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Brief 41

Shalom und alles Gute an meinen Freund…

Heute habe ich Deinen Brief im Anhang erhalten, teurer Freund. Möge es Sein Wille sein, dass Du gewürdigt wirst, den Geschmack von Lieblichkeit, Pracht und Süße des Ewigen zu schmecken. Denn bei allen Dingen müssen wir hoffen, ihrer würdig zu werden, denn das Sehnen nach guten Dingen heißt Gebet, und das ist der Aspekt von Chissaron (die Empfindung von Mangel) – wenn der Mensch fühlt, dass ihm diese Sache fehlt, und dass der Heilige, gelobt sei Er, ihn erfüllen wird. Das heißt der Mensch muss hoffnungsvoll darauf warten, wann er in seinem Herzen all die guten Dinge verspürt, die der Schöpfer uns beim Empfang der Tora versprochen hatte, wie es geschrieben steht: „Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern[1]“ usw. „Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein[2]“.

Und wir sehen, dass es in unserer Welt so ist, dass wer über einen großen Besitz mit allem Guten verfügt, stets gehobener Stimmung ist. Und wir sind das auserwählte Volk, wie es geschrieben steht: „Du wähltest uns aus von allen Völkern[3]“, und dann sollte es doch sein, dass jeder Einzelne aus dem Volk Israel stets gehobener Stimmung und immer in Freude ist? Aber solange der Mensch noch nicht dessen würdig wurde, all diese guten Dinge als ein Gefühl in seinem Herzen wahrzunehmen, begeistert er sich nicht für das, was er da mit seinen Lippen spricht: „Du wähltest uns aus.“

Denn beim Empfang der Tora handelt es sich vor allem um die Innerlichkeit der Tora, eingekleidet in die Äußerlichkeit der Tora. Dabei heißt die Tora in dem Aspekt von Pnimiut (Innerlichkeit) die Namen des Schöpfers, was bedeutet, dass der allgemeine Name des Schöpfers „der Gute und Gutes Tuende“ ist, und da der Heilige, gelobt sei Er, vielerlei Genüsse schenkt, die allesamt im Aspekt der Schenkung von Güte an Seine Geschöpfe eingeschlossen sind, so stellt die Tora Namen der Genüsse dar, wobei jeder Genuss einen anderen Namen hat. Das heißt der allgemeine Name von „gut und Gutes tuend“ wird in einigen Einzelheiten spezifiziert. Und diese Innerlichkeit kleidet sich in der Tora in Äußerlichkeit.

Und der Mensch muss sich danach sehnen, dem Aspekt der Innerlichkeit der Tora würdig zu werden, denn dann nimmt man all die guten Dinge wahr, die der Schöpfer uns versprochen hatte, und dann sagt man: „Du wähltest uns aus“ – also nachdem der Mensch bereits den ganzen guten Besitz fühlt, dessen wir würdig wurden; und hierfür heißen wir „ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk[4]“.

Und das ist das Konzept von „Und das ganze Volk sah die Stimmen[5]“, d. h. in dem Moment, wenn man die Stimme des Ewigen in seinem Herzen hört, dann ist diese Empfindung so stark, als würde man es sehen, „denn kein Mensch wird leben, der Mich sieht[6]“. Dadurch, dass sie die Stimmen sahen, d. h. durch die Stimme des Ewigen, die sich ins Innere des Herzen verbreitet, nicht in das Ohr – denn das Ohr ist für den Menschen eine äußere Sache, und nur das Herz ist der Mensch; deswegen muss die „Stimme des Ewigen“ zu einer Empfindung im Herzen werden, und dann heißt es „…sah die Stimmen“. Und dann lebt jeder Einzelne in einer Welt, die gänzlich gut ist, und das Konzept von „Du wähltest uns aus“ wird bereits im Herzen verspürt, denn der Mensch hat schon von der höheren Pracht und Lieblichkeit geschmeckt, und die wonnige Süße des Lichtes des Schöpfers verbreitet sich in seinem ganzen Herzen, und dann sieht man, dass „das Glück ist Dein – in dieser Welt (Olam haSe), und gut ist dir – in der kommenden Welt (Olam haBa)[7]“.

Wegen der Heiligkeit des Shabbat und des nahenden Feiertags kann ich jetzt nicht weiter schreiben, und möge der Ewige uns helfen, auf dass wir würdig werden, die Tora in Vollkommenheit zu empfangen.

Von Jehuda, der Dir und Deiner Familie alles Gute wünscht,

Baruch Shalom haLevi Ashlag

[1] 2. Buch Moses 19,5

[2] 2. Buch Moses 19,6

[3] Zitat aus dem Gebet an den Hohen Feiertagen

[4] 2. Buch Moses 19,6

[5] 2. Buch Moses 20,18

[6] 2. Buch Moses 33,20

[7] Sprüche der Väter 6,4