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Morgenunterricht 15.03.2002
Buch „Schriften des RABASH", Band 1, Artikel „Stufen der Leiter" (Shlavei HaSulam), S. 470 Artikel „Warum wird das Fest der Matzot ‚Pessach' genannt"
Rav: Der Schöpfer zählt nur diese Handlungen, sammelt sie zusammen. Wenn sie ein bestimmtes Maß erreichen, bei dem die Seele dieses Menschen genug von der vorhandenen Kraft hat, genug von der Anstrengung, die der Mensch macht, genug von dem Licht, das auf die Seele eingewirkt hat, dann empfängt der Mensch auf einmal den Auszug aus Ägypten.
Sofort spürt er, wie sich ihm der Himmel öffnet, er beginnt eine höhere Wirklichkeit zu sehen, die Ursachen dafür, warum er sich hier in dieser Welt befindet. Unsere Welt ist die Welt der Ergebnisse, die Welt der Handlungen, ja, der Ausführungen, wohingegen die Höhere Welt die Welt der Ursachen ist, die Welt der Wurzeln, der Entscheidungen. Und dann beginnt der Mensch zu sehen – nicht dass man ihn physisch emporhebt, sondern in seinem Bewusstsein beginnt er die Ursachen für alles zu sehen, was geschieht. Das nennt man die Offenbarung der Spiritualität, die Offenbarung des Schöpfers. Und der Zustand selbst ist Pessach, weil der Schöpfer über alle Handlungen des Menschen hinwegschritt (pasach) und nur die Handlungen sammelte, in denen der Mensch zur Spiritualität gelangen wollte.
„Pharao" ist hier unsere Natur, „Moses" ist jene kleine Kraft in uns, die uns zur Höheren Welt ziehen will, ja, alle Auseinandersetzungen zwischen Pharao und Moses sind die innere Arbeit, die der Mensch vollzieht. Er spürt, wie er spürt, dass es durch ihn hindurchgeht, und er hat die Verhärtung des Herzens – je mehr er voranschreitet, desto mehr Schwierigkeiten hat er, bis er zu den zehn Plagen gelangt. Er muss sie durchlaufen, diese zehn Plagen, das sind wirklich keine angenehmen Dinge. Man muss sich ihnen stellen und sich immer Mittel ausdenken, wodurch er sich sehnen wird, woher er die Kräfte dafür nehmen wird, denn die Spiritualität leuchtet nicht etwa, sondern im Gegenteil – man verdunkelt ihm die Spiritualität, er hört auf, sie zu sehen, er will sie sozusagen nicht.
Und das alles geschieht durch die Verhärtung des Herzens, und der Pharao wird größer und Ägypten wird anziehender, und es ist gar nicht so schlimm, in dieser Welt zu leben, im Grunde tierisch und ohne Nutzen, und trotzdem erscheint es dem Menschen, dass es nicht schlimm ist. Bis wirklich jedes Mal, Mal für Mal, wenn er die Anstrengung macht, die Anzahl der Anstrengungen – die Quantität wird zur Qualität und auch die Qualität selbst steigt, und dann wird ihm der Auszug aus Ägypten zuteil.
Deshalb beginnt von hier aus eigentlich der spirituelle Prozess: Er tritt in die erste spirituelle Stufe ein, und von da an ist es schon die „Jakobsleiter", wie man sagt, die spirituelle Leiter, 620 Stufen bis zum Ende der Korrektur (Gmar Tikun), Stufen des Gerechten, Stufen des heiligen Geistes (Ruach haKodesh), Stufen der Prophetie. Und auch dort muss der Mensch jedes Mal, wenn er von einer Stufe zur nächsten aufsteigen will, jenes Umgebende Licht (Or Makif) haben, das durch das Studium, durch die innere Arbeit zu ihm gelangt. So wie hier, auf unserer Stufe – unsere ganze Welt wird als eine unter-spirituelle Stufe bezeichnet, aber dennoch eine Stufe. Also bleibt dort dasselbe Prinzip bestehen, nur dass das Licht dort offenbart ist, die Kräfte des Pharao und die Kräfte der Hilfe offenbart sind, und der Mensch sich besser zurechtfindet und besser versteht, was er tut. Natürlich versteht er dennoch jedes Mal, wenn er sich auf einer unteren Stufe befindet, nicht die Natur der oberen Stufe; trotzdem muss er mit geschlossenen Augen gehen, aber es ist nicht mehr so schwierig wie der Austritt aus dieser Welt in die Spiritualität, in die spirituellen Stufen.
Deshalb ist der Auszug aus Ägypten der schwierigste Austritt, das ist DER Austritt. Und die übrigen Ausstiege von jeder Stufe zur höheren sind bereits Schritte. Und jede Stufe, die er erwirbt, das heißt, dass er sich korrigiert hat, dass er auf sie aufgestiegen ist, wird als Mizwa (Gebot) bezeichnet. Deshalb gibt es 620 Stufen, 620 Stufen als 620 Gebote (Mizwot), TaRJaG, 613 plus 7 rabbinische Gebote.
Und wenn er auf jede einzelne Stufe, auf jede einzelne Stufe aufsteigt, dann ist dies dank dessen, dass er aus Ägypten ausgezogen ist. Deshalb fügen wir bei vielen Geboten hinzu: „Zum Gedenken an den Auszug aus Ägypten", denn diese Grundlage bringt sie hinein – dieser Auszug aus Ägypten bringt uns zu spirituellen Handlungen, die „Gebote" (Mizwot) genannt werden. Das sind nicht die Gebote, die wir aus dieser Welt kennen, bloße Handlungen mit Händen und Füßen oder mit der Zunge, sondern es sind spirituelle Handlungen, durch die der Mensch sich selbst mit dem Höheren Licht füllt.
Aber so wie wir durch die Bücher das Höhere Licht auf uns ziehen können, und zwar als Umgebendes Licht (Or Makif), das uns umgibt – weil wir noch keinen Massach (Schirm) haben, durch den es ins Innere eintreten könnte, daher wird es Umgebendes Licht genannt, das uns umgibt – und dadurch so langsam reinigt und korrigiert.
So wie wir durch Bücher diese Handlung einstweilen vollziehen, kann man diese Handlungen auch durch Taten ausführen, nicht nur Studium, sondern materielle Handlungen, denn an den Feiertagen, nehmen wir zum Beispiel das Pessach-Fest, das jetzt auf uns zukommt zum Guten – gibt es Umgebende Lichter, und je nachdem, wie sehr ein Mensch an der Ausübung des Festes teilnimmt, physisch, wie das ganze Volk, aber dass er zusätzlich zu dem, was alle haben, noch eine Absicht (Kawana) hat, durch die er zur Erkenntnis des Festes gelangen will, zum Aufstieg auf die Stufe von Pessach, dass mit ihm geschehen möge, was geschehen soll – das, was „Pessach" heißt –, dann kann er, wenn seine Arbeit auch in den Vorbereitungen zum Fest richtig ausgerichtet ist, und wenn deine Absichten richtig sind, dadurch sehr große Umgebende Lichter erlangen, auch schon in der Vorbereitung auf das Fest selbst. Deshalb bemühen wir uns, wenn ihr seht, sehr darum, und alle wollen teilnehmen und lieben diese Arbeit, weil sie ein größeres spirituelles Ergebnis gibt als das Studium.
Und Baal HaSulam und alle anderen Kabbalisten vor ihm, von allen Festen schätzen sie das Pessach-Fest am meisten und danach das Sukkot-Fest. Denn diese beiden Feste – das Pessach-Fest entspricht wirklich dem Austritt aus dieser Welt in die Spiritualität, dem Eintritt in die Ewigkeit, die Vollkommenheit, was sich eigentlich jeder wünschen würde. Und Sukkot betrifft die Wolken der Herrlichkeit (Ananei haKavod), das sind Kräfte, ebenfalls Umgebendes Licht wie eine Wolke, wie eine Sukka, Schach – das alles ist Umgebendes Licht, das zum Menschen gelangt und ihn korrigiert. Das Prinzip ist dasselbe, nur die Bedingungen ändern sich, in denen sich die Seele des Menschen befindet. Deshalb gibt es in unserer Welt verschiedene Arten, Ausdrücke, verschiedene Abbildungen dieser Feste, dieser spirituellen Zustände. Also bei Sukkot kommt es durch das Umgebende Licht in einer anderen Form, weil die Seele sich bereits auf einer höheren Stufe befindet. Das war's. Wohingegen Pessach wirklich der Austritt aus unserem Zustand ins Licht ist. Das war's.
Also jedes Mal, wenn ein Mensch an irgendeinem Studium teilnimmt, an irgendeiner Arbeit, an etwas bei uns, ist es wünschenswert, dass er nicht vergisst, die Absicht zu haben, dass all diese Dinge, die er durchmacht und die er tut – seine Anstrengung, dass er von zu Hause losgefahren ist, aufgestanden ist, hier sitzt, zuhört –, zusammen damit soll er den Gedanken haben, die Absicht, dass er dies tut, um aus dieser Welt in die spirituelle Welt auszutreten, um eine höhere Wirklichkeit zu empfinden. Diese Dinge sammeln sich dann zusammen und bewirken für ihn das Pessach-Fest.
Das ist alles. Gibt es Fragen? Bitte. Keine. Nun. Ja.
Schüler: Warum gerade, warum schätzt Baal HaSulam Pessach als das wichtigste Fest...
Rav: Warum Baal HaSulam und die Kabbalisten, auch seine Vorgänger, das Pessach-Fest so hoch schätzen.
Kabbalisten befassen sich niemals mit Geschichte. Und überhaupt gibt es keine Zeit in der Spiritualität, und daraus ergibt sich die Haltung zu allen Prozessen. Was es in der Spiritualität gibt, sind Stufen, von dieser Welt bis zum Ende der Korrektur (Gmar Tikun), 620 Stufen. Jede einzelne Stufe strahlt in diese Welt einen bestimmten Zustand aus, wobei alle Zustände, die es in der Spiritualität gibt, auf den 620 Stufen, auch hier in dieser Welt geschehen müssen. Ein einziges Mal.
Und wenn es ein einziges Mal auf der unbelebten Ebene in dieser Welt geschehen ist, muss es nicht zweimal, dreimal geschehen. Ein einziges Mal und das genügt. Nehmen wir zum Beispiel: Wir waren in Ägypten, es gab einen Auszug aus Ägypten in physischer Form, ja, in der Geschichte – wir müssen da nicht wieder hinein. Das heißt, jeder Einzelne, der jetzt aus seinem inneren Ägypten in die Spiritualität auszieht, ins „Land Israel" sozusagen, muss das nicht physisch tun, sondern physisch haben wir das bereits getan, als wir in jenen Inkarnationen waren. Das war's.
Aber weil, wie ich gesagt habe, keine Stufe wichtiger ist als die erste in der Spiritualität, denn sie ist die schwierigste – in sie einzutreten ist das Schwierigste. Sieh, was man an der gesamten Verbannung in Ägypten durchleiden muss, und dann die Plagen und die Spaltung des Schilfmeeres, und den Empfang der Tora und 40 Jahre in der Wüste, und erst der Einzug – sieben Völker, Amalek, all diese Dinge, bis man ins Land Israel einzieht. Dieser ganze Prozess ist ein sehr schwieriger Prozess. Wenn man das in der Spiritualität betrachtet und in den Begriff der Zeit übersetzt: Der Aufstieg von Stufe zu Stufe kann verhältnismäßig kurze Zeit im Materiellen dauern, das heißt, vom Materiellen ins Spirituelle überzugehen, das dauert Jahre. Er schreibt in der „Einführung in das Studium der Zehn Sefirot" (Hakdama le Talmud Eser HaSefirot) drei bis fünf Jahre, es kann das Doppelte sein.
Das heißt, es ist wirklich eine sehr unangenehme Zeit für den Menschen, denn er befindet sich in dieser Welt, er spürt noch nichts, er sieht nichts. Er liest, er hat sozusagen auch nirgendwohin zu fliehen, aber er hält sich in der Dunkelheit. Und er braucht allerlei Mittel drum herum, um sich noch ein wenig vorzubereiten, noch ein wenig die Absicht zu richten, noch ein wenig voranzukommen, das… für alles braucht er irgendwelche Stützen, die ihn halten. Wohingegen, wenn man in die Spiritualität eintritt, dort ist schon ein gebahnter Weg, man sieht, man spürt, da braucht dich keiner mehr zu überzeugen und zu stärken.
Deshalb schätzen sie das Pessach-Fest, denn es entspricht wirklich der Lösung des Schwierigsten in der Spiritualität, was mit der Seele jedes Einzelnen geschieht. Mehr noch: Alle Inkarnationen – wir sagen, dass Pessach nur zu der Zeit geschieht, wenn der Mensch sozusagen jetzt aus Ägypten auszieht, wenn er jetzt all seine Anstrengungen sammeln will und der Schöpfer sie sammelt und ihm gibt. Die Wahrheit ist, die Berechnung und die Sammlung der Anstrengungen und des Leidens und all dessen kommt von unserer ersten Inkarnation an, und in allen übrigen Inkarnationen, in denen wir uns inkarniert haben und bis zur gegenwärtigen Inkarnation gelangt sind, wurde immer diese Arbeit getan.
Jedes Leid, das ein Mensch empfindet, ist Leid aus Dunkelheit, aus dem Fehlen des Lichts. Jede Sehnsucht oder jeder irgendein Gedanke, den er irgendwann hatte, oder irgendetwas – das alles sammelt sich an. Das heißt, es sammelt sich nicht nur jetzt bei uns an, seit wir uns vor das Buch gesetzt haben, es ist auch eine Ansammlung aller Inkarnationen, und Pessach besiegelt eigentlich all diese Dinge und führt ihn heraus aus dem gesamten… von unterhalb des Machsom. Deshalb ist es ein Symbol und etwas sehr Besonderes.
Nach Pessach haben wir den Eintritt in die Spiritualität, und auch dort gibt es Kämpfe. Vom Machsom aufwärts befinden wir uns…
Kommt, ich zeichne das vielleicht. (Zeichnung) Diese Welt, Machsom, ja? Und hier ist die Stufenleiter, bis zum Ende der Korrektur (Gmar Tikun). Ja?
Wenn wir also hier in dieser Welt unser Ego haben und wir irgendwie damit zurechtkommen oder nicht, dann ist unsere Arbeit, wenn wir die Stufen hinaufsteigen und den Machsom überqueren, bereits in drei Linien aufgeteilt. Das sind Klipot, das ist Licht oder Kedusha (Heiligkeit), und wir gehen in der Mitte, in der mittleren Linie. Und hier (Zeichnung) – wenn wir in die Spiritualität eintreten, treten wir mit unserem noch kleinen Ego in die Spiritualität ein. So sehr es gewachsen ist, reicht es trotzdem nicht aus. Also beginnen wir, von den Klipot auf jeder Stufe Gefäße (Kelim) zu empfangen – das heißt, wir verlassen Ägypten, nachdem wir Gefäße mitgenommen haben, ja? Wir fliehen aus Ägypten mit den Gefäßen.
Wir machen durch das Licht, das hierhin gelangt – auf jeder Stufe gelangen Lichter, es gelangen Lichter – und wir machen auf jeder Stufe die richtige Verbindung: Das ist unsere Arbeit, die richtige Verbindung zwischen Kli und Licht herzustellen und so zur nächsten Stufe aufzusteigen, hier die richtige Verbindung herzustellen und zur nächsten Stufe aufzusteigen und so weiter.
Also auf jeder Stufe hast du Klipot, die Amalek sind, sieben Völker, ja? Sieben Nationen, die sich im Land befinden. Die Wüste, allerlei – auch innerhalb Israels offenbaren sich plötzlich allerlei, ja? Erew Raw (das gemischte Volk), allerlei, ja? Das alles kommt von der Seite der Klipa, denn es sind unsere Gefäße, unsere inneren Gefäße, die sich ständig regen, und durch das Licht, wieder durch das Umgebende Licht (Or Makif), dasselbe Prinzip, über das wir gesprochen haben, korrigieren wir das, und dann erwerben wir jedes Mal eine höhere Stufe.
Also natürlich endet der Kampf nicht bis zum Ende der Korrektur, und wir müssen bis zum Ende der Korrektur ständig gegen die Klipa sein, gegen unsere unkorrigierten Gefäße – das ist eigentlich die Klipa. Die gesamte Klipa befindet sich im Inneren des Menschen. Es endet also nicht einmal beim Einzug ins Land Israel. Wenn du ins Land Israel einziehst, gibt es hier noch viel zu tun und zu korrigieren und so weiter. Gemäß dem, was wir in der Tora lesen, durchläuft der Mensch all diese Dinge.
Ja.
Schüler: Wenn in der Zeit der Vorbereitung jede Seele… die zehn Plagen?
Rav: Ja, wir können nur die zehn Plagen nicht genau diagnostizieren, was sie sind. Aber wir werden an Pessach genauer darüber sprechen: Was ist jede einzelne Plage, was ist ihr Charakter, warum gerade durch Frösche oder durch Läuse oder durch – was gibt es hier? Ja, Hagel – was ist so besonders, warum nicht auf andere Weise? Was symbolisieren diese natürlichen Erscheinungen in dieser Welt für uns in der Spiritualität? Was wirklich in der Spiritualität mit dem Menschen geschieht. Das war's.
Ja.
Schüler: Er spricht darüber im Artikel, dass es einen Unterschied gibt zwischen den Abstiegen in dieser Welt, vom Verlangen nach Spiritualität zum Willen zu empfangen, und den Abstiegen eines Menschen, der den Machsom überschritten hat, zwischen der Kedusha und den Gefäßen der Klipot. Was ist der Unterschied zwischen diesen beiden Abstiegen?
Rav: In dieser Welt steige ich auf oder steige ich ab – da geschieht mit mir Folgendes: Zunächst, was unterscheidet diese Welt von der Spiritualität? Von hier aus, (Zeichnung) vom Machsom aufwärts ist Offenbarung, Licht. Ja? Und vom Machsom abwärts ist das Gegenteil: Dunkelheit, Verhüllung. Das war's.
Nun, dementsprechend – wenn ich mich in der Spiritualität sogar in einem Abstieg befinde, dann wird dieser Abstieg bei mir anders empfunden, denn dieser Abstieg ist ebenfalls in Lichtern, in Offenbarung. Wohingegen in unserer Welt, wenn du dich jetzt in Dunkelheit befindest – Dunkelheit heißt: du spürst keine Spiritualität –, aber selbst wenn du keine Spiritualität spürst, kannst du in Erhebung und im Verlangen sein, zu lernen und voranzukommen, oder du kannst in einem Zustand sein, in dem du nichts willst und alles schal ist und es keinerlei Verlangen nach irgendetwas gibt.
In einem solchen Zustand, in dem du dich in einem Abstieg befindest, in dieser Welt – entweder wartest du, bis die Zeit vergeht und irgendeine Rettung von oben kommt und sie dich wieder zurückziehen und dir eine Erweckung geben. Das ist nicht wünschenswert, denn es kann sich hinziehen und den Weg um ein Vielfaches verlängern. Oder aber man gibt dem Menschen diesen Abstieg nicht, damit er wartet, bis es vorübergeht, sondern damit er sich mit Kraft unter den Einfluss der Gemeinschaft begibt. Die Gemeinschaft befindet sich auf einer höheren Stufe, und dann wirkt es schnell auf ihn und er kommt heraus – sie retten ihn.
Also bei uns, hier in der Dunkelheit, gibt es zwei Zustände, die doppelte Verhüllung und die einfache Verhüllung heißen. Wenn wir uns in einfacher Verhüllung befinden, spüren wir, dass es etwas von oben gibt, dass es vermutlich einen Schöpfer gibt, und Er alles lenkt, und sogar Dinge, sogar Leiden sendet Er mir, und das hält mich, ich bin an etwas angebunden. Ich rechtfertige die Existenz irgendwie trotzdem, weißt du, ich habe eine Art Rechtfertigung für die Schläge, dass jemand da ist, der sie schickt, also gibt es vermutlich jemanden, der alles ordnet.
Wohingegen bei doppelter Verhüllung, wenn ich gar nichts spüre, außer der Natur und alles ist herrenlos – da habe ich keine Rechtfertigung für die Existenz. Man lässt mich nicht vergessen wie ein Tier, das nicht über das Leben nachdenkt, sondern ich denke über das Leben nach, und dann befinde ich mich in doppelter Dunkelheit.
Einfache Dunkelheit oder doppelte Dunkelheit, einfache Verhüllung oder doppelte Verhüllung – das ist das innere Empfinden des Menschen, es ändert sich nichts dort draußen. Also Abstieg und Aufstieg in unseren Zuständen in Ägypten, sozusagen, ja? Vor dem Machsom heißt das: „Und die Kinder Israels seufzten vor der Arbeit" – dass es dem Menschen wirklich schwer ist. Das war's. Das sind Dinge, die nach dem Machsom nicht existieren. Dort ist es auch in Dunkelheit – sozusagen in Dunkelheit –, wenn der Mensch sich in den Klipot befindet, weiß und sieht er, dass es die Klipot sind, und die Rechte gegenüber der Kedusha ist, und durch sie hindurch gelangt er zur Göttlichkeit. Er verbindet sich ständig mit dem Schöpfer durch die Klipot hindurch. Er nimmt sie als „Hilfe gegen ihn" (Eser kenegdo).
Schüler: Auch die Klipot sind auf der Ebene der Offenbarung diejenigen, die den Menschen bringen…
Rav: Auch die Klipot sind natürlich andere. Dort sind es bereits Absichten und Gedanken, und alle gegen das Empfangen. Die Klipot sind „um zu empfangen" (al menat lekabel) und die Kedusha ist „um zu geben" (al menat lehashpia). Und dieser Kampf ist ein Kampf zwischen zwei wirklich polar entgegengesetzten Zuständen. Wohingegen, bevor man den Machsom überschreitet, befindet man sich ganz, wir alle befinden uns im Willen zu empfangen für uns selbst, und zwar in einem tierischen Willen zu empfangen, sogar. Nicht im Willen zu empfangen der Klipot, dem spirituellen. Und dann sind die Verhältnisse… Das heißt, nach dem Machsom ist es anders. „Du gehst hindurch, das war's", das wünsche ich dir. Aber vorher: „Alles, was in deiner Macht steht zu tun, tue."
Das heißt, ohne Gemeinschaft glaube ich nicht, dass… Warum organisieren wir all diese Dinge? Es kommt aus der Notwendigkeit. Es kommt einfach aus der Notwendigkeit, denn sonst – ein Mensch allein, wenn er sich nicht mit den anderen verbindet, fällt er, niemand rettet ihn. Er muss sofort eintreten unter den Einfluss der Gemeinschaft.
Anderenfalls verlängert sich die Zeit auf Inkarnationen, nicht auf Jahre, auf Inkarnationen. Und wenn man jedem Einzelnen eine Erweckung gegeben hat, ist das ein Zeichen, dass er in dieser Inkarnation austreten kann. Alles hängt von seiner Arbeit ab. Und Arbeit kann man nicht verrichten, wenn man sich schon im „Baruch" befindet, im Fall. Arbeit kannst du nur verrichten, wenn du dich in Kräften befindest.
Also jetzt, wenn man sich in einer Zeit befindet, in der man sich relativ überzeugen kann, in der man mit sich arbeiten kann – da muss man schnell jeden Einzelnen sich selbst in eine Gemeinschaft einfügen, in irgendeine Ordnung, eine Verpflichtung: zu kommen, warum zu kommen, wie zu kommen, auch einen anderen mitzunehmen, der einen dann später zieht.
Allerlei Mittel ergreifen, damit danach, wenn ich falle, man Druck auf mich ausübt und mich verpflichtet. Das ist Pflicht. Jedes Mal kann ein Fall mehrere Monate dauern; durch die Gemeinschaft können es einige Stunden oder einige Minuten sein. Und das ist nicht nur eine Frage der Zeit.
Sondern wenn du herauskommst – durch die Gemeinschaft erwirbst du solche Unterscheidungen, dass du bereits über mehrere Abstiege hinwegspringst. Wenn du allein aus einem Abstieg herauskommst, erwirbst du trotzdem nicht die Erfahrung, die du brauchst. Es sei denn, durch die Gemeinschaft – und du müsstest noch weiter absteigen, sagen wir, und noch und noch. Wohingegen, wenn du durch die Gemeinschaft absteigst, erwirbst du deren Erfahrung – das, dass du dich mit ihnen verbindest –, und das ist anstelle vieler Abstiege. Das heißt, hier gibt es eine sehr große Ersparnis. Sowohl an Zeit als auch an der Anzahl der Abstiege.
Wolltest du noch etwas fragen?
Schüler: Was ist das Verhältnis zwischen der Arbeit, die der Mensch tut, Klärungen, irgendeine innere Arbeit, zur Weltlichen? Also, gibt es etwas, was der Mensch tut?
Rav: Moment, Moment, Moment. Hier ist eine unklare Frage. Was ist das Verhältnis zwischen dem, was der Mensch tut, und dem Umgebenden Licht (Or Makif)? Wir sind Gefäße (Kelim), jeder befindet sich auf einer bestimmten Stufe. Wir alle befinden uns unterhalb des Machsom. (Zeichnung) Jeder ein bisschen weiter oben oder ein bisschen weiter unten. Der Unterschied zwischen uns ist sehr gering.
Und wir lernen, dass es außer Gefäßen (Kelim) und Lichtern nichts in der Wirklichkeit gibt. Das heißt, es wirken Lichter auf uns ein. Das Höhere Licht wirkt bis hierhin (Zeichnung), bis zum Machsom. Unterhalb des Machsom leuchtet es nur von oberhalb des Machsom nach unterhalb des Machsom, es leuchtet aus der Ferne – das heißt „Umgebendes Licht" (Or Makif). Und natürlich geschieht alles, was mit uns passiert, als Folge des Umgebenden Lichts. Wenn es weniger wäre, wären wir wie – weißt du – wie ein Keim, wie ein Baum, wie irgendeine Pflanze. Du gibst ihr kein Wasser oder etwas, und sie so… Äh…?
Schüler: Verwelkt.
Rav: Verwelkt. Ja. Wenn du sie ein bisschen gießt, richtet sie sich auf. So sind wir, wie die Pflanzen dem Licht nach, der Sonne nach. Es gibt keine Wahl. Gefäße (Kelim) leben nur vom Licht. Also je nachdem, wie sehr wir Umgebendes Licht (Or Makif) auf uns erwecken, können wir von Stufe zu Stufe aufsteigen und uns so besser fühlen.
Denn in der Spiritualität ist es einfach: Wenn ich mich auf einer bestimmten spirituellen Stufe befinde (Zeichnung), sagen wir jetzt, jetzt befinde ich mich auf dieser Stufe, dann wirken alle Bedingungen dieser Stufe auf mich, und das ist, was ich empfinde. Wenn ich mich besser fühlen will, muss ich zu einer höheren Stufe übergehen.
Auf dieser Stufe werde ich niemals bessere Dinge empfangen, es sei denn, das Umgebende Licht (Or Makif) kommt in einer Form, mit höherer Intensität – es verändert sich ständig, ich bin nicht der Herr darüber, ich kann es nicht beeinflussen –, aber sagen wir, es verändert sich, dann kann ich auch auf meiner Stufe eine Veränderung zum Guten empfangen.
Oder, Gott bewahre, wenn dieses Umgebende Licht sich von oben ein wenig zum Schlechteren verändert, dann werde ich mehr in Nöten auf meiner Stufe sein. Aber das hängt nicht von mir ab. Das ist ein Licht von oben, nach irgendeinem allgemeinen Programm, so verfährt es mit mir und mit allen übrigen Seelen. Aber wenn ich praktisch irgendwie mich selbst in einen besseren Zustand bringen will, muss ich von dieser Stufe zu einer höheren Stufe übergehen.
Wie das machen? Ebenfalls durch die Nutzung desselben Umgebenden Lichts. Es gibt nichts anderes. Also alles in allem, was wir lernen – warum hat man uns die Weisheit der Kabbala gegeben? Nicht einfach, um über die gesamte Wirklichkeit zu wissen, sondern praktisch: wie wir mehr Umgebendes Licht auf uns ziehen können.
Ja.
Schüler: Sagen wir, wir sagen…
Rav: Nun, dementsprechend kann man Folgendes sagen: All unsere Handlungen, und all unsere Gedanken, und all unsere Verlangen, und all unsere Ursachen – das alles, alles bringt das Umgebende Licht (Or Makif) auf uns. Denn das Kli, das ich insgesamt bin, das sich hier befindet – mein Kli, dieses Kli ist ein Teil des großen Kli von Adam haRishon, und in ihm sind alle Eigenschaften bereits von vornherein festgelegt. Und ein Licht, das erscheint, erweckt natürlich in mir Empfindungen, Neigungen, Regungen – das alles ist im Voraus bekannt, da gibt es nichts Neues. Das heißt, wenn ich von außen, von der Seite auf den Menschen schaue, sehe ich, dass es einfach eine Maschine ist, die funktioniert gemäß dem, wie sie von innen gebaut ist und wie von außen auf sie eingewirkt wird. Unsere ganze Einmischung in diesen Prozess ist, den Prozess zu beschleunigen, dahin zu bringen, dass das Umgebende Licht mehr und mehr und mehr auf mich einwirkt, das ist alles.
Es gibt hier keine Möglichkeit, den Weg zu wechseln, aber dadurch, dass ich selbst daran teilnehme, dass das Umgebende Licht mehr auf mich einwirkt, werden die Geschehnisse bei mir mit einem anderen Empfinden aufgenommen: Ich sehe Ergebnisse von ihnen, und dann kommen die Ergebnisse, die zusammen mit dem Licht kommen, das ich eingeladen habe, sie versüßen mir diesen schlechtesten Zustand und verwandeln ihn in Gutes. Das war's.
Das heißt, wenn ohne Licht ich durch allerlei Leiden zu irgendeinem Ergebnis gelangen muss, dann verwandeln sich mit dem Licht all diese Leiden in ein angenehmes Empfinden, und ich gelange zum selben Zustand. Nur die Hinzufügung des Lichts bringt eine solche Veränderung, wirklich eine Umkehrung des Empfindens in den Gefäßen. Und bei uns ist das wirklich Leben und Tod, das ist Angst, Unsicherheit, und was jeder empfindet. Im Gegensatz dazu: Sicherheit und Stolz und Kraft – das alles macht ein bisschen weniger oder ein bisschen mehr Anwesenheit des Lichts im Kli.
Ja.
Schüler: Was ist dieser Zustand, der Moses heißt? Es scheint, als hätte er eine Präsenz sowohl in dieser Welt als auch eine Verbindung mit der Göttlichkeit. Ist das etwas…
Rav: Genau, Moses hat eine Präsenz sowohl in dieser Welt als auch eine Verbindung mit dem Schöpfer, als wäre er in der Höheren Welt. Wir lernen, dass durch das Zerbrechen der Gefäße (Kelim) alle unsere Seelen auf diese Stufe gefallen sind, ja, in diese Welt. Aber wie führt man das Kli aus diesem Zustand heraus? Wenn bei uns hier alles nur vom Willen zu empfangen wäre und wir das Umgebende Licht (Or Makif) nicht empfinden würden – wo empfinden wir das Umgebende Licht? Das Umgebende Licht empfindet nicht das ganze Kli des Menschen – das sind alles unsere Verlangen, der Wille zu empfangen für sich selbst, das war's.
Das ist insgesamt das Kli, aber im Inneren des Kli gibt es noch das, was Punkt im Herzen (Nekuda shebaLew) genannt wird. Dieser Punkt im Herzen empfindet das Licht, denn der Punkt selbst gehört nicht zum Willen zu empfangen, zum Kli – er gehört zu… er… der Punkt im Herzen, sagen wir es so, ist ein Teil des Massach (Schirm). Vom Massach, der einst vor dem Zerbrechen der Gefäße existierte, vor dem Sündenfall des Baumes der Erkenntnis – da gab es einmal ein Kli mit dem Massach. Durch den Sündenfall des Baumes der Erkenntnis zerbrach der Massach, ein Teil des Massach verblieb in unserem Willen zu empfangen, und dieser Teil ist es, der das Umgebende Licht erfasst, denn es gab einmal eine Verbindung zwischen ihnen, zwischen Massach und Licht. Jetzt wurde das Licht zum Umgebenden, zum Entfernten; der Massach – nur ein Funke von ihm befindet sich im Inneren des Kli. Die Verbindung zwischen ihnen besteht durch den Machsom, aus der Ferne einer zum anderen. Und dieser Punkt heißt Moses, dieser Funke des Massach, der verblieb, heißt Moses – vom Wort „ziehen" (liMshoch), denn durch den richtigen Gebrauch dieses Funkens ziehe ich all meine übrigen Eigenschaften, mich selbst, mein ganzes Inneres über den Machsom, führe es aus Ägypten heraus. Also Moses, der Punkt im Herzen, empfängt Kraft und führt das gesamte Kli aus der Dunkelheit heraus.
Schüler: Was bedeutet es, dass er nicht Teil des Kli ist, dass er Teil von… das heißt, das Kli empfindet diesen Punkt? Es kann… Dieser Punkt scheint eine Art Verbindung mit der Göttlichkeit zu haben, das heißt, es ist etwas, das kann… In der Erreichung der Göttlichkeit – der Geschöpf erreicht doch die Göttlichkeit nicht, bevor er den Machsom überquert. Also wie…
Rav: Und wie kommt es, dass du hier sitzt und dich danach sehnst?
Schüler: Wie kommt es, dass ich hier sitze – vermutlich gibt es etwas in mir, das eine Erreichung der Göttlichkeit hat?
Rav: Nein, nein, keine Erreichung – du hast keinerlei Erreichung. Du hast eine Eigenschaft unter all den anderen Eigenschaften, ja, es gibt ein Verlangen unter all den anderen Verlangen, das empfindet, dass es seine Erfüllung von der Göttlichkeit empfangen wird, dass dort seine Erfüllung liegt. Alle anderen Verlangen können ihre Erfüllung aus dieser Welt empfangen. Und du bist im Laufe der Inkarnationen durch all diese Verlangen gegangen – nach Ehre, nach Geld, nach tierischen Begierden, nach Wissen – du bist durch sie gegangen, und sie sind mehr oder weniger entwickelt. Jetzt, wenn sich in dir ein Verlangen nach Spiritualität erweckt – was heißt nach Spiritualität? Dass es nur durch das Licht erfüllt werden kann –, und dieses Verlangen ist es, das dich jetzt zwingt, zu arbeiten, hierher aufzustehen, hierher zu kommen und so weiter. Dieser Punkt – mit ihm arbeitest du jetzt, du empfindest ihn als den größten Mangel, zumindest größer als Schlaf, als Ruhe und als noch einige andere Dinge.
Also müssen wir diesen Punkt, diese Stufe, durch das Umgebende Licht (Or Makif) entwickeln und nicht durch Leiden. Denn was kann man tun? Wenn ich die Mängel nehme – den Willen zu empfangen für sich selbst, ja –, wenn ich ihn nehme und ihm Leiden bringe, ja, dann beginnt er zu suchen, was zu tun ist. Aus seiner Suche heraus wendet er sich an diesen Punkt im Herzen, der der einzige ist, der ihm sozusagen nicht von diesen Leiden beschädigt zu sein scheint, ja, und dann identifiziert er sich mit ihm und will sozusagen unter seinem Schutz vor den Leiden in die spirituelle Welt fliehen. Aber das geschieht durch Leiden – ein sehr langer und sehr schmerzhafter Weg. Man kann auch dadurch, dass ich den Punkt selbst entwickle, ihn größer mache als alle anderen Verlangen, dass dieses Verlangen das wichtigste von allen anderen Verlangen wird – und dann brauche ich die Leiden nicht.
Das ist eigentlich, was jetzt tatsächlich mit uns geschieht, mit dem ganzen Volk. Wenn wir diesen Ansatz nehmen, der „Weg der Tora" heißt, und den Punkt im Herzen entwickeln, brauchen wir nicht all die Leiden, die der Schöpfer uns bringt. Es gibt keine andere Absicht außer dem Schöpfungsgedanken von Seiner Seite – uns zur Vollkommenheit und Ewigkeit zu bringen. Je mehr wir selbst dies tun wollen, desto weniger brauchen wir die Schläge. Was soll man machen, aber ich hoffe, dass wir das diesmal schon ein wenig überwinden.
Ja.
Schüler: Gibt es vor dem Übergang des Machsom irgendeinen Abschnitt, an dem man sich selbst verorten kann, sagen, okay, ich befinde mich ungefähr hier? Denn…
Rav: Bevor ein Mensch den Machsom überschreitet, weiß er nicht, wo er sich befindet. Auch nachdem er den Machsom sofort überschreitet, weiß er nicht, wo er sich befindet. Er empfindet die Spiritualität, aber er empfindet die Spiritualität wie ein Baby im Mutterleib… wie ein Embryo im Mutterleib. Er annulliert sich, er hat noch keinen Massach. Er hat nur einen Massach empfangen, um sein Ego zu neutralisieren, um in der Spiritualität in passiver Form zu sein, wie ein Beobachter, aber noch nicht in aktiver Form, in der er Lichter aufnehmen kann, und dann aus dem Empfinden der Lichter in den Gefäßen (Kelim) empfinden kann, was Spiritualität ist. Sondern langsam beginnt er zu wachsen, wie ein Baby in dieser Welt.
Wenn er in die Spiritualität eintritt, tritt er erst in die neun Monate der Schwangerschaft (Ibur) ein, aber das ist schon völlig anders – er befindet sich bereits in der Mutter (Ima), er muss sich nicht mehr um sich selbst sorgen, außer… das heißt, er fällt von dort nicht mehr herunter. Er muss nur darauf achten, zunächst seine Anwesenheit in der Spiritualität nicht zu verderben – das heißt, er durchläuft den Mutterleib –, und nachdem er sich als Embryo entwickelt hat, kommt er heraus… danach, wenn er herauskommt, entwickelt er einen größeren Massach, der schon die Lichter in sich aufnehmen kann – das heißt, er wird geboren, es gibt eine Geburt. Es gibt den ganzen Prozess, den wir im TES (Talmud Eser HaSefirot) lernen, über Hunderte von Seiten. Allein die Schwangerschaft (Ibur) sind dreihundert Seiten, dann das Stillen (Jenika), das sind auch noch zweihundert, dreihundert Seiten im Talmud Eser HaSefirot. Und dann die Reife (Gadlut), Gadlut 1, Gadlut 2 – das ist ein sehr langer Prozess der Reifung der Seele, bis sie zum Ende der Korrektur (Gmar Tikun) gelangt. Ende der Korrektur heißt, der Mensch gelangt zu siebzig Jahren, zu allen siebzig Stufen von Seir Anpin.
Ja.
Schüler: Was ist der Unterschied zwischen Leiden und Abstieg, und wie weiß ich, ob ich mich in meinem jetzigen Zustand im Maß des Leidens oder im Abstieg befinde?
Rav: Was ist die Verbindung zwischen Leiden und Abstieg? Kann ich in Leiden sein und nicht im Abstieg, im Abstieg und nicht in Leiden? Ja, das ist eine schöne Frage, eine sehr gute Frage. Denn es hängt wirklich davon ab, was für mich Leiden ist und was bei uns Abstieg heißt. Ja, es kann sein, dass ich… Kann es sein, dass ich Leiden empfinde und gleichzeitig in einem Aufstieg bin? Nein, das ist unwahr. Das heißt, jedes Mal, in jedem Zustand und auf jeder Stufe, auf der sich der Mensch entwickelt, legt er für sich eine andere Definition fest, was Aufstieg ist und was Leiden ist. Bis er zu einem Zustand gelangt, in dem ihm vorher tierische Vergnügungen wichtig waren, Geld, Ehre, Wissen, allerlei Dinge, und in Bezug auf all diese Dinge war es für ihn Aufstieg oder Abstieg. Mehr verdient, mehr herrscht – dann heißt es Aufstieg. Davon gefallen heißt Abstieg. Bis er zu einem Zustand gelangt, in dem ihm all diese Dinge egal sind, nur noch spiritueller Aufstieg.
Was heißt spiritueller Aufstieg? Dass er die Spiritualität irgendwie mehr empfindet, mehr spürt, dass der Schöpfer da ist, dass Er vermutlich über alles wacht und alles lenkt und ich dazugehöre und ich eine Art Erhebung davon habe – das bestimmt, dass es „Aufstieg" heißt, und ihm geht es gut davon.
Es kann sein, dass er sich in einem Abstieg befindet und sich schlecht fühlt – in einfacher Verhüllung; in doppelter Verhüllung empfindet er nichts, er empfindet auch keinen Schöpfer, er empfindet, dass er keinen Schöpfer und gar nichts empfindet, aber er empfindet, dass er nichts empfindet. Das sind nicht einfach Tiere, die sich so um uns herum befinden, sondern ein Mensch, der jetzt sieht, dass alles dunkel ist, ihm geschehen allerlei Dinge, und er ist überzeugt, dass es in Trennung ist, ohne jegliche Verbindung mit der Göttlichkeit. Das heißt „doppelte Verhüllung" – das heißt, das ist trotzdem eine Art Offenbarung.
Und einfache Verhüllung heißt: Was mir geschieht – mir geschehen unangenehme Dinge, es können furchtbare sein, Gott bewahre –, Empfindung von Angst, von Ängsten, von allerlei beunruhigenden Gedanken, allerlei unangenehme Dinge, aber ich empfinde in ihnen, dass der Schöpfer sie mir bereitet. Die Empfindung des Schöpfers, der mir diese Dinge bereitet, versüßt mir die Empfindung des Leidens so weit, dass ich will, dass es Leiden gibt – die Hauptsache ist, durch sie zu empfinden, dass Er es für mich lenkt. Also kann es sein, dass ich sozusagen Leiden empfinde und in ihnen Genuss empfinde. Und ein Mensch, der zu einem Zustand gelangt, in dem er sich weder in einfacher Verhüllung noch in doppelter Verhüllung befindet (siehe Zeichnung), sondern sich wie ein Tier befindet, ja? Dann zieht er es vor, in die einfache Verhüllung einzutreten – egal, Leiden sind mir egal, aber durch sie werde ich empfinden, dass ich mit dem Schöpfer verbunden bin, ein bisschen etwas aus der Ewigkeit haben.
Leiden sind mir egal, wenn das das Mittel ist. Aber natürlich ist das kein wünschenswerter Zustand… Ich spreche über Zustände, die man durchläuft, so denkt man. Aber von Seiten des Schöpfers ist das natürlich kein wünschenswerter Zustand, denn ein Mensch, der wirklich zu einer Verbindung mit Ihm gelangt, muss Freude an dieser Verbindung haben. Also einfache Verhüllung ist nicht das Ende des Weges. Und auch das alles geschieht einstweilen auf Kosten des Menschen – es macht mir nichts aus, auch wenn ich Leiden empfinde, nur den Schöpfer zu empfinden. Also bei mir gibt es eine Rechnung, dass es sich lohnt, um den Schöpfer zu empfinden, sogar ein wenig dafür mit Leiden zu bezahlen, ja? Also ist es trotzdem eine egoistische Rechnung, ja? Und ich sehne mich nach dem Genuss, denn die Empfindung des Schöpfers ist für mich jetzt der größte Genuss, bis ich den Machsom überquere – es kann keinen größeren geben.
Wenn ich mich dem Machsom nähere, dann heißt dieser Zustand hier, wirklich vor dem Machsom: „Bis er mich nicht schlafen lässt" – so sehr sehne ich mich nach spirituellen Genüssen, über alle Genüsse dieser Welt hinweg. Das heißt, ich habe den Punkt im Herzen (siehe Zeichnung) gegenüber allen anderen Verlangen so vergrößert, dass sie alle fallen und ich mit ihnen sozusagen keine Rechnung mehr habe.
Aber erst nach dem Machsom, wenn ich einen Massach und eine zweite Natur empfange, beginne ich, Rechnungen zu machen, nicht was besser ist gegenüber was – das heißt, den Schöpfer zu genießen statt abends auszugehen –, sondern dort ist die Rechnung bereits „um zu geben" (al menat lehashpia) gegen „um zu empfangen" (al menat lekabel). Dort sind andere Rechnungen.
Ja.
Schüler: Was ist der Unterschied zwischen Tier und doppelter Verhüllung? Ich habe es nicht verstanden.
Rav: Tier ist ein Mensch, der einfach nichts empfindet, der in einen Zustand fällt, in dem er wieder so ist wie er vorher war, bevor irgendein Verlangen nach Spiritualität in ihm erwachte. Das heißt Tier. Tier heißt: der gewöhnliche Mensch, der fünf Sinne hat, einen Willen zu genießen, ja? Dieser Wille zu genießen ist insgesamt unterteilt in den Wunsch nach tierischen Vergnügungen, Geld, Ehre, Wissen. Tier heißt, wenn du genießen willst von dem, was du in dieser Welt siehst – das heißt Tier.
Schüler: Und doppelte Verhüllung?
Rav: Doppelte Verhüllung heißt nicht, dass du ein Tier bist. Doppelte Verhüllung heißt, dass du feststellst, dass du dich in doppelter Verhüllung befindest, das heißt, feststellst, dass du keinerlei Verbindung mit der Spiritualität hast und dich in einem Zustand der Dunkelheit befindest, und der Schöpfer nicht über dich wacht und überhaupt nichts mit allem zu tun hat, was du hast. Das heißt, doppelte Verhüllung ist trotzdem ein gewisses Maß an Offenbarung.
Wir sagen es so: Das Licht, das von oben leuchtet (Zeichnung), ein Licht, das von oben leuchtet – es leuchtet nicht einfach so zu uns hier, in unseren Zustand, mehr oder weniger. Es kann in einer Weise leuchten, dass es anwesend ist, und in einer Weise, dass es nicht anwesend ist, nicht existiert. Das heißt, sagen wir es so: Es ist „ein Gott, der sich verbirgt" (El Mistater), sozusagen – du empfindest, dass Er sich verbirgt.
Schüler: Das heißt, es gibt in jedem Fall…
Rav: Und das heißt: Wenn Er sich selbst zeigt – Licht –, das heißt Sein Angesicht (Panim), wenn Er dir zeigt, dass Er nicht erscheint – das heißt Seine Rückseite (Achoraim). Das war's. Und hier liegt der ganze Unterschied zwischen dem Weg der Tora und dem Weg der Leiden. Wenn Er dir zeigt, dass Er nicht da ist, erweckt Er in dir auf dem Weg harter Leiden. Und umgekehrt, wenn Er direkt leuchtet, ist es der Weg der Tora, der Weg der Lichter. Und das alles hängt von deinen Reaktionen ab.
Ja.
Schüler: Was bedeutet es, die Anwesenheit in der spirituellen Welt nicht zu verderben?
Rav: Die Anwesenheit in der spirituellen Welt nicht zu verderben heißt, dass der Mensch die Absicht „um zu geben" (al menat lehashpia) nicht verlässt, ständig auf seinen Massach achtet, ihn nicht zu verlieren, und dafür sorgt, jedes Mal mehr und mehr hinzuzufügen.
Schüler: Kann man den Massach verlieren?
Rav: Man kann ihn nicht vollständig verlieren und unter den Machsom zurückfallen, aber Abstiege gibt es natürlich. Aber wiederum, diese Abstiege und Aufstiege – es gibt ein Gesetz: „Man steigt in der Heiligkeit auf und steigt nicht ab in der Heiligkeit." Wir schreiten sogar in dieser Welt, in der wir uns jetzt befinden, in diesem sehr schlechten Zustand (siehe Zeichnung), trotzdem vorwärts – nur auf einem Weg, der nicht gut über uns hinweggeht. Verstehst du? Sagen wir, ich muss von hier nach Jerusalem gelangen. Also kann ich privat fahren, schön, Klimaanlage, ja, Musik, und so komme ich nach Jerusalem an. Ich kann auch nach Jerusalem gelangen, wobei auf dem Weg Minen und Bomben sind und ich weiß nicht was – und trotzdem in Jerusalem ankommen. Verstehst du? Die Frage ist, wie wir zurechtkommen.
Schüler: Kann ein Mensch, der sich in der spirituellen Welt befindet, Schaden anrichten?
Rav: Ein Mensch in der spirituellen Welt kann keinen Schaden anrichten. Seine Nachlässigkeit schadet ihm so wie in der materiellen Welt.
Schüler: Und das reicht für die Menschen…
Rav: Es gibt immer eine freie Wahl darin, ob man sich selbst erweckt und den Weg verkürzt, die Zeit verkürzt – die Zeit heiligen, heißt das –, oder nicht. Immer, auch in der Spiritualität gibt es freie Wahl, in anderer Form als bei uns, aber dennoch.
Ja.
Schüler: Gerade wurde gesagt, dass jemand, der die Stufe der doppelten oder einfachen Verhüllung erreicht, eine Wirklichkeit hat von… das heißt, wenn er bereits irgendeinen Zustand erreicht hat, bedeutet das, dass er alles vergessen wird und wirklich so sein wird wie vor einem Jahr oder zwei, wirklich ein Tier vollständig?
Rav: Nein. Auch wenn es dem Menschen erscheint, dass er nach einigen Jahren wieder so ist wie vor zwei Jahren oder sogar noch schlechter – es stimmt, dass er tiefer fällt als den vorherigen Zustand, aber er fällt, um aus Ägypten noch mehr Gefäße (Kelim) mitzunehmen, noch mehr sozusagen seine unkorrigierten Verlangen zu empfangen. Das war's. Es kann niemals sein, dass du in einem niedrigeren Zustand als heute sein wirst. Das war's. Sondern es kann für eine kurze Zeit geschehen, um dich tiefer in diesen Schmutz einzutauchen, ja, und danach, damit du siehst, wo du dich wirklich befindest, um dich schneller zum Aufstieg zu erwecken. Das ist, was heute mit uns geschieht – die Leiden nehmen immer mehr zu, bis es uns genügt, anzufangen zu denken.
Ja.
Schüler: Kann man nur sagen, dass es auch in dieser Welt Stufen gibt, die man nur nicht wirklich sieht, und dass der Mensch eigentlich ständig in Stufen aufsteigt, auch in dieser Welt?
Rav: Auch in dieser Welt gibt es natürlich Stufen, und ein Mensch, der sich befindet… Diese ganze Welt, dieser ganze Zustand (Zeichnung), dieser ganze Zustand heißt „Zeit der Vorbereitung". Zeit der Vorbereitung. Also natürlich gibt es auch hier viele Zustände, bevor man zum Machsom gelangt. Zunächst gehen wir in dieser Zeit Tausende von Jahren. Tausende von Jahren, in all den Inkarnationen durchlaufen wir nicht nur jetzt in diesem Leben. Wir sind in all diesen Inkarnationen durch Verlangen gegangen: Verlangen nach Tierischem, ja? Verlangen nach Geld, Verlangen nach Ehre, Verlangen nach Wissen und Verlangen nach Spiritualität, ja. All diese Dinge durchlaufen wir im Laufe der Inkarnationen, und das alles ist die Zeit der Vorbereitung.
Natürlich gibt es hier Stufen, Abstiege, Aufstiege. Jedes Mal wird ein wenig mehr Umgebendes Licht (Or Makif) von oben offenbart, jedes Mal wird mehr Wille zu empfangen von unten offenbart. Plötzlich wird der Mensch wieder von Geld angezogen, plötzlich macht er sich Sorgen um seine Ehre, wo er gegenüber der Gemeinschaft steht, er bekommt von der Gemeinschaft keine Unterstützung. Das ist…
(Ende des Unterrichts)