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Sukkot 2003 – Lektion 5, 13. Oktober 2003, Kfar Sitrin
Rav: Alle, die hier zusammenkommen sollten, sind jetzt da. Deshalb wiederhole ich, und vielleicht werde ich mich auch wiederholen. Obwohl es nie eine Wiederholung gibt. Wir wissen: Alle Handlungen laufen auf den ersten Blick gleich ab – Ibur, Yenika, Mochin, Ibur, Yenika, Mochin. Jeder Tag ist, mechanisch von außen betrachtet, derselbe, und doch gleicht nie ein Tag dem anderen.
So ist es auch in der Spiritualität: Der Parzuf steigt auf die nächste Stufe. Mechanisch drückt sich das in immer denselben Wachstumsphasen aus, in Wirklichkeit aber sind sie alle verschieden, und zwar erstaunlich verschieden. Der Charakter, die Eigenschaften, der Stil, das Empfinden, die Erscheinungsformen des Schöpfers, die Füllung, das Sehnen nach Ihm – all das ist völlig anders.
In unserer Welt gleichen sich die Tage. Auch wenn wir sie scheinbar gar nicht verändert haben, steckt in ihnen trotzdem etwas von der Vergangenheit, und das ist uns sogar angenehm. Wir versuchen, der Vergangenheit etwas Neues, Angenehmes hinzuzufügen, aber sie zieht uns trotzdem an. Sie gibt uns ein Gefühl von Sicherheit, ein Gefühl des eigenen „Ich", der eigenen Existenz. In der Spiritualität ist es umgekehrt. Je mehr du dich von der Vergangenheit losreißt und völlig neue Zustände erlebst, ohne jeden Blick zurück, desto mehr spürst du Leben und Existenz. Und umgekehrt: Die geringste Wiederholung der Vergangenheit ist einfach der Tod, das Verschwinden des Lebensgefühls.
Deshalb werden wir scheinbar über dieselben Dinge sprechen, aber versucht, sie heute zu erleben. Wenn ihr dieselben Worte hört, versucht, sie schon anders zu erleben, auf einer anderen Ebene, mit eurer heutigen Anstrengung. Eure Anstrengung erschafft ein neues Empfinden auf dieselben, scheinbar alten Formulierungen.
Es darf also nichts Altes geben. Ihr nehmt an irgendeiner Lektion teil, egal wer sie hält, und euch scheint, dass ihr das alles schon gehört habt und es keinen Grund gibt, dazusitzen? Dann ist das eine unglaublich falsche, völlig falsche Einstellung zu unserem Stoff.
Viele Jahre lang bin ich mit dem Rav einmal pro Woche, manchmal alle zwei Wochen, nach Tiberias gefahren. Jedes Mal haben wir Teil 16 des „Talmud Esser haSefirot" gelernt, und von diesem Teil 16 vielleicht 30 Seiten – über viele Jahre. In Tiberias haben wir sieben, acht Stunden am Stück gelernt, sagen wir von zwei Uhr nachmittags bis etwa neun Uhr abends, mit einer Pause zum Abendessen, die Morgenlektionen nicht mitgerechnet. Und die ganze Zeit haben wir uns mit demselben beschäftigt.
Dort wird der Aufbau von Adam beschrieben und wie er im Raum der Welten angeordnet ist, im Raum unserer Welt und der anderen Welten, innerhalb konzentrischer Kreise. Es ist immer derselbe Text, ich kenne ihn auswendig. Aber genau darin bestand das Training: jedes Mal mit Anstrengung zu versuchen, ihn neu zu erleben.
Genau solche Anstrengungen schaffen die Gänge, sozusagen Tunnel, durch die du in diese Welt hineingehst. Dabei dringst du immer tiefer und tiefer in scheinbar dieselbe Information ein. Man kann es auch umgekehrt sagen: von innen, aus dir selbst nach außen, durch alle Objekte unserer Welt, durch all diese äußeren Empfindungen hindurch zu inneren, bis du die eine Kraft spürst, die alles lenkt und über alles herrscht.
Das ist ein Gedanke, der uns allen Gedanken und Verlangen gibt. Und wir führen sie einfach automatisch aus, sofort, ohne jede Verzögerung unsererseits, ohne irgendwelche eigenen Entscheidungen. Wir sind einfach absolut vollständige, ganze, vollkommene Teilchen, in dem Sinn, dass wir entsprechend der Bewegung dieses Gedankens handeln. So entdeckt sich der Mensch, wenn er sich auf der anderen Seite des Machsom befindet.
Danach werden ihm alle möglichen Empfindungen und Störungen geliefert, durch die er trotzdem weiter die Einheit dieser Kraft klärt: dass es außer ihr, der einzigen, keine anderen Kräfte, Eigenschaften, Absichten oder Gedanken gibt. Und auch wenn sie irgendwie zwei- oder dreigesichtig erscheint – das alles stimmt nicht. Der Mensch beginnt zu verstehen, dass das alles nur Veränderungen sind, die in ihm selbst geschehen. Es sind Störungen, sogenannte Störungen, durch die er die Einheit der einen lenkenden Kraft immer mehr klärt. Soweit er das klärt, schließt er sich immer mehr in sie ein und verschmilzt mit ihr. Er fängt an, sich mit ihr in Einklang zu bringen, versucht es und bittet, dass sie sich ihm offenbart, damit er ihr ähnlich wird.
Und diese Angleichung kann, wie wir schon besprochen haben, nach der äußeren Offenbarung des Schöpfers gegenüber den Geschöpfen geschehen. Denn der Schöpfer selbst ist absolut und völlig verborgen. Das nennt man „Azmuto". In dieser Form erreichen wir Ihn nicht, wir erreichen Ihn nur in unserem Gefäß. Das Licht hat das Gefäß erschaffen, und das Gefäß erreicht das, was es füllt.
Der Mensch fängt an, danach zu streben, dieser Höheren Kraft ähnlich zu werden, mit Ihr zu verschmelzen, sich mit Ihr zu verbinden, Ihr zu gleichen. Eine andere Methode der Annäherung gibt es in der Spiritualität nicht, nur die der Angleichung. Wie kann er dann erfahren, wie sich diese Höhere Kraft verhält? Er fängt an, den Schöpfer zu bitten, dass Er Sich ihm zeigt. Und der Schöpfer zeigt Sich im Gefäß, in dem Gefäß, das Er selbst erschaffen hat.
Der Mensch entdeckt sich außerhalb der ganzen Menschheit stehend. Wo er auch ist, was er auch hört, was er sich auch vorstellt, er sieht, wie der Schöpfer sich zu allen Geschöpfen verhält. Er sieht, wie Er in ihnen vollständig herrscht und all ihre Zustände, Bewegungen, Gedanken und Taten bestimmt, und dass all das aus absolutester Liebe und Güte kommt. In diesem Maß fängt der Mensch selbst an, von Liebe und Güte zur ganzen Menschheit erfüllt zu werden.
Die Schlussfolgerung: Wir selbst können nie verstehen, was Liebe und Güte zum Nächsten ist. Das Gesetz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" ist das Gesetz, nach dem der Schöpfer sich zu den Geschöpfen verhält. Wenn wir dieses Gesetz gegenüber anderen erfüllen, bringt uns das in Übereinstimmung mit dem Schöpfer. Das heißt: Soweit wir dem Schöpfer darin ähnlich sind, nähern wir uns Ihm und verschmelzen mit Ihm. Mit anderen Worten, wir steigen die Stufen der spirituellen Leiter hinauf. Unser heutiger Egoismus ist unser Verlangen, andere auf jede Weise zu jedem eigenen Vorteil zu benutzen. Dafür kann es keinerlei Korrektur geben, bis wir den Schöpfer sehen. Wir müssen entdecken, dass Er sich so zur Schöpfung verhält und dass Er in diesem Seinem Willen über alle herrscht und alles bestimmt.
Es ergibt sich also: Die Enthüllung des Schöpfers ist unsere Rettung. Sie lässt uns verstehen, was der Schöpfungsgedanke ist, wie der Schöpfer ihn verwirklicht und wie wir uns ihm anschließen und in ihn eintreten können. Das ist dasselbe, wie uns dem Schöpfer zu nähern und mit Ihm zu verschmelzen. Und wer anfängt, die Menschheit zu sehen, also dem Schöpfer ähnlich zu sein, fängt an, alles Existierende ganz anders wahrzunehmen, sich selbst und alle anderen.
Genau davon spricht Baal HaSulam im Artikel „Verhüllung und Enthüllung des Schöpfers". Gestern und vorgestern haben wir darüber gesprochen, als Einleitung zu dem, was wir heute lernen. Wir werden sehen, welche extremen Zustände der Mensch erlebt, welche völlig unverständlichen Verwandlungen, aber genau so geschieht es. Dabei kann der Übergang über den Machsom, wie wir schon gesagt haben, auf eine bestimmte Weise verlaufen. Der Mensch ragt mal in die Höhere Welt hinaus, zieht sich mal ein wenig zurück, ragt dann wieder ein wenig hinaus und zieht sich wieder zurück. Diese Übergänge erforscht er sozusagen an der Grenze; es sind solche Grenzerscheinungen.
Lasst uns versuchen, diese Zustände gleichzeitig mit dem Lesen des Textes in uns zu erleben. Und nachdem wir versucht haben, etwas Ähnliches in uns zu finden, versuchen wir zu analysieren und zu verstehen: Woher kommen diese Zustände, warum, und wodurch werden sie bestimmt?
Wozu sind solche Lektionen da? Nicht, um Welten und Sefirot zu schreiben und zu zeichnen. Das kennen schon alle, wir lernen schon lange zusammen in unseren virtuellen Lektionen, und viel Neues kann ich euch nicht sagen. Alles Neue muss aus unserem Inneren kommen: wenn wir anfangen zu erleben, versuchen, in diese Zustände einzutreten und sie in uns zu erschaffen. Dann erschaffen wir sozusagen unseren zukünftigen Zustand in uns, eine Voraussetzung dafür. Wir versuchen, uns auf einer höheren Ebene vorzustellen. In diesem Maß, im Maß des Strebens nach dieser höheren Ebene, rufen wir das Or Makif auf uns.
Ich wiederhole, und ihr erlebt diese Worte immer wieder neu. Baal HaSulam sagt uns in Punkt 155 der „Einleitung zum Talmud Esser haSefirot", dass das Lernen der Kabbala unsere allerwichtigste Beschäftigung ist. Es gibt die praktische Kabbala. Das ist unsere Teilnahme an der Gruppe und der Aufbau unserer Beziehungen in der Gruppe nach dem Vorbild einer höheren Stufe. Das ruft das Or Makif auf uns, weil wir diese höhere Stufe wollen – das ist praktische Kabbala. Und es gibt die theoretische Kabbala: Wir lernen über die höhere Stufe, wie sie sich verhält, welche Gesetze in diesen oder jenen Welten gelten. Auch hier rufen wir das Or Makif auf uns, und zwar im Maß des Verlangens und Strebens, dort zu sein, uns dort zu befinden, in diese Welten aufzusteigen.
Die Kabbalisten schreiben die Bücher für sich selbst. Sie wollen spirituelle Information austauschen und einander so helfen, die spirituellen Zustände schnell zu durchlaufen, von Generation zu Generation. Wir können heute Bücher lesen, die vor zwei-, dreitausend Jahren geschrieben wurden, und sie sind für uns keine verschlossenen Bücher: dieselbe Sprache, dieselben Begriffe – absolut dasselbe. Die Methodik für Anfänger ändert sich natürlich grundlegend, weil immer neue Seelen kommen. Es sind dieselben Seelen, aber sie steigen in einem erneuerten Egoismus in unsere Welt herab und kleiden sich in Körper.
Für einen Menschen, der die Höhere Welt erreicht, gibt es keinen Begriff von Zeit. Er befindet sich mit denselben zusammen, die dort waren, egal in welchen Lebenskreisläufen. Vielleicht hat er das vor langer Zeit erlebt und ein anderer heute – das spielt keine Rolle.
Deshalb sind die Bücher der Kabbalisten für alle aktuell, die sich in den Höheren Welten befinden, egal aus welcher Epoche sie stammen. Aber wozu schreiben sie das für uns? Baal HaSulam sagt hier, dass sie diese Bücher für uns nur deshalb schreiben, damit wir beim Lernen auf den Ebenen sein wollen, von denen diese Bücher sprechen. So ziehen wir das Höhere Licht auf uns. Genau so schreibt er:
„Und obwohl sie nicht verstehen, was sie lernen, erwecken sie durch das große Verlangen¹, zu verstehen, was sie lernen, die Lichter auf sich, die ihre Seelen umgeben."
Das heißt: Die Menschen in dieser Welt wollen sehr gern wissen, was in der Höheren Welt mit ihren Seelen geschieht. Sie wollen wissen, in welchem Zustand sie in Wirklichkeit schon jetzt sein sollen und wie sie zu diesem Zustand aufsteigen. Genau dieses ihr Verlangen ruft von oben das Or Makif herbei, das Umgebende Licht, zieht es an, und es zieht sie nach oben.
Es gibt also zwei Arten solcher Handlungen. Die erste geschieht in der Gruppe. Wir erschaffen einen künstlichen Zustand einer scheinbar höheren Stufe und verhalten uns zueinander scheinbar mit Liebe, scheinbar mit Anteilnahme. Natürlich nur scheinbar, denn wir sind alle Egoisten. Aber indem wir uns so künstlich erheben, rufen wir das Or Makif auf uns. Die zweite geschieht beim Lernen. Wir streben danach, dort zu sein, worüber wir lernen, auf der Ebene, über die wir lernen, und so rufen wir ebenfalls das Or Makif auf uns.
Deshalb lasst uns die Zustände vorstellen, über die wir lernen werden. Wir sprechen darüber, dass der Mensch auf seinem spirituellen Weg zwei Zustände durchläuft: die doppelte Verhüllung und die einfache Verhüllung. Dann kommt der Machsom, danach sogenannter Lohn und Strafe² und die Liebe, und danach der Gmar Tikun.
Davor gibt es Zustände, die man unbewusst nennt, und dieser unbewusste Zustand kann Tausende Jahre dauern. Tausende Jahre waren wir schon in diesen unbewussten Zuständen. Jetzt sind wir bei dem Zustand angekommen, in dem wir angefangen haben, den Punkt im Herzen zu spüren. Wir fangen an, in diese Zustände einzutreten: die doppelte Verhüllung, die einfache, dann Lohn und Strafe und die Liebe.
Schauen wir uns an, wie Baal HaSulam diese Zustände beschreibt. Wir werden sehen: Ob wir in ihnen waren oder nicht, ob wir manchmal darin sind und manchmal nicht – das hat im Grunde keine Bedeutung. Der Mensch kann diese Zustände sehr schnell durchlaufen.
Sie sind spirituell, und in der Spiritualität gibt es keine Zeit. Dort gibt es nur das Erarbeiten von Anstrengungen, das Abarbeiten der Reshimot, die in uns aufsteigen. Sobald wir eine Reshimo verwirklicht haben, kommt sofort die nächste. Deshalb können wir diesen Weg sehr schnell gehen. Sobald wir in die einfache oder doppelte Verhüllung eintreten, wird alles nicht mehr wie im unbewussten Zustand in Jahrtausenden gemessen. Es wird schon an unseren Anstrengungen gemessen. Hier bestimmt nur unsere Reaktion die Zeit.
Baal HaSulam schreibt:
„Doppelte Verhüllung: In den Büchern wird sie ‚Verhüllung innerhalb der Verhüllung' genannt. Das bedeutet, dass der Mensch nicht einmal die Rückseite des Schöpfers sieht."
Das heißt, er hat sie einmal gesehen und versteht jetzt, dass er sie nicht sieht. Was bedeutet „Rückseite des Schöpfers"? Die Vorderseite des Schöpfers heißt Panim, Angesicht. Das ist die gute Beziehung des Schöpfers zu allen und zum Menschen selbst – so empfindet er es. Das ist schon Enthüllung, das Angesicht.
Die Rückseite ist, wenn der Mensch sich schlecht fühlt, aber versteht, dass das vom Schöpfer kommt. Dann spürt er die Rückseite des Schöpfers. Und die doppelte Verhüllung, die „Verhüllung innerhalb der Verhüllung", ist die Verhüllung der Rückseite des Schöpfers. Der Mensch versteht und spürt nicht einmal, dass alles, was in ihm ist, vom Schöpfer kommt.
„Der Mensch sieht nicht einmal die Rückseite des Schöpfers und sagt, dass der Schöpfer ihn verlassen hat und nicht auf ihn achtet."
Der Mensch versteht, dass er sich in einer Welt befindet, in der es einen Schöpfer gibt. Aber der Schöpfer ist völlig von ihm abgeschnitten, sogar mit Seinem negativen Einwirken.
Sind wir immer in diesem Zustand? Wir fallen oft in den unbewussten Zustand und müssen uns mit Anstrengungen in den Zustand der einfachen oder doppelten Verhüllung bringen. Das ist nicht schlimm, denn all diese Zustände werden sehr schnell durchlebt. Von ihnen bis zum Machsom kann es einen augenblicklichen Übergang geben.
„Und alle Leiden, die er empfängt, schreibt er dem Schicksal und der blinden Natur zu, weil die Wege der Lenkung für ihn so kompliziert werden" (so verworren, er versteht überhaupt nicht, was mit ihm geschieht), „dass ihn das zum Unglauben führt."
Was bedeutet Unglaube? Er verliert jeden Gedanken daran, dass es eine einzige Kraft gibt, die alles lenkt. Er meint, dass man in der Welt von der Frau, den Kindern, dem Chef, dem Umfeld, der Regierung, der Polizei und so weiter abhängig ist. All diese Zustände heißen Zustände der doppelten Verhüllung.
Aber er versteht, er weiß, dass er sich in diesem Zustand befindet. Sonst heißt dieser Zustand nicht doppelte Verhüllung. Verhüllung oder Enthüllung spürt der Mensch in sich, in Bezug auf sich selbst. Wenn es einen Kontakt mit dem Schöpfer gibt, fängt er hier an: doppelte Verhüllung, einfache Verhüllung, erste Enthüllung, zweite Enthüllung. In diesem Zustand:
„Er betet für seine Nöte und tut gute Taten, bekommt aber keine Antwort."
Er versteht, er versucht, etwas zu tun, spürt aber keine Antwort des Schöpfers darauf. Ich tue etwas in der Gruppe, beim Lernen, strenge mich enorm an, Monate vergehen, aber ich sehe keinerlei Ergebnisse. Die Ergebnisse sind vor mir verborgen.
„Doch gerade in dem Moment, in dem er aufhört, für sein Unglück zu beten, bekommt er eine Antwort." (Das heißt, er sieht sozusagen, dass die Welt nicht im Maß seiner Verbindung mit dem Schöpfer gelenkt wird.) „Jedes Mal, wenn er Kräfte sammelt, an die Vorsehung zu glauben, und seine Taten korrigiert" (also seinen Einfluss in der Gruppe und seine Teilnahme an den Lektionen verstärkt), „wendet sich das Glück von ihm ab, und er wird gnadenlos zurückgeworfen."
Menschen kommen zu mir und sagen: „Ich lerne seit einem halben Jahr, seit einem Jahr, und nichts. Im Gegenteil, alles wird schlimmer: bei der Arbeit, mit der Gesundheit, zu Hause, überhaupt fällt alles auseinander." Das ist die doppelte Verhüllung des Schöpfers. Wenn ihr das Gegenteil sagt, dann lehnt ihr die Herrschaft, das Geben, die Lenkung des Schöpfers überhaupt völlig ab. Dann befindet ihr euch noch vor dem Punkt, an dem ihr bewusst in irgendeine Verbindung mit der Spiritualität eingetreten seid.
„Und wenn er den Glauben wegwirft" (also den Gedanken, dass das alles trotzdem vom Schöpfer kommt) „und seine Taten verschlechtert, dann hat er großes Glück und atmet befreit auf."
Das schreibt Baal HaSulam, und er betont dabei sehr deutlich all diese Empfindungen des Menschen. Versucht wirklich, euch vorzustellen, dass es so ist. Mit diesen Übungen verkürzt ihr euren Aufenthalt in diesen Zuständen. Ihr könnt sie schon jetzt abarbeiten.
„Es gelingt ihm nicht, auf ehrliche Weise zu verdienen, sondern nur durch Betrug, durch Entweihung des Shabbat und dergleichen."
Mit der Entweihung des Shabbat ist nicht gemeint, wie die Religiösen den Shabbat halten. Gemeint sind all die Gesetze, nach denen der Mensch in die Höhere Welt eintreten soll. Im Gegenteil: Je weniger er sie korrigiert und auf nichts achtet, weder auf die Gruppe noch auf sonst etwas, desto stolzer geht er umher. Denn angeblich ist er erfolgreicher als alle anderen.
„All seine Bekannten, die Tora und Mizwot erfüllen," (die also irgendwie versuchen, sich zu korrigieren – natürlich geht es hier nicht um die Ebene gewöhnlicher Gläubiger, sondern um die Ebene derer, die ihre innere Arbeit machen) „leiden unter Armut und zahlreichen Krankheiten und sind in den Augen der Menschen verachtet. Sie wirken unkultiviert, von Geburt an dumm und heuchlerisch, und zwar so sehr, dass es ihn anwidert, auch nur einen Augenblick neben ihnen zu sitzen. Die Bekannten dagegen, die seinen Glauben verspotten," (also die meinen, sie selbst seien die Herren dieser Welt und lenkten alles selbst) „sind die erfolgreichsten, gesund, in (völligem) Einklang mit sich selbst, sie wissen nicht, was Krankheit ist, sind klug, haben gute Eigenschaften und sind in allem sympathisch …"
So erscheint ihm die Welt, so teilt er sie ein. Zum einen fühlt er sich hingezogen, zum anderen nicht, als Folge einer bestimmten Verhüllung des Schöpfers. Der Mensch gleicht hier einem Stück Eisen über einem Magneten: Nähert sich der Magnet, hebt sich das Eisen; entfernt er sich, sinkt das Eisen. Natürlich kann der Mensch hier nichts mit sich machen. Er kann keinen seiner Zustände auf irgendeine Weise bestimmen. Alle seine Zustände werden von oben bestimmt, durch die Annäherung oder Entfernung des Schöpfers von ihm.
Natürlich sind alle Worte ein bestimmtes Maß der Verhüllung des Schöpfers (siehe Abb. 1). Das gilt für alles, was der Mensch jetzt empfindet, alles, was er sagt, was Baal HaSulam beschreibt. [nur hebr. Fassung: Auf der Zeichnung wird die Kurve – doppelte Verhüllung, einfache Verhüllung – „Annäherung des Lichts an den Menschen" genannt. Oben steht „plus Egoismus", unten „minus Egoismus". Bis Lohn und Strafe verläuft die Kurve oberhalb der Skala, danach fällt sie unter die x-Achse.] Im Bereich „minus Egoismus" ist der Schöpfer vom Menschen entfernt. Vom Machsom an ist Er schon im Menschen, und wie weit im Menschen, das bestimmen dann die Stufen jenseits des Machsom.
Wenn die Vorsehung das dem Menschen auf diese Weise einrichtet, heißt das „Verhüllung innerhalb der Verhüllung". Dann will der Mensch diese Last abwerfen und kann sich nicht weiter stärken, um zu glauben, dass die Leiden vom Schöpfer zu ihm kommen. Das bedeutet, dass er nicht einmal die Rückseite des Schöpfers sieht. In diesem Zustand empfängt der Mensch im Empfinden Leiden.
Natürlich entstehen alle Empfindungen unserer Leiden in der Welt nur im Maß der Entfernung des Schöpfers von uns. Deshalb steht hier:
„1. Unzureichender Verdienst … meidet die Freunde."
Wenn er schlechte Taten tut, scheint es, als würden sie im Gegenteil belohnt. Handelt er ehrlich, sieht er, dass er dabei verliert, und so weiter. All seine Empfindungen in diesem Zustand haben einen Grund. Dem Menschen wird die umgekehrte Verhüllung gegeben, damit er gerade durch die Überwindung all dieser Zweifel das ins Positive wendet, was ihm in der Verhüllung des Schöpfers negativ erscheint. In solchen Zuständen sehen wir vieles, was gegen den spirituellen Fortschritt gerichtet ist. Dabei müssen wir verstehen: Der Schöpfer erschafft uns diese Bedingungen absichtlich, und zwar gerade durch Seine doppelte Verhüllung. Er tut das, damit wir auf diese Bedingungen unsere Korrekturen machen.
Es ist klar, dass diese doppelte Verhüllung und dieses Empfinden in uns nur dazu hervorgerufen werden. Der Mensch darf nicht davon loslassen, dass diese Empfindungen vom Schöpfer in ihm hervorgerufen werden. Dann bewegt er sich dementsprechend vorwärts.
Der nächste Zustand beginnt, wenn der Mensch diesen Zustand eine bestimmte Anzahl von Malen überwunden hat. Es scheint ihm, dass man gewinnt, wenn man seinen eigenen Weg geht, ohne sich dem Schöpfer zu nähern. Er zieht trotzdem die Annäherung vor, dass der Schöpfer ihn anzieht, den Schöpfer zu sich. Dann geht er in die einfache Verhüllung über.
„Einfache Verhüllung: Der Schöpfer ist verhüllt, das heißt, Er verhält sich zum Menschen nicht so, wie es Ihm entsprechend dem Namen ‚der Gute, der Gutes tut' zukommt, sondern umgekehrt."
Worin unterscheidet sich die doppelte von der einfachen Verhüllung? Wir haben schon gesagt: In der einfachen Verhüllung spürt der Mensch die gute oder nicht gute Beziehung des Schöpfers. Er versteht, dass sie nicht gut ist. Zum Beispiel verbinde ich alle Probleme, die ich in der Welt habe, schon mit dem Schöpfer. Jemand hat mich angeschrien, jemand hat sich über mich geärgert, jemand hat mir etwas Schlechtes angetan, ich habe etwas verloren. Alles Schlechte, was mir auch passiert, verbinde ich schon mit dem Schöpfer. In der doppelten Verhüllung verbinde ich es nicht mit dem Schöpfer. Ich verstehe mit dem Verstand, dass ich es vom Schöpfer bekomme, aber mit den Gefühlen spüre ich es nicht. In der einfachen Verhüllung spüre ich, dass der Schöpfer mir das unterschiebt, dass Er mir all diese Gemeinheiten antut.
„In diesem Fall sieht der Mensch nicht die gute Seite des Angesichts des Schöpfers. Aber er glaubt, dass der Schöpfer ihm das doch als Strafe für seine Taten eingerichtet hat oder um ihm später Gutes zu tun, wie gesagt ist: ‚Wen der Schöpfer liebt, den weist Er zurecht.'"
In diesem Zustand befinden wir uns im Grunde. Unser Problem ist nur, dass wir nicht mit Willenskraft ständig in diesem Zustand sein wollen. Er verlangt von uns große innere Anstrengungen. Aber im Prinzip befinden sich die meisten von uns darin.
„Und hüte dich zu sagen, dass all das durch den Willen des blinden Zufalls und der Natur zu ihm kommt, ohne Berechnung und Wissen."
Es ergibt sich also, dass wir auch hier Zweifel haben, ob das vom Schöpfer kommt oder nicht. Solange sich der Schöpfer nicht enthüllt, bis zum Machsom selbst, haben wir überhaupt keine klare Empfindung des Schöpfers. Ob es Seine Lenkung gibt oder nicht, ob wir Ihn spüren oder nicht – all das ist völlig verschwommen. Deshalb heißt das auch Or Makif.
„Und wer sich im Glauben stärkt, sieht, dass der Schöpfer auf diese Weise über ihn wacht. Das gilt als Sehen der Rückseite des Schöpfers, da er von Ihm Leiden empfängt."
Solange wir den Machsom nicht überschritten haben, solange wir in der doppelten oder einfachen Verhüllung sind, spüren wir ständig negative Einwirkungen, eine negative Lenkung auf uns. Wir müssen uns ständig mit irgendwelchen Anstrengungen vorwärtsschieben. Wir müssen uns zwingen, uns in die Gruppe einzubringen, in irgendeine Arbeit, in die Verbreitung. Wir sehen darin nichts Positives, und es zieht uns nicht von selbst an.
„Beschreibung: Entweder fehlt ihm der Verdienst und er hat zahlreiche Gläubiger, die ihm das Leben vergiften, oder er ist den ganzen Tag voller Sorgen und Mühen, oder er leidet an Krankheiten, oder er wird von den Menschen nicht geachtet" (all das sind negative Eigenschaften, die er so an sich vonseiten des Schöpfers spürt). „Kein Plan, den er sich vorgenommen hat, geht in Erfüllung, und jeden Tag hat er keine Seelenruhe." (Unsere gewöhnlichen Zustände in unseren Gruppen.)
Was kann man hier tun? Wir fallen oft in unbewusste Zustände, oft in die doppelte oder einfache Verhüllung, und manchmal kommen wir sogar dicht an den Machsom heran. Alles hängt nur von unseren sehr großen Anstrengungen ab. Diese großen Anstrengungen werden uns trotzdem durch diesen ganzen Bereich schieben. Vom Machsom und zurück, hin und zurück werden wir ständig gehen. Wir werden uns auf keine Weise selbst packen, irgendwo an einem Ort festhalten und uns systematisch dem Machsom nähern können.
Wir können es nicht! Dafür brauchen wir eine Umgebung. Nur die Umgebung kann ständig Druck auf uns ausüben, zusätzlich zum sich enthüllenden Schöpfer. Nur sie kann ein solches Feld um uns schaffen, das uns ständig drückt und vorwärtsbewegt.
Menschen, die das nicht tun, die sich nicht in eine Umgebung einbringen, wandern zwischen diesen Zuständen umher. Sie gehen vom unbewussten zur doppelten und einfachen Verhüllung und zurück, jahrzehntelang. Jahrzehntelang! Hier muss unbedingt die Kraft der Gruppe hinzukommen, ohne sie ist es unmöglich.
Baal HaSulam schreibt im Artikel „Die Freiheit", dass der Mensch sich seiner spirituellen Verwirklichung nähert, dem Übergang über den Machsom. Das geschieht, indem er für sich jedes Mal eine immer bessere und bessere Gemeinschaft wählt.
Anders gibt es hier keine Möglichkeit, vorwärtszukommen: Ihr werdet immer hin und her pendeln, ein bisschen vor, ein bisschen zurück. Wenn ihr solche unkontrollierbaren inneren Zustände habt, bedeutet das, dass ihr eine Umgebung braucht, und zwar ständig, jedes Mal mehr. Gibt es irgendeine Bewegung zurück, ist der Mensch auch nur für eine Sekunde zurückgefallen, bedeutet das, dass die Gruppe ihn nicht gestützt hat. Denn im idealen Zustand muss sofort ein negativer Zusatz dazukommen, sobald eine positive Kraft von der Gruppe erscheint. So entsteht ein Ausgleich, und der Fortschritt beginnt.
Die richtigste Methode des Fortschritts ist, wenn du einen Vorrat an Kräften hast. Die Gruppe hat dir Begeisterung, Kraft und Zuversicht hinzugefügt, und gleichzeitig steigt entsprechend dein Egoismus auf. Er kommt aus deinem ganzen Kästchen, in dem er vollständig verborgen liegt. Das bedeutet, dass ich den Ereignissen vorauseile. Das nennt man „Ani meorer et haShachar", „ich wecke den Morgen"⁴, wie König David geschrieben hat. Es heißt, immer in dem Maß zu gehen, in dem die Gruppe dich positiv führt und erhebt. Sie muss dich so positiv führen, dass sich der Egoismus in dieser Zeit maximal und optimal in dir enthüllt. Wenn das richtig geschieht, wächst der Mensch ständig. Natürlich wird hier alles nur durch die Gruppe bestimmt und durch die Verschmelzung des Menschen mit der Gruppe.
Unsere Aufgabe ist es, ein solches gemeinsames Feld zu schaffen, einen solchen gemeinsamen Gedanken, ein Verlangen, das uns ständig vorwärtsbewegt. Und jeder muss mit seinen inneren Anstrengungen versuchen, vor allem die Verantwortung zu spüren. Wenn er auch nur für eine Sekunde aus dieser Arbeit herausfällt, aus diesem Streben nach vorn, verrät er damit einfach seine Freunde.
Enthüllung.
„Die Forderung an den Menschen, sich während der Verhüllung im Glauben zu stärken," (im Glauben, das heißt in derselben Beziehung zur Menschheit wie beim Schöpfer) „daran, dass der Schöpfer die Welt lenkt, bringt ihn zu den Büchern. In der Tora empfängt er ein Leuchten" (Or Makif) „und versteht, wie er sich im Glauben an die Lenkung des Schöpfers stärken kann" (Glaube nennt man die Eigenschaft des Gebens, die sich allmählich in uns zu zeigen beginnt). „Und dieses Leuchten und die Konzentration, die er mit Hilfe der Tora empfängt, heißen ‚korrigierendes Mittel der Tora'. Und wenn sie sich bis zu einem bestimmten Maß angesammelt haben, erbarmt sich der Schöpfer seiner."
Was bedeutet „erbarmt sich"? Das Streben nach vorn sammelt sich bis zu einem bestimmten Maß auf einer bestimmten Ebene des Egoismus an. Es wird also eine gewisse innere Ansammlung dieser Energie auf der egoistischen Kraft erreicht. Dann erbarmt sich der Schöpfer seiner.
Was bedeutet, Er erbarmt sich seiner? Der Mensch überschreitet den Machsom.
„Erbarmt sich": Erbarmen ist die Eigenschaft von Bina, die Eigenschaft der Barmherzigkeit. Das heißt, der Mensch empfängt die Eigenschaft von Bina. (Diese russische Übersetzung ist sehr alt und nicht korrigiert. Das sind Notizen von Baal HaSulam, kein Artikel von ihm. Er hat es einfach als eigene Vermerke aufgeschrieben. Deshalb ist der Text hier nicht bearbeitet, nicht einmal auf Hebräisch, und erst recht nicht auf Russisch.)
„Und dann wird sich von oben der Geist des Schöpfers⁵ über ihn ergießen."
Das heißt, er empfängt schon von oben Or Makif, das allmählich in ihn eintritt und zu Or Pnimi wird. Hier ist Or Makif, und hier schon Or Pnimi – Licht, das in den Egoismus eintritt.
„Doch das geschieht erst, nachdem er das ‚korrigierende Mittel', also das Licht der Tora, in voller Fülle enthüllt hat" (wenn er genug Or Makif auf sich zieht, korrigiert es ihn schließlich und gibt ihm seine Eigenschaften. Das Licht korrigiert das Gefäß, das wissen wir), „das der Mensch in den Körper" (in seinen Egoismus) „einatmet, infolge der Stärkung des Glaubens an den Schöpfer" (er erwirbt die Eigenschaften von Bina). „Dann wird er geeignet für die Vorsehung durch die Enthüllung des Schöpfers."
Der Mensch fängt an, in sich die Eigenschaften zu enthüllen, dass der Schöpfer „der Gute, der Gutes tut" ist – das fängt er an zu sehen.
Was empfindet er in diesem Fall?
„Wer vom Schöpfer großes Gut und grenzenlose Ruhe empfängt," (das ist die erste Empfindung beim Übergang über den Machsom; wir haben sie in unseren Lektionen schon in allen möglichen Varianten beschrieben) „ist immer seelisch zufrieden, denn er verdient leicht und in ausreichender Menge."
Wenn der Mensch den Machsom überschreitet, wird vor allem sein „Ich" annulliert. Er hört auf, sich als etwas zu denken, das außerhalb des allgemeinen Gefäßes existiert. Er sieht deutlich dieses allgemeine Gefäß und den Schöpfer, der es füllt, und befindet sich schon in der vollen Empfindung der Höheren Welt. Höhere Welt nennt man das Sehen des allgemeinen Gefäßes, der Versammlung aller Seelen, und des Schöpfers darin. Diese Empfindung bestimmt dann alle Beziehungen des Menschen zu sich selbst und zu seinem Umfeld.
„… großes Gut, grenzenlose Ruhe, ist immer seelisch zufrieden, denn er verdient leicht und in ausreichender Menge."
Lasst uns folgendes Bild zeichnen: das „Ich", also jeder von uns, den Schöpfer und die ganze Menschheit, also dieses ganze allgemeine Gefäß. Zwischen mir und dem Schöpfer sind die Welten: Assija, Yezira, Brija, Azilut und Adam Kadmon. Wenn ich mich dem Schöpfer nähern will, was muss ich tun? Ich muss mich zur Menschheit, diesem allgemeinen Gefäß, genauso verhalten wie der Schöpfer. Das „Ich" ist der Punkt im Herzen. In diesem Fall bitte ich um die Enthüllung des Schöpfers.
Was bedeutet Enthüllung des Schöpfers? „Zeig mir Deine Beziehung zur Menschheit, zeig mir, wer Du bist, zeig mir, wie Du Dich zu ihnen verhältst." Wenn ich genau darum bitte, enthüllt sich mir der Schöpfer. Und von wo aus bitte ich darum? Aus jenem inneren Gen, das sich in mir nach und nach entfaltet und verwirklicht. Hier habe ich schon eine abgearbeitete kleine Spirale, und der andere Teil wickelt sich jetzt allmählich ab.
Wenn in mir ein Verlangen erscheint, baue ich darauf ein kraftvolles Sehnen zum Schöpfer auf: Ich will Ihm ähnlich werden. Ähnlichkeit gibt es nur in Bezug auf das allgemeine Gefäß, dort, wo Er sich enthüllt. Wir haben besprochen, dass das schon in Phase eins geschieht. Die Phase null ist reines Licht. Die erste Phase ist schon die Enthüllung der Beziehung des Schöpfers zur Schöpfung: Der Schöpfer erschafft ein Gefäß und füllt es vollständig mit Sich selbst. Das geschieht schon in der ersten Phase. Und außerhalb davon gibt es nichts.
Danach zerbricht dieses Gefäß in winzigste Teilchen.
Was bedeutet „zerbricht"? In Wirklichkeit zerbricht nichts, das alles ist nur in Bezug auf uns. Es existiert nur dieser eine, einzige Zustand. Dann fängt in ihm ein zweiter Zustand an zu erscheinen: Das Gefäß will dem Schöpfer ähnlich werden, weil das Licht sich so zeigt. Der dritte Zustand: Das Gefäß prüft, wie weit es dem Schöpfer ähnlich sein kann. Der vierte Zustand: Es enthüllt vollständig seine egoistische Natur. Der fünfte Zustand ist der Zimzum, und so weiter. All diese Zustände sind die innere Empfindung des Gefäßes. In Wirklichkeit geschieht in ihm ja nichts.
Hier hat das Gefäß angefangen, den Schöpfer zu spüren, deshalb sagt es: „Ich will das Licht nicht empfangen, ich spüre es nicht, ich empfange es nicht." Was bedeutet „ich empfange nicht"? „Ich will es nicht spüren." Aber das Licht existiert ja in ihm. Der erste Zustand existiert innerhalb des zweiten, denn der zweite ist aus dem ersten hervorgegangen. Er basiert auf ihm und befindet sich in ihm, und so weiter.
Auch beim Zimzum bleibt ja alles drinnen, ich will mich nur nicht so spüren. Ich schließe sozusagen wie ein Kind die Augen: Ich spüre nicht, sehe nicht, höre nicht. In Wirklichkeit ändert sich der Zustand nicht. Fakt ist: Das Gefäß ist erschaffen, und der Schöpfer füllt es. Das bleibt konstant.
Dasselbe geschieht beim Zerbrechen des Gefäßes und danach bei seinem Fall in unsere Welt. Das alles ist in Bezug auf die innere Empfindung des Gefäßes selbst: Es entwickelt sich, und nach einer bestimmten Anzahl von Handlungen zerbricht es. Was bedeutet „zerbricht"? Jedes seiner Teilchen fängt an, sich als selbstständig zu empfinden, nicht verbunden mit den anderen Teilchen. Es fängt einfach an, sich so zu empfinden.
Vonseiten des Lichts, vonseiten des Schöpfers befinden wir uns in vollständig gefülltem, korrigiertem Zustand, in völliger Dwekut mit Ihm, nichts stört uns. In Bezug auf Ihn befinden wir uns in einem absolut unveränderlichen Zustand. Davon spricht das Grundgesetz der Weisheit der Kabbala: Das Licht befindet sich in absoluter Ruhe. „Or Eljon nimza bi-Menucha muchletet"⁶, so klingt das auf Hebräisch. Und danach geschehen all diese Zustände. Sie sind gerade dazu nötig, jeden von uns herauszuheben: ein „Ich", noch ein „Ich", noch ein „Ich" – sehr viele solche „Ichs", insgesamt 600.000.
Wozu? Damit jeder von uns jetzt bewusst dazu kommt, dass er selbst will, dass dieser Zustand existiert. Er will, dass der Schöpfer ihn füllt, und er erreicht diesen Zustand bewusst durch seine eigenen Anstrengungen. So baut er sozusagen sein Gefäß. Wenn ich mich jetzt zum ganzen übrigen Gefäß so verhalte, wie der Schöpfer sich zu ihm verhält, dann erschaffe ich dieses erste Gefäß, ich baue es. Und wenn ich mich dabei mit meinen Handlungen gegenüber diesem Gefäß, gegenüber diesen übrigen Seelen, als Leiter des Lichts des Schöpfers zeige, dann fülle ich sie auch.
So führe ich letztlich diese Handlung aus. Das „Ich" ist der Punkt im Herzen, der Punkt von Bina, der Punkt des Schöpfers, der in mir ist. Es ist nicht der Punkt von Malchut, nicht der Punkt dieses Gefäßes selbst. Der Punkt „Ich" in uns ist der sogenannte „Chelek Eloka mimaal", ein Teil des Schöpfers von oben. Das ist uns gegeben, und das gibt es weder in der unbelebten noch in der pflanzlichen noch in der tierischen Natur⁷. Ich stütze mich auf diesen Punkt, wenn er in mir zu sprechen angefangen hat. Dann fange ich an, dieses Gefäß wirklich zu bauen, mit anderen Worten das, was mir in so zerstreuter Form gegeben ist.
Hier werde ich dem Schöpfer in der Handlung vollständig ähnlich: Ich baue das Gefäß und fülle es dann mit Licht. Dabei lenke ich den Schöpfer als korrigierendes Licht. Ich rufe Sein Licht herbei und sage: „Gib mir die Möglichkeit, dieses ganze Gefäß zu verbinden, ich will, dass es verbunden ist." So muss meine Beziehung zu Ihm sein. Das nennt man dann Enthüllung: die Phasen von Lohn und Strafe, dann der Liebe – es gibt mehrere Phasen. Damit klebe ich das Gefäß wieder zusammen, und dann wird es durch mich mit Licht gefüllt.
So erreicht der Mensch einen Zustand, in dem er allein aus seinem Punkt, den ihm der Schöpfer gegeben hat, genau dieselbe Handlung ausführt. Dabei wird er dem Schöpfer vollständig ähnlich. Dann kommt er auf eine solche Ebene – nennen wir sie ebenfalls „Schöpfer", ich will mit euch jetzt noch nicht höher hinaufsteigen. Auf ihr versteht er alle Pläne des Schöpfers, weil er dasselbe getan hat. Er versteht alle Handlungen des Schöpfers, alle Seine Gedanken, wie der Schöpfer sich zur Schöpfung verhält. Denn er hat genau dieselben Handlungen ausgeführt, dieselbe Arbeit, nur aus sich selbst heraus.
Dabei ergibt sich: Der Schöpfer hat dieses Gefäß aus dem Nichts erschaffen. Was heißt „aus dem Nichts"? Aus einem Punkt, in dem es keinen Anfang gibt, das sogenannte „Jesh mi Ajn", aus dem Nichts erschaffen. Das Verlangen zu empfangen ist aus dem Nichts erschaffen.
Der Mensch hat dieses kleine Verlangen zu geben vom Schöpfer bekommen. Deshalb konnte er eine Brücke in die umgekehrte Richtung schlagen. So kommt er in den Zustand, der vor seiner eigenen Erschaffung war: Er steigt auf eine Ebene, auf der nur der Schöpfer selbst existiert. Das alles fangen wir jetzt praktisch an zu verwirklichen. Und natürlich verwirklicht sich das alles, wie Baal HaSulam schreibt, nur in unserer Beziehung zu allen übrigen Seelen.
Was empfindet der Mensch in solchen Fällen? Baal HaSulam gebraucht hier so schöne Worte, die für den Egoismus scheinbar sehr angenehm sind: „Er empfängt vom Schöpfer großes Gut, grenzenlose Ruhe, ist immer seelisch zufrieden." All diese Empfindungen sind aber schon in altruistischen Verlangen, nicht in egoistischen. Das ist gerade die Folge davon, dass der Mensch aus seinem „Ich" herausgegangen ist. Er hat sich in die anderen eingelebt und sein eigenes „Ich" verloren. Sein „Ich" existiert nur in dem Maß, in dem er sich in den übrigen Gefäßen befindet.
Diese Zustände empfindet er in dem Maß, in dem er sich in den übrigen Seelen befindet. Hier empfindet er diese Zustände:
„… großes Gut und grenzenlose Ruhe, ist immer seelisch zufrieden, denn er verdient leicht und in ausreichender Menge. Er kennt nie Sorgen und Unruhe, kennt keine Krankheiten, ist bei den Menschen sehr geachtet …"
Ich habe euch schon erklärt, dass Krankheiten nur vom konkreten Menschen abhängen, genau wie Unannehmlichkeiten⁸. Baal HaSulam zeichnet hier natürlich den Idealfall. Denn noch gibt es keine vollständige Korrektur aller Seelen. Noch hat nicht jeder von uns – „Ich", „Ich", „Ich" – sein „Ich" durch seine Beziehung zum allgemeinen Gefäß, zu Adam, korrigiert. So lange wird auch der größte Kabbalist in einem bestimmten Maß krank sein und leiden, denn er hängt von allen übrigen Gefäßen ab. [nur hebr. Fassung: Er nimmt am Leid der Allgemeinheit teil.]
Aber trotzdem sind die Empfindungen so, wie er schreibt: „… geachtet bei den Menschen …" So empfindet er alles, soweit er darin eingeschlossen ist. „… mit Leichtigkeit vollendet er alles, was er angefangen hat, und hat Erfolg in allem, was er anpackt. Wenn ihm etwas fehlt, betet er … und bekommt alles; auf jeden Wunsch⁹ antwortet der Schöpfer sofort. Kein Gebet bleibt unerfüllt." Und umgekehrt: „… wenn er nachlässig ist, sinkt sein Erfolg im selben Maß."
Im Prinzip ist hier nichts besonders Neues. Der Schöpfer, das Licht, hat uns erschaffen. Dann hat Er das Gefäß nach Sich selbst erschaffen, und alles, was in Ihm ist, wird im Gefäß als angenehm empfunden. Denn Er hat das Gefäß nach Seinem Ebenbild erschaffen. Er hat Seine Form in das Verlangen zu genießen eingeprägt: woran man sich erfreut, was man als Genuss empfindet und was umgekehrt als Leiden. Deshalb empfinden wir das, was im Schöpfer ist, als Genuss, und das, was nicht in Ihm ist, als Leiden.
Je stärker sich bestimmte Eigenschaften in Ihm zeigen, desto stärker empfinden wir sie als Genuss. Je weniger sie sich in Ihm zeigen, desto geringer empfinden wir auch den Genuss. Und wenn diese Eigenschaften in Ihm überhaupt nicht vorhanden sind, werden sie in uns als Leiden empfunden. Daher kommt das: Das Licht hat das Gefäß erschaffen und all seine Eigenschaften in das Gefäß eingeprägt.
Woher sind überhaupt all diese Verlangen im Gefäß gekommen? Woher die 620 Verlangen, die 600.000 Seelen, das Zerbrechen in TaRaCh, RaPaCh, ShaS¹⁰, 288, 320, 365, 248? Woher kommen all diese Eigenschaften, all diese Unterteilungen in Verlangen und all ihre Verbindungen untereinander? Das alles ist im Licht angelegt; der Schöpfer hat auf diese Weise einen Abdruck gemacht. Deshalb geschieht alles automatisch: Alles, was wir in der Welt finden, tun oder fühlen, wird nur in Bezug auf diesen ersten Stempel empfunden, den Er in uns gemacht hat. Das gilt für alles, was in uns als äußere oder innere Welt empfunden wird, egal wie.
Was Ihm ähnlicher ist, wird als positiv empfunden; was Ihm weniger ähnlich ist, als negativ, als Leiden. Deshalb gehen wir natürlich sofort in die Empfindungen über, die Baal HaSulam hier beschreibt, und zwar in dem Maß, in dem wir unsere richtige Beziehung zu den übrigen Seelen vergrößern.
Und umgekehrt:
„All seine Bekannten gehen den ehrlichen Weg, verdienen gut, kennen keine Krankheiten …"
Und all jene, „… die nicht den Weg der Tora gehen" (denselben Weg), „haben keinen Verdienst, Gläubiger bedrängen sie … sie wirken dumm und unkultiviert, schlecht" und so weiter. Im Grunde ist es erstaunlich, wie sich im Menschen alles verändert. Und das ist interessant: Was kann man in unserer Welt über einen Menschen sagen, wenn der eine eine Million verdient und der andere mit Mühe von seinem Gehalt lebt? Das sind im Prinzip objektive Dinge. Prüf ihre Bankkonten, und du kannst sagen, wie viel der eine hat und wie viel der andere.
Hier aber geht es um etwas anderes. Ich ändere meinen Zustand, meine Beziehung zum allgemeinen Gefäß. Dann sehe ich plötzlich, dass derjenige, der Millionen auf der Bank hat, völlig unglücklich sein kann. Es reicht ihm nicht zum Leben, in Wirklichkeit hat er nichts. Und derjenige, der von einem bescheidenen Gehalt lebt, fast am Hungern, hat von allem genug, ihm fehlt nichts im Leben. Wie kann das sein? Hier müsste es doch scheinbar irgendwelche objektiven Maßstäbe geben.
Man könnte meinen, wir können alles von außen messen, nicht vom Standpunkt des Kabbalisten, der sie sieht. In Wirklichkeit aber nicht. Unsere gesamte Empfindung der Welt ist, wie wir schon oft gesagt haben, absolut subjektiv und prägt sich nur in uns ein. Deshalb ist dieses Bild vielleicht schwer zu erklären.
Aber in Wirklichkeit sieht der Mensch, der im Licht des Schöpfers sieht, die ganze Menschheit anders. Er sieht sie nicht danach, wie sie sich aus ihrem Egoismus heraus bewerten. Er sieht, wie sehr jeder von ihnen in die Erfüllung des allgemeinen Plans des Schöpfers eingeschlossen ist. Danach bewertet er jeden von ihnen als erfolgreich oder nicht.
Was wollte ich damit sagen? Ich habe diesen Artikel „Verhüllung und Enthüllung des Schöpfers" als Handschrift von Baal HaSulam auf so einem kleinen Zettel – das ist alles, was er geschrieben hat. Was ist daran gut? Er zeigt uns, wie subjektiv die Empfindung der Welt ist, wie sehr sie sich nur in uns befindet. Nur soweit wir dem Schöpfer ähnlich werden, empfinden wir ein wahreres Bild der Welt. Und wenn wir uns vom Schöpfer entfernen, empfinden wir ein verzerrteres Bild der Welt.
Wir haben keinen anderen Weg, uns richtig zu fühlen, uns selbst und unsere Zustände zu regulieren, wo wir uns befinden. Der einzige Weg ist, das Or Makif auf uns zu ziehen und zu versuchen, unsere Existenz im Licht des Schöpfers zu sehen. Dann erheben wir uns über die Ebene unserer Gilgulim¹¹, unserer Kreisläufe. Darüber haben wir auch gestern gesprochen. Im ungesteuerten Zustand können wir entweder die Höhere Welt empfinden, wenn wir außerhalb unserer irdischen Existenz sind. Dann existieren wir als Punkt im allgemeinen Gefäß, als ein Punkt, der sich praktisch nicht spürt. Oder wir existieren so, wie alle Menschen in unserer Welt existieren, in einem absolut unbewussten Dasein, also in Bezug auf die Spiritualität nicht bewusst. In beiden Zuständen haben wir viele, viele Kreisläufe lang existiert, Tausende Jahre.
Heute haben wir eine andere Aufgabe. Im Laufe dieses Lebens sollen wir einen Zustand erreichen, in dem wir uns gleichzeitig in beiden Zuständen befinden: im irdischen Leben, in diesem, und im höheren Leben, in jenem. Was gibt uns das? Es gibt uns die volle Empfindung beider Leben.
Wenn der Mensch in diesem Leben nichts erreicht hat, existiert er im spirituellen Leben nur als Embryo, als Samen. Denn er hat aus sich tatsächlich nichts entwickelt. Die Entwicklung des spirituellen Samens beginnt vom Machsom an.
Hat der Mensch diese Entwicklung nicht angefangen und stirbt biologisch in irgendeiner dieser Phasen, bleibt er in derselben ersten, unverwirklichten Reshimo, die „Sera", Same, heißt. Egal wie viele Leben er hier durchläuft, er bleibt immer in diesem Zustand. Hat er einen Körper, fühlt er sich in diesem Körper wie alle Menschen in unserer Welt. Hat er keinen Körper, fühlt er sich einfach in einem Punkt existierend. In einem Punkt! Wie soll ich es euch sagen? Was kann ein Samentropfen schon empfinden?
Nur wenn der Mensch anfängt, sich schon mit Hilfe des Massach zu entwickeln, fängt er an, diese beiden Arten des Lebens miteinander in Beziehung zu setzen, das biologische und das spirituelle. Und den Gmar Tikun erreicht man, wie ihr wisst, in dieser Welt. Sobald der Mensch den Gmar Tikun erreicht, werden seine spirituellen Zustände nicht mehr dadurch bestimmt, ob er sich in dieser Welt oder in der spirituellen befindet. Aber bis zur vollständigen Korrektur, bis zum Gmar Tikun, korrigiert er sich trotzdem nur während des Lebens in unserer Welt.
Schüler: Was bedeutet es, auf ehrliche oder unehrliche Weise zu verdienen?
Rav: Hier spricht er vom Blickwinkel des Menschen. Wenn der Mensch noch nicht korrigiert ist, scheint es ihm, dass er auf unehrliche Weise mehr verdienen kann. Darüber schreibt Baal HaSulam hier. Im Maß der Korrektur und der Angleichung an den Schöpfer entsteht ein völlig anderes Bild. Wenn du anfängst, dich jenseits des Machsom zu spüren, fängst du an zu sehen, wie die Lenkung in Wirklichkeit geschieht. Du siehst, wie die Menschen den ganzen Willen und alle Handlungen des Schöpfers automatisch ausführen. Dann hast du zu den gewöhnlichen Menschen überhaupt kein Verhältnis mehr, da gibt es nichts, wozu man sich verhalten müsste, denn keiner von ihnen ist selbstständig.
Aus dieser ganzen riesigen Masse, die der Mensch zu sehen anfängt, heben sich nur diejenigen hervor, die über den Machsom hinausgegangen sind. Entweder sind sie in unserer Welt in Körpern, oder sie sind außerhalb von Körpern und existieren als Kräfte. Jeder von ihnen hat seine Gestalt, gemeint ist sein Charakter, seine Kraft. Das sind alle Kabbalisten, alle, die die Spiritualität erreicht haben, alle, die in all den Jahrtausenden über den Machsom hinausgegangen sind. Manche existieren schon außerhalb von Körpern, andere sind mit uns in Körpern in diesem realen biologischen Leben, das in unserer Welt konkret nach der Uhr abläuft. All diese heißen Israel [nur hebr. Fassung: „Yashar El", direkt zum Schöpfer]: die zum Schöpfer Strebenden, unabhängig vom Geschlecht, vom Alter in unserer Welt, von der Nationalität – von nichts. Sie heißen Israel, weil gerade sie zu Ihm streben, danach streben, dem Schöpfer ähnlich zu werden.
Schüler: Sie haben gesagt, dass der Zustand nach dem Überschreiten des Machsom unveränderlich ist, dass wir also nicht von der ersten zur zweiten Verhüllung zurückkehren werden. Und jetzt haben Sie gesagt, dass nach dem Machsom solche Übergänge möglich sind.
Rav: Richtig. Ich habe immer betont, dass der Zustand, wenn der Mensch den Machsom überschreitet, unveränderlich ist. Einen Weg zurück gibt es für ihn nicht mehr. Das heißt: Wir sind hinüber – das war's, dem Schöpfer sei Dank, wir sind schon dort.
Auch jeder unserer Zustände, den ich abgearbeitet habe, ist schon vorbei. Er hat sich in mir schon verwirklicht, und er kehrt in mir nicht mehr zurück. Er kann sich in mir scheinbar wiederholen, aber das ist dann trotzdem schon auf einer anderen Reshimo. Es kommt das nächste Mal und das nächste und das nächste, und ich werde mich immer wieder so fühlen, als wäre ich im selben Zustand. Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen, aber diese Zustände können sich wiederholen.
Der Übergang über den Machsom ist einmalig und abrupt, ohne Rückkehr. Aber jeder Zustand besteht aus vielen inneren Zuständen. In diesem Zustand, beim Übergang über den Machsom, muss ich mich abarbeiten. Ich gehe hinein, ich gehe hinaus, aus eigenem Willen, mit meinen Anstrengungen; man lehrt mich. Jeder Zustand besteht aus Ibur, Yenika und Mochin, kein Zustand läuft augenblicklich ab. Aber alle Zustände, auch dieser, sind absolut nur in eine Richtung gerichtet: „Maalim beKodesh we lo moridim beKodesh"¹², in der Kedusha steigt man auf und nicht ab. Es gibt ein solches Gesetz: Die ganze Menschheit und wir alle bewegen uns in jeder Sekunde nur vorwärts – ein Zurück gibt es nicht.
Und wenn du anfängst, in der Spiritualität zu arbeiten, spürst du das absolut deutlich. Wenn wir hinübergehen, dann gehen wir hinüber. Eine Rückkehr wird es nicht geben. Ein Zurück gibt es nicht.
Wir haben dafür gute Voraussetzungen. Ihr spürt ja, dass heute etwas nicht stimmt, morgen ist es vielleicht anders, in ein paar Stunden ist die Stimmung wieder eine andere. Ihr seht, wie sich alles verändert. Heute ist es irgendwie ein bisschen schwerer geworden, und gerade solche Zustände sind im Gegenteil gut.
Ich betrachte es von der anderen Seite, wie Baal HaSulam schreibt: Die doppelte Verhüllung und die Enthüllung¹³ sind gut. Es ist gut, wenn man dem Menschen in seiner Arbeit etwas Schwere hinzufügt und nicht dieses einfache Schweben. Es ist schön, wenn unsere Leute Lieder singen. Aber in der spirituellen Arbeit ist es am produktivsten, wenn sie ein bisschen mit Kraftaufwand geht. Wir sind jetzt in einem solchen Zustand: Soweit wir empfangen können, wird uns hinzugefügt. Können wir noch ein bisschen mehr, fügt man noch mehr hinzu. Jetzt müssen wir anfangen, immer stärker danach zu streben.
Deshalb bitte ich euch sehr: Versucht, auf der anderen Seite zu sein. Wir müssen uns genau einen solchen Zustand vorstellen: „Ich denke an die anderen. Ich schäme mich für mich selbst, dass ich sie nicht stützen und ihnen nicht helfen kann, auf die erste spirituelle Stufe zu kommen. Das hängt von mir ab, und ich kann ihnen dabei nicht helfen."
Schüler: Geht der Mensch nach der Enthüllung des Punktes im Herzen in die einfache oder in die doppelte Verhüllung über? Und geht er aus der doppelten Verhüllung zum Machsom über?
Rav: Die doppelte und die einfache Verhüllung wechseln sich ab: in der Regel zuerst die doppelte, dann die einfache. Aber der Übergang hin und zurück ist sehr fließend. Das gilt, solange der Mensch den Machsom nicht endgültig und genau überschritten hat. Er hat noch nicht angefangen, in sich den Ibur heranwachsen zu lassen, einen Massach auf die nullte Stufe des Egoismus¹⁴, also schon zum Embryo zu werden … Was bedeutet Embryo? Was bedeutet „überschritten"? Dieser Punkt im Herzen, mit dem du die ganze Zeit vorwärtsgestrebt hast, hat hier seinen ersten Massach bekommen. Und jetzt kommt dir nach und nach dein ganzes egoistisches Verlangen der nullten Stufe hinzu.
Wie viel hinzukommt, weißt du nicht einmal. Aber auf all das musst du nur eines tun: dich in dieser einen, einzigen Lenkung auflösen, in dem Gedanken, dem Plan, der alles umgibt und füllt. So wie ein Samentropfen in der Mutter: Er befindet sich vollständig unter der Herrschaft der Entwicklung der Kraft von Bina. Der Egoismus kommt ständig von unten hinzu, die Kraft von Bina, die Mutter, Ima, kommt ständig von oben hinzu. So geschieht die Entwicklung der nullten Stufe des Massach.
Die nullte Stufe des Massach bedeutet: Ich stoße alles ab, ich brauche nichts für mich. Ich bin ganz nur darauf eingestellt, in die ganze Schöpfung einzutreten, mich hineinzuspülen, hineinzufließen. In ihr herrscht uneingeschränkt und vollständig eine einzige Kraft: der Schöpfer.
In mir kommen noch so viele Störungen hinzu, heute fangen sie schon an, in uns hinzuzukommen. Trotzdem bin ich verpflichtet, mich in diese Zustände zu erheben, in sie einzutreten. Wir fangen jetzt an, das ständig zu tun, immer wieder, jede Sekunde. Sobald in uns Störungen hinzukommen, streben wir ständig danach, uns in der einen, einzigen Kraft zu fühlen. In ihr sind wir alle eins, sie lenkt das alles und füllt alles in uns. Dann fangen wir an, sie nach und nach zu spüren. Wir spüren, wie sie wirklich in uns herrscht, wie sie in uns sitzt und sich in uns befindet. Alles, was ich und jeder von uns tut, geschieht nur deshalb, weil sie uns auf diese Weise lenkt. Und wir unsererseits wollen, dass sie uns lenkt. Das Einzige, was wir noch von uns wollen, ist zu spüren, wie sie uns lenkt.
Wenn wir jetzt ständig danach streben, das zu spüren, ist das genau das, was der Embryo, der Samentropfen, in der spirituellen Welt tun muss. In unserer Welt tut der Embryo nichts, weil er sich auf rein materieller Ebene befindet. Was bedeutet spiritueller Embryo? Einer, der seine persönliche Teilnahme an seiner spirituellen Entwicklung hinzufügen muss. Genau das ist seine Teilnahme: Ich will passiv im Schöpfer existieren. Das ist unsere erste Phase. Ich hoffe, dass wir uns in diesen Tagen allmählich an sie anpassen und zu ihr kommen. Wenn wir das tun, fangen wir zumindest an, diesen Machsom zu überschreiten.
Schüler: Was soll nach dem Punkt der Scham in unseren Handlungen weiter geschehen, den wir auf natürliche Weise hervorgebracht oder im Gegenteil künstlich erschaffen haben? Das Or Makif wird in dem Maß hervorgerufen, in dem sich der Mensch schämt, dass alles, was mit ihm geschieht, „für sich selbst" ist. Er muss das in sich aufrechterhalten, dann wird er entsprechend um Korrektur bitten. Und was soll er danach tun? Soll er diese Empfindung entwickeln, sie in sich erneuern?
Rav: Man darf sich nicht nur auf den einen Punkt der Scham fixieren. Denn der Mensch befindet sich immer in den Gedanken, in denen er gerade ist. Das nennt man seinen Aufenthaltsort. Deshalb würde ich raten, zumindest jetzt, in diesen Tagen, nicht in die Linke Linie zu gehen, in die eigenen negativen Eigenschaften. Man soll sie nicht wecken und nicht anfangen, in ihnen zu leben. Der Eintritt in den Machsom muss die ganze Zeit in der Rechten Linie sein, in der Erhebung. Er muss gerade ein Herausgehen aus dem eigenen „Ich" sein, ein Losreißen vom eigenen Egoismus: Nichts ist in mir, kein Egoismus, nichts ist in mir – ich existiere einfach nicht.
Baal HaSulam schreibt im Artikel „Zum Abschluss des Buches Sohar" über unseren grundlegendsten, ersten, hauptsächlichen Unterschied zum Schöpfer. Beim Schöpfer gibt es keinen Begriff des eigenen „Ich": „Ich" existiere, „ich" mache, „ich" handle, „ich", „ich", „ich". Das hat Er nicht. So ist es auch bei uns: Das Überschreiten des Machsom besteht darin, dass mein „Ich" verschwindet. Ich falle aus ihm heraus, ziehe in die anderen um und existiere in ihnen. In ihnen sind meine Gedanken, in ihnen meine Gefühle, in ihnen alles, was meins ist. Ich bin in sie hinausgegangen, und das war's. Und kein Gedanke zurück, nur in ihnen.
Vielleicht kann ich das mit mir machen und solche inneren Handlungen ausführen, natürlich vorerst alles in der Vorstellung und nicht in der Tat. Dann rufe ich so das Or Makif auf mich, das mich in solche Zustände hineinziehen wird. Ich muss so viel wie möglich versuchen, in mir die nächsten spirituellen Stufen nachzubilden, die nächsten spirituellen Zustände. Damit rufe ich das Or Makif auf mich. Ich kann es beim Lernen rufen, wenn ich über irgendwelche Welten lerne. Er schreibt hier: „Soweit du sie erkennen willst." Erkennen bedeutet, sich zu nähern, in ihnen zu sein, einen Siwug mit ihnen zu machen, so wie „Adam erkannte Chawa", der Mann erkannte die Frau. Was bedeutet „erkannte"? Er verschmolz mit ihr, näherte sich ihr.
Genauso hier: Erkennen heißt, sich zu verbinden. In dem Maß, in dem du dich beim Lernen mit diesen Welten verbinden willst, rufst du aus ihnen das Or Makif auf dich. Aber das ist theoretisch, beim Lernen. Hier dagegen geht es um die Praxis, in der Gruppe, alle zusammen. Nur wenn wir aus uns herausgehen und in der Gruppe, außerhalb von uns, sein wollen, verwirklichen wir unseren Punkt im Herzen.
Was ist mein Punkt im Herzen eigentlich? Mein Punkt im Herzen ist Bina, die mir der Schöpfer gegeben hat, ein Teil des Schöpfers von oben, der in mir ist. Wenn ich genau ihn in mir finde und genau aus ihm heraus in die anderen springe, dann befinde ich mich schon in ihnen. Dann bin ich in diesem Punkt schon dem Schöpfer ähnlich. Das heißt, ich verwandle mich schon in einen Samentropfen.
Und dann beginnt die Entwicklung. Welche Entwicklung? Mir wird ein wenig Egoismus hinzugefügt, ich falle wieder aus diesem Zustand heraus und muss mich wieder einschließen. Ich falle wieder heraus und schließe mich wieder ein. Wie oft? Jeder hat seine eigene Anzahl. Was bedeutet „jeder seine eigene"? Im Prinzip ist sie natürlich festgelegt, aber wir können diese Male nicht berechnen. Denn ein Teil davon geschieht unterbewusst und ein Teil bewusst, ein Teil in den Empfindungen, ein Teil im Verstand. Wir müssen es einfach tun, und wenn wir es abgearbeitet haben, enthüllt es sich in uns. Soweit wir diese Handlungen des Einschließens in die anderen abarbeiten, fangen wir wirklich an zu spüren, dass wir in ihnen leben.
Und dann fängst du an zu spüren, hier, wenn du in ihnen bist, was sie füllt: den Schöpfer. Denn nur hier kannst du Ihn spüren. Wo ist Er? Der Schöpfer ist im Gefäß, in diesem einen, vereinten Gefäß; in nichts anderem wirst du Ihn spüren. In dir selbst – niemals. Soweit du dich in die anderen einschließt, dort wirst du es spüren, und dann wird dieses Gefäß zu deinem.
Aber wie wirst du Ihn spüren? Als Den, der Gutes gibt, der alle füllt, wie Baal HaSulam hier schreibt. Dann fängst du an, Ihn als Den zu spüren, der Gutes gibt. Du spürst Ihn als Beruhigung, als Frieden, als alle möglichen absolut positiven und guten Empfindungen für dich. Denn der Schöpfer hat dich, wie wir schon gesagt haben, als Seinen Abdruck erschaffen, und alles, was in Ihm ist, empfindest du als Füllung.
Und den spirituellen Samentropfen, den du aus dir machst, arbeitest du so die ganze Zeit ab, hin und her. Nach einem bestimmten Zustand kommt das, was man „Gimel Jemej Klitat haSera"¹⁵ nennt (die drei Tage des Anhaftens des Samens in der Gebärmutter). Erst am dritten Tag haftet der Same vollständig an der Plazenta. Dort bildet sich ein Ort, sein Kontakt mit dem Höheren. Was es bedeutet, dass drei Tage vergehen, oder sozusagen 24 Stunden, das werden wir noch lernen. Aber im Prinzip ist uns das jetzt sowieso unverständlich. Das alles geschieht, du musst nur versuchen, dich dort, in diesem Zustand, innen festzusetzen. Und wo ist diese Gebärmutter? Die Gebärmutter ist unser allgemeines Gefäß, das sind wir alle. Und wenn du dich dort festsetzt, fängst du an, von dort Nahrung zu bekommen.
Dann fängst du an, die Wechselwirkung mit dem Schöpfer durch alle anderen zu spüren. Du fühlst nicht nur die Gruppe, du fängst sogar an, die Menschheit zu spüren. Du spürst, wie sie wogt, wie sie wechselwirkt, wie sie absolut und vollständig vom Schöpfer gelenkt wird. Alles ist in der Macht des Schöpfers, dieses ganze System, und du fängst an, mit ihm in Wechselwirkung zu treten. Wie? Du willst dich so großziehen, dass du dieser Kraft ähnlich wirst. Das heißt, du willst wissen, wie sie wirkt, um so zu werden wie sie: wie ein Kind, das zuschaut und genauso sein will. Und hier geschieht schon die Entwicklung im Mutterleib: die 40 Tage, „Arbaim Jom Jezirat haWalad" (40 Tage, in denen alle Körperteile des Embryos entstehen), wie in unserer Welt.
Du fängst an, in dir alle möglichen Arten der Wechselwirkung mit dem Schöpfer zu spüren. Dadurch entstehen in dir schon diese oder jene Anfänge deiner bewussten Reaktionen: wie man sich zur Gruppe, zur Menschheit verhält. So wie der Schöpfer das tut, tust du es entsprechend auch. Das nennt man „deine Organe", deine Einwirkungen auf sie, und so weiter. Das alles steht im „Talmud Esser haSefirot"; jeder dieser Zustände wird auf Hunderten von Seiten erklärt.
Dann wirst du in den „Talmud Esser haSefirot" schauen und sehen, wie dir jeder dieser Zustände erklärt wird. Du siehst, wie Baal HaSulam dir sagt, wo du dich jetzt befindest, was du tun musst und was mit dir geschieht. Allein der Zustand des Embryos wird im „Talmud Esser haSefirot" auf wohl etwa 300 Seiten beschrieben. Gemeint sind die Entwicklung nur auf der nullten Stufe des Egoismus und das Anhaften mit der nullten Stufe des Egoismus innerhalb der Menschheit, innerhalb dieses Zustands. Aber dann wird das Lernen schon ein anderes.
Schüler: Ein Kind braucht ein Beispiel …
Rav: Ein Beispiel braucht das Kind, wenn es einen Kopf bekommt, also wenn es begreifen und nachmachen kann. Wir aber fangen bei absolut null an. Wir müssen dem Schöpfer ähnlich werden, angefangen bei der absolutesten Null. Wir haben von Ihm den Punkt von Bina und unseren ganzen Egoismus bekommen, angefangen bei der nullten Stufe, der Null der Null, und von dort müssen wir aufsteigen. Dabei kann es bei uns nicht gleich bei unserer ersten Handlung einen Rosh, einen Kopf im Parzuf geben. Es gibt noch keinen Parzuf.
Deshalb können wir nicht um Ähnlichkeit bitten. Und auch wenn wir bitten, kann der Schöpfer dir nicht alle Nuancen, alle Varianten Seiner Beziehung zur Schöpfung und zu dir zeigen. Denn du würdest es sowieso nicht verstehen. Du hast noch nichts, womit du es verstehen könntest: In dir hat sich noch kein Gefäß gebildet und neben dem Gefäß noch kein spiritueller Verstand. Er lehrt dich nicht, Er gibt dir einfach ein Verständnis. Du gehst vorwärts, indem du dich so einfach in diesen Zustand einschließt und von Herzen in ihn eintrittst. Kommt Egoismus hinzu, geh trotzdem darauf weiter vorwärts. Kommt noch mehr Egoismus hinzu, trotzdem trete ich in die Gruppe ein, trotzdem will ich dort den Schöpfer finden.
In diesen Zuständen gibt es noch keine einzelnen Teile und Offenbarungen, sie sind einfach so. Das gleicht genau dem Zustand des Embryos, wie er sich in unserer Welt entwickelt. Da kannst du dir ein Beispiel nehmen. Von einem Embryo können wir nichts verlangen. Verlangen fangen wir erst von einem Kind ab zwei Jahren an, so gilt es in der Regel. Mit zwei Jahren beendet es die Zeit des Stillens, und danach wird es erziehbar. So gilt es.
Schüler: Zwei Bedingungen für ein richtiges Verlangen: Erstens, du hast es nicht; zweitens, du stellst dir klar vor, was du brauchst. Uns fehlt das Zweite – eine klare Vorstellung davon, was wir eigentlich brauchen.
Rav: [nur hebr. Fassung: Du hörst nicht zu, was ich dir sage. Ich verstehe nicht, was dir fehlt. Du sitzt schon einige Tage hier, auch in den vorigen Lektionen, und jedes Mal drücke ich es anders aus.] Ich glaube nicht – obwohl es gut möglich ist –, dass wir noch irgendwelche anderen Ausdrucksmittel finden. Na, ich kann zum Beispiel tanzen. Ich weiß nicht, wie sonst, man muss ein bisschen mehr nachdenken. Du meinst, ich projiziere dir diesen Zustand jetzt direkt irgendwo ins Herz und in deinen Verstand. So wirst du dich darin befinden, vielleicht irgendwie darin schwimmen oder was auch immer. Nein!
Du musst dir mit deinen inneren Anstrengungen vorstellen, wie du aus deinem „Ich" herausgehst, in den anderen bist, in den anderen lebst. Denn jetzt haftest du an deinem egoistischen „Ich". Nimm dich zusammen und hafte dich an den Punkt im Herzen, den dir der Schöpfer gegeben hat, nur an das Sehnen nach Ihm. Dann fängst du an, dich wie ein Embryo aus diesem Punkt zu entwickeln. Nicht aus dem egoistischen Punkt „Ich", sondern aus dem Punkt im Herzen, aus Bina beginnt deine Entwicklung. Aus Malchut beginnt keine Entwicklung. Du musst zuerst in dir die nullte und die erste Stufe heranwachsen lassen, GE, die Gefäße des Gebens. Erst danach wirst du mit den egoistischen arbeiten.
Deshalb ist heute unsere einzige, grundlegendste, wichtigste Aufgabe, aus uns herauszugehen und uns hinauszuwerfen, weißt du, einfach so, auf die anderen. Das ist eine rein innere Anstrengung, die wir jede Sekunde machen müssen, und das nennt man Arbeit in der G
Gruppe. Na, wie kann man es noch ausdrücken? Helft mir, ich bin kein Dichter.
Schüler: Wie kann der Mensch nicht stolz darauf werden, dass er sich zur Gruppe wie der Schöpfer verhält?
Rav: Weil der Schöpfer nicht stolz ist. Der Mensch fängt an zu sehen, wie sehr er die Gruppe braucht. Das nennt man „Zaar haShechina"¹⁶, die Leiden der Shechina. In Wirklichkeit braucht der Schöpfer uns so, wie wir Ihn bräuchten, wenn wir unser ganzes Gefäß vollständig enthüllt und entdeckt hätten, dass Er nicht darin ist. Aber das ist aus unserer Sicht, und es ist noch nicht vollständig, denn Er befindet sich dabei noch auf der Ebene von Bina. Es heißt doch: „Mehr als das Kalb saugen will, will die Kuh säugen."
Denn für den Gebenden, der sich in Vollkommenheit befindet, ist das Fehlen der Möglichkeit zu geben das schrecklichste Leiden. Sogar in unserer Welt ist es ein großes Leiden, wenn man aufhört zu stillen. Aber das sind ja tierische Folgen. Überhaupt ist es ein furchtbares Leiden, die Vollkommenheit nicht zu verwirklichen. Wer dem Schöpfer ähnlich wird, sieht also nur eines: wie sehr er die anderen braucht, um den Schöpfer zu ihnen zu leiten und dazu beizutragen. Stolz gibt es hier nicht, im Gegenteil.
Dabei fängt man an, Scham zu spüren. Nicht solche Scham wie bei uns: Scham ist das Empfinden des Unterschieds zwischen dem eigenen unkorrigierten Zustand und dem Zustand des Schöpfers, zwischen dem Gebenden und dem Empfangenden. Wenn du anfängst, mit den egoistischen Verlangen zu arbeiten, empfindest du dich gegenüber dem Schöpfer schon als Empfangenden. Es gibt hier also überhaupt keinen Grund, überheblich zu werden. Aber man spürt natürlich die Verantwortung. Man spürt das Auserwähltsein durch den Schöpfer¹⁷ darin, dass man handeln muss.
Schüler: In das allgemeine Gefäß einzutreten – bedeutet das, zu versuchen, jemanden aus einem anderen Blickwinkel zu verstehen?
Rav: In das allgemeine Gefäß einzutreten bedeutet nicht, den anderen zu verstehen. Absolut nicht! Wenn ich anfange, den anderen zu verstehen, wird es mir davon nicht besser gehen – ich tauche in seinen Egoismus ein. Das ist etwas völlig anderes als das, was uns unsere gut gemeinten irdischen Theorien erklären. In das allgemeine Gefäß einzutreten bedeutet, dass ich mich mit den anderen in der Gruppe verabrede. Ich habe noch einige Menschen in der Welt gefunden, nicht weit von mir, die genau wie ich auf die Ebene der Vollkommenheit und Ewigkeit aufsteigen wollen. In ihr existieren wir in Wirklichkeit, ohne diese Existenz zu spüren. Wir wollen sie in uns zum Vorschein bringen.
Zum Vorschein bringen können wir sie nur durch unsere gemeinsamen Anstrengungen. Denn in unseren gemeinsamen Verlangen, Anstrengungen und unserem Streben wird sich diese Höhere Kraft enthüllen – das ist unsere wahre Existenzform. Wir werden sozusagen sehend werden und aus dem schlafenden oder unbewussten Zustand herauskommen – wir wachen auf. Das versuchen wir gemeinsam zu tun. Deshalb finde ich solche Menschen und versuche, mit ihnen zusammen ein solches Gefäß zu erschaffen.
Dieses Gefäß ist eine Idee, unser innerer, gemeinsamer spiritueller Zustand. In ihm verschmelzen wir, und in unserer Verschmelzung wollen wir diese gemeinsame Kraft spüren, den Schöpfer, der uns füllt. Ich verabrede mich mit diesen Menschen, dass wir so untereinander handeln. Diese ganze Arbeit ist unsere innere Arbeit, ein Sehnen der Verlangen. Es ist nicht die Mechanik unserer Welt, nicht unsere unbelebte, pflanzliche oder tierische Natur. Das alles sind Hüllen, die überhaupt nichts bedeuten. Sie existieren einfach in unseren fünf Sinnen, in Wirklichkeit gibt es sie nicht.
In Wirklichkeit gibt es sie nicht! Wir werden später eine völlig andere Existenz außerhalb dieser Körper sehen, wo es keine Pflanzen gibt und nichts von alledem. Das alles scheint uns nur so. Diese ganze Welt bis zum Machsom heißt „Olam haMedume", die Welt der Einbildung, eine scheinbare Welt. So ist sie in Wirklichkeit: von uns ausgedacht, nichts weiter. Wir haben zufällig angeblich solche Sinnesorgane, und deshalb stellen wir sie uns so vor und empfinden sie so. Verändern sich die Sinnesorgane oder verschwinden sie, dann empfinden wir sie auch nicht. Sie existiert auch nicht, sie existiert nur subjektiv in Bezug auf uns, die wir sie so empfinden.
Wir sind noch nicht in der wahren Wirklichkeit. Vor ihr sind wir durch diese Körper und all diese Objekte abgeschirmt. Trotzdem erschaffen wir diesen Zustand schon sozusagen künstlich. Was heißt künstlich? Wir streben zu ihm, wir wollen ihn uns vorstellen, wir wollen ihn künstlich in uns erschaffen. In diesem Maß ziehen wir ihn zu uns, ziehen das Einwirken dieses spirituellen Zustands auf uns. Wenn wir genug Sehnen und Anstrengungen aufgebracht haben, werden wir zusammen sein. Was heißt zusammen? Allein kann ich nicht, denn in der Spiritualität existieren wir alle zusammen. Also muss ich ein Modell erschaffen, das der Spiritualität ähnlich ist. Das erschaffen wir in unserer Gruppe.
Ich habe ein solches Modell erschaffen, und wir haben darin mehr oder weniger solche Bedingungen geschaffen. Sie sind künstlich, nicht echt, denn wir sind alle noch Egoisten. Aber wir wollen es künstlich und machen solche Anstrengungen, und dann werden wir hineingesaugt. Plötzlich werden wir in diesen spirituellen Zustand gesaugt und befinden uns wirklich dort. Und dieser Übergang ist tatsächlich abrupt. Aber vor diesem Übergang gibt es alle möglichen Schwankungen: hin und her, solche Schwingungen, solche Vorahnungen sozusagen, mal näher, mal ferner. An ihnen müssen wir unsere Anstrengungen abarbeiten.
Gestern fiel es uns irgendwie leichter, uns das vorzustellen, heute schwerer. Jetzt ist es vielleicht wieder leichter, in einer halben Stunde wieder schwerer. Und wir müssen uns gerade freuen, wenn man uns die Stimmung ein bisschen drückt und uns ein bisschen abstumpft. Dadurch gibt man uns die Möglichkeit, noch mehr und mehr eigene Anstrengungen hinzuzufügen. Dann können wir die nötige bestimmte Menge an Anstrengungen schneller verwirklichen, nach der wir dorthin gesaugt werden.
Dabei gehe ich überhaupt in keiner Weise auf irgendwelche irdischen Probleme meiner Freunde ein. Wir beschäftigen uns miteinander nur mit dieser unserer gemeinsamen Anstrengung: zur Enthüllung, zur Ähnlichkeit mit der spirituellen Stufe, zum Schöpfer.
Im Idealfall ist es egal, hier können Männer und Frauen sein; das stört uns vorerst nur. Aber im Prinzip ist das Sehnen hier einfach Sehnen. Deshalb sind wir hier zwar getrennt, damit unsere rein tierischen, unkorrigierten Eigenschaften unser spirituelles Sehnen nicht stören. Aber andererseits streben wir danach, uns so weit wie möglich gegenseitig zu stärken.
Schüler: Der Zustand nach dem Machsom ist der Zustand der Enthüllung des Schöpfers und der Liebe zur ganzen Menschheit. Meine Frage ist: Sind mit „Menschheit" alle fünf Milliarden Menschen gemeint?
Rav: Mit Menschheit sind alle menschenähnlichen Zweibeiner gemeint, alle Homo sapiens, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Rasse oder sonst etwas – alle, alle. Das fängt damit an, dass es Nationalitäten überhaupt nicht gab. Welche Nationalitäten konnte es in der Antike geben? Auch Abraham war einfach ein alter Beduine aus Mesopotamien, der sich durch nichts von allen anderen unterschied. Er fing einfach an, sich für die Höhere Welt zu interessieren, diese Reshimo ist in ihm hervorgesprungen, und diesem Menschen wurde die Methode der Korrektur übergeben. Das ist alles.
Vom Buch Sohar an fand eine gewaltige Zerstreuung und schon eine Vermischung statt. Deshalb spricht Rabbi Shimon von der persönlichen Korrektur, und sein Sohn, Rabbi Elasar, spricht überall in seinen Quellen von der allgemeinen Korrektur der Welt. Baal HaSulam sagt ständig, dass mit dem Gmar Tikun die absolute Korrektur aller Seelen gemeint ist, im Artikel „Die Gabe der Tora" (bei mir heißt er hier „Die Gabe der Kabbala", damit die Leute nicht durcheinanderkommen – das ist überhaupt dasselbe) oder im Artikel „Die Arwut". Stellt euch also alle Menschen auf unserer Erde vor, alle sieben Milliarden, oder wie viele es sind.
Und im Artikel „Die letzte Generation" beschreibt er uns buchstäblich, dass man eine Gruppe erschaffen muss. Ihr schließen sich nach und nach Menschen an, sozusagen die Besten aus der ganzen Welt. Dann lösen sich immer größere Gruppen, sagen wir ganze Länder, und schließen sich uns an, und so weiter. Er teilt das überhaupt nach keinem Merkmal ein.
Es gibt sozusagen zwei parallele Wege der Korrektur. Beim einen korrigiert sich auf der irdischen Ebene Israel und danach die übrigen Völker der Welt. Parallel dazu verläuft eine Korrektur gerade dank der Zerstreuung, dem Zerbrechen der Gefäße. In unserer Welt hat sich das als Zerstreuung unter die anderen verkörpert, also durch die Verbreitung der Kabbala. Daraus ergibt sich ein paralleler Weg, bei dem es umgekehrt läuft. Alle, die von allen Seiten, also aus allen Völkern, zum Schöpfer streben, schließen sich zuerst zusammen. Alle Übrigen kommen nach und nach, entsprechend ihrer Awiut: soweit das Licht, das diese besondere Gruppe weiterleitet, leuchten und auch in den anderen das Sehnen nach dem Schöpfer enthüllen wird.
Aber wie dem auch sei, wir werden noch sehen, was mit den Völkern geschieht, die nach unserem Verständnis vielleicht die rückständigsten sind. Wenn unter ihnen zum Schöpfer Strebende erscheinen, werden sie sich als stärker, feiner und näher erweisen als die entwickelten. Das spielt keine Rolle, denn die Seele hat überhaupt nichts mit der Ebene irgendeiner irdischen Entwicklung, einer Zivilisation zu tun. Wir haben einmal, in früheren Kreisläufen, in Höhlen gelebt. Vom Standpunkt irgendeiner europäischen Aufklärung, ihres Humanismus oder Fortschritts könnt ihr meinen, das seien natürlich Wilde gewesen.
In Wirklichkeit, sage ich euch, besteht das heutige Europa vom spirituellen Standpunkt aus denselben Wilden. Sie sind überhaupt nicht gewachsen. Kratzt nur ein bisschen den Glanz ab, und ihr seht dort denselben Wilden. Absolut! Und die Völker, die irgendwo im Dschungel leben, in ihrer eigenen Mentalität, ihrer Kultur, egal, können in Bezug auf die spirituelle Entwicklung sogar näher sein.
Unsere Sichtweise ist völlig falsch. Vom spirituellen Standpunkt gibt es keine rückständigen und keine fortgeschrittenen Völker, außer Israel, weil das hier schon systematisch über Jahrtausende gepflegt wurde. In unserem Zeitalter gab es natürlich auch hier seit der Aufklärung gewaltige Veränderungen. Aber es ist einfach so angelegt, weil das Volk selbst aus spirituellen Wurzeln entstanden ist, nicht so sehr das Volk als seine Ordnung. In diesem Volk gab es nie Sklavenhaltung. Niemand hat einen anderen unterworfen, niemand hat einen anderen angetrieben – es gab immer Gleichberechtigung.
Stellt euch vor: Vor einigen tausend Jahren, über Jahrtausende hinweg, fraßen sich in der Welt alle gegenseitig auf, und hier gab es koschere Gesetze. Dort tötete oder versklavte man sich gegenseitig und betrachtete Sklaven wie Vieh; hier gab es das nie – es gab absolute Gleichberechtigung. Auch heute sieht man das in der israelischen Armee: Ein einfacher Soldat spricht mit einem General wie mit einem Gleichen. Das steckt einfach im Volk. Es gab nie eine Einteilung des Volkes in Kasten oder Schichten, Aristokratie und einfaches Volk. Das Einzige, was jemanden hervorhob: ob du ein Weiser bist oder nicht. Nur das wurde geschätzt. Es gab nie, dass ein Junge ab drei Jahren nicht lesen und schreiben konnte.
Stellt euch Europa vor 500 oder 300 Jahren vor, in der Manufakturperiode. Dort herrschte allgemeines Analphabetentum. Und vor 500 oder 1000 Jahren lebten sie dort fast noch auf Bäumen.
Hier ist das von der Geschichte so vorbereitet worden. Aber trotzdem sehen wir, dass es in unserer Zeit in Bezug auf die Spiritualität nicht funktioniert. Im Prinzip ist diese Mission in einem bestimmten Sinn erfüllt: Die Idee wurde künstlich durch eine solche Gruppe hindurchgetragen, die in unserer Welt Volk genannt wird, obwohl sie überhaupt kein Volk ist. Nehmt unsere Gene, und ihr werdet sehen, dass sie sich durch nichts von denen der Perser unterscheiden. Nicht von den Arabern, sondern von den Persern, die dort noch leben.
In der spirituellen Welt gibt es überhaupt keinen Begriff wie „rückständige Seele" oder „fortgeschrittene Seele". Befindet sich der Mensch hier, ist er fortgeschritten; befindet er sich dort, ist er rückständig. Das kann ein Italiener sein, ein Afrikaner, ein Jude oder ein Russe – egal wer. Aber alle sieben Milliarden müssen den Gmar Tikun erreichen.
Und sobald wir über den Machsom hinausgehen, verlieren wir, ehrlich gesagt, überhaupt jeden Unterschied. Ihr fangt an, Seelen zu sehen und nicht Körper. Für euch sind sie alle ein und dasselbe Gefäß, ihr seht keine Gesichter.
Frage: Was kann man tun, um nicht an alten Zuständen zu hängen?
Rav: Die Tora erzählt, wie Lots Frau zu einer Salzsäule wurde, weil sie zurückgeschaut hat. Salz und Wasser – es gibt natürlich noch einige andere Arten – gehören zu den wenigen Dingen der unbelebten Natur, die wir essen, und das Salz verdirbt nicht. Zurückschauen darf man nicht. Der Mensch konserviert sich damit völlig und kommt nicht voran. Er fügt sich damit größeren Schaden zu, als wenn er anfängt, in irgendwelche Gedanken, Zustände, Illusionen oder Pläne abzuschweifen, die mit der Spiritualität nichts zu tun haben.
Ich rate, auf keinen Fall an die Vergangenheit zu denken. Ihr hattet in der Vergangenheit nichts Schlechtes. Ihr seid nicht schuld, auch wenn euch scheint, dass ihr bei dem, was passiert ist, etwas nicht zu Ende gemacht oder nicht gemacht habt. Was auch passiert ist, egal was – durch eure Schuld, irgendwie, mit anderen ist etwas geschehen –, das ist alles Unsinn, das alles gehört nicht euch. Es ist einfach absoluter Irrglaube, wenn ihr sagt, dass ihr in der Vergangenheit überhaupt selbst etwas hättet tun können. Dass ihr jemandem oder euch selbst etwas angetan, etwas nicht zu Ende gemacht habt, faul wart oder umgekehrt.
Die ganze Vergangenheit bis zum gegenwärtigen Moment wurde vom Schöpfer so geplant, gemacht und verwirklicht, wie Er es wollte, und von mir hing nichts ab. Deshalb habe ich dort nichts mehr zu suchen – das ist nicht meins. Das ist nicht meins! Alle Zustände von der Gegenwart rückwärts sind nicht meine. Und nur alle Zustände von mir aus weiter sind vollständig in meiner Macht. Von wo an? Genau von diesem Augenblick an. Jetzt, von diesem Augenblick an, liegt alles, was mit mir sein wird, nur darin, nicht in der Vergangenheit. Nur von hier an in die Zukunft bestimme ich zu 100 % meine Zukunft, bestimme ich meine Zustände. Das ist alles.
Frage: Wie ist bei Adam die Reshimo entstanden?
Rav: Eine richtige Frage. Das Gefäß ist zerbrochen und in unsere Welt gefallen, bis ganz zum Ende. Dann haben sich absolut alle Reshimot miteinander vermischt, bis zur allerletzten Reshimo. In der allerletzten Reshimo waren sie bis zur Unendlichkeit so ineinander eingeschlossen, dass keine einzige Eigenschaft übrig blieb, die nicht alle anderen in sich einschloss. Erst da begann der Prozess, sie unter dem Einwirken des Or Makif wieder zurück herauszuklären.
Es gibt einen Parzuf – Adam. Auf diesen Parzuf ist das Licht AB SaG herabgekommen, sagen wir das Licht des Gmar Tikun, und dieser Parzuf fängt an, zerstört zu werden. Er wird zerstört, der Massach wird ausgestoßen, vier Parzufim entstehen, das Licht geht hinaus – Histalkut haOrot. Und der nächste Parzuf und der nächste und der nächste, und so weiter. Das heißt, alle fünf Parzufim, sozusagen alle Nekudot, müssen aus ihm hinausgehen: Alle Lichter müssen nach oben gehen und alle Gefäße nach unten fallen.
Erst nachdem alle Gefäße nach unten gefallen und entsprechend alle Lichter nach oben gegangen sind, bleibt die allerletzte Reshimo, die zerbrochen ist, am höchsten von allen, am nächsten zum Licht. Und welche Reshimo ist als letzte zerbrochen? Die allerfeinste. Alle Reshimot ordnen sich nach ihrer Awiut an, nach ihrem Egoismus. Hier ist also mehr Egoismus und hier weniger. Die kleinste Reshimo steht hier, und hier sind die Lichter, und das Licht ordnet sich entsprechend an. Und dieses Licht fängt an, auf natürlichem Weg auf diese Reshimo einzuwirken.
Sobald sie alle zerbrochen und gefallen und diese alle gegangen sind, wirkt das Licht auf diese allerletzte Reshimo. Ihre allmähliche Verwirklichung beginnt, bis sie sich vereinen, Licht und Gefäß. Die Reshimo wird mit Hilfe des Massach zu einem Parzuf werden.
Um voranzukommen, müssen wir alle unsere möglichen Tätigkeiten auf allen Ebenen miteinander verbinden. Deshalb lernen wir schon alle zusammen in denselben virtuellen Lektionen. Ich hoffe, dass wir nach diesem Sukkot anfangen, gemeinsame virtuelle Gruppenversammlungen abzuhalten, sozusagen als eine gemeinsame Gruppe, die jetzt hier versammelt ist.
Wir müssen eine gemeinsame Arbeit anfangen und alle Voraussetzungen auf der Ebene unserer Welt schaffen, wie Baal HaSulam schreibt. Wir brauchen ein gemeinsames Gefäß, eine gemeinsame Organisation, einen gemeinsamen Staat – unseren Staat. Er schreibt, dass man einen solchen Staat erschaffen muss. Er ist nicht auf der Erde, es muss kein bestimmtes Territorium sein. Aber es muss eine solche Gemeinschaft¹⁸ sein, in der das Urbild von allem existiert, was in Zukunft sein soll, nur auf spirituellen Gesetzen gegründet.
Deshalb ist das Wichtigste, was wir in unserer Welt miteinander tun können, unsere Organisation, die Verbindung zwischen uns. Dann können wir miteinander verbunden sein und einander an uns erinnern, wenn irgendwo irgendwelche Gruppen entstehen, und so weiter. Wir alle müssen dieses Schema gut kennen und in diesem Schema leben. Wir müssen darin solche Verbindungen aufbauen, die uns nicht miteinander durcheinanderbringen, uns aber andererseits helfen, alle und alles zu spüren.
Wir fangen diese Arbeit an. Wir haben keine Möglichkeit, in der Vergangenheit Beispiele dafür zu sehen. Wir sind die Ersten in dieser Welt, die anfangen, diese zukünftige Welt aufzubauen, in der die spirituelle und die irdische Welt hier gleichzeitig existieren werden. Dahin muss die Menschheit kommen.
[nur hebr. Fassung: Hast du den Artikel „Die letzte Generation" gelesen oder nicht? Ist er zu euch gekommen? … Ich habe ganz vergessen, dass ich noch ein ganzes Archiv von Baal HaSulam habe, das noch nirgends veröffentlicht wurde, weder im Internet noch sonst wo. Ich muss es jetzt so schnell wie möglich übersetzen und verbreiten.]
Ich will darüber sprechen, was wir brauchen, um wirklich voranzukommen. Es geht nicht darum, was wir der Welt schulden: Bücher verbreiten, jemandem Vorträge halten. Das brauchen wir selbst. Alles, was ich erreicht habe, habe ich nicht erreicht, weil ich mit meinem Rav gelernt habe. Ich habe es erreicht, weil ich verbreitet habe, nachdem ich mit ihm gelernt hatte. Meine ersten Bücher habe ich 1983 geschrieben, und 1980–81 habe ich angefangen, Kabbala zu unterrichten. In den 10–11 Jahren, in denen ich bei ihm war, habe ich das getan.
Es gab Zeiten, in denen ich ganz bei ihm sein musste, die ganze Zeit nur bei ihm, aber im Prinzip habe ich das trotzdem getan. Ich habe trotzdem verbreitet. Diese Bücher verbreiteten sich und so weiter. Vorträge habe ich überall gehalten. Und er hat aktiv daran teilgenommen. Er rief an dem Ort an, wo ich einen Vortrag hielt – damals gab es diese Telefone noch nicht – und fragte: „Na, wie war's? Was war?" und so weiter. Das tat er, noch bevor ich zu ihm zurückkam und erzählte. Das war ihm sehr wichtig.
[nur hebr. Fassung: Heute haben wir solche Möglichkeiten, mit all den Medienprogrammen und all diesen Verbindungen zwischen uns zu arbeiten. Also lasst uns alle zusammen überlegen, wie wir diese Organisation aufbauen und aus welchen Teilen. Sagt uns, wie wir sie ausarbeiten sollen; wir müssen das heute von euch hören. Gestern haben einige von euch an der Versammlung zu unseren Internet-Problemen teilgenommen. Die Leute haben wirklich sachlich gesprochen und konstruktive Anmerkungen gemacht. Das muss man nach Sukkot wirklich korrigieren. Dasselbe gilt für die Organisation: Ihr wisst nicht, was läuft, und könnt uns vielleicht vorschlagen, was sein soll.]
Ich bitte euch sehr, dass wirklich alle teilnehmen. Das gibt uns allen einfach die Möglichkeit zu wissen, wo wir sind, was wir sind, wer wir sind. Ich rate euch sehr: Bestehlt euch nicht selbst. Es ist unvernünftig, vor irgendwelchen gemeinsamen Versammlungen davonzulaufen.
[nur hebr. Fassung: Und noch eine Bitte: Laut Plan haben wir heute noch eine Lektion. Bringt euer Heft mit den Artikeln mit, wir fangen einen anderen Artikel an. Danke, vielen Dank.]