Tägliche Lektion9 de out de 2026(Morning)

Part 2 Baal HaSulam. Einführung in die Weisheit der Kabbala (Pticha), punkt 11-14 (14.05.2006)

Baal HaSulam. Einführung in die Weisheit der Kabbala (Pticha), punkt 11-14 (14.05.2006)

9 de out de 2026

Dieses Transkript wurde mithilfe KI aus dem hebräischen Original übersetzt und nicht redaktionell bearbeitet.
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Einführung in die Weisheit der Kabbala
(Punkt 11 – Punkt 14)

Lektion 4

Transkript des Morgenunterrichts, Teil „Pticha", 14.05.2006

Punkt 11

„Jetzt können wir den wahren Unterschied zwischen dem Spirituellen und dem Körperlichen verstehen. Wenn das Verlangen zu empfangen (Razon lekabel) seine volle Entwicklung in allen Stufen erreicht hat, also Bchina Dalet, so wird dieses Verlangen als „materiell“ bzw. „körperlich“ angesehen. Dies ist es, was in allen Einzelheiten der Wirklichkeit vor uns in dieser Welt (Olam haSe) existiert."

Rav: Das heißt: Von allen Welten, von allen Orten, die man sich überhaupt vorstellen konnte, blieb das Verlangen zu empfangen nur in dieser Welt in seiner materiellen Form. Man kann es auch umgekehrt sagen: „Diese Welt" heißt das Verlangen zu empfangen in seiner Form, zu empfangen, und das nennt man „materiell".

An allen übrigen Orten – und „Ort" heißt Verlangen zu empfangen –, also in allen übrigen Verlangen, in allen übrigen Formen des Verlangens zu empfangen, ist es ganz um zu geben, und das heißt „spirituell".

„Alles, was über diesem hohen Grad des Verlangens zu empfangen liegt [wenn dieses Verlangen noch nicht seine letzte Entwicklungsstufe erreicht hat], wird als „Spiritualität“ bezeichnet. Dies sind die vier Welten ABYA, die sich über dieser Welt befinden, mit ihrer ganzen Wirklichkeit in ihnen.
Und nun kann man verstehen, dass alle Auf– und Abstiege, die sich in den Höheren Welten abspielen, unter keinen Umständen Bewegungen in einem imaginären Raum darstellen, sondern sie sind einfach Änderungen vom Ausmaß des Verlangens zu empfangen innerhalb der vier Entwicklungsstufen. Je weiter etwas von Bchina Dalet entfernt ist, desto höher wird es angesehen. Und umgekehrt, je näher etwas an Bchina Dalet herankommt, desto tiefer ist seine Stufe."

Rav: Gut. Er spricht von der Seite des Kabbalisten, der solche Definitionen gibt, und deshalb ist es für ihn tatsächlich so: Je mehr die Eigenschaft des Gebens herrscht, desto höher, desto besser heißt es. Und je mehr die Eigenschaft des Empfangens, desto niedriger, desto tiefer.

Materiell und spirituell – wir müssen sehr gut erkennen, dass die Einteilung nur darin besteht. Das heißt, alles, was geschieht, wird nur im Verlangen des Menschen wahrgenommen. Nur innerhalb des Verlangens legen wir Orte, Welten, Zustände, die ganze Wirklichkeit fest. In unserem Verlangen zu empfangen gibt es viele Unterteilungen, deshalb haben wir sehr viele Zustände, und es hängt vom Menschen ab, wie er diese Zustände festlegt, wie er sie nennt.

Wenn wir Bücher der Kabbala lernen, müssen wir verstehen und die Definitionen annehmen, die die Kabbalisten festgelegt haben – besonders die Abgrenzung zwischen Materiellem und Spirituellem.

Punkt 12

„Es ist wichtig zu begreifen, dass die Essenz eines jeden Geschöpfes und der gesamten Schöpfung einzig und allein das Verlangen zu empfangen ist. Alles außerhalb dieses Rahmens ist nicht Teil der Schöpfung, sondern bezieht sich auf das Wesen des Schöpfers (Azmuto). Weshalb betrachten wir dann das Verlangen zu empfangen als etwas Grobes (Awiut), abscheulich Schlechtes und der Korrektur Bedürftiges, sodass wir angehalten sind, es mithilfe der Tora und der Gebote zu „ reinigen“ (lesakot) – und tun wir das nicht, sind wir nicht in der Lage, das letztendliche und oberste Edelziel, den Plan der Schöpfung, zu erreichen?"

Rav: Das heißt: Was ist schlecht am Verlangen zu empfangen, dass man es läutern, korrigieren, verändern muss, wenn es doch aus dem Licht kommt, das es als die einzige Schöpfung erschaffen hat? Unsere ganze Wirklichkeit, unsere Wahrnehmung, unser Leben, unsere Lebenskraft sind in diesem Verlangen zu empfangen, und außerhalb davon gibt es nichts. Wir dürfen uns nicht von der Wahrnehmung der Wirklichkeit entfernen – das ist unser Leben, die Art, wie wir uns als existierend fühlen, und das geschieht nur im Verlangen zu empfangen.

Was ist also schlecht daran, dass wir es verändern müssen? Warum wurde gerade dieses Schlechte so erschaffen und für uns vorbereitet? Was haben wir davon, dass wir es tun? Was ist die Anstrengung, die Arbeit, die wir machen müssen, um das Verlangen zu empfangen zu verändern? Und wer ist dann „wir" – „wir", die verändern? Es gibt also etwas, das etwas verändert. Hier drängt sich schon die Frage auf, dass sich das Geschöpf mindestens in zwei Teile teilt. Es lebt nicht nur in der Wirklichkeit, im Verlangen zu empfangen, sondern es muss auch seine Trübheit (?), seine Awiut, sein Böses erkennen und außerhalb davon stehen, um zu bestimmen.

Und wenn es von außen bestimmt, dann bestimmt es Gut und Böse gegenüber etwas anderem. Es sind also nicht mehr zwei, sondern es müssen hier drei Dinge sein: einer, der zwei Dinge betrachtet und das eine gegenüber dem anderen bestimmt – gut und böse. Und danach muss er die Kräfte, das Verständnis und das Erreichen haben, wie man verändert und handelt.

Hier entwickelt sich also eine ganz besondere Aufgabe: Der Schöpfer hat sie vorbereitet, und das Geschöpf verändert.

Punkt 13

„So, wie materielle Objekte durch Abstand im Raum voneinander entfernt werden, so entfernen sich spirituelle Objekte durch ihre unterschiedliche Form voneinander. Etwas Vergleichbares existiert so auch in unserer Welt. Wenn beispielsweise zwei Menschen ähnliche Ansichten vertreten, so mögen sie sich, und keine räumliche Entfernung kann ihre Sympathie füreinander beeinträchtigen.
Und umgekehrt, wenn ihre Ansichten völlig voneinander abweichen, hassen sie sich, und die räumliche Nähe wird diese beiden nicht im Geringsten näher bringen. Also trennen und entfernen die Meinungsverschiedenheiten die Menschen voneinander, und ähnliche Ansichten bringen sie zusammen. Und wenn zum Beispiel die Menschennatur des einen der eines anderen absolut diametral entgegensteht, fühlen sich diese Menschen so voneinander entfernt wie Ost von West."

Rav: Daraus folgt: Wenn wir vom Schöpfer und vom Geschöpf sprechen, dann muss das Geschöpf das Gegenteil des Schöpfers sein, ihm wirklich unähnlich. Und wenn unähnlich, dann in den Ansichten, in den Verlangen, in den Unterscheidungen, in Liebe und Hass. Alles, was beim einen ja ist, ist beim anderen nein. Es geht nicht darum, inwieweit es möglich oder unmöglich ist, so etwas Entgegengesetztes zu erschaffen, sondern es geht um das Geschöpf.

Wenn also der Schöpfer gut ist und Gutes tut und sich in Ewigkeit und Vollkommenheit befindet – in welchem Zustand muss dann das Geschöpf sein, wenn es außerhalb des Schöpfers ist und als etwas Äußeres existiert? Ist es vonseiten des Schöpfers möglich, ein solches Geschöpf zu bauen, wenn Er ganz gut ist und Gutes tut? Daraus folgt, dass die Schöpfung sozusagen nicht aus dem Schöpfer hervorgehen kann. Denn jede Schöpfung ist das Gegenteil, ist anders als Er, und das kann Er nicht tun, weil Sein Prinzip ist, gut zu sein und Gutes zu tun. Das ist das höchste Prinzip von allen. Kann Er also einen Zustand schaffen, in dem nicht Ewigkeit und Vollkommenheit herrschen?

„Dasselbe gilt auch in den spirituellen Welten: Gegenseitige Entfernung, Annäherung, Verschmelzung und Einheit – diese Prozesse ereignen sich ausschließlich gemäß unterschiedlicher bzw. ähnlicher innerer Eigenschaften der spirituellen Objekte (Parzufim). So trennen sie sich je nach der Unterschiedlichkeit der Form, während ihre Ähnlichkeit sie aneinander annähert und miteinander verschmelzen lässt.
Dadurch muss man verstehen, dass das Verlangen zu empfangen das Hauptelement und das verbindliche Gesetz des Geschöpfes ist, denn es ist der wesentliche Kern eines Geschöpfes. Es ist gerade das Kli, das notwendig und geeignet ist, den Zweck zu verwirklichen, der im Schöpfungsgedanken beinhaltet ist. Das Verlangen zu empfangen des Geschöpfes ist darum vom Schöpfer völlig getrennt worden, da der Unterschied der Form zwischen dem Geschöpf und dem Schöpfer bis zu seinem Gegensatz gelangt. Denn der Schöpfer ist das absolute Verlangen zu geben (Razon lehashpia), und in Ihm steckt nicht einmal eine Spur des Verlangens zu empfangen (Razon lekabel). Und das Geschöpf ist das absolute Verlangen zu empfangen, und in ihm steckt nicht einmal eine Spur des Verlangens zu geben. Es ist unmöglich, sich einen größeren Kontrast vorzustellen [als den zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf, zwischen dem Verlangen zu geben (Razon lehashpia) und dem Verlangen zu empfangen (Razon lekabel)]. Daher ist es unumgänglich, dass diese Gegensätzlichkeit der Form das Geschöpf vom Schöpfer trennt."

Rav: Das heißt: Der Stoff der Schöpfung ist das Verlangen zu empfangen, und er muss wie ein Abdruck des Lichts sein, des Willens zu geben¹ – und in dieser Form existiert er. Das bedeutet noch nicht, dass der Stoff selbst schlecht ist, auch wenn er eine Gegensätzlichkeit der Form hat. Ob er „Geschöpf" heißt, das sich außerhalb des Schöpfers befindet, und worin es heißt, dass er „außerhalb von Ihm" ist – das alles müssen wir noch bestimmen. Aber als Stoff ist das Verlangen zu empfangen in all seinen Eigenschaften sicher dem Licht entgegengesetzt.

Schüler: Das Verschiedensein des einen vom anderen definiert er wirklich als Funken des Empfangens und Funken des Gebens. Warum wird ein Unterschied sofort als Gegensatz definiert?

Rav: Wenn der eine empfängt, muss der andere geben, und umgekehrt – sonst gibt es keine zwei. Aber diese zwei, von denen einer empfängt und einer gibt, sprechen noch nicht von etwas, das sie im Bewusstsein des Schöpfers und im Bewusstsein des Geschöpfs trennt. Nehmen wir Mutter und Baby: Sie gibt ganz, er empfängt ganz. Von der Seite der Mutter heißt das nicht, dass er empfängt, denn für sie ist das ganze Leben, dass sie so etwas hat, dem sie gibt. Und für ihn heißt das nicht, dass er empfängt, denn er ist so gebaut, das ist sein Stoff, und er tut es so, wie der Stoff es bestimmt: Er empfängt. Er ist sich dessen nicht bewusst, sondern er und der Stoff sind ein und dasselbe.

Aber wie dem auch sei: Wenn du von Eigenschaften sprichst – einer und ein anderer, ohne Bewusstsein, ohne eine Persönlichkeit des Geschöpfs, dass hier etwas ist, sondern nur sein Stoff –, dann ist er dem Schöpfer entgegengesetzt. Du kannst sagen: Ja, gegenüber dem Geschöpf ist derselbe Stoff, den der Schöpfer erschaffen hat, entgegengesetzt. Aber das sagt nichts über irgendeine Niedertracht, irgendeinen Makel im Geschöpf aus, denn das ist sein Stoff, das ist er.

Also ist dieser Stoff an sich sicher weder von der Seite des Schöpfers noch von der Seite des Geschöpfs als schlecht oder als trennend definiert. Im Gegenteil, er verbindet. Dadurch, dass das Baby empfangen kann, hat die Mutter die Möglichkeit zu geben – deswegen gibt es eine Verbindung zwischen ihnen. Hätte er, der Schöpfer bewahre, nicht die Möglichkeit, von ihr zu empfangen, wäre die Verbindung abgerissen. Und welche Verbindung kann es zwischen zweien geben, wenn der eine nicht vom anderen empfängt? Wie? Jeder muss empfangen und jeder muss geben – oder einer empfängt und einer gibt, egal wer. Aber eine Verbindung baut nur darauf auf, dass etwas, das im einen ist, zum anderen übergeht.

Daraus folgt: Verlangen zu empfangen und Verlangen zu geben² sind zwei Eigenschaften, die einander halten, einander erhalten. Das eine ist ohne das andere unmöglich. Es gibt auch keinen Schöpfer ohne Geschöpf. Wann sagen wir, dass etwas „Schöpfer" heißt? Wenn im Höheren Licht irgendein Verlangen Jesh mi Ajn entsteht, ein Verlangen zu empfangen, und dieses Licht durch dieses Verlangen zu empfangen, das im Licht entstanden ist, aus seinem Wesen hervorgeht und anfängt, sich in diesem Verlangen auszubreiten.

Punkt 14

„Um die Geschöpfe aus dieser gewaltigen Trennung vom Schöpfer zu erretten, fand Zimzum Alef (Erste Einschränkung) statt, welcher Bchina Dalet von allen Parzufim (spirituellen Objekten) der Kedusha (Heiligkeit) trennte. Das geschah auf solche Art und Weise, dass das große Maß des Verlangens zu empfangen zu einem leeren Raum (Chalal Panui) wurde, ohne jegliches Licht.
Dies ist so, weil nach Zimzum Alef alle Parzufim der Kedusha einen korrigierenden Massach (Schirm) für ihr Kli Malchut eingerichtet haben,"

Rav: Das heißt: Genau an dem Teil, an der Bchina, wo das Geschöpf sich als Empfangender vom Gebenden fühlt, wo das sie trennt und es wirklich vom Gebenden, vom Schöpfer, entfernt – dort schränkt es sich ein, und dort handelt es. In allen übrigen Teilen, wo es nicht entdeckt, dass es der Empfangende ist, sondern dass das eben der Stoff ist, der so existiert, hat es erstens auch gar keine Möglichkeit, mit diesem Stoff etwas zu machen, und es hat keinerlei Antrieb und keinerlei Verpflichtung dazu – das heißt nicht, dass es das Getrennte ist.

Deshalb gilt in der Entwicklung des Verlangens zu empfangen – Shoresh, Alef, Bet, Gimel; Shoresh nennt man nicht, weil das noch das Licht mit dem Verlangen zu empfangen ist –, also in Alef, Bet, Gimel, den drei Bchinot vor Bchina Dalet: Dort zeigt sich das Verlangen zu empfangen nicht als Gegenteil, nicht als „der Empfangende", der selbst anzieht und empfängt. Über das hinaus, was von der Seite des Lichts gebaut ist, hat es noch keine eigene Zugabe, die es heranzieht, und deshalb heißt es nicht, dass es vom Licht getrennt ist.

Das ist wie beim Unbelebten, Pflanzlichen und Tierischen in dieser Welt: Sie befinden sich unter der absoluten Herrschaft des Lichts, unter der Herrschaft des Gesetzes, unter der Herrschaft des Schöpfers, unter der Herrschaft der Natur – ELoHIM hat in Gematria den Wert von Teva³ –, unter seiner absoluten Herrschaft. Deshalb gibt es dort weder Gut noch Böse, sondern nur das Bestehen des Naturgesetzes. Es gibt dort keine Scham und keinerlei Korrektur. Anders der Mensch: Er hat ein eigenes Verlangen, eine Zugabe zu dem Verlangen, das er von oben empfangen hat. Diese Zugabe bringt dem Menschen das Gefühl der Freiheit, der freien Wahl: Ich existiere, ich handle, ich mache, ich kann es so machen, ich kann es anders machen. In der Schöpfung des Unbelebten, Pflanzlichen und Tierischen gibt es keinen solchen Gedanken: „Ich" kann hier so handeln und dort so.

Sondern dort haftet das Wesen an dem Moment, in dem es lebt, und das ist alles. Beim Menschen nicht. Weil er fühlt, dass er existiert, mit einem privaten, persönlichen Leben – wer bin ich, was bin ich –, mit allen Fragen, die sich im Menschen entwickeln: Bei denen, in denen sich diese Fragen immer mehr entwickeln – wo innerhalb von Bchina Dalet die Bchinot Alef, Bet, Gimel anfangen und danach Dalet de Dalet –, dort fängt der Mensch schon an zu fragen, dort fühlt er sich, fängt an, sich als Gegenteil des Schöpfers zu fühlen.

Diese Gegensätzlichkeit zum Schöpfer ist der „Punkt im Herzen", die sogenannten „Achoraim de Nefesh de Kedusha". Von dort aus kann der Mensch schon anfangen zu handeln. Alles davor – auch wenn es innerhalb von Bchina Dalet ist, also Alef, Bet, Gimel de Dalet – gibt dem Menschen noch keine Kraft, kein Verständnis und keine richtige Ausrichtung⁴, was er mit sich machen soll. Zwar fühlt er sich im Widerspruch zur Natur, zur menschlichen Gemeinschaft⁵ … er entdeckt das Böse. Aber diese Entdeckung des Bösen reicht noch nicht – weder im Gefühl noch im Verständnis –, um es irgendwie zu korrigieren.

Erst Dalet de Dalet fängt an zu unterscheiden. Und wenn er hier zu dieser Unterscheidung kommt, hat er schon die drei Bestandteile, die man Israel, Oraita, KuBH (Kudsha Brich Hu)⁶ nennt – oder: ich, meine Natur und der Schöpfer, der die Natur erschaffen hat. Das „Ich" bestimmt schon, kann schon bestimmen, was es, dieses Ich, mit der Natur machen wird, um am Schöpfer zu haften, sich Ihm zu nähern, Ihm ähnlich zu werden. Vorher gibt es diesen dritten Punkt nicht, das „Ich", das „Punkt im Herzen" heißt.

Schüler: Wir sagen, dass die ersten drei Bchinot unter der Herrschaft der Natur stehen. Die Wahl von Bchina Dalet ist auch, unter die Herrschaft der Natur zu kommen. Was ist der Unterschied zwischen der Herrschaft der Natur …

Rav: Nein. Bchina Dalet will nicht unter die Herrschaft der Natur kommen. Wenn das Geschöpf am Schöpfer haften will, annulliert diese Anhaftung das Geschöpf nicht. Das Geschöpf geht damit nicht darauf zu, sich zu annullieren, damit der Schöpfer in ihm herrscht und es dann sozusagen so geschieht … Es geht nicht darauf zu, aus diesem ganzen Bild der Wirklichkeit zu verschwinden. Im Gegenteil: Es bestimmt seine Form, die dem Schöpfer ähnlich sein muss, weil es damit das Gesetz der Harmonie, der allgemeinen Ordnung, nicht verletzt. Es sieht, dass das von allen Eigenschaften der erhabenste Zustand ist. Es sieht sich … – wir sprechen vom Geschöpf – es sieht sich also im neutralen Punkt, wo es aus dem Stoff, der in seinem Besitz ist, zum Former der Eigenschaften des Gebens wird. Über den Stoff, das Verlangen zu empfangen, spricht es nicht wie über sich selbst. Das ist nicht …

Jetzt passiert etwas in meinem Körper. Bin das ich? Der Körper funktioniert und tut etwas, und ich schaue darauf wie auf eine Maschine, die etwas tut, und ich gebe dieser Maschine eine Art Gaben⁷, um sie in Ordnung zu bringen. So schaut das Geschöpf auf das Verlangen zu empfangen. Das Verlangen zu empfangen wurde vom Schöpfer erschaffen. Ich schaue von meiner Seite auf das Verlangen zu empfangen, so wie Er es von Seiner Seite erschaffen hat: Das ist der Stoff, der mir gegeben wurde, und mit diesem Stoff kann ich machen, was ich (…)⁸. Ich identifiziere mich nicht mit diesem Stoff. Im Gegenteil, ich sehe mich als selbstständig, außerhalb des Verlangens zu empfangen, und dieses Verlangen zu empfangen meißle ich, ich mache daraus eine Form, die ich wähle. Und bevor ich in freier Wahl wähle – es stimmt, ich empfange Kräfte, es stimmt, ich bitte: „Hilf mir" –, ist das wie ein kleines Kind, das seine Mutter dorthin zieht, wo es hinwill. Es stimmt, hier fehlen Kräfte, fehlen Unterscheidungen. Aber solange sich das Geschöpf nicht entwickelt und nicht bestimmt, dass es das will, wird es nicht geschehen. Und den Stoff, das Verlangen zu empfangen, sieht das Geschöpf überhaupt nicht als seinen Stoff. Das ist der Stoff der Schöpfung, und die Begegnung mit dem Schöpfer findet überhaupt nicht in diesem Stoff statt, sondern in meinem Wissen, in meinem Willen, was ich mit dem Stoff mache. Darin bin ich Ihm ähnlich.

Es gibt „ich will", „ich entscheide", „ich denke", „ich fühle", und außerdem meinen Ausdruck im Stoff. Je nach dem „Ich, das will", „das fühlt", bin ich dem Schöpfer nah oder fern.

So wie Er sich zum Stoff der Schöpfung verhält, so verhalte ich mich zum Stoff der Schöpfung. Das ist etwas, das außerhalb von uns ist, außerhalb von Ihm und außerhalb von mir. Wenn man mit Zimzum, Massach und Or Choser arbeitet, ist der Stoff der Schöpfung nur das Etwas, auf dem man das Gebäude baut. Das Gefäß heißt Massach und Or Choser, die Füllung heißt Massach und Or Choser. Daraus folgt, dass das Verlangen zu empfangen nur etwas ist, auf dem man bauen kann. Deshalb fängt alles vom Zimzum aufwärts an.

„Dies ist so, weil nach Zimzum Alef alle Parzufim der Kedusha einen korrigierenden Massach (Schirm) für ihr Kli Malchut eingerichtet haben, um kein Licht in dieser Bchina Dalet zu empfangen. In dem Moment, als sich das Höhere Licht (Or Eljon) zum Geschöpf erstreckt und versucht, sich ins Innere zu verbreiten, stößt der Massach das Licht zurück. Dieser Prozess heißt Zusammenstoß (Hakaa) zwischen Höherem Licht und dem Massach. Als Ergebnis dieses Schlages steigt das Or Choser (Zurückkehrendes Licht) von unten nach Oben auf und bekleidet die Zehn Sefirot des Höheren Lichts."

Rav: Das heißt: Das Geschöpf hat die Möglichkeit, Handlungen auf dem Verlangen zu empfangen zu machen, aber das ist wie eine Maschine, mit der du fährst, wohin du willst. Du gibst ihr Treibstoff und fährst. Wohin fährst du? Das wird durch Massach und Or Choser bestimmt. Das heißt, du lenkst sie dorthin, wohin du musst. Die ganze Arbeit ist also über dem Verlangen zu empfangen, nicht in ihm – also in seiner Nutzung für etwas, das du bestimmst. Bevor das Geschöpf die Kraft bekommt, so mit dem Verlangen zu empfangen zu arbeiten, über ihm und nicht in ihm versunken, heißt es deshalb auch nicht „Geschöpf". Es befindet sich im Verlangen zu empfangen, ist noch nicht daraus erschaffen. Es heißt dann noch nicht „Mensch", weil es nichts hat, worin es dem Schöpfer ähnlich werden könnte, denn es befindet sich im Verlangen zu empfangen. Und dieses Verlangen zu empfangen ist auch nicht dem Schöpfer entgegengesetzt, nicht gut und nicht böse, es ist einfach erschaffen, und das ist alles.

Das heißt, man rechnet noch nicht mit dem Menschen, so wie wir „Mensch" kennen. Man rechnet mit ihm noch nicht als Existierendem, als Persönlichkeit, als etwas, wovon man etwas fordern, von dem man etwas erwarten kann, bevor er zur Entwicklungsstufe Dalet de Dalet kommt. Bis dahin ist das ein Verlangen zu empfangen. So wie du einen Samentropfen nicht als Menschen betrachtest – hat er etwa eine Persönlichkeit? Bringen wir ihn an den richtigen Ort der Entwicklung, entwickelt sich ein Mensch; wenn nicht, dann nicht.

Sondern ab einer bestimmten Grenze, sagen wir nach vierzig Tagen der Bildung des Embryos, sagen wir: Das ist schon ein Embryo. Danach gibt es schon etwas. Allerdings: Schau, ab wann du anfängst, von ihm zu sagen, dass er existiert – dass das, was er fühlt, eine Reaktion ist, dass er irgendein Nervenzentrum hat, wo er Schmerz fühlt, oder dass er anfängt zu verstehen, oder dass er schon eine eigene Persönlichkeit hat.

Wann legen wir fest, ab wo das „Ich" anfängt, oder ob es nur zum Stoff gehört, zum Samentropfen? Auch in ihm ist die ganze Information, alles ist in ihm. Aber sprechen wir davon, dass er von der Quelle getrennt ist? Nein. In der Spiritualität sprechen wir also von vierzig Tagen der Bildung des Embryos. Was bedeutet vierzig? Mem, die Eigenschaft von Bina. Wenn Malchut zur Eigenschaft von Bina kommt und sich daraus die Bchina von Bina in Malchut zu entwickeln beginnt, dann gibt es hier schon eine Persönlichkeit. Warum? Ähnlichkeit mit dem Schöpfer im Verlangen zu empfangen, Bina in Malchut.

Vorher ist es Stoff, nur Verlangen zu empfangen. Mit bloßem Verlangen zu empfangen rechnet man überhaupt nicht. Es funktioniert so, wie es funktionieren muss. Du kannst von diesem Stift sagen, dass er so oder so fühlt, entscheidet … Das geht nur mit Kindern; in Kindergeschichten kann es so etwas geben. So fangen wir damit an: Ein Buch spricht, ein Tisch spricht, ein Stift spricht … Und wir verstehen, dass es eine bestimmte Entwicklung des Stoffs geben muss, ab der es eine Persönlichkeit ist.

Weil Kinder nicht wissen, dass es so eine Persönlichkeit gibt – ein Ich zu sein, losgelöst vom Stoff, das denkt, das entscheidet, ich und die Entscheidung und so weiter –, verhalten wir uns deshalb gegenüber Kindern auf diese Weise, wie gegenüber Tieren⁹. Der Stift spricht, der Hund so … – je nach ihrer Stufe, auf der es noch keine Persönlichkeit gibt. Das alles hängt von der Entwicklung Dalet de Dalet ab, das heißt „getrennt". Vorher gibt es gegenüber dem Geschöpf dieses Gefühl, diese Entwicklung noch nicht – es ist noch nicht erschaffen. Du hast sieben Milliarden Menschen auf der Welt, und davon sind vielleicht ein paar Tausend, nicht mehr, Geschöpfe. Die anderen sind wie der Stoff der Erde. Du kannst sie nicht als eigenständig betrachten, weil sie diese Unterscheidung nicht haben. Sie sind nicht zu Dalet de Dalet herausgekommen und machen keine Berechnungen dieser Art. Ihre Berechnungen sind innerhalb des Stoffs. Was das Verlangen zu empfangen bestimmt – je nach Entwicklung, je nachdem, was in ihm geschieht –, danach machen sie ihre Berechnungen, wie sie ihre Verlangen auf die beste, optimalste Weise nutzen.

Ihre ganze Rücksichtnahme, ihre ganze Entwicklung findet also im Verlangen zu empfangen statt: wie man es füllt, wie man ihm so dient, wie es fordert. Und von ihrer Seite gibt es hier nichts außer diesen Berechnungen und diesen Handlungen – und das sind nicht sie, das ist der Stoff, der von ihnen fordert, sich so zu betätigen. Sie lösen sich nicht vom Stoff, treten nicht aus ihm heraus und betrachten ihn nicht als Mittel, um darauf etwas Besonderes zu bauen, das „Ebenbild des Schöpfers" heißt. Deshalb heißen sie nicht Geschöpfe. Das ist nicht abwertend gemeint, es ist einfach noch die frühe Stufe ihrer Entwicklung, wie bei Kindern. Daraus wirst du auch verstehen, dass es weder Lohn noch Strafe gibt, weder in dieser Welt noch in der kommenden Welt, sondern nur Entwicklungsstufen des Verlangens zu empfangen. Der eine bringt den anderen um, und der andere ist so gut, und jener so schlecht … Was der Stoff tut, das geschieht. „Jeder tut, was schön (recht?) in seinen Augen ist."

Das heißt, die Tora fängt erst an, zu dem zu sprechen, der seinen dritten Punkt hat – Israel –, außerhalb der Menschheit und des Schöpfers. Dieser Punkt, der Anfangspunkt des „Ich", ist schon in einem Zustand, der es dem Menschen ermöglicht, selbstständig zu sein und ihn bis zur Höhe, zur Größe und zu allen Unterscheidungen zu entwickeln, die es im Schöpfer gibt. So als hätte man dir einen Samen gegeben, und jetzt musst du bis in alle Einzelheiten bestimmen, wie daraus ein vollkommener Mensch hervorgeht. Und du weißt nicht, was zu tun ist; das ist nur der Stoff, aus dem es sich entwickeln kann. Das lernen wir in der Weisheit der Kabbala: wie man alle Entwicklungsstufen dessen bestimmt, was „Mensch" heißen wird. Und wir müssen das aus dem Zustand heraus lernen, in dem wir es nicht wissen, und unter allen möglichen Möglichkeiten das Richtige erforschen.

Bevor du bestimmst und sagst: So will ich, dass es gemacht wird, geschieht es nicht. Und in dem Moment, in dem du zur richtigen Bestimmung gekommen bist, siehst du: Ja, das hat sich schon geöffnet, das existiert. Das heißt „Ich habe Altes, Uraltes gegessen"¹⁰: Es existiert schon, du wusstest nur nicht, dass es existiert. So öffnen sich dir die Stufen. Aber dahin zu kommen, dass ich denke: So muss es sein, so muss es sich entwickeln – das liegt beim Menschen. Das heißt, er erfindet seine Entwicklungsstufen. Und das alles ist außerhalb des Stoffs, den der Schöpfer erschaffen hat.

„Der zurückgestoßene Teil des Lichts heißt Or Choser (Zurückkehrendes Licht). Indem es das Höhere Licht bekleidet, wird es nachher zum Empfangs-Kli des Höheren Lichts, anstelle von Bchina Dalet. Denn danach erweitert sich Malchut im Maß des Or Choser – des Zurückkehrenden Lichts (das zurückgestoßen wurde, von unten nach Oben stieg und das Höhere Licht bekleidete) – und breitete sich auch von Oben nach unten hin aus, sodass sich auf diese Weise die Lichter in die Kelim (Plural von Kli) kleiden, das heißt in dieses Or Choser. [Man sagt, dass das Höhere Licht sich in das Or Choser kleidet.]"

Rav: Gut, das müssen wir wirklich ein anderes Mal klären. Hier bringt er schon in einem einzigen Abschnitt sehr viele neue Unterscheidungen und Definitionen, die schon Korrekturen sind. Wir verschieben sie auf die nächste Lektion.

(Ende des Gesprächs)