Tägliche Lektion25. Jan. 2002

Rabash. Art. 6 (1990). When Should One Use Pride in the Work?

Rabash. Art. 6 (1990). When Should One Use Pride in the Work?

25. Jan. 2002

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Morgenunterricht 25.01.2002

Buch »Schriften des Rabash« (Kitwej Rabash), Band 2, S. 988 »Wann der Mensch in der Arbeit Stolz einsetzen muss«

Rav: Wir haben also einen Teil des Artikels aus »Schlawej haSulam«, Seite 139, gelesen: »Wann der Mensch in der Arbeit Stolz einsetzen muss«. Er erklärt uns darin, wie viele Verlangen, Eigenschaften, Antriebe und Gesetze wir in der Neshama haben und wie wir sie alle unter unsere Kontrolle bringen können. Der Mensch fängt an, die Neshama zu beherrschen — und sie ist das Kli, in dem er die geistige Welt, den Schöpfer¹, fühlt. Über alle Kräfte der Neshama zu herrschen ist nur in einem Zustand möglich, in dem der Mensch selbst während des Abstiegs Anstrengung gibt.

Wenn er während des Abstiegs Anstrengung gibt, dann heißt das MaN — dann heißt es, dass er etwas erwirbt, dass er anfängt, über etwas zu herrschen. Das heißt: Man gibt dem Menschen absichtlich Abstiege, Zustände, in denen er fühlt, dass er weit von der Spiritualität, von der Kedusha entfernt ist, dass ihn das nicht interessiert; plötzlich fängt er an zu sehen, dass er auch ohne Spiritualität auskommen kann, dass sie ihn nicht anzieht, dass nichts Besonderes an ihr ist. Und wenn er dann in solchen Fällen, in solchen Zuständen über sein Gefühl hinausgeht — das heißt: obwohl er kein Interesse fühlt, versteht er, dass man ihm dieses Gefühl absichtlich gegeben hat; und obwohl er kein Interesse fühlt, geht er trotzdem weiter und erwirbt, wie man sagt, »mit den Zähnen« die Spiritualität —, dann kommt er dadurch voran. Gerade aus diesen Zuständen.

Und in dem Maße, wie er aus der Zeit des Abstiegs vorankommen kann, besteht eigentlich sein Fortschritt. Denn alle übrigen Zustände, die man ihm gibt, kommen als Erwachen von Oben, von Seiten des Schöpfers; deshalb liegt in jenen Zuständen nichts, was auf das Konto des Menschen ginge, und es bleibt nicht in ihm.

Hier ist eine passende Stelle. Gibt es Fragen? Bitte. Ja.

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Schüler: Hier steht, dass Awraham gewissermaßen eine Anweisung vom Schöpfer bekam, ein Gebot zu tun, und er war sich seiner selbst nicht sicher und ging, um andere zu fragen. Und man gibt hier eine Erklärung, warum er tatsächlich fragen ging: weil er sich in jenem Moment niedrig fühlte. Aber wenn doch der Schöpfer es gibt — wozu dann fragen gehen? Wenn er gefühlt hat, dass der Schöpfer ihm gesagt hat »Tu es«, ja was denn — vertraut er dem Schöpfer nicht, dass er, selbst in einem Zustand der Niedrigkeit, wenn der Schöpfer es ihm gesagt hat — das heißt, wenn er es schon fühlt —, und trotzdem, auch wenn du dieses Gefühl hast, ist es immer noch nicht …?

Rav: Wir sprechen eigentlich davon, wie der Mensch die Kräfte klärt, seine Kräfte. Wenn man anfängt, ihn der Spiritualität näherzubringen — wir leben ja Tausende von Jahren, von Gilgul zu Gilgul, in tierischer Form. So wie die ganze Welt, ja. Wir haben schon viele Gilgulim gelebt, wir waren allerlei — so in allen möglichen Formen, an allen möglichen Orten, tierische Leben. Im Laufe dieser Gilgulim haben wir uns entwickelt. In den Verlangen, in den Forderungen — die ganze Menschheit entwickelt sich so; wir sehen, was Entwicklung ist: dass die Neshama sich entwickelt und immer mehr und mehr und mehr fordert.

Warum die Neshama? Weil der tierische Teil in uns sich nicht entwickelt. Unser Körper ist derselbe Körper. Gäbe es nicht die Neshama, den geistigen Teil im Menschen, wäre der Mensch wie ein Tier. Entwickeln sich Tiere? Fordern sie plötzlich einen Fernseher, plötzlich Autos, plötzlich Raketen, plötzlich Musik, plötzlich …? Nichts. Ein Tier bleibt ein Tier. Wie es geboren wurde, so bewahrt es sich die ganze Zeit. Bei ihm gilt das einzige Gesetz: die Existenz zu bewahren.

Was sich also in uns entwickelt, ist der geistige Teil. Dieser geistige Teil entwickelt sich auf zwei Ebenen — oder sagen wir besser: in zwei Stufen, nicht Ebenen, in zwei Stufen. In der ersten Stufe entwickeln wir uns — das nennt man die materielle, tierische Stufe. Sozusagen tierisch-geistig.

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Das heißt, wir jagen nach Sex, Ehre, Geld, Wissen. Und so entwickelt sich die Neshama — aber sie entwickelt sich noch im Nachlaufen hinter Vergnügen, die in dieser Welt sind. Nachdem sie sich darin über die Gilgulim entwickelt hat, bringt man ihr — das heißt, es enthüllt sich in ihr auch ein Chissaron, ein Mangel, in der Entwicklung hin zu geistigen Vergnügen.

Und dann fängt der Mensch an, den sogenannten »Punkt im Herzen« zu fühlen; er will etwas, das außerhalb dieser Welt ist. Das heißt, außerhalb der Vergnügen, die er mit seinen Sinnen erfassen kann. Ein geistiges Vergnügen — also ein Vergnügen, von dem er jetzt plötzlich entdeckt, dass es ihm fehlt, dass ihm etwas im Leben fehlt: das heißt »Licht«. Und dort, wo er es aufnehmen, es genießen kann, das heißt »Neshama«, »geistiges Kli«.

Wenn der Mensch anfängt, dieses Kli zu entwickeln — gegen seinen Willen, das heißt, man legt ihm diesen Chissaron hinein, und dieser Mangel enthüllt sich nach all jenen übrigen vorangegangenen, tierischen Entwicklungen —, dann fängt er an, wie Awraham zu sein. Das erzählt man uns. Er fühlt einen Antrieb zur Spiritualität. Das bedeutet sozusagen, dass der Schöpfer ihm sagt: »Entwickle dich. Komm in einen neuen, zusätzlichen, besseren, besonderen Zustand.«

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Und dann fängt der Mensch an, in sich allerlei Kräfte, Gedanken, Antriebe zu fühlen, die einerseits dafür und andererseits dagegen sind — für und gegen diesen ganzen Zustand. Und das ist es, was er uns erklärt: wie im Theater, wo sie so spielen — jeder der Schauspieler, sagen wir, spielt irgendeine Eigenschaft im Inneren des Menschen. So ist Mamre etwa eine Eigenschaft im Menschen, dort noch jemand, Sara dort, egal.

Das ganze Haus Awrahams sozusagen — mit all seinem Vieh, mit allem, was er dort hat, auch ein Feld, auch … nun, wie es Beduinen haben, was hatte er dort? Man erklärt also: das sind quasi die Seelenkräfte in ihm, die für und gegen die Entwicklung sind. Jetzt fragst du: Warum muss es so etwas geben? Der Schöpfer sagt: »Mein Lieber, geh dir einen guten, geebneten, geebneten Weg, also vorwärts. Wozu musst du dem sozusagen widerstehen und daran zweifeln?«

Man will, dass du Mensch bleibst, dass du Mensch bist, dass du dich als Mensch entwickelst — und eben nicht als Tier. Das heißt: Man könnte den Menschen auch wie eine Puppe lassen, ihn verbessern und aus ihm machen, was man will, ohne dass er sich dessen bewusst ist und etwas von seinem Anteil dazu beiträgt. Aber damit ließe man die Schöpfung sozusagen auf der Stufe der Tierhaftigkeit.

»Seinen Geschöpfen Gutes zu tun« — das Ziel der Schöpfung ist, dass das Geschöpf auf der Stufe des Schöpfers sein wird; denn weniger als die Stufe des Schöpfers heißt in den Augen des Schöpfers nicht »Gutes tun«. Wenn es etwas Gutes gibt, dann kann das Gute nur eines sein: das Maximum, das Höchste. Und das heißt: weniger als das Allerbeste heißt nicht wirklich »Gutes tun«.

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Deshalb ist der Schöpfer — jene obere Kraft, die plant, die Schöpfung in den guten Zustand zu bringen — damit gemeint, die Schöpfung auf seine Stufe zu bringen, auf die allerbeste, allerhöchste Ebene. Aus der Schöpfung, aus dem Geschöpf einen Schöpfer zu machen — der Unterschied zwischen ihnen liegt in der Erkenntnis des Zustands. Und das ist es, was man vom Menschen verlangt: dass er selbst anfängt, den Zustand zu erkennen, in dem er sich befindet.

Aus völliger Nicht-Erkenntnis heraus — so, wie wir gegenüber der Spiritualität stehen, die vor uns verschlossen ist, wie man sagt. Was heißt verschlossen? Wir denken jetzt, dass es wohl eine Spiritualität gibt, nur fühlen wir sie nicht. Das ist, als fühlten wir uns selbst in einem Zustand der Nicht-Erkenntnis. Aber wir fühlen uns noch nicht wirklich darin, weil wir diesen Mangel nicht fühlen. Nicht-Erkenntnis heißt: Ich weiß, was es bedeutet, bei Bewusstsein zu sein, und jetzt fühle ich, was es bedeutet, ohne Bewusstsein zu sein.

Wir haben das noch nicht, aber trotzdem fangen wir irgendwie an zu fühlen, dass es vielleicht etwas gibt. Aber der Mensch muss sozusagen selbst diesen ganzen Mangel entdecken — das, was zwischen ihm und dem Schöpfer fehlt. Wenn er das selbst entdeckt, heißt es, dass er dieses Kli selbst gebaut hat. Er versteht, was es heißt, auf der Stufe des Schöpfers zu sein, statt auf dieser unserer tierischen Stufe zu sein, die man gegenüber der Spiritualität »unterhalb der Existenz« nennt.

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Es gibt einen Machsom; unterhalb des Machsom heißt es »nichts«. Einfach »nichts«. Deshalb hat man dem Menschen allerlei Kräfte gegeben, dafür und dagegen, im freien Willen, nur in diese Richtung voranzukommen. Das heißt: Wenn du alle Eigenschaften deiner Seele und alle Naturgesetze um dich herum kennen würdest — also wer du genau bist und was die Wirklichkeit um dich herum ist, all die Gesetze, all diese Systeme —, und es dir wirklich klar wäre, dann würdest du sehen, dass du restlos, restlos ein Roboter bist.

Das heißt: Es gibt nichts, was du selbst bestimmen kannst, außer einer einzigen Sache: voranzukommen, um wie der Schöpfer zu werden. Alles Übrige ist geplant, im Voraus besiegelt; darin gibt es keinerlei Wahl, keinerlei Zufall. Alles tickt einfach wie eine Uhr. Aber voranzukommen, um wie der Schöpfer zu werden — hier gibt es den freien Willen.

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Aber nur darin. Das heißt, nur dafür. Ob ein wenig, ein wenig noch für etwas, oder in Bezug auf etwas, oder nicht — nur dafür. Deshalb ist es für uns so wichtig, alle Eigenschaften in uns zu kennen — den Weg, den wir gehen müssen —, um diesen einzigen freien Willen zu nutzen und voranzukommen. Denn wenn der Mensch nicht selbst vorankommt, bringt man ihn nicht voran.

Denn du musst diesen ganzen Weg selbst gehen. Das heißt, du hast einen kurzen, schmalen, sehr schmalen, langen — aber sehr schmalen — Pfad. Und du musst die ganze Zeit … Aber dieser Pfad liegt sagen wir in einer Wüste, sodass du diesen Pfad nicht siehst. Verstehst du? Oder wie wenn du im Wasser gehst. Wo du nicht genau siehst — den nächsten Schritt kennst du nicht, siehst du nicht. Sondern aus allen Kräften, die du hast, musst du den Norden, wie man sagt, wählen, ihn erfassen und dich bei jedem Schritt genau auf das Ziel ausrichten. Und dann machst du einen richtigen Schritt.

Wenn nicht, dann scheint es dir, dass du irgendwelche Schritte machst, aber das sind keine Schritte. Das scheint dir nur so vor den tierischen Augen. Und dann kannst du so auf der Stelle treten oder dich so noch tausend Jahre im Kreis drehen. Das heißt: eine Methode, wie man zum Ziel kommt, jeden Schritt aufs … aufs Ziel hin zu machen, zu sehen, ob du diesen Schritt machst oder nicht machst — unterm Strich, ob du vorankommst, oder ob es dir nur so scheint, dass du läufst, während du in Wirklichkeit auf der Stelle läufst —: diese Methode ist die Methode der Kabbala, die Weisheit der Kabbala.

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Dafür also musst du den Weg sehen. Man macht das auf einfache Weise. Man muss dem Menschen die Augen öffnen, damit er wirklich vor sich sieht, dass das eine Wüste ist, und dass es in dieser Wüste keinerlei Pfad gibt außer einem besonderen Pfad für ihn — jeder hat übrigens seinen eigenen Pfad, damit er nicht durcheinanderkommt —; das Endziel zu sehen, sich selbst zu sehen und zu wissen, wie man jeden Schritt macht, ihn zu prüfen und zu machen. Verstehst du?

Und wenn er es nicht tut, dann noch ein Gilgul, noch ein Gilgul, noch ein Gilgul, so vergeht die Zeit. Denn wir befinden uns unterhalb der Ebene des geistigen Lebens, und deshalb können wir uns so noch eine Million Jahre weiterwälzen. Das ist kein Problem. Es stört niemanden. Das sind Leben, die keinen Nutzen haben, also gibt es keinerlei Abrechnung. Und das war's.

Was sie uns also in all diesen Geschichten erzählen — die Kabbalisten, die Artikel —, sie erzählen uns von unseren Seelenkräften: wie wir gerade mithilfe all der entgegengesetzten, sonderbaren, verschiedenen Eigenschaften in uns den richtigen Weg wählen können, um den freien Willen zu verwirklichen.

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Schüler: Aber wie weiß ich — auch wenn ich jetzt hier bin und Kabbala lerne, alles das —, den Pfad sehe ich ja noch nicht; wie weiß ich, ob ich einen richtigen Schritt mache, einen falschen Schritt mache, oder mich sozusagen um meinen eigenen Schwanz drehe?

Rav: Wie weißt du, ob du jetzt richtige Schritte machst oder nicht? Die Kabbalisten erklären uns: Du fängst sozusagen an, an irgendeinen Ort zu kommen, um Kabbala zu lernen — da weißt du gar nichts. Du weißt auch nicht, an welchem Ort du dich befindest. Du könntest an mehreren anderen Orten sein, nicht nur hier. Es gibt welche, die jetzt sitzen — oder nicht gerade jetzt, egal —, die an anderen Orten sitzen und ebenfalls lernen, und jeder will für sich etwas finden. Es gibt Unterschiede im Ort, es gibt Unterschiede in der Methode.

Ob man am richtigen Ort ist oder nicht? Darauf gibt es keine Antwort. Man hat dir jetzt keine Werkzeuge zum Wählen gegeben; man hat dich das nach dem tun lassen, was du im Unterbewusstsein fühlst. Das heißt: Wenn du fühlst, dass du irgendeinen Zweifel hast, geh an einen anderen Ort und prüfe dich selbst, wo es dir besser geht — hier oder dort. Es kann sein, dass du gemäß deiner Entwicklung noch an einem anderen Ort sein musst. Komm in 30 Jahren zu »Bnei Baruch«. Ja, verstehst du, so wälzt sich jeder durch die Gilgulim.

Denn es gibt das allgemeine Gesetz in der Wirklichkeit, das man Gesetz der Gleichheit der Form nennt, ja — so wie in einem Magnetfeld: Wenn du ein Stück Eisen hinlegst, wird es zum Pol hingezogen. So wird jedes Ding zu seinem Gleichgewichtszentrum hingezogen; und ebenso die Neshama — das, was du als irgendwelche Antriebe fühlst, das ist die Neshama, die zu ihrem Gleichgewichtszentrum hingezogen wird, dorthin, wo sie sich wohl und ruhig fühlt. Ein Mensch, der sucht, findet deshalb am Ende. Die Neshama setzt Hände und Füße in Bewegung, und du kommst an irgendeinen Ort. Und letztlich wälzen sich alle am Ende so durch die Gilgulim und kommen an die richtigen Orte, gemäß dem Maß ihrer Entwicklung.

Es gibt welche, deren Entwicklungsmaß noch ist, Yoga zu lernen oder irgendein Blumenstecken, ich weiß nicht was. Ja, das ist bei jedem anders. Man kann es also nicht mit dem Verstand wissen. Vielmehr ist das Wissen hier ein inneres Gefühl. Später öffnen sich die Augen, dann siehst du. Ja.

18:46

Schüler: Ich verstehe aus dem, was Sie sagen, dass — selbst wenn der Heilige, gesegnet sei Er, mit jemandem spricht und ihm sagt, was er tun soll — er immer noch den freien Willen hat, ob er es tut oder nicht?

Rav: Was heißt das, dass der Heilige, gesegnet sei Er, zum Menschen sagt »Tu« und der Mensch den freien Willen hat? Was heißt das, dass der Heilige, gesegnet sei Er, zum Menschen spricht? Hat das jemand gehört? Es gibt welche in Abarbanel³, weißt du, die gehört haben, was der Schöpfer ihnen sagt.

Dass der Schöpfer zum Menschen spricht, das heißt: Der Mensch fühlt in sich irgendwelche Antriebe, ja? Dass ihm etwas zu tun kommt, etwas auszuführen. Wenn dieser Antrieb zur Spiritualität hin geht, dann kann man sagen: Sagen wir, das ist der Schöpfer, der zu dir spricht. Als ob die übrigen Dinge nicht — spricht er zu jemand anderem, gibt es noch jemanden? Er plant, und er treibt dich zu allen Dingen, sowohl zu den schlechten als auch zu den guten.

Nun: Wenn diese allgemeine Kraft, die man Schöpfer nennt, so die ganze Wirklichkeit antreibt, ohne diesen Teilen der Wirklichkeit einen freien Willen zu geben oder es fühlen zu lassen, dann heißt das, dass das Verhältnis zur Wirklichkeit wie zum Unbelebten oder zum Pflanzlichen oder zum Tierischen ist. Das Verhältnis zum Sprechenden, zum Menschen, ist so, dass der Mensch fühlt, was er will. Außer dass er fühlt, was er will, wie ein Tier, kann er das auch kritisch prüfen — seinen Willen. Er kann anfangen, diesen Willen auch zu verändern.

Aus einem Geschöpf einen Menschen zu machen — »Adam« heißt »Adame laEljon«, ähnlich dem Oberen, dem Schöpfer ähnlich; also muss der Schöpfer dem Menschen all die Zustände geben, die ihm selbst, dem Schöpfer, entgegengesetzt sind, damit der Mensch gerade aus dem entgegengesetzten Ding heraus wählt und es vorzieht, wie der Schöpfer zu sein. Das ist der ganze freie Wille, das ist das ganze Wahlrecht, das der Mensch hat.

Würde der Mensch also einfach alle Befehle von Oben ausführen, dann hieße das, dass er bloß eine Puppe ist. Das ist wie ein Baum, wie Unbelebtes, Pflanzliches, Tierisches die Befehle der Natur ausführen. Darin liegt keinerlei Eigenständigkeit; man sagt nicht, dass Unbelebtes, Pflanzliches, Tierisches vom Schöpfer getrennt sind — sie sind gerade zu hundert Prozent im Schöpfer. Was die Natur bestimmt, bestimmt der Schöpfer — »Elokim« hat in der Gematria denselben Wert wie »haTeva«, die Natur, ja —, also erfüllen sie das ohne jedes Problem, ohne jede Frage, ohne jede Wahl. Das ist keine eigene Stufe, das ist eine Null-Ebene, das ist wirklich null.

22:04

Der Mensch dagegen — aus seiner Wahl heraus, aus seiner Erkenntnis heraus, dass es sich lohnt, so zu handeln, rechtfertigt er den Schöpfer. Gerade aus all den Eigenschaften, die dem Schöpfer entgegengesetzt sind, wählt er, wie Er zu sein — dadurch baut er aus sich selbst einen Menschen. Das heißt: Unsere Erziehung, die der Kabbalisten, ist darin völlig verschieden von der Erziehung auf der Straße. Die Religion erzieht den Menschen dazu, einfach eine Maschine zu sein: aufzustehen, zu tun, zu tun, zu tun, zu tun.

Die Kabbala ist umgekehrt: Sie entwickelt im Menschen Sinne für die Kritik. Für die Kritik, sodass der Mensch anfängt, dem Schöpfer nicht zuzustimmen, den Schöpfer zu verfluchen, völlig gegen ihn rebellieren zu wollen — und danach fängt er an zu erkennen, woher diese Eigenschaften kommen, fängt an, diese entgegengesetzten Eigenschaften — seine und die des Schöpfers — zu vergleichen und nach und nach zu erkennen, was besser ist; und dann rechtfertigt er die Stellung des Schöpfers, und danach will er ihm ähnlich werden, und danach macht er tatsächlich aus sich selbst — aus den entgegengesetzten Zuständen macht er aus sich selbst einen, der wie der Schöpfer ist. Das ist die Entwicklung des Menschen.

Deshalb ist die Sicht der Tora (Daat Tora) entgegengesetzt zur Sicht der Baalej Batim, der »Hausbesitzer«; und das, wie man die Hausbesitzer lenkt und wie man sie erzieht, ist völlig entgegengesetzt zur Sicht der Tora. Ein Mensch, der hierherkommt, fängt an, eine solche Erziehung zu bekommen, dass er restlos, restlos frei wird von allen Rahmen. Von allen Rahmen, von allen Anfangsbedingungen — nichts; du musst prüfen, kritisch hinterfragen, über alle möglichen Zustände nachdenken, dich vor nichts fürchten und aus ihnen heraus die Wahrheit wählen. Sonst bleibst du ein Tier. Ja.

24:28

Schüler: Was sind die Quellen, die Ursachen, die sich dem Fortschritt widersetzen, dem Suchen nach dem Punkt? Was ist denn gemeint — die Intuition ist doch so stark, wozu sozusagen widerstehen? Woher kommt der Widerstand?

Rav: Widerstand?

Schüler: Aus der Intuition, aus dem inneren Empfinden, aus dem Suchen nach dem Punkt.

Rav: Du fragst sozusagen so: Der Mensch hat eine Intuition — das heißt, wie sagt man das auf Hebräisch?

Schüler: Intuition.

Rav: Ja? Irgendein Sinn für was, wie soll man sagen? Ein Suchsinn?

Schüler: So ein innerer Führer nach …

Schüler: Ein inneres Gefühl.

Rav: Ich weiß, was das ist, aber … nun, ich glaube nicht, dass diese Sache wirklich so stark ist, dass man sich auf sie stützen kann. Siehst du: Selbst wenn wir der Intuition folgen — mit unserem ganzen Verstand und all den Köpfen —, sieh, zu welchen Dingen wir kommen: zur allgemeinen Zerstörung, zu dem, dass wirklich … Also können wir nicht nach der Intuition gehen.

Und auch nach unserer Wissenschaft können wir nicht gehen. Wenn wir die Obere Welt erwerben, zur geistigen Entwicklung gelangen wollen — was heißt geistig? Im Empfinden der Ewigkeit, der Vollkommenheit zu sein, voller Kräfte, Wissen, Fähigkeiten. Wie der Schöpfer zu sein heißt, in Ewigkeit und Vollkommenheit zu sein und zu leben. Wir können das nicht durch unsere Intuition erreichen. Denn unsere Intuition ist eine Art — sogar Sinne und Schlussfolgerungen, die man nicht einmal überprüfen kann, sondern: irgendwie fühle ich es eben so. Das alles beruht eigentlich auf völlig tierischer Erfahrung, auf tierischen Antrieben und auf dem tierischen Gehirn, das nicht mehr versteht, als es so vor sich in einigen Metern sieht — und das war's.

Danach können wir den geistigen Weg nicht finden, denn die Spiritualität ist ein völlig anderer Sinn und andere Gesetze als die Gesetze, die wir kennen, und so weiter. Das heißt: Der sechste Sinn — das, was man Neshama nennt — und die Gesetze in ihm und die Wirklichkeit, die sich in ihm enthüllt, das hat mit unserer Intuition überhaupt nichts zu tun.

27:31

Schüler: … Ich meinte den sechsten Sinn.

Rav: Ah. Der sechste Sinn ist nicht die Intuition. Der sechste Sinn ist ein Sinn, der in jedem Einzelnen vorhanden ist; und wenn ein Mensch einen Antrieb fühlt, ihn zu entwickeln, wenn er schon einen Chissaron danach fühlt, nach diesem sechsten Sinn, dann gibt es hier schon eine besondere Methode, wie man ihn entwickelt. Du kannst nicht …

Schüler: Dafür braucht man den freien Willen.

Rav: Ja, aber den freien Willen musst du verwirklichen. Du kannst nicht zu einem Menschen sagen: Du bist frei zu wählen, wähle. Du musst ihn lehren, wo es Freiheit gibt. Denn wie ich erklärt habe: Du hast tausend Wege, und du kannst nicht zwischen ihnen unterscheiden — oder du siehst überhaupt nicht, dass es tausend Wege sind und wie sie miteinander zusammenhängen —, und du musst aus all diesen irgendeinen einzigen Weg wählen, auf dem du tatsächlich vorankommst, auf den übrigen aber nicht. Die Wahl liegt also sozusagen in der Wahl der Wege und darin, wie man auf diesem Weg vorankommt.

Das heißt: Hier gibt es sehr viel Wissen und eine sehr genaue Methode. Kräfte, die du sozusagen auf dich herbeirufen musst, um voranzukommen, mit denen du aber noch nicht in Verbindung stehst. Wie kann ich gehen, wenn es mir wirklich wie eine Wüste erscheint? Hier gibt es einen inneren Widerspruch. Ich soll jetzt in der Wüste einen richtigen Schritt machen — in welche Richtung von 360 Grad? Woher weiß ich das? Wenn ich sehe, dann habe ich schon keine Wahl mehr. Also hat man es so für mich eingerichtet, dass ich nicht sehe. Wenn ich nicht sehe, wie soll ich wählen? Der Zustand selbst ist unlogisch — sozusagen in unserem Verstand. Im geistigen Verstand sehen wir sofort, dass es keinen Widerspruch gibt, aber in unserem Verstand gibt es einen Widerspruch. Wie komme ich also trotzdem voran? Das ist es. Das heißt: Hier muss man lernen, wie man Kräfte herbeiruft, wie man Kräfte gebraucht, die man noch nicht fühlt.

Und deshalb müssen wir etwas empfangen — diese Methode müssen wir von außen empfangen, sie ist nicht in uns. Es gibt viele Menschen, die behaupten: Ich komme so voran, wie meine Neshama es sagt, ich komme voran und es wird in Ordnung sein, es wird wirklich ich selbst sein. Wenn du mit deiner Neshama vorankommst, bleibst du ein Tier. Du musst hier etwas Neues erwerben, das in dir nicht vorhanden ist.

30:25

Deshalb kann man ohne diese Weisheit, die man von Oben, von außen, aus jener Welt empfängt, nicht vorankommen. Deshalb: ohne Lernen — und auch das Lernen selbst: Durch das Lernen ziehen wir letztlich nur Kräfte auf uns, rufen wir Kräfte auf uns herbei, die wirken und uns helfen, die Wahl zu treffen, nicht mehr. Wenn eine Kraft von Oben kommt, bewirkt sie in mir das, was man »Chen deKedusha«, die Anmut der Kedusha, nennt; und dann — dadurch, was sie in mir bewirkt: wie sie in mir wirkt, weiß ich nicht. Und was genau sie in mir tut, weiß ich ebenfalls nicht.

Ich kenne nur das gewünschte Endergebnis, das ich vom Lernen will: dass während des Lernens ein Or Makif leuchtet; dieses Or Makif wirkt im Punkt im Herzen, in der Wurzel der Neshama, und dann fange ich an, eine gewisse Anziehung in die richtige Richtung zu fühlen — hin zu jener Quelle, aus der dieses Or Makif kommt. Und dann ist diese Anziehung, dieser kleine Antrieb das, was für mich die Wahl bestimmt. Das ist alles. Man sieht also, dass es hier eine Art verborgene Sache gibt — gewiss verborgen.

Ich muss sozusagen eine obere Kraft herbeirufen — und wie ruft man sie herbei, wie erwirbt man sie, mit welchem Messinstrument kann ich sie messen, wie viel Volt ist das, wie viel Kraft in Kilogramm ist das, wie viel ist das? Nichts, ich kann es nicht wissen. Vielmehr sagt man: Unter solchen und solchen Bedingungen — wenn du ein Buch nimmst, wenn du vor dem Buch sitzt und das richtige Buch liest, und vorher eine Vorbereitung gemacht hast, was du vom Buch fordern willst, wozu genau du gelangen willst, wodurch du gelangen willst, und dieses Verlangen zuvor wirklich mit Anstrengung geformt hast — dann kommt tatsächlich das, was zu dir kommt: es kommt die richtige geistige Kraft. Das heißt: Hier gibt es viele Dinge, die nötig sind. Aber unterm Strich ist das Ergebnis all unseres Lernens, Sitzens und all unseres Tuns: dass eine Kraft von Oben kommt und uns zieht. Das ist die Wahl.

Ja, weitere Fragen? Ja.

33:11

Schüler: Wie soll ich in einem Zustand des Abstiegs — woraus soll ich Kräfte schöpfen, um das Erwachen von unten zu geben?

Rav: Also nochmals: Um den Menschen eine Anstrengung, eine Bewegung aus sich selbst machen zu lassen, verlässt man ihn. Von Oben kommt sozusagen keine Kraft und zieht dich genau zum Ziel. Sondern umgekehrt: Man verstopft dir den Weg. Das geschieht nicht sofort. Man bringt den Menschen ein Stück in die Richtung voran, er fängt an, ein wenig zu fühlen, fängt schon am Anfang an, ein wenig zwischen allerlei kleinen Dingen zu unterscheiden. Und danach hört man plötzlich damit auf und gibt ihm ein Gefühl, dass er völlig abgeschnitten ist, dass er in schlechter Stimmung ist. Das heißt: Sowohl in seiner Tierhaftigkeit als auch in seiner Spiritualität lässt man ihn absteigen.

Wozu macht man das? Man gibt das Gefühl der Wüste: dass du nicht weißt, was du tun sollst, wohin du gehen sollst; auch im gegenwärtigen Zustand ist es nicht in Ordnung, und wohin du gehen sollst, weißt du auch nicht. Und dass du weder den inneren Zustand hast, der »Gegenwart« heißt, noch den umgebenden Zustand — das Or Makif, das »Zukunft« heißt, das aus der Ferne leuchtet⁴ —; du hast weder das eine noch das andere. Das bringt dem Menschen das Gefühl der Verzweiflung, ein Fehlen von Erfüllung weder in der Gegenwart noch in der Zukunft; man kann weder aus dem Jetzt noch aus dem, was sein wird, leben.

Wozu macht man das? Einfach, um dir zu zeigen, in welchem Zustand du wirklich bist — ohne Behandlung von Oben. Kann man in diesem Zustand etwas tun? Fast nicht. Aber trotzdem ein wenig etwas — kritisch zu prüfen und zu untersuchen, wie gut es ist, mit den Kräften zu gehen, die man von Oben gibt. Wenigstens das: es zu wollen, es zu schätzen. Und danach … diese Zustände lehren den Menschen. Wirklich, in Wahrheit, in welchem Zustand er sich wirklich befände, wenn man sich nicht um ihn kümmern würde. Deshalb sind solche Zustände gut, gerade sie sind es, die den Menschen aufbauen. Denn andernfalls, wenn man ihm allerlei Erfüllungen gibt und ihn zieht — das ist keine Kunst, so würde jeder vorankommen.

Gut.

(Ende der Unterrichtsstunde)