Dieses
Transkript
wurde
mithilfe
KI
aus
dem
hebräischen
Original
übersetzt
und
nicht
redaktionell
bearbeitet.
—
Rohtranskript ohne abschließende Korrektur. Fehler möglich.
Morgenunterricht 29.09.2002
Buch „Schriften des Rabash", Band 1, S. 363: „Was sind Gebote, die ein Mensch mit den Füßen tritt"
Rav: Wir haben den Artikel zum Wochenabschnitt „Ekev" gelesen: „Was sind Gebote, die ein Mensch mit den Füßen tritt". Das heißt: Wir haben Mizwot, und die ganze Sache mit den Mizwot erscheint uns innerhalb des Willens zu empfangen als etwas Unwichtiges. Denn Mizwa heißt eine Handlung um zu geben, deren ganze Absicht zum Nutzen des Schöpfers ist, zum Nutzen des Fremden – außerhalb von dem, was im Willen zu empfangen sein wird.
Deshalb ist es unwichtig, ob es zum Nutzen des Schöpfers gerichtet ist oder zum Nutzen der Gemeinschaft oder zum Nutzen des Freundes oder zum Nutzen von irgendjemandem außerhalb von mir: Für mich ist das nicht spürbar, und deshalb heißt es unwichtig. Was innerhalb des Willens zu empfangen nicht gefühlt wird, kann der Mensch nicht ausführen, denn der ganze Mensch ist Wille zu empfangen. Deshalb kann der Mensch von Natur aus keine Mizwa machen, keine Handlung um zu geben.
Es sei denn, er erlangt die Kraft von Bina – die Kraft um zu geben, Or Chassadim, Glaube, die Fähigkeit, über dem Verstand zu handeln; egal, wie man diese Fähigkeit nennt. Soweit er diese Fähigkeit hat, und je nachdem, in welcher Größe diese Korrektur in ihm ist, kann er eine Mizwa machen. Alle 620 Mizwot sind auf allen 620 Stufen vorhanden. Der Unterschied zwischen ihnen ist nur, über welchem allgemeinen Willen zu empfangen der Mensch eine Handlung um zu geben ausführen kann. Und um überhaupt zur Erfüllung irgendeiner Mizwa zu kommen, muss der Mensch zuerst einen Zimzum an sich selbst machen, das heißt, dass er keinerlei Ausrichtung auf sich selbst hat.
Hier sagt Rabash: Alle Genüsse, die es in dieser Welt gibt – im gesamten Bereich dieser Welt, in allen Zeiten und Mengen, in allen Seelen, in allem –, sind, wenn wir sie zusammennehmen, wie ein winziges Kerzenlicht gegenüber dem kleinsten spirituellen Genuss. Daraus kann man verstehen, welche Schutzkraft gegen den Willen zu empfangen der Mensch von Oben bekommen muss, um eine Handlung zu machen, die nicht zum Nutzen des Willens zu empfangen ist – um einen Zimzum auf seinen Willen zu empfangen zu machen.
Sicher steht das nicht in der Möglichkeit des Menschen und nicht in seiner Kraft – nicht einmal, um diese Dinge zu bitten. Aber es gibt hier eine Rechnung, so wie man es mit uns macht: Ein Baby weint, und die Eltern versorgen es und geben ihm, weil sie dem Baby von vornherein verpflichtet sind. Deshalb genügt uns eine kleine Überwindung in die richtige Richtung; dafür bekommen wir eine Antwort und die Versorgung mit Kräften, die Fähigkeit, zum Ziel hin voranzukommen.
Gibt es Fragen? Bitte. Ja.
4:44 Schüler: Die Sache mit dem Zimzum – in welchem Stadium …?
Rav: Zimzum ist die Spaltung des Jam Suf. Das heißt: vom Willen zu empfangen zum Willen zu geben übergehen, ohne eine Stufe des Willens zu geben festzulegen – das heißt Zimzum. Also die Fähigkeit, sich nicht sich selbst zuzuwenden und keine inneren Rechnungen zu machen. Wir wissen jetzt nicht, wie. Aber immer, wenn ich etwas mache – schau, welche Bewegung ich jetzt mache, während ich rede –, kommt das daher, dass mein Wille zu empfangen entscheidet, dass er sich so besser ausdrückt, dass er sich so besser behauptet, dass er die Lage so besser beherrscht.
Kurz gesagt: Alles entscheidet der Wille zu empfangen. Der Zimzum sagt also auf jeder einzelnen Stufe, bis zu welcher Tiefe des Willens zu empfangen ich mich selbst bewusst erkenne und bis hierher mich selbst beherrsche, sodass ich meinen Gewinn aus der Handlung, die ich machen werde, nicht in die Rechnung nehme. Wie er in der Definition sagt: Was ist Zimzum? Der seinen Willen zurückhält, obwohl er sehr will, ja, danach begehrt, so etwas.
Schüler: Obwohl er sich danach sehnt.
Rav: Obwohl er sich danach sehnt. Den Willen können wir nicht ausreißen, er bleibt; aber ich beherrsche ihn oder halte ihn zurück, ja? Ich halte ihn vom Gebrauch zurück, das heißt davon, mit ihm eine Rechnung zu machen. Sagen wir es anders: Was im Rosh des Parzuf geschieht – dort mache ich die Rechnung im Willen zu empfangen, von Seiten des Willens zu empfangen selbst, von Seiten des eigenen Genusses. Und ich sehe genau, wie viel Wille zu empfangen mir geöffnet wird, wie sehr ich daran interessiert bin, eigenen Nutzen herauszuziehen – und darauf mache ich einen Zimzum. Und darüber fange ich an, mich zuzuwenden und die Rechnung zum Nutzen des Schöpfers zu machen. Das ist die Handlung.
Auf jeder einzelnen Stufe öffnet man mir den Willen zu empfangen noch tiefer, sowohl in der Menge als auch in der Qualität. Dann sehe ich auch, wie sehr meine Gedanken im Willen zu empfangen verstrickt sind und wie sehr meine Rechnungen es sind, die ich vorher nicht als so verstrickt gesehen habe: wie sehr ich doch in jedem einzelnen Gedanken an mich selbst denke. Und so geht es in die Tiefe; am Ende ist es wirklich das ganze Volumen der Seele, das sich mir öffnet. Jede Stufe bedeutet also, wie viel ich vom ganzen Volumen der Seele sehe, welchen Bereich davon ich sehe – dass ich nur an mich selbst denke und Rechnungen nur für mich selbst mache.
Und das geht auch bis zu den vier Stufen der Awiut. Das heißt, sagen wir so: wie sehr die Organe in meinem Körper an sich selbst denken, wie sehr jede meiner Zellen an sich selbst denkt, und so weiter – wenn man es mit dem vergleicht, was wir haben. Die Sache mit dem Zimzum ist also: Nachdem ich weiß, wie ich mich gemäß dem Willen zu empfangen danach sehne, alle meine Zellen zu füllen, alle meine Wünsche – danach mache ich eine Handlung, in der ich mich trotz dieser Sehnsucht, über sie hinweg, nach dem Schöpfer sehne, um mit Seinen Mängeln, mit Seinen Kelim zu arbeiten.
Nu, nu.
8:57 Schüler: Und nach der Reihenfolge, die hier im Artikel steht – zuerst … Arbeit, danach sehen, dass er es nicht kann, danach den Schöpfer bitten: Wo in dieser Reihe steht die Stufe des Zimzum?
Rav: Die Stufe des Zimzum kommt erst, nachdem der Mensch den Zustand vollständig erkannt hat. In der Erzählung vom Auszug aus Ägypten wird uns das erzählt. Zimzum heißt: Man bekommt eine Kraft von Oben, nachdem der Mensch aus eigener Kraft zur Erkenntnis des Bösen kommt. Dabei gehen sieben Jahre über ihn hinweg, wie dort geschrieben steht: sieben Jahre des Hungers, nach sieben Jahren der Sättigung, in denen er dachte, er werde sich durch Empfangen füllen, zu allen möglichen Errungenschaften kommen und irgendwie einen Gewinn darin sehen.
Danach sieht er, dass das spirituelle Vorankommen für seinen Willen zu empfangen gerade dazu führt, dass sich sein ganzer Wille zu empfangen leert. Wir sehen das als Schwäche: dass wir nichts machen können und kein Verlangen haben, dass wir dieser Welt gegenüber apathisch werden und sozusagen erfolglos. Aber das ist Absicht – der Mensch widersetzt sich dem und geht dagegen an; sonst wäre er einfach vom Weg abgekommen. Und dann kommt man in den Zustand von Pharao, wo man wirklich Schläge bekommt. Das heißt, nicht dass wir schon an der Arbeit verzweifelt wären, sondern wir geraten in Schläge hinein.
Denn wären diese Schläge nicht, würden wir doch einwilligen, still zu sterben, wie man so sagt. Aber diese Schläge sind dazu da, in uns den Punkt von Mosche gegenüber dem Punkt von Pharao zu klären. Denn beide fangen sozusagen an aufzublühen aus dem Zustand, der „sieben Jahre des Hungers" heißt. Aber das unter der Bedingung, dass der Mensch in diesen sieben Jahren Pitom und Ramses baut, das heißt, er schwitzt, er macht wirklich die Arbeit, obwohl er fühlt, dass er in keinem guten Zustand ist. Das war's.
Und dann, nach dem ganzen Prozess, dem Aufeinandertreffen von Mosche gegen Pharao, kommt man dazu, dass man sozusagen vor Pharao flieht. Da geht der Mensch schon in etwas über dem Verstand: Mitten in der Nacht willigt er ein zu gehen, vor dem Willen zu empfangen zu fliehen, um mit ihm nicht in Berührung zu sein – in dem Maß, in dem er ihn wirklich als seinen Herrscher erkennt. Und das ist noch vor dem Machsom, denn er hat in ihm das ganze Böse erkannt, das ihm der Wille zu empfangen bringt. Und dann bekommt er von Oben – „Ich habe mich bemüht und gefunden" – die Kraft des Zimzum. 12:43
Und auch nach dem Zimzum – er bekommt insgesamt nur die Kraft des Zimzum – muss man immer sehen, auf welcher Stufe er die Kraft des Zimzum bekommt: Er zieht aus seinem Ägypten auf der allerniedrigsten Stufe aus. Denn sagen wir: jener Wille zu empfangen, den er in Ägypten durch die sieben Jahre der Sättigung großgezogen hat und von dem er dann in den sieben Jahren des Hungers gesehen hat, dass er zu seinem Schaden ist – nun, das ist immer noch ein sehr niedriger Wille zu empfangen, insgesamt, sagen wir, entsprechend dieser Welt. Wie er sagt: Wenn wir alle Begierden dieser Welt nehmen, dann sind sie wie ein Funke, wie ein winziges Kerzenlicht gegenüber den spirituellen Begierden.
Deshalb fehlt ihm noch eine Stufe¹, um sich in der Spiritualität zu halten, auf der kleinsten Stufe, ja? Und das ist die Sache des Durchquerens des Jam Suf und der drei Tage in der Wüste. Aber davor ist es eine Geburt: Der Auszug aus Ägypten ist eine Geburt, die Geburt des Massach.
Also, was fragst du?
13:52 Schüler: Ich habe gefragt: Wenn es eine Ordnung in der Arbeit gibt und es Stufen gibt – … Arbeit, danach sieht er, dass er es nicht kann, danach kommt er zu der Stufe, wo er den Schöpfer um Hilfe bittet –, wo fügen wir dann in diese Kette das Empfangen des Zimzum ein, an welcher Stelle? Oder gehört es überhaupt nicht in diese Kette?
Rav: Der Zimzum ist immer …
Schüler: Was war die Bedingung vor dem Zimzum? Also, was bringt den Menschen dazu, um die Kraft des Zimzum zu bitten?
Rav: Der Mensch bittet um die Kraft des Zimzum unter der Bedingung, dass er einen Schritt nach vorn sieht. Geh rückwärts, ja? Mach einen Rückwärtsgang, nu. Wie beim Computer: Du hast ein Fenster, du kannst ein Fenster vorwärts und ein Fenster rückwärts gehen. Also geh rückwärts: Welche Daten brauchst du, um zum Zimzum zu kommen? Von Oben wird man dir Kräfte geben, unter der Bedingung, dass du dich vorbereitest, dass du um diese Kräfte bittest, dass du sie entdeckst, dass du sie brauchst. In welchem vorherigen Zustand musst du sein, damit dir das geschieht?
In dem Zustand, in dem du wie Mosche gegen Pharao bist. Dass du genau entdeckst, dass dein ganzer Wille zu empfangen so schlecht ist und dir so viel Not und so viele Schläge bringt, dass dir keine Wahl bleibt, als vor ihm zu fliehen. Und wirklich fliehen kannst du nicht; oder du fliehst, aber es ist eine Flucht, die dich von dieser Absicht nicht trennt. Pharao ist nicht der Wille zu empfangen, Pharao ist „um zu empfangen", ja? Alle Dinge – die sozusagen positiven und die negativen – das sind Absichten: um des Schöpfers willen und um seiner selbst willen, ja? Das war's. 16:06
Über den Willen zu empfangen selbst spricht man gar nicht, über ihn spricht man nur im Sinne seiner Größe, ja? Über der Größe des Willens zu empfangen hast du die rechte Linie – sozusagen die Eigenschaften des Schöpfers, die Absicht um zu geben – und auf demselben Willen zu empfangen, von der linken Seite, „um zu empfangen", die linke Linie. Das war's. Diese beiden Linien müssen also in der Größe des ganzen Willens zu empfangen sein, der in dieser Welt ist. Und es muss eine innere Auseinandersetzung geben, die eine gegen die andere, und zwar so, dass du zu allem bereit bist, nur um aus der Herrschaft der linken Linie herauszukommen – gegenüber der rechten, die sich enthüllt.
Das ist die Sache von „Komm zu Pharao": Mosche selbst kann überhaupt nichts machen, Pharao herrscht über den Willen zu empfangen, er herrscht insgesamt über Ägypten. Sondern der Schöpfer kommt zusammen mit Mosche; Er leuchtet in diesem Punkt durch Mosche in ganz Ägypten hinein². Deshalb geht es hier auch um das Volk Israel, das heißt, es gibt noch weitere Kräfte, die zusammen hinausgehen wollen. So kommen immer mehr Unterscheidungen heraus, die aus Ägypten ausziehen wollen. Und auf ihnen wird der Zimzum gemacht, die Trennung zwischen ihnen und Pharao, zwischen ihnen und den Ägyptern. Das Volk Israel zieht aus Ägypten aus, nicht Ägypten, und dort passiert eigentlich gar nichts. Alle Schläge und alles, was durchgemacht wird, sind nur dazu da, sagen wir, die Galgalta Ejnaim herauszuholen, die in den ACHaP eingeschlossen sind.
17:57 Schüler: Kommt der Zimzum erst nach der Stufe der Erkenntnis des Bösen?
Rav: Der Zimzum kommt nach der Stufe der Erkenntnis des Bösen – dass es Tod ist, mit der Absicht „um zu empfangen" in Berührung zu sein. Das ist etwas, das sich insgesamt nach den zehn Schlägen ansammelt.
Das war's? Ja.
Schüler: … der Mensch braucht, um heute … Jahre … durchzugehen?
Rav: Wie lange? In der Spiritualität gibt es keine Zeit. Wie lange braucht ein Mensch, um sieben Jahre in Ägypten durchzugehen? Wenigstens sieben gute Jahre – oder schon die nicht guten?
Schüler: … die schlechten.
Rav: Die schlechten. Zunächst einmal kann man die sieben schlechten Jahre nicht getrennt von den sieben guten Jahren durchgehen. Uns wird erzählt, dass sie nacheinander kommen; das stimmt und stimmt nicht ganz. Denn die Unterscheidungen kommen auch in jedem Stadium einander gegenüber. Wie lange? Das hängt davon ab, wie intensiv der Mensch arbeitet, wie viel er in seinen Weg investiert, wie sehr er sich der Erfahrung und der Kraft der Gruppe, der Gemeinschaft, des Lernens bedient. Du kannst das 200 Jahre lang hinziehen, das heißt einige gute Inkarnationen – und nicht einfach Inkarnationen, in denen du 200 Jahre lebst, sondern 200 Jahre, in denen du sozusagen vorankommst, lernst und tust. Und du kannst es auch in zwei, drei Jahren machen.
Trotzdem ist es keine Sache von Monaten, das will ich sagen. Denk einerseits nicht, dass dir im nächsten Moment etwas passiert. Andererseits musst du in jedem Moment die Erlösung erwarten, wie man sagt: „Die Erlösung des Schöpfers kommt in einem Augenblick."
20:06 Schüler: Was passiert genau in diesen sieben guten und sieben schlechten Jahren?
Rav: In den sieben schlechten und guten Jahren fängt der Mensch an, seine Beziehung zu seinem Willen zu empfangen zu sehen, zu seiner Natur: wie sehr dieser Wille zu empfangen über ihn herrscht, wie sehr diese Herrschaft des Willens zu empfangen über mich zu meinem Schaden ist, was ich dadurch verliere. Es kann sein, dass ich in dieser Welt gewinne und mit dem Willen zu empfangen sehr gut zurechtkomme, aber gleichzeitig verliere ich die Spiritualität. Wenn ich anfange, Spiritualität als Geben zu definieren, als Annäherung an die gebende Kraft, an den Gebenden – wie ähnlich ich dem Gebenden sein werde –, dann beginnt hier eine Messung der Absicht „um zu empfangen": wie sehr sie zu meinem Schaden ist, wenn ich zur Ewigkeit und Vollkommenheit kommen will.
Und dann wird mir nach und nach klar, dass der Zustand, zu dem ich kommen will, wirklich völlig umgekehrt ist zu dem, in dem ich jetzt bin. Und ich mag diesen Zustand nicht, der Spiritualität heißt, ich hasse ihn – wie könnte ich ihn nicht hassen? Alles geben, nicht an mich selbst denken, an jeden denken, der hier sitzt, sagen wir – nu, wie kann es sein, dass ich so etwas habe? Je mehr der Mensch eine Gewissensprüfung macht, desto mehr sieht er, dass diese Sache einfach nicht durchführbar ist.
Was soll man machen? Wieder: So bringt man den Menschen der Wahrheit näher. Selbst wenn man ihm die Wahrheit nur für einen Augenblick öffnet und es ihn danach vielleicht ein paar Monate lang doch auffrisst und er vor diesem Gedanken flieht – irgendwie arbeitet es in ihm. Und beim nächsten Mal leidet er schon ein bisschen weniger darunter, das heißt, er fürchtet sich ein bisschen weniger davor, er stimmt ihm zu einem Prozent zu.
Es vergeht noch viel Zeit, dann enthüllt man ihm wieder, was „um zu geben" heißt, und er bekommt so einen Schock: So weit – geben, nicht an mich selbst denken? Und wieder flieht er vor diesem Gedanken, versteckt ihn hinter allen möglichen Dingen: Verbreitung, Bücher, er schreibt und springt herum, egal was. Nach und nach geschehen innen Handlungen, er gewöhnt sich um ein weiteres Prozent daran, dass es vielleicht wirklich so sein wird, dass es dann vielleicht wirklich ein besserer Zustand für mich sein wird. Trotzdem entschlüsselt er diese Dinge so: Ich werde alles geben, aber mir wird es gut gehen. 23:22
Das heißt, wir lernen anhand der Nöte, die der Wille zu empfangen in sich selbst fühlt. Wir gehen also noch nicht in die Spiritualität hinaus; wir denken, Spiritualität sei gut, weil wir sonst den Schlägen nicht entkommen – das ist also noch ganz und gar materiell. Aber wie dem auch sei: Durch eine solche Arbeit – mir fehlen hier noch die Worte – nähert man sich dem Zustand, in dem ich vor meinem Willen zu empfangen fliehen will, davor, an mich selbst zu denken, weil mir schon der kleinste Gedanke an mich selbst großen Kummer bringt. Großen Kummer. Ich habe Angst, an mich selbst zu denken.
Wie ein Mensch, weißt du, der Kleptomane ist, ja? So eine Krankheit gibt es: Er stiehlt gern, das liegt in seiner Natur. Es gibt sehr große, reiche Leute – sie kommen in ein Geschäft und müssen so einen Korken stehlen. Weißt du, das ist es, was sie füllt, sie können nicht anders. Indirekt würden sie eine Million Dollar dafür geben; aber eine Million Dollar geben und dafür etwas bekommen – dabei würden sie keinen Genuss fühlen. Der Genuss liegt gerade darin, weißt du: dass ich stehle. Ich habe über die Frau von Ben Gurion gelesen, Polina, Pola – wie hieß sie? Pola. Da gingen wirklich ein paar seiner Leute hinter ihr her, sozusagen, um auf sie aufzupassen, damit es keine Schande gibt, damit es nicht … Das ist eine Krankheit. Ich weiß.
Manchmal kommen solche Leute zu mir, wenden sich an mich. Verstehst du? So kommt der Mensch in einen Zustand, in dem er Angst hat zu stehlen. Er weiß, dass er sich nicht zurückhalten kann. Bis eine solche Angst kommt, dass er vor dem Willen zu empfangen fliehen muss – denn sonst wird man ihn fassen, sonst ist es der Tod. Das heißt, das geschieht immer noch innerhalb des Willens zu empfangen.
Aber der Hass auf den Willen zu empfangen entfernt ihn doch sozusagen vom Willen zu empfangen. Und dann geschieht es doch als Wunder, das Wunder des Auszugs aus Ägypten. Das ist in der Nacht, in der Dunkelheit, in der Unachtsamkeit – der Mensch sieht nicht, wie es geschieht und wodurch es mit ihm geschieht. Überhaupt ist es auf jeder einzelnen Stufe so. Jeder Übergang und jeder neue Zustand kommt zu einer Zeit, in der der Mensch überhaupt nicht versteht, überhaupt nicht erkennt, was mit ihm geschieht, in der er verwirrt ist.
Und nach den Verwirrungen und der Orientierungslosigkeit kommt der neue, hellere Zustand. Bis du danach – übrigens in demselben Willen zu empfangen – suchst und erwartest, dass Verwirrung und Orientierungslosigkeit kommen und alles, aber dass es dann einen besseren, neueren Zustand gibt. Und doch: Du willst das im Willen zu empfangen. Und wenn man wirklich zum Auszug aus Ägypten kommt, heißt das „Wunder". 26:56
Denn dort ist es etwas, das der Mensch auf gar keinen Fall selbst herbeiführen kann, weil er wirklich schon an der Grenze zwischen dem Willen zu empfangen und dem Willen zu geben ist. Dort ist es schon ein Schnitt, der bis Ejn Sof reicht, bis zum Punkt „Etwas aus dem Nichts". So ist das. Deshalb heißt es „Spaltung des Jam Suf". Jam Suf ist nicht dieser winzige Wille zu empfangen von uns, der zwischen uns und der spirituellen Welt trennt. „Jam Suf" – gemeint ist: „Jam", das Meer, das heißt das ganze Kli unserer endlichen Chochma, in seiner ganzen Endlichkeit, in allen seinen Malchujot³. Bis dorthin geht dieser Schnitt, und der Mensch geht hindurch. Und erst danach enthüllt man ihm, wodurch er hindurchgegangen ist⁴. Diese Sache ist völlig wunderhaft.
28:02 Schüler: Die sieben Jahre … und das Negative – gibt es da irgendeine Verbindung auch im Materiellen, die ein Mensch fühlt?
Rav: Was du durchmachst, hat überhaupt keine Verbindung zum Materiellen. In den sieben guten Jahren kannst du in Not sein, was nicht geschehen möge⁵, dort in deinen Geschäften, und in den sieben schlechten Jahren kannst du gerade Sahne essen. Es gibt überhaupt keine Verbindung zwischen dem einen und dem anderen.
Ja.
Schüler: Welche Aufgabe hat der Punkt im Herzen?
Rav: Der Punkt im Herzen muss die ganze Zeit wachsen, und zwar aus der Verbindung des Menschen mit der Umgebung, indem er doch denkt: „Wie werde ich mit der Umgebung arbeiten?" In dem Maß, in dem er die spirituelle Idee aus der Umgebung aufsaugen kann, wächst der Punkt im Herzen.
Ja, Rami. Nicht Rami – Lior.
29:10 Schüler: Seite 42, dritter Absatz, die Zeile, die mit dem Wort „…" anfängt … Er sagt hier: „Und deshalb gibt es eine Möglichkeit, dass der Mensch Übungen an materiellen Genüssen macht, und danach kann er schon in einem gewissen Maß aus dem Aspekt des Zimzum und der Verhüllung herauskommen." Was ist damit gemeint? Was sind hier „Übungen an materiellen Genüssen"? Was ist gemeint?
Rav: Das ist das, worüber wir sprechen: dass wir an den Freund denken müssen, an die Gruppe, daran, dem Freund zu geben – das heißt, seine Wünsche zu leben, ihm Freude zu machen. Das ist nicht dazu da, dass wir hier in „Bnei Baruch" Spaß haben, sondern um daran zu prüfen, wie weit ich wirklich vom Willen zu geben entfernt bin, wie sehr mir diese Idee verhasst ist; wie sehr ich mich vielleicht anstrenge, die Ausführung des „um zu geben" mit Gewalt an mir selbst zu vollziehen, sozusagen: in Wünschen zu leben, die außerhalb von mir sind, nicht meine. Aus diesen Übungen lernt man. Er sagt: „Und danach kann er schon in einem gewissen Maß aus dem Aspekt des Zimzum und der Verhüllung herauskommen, denn er hat schon eine Möglichkeit der Wahl, das heißt, dass er dieses Vergnügen und diesen Genuss nur aus dem Grund empfängt, dass er geben will." 31:08
Das heißt, zu lernen, wie weit er das machen kann und wie weit nicht. „In einem gewissen Maß" bedeutet, dass es dafür noch gar kein Maß gibt, sondern dass er doch erst lernt, wo er sich befindet. Es ist noch nicht die Rede davon, dass es ihm wirklich geschieht. Sicher kann der Mensch eine solche Handlung nicht selbst anfangen und beenden. Er fängt die Handlung an, er muss sich anstrengen und versuchen, sie selbst zu machen; und in dem Moment, in dem er die ganze Zeit drängt, es zu tun, und keinen Erfolg hat, enthüllt sich ihm, dass hier der Schöpfer der Partner und der Haupthandelnde sein muss.
Ja.
31:56 Schüler: Was heißt das: Der Heilige, gepriesen sei Er, …?
Rav: Äh…?
Schüler: „Der Heilige, gepriesen sei Er, hilft ihm mit einer Nishmata Kadisha" – was heißt „Kadisha"? Was bedeutet das?
Rav: Oh … „Der Heilige, gepriesen sei Er, hilft ihm mit einer Nishmata Kadisha." Das heißt: Der Mensch drückt und drückt und drückt, und dann enthüllt sich ihm, dass hier eine Art Handlung sein muss, die über der menschlichen Kraft liegt, über dieser Welt. Denn das, worauf er drückt, das, was er berührt, gehört nicht zu unserer Wirklichkeit. Es gehört zu einer Wirklichkeit, die jenseits des Machsom ist.
Dann enthüllt sich ihm, was der Machsom ist: dass er die Umkehrung im Denken ist, im Gedanken, überhaupt in allem – das ist „eine verkehrte Welt habe ich gesehen". Und dann enthüllt sich ihm, wer diese Handlung machen kann: die Höhere Kraft, der Heilige, gepriesen sei Er. Womit? Mit der „Nishmata Kadisha", indem Er ihm wirklich andere Kräfte gibt, andere Gedanken, ein Vermögen, Dinge, die er vorher nicht hatte. Das heißt „Seele", „neue Seele", „Nishmata Kadisha". Das heißt: Anstelle der Natur, in der Er ihn erschaffen hat, „um zu empfangen", gibt Er ihm jetzt eine zweite Natur, „um zu geben". Das heißt „heilige Seele", „Nishmata Kadisha". Jetzt bekommt der Mensch Kräfte um zu geben.
Ja.
33:31 Schüler: Und kann man das auf … ich weiß nicht, auf irgendeinen Kabbalisten beziehen, der vorher gelebt hat?
Rav: Nein. Hier geht es nur zwischen dem Menschen und dem Schöpfer. Das war's. Hier gibt es keinen Lehrer, hier gibt es keine Gruppe, gar nichts mehr. Der Lehrer und die Gruppe sind die Mittel, die den Menschen zur Verbindung mit dem Schöpfer bringen, und das war's. Er muss sich die ganze Zeit auf sie stützen, er muss die ganze Zeit mit ihnen in Verbindung sein. Aber die Sache ist: das Kli, die Seele des Menschen, mit dem Licht, das der Schöpfer ist. Mehr gibt es nicht.
Schüler: Was ist der Unterschied, sagen wir: „Schlawej haSulam" ist von Rabash, und von Baal HaSulam ist, sagen wir, „Talmud Esser haSefirot". Gibt es keinen Unterschied?
Rav: Was ist der Unterschied, ob wir die Schriften von Rabash lernen oder „Talmud Esser haSefirot"? Jede Unterrichtsstunde muss aufgeteilt sein: ein Teil ist die Arbeit, das Gefühl – unser Denken darauf zu richten, was wir suchen sollen, uns ein wenig auszubalancieren, ja, uns vor das Problem zu stellen, vor das Ziel. Deshalb lesen wir zuerst die Schriften von Rabash, das, was er für die Schüler geschrieben hat, und danach gehen wir zum Talmud Esser haSefirot über. Denn nachdem ich weiß, was ich im Leben will, sagen wir, aus meinem Erwachen durch den Artikel heraus, gehe ich an die Medizin heran, an das, was mir helfen kann, zu dem zu kommen, was ich jetzt will. Das heißt: Der erste Teil ist die Klärung der Krankheit, und der zweite Teil ist die Heilung.
Das heißt: Während ich beim Artikel bin, muss ich sowohl in Freude sein als auch in Traurigkeit, im Dank und in der Bitte, in allen möglichen Gefühlen, ja. Und hauptsächlich werden es eigentlich negative Gefühle sein: über das, was mir fehlt, was ich nicht habe, wozu ich noch nicht komme, was ich will – sozusagen negative Gefühle, die Enthüllung des Mangels.
Und danach, wenn ich schon einen Mangel habe, komme ich zum Lernen und suche den, der mir das heilt, den „Arzt allen Fleisches" – das heißt, dass das Licht kommt und zum Guten zurückbringt. Dann habe ich etwas, womit ich ans Lernen herangehen kann, und dann ist meine Herangehensweise an das Lernen richtig, denn dann fordere ich vom Lernen die Korrektur. Außer wirklich der Korrektur kann mir das Lernen gar nichts geben. All diese Weisheiten, die es gibt, sind etwas völlig Äußeres, nur damit man ein wenig, wie ein Tier, mit dem Lernen selbst verbunden ist⁶. Aber innen muss man nur die korrigierende Kraft fordern.
36:45 Schüler: Was ist der Unterschied zwischen den Schreibern? Gerade … zwischen den Schreibern.
Schüler: *Zwischen den Enden?*⁷
Schüler: Den Schreibern.
Rav: Was der Unterschied zwischen den Schreibern ist – Baal HaSulam schreibt darüber. Es gibt einen Unterschied zwischen den Schreibern in dem, was sie in äußerer und in innerer Form geschrieben haben; es gibt einen Unterschied in der Sprache dessen, was sie geschrieben haben. Ich spreche über Schreiber, die Kabbalisten sind. Jeder ist also auf seiner Stufe, jeder in seinem Charakter, in der Form der Enthüllung und im Maß der Enthüllung. Deshalb haben wir nur von einer einzigen, besonderen Seele zu lernen: der Seele von Rashbi, dem ARI, Ashlag. Das ist dieselbe Seele, die sich in dieser Welt zu drei Zeiten, in drei Epochen, offenbart hat, mit derselben Methode, ja, um die Methode der Korrektur zu enthüllen.
Und über alle übrigen Kabbalisten schreibt Baal HaSulam, dass sie vielleicht viel größer waren – so wie Rabbi Akiva gegenüber Rabbi Shimon viel größer war, und außer Rabbi Akiva gab es vielleicht noch größere. Aber sie wurden nicht hierher geschickt, um unsere Lehrer zu sein. Deshalb müssen wir aus deren Büchern lernen, das ist alles. Ich weiß nicht, was du da noch aus deinem klaren und großen Verstand herauswühlst, was du noch suchst. Du bist klug, du wirst den Weg sicher in ein paar hundert Jahren finden.
Ja.
38:50 Schüler: Wodurch kann ich diese Sache verbinden, wie verbinde ich das, was ich fühle, mit … wenn ich weiß, dass Nukwa zu Aba we Ima aufsteigt? Wenn ich TES lese.
Rav: Schön, eine gute Frage. Wie verbinde ich das Lernen, dass Nukwa zu Aba we Ima aufsteigt, oder alle möglichen solchen Handlungen, mit dem, was mir fehlt? Du lernst in diesen Handlungen, was in dir drinnen geschieht. Nukwa, die zu Aba we Ima aufsteigt, sagen wir, das ist der Teil des Willens zu empfangen, der jetzt durch die Kräfte des Gebens von Bina korrigiert wird, von der Höheren Kraft, die diesem Willen zu empfangen, der sich verbindet, die Absicht um zu geben gibt.
Und so musst du wirklich jede einzelne Handlung sehen. Aber wir gehen nicht daran, den Talmud Esser haSefirot im Einzelnen aufzuschlüsseln – bei welcher Handlung dieser Wille zu empfangen was macht, welche Art von Willen zu empfangen jetzt welche Art von Korrektur bekommt. Dazu sind wir nicht fähig. Wenn du auf dieser Stufe bist, dann wirst du an dir selbst fühlen, was mit dir geschieht.
Also lerne den Talmud Esser haSefirot durchaus so, dass sich das, was du liest, auch in dir drinnen vollzieht – oder dass du entsprechend dem, was sich in dir drinnen vollzieht, findest, wie es im TES geschrieben steht. Das nennt man wirklich „Die Seele des Menschen wird ihn lehren", dass du schon in deiner Seele alle Handlungen fühlst. Vorerst aber liest du über diese Handlungen, die in deiner Seele vor sich gehen, während du ohne Bewusstsein bist – du fühlst nicht, dass sie in dir vor sich gehen. Und dann sehnst du dich nach diesen Handlungen, die du nicht fühlst, deren Empfindung du aber erreichen willst, und du fängst von dort ein wenig Leuchten auf. Das nennt man: Das Or Makif kommt zu dir. Es kommt nicht und geht nicht und kehrt nicht zurück und steigt nicht herab; sondern dein Ziehen zu diesem Zustand, in dieser Handlung zu sein, gibt dir ein Leuchten von dort. Du fängst diesen Zustand sozusagen aus der Ferne auf – das nennt man: Das Or Makif kommt zu dir. Und dann heiligt dich dieses Or Makif nach und nach, reinigt dich, bringt dich ein wenig näher, und so noch ein bisschen und noch ein bisschen und noch ein bisschen.
41:32 Schüler: Heißt das, dass auch in Bezug auf … der Prozess sozusagen geschieht – dass das, was ich jetzt im TES lese, also dass ich sozusagen innen … kann man das dazu sagen?
Rav: Jede unserer Seelen ist in Dwekut mit dem Schöpfer auf der höchsten Stufe, und sie ist zugleich in allen übrigen Zuständen und Stufen – von dieser letzten Stufe bis zur niedrigsten Stufe, auf der ich mich jetzt befinde. Wenn ich also ein Buch nehme, das über meine Seele auf irgendeiner spirituellen Stufe spricht, und lese und leben will, wie er dort im Vorwort zum TES, Punkt 155, schreibt: dass man lernt und nicht versteht und sich danach sehnt, das zu wissen, was man lernt. „Wissen" heißt, sich mit dem zu verbinden, was man lernt – „Und Adam erkannte Chawa, seine Frau", das heißt sich zu verbinden, sich sozusagen zu paaren, im Sinn, im Gefühl damit verbunden zu sein, ja. Dadurch bringst du diese Sache sozusagen näher, du willst, dass sie geschieht, dass du in ihr bist. Damit, mit diesem Willen, ziehst du ein wenig von dort zu dir. Das ist die einzige aktive Handlung, die der Mensch überhaupt machen kann, und das Ergebnis davon ist, dass du dich jenem Zustand näherst.
Aber was ist jener Zustand? Jener Zustand ist ein Zustand deines Gebens an den Nächsten, ohne jede Ausrichtung auf sich selbst. So ist jeder einzelne spirituelle Zustand. Bevor du also daran denkst, musst du dich, weißt du, innen ein wenig drehen, dich darauf ausrichten – und nicht darauf, im Lotto zu gewinnen, verstehst du, oder an einem anderen Tag irgendein gutes Geschäft zu machen. Das heißt, deine Ausrichtung muss auf den spirituellen, zukünftigen Zustand gehen, der sich dir enthüllen wird, den du wollen wirst und den du irgendwie zu dir ziehen kannst.
Deshalb lesen wir vor dem Lernen alle möglichen Artikel darüber und klären, was Spiritualität ist, was der spirituelle Zustand ist. Denn der spirituelle Zustand ist nicht, dass ich jetzt ein paar Nullen mehr auf der Bank habe, verstehst du; im Gegenteil, ich habe ein paar Nullen vor mir – weißt du, wie der Rebbe⁸ im Artikel schreibt: wohin der Mensch die Nullen setzt, hinter die Eins, wenn er die Eins ist, oder vor die Eins.
Ich verstehe also, dass ich mich nicht kleiner machen kann, dass ich nicht geben kann, dass ich nicht ans Geben denken kann. Aber wenn ich kläre, was genau jene Stufe ist, ja, und während des Lernens an sie denke – und zwar an die richtige Definition dessen, was „geben" heißt –, dann bringe ich diesen Zustand damit näher. Baal HaSulam schreibt im Vorwort zum Talmud Esser haSefirot, wie man lernen muss; er schreibt, dass die Definitionen der Wörter wirklich wie in einer Schachtel abgelegt sein müssen, im Verstand.
Warum? Damit du dir keine Eigenschaft, keine Erscheinung, kein Wesen des Wortes anders vorstellst, als er es erklärt. Damit dir klar ist, dass vom Geben die Rede ist, vom Schenken, davon, sich nicht auf sich selbst auszurichten, und so weiter. Diese Sache muss sehr, sehr klar sein: Wenn du irgendeine spirituelle Handlung lernst, muss dir klar sein, dass hier von Anfang bis Ende etwas geschieht, das außerhalb von mir ist. Das war's.
Dafür, sagt er, muss man die Definitionen sehr gut lesen und sie wirklich auswendig behalten. Warum auswendig? Damit sie über dem Willen zu empfangen sind, damit sie dir wirklich die ganze Zeit in der richtigen Form zum Gebrauch bereitstehen. Denn wir vertauschen ständig die Bedeutung der Wörter.
Ja.
Schüler: Wenn der Wille zu empfangen einer Arbeit zustimmt und sie macht, dann will er Lohn. Aber er hat den Lohn schon, denn sonst hätte er nicht zugestimmt. Wie kann er diesen Lohn gegen einen ganz anderen, so unmöglichen Lohn eintauschen? Bei jeder Handlung, jeder Arbeit in der Gruppe, auf dem Feld, beim Lernen, egal was – der Wille zu empfangen stellt sich irgendeinen Lohn vor, sonst hätte er dem nicht zugestimmt.
Rav: Du fragst, welchen Lohn wir uns vorstellen sollen? Wir können den Lohn nicht wählen, der Lohn ist schon da, er hängt vom Kli ab, vom Zustand, in dem ich mich befinde. Aber was Lohn in der Spiritualität heißt, wissen wir nicht, wir können es nicht beschreiben. Du kannst einfach Wörter sagen: „um zu geben" soll für mich der Lohn sein, dem Schöpfer Gutes zu tun soll der Lohn sein. Wie kann das sein? Wie werde ich davon Genuss bekommen? Wie werde ich ein Kli fühlen, das außerhalb von mir ist, das sich füllt, das fühlt? Das haben wir nicht. Wie genießt man Dwekut? Wir können solche Handlungen in uns überhaupt nicht fühlen, noch nicht.
Schüler: Wie soll man wollen, den Lohn zu tauschen?
Rav: Wollen, den Lohn zu tauschen? Nur durch Schläge, nur durch Schläge, es gibt keine andere Lösung. Nur um sie schneller durchzugehen – das ist möglich, wenn der Mensch leiden kann; und leiden kann man sie, wenn du sie von tierischen Leiden in seelische Leiden verwandelst. Denn tierische Leiden sind Leiden, die sich so über die Zeit hinziehen, und dann kannst du sie ertragen, aber es dauert lange. 48:24
Wenn du sie verkürzen willst, kannst du nicht auf derselben Ebene der tierischen Leiden bleiben. Du musst die Qualität der Schläge vom Tierischen zum Spirituellen erheben, und dann zählt ein Schlag – ein seelischer, sozusagen spiritueller – wie tausend tierische Schläge, und damit verkürzt du die Zeit. Also, sagen wir, qualitative Schläge statt quantitativer Schläge.
Schüler: Wie erhebt man sie von einem tierischen Schlag zu einem spirituellen Schlag?
Rav: Man erhebt sie von einem tierischen Schlag zu einem spirituellen Schlag nur dadurch, dass man anfängt, genau zu klären – wie soll ich sagen –, wie lohnend die Liebe zum Nächsten ist, sagen wir. Wenn ich bei der Liebe zum Nächsten darunter leide, dass ich sie nicht habe, dass ich diese Liebe nicht habe, dann fange ich schon an, die Schläge von der tierischen Ebene auf die spirituelle Ebene zu übertragen, wenigstens von der einen zur anderen; und danach gibt es dort drinnen noch mehr.
Das heißt, es geht um Kompression – wie soll ich sagen – um Verdichtung der Zeit; und die Verdichtung der Zeit heißt, von der Menge zur Qualität überzugehen. Jedes Mal muss der Schlag qualitativer sein, so weit wie möglich auf das Ziel gerichtet. Je mehr ich für mich kläre, was Spiritualität ist, ihre Definition – wie sehr sie nicht für mich ist, wie sehr sie gegen mich ist, wie sehr ich nicht darin bin, und je mehr ich das als Schlag fühle –, desto mehr Zeit und einfach tierische Schläge spare ich mir damit.
Sagen wir: die Konzentration meiner Aufmerksamkeit – ich und meine Handlung, der Prozess und der Schöpfer. Das ist im Grunde dasselbe, in dieser Handlung ist alles enthalten. Nur: Wer ist der Schöpfer, verstehst du – verteilt Er Geschenke, oder … Er ist rein und ausschließlich Geben, ohne jede Beziehung zu sich selbst, völlig losgelöst von meinem Willen zu empfangen, von dem, was ich davon habe. Diese Klärung bringt mich von der Menge zur Qualität. Ohne sie gibt es keine Verdichtung der Zeit, es vergehen Jahre, und alles wiederholt sich.
Ja.
51:42 Schüler: Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann aus dieser Arbeit … im Materiellen, dass der Heilige, gepriesen sei Er, mir keine Schläge gibt, dass Er die Schläge zurückhält, die ich in dieser Welt fühlen müsste …
Rav: Der Schöpfer gibt Schläge nach dem Vermögen des Menschen zu leiden. Je nachdem, wie sehr der Mensch auf die Wahrheit ausgerichtet ist, wie sehr er sich darauf vorbereitet hat, die Wahrheit zu sehen – mit der Gemeinschaft, mit der Familie, mit seiner inneren Vorbereitung. So weit er sich vorbereitet hat, öffnet man ihm und zeigt ihm, dass er nicht darin ist, und zwar in dem Maß, dass er nicht wegläuft. Das nennt man die Bereitschaft zu leiden.
Und wenn der Mensch noch nicht fühlt, dass ihm das Böse geöffnet wird, dann ist er also noch nicht bereit zu leiden; dann gibt ihm der Schöpfer so etwas wie einem Baby und wartet noch, bis der Mensch sich vorbereitet hat, sich wirklich der Wahrheit zu nähern. Wir müssen verstehen, dass unser Weg doch ein Weg ist, uns in das zu verwandeln, was wir wollen – innerhalb unseres ursprünglichen, tierischen Willens. Und es gibt hier nichts, was bei uns innerhalb des Willens zu empfangen als gut ausgelegt werden könnte.
Sondern nach und nach enthüllen wir das. Auch bei dem, was ich jetzt sage, scheint es uns nicht, dass es so ist. Trotzdem stehe ich nachts auf, um Mühe zu geben, um zu verlieren – aber irgendwo anders gewinne ich. Wir haben sozusagen noch einen Ort, wohin wir mit dem Willen zu empfangen fliehen und ihn beruhigen können. Das nennt man noch keinen Schlag. Ein Schlag ist, wenn du nicht rechtfertigen kannst und dem Willen keinerlei Antwort geben kannst.
Gut, lasst uns lernen.
(Ende der Unterrichtsstunde)