so.

Auch die Empfindung unserer Welt ist natürlich, von unserer Geburt bis zu unserem Tod. Aber diese Welt und die Höhere Welt gleichzeitig zu fühlen, das müssen wir mit eigenen Anstrengungen erreichen. Dafür gibt es all diese Zustände.

Aber wozu braucht man das überhaupt? Wir existieren eine gewisse Zeit in der Höheren Welt, in ihrer Empfindung, und eine gewisse Zeit in unserer Welt, in unserer Empfindung. Was macht es für einen Unterschied, beide Welten noch gleichzeitig zu fühlen, die eine durch die andere? Wozu soll man dafür besondere Anstrengungen machen?

Die zwei Grenzzustände, also die äußersten, sind diese Welt oder die spirituelle Welt. Sie fühlen wir nicht nach eigener Wahl. Uns wird entweder der eine oder der andere Zustand gegeben. Die Seele ist außerhalb des Körpers in völliger Dwekut mit dem Schöpfer, wie ein Punkt in Ihm. Plötzlich verschwindet diese Empfindung des Punktes im Schöpfer. Dann findet sich die Seele in den Empfindungen eines gewöhnlichen Menschen in dieser Welt wieder, ohne zu wissen und ohne sich vorzustellen, wo, was … Einfach so: Bumm! Und fertig.

(03:22) Natürlich nicht „bumm", sondern allmählich. Der Mensch wird geboren, und er hat keine Erinnerungen. Es gibt nichts, was ihm irgendwie von einer anderen Existenz erzählen würde. Was gibt uns das gleichzeitige Erreichen beider Welten?

Die Seele ist als Punkt erschaffen. Das „Ich", unsere Empfindung überhaupt, ist ein Punkt, der entweder den Schöpfer fühlt oder Sein Gegenteil, die völlige Verhüllung. Wir wollen den Zustand erreichen, in dem wir dem Schöpfer völlig gleich sind. Das heißt, wir wollen die ganze Schöpfung vollständig fühlen und in unseren Empfindungen zu einer Existenz der Ewigkeit und Vollkommenheit kommen. Das geht nur, wenn wir uns anstrengen, aus diesem Punkt ein Gefäß zu machen. Und zwar müssen wir es in völlig freiem Willen erschaffen, also unter bestimmten Umständen.

Genau diese bestimmten Umstände, alle auf bestimmte Weise zusammengestellt, mit uns darin, heißen „diese Welt". Um den Punkt herum ist absichtlich eine solche Atmosphäre, Umgebung, ein solches Umfeld geschaffen, dass er das fühlt, was wir fühlen und „diese Welt" („unsere Welt") nennen. Denn aus diesem Zustand kann man auf die optimalste, einzig mögliche Weise aus dem Punkt einen Parzuf machen, also ein Gefäß, das dem Schöpfer gleich ist.

Die Wissenschaft der Kabbala spricht darüber, wie dieses Gefäß entsteht. Was machen wir dabei, was müssen wir ausführen? Im Grunde müssen wir uns auf die Wahrnehmung der Höheren Welt einstellen, noch bevor wir in ihr sind.

Das machen wir auf alle möglichen Weisen: durch das Lernen, die Arbeit in der Gruppe, alle möglichen Handlungen in unserer Welt. Wir richten die Absicht darauf, uns dieser Empfindung des spirituellen Zustands zu nähern. Wenn wir das tun, rufen wir diesen Zustand schon von dort auf uns herab. Wir werden sozusagen durch unser Verlangen zu ihm hingezogen. Diese Handlung heißt das Herbeirufen des Or Makif, das uns reinigt und zum Höheren Zustand hinaufzieht.

Das sind unbewusste Handlungen: Der Mensch handelt, weil man es ihm gesagt hat. Er glaubt dem, was die Kabbalisten sagen, und tut, was sie ihm raten. Man muss also lernen, und dann lerne ich, auch wenn ich keine Lust habe, auch wenn ich nicht verstehe und keinen Zusammenhang sehe. Beim Lernen denke ich an die Wissenschaft und stelle sie mir als eine von mir getrennte Wissenschaft vor. Ich sehe sie nicht als etwas, das ich innerlich erleben muss, wodurch ich irgendwelche Handlungen in mir hervorbringen muss. Nein, der Mensch kann sich zur Wissenschaft wie zu etwas völlig Fremdem verhalten.

(08:08) Außerdem gibt es andere Handlungen in der Gruppe, Handlungen mit den Freunden. Man sagt es ihm, und er will es überhaupt nicht, aber es muss sein. Er versucht, mechanisch etwas zu machen, irgendwie gemeinsam mit ihnen etwas zu tun. Dabei ist jedem von uns klar, dass jeder ein Individualist ist. Wenn er mit den anderen zusammenkommt, dann schafft man eben eine angenehme Atmosphäre, damit es für alle interessant ist. Im Leben gibt es ja nicht so viel Angenehmes und Interessantes, also kommen wir zusammen und machen es uns angenehm. Aber kommen wir zusammen, weil es uns angenehm ist, oder damit es eine Handlung ist, die uns erhebt?

Kurz: Hier gibt es sehr viele Probleme. Wie verhält man sich überhaupt zu allem? Wie stellt man sich genau darauf ein, das Höhere, also das Or Makif, auf sich zu ziehen? Letztlich rufen all diese Handlungen das Or Makif auf uns herab.

Es gibt aber noch eine andere Arbeit. Der Mensch fängt an, sich aus sich selbst heraus sozusagen auf eine höhere Stufe zu heben. Er zieht nicht das Höhere Licht von oben herab, sondern zieht sich selbst zur Höheren Stufe hinauf. Diese Arbeit heißt Angleichung: Es sind Versuche, sich der Höheren Stufe anzugleichen, dem spirituellen Zustand.

Woher können wir diese Vorbilder nehmen? Aus dem, was uns die Kabbalisten schreiben. Sie sagen uns, dass das Spirituelle das völlige Heraustreten aus dem eigenen „Ich" ist. Das ist so, wie der Mensch beim Sterben aus seinem Körper heraustritt und der Körper zurückbleibt. Was danach mit dem Körper geschieht, wissen wir alle genau: Er gehört überhaupt nicht mehr zur Seele. Es ist nichts mehr in ihm, er wird zu Erdenstaub, die Seele aber existiert weiter.

So müssen auch wir ganz aus unserem „Ich" heraustreten. Wir müssen uns in alle anderen hineinversetzen und nur in ihnen existieren: in ihren Verlangen, ihrem Streben, ihren Gedanken, ohne überhaupt an uns zu denken. So schreibt Baal HaSulam im „Artikel zum Abschluss des Buches Sohar", dass der Schöpfer nicht an Sich denkt, ob Er existiert oder nicht. Eine solche Frage wird nicht einmal gestellt.

Das heißt: Mich gibt es nicht, mein „Ich" gibt es nicht. Was heißt schon, ob ich existiere oder nicht? So ist es auch beim Menschen. Will er den Machsom passieren, muss er eine solche Handlung an sich machen: Ich existiere nicht, ich bin außerhalb, draußen, ich trete aus mir heraus.

Über diese Methode, sich der Höheren Stufe zu nähern und ihr anzugleichen, sprechen und schreiben die Kabbalisten nicht viel. Denn hier besteht die Gefahr, dass die Menschen in alle möglichen Fantasien und Illusionen abgleiten. Sie stellen sich dann vor, sie schwebten schon irgendwo dort, wer weiß wo und wie.

(12:24) Solche Vorstellungen kann man sich nur gleichzeitig mit Handlungen in der Gruppe machen, nur zusammen mit Handlungen mit den Freunden, in gemeinsamen Handlungen … Einfach so dazusitzen und über diese Themen zu fantasieren, wird nicht empfohlen. Das wäre eine von der Wirklichkeit losgelöste Handlung, die euch wer weiß wohin mitreißt. Und wo ihr euch dann wiederfindet, weiß niemand.

Aber sich vorzustellen, dass man aus seinem „Ich" heraustritt, ist die allererste Übung, die wir haben können. Das heißt: Ich existiere nicht, ich bin in den Gedanken und Verlangen der anderen und handle nur nach ihren Gedanken und Verlangen. Sobald der Mensch eine solche Handlung an sich anfangen kann, fängt er an, die anderen zu fühlen und nicht sich selbst. Er sieht, das heißt, er fühlt deutlich in der ganzen Welt eine Einzige Kraft, die alle um ihn herum lenkt.

Warum fängt er an, das zu fühlen? Weil er aus sich herausgetreten ist und sich in diese Kraft eingeschlossen hat, mit Ihr zusammen. Er ist mit Ihr verschmolzen und hat sich an Sie angepasst, denn Ihre erste Eigenschaft ist ebenfalls das Fehlen des „Ich". Der Mensch sieht, dass überhaupt alle in der Welt einfach nur einen einzigen Gedanken ausführen. Das gilt für absolut alle Menschen: Bösewichte und Gerechte, Begabte und Dumme, Wilde und Zivilisierte, egal wer und wie.

In niemandem entsteht überhaupt ein eigener persönlicher Wille⁵, eine eigene persönliche Bewegung. Alles wird nur von einem Gedanken bestimmt, von einem Plan, der einfach wie ein Feld in der Welt ist. Und alle, wirklich alle bewegen sich nur ihm entsprechend.

Was heißt „ihm entsprechend"? Jeder ist ein Mechanismus, der im Zustand maximaler Sättigung bei minimalem Aufwand arbeitet. Dieser Mechanismus nimmt jedes Mal automatisch seinen Platz ein und handelt entsprechend diesem Feld.

Dieses Feld heißt „Schöpfer". Genauer gesagt ist es noch nicht der Schöpfer, sondern die Erscheinung Seiner Lenkung gegenüber allen, die sich in dieser Welt befinden. Der Mensch fängt an zu sehen, wie alles nur nach einem Gesetz handelt, nur nach einer Regel, nur nach einem Gedanken des Willens. Nachdem er sein „Ich" verloren hat, verschmilzt er weiter mit diesem Gedanken, mit diesem Willen, und will weiter in dieses Feld des Schöpfers hineingehen. Soweit er das tut, fängt er an zu sehen, wie sich alles zu seinem Wohl wendet. Das gilt nicht einfach ihm gegenüber, da ändert sich natürlich nichts. Er sieht vielmehr in Wirklichkeit, wie gut es ist. In ihm entsteht ein Gedanke, und er sieht, dass alle anderen Menschen diesen Gedanken ausführen. Denn der Gedanke entsteht in ihm im Einklang mit dem Schöpfer, mit diesem Feld. Er verschmilzt mit diesem Feld, mit dem Schöpfer, und sieht, wie alles um ihn herum … Plötzlich kommt ein Mensch auf ihn zu, tut dort plötzlich etwas. Dann sieht er, wie in der Welt alles seinetwegen und für ihn geschieht, absolut alles in der Welt.

(17:08) Mit den Augen sieht er, dass etwas schlecht getan wird. Aber er versteht, dass es nicht schlecht ist und dass man es in den Zuständen, in denen die Menschen sind, nicht anders machen kann. Deshalb auf keinen Fall … Er billigt und versteht sie so sehr, dass er nichts entgegensetzen könnte, auch wenn sich ihm jetzt jemand nähern und, sagen wir, sein Leben bedrohen würde. So sehr verliert der Mensch sein „Ich" und fühlt, dass alles um ihn herum absolut richtig und korrekt geschieht.

Ich nehme solche extremen Beispiele. Sie sind uns noch nicht ganz verständlich, aber sie sollen uns ein wenig verstehen lassen, was es überhaupt heißt, ein kleines Stück über den Machsom hinauszutreten. Damit wir diesen Grenzübergang von dort hierher und zurück irgendwie ein wenig fühlen können.

Man kann hin und auch zurück gehen. Diese Möglichkeit hat der Mensch, es gibt eine solche Zeit, und überhaupt können Kabbalisten alles. Wer auf einer höheren Stufe ist, kann mit sich immer eine Regression machen und sich herabsetzen. So kann er sich mit allen anderen vergleichen, auf derselben Ebene sein wie sie, mit ihnen in Kontakt treten und ihnen helfen.

Im Prinzip gilt für jede höhere Stufe: Wenn der Mensch sie erreicht, existiert sie in ihm. Er erreicht sie nur dazu, all dieses Licht nach unten weiterzuleiten und alle zu sich emporzuheben. Und dann kommt der nächste Aufstieg, und wieder zieht er alle nach Möglichkeit nach oben. Das ist die natürliche Eigenschaft jeder höheren Stufe, deshalb handelt hier jeder Kabbalist so.

Wozu brauchen wir das? Wir versuchen, in der Gruppe und beim Lernen nach Möglichkeit solche Zustände in uns nachzubilden, ohne damit irgendwohin abzuheben, als wären wir schon im Spirituellen … Wir müssen klar verstehen, dass wir nicht dort sind, aber gern dort wären.

Das ist, wie ich immer sage, wie bei einem Kind, das mit Spielzeug spielt. Wir alle verstehen, dass es dadurch wächst, und nehmen seine Spiele sehr ernst. Wir versuchen, dem Kind die besten Spiele zu kaufen, die es am meisten fördern und zu seinem Alter passen. Sie sollen nicht zu schwer für das Kind sein, damit es sich harmonisch entwickelt, jedes Mal höher und höher.

Genau so müssen auch wir es machen. Wir müssen in uns alle möglichen künftigen Zustände nachbilden. Dadurch, dass wir in ihnen sein wollen, wird das wie das Erheben von MaN sein, wie das Erheben unserer Verlangen nach oben zur nächsten Stufe. Dementsprechend wird das Höhere Licht herabkommen und uns hinaufziehen. Außer dem Lernen und allen möglichen Handlungen braucht es also auch noch diese Handlung.

Nur schreiben die Kabbalisten, ich wiederhole es, nicht viel darüber. Gewöhnlich macht man das nur als Lehrer mit dem Schüler, unter vier Augen mit dem Schüler oder mit einer kleinen Gruppe von Schülern. Eine solche Gruppe kann man lenken und ihren Zustand wirklich kontrollieren. So verschlägt es sie nicht irgendwohin bei all ihren noch völlig unbewussten, von ihnen nicht kontrollierten Handlungen. Und sie machen sich keine dummen Illusionen, dass sie schon irgendwo dort sind und so weiter.

Damit wir uns diese Zustände ein wenig vorstellen können – ich habe schon gestern darüber gesprochen … Lesen wir dann das hier. Ihr habt es wahrscheinlich schon gelesen, aber lesen wir es zusammen: „Machsom, willkommen!" Wer hat es? Einer unserer Schüler hat mir an Jom Kippur eine Frage gestellt, und danach habe ich diese Seite geschrieben.

(22:45) Was ist das für ein Zustand, wenn der Mensch sich in der Grenzschicht befindet? Die Frage lautete: Habe ich den Machsom passiert oder nicht? Welche Zustände entstehen, damit ich mich kontrollieren kann und weiß, ob ich schon dort bin oder noch hier?

Wir sprechen nicht davon, dass sich die Himmel öffnen, dass irgendwelche Kräfte erscheinen, Blitze, was weiß ich, plötzlich Engel und so weiter. Wir sprechen nur von unserer inneren Empfindung. Uns enthüllt sich zusätzlich eine tiefere Sicht der Schöpfung jenseits der Grenzen, die wir sehen, in die Tiefe. Wir sehen die Kräfte, die sie lenken, die allgemeine Kraft, den allgemeinen Gedanken, den Plan, den Willen. Wie fühlen wir das?

Zu Beginn muss man warnen: Natürlich entstehen im Menschen seine inneren subjektiven Empfindungen, draußen aber ändert sich nichts. Die Welt bleibt, wie sie ist. Sie ahnt nicht, dass jemand von ihren Bewohnern auf die Stufe der direkten Verbindung mit dem Schöpfer kommt.

So schreibt der Rambam: „Olam ke-Minhago noheg"⁶. Das heißt, die Welt existiert weiter wie jetzt. Und das schreibt er über Gmar Tikun, den allerletzten Punkt der Korrektur. Dann erreicht nicht nur ein Mensch, sondern überhaupt alle Menschen ihren letzten, höchsten Punkt der Existenz, den ewigen, vollkommenen.

Trotzdem existiert unsere Welt weiter. Sie kommt uns so mangelhaft vor, so nichtig, so schmutzig, überhaupt unglaublich klein und erdrückend. In Wirklichkeit werden wir aber sehen, dass es ganz und gar nicht so ist. Unsere Empfindung wird sich verändern.

Also: Um den Menschen herum ändert sich nichts. Es ändert sich seine Weltsicht, seine Empfindung. Der Übergang über den Machsom selbst besteht aus mehreren Etappen, und zwar schwankt er. Der Mensch ist mal über seinem Egoismus, mal darunter, und so mehrmals im Wechsel.

Hier hatte ich eine Frage. Ich habe einmal gesagt, dass man den Machsom passiert und es dann keinen Weg zurück gibt. Das ist richtig. Wer schon eine Stufe bekommt und sie erreicht, bei dem existiert sie schon. Er kann zurückgehen, mal mehr, mal weniger. Aber diese Schwankungen dienen dazu, dass er seinen ganzen Egoismus durcharbeitet und seinen ganzen Egoismus durch den Machsom führt.

Es gibt also nicht zehn Übergänge über den Machsom, aber der Zustand selbst schwankt so: dort und hier, dort und hier. Und dann geschieht der endgültige, vollständige Durchbruch. Das ist wie die Schwankungen, die in Ägypten beschrieben werden, die mit Paro geschahen, mit dem Pharao: die zehn Plagen und so weiter bis zum Durchzug durch … wie heißt es, Jam Suf⁷? Das Rote Meer. Ja, auf Hebräisch ist es das „Meer des Endes", nicht das Rote, sondern das Meer des Endes: Jam Suf, von Sof. Ejn Sof ist die Unendlichkeit. Sof ist Endlichkeit, Ende. Das Meer heißt also Jam Suf.

Du durchquerst das Meer des Endes und kommst damit in die spirituelle Welt hinaus, das ist das Rote Meer. Dem Menschen wird gezeigt, wie sich die Welt verändert, und dann muss er selbst solche Übungen machen. Mit Willenskraft und innerer Anspannung muss er hineingehen. Er muss versuchen, aus sich, aus seinem „Ich" herauszutreten und sich an diese Empfindung anzuschließen, an den allgemeinen Gedanken des Schöpfers.

(27:24) Zu Beginn des Übergangs über den Machsom kann man den Zustand des Menschen mit jemandem vergleichen, der im Wasser ist. Einmal ist er unter der Wasseroberfläche. Dann taucht er in die Verlangen und Gedanken nur unserer Welt ein: über sich, für sich, und über andere mit dem Gedanken, wie man sie für sich ausnutzen kann.

Das ist das, was wir denken: „Wir müssten für die Gruppe arbeiten, wir müssten uns mit den Freunden verbinden, man müsste dies, man müsste lernen, man müsste das." Und wozu muss man das? Damit ich vorankomme. Dieser Zustand heißt „unter dem Machsom", und darin sind auch wir.

Der zweite Zustand ist, wenn er sozusagen über der Wasseroberfläche ist. Dann versteht er, dass alle Egoisten sind, wie Kinder, weil der Schöpfer sie so erschaffen hat. Sie sind nicht schuld, sie handeln bewusst⁸ genau so, wie sie handeln. Und deshalb ist der Schöpfer ihnen gegenüber absolut nachsichtig, denn Er selbst hat sie ja so erschaffen.

Wer den Machsom passiert und sich über ihn erhebt wie über die Wasseroberfläche, fängt an, in sich zu fühlen, dass er allen Gutes und Hilfe wünscht. Er fühlt in sich das Bedürfnis, sich zu allen so zu verhalten, wie der Schöpfer sich zu ihnen verhält. Denn sich über den Machsom zu erheben bedeutet Verschmelzung mit den Gedanken des Schöpfers, Angleichung an sie.

Dann fängt er an, den Schöpfer zu bitten, Er möge ihm zeigen, wie Er sich zur Menschheit und zu den Menschen verhält, um Ihm immer mehr gleich zu werden. Er will immer höher aufsteigen, aber nicht um des Aufsteigens willen. Er will die Gedanken, die Pläne und das Verhalten des Schöpfers gegenüber der ganzen Menschheit rechtfertigen.

Er fängt an, in sich die Notwendigkeit zu fühlen, zu rechtfertigen. Er fürchtet, dass er noch nicht versteht, noch nicht erkennt und nicht vollständig verstehen kann, wie der Schöpfer sich zu allen verhält. Er fürchtet, dass er irgendwo vielleicht nicht mit Ihm einverstanden sein wird.

Das ist ein Zustand, in dem der Mensch nach dem Machsom schon eine größere Enthüllung des Schöpfers will. Das geschieht nicht, damit es ihm angenehm ist zu sehen, wie sich alles in der Welt nach einem System bewegt, sondern um den Schöpfer zu rechtfertigen. Und nicht für sich, denn ich kann nicht rechtfertigen, wie ich bin. Er will rechtfertigen, weil er damit dem Schöpfer Freude bereitet.

Auch in diesem Zustand, wenn der Mensch schon nach dem Machsom ist, gibt es mehrere Zwischenzustände. Sie sind halbegoistisch und liegen während des Machsom. Ihr wisst: Nachdem sie das Rote Meer, das Meer des Endes, durchquert hatten, waren sie noch drei Tage in Sinai. Das kommt vom Wort „Sina", „Hass". Und sie kamen an den Berg Sinai. Stellt euch vor, was das ist: „der Berg des Hasses". Und „Berg" (Har) kommt von „Hirhurim"⁹, das sind Zweifel, die im Menschen aufkommen.

Er ist unter all diesen Zweifeln und kann sich nicht vorstellen, wie er sich überhaupt daran anpassen kann, an das, was er sieht. Er weiß nicht, woher er einen solchen Zustand haben kann, solche Kräfte, ein solches Verlangen, einen solchen Druck von innen, mit dem Schöpfer zu verschmelzen.

Nur einer seiner Punkte steigt letztlich auf diesen Berg, über all diese Zweifel, über all seine noch egoistischen Verlangen. Nur dort, über ihnen, hat er Kontakt mit dem Schöpfer. Also fängt der Mensch allmählich an, den Schöpfer zu bitten, Er möge ihm zeigen, wie der Schöpfer Selbst sich zu den Menschen verhält. Das Verhalten des Schöpfers zu den Menschen sind die Gebote (Mizwot) des Schöpfers. Deshalb werden wir Ihm gleich, indem wir sie erfüllen.

(32:16) Was sind also Gebote? Gebote sind das richtige Verhalten aus dem eigenen Egoismus heraus gegenüber der gesamten Schöpfung. Ich bitte also den Schöpfer, als stünde ich neben Ihm, wie wir dieses Beispiel schon besprochen haben. Ich bin ein absolut selbstständiger Punkt, der schon aus sich herausgetreten ist, und deshalb bin ich selbstständig. Vor dem Machsom dagegen war ich unselbstständig, in den Egoismus eingetaucht, in seiner Macht. Jetzt, nach dem Machsom, bin ich ein Punkt, der vom egoistischen Einfluss auf mich selbstständig ist. Und deshalb fange ich an, den Schöpfer zu bitten: „Zeig mir, wie Du Dich zu ihnen verhältst."

„Zu ihnen" heißt zur ganzen Menschheit. Sie ist eine absolut einheitliche Masse, ein Gefäß, das aus 620 Verlangen besteht. So wie der Schöpfer sich zu jedem ihrer Verlangen verhält, fange ich an zu versuchen, mich genauso wie Er zu verhalten. Das bedeutet, dass ich die 620 Gebote erfülle.

Mein richtiges Verhalten zu ihren 620 Verlangen ist die Erfüllung eines Gebots. Das heißt: Ich nehme jedes Verlangen als meines, will seine Erfüllung und verhalte mich altruistisch zu ihm. So erfülle ich nach und nach die 613¹⁰ Gebote. Ich nehme jedes dieser Verlangen in mich auf und fülle es, um sie zu füllen.

So fülle ich durch mich alle Seelen. Das gibt mir die Möglichkeit, mich mit ihnen zu verbinden und mit ihnen zu verschmelzen. So bilde ich dieses gewaltige, durch meine Mühe erarbeitete Gefäß, das aus allen Seelen besteht und „Adam", „Mensch", heißt. Soweit ich diese Verlangen an mich anschließe und sie durch mich fülle, werde ich dem Schöpfer gleich und verschmelze mit Ihm.

Und davor? Bevor ich all das getan habe, und das wird mein Gmar Tikun sein, entsteht das Gefühl der Scham. Scham ist, wenn du anderen nicht in die Augen sehen kannst. Du fühlst, dass du ein Egoist bist und alle deine Gedanken dir gelten und nicht ihnen. Genau in der Grenzschicht des Übergangs über den Machsom fängt der Mensch an, das zu fühlen. Er schämt sich, die anderen anzusehen. Und das hängt überhaupt nicht davon ab, wer die anderen sind.

Sie können die allerletzten Bösewichte sein, das ist unwichtig. Sie führen ja automatisch den Willen des Schöpfers aus. Der Mensch bestimmt sie nicht mehr als Bösewichte, als Gute oder Schlechte. Er sieht sie alle als kleine Kinder, die einfach das ausführen, was die Natur ihnen diktiert.

Er selbst aber hat angefangen, sein „Ich" zu fühlen, diesen unabhängigen Punkt. Deshalb fängt er jetzt an, sein Verhältnis zu den anderen als konsumierend zu fühlen, als Verlangen, jeden Einzelnen auszunutzen. Und genau da schämt er sich. Genau hier fängt er an, sich zu kontrollieren. Hier bekommt er endlich die Möglichkeit, sich zu kontrollieren, also dieses Schamgefühl zu vermeiden.

Fühlst du ein wenig Scham, dann verstehst du, woran du arbeiten musst, wohin du dich erheben musst und so weiter. Das Schamgefühl ist also erwünscht. Es ist sozusagen der Ausgangspunkt, von dem aus ich mich weiter erheben kann, noch weiter erheben, noch weiter vorankommen in den Bereich des Schöpfers.

(36:54) Aber das Gefühl ist absolut deutlich. Wenn du irgendjemanden ansiehst, fängst du einfach an, dich zu schämen, warum du dich egoistisch zu ihm verhalten willst. Du schämst dich, warum du dich nicht um ihn kümmerst und nicht ganz und gar nur an ihn denkst. Das entsteht im Menschen absolut, sozusagen notwendigerweise, entsprechend dieser Stufe des Übergangs über den Machsom. Und es hängt nicht von irgendwelchem inneren Druck oder von seinen Fantasien ab.

Die Einwirkung des Lichts selbst, die Erscheinung des Schöpfers in uns beim Übergang über den Machsom, ruft dieses Gefühl in uns hervor. Das Erscheinen des Gebenden, Seine Offenbarung, das Fühlen Seiner Eigenschaft ruft im Menschen ganz natürlich das Gefühl der eigenen Gegensätzlichkeit hervor. Dieses Gefühl heißt „Scham". Und es ist völlig unwichtig, ob alle anderen Egoisten sind oder nicht. Du weißt: Vor dem Schöpfer bist du verpflichtet, du bist erschaffen, nur an sie zu denken. Und du bist anders, nicht wie sie.

Es gibt also keine Möglichkeit zu sagen: „Ich bin wie alle. Alle sind so." Denn alle sind nicht so. Alle stehen unter der automatischen Lenkung des Schöpfers, unterhalb des Machsom, und in ihnen gibt es keinen selbstständigen Punkt. In dir dagegen entsteht dieses Gefühl, soweit dieser Punkt jetzt wächst: die Scham und das Bedürfnis, dem Schöpfer gleich zu werden.

Zum Beispiel fühlt sich eine Mutter gegenüber ihren Kindern als Egoistin. Sie macht sich dafür Vorwürfe, verachtet und hasst sich. Natürlich verlangt sie dabei vom Kind nicht, dass es sich zu ihr so verhält wie sie zu ihm. So fühlt sich der Mensch, wenn er den Machsom passiert: gegenüber allen, gegenüber der ganzen Menschheit. Er fühlt, dass er sich so zu ihnen verhalten muss.

Wenn nicht, dann ist das umgekehrte Gefühl Scham. Dabei verurteilst du weder die Freunde noch die ganze Menschheit für ihren Egoismus. Natürlich sind sie Egoisten, sie sind so erschaffen und müssen so sein, weil der Schöpfer sie so erschaffen hat. Eine Mutter verlangt ja auch von den Kindern nicht, Altruisten zu sein und sie zu lieben. Du aber fühlst dich verpflichtet, anders zu sein und an alle zu denken. Und solange du nicht so bist, schämst du dich, den Freunden in die Augen zu sehen.

Wenigstens dieser Satz muss schon heute unser Schlüsselsatz sein, unsere Schlüsselregel: „Ich schäme mich, den Freunden in die Augen zu sehen, weil ich sie für mich ausnutzen will." Wir müssen versuchen, wirklich ein solches Gefühl in uns zu finden.

Ich bin ein Egoist, richtig. Ich bin so erschaffen, auch richtig, das hat der Schöpfer Selbst in mir erschaffen. Natürlich ist das so. Aber ich muss versuchen, diesen Punkt der Scham in mir zu finden. Ich sehe jeden um mich herum daraufhin an, wie ich ihn verwerten und für mich ausnutzen kann, für mein eigenes Wohlergehen, für meinen eigenen Aufstieg. Ich bin bereit, auf ihn zu treten, um höher zu steigen. Das ist absolut das Gegenteil dessen, was ich eigentlich tun muss.

Also muss „Ich schäme mich, den Freunden in die Augen zu sehen" in uns künstlich kultiviert werden. Aber dieses künstlich in uns hervorgerufene Gefühl wird bewirken, dass das Höhere Licht auf uns erscheint. Ich lese euch nicht einfach so vor, was über dem Machsom geschieht. Ich will euch damit zeigen: Stellt euch vor, dass ihr sozusagen schon darüber seid. Nur hebt dabei nicht in euren Fantasien ab, sondern tut es in euren Handlungen zueinander.

(41:31) Dann ruft ihr ein gewaltiges Or Makif auf euch herab, und es wird euch wirklich nach oben ziehen. Das bewirke nicht ich, nicht das Lernen selbst, nicht eure Haltung, nicht die Arbeit, nicht eure Fantasien. Nein, das durch all das herbeigerufene Or Makif wird uns nach oben heben. Sich aber diese Grenzzustände vorzustellen und sie anzustreben, das ist das Wichtigste.

Im Prinzip wird das alles in den Artikeln, in den Briefen, im Talmud Esser haSefirot beschrieben. Nur versuchen wir jetzt, all das deutlicher und lebendiger zu erzählen. So können wir es uns jetzt irgendwie in der Handlung vorstellen und nachbilden.

Ich mache jetzt dasselbe wie Baal HaSulam, Rabash und alle anderen Kabbalisten, nur in einer zugänglicheren Sprache. Ich erkläre, was das für Zustände sind, die wir anstreben müssen. Soweit wir sie anstreben, lesen wir dafür diese ganze Literatur und arbeiten dafür in der Gruppe. Wir schaffen darin eine solche künstliche Atmosphäre der Liebe zum Freund, um uns ein wenig dem anzugleichen, was über dem Machsom ist. Soweit uns das gelingt, leuchtet das Höhere Licht auf uns.

Was ich heute sage, geht also absolut in dieselbe Richtung. Ich stelle euch die ganz konkreten Punkte, an die wir uns halten müssen, nur vielleicht plastischer und klarer vor. Wir können heute anfangen, das zu tun und hier in uns umzusetzen, sodass jeder innerlich damit herumgeht. Wenn wir das tun, werden wir innerhalb weniger Tage fühlen, wo wir schon sind.

Das wird dann kein gespielter Zustand mehr sein. Dann wird das von uns herbeigerufene Or Makif das wirklich in uns hervorbringen. Allmählich aber bezieht sich die Rechnung immer mehr nicht auf die Menschen, sondern auf den Schöpfer.

Das ist schon die nächste Etappe. Man schämt sich, den Freunden in die Augen zu sehen, und versucht, auf eine solche Ebene zu kommen, auf der der Mensch sich schon im Übergang über den Machsom fühlt. Dann ist er sozusagen schon von seinem „Ich" getrennt und denkt nicht an sein „Ich" und an seine Existenz, also ob ich existiere oder nicht, was mit mir wird. Er lebt in den anderen. Dann bezieht sich die Rechnung allmählich immer mehr nicht einmal auf die anderen Menschen. Indem er sich in sie einschließt, fühlt er durch sie schon den Schöpfer, diesen allgemeinen, alles erfüllenden Gedanken.

Dann beziehen sich seine Rechnungen nur noch auf den Schöpfer: Er will Ihm gleich werden, und zwar passiv. Alles, was der Schöpfer offenbart, will er in ein reines, vom Egoismus leeres Herz aufnehmen. Es bleibt also nur ein einziges Verlangen: vom Schöpfer erfüllt zu werden.

Was heißt „Erfüllung"? Allmähliche Reinigung, Anpassung aller eigenen Verlangen daran, alles zu fühlen und sich zu allem zu verhalten, und immer weiter aus dem Zustand vor dem Machsom nach vorn herauszutreten. Man fühlt, dass man anderen nichts Schlechtes antun kann¹¹. Das geht so weit, dass sich der Mensch nach irdischen Maßstäben willenlos und kraftlos fühlt.

Früher konnte er kämpfen, schlagen, fordern und befehlen, für sich. Er konnte sich alle unterwerfen¹², für sich. Gleichzeitig aber entdeckt er plötzlich, dass keine Gewalt nötig ist. Das ist nicht im Rahmen unserer Gruppe gemeint, sondern höher, wenn er die ganze Menschheit betrachtet. Gerade eine solche gewaltlose Haltung zur Welt wendet die Welt ihm zu, und zwar von ihrer wohlwollendsten Seite.

Und alles fügt sich. Plötzlich zeigt sich, dass alle das ausführen, was der Schöpfer in sie hineinlegt. Und alle sind wohlwollend. So schreibt es Baal HaSulam im Artikel „Enthüllung und Verhüllung des Schöpfers" („Verhüllung und Enthüllung des Angesichts des Schöpfers"). Das ist unser nächster Artikel. Eure Fragen?

Schüler: (46:46) Was macht man mit der Scham, die entsteht, wenn man sieht, dass das in der Gruppe gespielt wird?

Rav: Mir ist egal, dass es gespielt ist! Völlig! Ich mache jetzt mit den Freunden bestimmte Übungen, ich trainiere mit ihnen. Sobald wir in diesen Übungen bereit sind, kommt das Or Makif im Maß dieser Übungen auf uns herab. Soweit wir trainieren, vervollkommnen wir uns. Wir fangen an, immer mehr alle möglichen … zu fühlen. Wir bekommen in dieser Empfindung irgendwelche neuen Gefühle, irgendwelche Verbindungen. Wir spielen also nicht einfach so. Durch dieses Spiel erwerben wir letztlich die notwendigen Eigenschaften. Wir fangen an, in uns zu verstehen und zu fühlen, wo ich bin, wo die Gruppe ist, wo der Schöpfer ist, wo all das ist. Wir fangen an, in uns schon die Voraussetzungen für das künftige Gefäß zu schaffen.

Das ist kein bloßes Spiel und keine bloße Lüge, sondern ein spezielles Training. Es ist noch kein echter Zustand, aber wir wollen darin sein. Und was glaubst du, was „Erheben von MaN" heißt? Alijat MaN ist das Erheben des Verlangens, an dem in den Höheren Welten ständig die Korrektur geschieht.

Auch in der Höheren Welt bin ich auf einer bestimmten Stufe und will auf eine höhere steigen. Solange ich nicht auf sie gestiegen bin, existiert sie für mich überhaupt nicht. Sie ist für mich sogar umgekehrt, denn die ACHaP, die Rückseite der Höheren Stufe, sind in mir. Und auch da muss ich spielen. Das heißt „im Glauben über dem Verstand gehen": entgegen meinen heutigen Eigenschaften, Verlangen, Absichten und Gedanken, entgegen allem, was in mir ist.

Entgegen all dem muss ich mir die Höhere Stufe vorstellen. Und was heißt vorstellen? „Ja, dort ist es schön"? Soll ich es mir so vorstellen? Nein. Vorstellen heißt, dass ich sie in mir nachbilden muss. Ich muss wie ein Kind anfangen. Es lebt, und es kommt ihm vor, als sei es wie ein Erwachsener, obwohl es mit Spielzeug spielt. Aber nein: Für das Kind ist das echt, das sind echte Objekte.

Mein Rav hat immer folgendes Beispiel gebracht. Meine älteste Tochter war damals klein, fünf, sechs Jahre, und spielte mit seiner Enkelin mit Puppen. Sie spielten oft in unserer Nähe und störten uns. Und er brachte immer das Beispiel: „Schau, schlag ihr vor, sich mit einem kleinen Kind zu beschäftigen. Ihre Mutter ruft sie und sagt: ‚Da ist ein Neugeborenes. Setz dich zu ihm, gib ihm den Schnuller, wenn er herausfällt, spiel ein bisschen mit ihm.' Wird sie mit ihm spielen wollen? Sie wird sagen: ‚Die Puppe, das ist das Kind. Mit ihr, das ist für mich echt. Und das kleine Kind, das ist für die Mama. Ich verstehe dieses kleine Kind nicht.'"

Jedes Alter, jedes Wachstum, jede Stufe hat also ihre Objekte, an denen der Mensch sich verwirklichen und emporheben muss. Wenn wir uns also mit diesen Spielzeugen beschäftigen und spielen, ist das in Wirklichkeit kein Spiel. Damit passen wir uns an die Höhere Stufe an. Indem wir uns der Höheren Stufe angleichen, rufen wir damit das Or Makif auf uns herab.

Sonst wird es nicht … Licht kann nur innen oder außen sein. Wenn ich ihm gleich werden will, es aber noch nicht bin, leuchtet es von fern. Wenn ich schon für es bereit bin, ihm gleich geworden bin, dann tritt es ein. Wie kann ich es also von fern auf mich herabrufen? Nur im Maß meines Verlangens, Ihm gleich zu sein. Nur im Maß des Verlangens, der Höheren Stufe gleich zu werden.

(51:30) Das sind alle unsere Spiele, das, was ich sage: Versucht, euch beim Blick auf die anderen zu schämen, dass ihr Egoisten seid. Versucht, irgendeine gegenseitige Liebe, gegenseitiges Interesse, gegenseitige Hilfe und so weiter zu zeigen. Deshalb ist das alles natürlich ein Spiel, eine Lüge, etwas Künstliches, das wir in uns erschaffen. In unserer Gruppe ist das alles künstlich!

Wir sagen, dass wir damit den Schöpfer erreichen wollen. Ich will damit auf egoistische Weise den Schöpfer erreichen. Ich kann das in mir nicht überwinden, das ist meine Stufe. Aber ich bilde eine solche Gruppe nach und baue sie auf, in der diese künstlichen Beziehungen wenigstens ein wenig den natürlichen Beziehungen auf einer höheren Stufe gleichen. Dann kommt das Höhere Licht, das Or Makif, auf mich herab. Ich fühle es nicht, aber danach fühle ich sein Wirken, weil ich mich verändere.

An meinen Veränderungen kann ich sagen: Ja, ich habe irgendwelche richtigen Anstrengungen gemacht, und das Licht hat auf mich gewirkt. Das sehe ich nur an seiner Einwirkung, nur an seinem Wirken, an den Ergebnissen. Eine andere Möglichkeit, sich auf die höhere Stufe hinaufzuziehen, gibt es nicht. Das heißt „im Glauben über dem Verstand gehen".

„Im Glauben" heißt: Ich versuche, aus mir einen größeren Altruisten zu machen. Das heißt „Glaube", die Eigenschaft von Bina. „Über dem Verstand" heißt über meinem „Ich", über meinem Verständnis, über dem, wer ich in Wirklichkeit bin, sozusagen mit geschlossenen Augen.

Ich schaue also nicht darauf, wer wir sind, was wir sind. Wir schaffen jetzt eine künstliche Gemeinschaft. Wir ziehen uns hinauf und spielen, als wären wir auf einer höheren Stufe. Und wir ziehen so viel Or Makif auf uns, dass es uns wirklich auf diese höhere Stufe hebt.

Das wollen wir jetzt verwirklichen. Deshalb sind diese Übungen wie Sport. Du kannst vor Wettkämpfen auch sagen: „Was machen die da, die spielen gegeneinander. Sie müssen doch gegen den echten Gegner spielen, dort!" Nein, auch in der Armee und überall, wo du willst, gibt es ohne Übungen nichts … Das kommt aus der spirituellen Wurzel.

Deshalb geschieht alles in unserem Leben nur durch solche gespielten Übungen: Erfolge und Aufstiege, worin auch immer. Und alles geschieht nur mit Hilfe des Höheren Lichts. Auch die Fußballspieler wollen besser spielen, sie wollen den Gegner überspielen. Durch dieses Verlangen rufen sie das Herabkommen des Höheren Lichts auf sich herab und verbessern deshalb ihre Ergebnisse, worin auch immer. Das ist ein und dasselbe Gesetz.

Nur sind wir sozusagen in seiner maximalen Verwirklichung: Wir wollen die höhere Stufe in reiner Form. Wir wollen nicht irgendwie bessere Fußballspieler oder sonst etwas werden. Wir wollen diese höhere Stufe in reiner Form bekommen und passen uns deshalb jetzt an sie an.

Schüler: (54:56) … wie verändert sich das Handeln, der Eintritt selbst …

Rav: Wenn ich anfange, alle anderen als völlig in der Macht des Schöpfers zu fühlen, wie verändern sich dann meine Handlungen? Es gibt äußere und innere Handlungen. Ich erzähle dir nur, was ich erzählen kann. Das ist eine sehr heikle Frage.

In einem selbst entsteht natürlich, dem Schöpfer entsprechend, Liebe und Verständnis. Man verhält sich zu den anderen wie zu völlig unbelebten Geschöpfen, also zu solchen, die unter der vollständigen Kontrolle der Natur stehen. Wir denken ja, dass Pflanzen eine gewisse Selbstständigkeit haben, Tiere erst recht, nicht wahr? Ein Hund springt mich an, und ich ärgere mich über ihn. Und wenn mir ein Stein auf den Kopf fällt, ärgere ich mich dann über den Stein?

Uns scheint, dass ein beseelteres Geschöpf in seinen Handlungen einen gewissen freien Willen hat. Und der Mensch erst recht: „Oho! Da legt sich einer mit mir an, dem zeig ich's! Wie kann er es wagen!" Und so weiter. Das ist kein Zufall, denn wir sind selbst auf einer solchen Ebene: Domem, Zomeach, Chaj, Medaber¹³, die unbelebte, pflanzliche, tierische und menschliche Natur in unserer Welt.

Uns scheint, dass gerade hier all diese Abstufungen existieren und dass es einen freien Willen gibt und so weiter. Wir sehen diese Welt falsch. Wenn du dich von deinem „Ich" losreißt und Freiheit von deinem „Ich" entsteht, dann siehst du: Alle, die darunter sind, sind sozusagen in der vollständigen Macht der Natur oder des Schöpfers. Sag es, wie du willst, das ist egal.

Deshalb hast du erstens überhaupt kein Verhältnis zu ihnen als zu etwas Selbstständigem. Na ja, dort töten Araber Juden, die sprengen dies und das, die tun Gutes, die tun Schlechtes, die tun mit jenen noch etwas. Jeder Mensch tut es in sich oder mit den anderen … Du empfindest keinerlei Gefühle, weder gute noch schlechte. Du siehst einfach, wie das allgemeine Feld die Menschen bewegt¹⁴. Das geht bis dahin, dass in dir ein Gedanke auftaucht und du siehst, wie die Menschen ihn ausführen.

Wenn das dein Gedanke ist und du über dem Machsom bist, ist er dem Schöpfer entsprechend korrigiert. Er entsteht in dir, weil du dich Ihm in gewissem Maß angeglichen hast. In diesem Maß hast du dich in den Gedanken des Schöpfers eingeschlossen und siehst, wie alle anderen diesen Gedanken ausführen. So siehst du im Prinzip alle als korrigiert.

Du kannst sagen, dass sie nicht in ihrem freien Zustand existieren? Ja, aber in ihrem Nullzustand, unterhalb der Ebene des Machsom, sind sie alle korrigiert. Was heißt korrigiert? Sie führen unbewusst das Programm der Schöpfung aus. Und da fängst du an zu fühlen: Und ich? Ich nicht.

Und wo ist mein „Ich"? Nicht das, von dem ich mich getrennt habe, sondern das, das ich jetzt erwerben muss, das dem Schöpfer gleich ist? Genau da fängst du an, mit dir zu arbeiten. Dir wird Egoismus hinzugefügt, du fängst an … Das sind schon spirituelle Stufen.

Was wolltest du also dazu fragen?

Schüler: (59:46) Wie verändern sich … in den eigenen Handlungen …

Rav: Die Handlungen gegenüber dem Schöpfer, das ist klar. Und gegenüber der Gruppe? Die Gruppe sieht nichts. Frag die Leute, die bei meinem Rav waren, heute leben noch viele Hunderte von ihnen. Sie werden sagen: „Da war nichts!"

Er war ein alter Mann, so untersetzt, stämmig, ja? Ständig lief er, ruhig gehen konnte er nicht. Er sprach „brrrp!", so schnell. Wenn er telefonierte, dauerte das ganze Gespräch zehn oder fünfzehn Sekunden. Ja, nein, fertig. Nicht einmal „Guten Tag" oder „Auf Wiedersehen", fertig. Ihr werdet später verstehen, dass jedes überflüssige Wort oder überhaupt etwas Überflüssiges unerträglich ist. Es gilt einfach als schädlich.

Äußerlich war ihm überhaupt nichts anzusehen. Er regte sich auf, augenblicklich, noch schlimmer als ich. Aber später lernte er, sich zurückzuhalten, und sagte: „Ich habe keine Kraft mehr!" Dabei hatte er eigentlich Kraft. Am Ende hatte er es einfach gelernt.

Man sagt, dass er bis etwa 70 überhaupt unerträglich war, damals war ich noch nicht da. Ich kam zu ihm, als er 75 war, 72, 73 Jahre. Man sagt: „Du hättest ihn noch zwei Jahre vorher sehen sollen." Na ja, man sieht überhaupt nichts.

Und warum sollte man etwas sehen? Er ist dir gegenüber ja auf derselben Ebene wie du, um mit dir in Kontakt zu kommen. Anders kann er nicht mit dir umgehen. Nur alle möglichen Magier und Zauberer, oder wer dich mit irgendwelchen Wundern bezaubern will, die machen etwas aus sich.

Das ist wie eine Mutter mit ihrem Kind. Sie steigt auf die Ebene des Kindes hinab, plappert mit ihm und spielt mit ihm. Und das Kind fühlt in ihr nicht die Mutter, sondern eine Partnerin, eine Spielkameradin. Natürlich gibt sie ihm Hinweise und hilft ihm, aber im Großen und Ganzen ist sie auf dieser kleinen, niedrigen Ebene. Sie bestraft, sie ermutigt: Alles entspricht also der Stufe.

Genauso ist es auf den spirituellen Stufen. Auf welcher Stufe du auch bist, die höhere Stufe steigt immer nach unten hinab. Sie wendet der niedrigeren Stufe sogar ihre Rückseite zu, „Achoraim", und zeigt sich von einer unschönen, unangenehmen Seite. Du fängst an, in dir Egoismus zu fühlen, weil dort durch die Rückseite der höheren Stufe das Licht verhüllt wird.

Du gehst durch einen nicht sehr guten Zustand. Der Schöpfer zeigt dir, und Er fängt immer so an: „Und es wurde Abend, und es wurde Morgen, ein Tag." Eine neue Stufe fängt also immer mit der Erschaffung des Gefäßes an, und das sind unangenehme Zustände. Da wird wieder alles aufgewühlt: die Linke Linie, Egoismus, Nacht, Abend und so weiter.

Deshalb kann sich auch ein Kabbalist nicht wie irgendein … anstelle des Schöpfers verhalten. Der Schöpfer ist verborgen, bestraft uns und führt uns in all diese unguten Zustände. Und der Kabbalist soll ein netter Onkel sein, der uns hilft, uns das alles verbessert, ja, irgendwie unser Leben verschönert?

Wieso denn? Im Gegenteil! Neben ihm muss es noch schlimmer sein, weil er dich gezielter auf diesen Weg führen will. So läufst du nicht weg und verwischst ihn nicht. Das Verhältnis dessen, der den Machsom passiert oder passiert hat, zu den Freunden ist also praktisch dasselbe wie vorher.

(01:04:33) Er wird kein besonderes Beispiel geben. Er handelt genauso wie sie und wird nicht auffallen. Und noch einmal … Versteht mich: Ich habe keine Angst, es zu sagen, und ich schäme mich nicht. Was jetzt geschehen wird, weiß ich nicht. Kein einziger Kabbalist … Ihr wisst ja, wir lesen letztlich viel kabbalistische Literatur. Sie alle haben ein wenig unterschiedlich vorhergesagt, was sein wird und wie es sein wird, unseren Zustand, unseren heutigen Zustand in der Welt.

Wir sind die Ersten, die Wegbereiter in dieser Sache. Bevor es sich in unsere Welt einkleidet, ist es unmöglich zu sagen, wie es geschehen wird. Wir wissen nur, oder ich weiß nur, wie Einzelne, Individuen, hindurchgehen, nicht Gruppen in großer Zahl.

Jetzt muss eine Gruppe in großer Zahl diesen Übergang machen. Na ja, ich weiß nicht, nicht 500 Menschen, sondern 50, aber diese Gruppe muss diesen Übergang machen. Anders wird es nicht sein. Das habe ich schon genau erforscht, ich sehe und fühle es. Und es hängt natürlich davon ab … Wer wirklich an sich arbeiten wird, aus denen wird sich diese Gruppe zusammensetzen.

Vielleicht sind es zwei aus Amerika, 15 aus Russland, ein paar aus Kaliningrad, Kirowograd, aus Israel noch zehn und so weiter. Das ist unwichtig. Das wird „Gruppe" heißen, aber es muss eine Gruppe sein. Wie das genau geschehen wird, weiß ich nicht.

Ich kann mir alles Mögliche ausmalen und vermuten, aber das hat sich in unserer Welt noch nie in der Tat eingekleidet. Deshalb kann kein einziger Kabbalist jemals vorhersagen, wie es sein wird, wenn etwas Ähnliches in der Welt noch nicht geschehen ist. Das kann auch der größte nicht, ich habe das bei meinem Rav gesehen. Das ist eine völlig neue Handlung, und wir können Schlüsse nur aus dem ziehen, was sich verwirklicht hat, was schon in uns ist. Alles, was man sich angeblich vorstellt, ist unzuverlässig.

Das lernen wir auch in der „Einleitung zum Buch Sohar". Dort steht, dass es die Materie gibt, dann die „Zura", wie sagt man, die Form in der Materie, dann die abstrakte Form und das Wesen. Das Buch Sohar spricht nur über die Materie und über die Form, die sich in die Materie eingekleidet hat. Über die abstrakte Form spricht das Buch Sohar nicht, und überhaupt kein Kabbalist. Denn was sich nicht in die Materie eingekleidet hat, ist alles Fantasie, und niemand … Wenn du anfängst, dich mit der echten Wissenschaft der Kabbala zu beschäftigen, fängst du einfach an, das zu meiden, zu hassen und zu verachten. Das ist Philosophie. Das ist … Leere.

Im Gegenteil, all diese Erfindungen führen dich nur in die Irre, wer weiß wohin. Sie können dich noch für ein paar tausend Jahre irgendwohin abführen. Oder du wirst wieder irgendwelche Kommunismen bauen, egal was, wer weiß was. Du holst dir nur Beulen. Deshalb weiß ich nicht, wie es sich verwirklichen wird, und ich kann es nicht sagen.

Ja, Schenja?

Schüler: (01:08:28) Sie haben über den zweiten Teil der Arbeit gesprochen. Es gibt einen ersten Teil, das sind mechanische Handlungen, und der zweite Teil ist …

Rav: Nein. Der erste Teil der Arbeit und der zweite Teil der Arbeit … Der erste Teil der Arbeit sind keine mechanischen Handlungen. Der erste Teil der Arbeit ist, wenn wir lernen, zusammen Mahlzeiten … ja? Ich weiß nicht, wie man sagt …

Zwischenruf: Tafeln.

Rav: Tafeln, ja. Gut …

(Lachen im Saal)

Zwischenruf: Gemeinsam tafeln.

Rav: Gemeinsam tafeln. Gut. Weiter: Wir arbeiten und machen irgendwelche gemeinsamen Gruppenhandlungen. Das reicht vom Lernen über Lieder, Mahlzeiten und Arbeit bis natürlich zur Verbreitung und allem anderen, alles, was es gibt. Und wir versuchen, das so gemeinschaftlich wie möglich zu machen. Dabei wissen wir genau, dass wir durch diese Handlungen das Or Makif herbeirufen. Das müssen wir verstehen, und diesen Gedanken, dieses Ergebnis müssen wir verfolgen. Wenn wir das machen, heißt das „der erste Teil der Arbeit".

Der zweite Teil der Arbeit ist, wenn wir uns sozusagen auf einer höheren Stufe vorstellen, schon über dem Machsom. Wir versuchen, solche Umstände und solche, wie sagt man, nun … Beziehungen zwischen uns nachzubilden und in die Gruppe einzuführen, in all unsere Beziehungen untereinander. Der erste Teil ist also, wenn wir auf unserer Ebene das Höhere Licht anziehen wollen. Der zweite ist, wenn wir versuchen, einer höheren Ebene gleich zu sein, und auch dadurch das Höhere Licht anziehen.

Das sind zwei Teile, so, wie ich es hier gezeichnet habe: ein bisschen unter Wasser, ein bisschen über Wasser. Man kann es sich so und so vorstellen, und es ist wünschenswert, sich so und so dazu zu verhalten. Denn sonst kannst du abdriften und anfangen zu fantasieren, dass du schon irgendwo dort bist: „Wir sind schon da, überhaupt ist es zwischen uns schon dort!…"¹⁵

Schüler: (01:10:37) … Also irgendwelche Verlangen in anderen … In diesem zweiten Teil … mit den Verlangen anderer, durch die Verlangen anderer … Welche sind sie, wer sind sie in Bezug auf … sich in die Verlangen anderer einschließen? …

Rav: Wie kann ich mich dabei in die Verlangen der anderen einschließen? Darüber lesen wir in allen Artikeln: Man muss es einfach versuchen. Rabash schreibt, man soll den Freunden einfach Angenehmes tun. Einem Freund kann immer nur eines fehlen: gute Stimmung. Also musst du an seiner Stimmung arbeiten.

Aus sich heraustreten und sich in ein fremdes Gefäß einschließen … Du sollst ihn nicht ausfragen: „Was brauchst du? Ich bin gekommen, dir zu helfen. Los, pack jetzt alles aus, was du hast!" Du sollst einfach versuchen, seine Stimmung zu heben. Das ist besser, als sich mit allen anderen Handlungen zu beschäftigen. Das kann sogar innerlich sein. Das Verhältnis zu den Freunden ist ja überhaupt innerlich, niemand weiß wirklich, wie es ist.

Sogar die Kabbalisten haben über viele Jahre, Jahrtausende, in ihren Gruppen das genaue Gegenteil praktiziert. Äußerlich verhielten sie sich zueinander angeblich spöttisch, angeblich etwas grob, um ihr wahres, echtes Verhältnis zu verbergen. Lest „Kozk"¹⁶ [nur hebr. Fassung: „Sne boer be-Kozk"]: Dort haben sie sogar übereinander gelacht, auch über alle möglichen Gebote. Sie haben sich so gegeben, dass niemand sie ernst nahm, um maximal zu verbergen, was innen, im Herzen, ist. Das ist nach der Regel „le-Znuim Chochma"¹⁷. Denn man muss immer alles unter dem Massach verbergen, sein ganzes „Ich", all seine inneren Beziehungen, und nach außen nur schon das Ergebnis zeigen.

Aber wir sind in einem Zustand mit einem im Vergleich zu ihnen so gewachsenen Egoismus, dass es anders ausgehen würde. Wir könnten anfangen, grobe, spöttische Beziehungen untereinander zu spielen und uns innerlich nur in einer solchen Glut der Liebe zueinander zu halten. Dann kämen am Ende außen wie innen einfach Grobheit und Spott heraus, und ganz und gar nicht das, was nötig ist.

Deshalb dürfen wir nicht innen das eine und außen das andere sein. Wir sind nicht so stark und nicht so geübt darin. Aber wenn du ein Kabbalist wirst, also nach dem Machsom, dann kannst du dich natürlich so weit verbergen und enthüllen, wie es nötig sein wird. Du wirst dann schon verstehen, wie man verbirgt und offenbart. Heute aber sollen wir das nicht machen.

(01:14:49) Wir müssen uns zueinander nur genau so verhalten, wie wir uns auf einer höheren, spirituelleren Stufe verhalten würden, nur so. Wir müssen jedem ein Beispiel geben. Du musst dabei nicht jemanden abküssen und nicht unbedingt umarmen. Du sollst einfach schweigend ein Beispiel deines Verhältnisses geben, durch deine vielleicht sogar unauffälligen Handlungen. Aber Handlungen muss es unbedingt geben. Das ist das Beste und das Wirksamste.

Geh in die Küche und schau, wie die Jungs arbeiten, oder geh irgendwo anders hin. Versuch, mit ihnen zusammen zu sein, und du wirst sehen, wie … Eine halbe Stunde Küchenarbeit, und du bekommst, du fühlst alles, was sie fühlen. Oder beim Putzen oder sonst wo. Durch solchen Umgang schaffst du das nach und nach.

Jeder von uns, von euch hat eine bestimmte Zeit, ja? Dienste, ja? Alle, wirklich alle? Wer hat keinen? Wer keinen hat, ist ein unglücklicher Mensch. Er muss sich sofort melden, damit man ihm einen gibt. Das rate ich euch allen. Ich selbst bin eben vor dem Unterricht in die Küche gegangen und habe ein bisschen gearbeitet. Das ist notwendig. Man muss sich wenigstens ein bisschen, ein Stündchen, dieser Brigade anschließen, jener Brigade, die für unsere Versorgung arbeiten. Ohne das … Die Verbindung muss auf allen Ebenen sein.

Wie spät ist es? Halb neun. Dann fangen wir jetzt nicht mehr an, „Verhüllung und Enthüllung des Schöpfers" („Verhüllung und Enthüllung des Angesichts des Schöpfers") zu lesen. Der Artikel ist so, dass man nicht in der Mitte aufhören kann.

Wir machen weiter … Wir machen nächstes Mal weiter.

Ja?

Schüler: (01:17:08) Rav, was bedeutet es, einem höheren Zustand gleich zu werden? Was heißt es, ihn zu spielen, was soll man tun?

Rav: Genauso, wie Schauspieler spielen. Wir spielen jetzt Theater. Wir sind hier zusammengekommen, um eine Woche in einem solchen Zustand zu verbringen, als wären wir in völlig anderen Gruppen- und Gemeinschaftsbeziehungen.

Im Prinzip muss das in unserer Gruppe ständig so sein, ja? Wir sollen also maximal Fürsorge, Liebe, Achtung und Gefühle füreinander zeigen, um dadurch den Schöpfer zu erreichen. Wie wir schon gestern gesagt haben: Jede Handlung, jeder Gedanke muss mit dem Schöpfer anfangen und mit dem Schöpfer enden.

Ich suche also den Schöpfer. Dafür habe ich ein Mittel: diese Welt, die Gruppe, die Lehrbücher, die Verbreitung, das Lernen und so weiter. Damit will ich hinaustreten und Ihn erreichen. Das wird nicht schwer sein. Ihr werdet sehen, wie die Menschheit in den nächsten Monaten … Wir sehen ja schon jeden Tag, wie sehr die Menschen anfangen, uns besser zu verstehen. Wir sehen, wie sehr sie plötzlich anfangen zu hören, worüber die Kabbala spricht.

Ihr werdet sehen, wie sehr … Man wird anfangen, euch zu suchen. Und die, die heute scheinbar noch nicht hören wollen, werden plötzlich angelaufen kommen. Heute kämpfen sie noch mit sich und halten sich noch an dem fest, was sie haben, obwohl praktisch alle schon die Leere fühlen. Aber das ist noch nicht die Leere, die den Menschen in die Suche drängt. Die kommt noch. Sie kommt, das sieht man schon. Sie steht vor der Tür. Und dann wird es für uns noch leichter.

Im Prinzip muss natürlich die ganze Ausrichtung der Gruppe aus diesem Prinzip hervorgehen: aus der Angleichung an die höhere Stufe. Das gilt für ihre ganze Satzung, ihre Verbindungen zu anderen Gruppen, die Beziehungen im Inneren, die Haltung zur Verbreitung und nach außen. Der Schöpfer breitet sich aus, wir bringen das Wissen über Ihn in die Welt. Das ist unsere Verbreitung. Er verhält sich so zur Menschheit, und wir verhalten uns so. Aber zur ganzen Menschheit können wir uns auf keinen Fall so verhalten.

Baal HaSulam schreibt im Artikel „Die letzte Generation", dass der Mensch sich nur eine Gruppe, nur eine kleine Umgebung auswählen muss. Nur in ihr soll er solche Beziehungen pflegen, auf keinen Fall nach außen. Die Menschen werden dich nicht verstehen. Sie werden dich entweder für irgendeinen heiligen Trottel oder einfach für verrückt halten. Du musst nur innerhalb deiner Gruppe nach diesen Gesetzen handeln. Denn diese Gemeinschaft versteht dich, nimmt dich an, heißt dich gut und verhält sich genauso zu dir. Darüber schreibt er im Artikel „Die letzte Generation", „Dor Acharon"¹⁸.

Diese Angleichung an die nächste Stufe spielen wir jetzt also in der Gruppe durch. Das bestimmt alle Gesetze der Gruppe und all ihre Handlungen. Alles, was wir für uns tun und uns ausdenken wollen, geht nur davon aus. Darin liegt die Quelle unserer Satzung.

Ja, Eran?

Schüler: (01:21:26) Der zweite Punkt: unserem höheren Zustand gleich zu werden … Können Sie zusammenfassen, welche Handlungen das sind, die Sie vorhin erklärt haben: eins, zwei, drei?

Rav: Man fragt also, wie man sich genau die Reihenfolge der Handlungen vorstellen kann, die wir ausführen müssen. Mit ihnen wollen wir solche Bedingungen schaffen, als wären wir auf einer höheren Stufe.

Die Reihenfolge dieser Handlungen schreibe ich heute Nacht auf. Ich schreibe jede Nacht. Ihr seht ja, ich gehe abends gewöhnlich früher von eurem Unterhaltungsprogramm weg. Ich kann nicht anders, ich muss unbedingt zwei, drei Stündchen für mich allein lernen. Heute Nacht schreibe ich es auf, erinnere mich daran. Man muss darüber nachdenken und es richtig ausdrücken. Innerlich ist es da, aber …

Versteht ihr, warum sich die Kabbala entwickelt? Warum sie sich anpasst und offener wird, sodass man mehr über sie erzählen kann? Weil die Menschen sich entwickeln und der Egoismus sich entwickelt. Er wird fähiger aufzunehmen, weil er durch alle möglichen Leiden geht.

In ihm öffnen sich mehr unerfüllte Teile, und zwar sind sie schon verbunden, die sogenannten „Mocha" und „Liba", Gefühle und Verstand¹⁹. Deshalb kann man diesem Egoismus mehr erzählen. Er kann dich mehr verstehen, sogar aus seiner Gegensätzlichkeit heraus. Ihr kennt das: Ein Geschlagener versteht besser als einer, der nicht geschlagen wurde.

Soweit die Gruppe, also ihr, bereit sein wird, so weit werde ich mehr darlegen können. Wir sind durch gute Zustände gegangen, als wir die Sukka gebaut haben. Da konnte ich ein wenig über den Übergang über den Machsom schreiben. Auch das ist ja sehr ungefähr. Darüber, über diese Zustände, kann man ein ganzes Buch schreiben und sie alle auseinanderlegen.

Unser Freund bittet jetzt darum, unsere Handlungen ab diesem Moment ausführlich darzulegen. Er will wissen, wie man der höheren Stufe genau gleich wird, um ihre Ausstrahlung, das Or Makif, möglichst wirksam auf sich zu ziehen. Das werde ich versuchen.

Ja, Eran?

Schüler: (01:24:36) Sie haben gesagt, dass man jetzt das Gefühl der Scham suchen soll und in den Freunden sehen soll, dass alles, was ich tue, darin besteht, sie auszunutzen. Aber es ist doch offensichtlich, dass ich jetzt handle, um die Freunde auszunutzen. Wozu arbeite ich denn sonst?

Rav: Mir ist klar, dass ich jetzt nur handle, um alle auszunutzen, damit ich selbst vorankomme. Das gilt für die ganze Welt, die Freunde, die Eltern, überhaupt alles, auch für den Rav. Das ist mein natürlicher Zustand. Ich habe nichts daran zu verbergen oder zu vertuschen.

Richtig, das ist der natürliche Zustand. Aber auf einer höheren Stufe wird dieser Zustand von der Scham darüber abgelöst, dass ich so bin. Wozu braucht man das? Um sich wenigstens von einem anderen Punkt aus zu betrachten, vom Punkt der Scham. Denn der Punkt der Scham, das sind schon nicht mehr wir. Der Punkt der Scham entsteht durch die Einwirkung des Lichts in uns.

Woher kam das? Aus der ersten Phase, Bchina Alef, entstand die zweite Phase, Bchina Bet, das Verlangen zu geben. Das geschah, weil das Licht in der ersten Phase wirkte. Es übergab der ersten Phase außer Genuss und Befriedigung auch seine Eigenschaft. Es zeigte der ersten Phase, dass Es der Gebende ist, und daraufhin wollte die erste Phase gebend sein.

Ich muss mir das also künstlich vorstellen, als ob das Licht schon in mir wirkt. Ich fühle schon seine Eigenschaft des Gebenden und empfinde mich im Vergleich zu ihm als gegensätzlich. Wenn ich versuche, mich gegenüber den Freunden als Egoisten zu fühlen, ziehe ich damit noch mehr Or Makif auf mich. Es muss das ja in mir bewirken, das ist direkt sein Geben. Das Ergebnis seines Gebens an mich werde ich als Scham empfinden, als Empfindung meiner inneren Eigenschaften.

Deshalb ist das, würde ich sagen, die wirksamste Handlung, die das Or Makif auf mich zieht. Und zwar das Or Makif, das speziell für mich ist.

Schüler: (01:27:08) Aber was heißt es, dass ich ein Egoist bin? Was bedeutet dieses „Ich", wenn ich das „Ich" verlieren will? Ich will diese Vereinigung nicht.

Rav: Ich kann mich jetzt nicht anders vorstellen, als dass ich mich künstlich gegenüber den anderen als Egoisten vorstelle. Oder nicht künstlich: Ich sehe einfach, dass ich so bin, aber hier versuche ich noch … Dass jeder sich als Egoisten sehen kann, das ist kein so großes Problem.

Das Problem ist, dass du anfangen musst, dir vorzustellen, dass du dich dafür schämst. Dieses Gefühl soll dich schon im Verhältnis zu den Freunden leiten. Dann passt du dich an die höhere Stufe an.

Schüler: (01:27:58) Aber dann kommt es doch so heraus, als wäre ich eine Null? Ich bin eine Null, ich bin klein, ich bin ein Egoist, ich bin schlecht. Und das sagen … und die anderen nicht? Warum?

Rav: Das verringert auf keinen Fall meine Teilnahme an allen Handlungen. Nein, ich handle weiter, und mein Egoismus ist meine Antriebskraft. Ich muss ihm Erfüllung geben, irgendwelche Medaillen, Abzeichen, Belohnungen, damit ich handeln kann. Zugleich aber verstehe und erkenne ich, dass ich ein Egoist bin und mich zu den anderen gerade konsumierend verhalte.

Schüler: (01:28:39) Dann ist das wie eine Krankheit, die ich beschleunige, ich benutze diese Krankheit. Das verstehe ich nicht.

Rav: Ich fühle diesen Egoismus nicht als meine eigene Krankheit. Ich fühle ihn als Geschöpf in mir, das der Schöpfer erschaffen hat. Ich nehme ihn nicht einmal als mein Eigenes auf mich. Ich fühle nur, dass Er das in mir erschaffen hat. Dann fange ich an, mich an Ihn zu wenden, damit Er es mir wegnimmt.

Schüler: (01:29:16) Sie sagen, dass das eine natürliche Schöpfung ist, die Er in mir erschaffen hat. Wie kann ich mich dann dafür schämen? Er hat es so erschaffen.

Rav: Warum schäme ich mich dann? Ich schäme mich nicht, weil der Schöpfer das in mir erschaffen hat. Ich schäme mich, weil ich noch in diesem Zustand bin und durch eigene Anstrengungen noch nicht erreicht habe, aus ihm herauszukommen. Der Mensch muss sich nicht dafür schämen, dass er so erschaffen ist. Er muss sich dafür schämen, dass er sich noch nicht korrigiert hat. Und das hängt nur von ihm ab. Na, mach weiter!

Schüler: (01:29:56) Nein, ich verstehe diesen Punkt nicht, wo ich jetzt bin. Sie sagen, dass ich nicht an mich denken soll, während die Rechnung am Ende immer zu mir zurückkehrt. Wo finde ich diesen Punkt, den Fokus, worauf ich richte …

Rav: Mein Konzentrationspunkt ist nicht, dass der Schöpfer das gemacht hat, denn alles macht der Schöpfer. Mein Konzentrationspunkt ist, dass ich Ihn nicht gebeten habe, das zu tun, was von meiner Bitte abhängt. Was ist daran unverständlich? Natürlich schäme ich mich nicht für meine Natur. Ich schäme mich dafür, dass ich so bin. Und was heißt, dass ich so bin? Dass ich mich noch nicht korrigiert habe! Ich habe Ihn noch nicht überzeugt, nicht gebeten und nicht so von Ihm verlangt, dass Er mich korrigiert. Ich habe noch nicht getan, was von mir abhängt, und dafür schäme ich mich.

Von Natur aus will ich absolut alle, die hier sind, für mein eigenes Wohl ausnutzen. Mehr noch: Der Mensch ist bereit, alle zu töten und alle abzuschlachten, den ganzen Erdball, du verstehst das doch. Wir alle sind in Wirklichkeit in einem solchen egoistischen Zustand. Das ist der echteste Egoismus, der auf niemanden und nichts Rücksicht nimmt, absolut auf niemanden, bis hin zu unseren Kindern. Wir verstehen das nicht, aber in Wirklichkeit ist es so. Aber das alles …

Dafür sollen sich die Psychologen schämen, die ihren Patienten das vorwerfen, oder alle möglichen Lehrer, die den Schülern in der Schule Vorwürfe machen. Das ist alles Unsinn. Wir verstehen ja, dass Lehrer und Schüler auf derselben Ebene sind.

Ich mache mir keine Vorwürfe dafür, dass … Na, ich weiß nicht, wie ich es noch sagen soll: nicht dafür, dass ich so bin, sondern dafür, dass ich noch so bin. Von der Sekunde an, in der ich anfange zu fühlen, dass meine Korrektur von mir abhängt, entsteht in mir Scham. Die Scham entsteht in mir nicht gegenüber dem Schöpfer oder der Schöpfung, weil Er mich so gemacht hat. Sie entsteht dafür, dass ich mich nicht sofort auf die nächste Stufe hinüberziehe. Die Scham ist genau die Antriebskraft, die mir hilft, mich zu erheben.

Ja?

Schüler: (01:32:26) Im Prinzip muss ich mich dafür schämen, dass in mir nicht das Bedürfnis entsteht …

Rav: Man kann diese ganze Handlung der Scham in mir auffalten. Dann muss ich mich dafür schämen, dass ich mich nicht angestrengt habe, damit in mir ein solches Schamgefühl entsteht. Es soll so stark sein, dass in mir das Bedürfnis entsteht, den Schöpfer zu bitten, und zwar so, dass Er mich wirklich korrigiert. Man kann das noch in mehrere … aufteilen.

Ja?

Schüler: (01:32:57) Ist die Bitte, von der Scham befreit zu werden, ein richtiges Gebet?

Rav: Auch hier gibt es wieder zwei Arten der Hinwendung: zu sich oder nach außen. Entweder will ich die Scham loswerden, weil sie mir sehr unangenehm ist, ein sehr unangenehmes Gefühl.

Oder ich trete aus meinem „Ich" heraus, und dann ist es mir egal, ob sie angenehm oder unangenehm ist. Ich bitte nur, weil ich dem Schöpfer gleich sein will und Seine Handlungen an mir und in mir rechtfertigen will, Seine Natur, die Natur, die Er in mir gemacht hat. Dafür bitte ich, dass Er mich korrigiert.

Alles hängt von der Absicht ab, vom Ergebnis, also davon, was ich letztlich will. Wozu will ich zum Beispiel korrigiert sein? Um vom Schamgefühl befreit zu werden oder um das Verlangen nach der Eigenschaft des Schöpfers zu erlangen²⁰?

Schüler: (01:34:12) Wenn das Schamgefühl anfängt, das Verhalten zu beeinflussen, also das Schamgefühl in dem Sinne, … jemanden zum eigenen Nutzen auszunutzen, dann gibt es sozusagen das Gefühl einer Trennung von etwas im Inneren, der Einheit, den Verlust dieses Kerns. Und dann führt die Angst, auszunutzen, dazu, dass man sozusagen seine Positionen verliert. Also auch das Gefühl, das eigene „Ich" zu verlieren … bleibt stehen … fürchtet, dass es verschwindet …

Rav: Ich höre keine Frage.

Schüler: Wie überwindet man diese Hürde, wenn das „Ich" es nicht zulässt … fürchtet zu verschwinden, nicht weitergehen lässt …

Rav: Wie überwindet man eine Hürde²¹? Jede Hürde kann der Mensch nur überwinden, wenn er in einer Gruppe ist. Keine einzige kabbalistische Methode … Es gibt ein paar Variationen, aber im Prinzip sind sie alle gleich: Keine einzige sieht vor, dass man den Machsom individuell passiert. Das ist unmöglich.

Nur wenn von oben einer bestimmten Seele eine bestimmte, klare Mission gegeben wird, dann zieht man den Menschen einfach an den Ohren über den Machsom und führt ihn. Aber auch das geht nur mit großen Prüfungen, mit großen Leiden. Keinem von uns hilft etwas, nur die Arbeit in der Gruppe.

Du sprichst davon, wie man es beschleunigen, wie man es machen, wie man es verstärken kann? Nur durch die Gruppe, individuell auf keinen Fall. Alle Handlungen, alle Eigenschaften, alle Qualitäten und Bestimmungen, die dir fehlen, was du auch willst: Nur durch die Gruppe kannst du sie hindurchführen, verstärkt auf dich zurückholen und dich überzeugen. Denn wir sind so gebaut, dass uns die öffentliche Meinung überzeugt. Das zeigt sich zumindest an demselben Schamgefühl, an demselben Verlangen, sich hervorzutun, an demselben … Der ganze Egoismus arbeitet dafür.

Kurz gesagt: Wenn du die Gruppe richtig nutzt, kannst du jede deiner Eigenschaften in dir hervorrufen. Du kannst sie auf das nötige Maß steigern, das dich nach vorn ziehen würde. Du musst dich nur selektiv richtig zu deinen Eigenschaften verhalten und richtig zur Gruppe als Verstärker dieser Eigenschaften. Konsumierend? Richtig, konsumierend. Aber wozu willst du konsumierend, dass das geschieht? Um dich selbst spirituell zu erheben. Und sich erheben heißt letztlich, ihnen zu geben. Hier kommt es darauf an, welche Worte man benutzt, aber im Prinzip ist die Handlung spirituell.

Ja?

Schüler: (01:37:11) Hinter dem Machsom … Geht beim Menschen, der den Machsom überschreitet, sein Egoismus mit hinüber? Wenn ja, in welcher Qualität?

Rav: Wenn der Mensch den Machsom passiert, bleibt sein ganzer Egoismus unten. Er selbst heißt „Punkt" und fühlt keinerlei Egoismus. All seine Handlungen hinter dem Machsom fängt er schon als vollständiger, nackter Altruist an: Zuerst erwirbt er altruistische Eigenschaften. Natürlich werden auch diese altruistischen Eigenschaften auf den egoistischen Eigenschaften erworben.

Denn das Geschöpf ist das Verlangen zu genießen²², und es verschwindet nie irgendwohin. Es zeigt sich nur mehr oder weniger, je nachdem, wie wir mit ihm arbeiten und arbeiten müssen. In mir selbst bin ich also immer Verlangen zu genießen. Heute empfinden wir es nicht in reiner Form. Wir verstehen es nur als Verlangen, für uns selbst zu genießen.

Das „für sich selbst" kann verschwinden, dieses „Ich" kann verschwinden: ich existiere, ich existiere nicht und so weiter. Dann bleibt das Verlangen zu genießen. Wir fangen an, es trotzdem zu fühlen, aber wir fühlen es dann als eine Art … Man kann ja sagen: als unabhängigen Experten, als Expertengefäß oder so … Darauf bauen wir unser Verlangen zu geben, also die Absicht zu geben. Entschuldigung: Absicht, nicht Verlangen.

Soweit wir diese Absicht auf uns aufbauen können, zeigen sich diese Verlangen zu genießen in uns immer mehr, und wir verbinden sie mit dem Massach. Das ist natürlich vereinfacht, aber der Egoismus zeigt sich immer in Form der Linken Linie, in Form der Klipot, des Verlangens zu genießen. Er ist immer ausreichend vorhanden. In dem Maß, in dem es nötig ist, werden wir ihn immer fühlen.

So sind alle Stufen der Leiter aufgebaut: In dem Maß, in dem man auf die nächste Stufe steigen muss, zeigt sich von der linken Seite der Egoismus, im nötigen Maß und in der nötigen Qualität.

Schüler: (01:39:58) Rav, Sie haben gesagt, dass wir nichts vorhersagen können, solange es sich nicht in der materiellen Welt zeigt. Und bis heute hat sich die Kabbala sozusagen … wenige Menschen … wir wissen nicht, wie … Kann man sagen, die Frage ist, dass gerade … eine Gruppe von Menschen, diese Wegbereiter … wir wissen nicht … gerade der Schöpfungsgedanke sich zeigen wird?

Rav: Ihr fragt mich, wie sich der Schöpfungsgedanke in der Gruppe und so weiter zeigen wird? Ich habe ja schon gesagt, dass wir nichts im Voraus vermuten können. Ich stütze mich nur auf das, was zumindest die Kabbalisten beschreiben, was Baal HaSulam schreibt. Deshalb denke ich, dass unsere Gruppe letztlich bis zu einer bestimmten Masse anwachsen wird. Sie wird nicht unendlich sein, nicht Milliarden Menschen umfassen, sondern vielleicht Zehntausende, eine solche Bewegung vielleicht. Aber keine unüberschaubare Masse, die die ganze Oberfläche der Erde bedeckt.

Denn letztlich haben wir es ja mit dem Egoismus zu tun, der nach einer bestimmten Struktur gebaut ist. Nur sein oberster Teil ist heute überhaupt bereit, anzufangen, sich irgendwie an die Höhere Welt anzupassen, an das, was über dem Machsom ist, oder sich dem Machsom zu nähern.

Auch Baal HaSulam schreibt darüber im Artikel „Die letzte Generation". Haben wir ihn hier? Nein? Dann drucken wir ihn aus. Er schreibt, dass es trotzdem eine kleine Gemeinschaft sein wird. Sie wird aus sich einen kleinen Mini-Staat bilden, mit allen Strukturen, die es in einem solchen spirituellen Staat geben muss. Das wird das Urbild der künftigen Ordnung der ganzen Welt sein. Allmählich werden in der umgebenden Welt solche Bedingungen entstehen, dass die Menschen selbst sich irgendwie hingezogen fühlen, sich diesem Staat anzuschließen.

Das sieht man ziemlich deutlich am Herabsteigen der spirituellen Wurzeln. Es ist sogar verständlicher und deutlicher als der Aufstieg der Gruppe, der wirklich hier bei uns geschehen muss. Denn dieser hängt jetzt konkret von unseren Zuständen ab, während jene Zustände schon recht fließend²³ verlaufen. Dort geht es schon um Dutzende, vielleicht sogar Hunderte, die den Machsom passieren und auf der ganzen Welt diese höhere Schicht bilden und organisieren. Diese Schicht zieht natürlich das Or Makif für die anderen auf sich und ist selbst mit Or Pnimi gefüllt. Sie stellt also schon eine gewaltige spirituelle Kraft des Schöpfers²⁴ in unserer Welt dar. Damit ändert sich die gesamte Kräfteverteilung auf dem Planeten.

(01:44:48) Im Prinzip sehe ich in der Perspektive eine allmähliche Umwandlung unserer Gruppe, aller unserer Gruppen, in eine einzige große, internationale Gruppe. Ich weiß nicht, wie das geschehen wird, aber dann werden wir dahin kommen, eine solche kleine Art Mini-Staat, Mini-Gemeinschaft zu schaffen. Darin werden wir leben, arbeiten und schaffen. Gut möglich, dass wir uns hauptsächlich mit Unterrichten, Verbreitung und Lehre beschäftigen werden. Das wird die Haupttätigkeit sein.

Überhaupt sehe ich euch alle in einiger Zeit einfach als Menschen, die sich im Grunde nur damit beschäftigen. Denn die Welt wird das von uns verlangen, und es wird zwangsläufig unsere Haupttätigkeit werden. Jeder muss sich irgendwie darauf vorbereiten, denn so ist die ganze Welt pyramidenförmig erschaffen, und wir werden das tun müssen.

Und dann natürlich … Das wird allmählich zu einer kleinen Gemeinschaft heranwachsen, und diese Gemeinschaft dann … Ich glaube nicht, dass das ein Staat mit allen Funktionen sein wird, mit einer Armee und so weiter. Nein, das wird ein überstaatliches Gebilde sein, das immer mehr Menschen anzieht, bis diese Ideen auf die ganze Welt übergehen.

Aber das wird sehr schnell gehen, denn alles hängt nur davon ab: Soweit wir von oben das Or Makif herabziehen, so viel schneller zeigt sich von unten der Egoismus. In unserer Zeit verläuft das alles so exponentiell, dass … Das sind nicht die Jahrtausende, in denen sich die Menschen nicht entwickelten und es praktisch keinen Unterschied in ihrer Entwicklung gab.

Nehmen wir zum Beispiel das 10. und das 15. Jahrhundert: Was ist der Unterschied? Worin? In ein paar Entdeckungen, irgendwelchen kleinen Erfindungen, und das in 500 Jahren. Heute aber könnt ihr euch nicht vorstellen, was in den kommenden fünf Jahren sein wird. Ich denke, dass das etwa bis 2007–2008²⁵ anfangen muss, sich im Leben zu verwirklichen.

Schüler: (01:47:38) Wollen Sie sagen, dass wir diese schreckliche und gefährliche Zeit hinter uns haben, die Sie damals „Gefahr der Vernichtung" genannt haben?

Rav: Einmal wurde der Artikel „Die Gefahr der Vernichtung"²⁶ geschrieben. Mit der Gefahr der Vernichtung war die Existenz des jüdischen Volkes in Israel gemeint, auf keinen Fall die Existenz der kabbalistischen Gruppe in der Welt. Die Existenz des jüdischen Volkes in Israel ist natürlich von Vernichtung bedroht. Und diese Bedrohung dauert an und wächst.

Ich sehe bisher keinerlei Lösung für dieses Problem. Es ist gut möglich, dass es dazu führt, dass praktisch alle Juden dieses Land verlassen müssen. Und was tun wir, damit das nicht geschieht? Daraus ergibt sich bei euch die nächste Frage: Und wie ist es mit Wurzel und Zweig? Ja?

Die Wurzel, also die spirituelle Wurzel, heißt „Israel", und ihr Zweig in unserer Welt heißt ebenfalls „Israel". Ich denke, dass es eine solche Wurzel-Zweig-Beziehung in Wirklichkeit nicht geben wird²⁷. „Israel" heißt, wer zum Schöpfer strebt²⁸. Die zum Schöpfer Strebenden werden wirklich eine solche Kraft haben und von einer solchen Idee erfüllt sein, dass sie wirklich hierbleiben können, das denke ich. Und es wird erwünscht sein, dass sie an diesem Ort bleiben.

Und nichts wird ihnen etwas anhaben. Alle anderen aber werden solche Leiden erfahren, dass sie dieses Land verlassen. Und so werden Wurzel und Zweig in ihren Zuständen übereinstimmen.

Schüler: (01:49:38) Aber dieser Mini-Staat wird hier sein?

Rav: Ich denke, dass dieser Mini-Staat hier sein wird und sich von hier aus weiter ausbreiten wird. Denn jeder Zweig muss letztlich seiner Wurzel entsprechen. Obwohl … was einmal geschehen ist, muss sich nicht unbedingt wiederholen. Der Mensch muss heute nicht den Auszug aus Ägypten, den Durchzug, die Gabe der Tora und so weiter wiederholen. Keiner von uns muss das, weder Jude noch Goj, dafür gibt es keinerlei Notwendigkeit.

Deshalb gab es einmal eine Berührung der Wurzel mit dem Zweig: Hier war ein Staat, und er hieß Israel. Nicht unser heutiger. Unser heutiger ist einfach nur so, künstlich geschaffen … einfach. In Wirklichkeit ist er, wie man sagt, „Kibbuz Galujot"²⁹. Nichts anderes.

In Wirklichkeit gab es einen solchen spirituellen Staat zur Zeit Davids, in jenen Zeiten. Im Prinzip kann man auch über Wurzel und Zweig sagen, dass das vielleicht nicht mehr nötig ist. Ich will nicht Ja oder Nein sagen, denn es hat sich, wieder einmal, noch nicht verwirklicht. Aber wir haben alle Beispiele dafür, dass es sein kann und auch nicht sein kann.

Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite muss der Bau des Dritten Tempels stattfinden, weil es ihn noch nicht gab und er sich noch nicht verwirklicht hat. Also muss das irgendwie geschehen. Wird es dabei einen Staat geben? Und wozu? Was heißt überhaupt Staat?

Mit dem Tempel ist die Verwirklichung des Strebens der Menschen nach dem Höheren gemeint, die Verwirklichung ihrer Korrektur an sich selbst. Der Tempel ist genau nach dem Bild und Abbild der Seele gebaut, in ihrer korrigierten Form. Nehmen wir die vollständig korrigierte Seele von Adam, also das Geschöpf in seiner vollständig korrigierten Form. Stellen wir sie uns in ihren Teilen vor: GE, ACHaP, Kzawot und so weiter. Wenn wir das alles im Material unserer Welt ausdrücken, bekommen wir das genaue Bild des Dritten Tempels, der im Material sein muss.

Man kann ihn verwirklichen, wenn eine solche Verwirklichung im Inneren der Menschen durch innere Korrektur erreicht wird. Dann kann man ihn auch außen verwirklichen, und dann berührt die höhere Wurzel wirklich ihren Zweig. Wenn das aber im Inneren der Menschen nicht geschieht und sie diesen letzten, endgültigen, korrigierten Zustand nicht erreichen, wozu dann irgendein Häuschen bauen?

(01:52:35) Sie werden nicht einmal wissen, wie man ihn macht! Versteht ihr, das ist einfach … Das ganze Ziel der Schöpfung besteht natürlich darin, dass in allen Welten alles auf allen Ebenen vom Menschen selbst erschaffen wird, von der allerhöchsten spirituellen Ebene bis zur allerniedrigsten, unbelebten. Das soll dem vollständig gleich sein, wie der Schöpfer es von oben nach unten erschaffen hat. So muss der Mensch es von unten nach oben erschaffen.

Eine solche Handlung muss also geschehen. Aber auch sie muss von oben nach unten geschehen, nachdem der Mensch es in sich gemacht hat. Wenn wir das nicht machen, dann gleichen wir … Dann machen wir wieder ein Zerbrechen (Shwira). Was wird über Adam haRishon gesagt? Warum hat er, wie man sagt, gesündigt, also warum ging er durch das Zerbrechen? Weil er eine unreife Frucht gegessen hat.

Was heißt unreife Frucht? Er war nicht darauf vorbereitet. Er hatte keinen Massach, um es zu tun, um all dieses Höhere Licht aufzunehmen. Und all diese Sünden der Menschen, all das, was man unsere Fehler nennt, kommen daher, dass wir etwas vorzeitig tun, alles. Das ist die Quelle all unserer Fehler, schon bei Adam. Das ist das, was die Menschen tun … Schaut: Kibbuzim, Kommunismus, überhaupt alles Mögliche. Der Mensch wartet nicht, bis er spirituell für die mechanische Handlung bereit ist, um sie erst danach auszuführen.

Würde es so geschehen, wären alle unsere Handlungen wohlwollend. Sie wären in Wirklichkeit die Verkörperung unserer inneren Korrektur. Wenn das nicht so ist, wird dieser ganze Tempel die größte Tragödie sein. Es ist einfach ein Hohn, wenn wir jetzt anfangen, irgendeinen Kongresspalast auf dem Berg zu bauen. Gut, dass die Araber diesen Ort festhalten, sie werden uns das nicht tun lassen. Das ist unglaublich.

Was wollt ihr dort machen, ein Museum? Wollt ihr Eintrittskarten verkaufen und die Leute hineinlassen, damit sie sich ansehen, was das ist? Was wollt ihr dort machen? In dem Maß, wie sich das Volk nach dem Auszug aus Ägypten korrigierte, lehrte Moshe sie, was in der Tat zu tun ist.

Und soweit das Volk dann fiel, wurden diese Handlungen annulliert. Nach vierzig Jahren Wanderung erreichten sie die Stufe von Bina und konnten ins Land kommen und anfangen, es zu bearbeiten. Denn das Land bearbeiten, mit Malchut arbeiten, kann man erst, nachdem man die Eigenschaften von Bina bekommen hat und so weiter.

(01:55:35) Alles muss in genauer Entsprechung gebaut sein. Alle schlechten Handlungen, die dann geschahen, geschahen nur aus einem Grund: Zerstörungen, Kriege, Zusammenbrüche, Vertreibungen und so weiter. Der Mensch in unserer Welt, die Menschen oder sogar die Könige und Hohepriester führten Handlungen aus, für die weder sie noch das Volk bereit waren. Und dasselbe geschieht heute bei allen Völkern.

Deshalb dürfen wir den Ereignissen auf keinen Fall vorauseilen. Ihr könnt …: „Aber wir schaffen hier doch eine Gruppe, wir machen aus uns eine Angleichung." Wir machen eine künstliche Angleichung und verstehen dabei, dass wir nur auf der nächsten Stufe sein wollen. Wir fangen nicht an, es künstlich so zu machen, als würden wir wirklich darin existieren, in diesem Tempel oder in irgendetwas.

Wir wollen uns künstlich angleichen, um das Höhere Licht der Korrektur auf uns zu ziehen. Dann korrigiert und erhebt uns der Schöpfer wirklich. Das ist ein großer Unterschied. Aber die Bedrohung ist keine bloße Drohung. Sie ist real, sie existiert und verwirklicht sich nach und nach.

Der Zustand des jüdischen Volkes hier in Israel wird von Tag zu Tag schlechter. Uns scheint, dass es noch nicht so ist, aber in Wirklichkeit ist es so. [nur hebr. Fassung: Und die Lage wird natürlich nur schlimmer werden. Wie könnte man dieses Tier, diese Tiere sonst zwingen zuzuhören?³⁰]

Schülerin: Sie haben geschrieben, dass uns der Staat von oben gegeben ist, und jetzt sagen Sie …

Rav: Natürlich sind uns all diese Zustände von oben gegeben, auch dieser Staat und alles andere. Aber das heißt nicht, dass sich alles, was von oben gegeben wird, in uns auf gute Weise zeigt. Alles, was von oben gegeben wird, nehmen wir ja in unseren umgekehrten Gefäßen wahr! Wir nehmen es durch die Achoraim wahr, und deshalb empfinden wir es als Leiden. Ich spreche von der Gefahr der Vernichtung, wie wir sie von unten sehen, nicht wie sie von oben aussieht.

Von oben sieht alles wie Korrektur aus. Von oben sind wir alle überhaupt im vollständig korrigierten Zustand. Der Mensch, der den Machsom passiert, sieht überhaupt nicht … Geschieht hier etwa etwas in der Art, dass Araber Juden schlagen? Im Gegenteil, sie rufen in ihnen Korrekturen hervor! Sie bestrafen sich selbst³¹.

Und auf einer noch höheren Stufe schlägt überhaupt niemand irgendjemanden. Niemand … kämpft mit niemandem. Stattdessen scheint es, dass sich alle umarmen und küssen. Wir werden jetzt mit euch den Artikel „Verhüllung und Enthüllung des Schöpfers" („Verhüllung und Enthüllung des Angesichts des Schöpfers") lesen, ihr werdet sehen … Lest ihn inzwischen in der Pause.

Bevor der Schöpfer sich verbarg³², schien es, dass alle Schurken sind, dass alle böse sind und dass alle, die stehlen, die Erfolgreichsten in diesem Leben sind, nicht wahr? Wenn du dann aber den Machsom passierst, fühlst du die Enthüllung des Schöpfers ganz anders: „Olam hafuch raiti"³³, „Eine umgekehrte Welt sehe ich". Dann siehst du, dass diese überhaupt so sind und jene so.

Deshalb sprechen wir, wenn wir mit der gewöhnlichen Bevölkerung reden, natürlich von der Gefahr der Vernichtung. Wie soll man es sonst sagen?