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01 - 02 September 2026

Lesson 11. Sep. 2026

Rabash. Artikel 12 (1986) (04.06.2002)

Lesson 1|1. Sep. 2026
To all the lessons of the collection: Rabash. Artikel 12 (1986). 12 (1986)

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Morgentranskript 04.06.2002

Buch „Schriften des Rabash", Band 1, Artikel „Was ist der wichtigste Mangel, um den man beten sollte"

Rav: Wir haben den Artikel „Was ist der wichtigste Mangel, um den man beten sollte" gelesen, aus Band 2, „Schlawej haSulam", Seite 39, Wochenabschnitt Zaw. Wir verwechseln immer, was Arbeit ist und was Lohn ist. Aber das Ziel der Schöpfung ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, und der Zustand am Ende der Arbeit ist Ruhe. Daraus müssen wir verstehen: Eigentlich hängt alles von den Empfangenden ab. Die Arbeit kann Lohn sein, die Arbeit kann als Ruhe empfunden werden, und die Mühe hängt nur von der Einstellung zu ihr ab – ob ich sie als Mühe empfinde oder als Genuss und nicht als Mangel. Denn auch jetzt schon befinden wir uns im Zustand des Endes der Korrektur; wir müssen nur diese Definitionen in uns korrigieren: was uns als Arbeit erscheint, was als Mühe, was als Leiden und was als Lohn.

Baal HaSulam schreibt in den Briefen, ich glaube in Brief 146, etwa so: Alle Leiden kommen daher, dass die Bezahlung von der Arbeit entfernt ist. Würde ein Mensch nämlich für jede einzelne Handlung sofort bezahlt – nehmen wir einen Lebensmittelhändler: Er verkauft für zehn Schekel und weiß, dass zwei Schekel in die Tasche gehen, ja? Noch zehn Schekel, noch zwei Schekel in die Tasche. Weil er also in jedem Moment, bei jeder Mühe, zwei Schekel in die Tasche steckt, deckt er die Mühe sofort ab. Sie erscheint ihm dann nicht als Mühe, sondern als Lohn an Ort und Stelle, und er spürt überhaupt keine Anstrengung.

Das ist die ganze Sache. Ich glaube, dort steht es. Deshalb hängt alles von der Einstellung des Menschen ab. Und deshalb besteht unsere Arbeit nur darin, die Gefäße zu korrigieren – das Empfinden, unsere innere Definition: Was ist für uns Lohn, was Mühe, was Bezahlung. Am Ende kommen wir dann dahin, dass der Begriff Mühe verschwindet. Die Bezahlung ersetzt die ganze Arbeit, die Mühe und die Leiden. Dann treten wir in einen Zustand ein, in dem es nur Gutes und Genuss gibt. Und das alles nur, weil wir unsere Gefäße korrigiert haben und nun das fühlen, was auch vorher schon über uns ausgegossen wurde – aber wir fühlen es in den neuen Gefäßen, in anderen Unterscheidungen, in einem neuen Sinn.

In Ordnung? Was, du hast es nicht gefunden?

04:16

Schüler: Nein, nein.

Rav: Gib her. Gut, ich habe es mehr oder weniger schon gesagt. Das ist ein Brief, nein nein nein … 150 … ah, Moment, Moment.

Schüler: Wollen Sie inzwischen aufschreiben?

Rav: Ja, ja. 164, 165.

Schüler: Er sagt im Artikel, dass eigentlich der …

Rav: Das ist in den „Heiligen Briefen", Seite 164, 165, dieser Brief, ja. Gut. Wir haben schon oft darüber gesprochen, über die Sache mit Arbeit und Lohn. Ja.

05:00

Schüler: Er sagt im Artikel, dass man zum Mangel kommen muss, zum Gefäß für die Spiritualität. In der Materialität will man Erfüllung, in der Spiritualität dagegen braucht es einen Mangel, damit ein Gefäß da ist.

Rav: Ohne Mangel geht es nicht. Ein Gefäß muss da sein. Die Frage ist: Was ist der Mangel, was ist das Gefäß, wonach sehnst du dich? Danach, wonach du dich sehnst, bestimmt sich, was für dich Lohn ist, ja? Das ist es. Also, was soll für dich Lohn sein? Danach kann man sagen: Wenn der Lohn für dich das Geben ist, die Gelegenheit zu geben, und du kommst in einen Zustand, in dem du das tatsächlich tun kannst – dann sind wir fertig, dann bist du bei der Ruhe und beim Glück angekommen.

Schüler: Wie macht man es dann, dass der Mangel das Geben ist?

Rav: Genau das sagt er: der hauptsächliche Mangel, um den man beten soll – so heißt der Artikel. Denn wenn du zum Mangel nach dem Geben kommst, dann heißt das, was sich im Gefäß enthüllt, Ende der Korrektur. Dann hast du überhaupt kein Problem, dich gut zu fühlen. Nu, was?

Schüler: Das ist ja die Frage: Wie macht man es, dass der Mangel nur das Geben ist?

Rav: Den Mangel nach dem Geben kann man nur vom Schöpfer bekommen, denn bei Ihm gibt es sozusagen diesen Mangel des Gebens. Was sagt er also? Dass man beten muss, dass man um diesen hauptsächlichen Mangel beten soll. Also bete. Es steht doch alles schon in der Überschrift: der hauptsächliche Mangel, um den man beten soll. Nu, was ist also die Frage?

06:52

Schüler: Wie kommt man in einen Zustand, in dem das Gebet nur darauf gerichtet ist?

Rav: Dazu sind wir nicht fähig. Da ist Schluss. Denn es geht gegen unsere Natur, und darauf bezieht sich wirklich „ich habe mich bemüht und gefunden". Wir haben nämlich keine Möglichkeit, an irgendeiner Stelle in uns oder in unserer Wirklichkeit einen solchen Mangel zu finden. Machen wir uns nichts vor. Wie also betet man darum, dass ein Wille zum Willen kommt? Dazu heißt es: aus lo liShma kommt man zu liShma.

Du bittest, obwohl du gar nicht weißt, worum du bitten sollst. Wozu die Verhüllung? Damit du bittest, damit du geben willst. Würdest du jetzt sehen, was Geben ist, würdest du nicht darum bitten. Also verschließt man es dir, und dann bist du sozusagen bereit zu bitten. Jetzt ist die Frage: Wie kann man um etwas bitten, das man nicht kennt? Denn wir wissen ja: Ein Gefäß heißt, dass ich eine Kenntnis über das Gefäß habe. Um das, was mir fehlt, bitte ich.

Da sagt man mir: Auch wenn du sozusagen aus der Ferne bittest, weil du keine Reshimot hast und nicht den wahren Willen – aus lo liShma kommt man doch zu liShma. Tu es, streng dich an. Wozu solltest du das tun? Wenn du wirklich von vornherein nur aus dem Willen zu empfangen gebaut wärst, könntest du es gar nicht tun. Aber du hast eine Art Willen zu geben – nur ist er verdorben, dieser Funke befindet sich seit dem Zerbrechen der Gefäße in der Gefangenschaft des Willens zu empfangen. Deshalb kannst du sozusagen sagen, dass du geben willst, und du spürst Leiden. Und das gibt dir die Möglichkeit, eine Art Vorbereitung zu machen, bis man dir diese Kraft gibt – und das heißt, dass du den Machsom überschreitest. Aber all diese Dinge stehen letztlich unter der Bedingung, dass du nicht weißt, was das ist. 09:31

Daraus verstehen wir, wie notwendig die Verhüllung ist. Ohne sie wären wir nie … Was, bin ich verrückt? Wirklich zu sterben, das Schlimmste, das am meisten Entgegengesetzte, ja? Wie hätte ich darum bitten können? So aber ermöglicht mir die Verhüllung, es zu tun. Warum tue ich es also? Einerseits macht die Verhüllung es möglich. Andererseits macht auch der Funke in mir es möglich, ja, er drängt. Sodass ich es sozusagen doch will, sozusagen.

Und das alles auf der Ebene dieser Welt. Auch das ist Lüge, auch das ist Lüge. Und so existiere ich in der Lüge. Das nennt man die Zeit der Vorbereitung. Wozu braucht man diese Dinge? Es ist doch alles verschwommen, alles in der Lüge. Was hat der Schöpfer davon? Warum hat Er diese Bedingung gestellt?

Er hat diese Bedingung ganz einfach gestellt: nicht damit wir angeblich irgendwelche Anstrengungen machen und zur Wahrheit übergehen, sondern weil wir in diesen Zuständen, in dieser Lüge, vorsätzliche und unabsichtliche Sünden begehen. Die brauchen wir später. Also nicht die guten Dinge – dass du hier betest, arbeitest und gibst. Das brauchst du später nicht. Du brauchst all diese Dinge, geben und arbeiten, um vorsätzliche Sünden zu begehen. Und wenn du genug vorsätzliche Sünden hast, dann sieht der Schöpfer, dass du genug Mühe aufgebracht hast, um oft genug zu scheitern, und dann führt Er dich über den Machsom. Die brauchst du später. Nichts außer dem Bösen nimmst du in die Kommende Welt mit. Also worum soll man beten?

Gut, ja.

Schüler: Er schreibt, dass ich zum Schöpfer beten soll, Er möge mir ein Gefäß mit der Absicht zu geben geben. Da ich aber nicht weiß, was ein Gefäß mit der Absicht zu geben ist, kommt heraus, dass ich zum Schöpfer bete, Er möge mir etwas Falsches geben.

Rav: Du hast Angst: Weil du nicht weißt, was ein Gefäß mit der Absicht zu geben ist, könntest du ein falsches Gebet abgeben, und der Schöpfer gibt dir ja, worum du bittest, ja? Und dann bekommst du etwas, das du nicht brauchst. Es gibt hier also mehrere Fragen.

Zunächst einmal: Kann man überhaupt um etwas bitten, das man nicht kennt? Das ist eins. Hört der Schöpfer ein Gebet, wenn du auf diese Weise betest? Und gibt Er dir wirklich, worum du bittest – in dem klaren Wissen, dass du bei dem, worum du bittest, selbst gar nicht weißt, was du willst, ja? Und diese Sache könnte am Ende schädlich sein. Was von Oben gegeben wird, könnte schädlich sein. Nu, das ist wirklich die Frage.

Zunächst einmal: Wie kann es ein Gebet geben, wenn es nicht das innere Gefühl im Herzen ist? Kann es nicht. Das Gebet ist wirklich das, was das Herz in seinem Innersten fühlt, und nicht das, was ich gerade in irgendeiner Werbung gehört habe und nun haben will. Gebet heißt also: ein wahrer Mangel, den mein Gefäß wirklich aus sich selbst hervorbringt. Aus sich selbst, das ist es, und nicht das, was ich von außen höre. Und aus sich selbst kann das Gefäß einen Mangel nur durch das Licht hervorbringen, das von Oben auf das Gefäß einwirkt.² So lernen wir es in unserer Weisheit.

Das heißt: Das Gebet, diesen Mangel, erschafft eigentlich der Schöpfer und nicht ich. Und danach fühle ich es vielleicht – auch das ist eine Frage: Fühle ich meinen wahren inneren Mangel, der im Herzen ist? Und danach gibt Er diesem Mangel die Erfüllung. Er erschafft also das Gefäß, und Er gibt die Erfüllung. Wo bin dann ich hier? Ich bin nur derjenige, der fühlt, dass diese Handlungen an ihm vorgehen. Nur das bleibt mir eigentlich in diesem ganzen Aufbau.

Wenn das so ist, wovor soll ich Angst haben? Ich muss mich nur die ganze Zeit möglichst anstrengen, ehrlich mit dem zu sein, was ich fühle, und es mit Ihm zu verbinden, mit der einzigen Quelle, die alle Handlungen macht. Also nicht lügen, was mir von Ihm kommt, und nur darauf fixiert sein. Mehr braucht es nicht. Wenn ein Mensch nur auf den Schöpfer schaut und weiß, dass alles nur von Ihm kommt und was genau er die ganze Zeit bekommt – er will es wirklich die ganze Zeit prüfen: gut, schlecht, unwichtig, tot, Lüge, alles, alles, alles, alles, aber maximal in offener Form. Alle Klipot wegwerfen, alle Verwirrungen, alle Formeln, alle Gewohnheiten, alles, was man ihm beigebracht hat, du verstehst, und was alle reden – wirklich so viele Störungen wie möglich abbauen und sich dort drinnen mit dem Schöpfer verbinden. Das ist es, mehr braucht es überhaupt nicht.

Alle Unterscheidungen bekommst du daraus, und der ganze Weg, die Kette von Ursache und Wirkung, bringt dich genau zum Ziel. Denn wenn ein Mensch denkt, dass wenigstens das Gefäß von ihm kommt, ja, dann stimmt auch das nicht. Und das Licht, die Erfüllung, erst recht nicht. Was also? Wir sagen ja auch im Gebet, dass wir darum bitten, ein Gebet zu haben; wir bitten um ein Gebet vor dem Gebet, alle möglichen solchen Dinge. 17:17

Das ist von den Kabbalisten, die uns dort das Gebetbuch verfasst haben, wirklich geklärt worden, all diese Dinge. Man soll sich nicht einbilden, dass etwas von unten kommt. Von unten kannst du dich nur mit den Unterscheidungen beschäftigen, jede einzelne Sache unterscheiden, die zu dir kommt. Das ist es. Du bist nur das fühlende Element, sonst nichts.

Das ist die gute Herangehensweise. Denn dadurch kommst du nicht durcheinander, du bleibst jedes Mal an deinem Platz. Du wirst keinen Stolz haben und keine Ehre, und nicht plötzlich irgendeine Grille, dass auch du etwas machst – sondern wirklich, das gibt es dann.³ Aber das gilt gegenüber dem Schöpfer. Gegenüber der Gemeinschaft, gegenüber der Umgebung überhaupt, musst du sie benutzen, um die Verbindung zum Schöpfer zu schärfen. Um dich wirklich von allen Klipot und aller Verwirrung zu reinigen – und wie sagt man, dass die Augen nicht gut sehen? – von der ganzen Vernebelung. Verstehst du, dafür brauchst du eine Gemeinschaft, Freunde. Und hier musst du dann schon arbeiten. Vernebelung, ja.

Ja.

Schüler: Was heißt es dann, in Freude zu sein oder … in der rechten Linie, wenn man doch seinen Zustand prüfen und sich vertiefen muss …

Rav: Wenn du hingehst und die Verbindung prüfst, das, was du bekommst, was und wie⁴ – diese Prüfungen bringen in dir schon eine vorzügliche Beziehung hervor. Wenn man so sagen darf, ja, dass etwas daran vorzüglich ist. Vorzüglich. Du unterscheidest, dass es darin rechts und links und Mitte gibt, und so fängst du an, das zu unterscheiden. „Aus Deinen Handlungen haben wir Dich erkannt." Du gehst hin und prüfst die Handlungen. Was steht geschrieben? „Wer die Gebote seines Herrn nicht kennt, wie soll er Ihm dienen?" Ja? Das heißt, du gehst eigentlich hin, um anzufangen, etwas von Ihm zu bekommen, und dadurch kommst du in die Sache hinein.

20:05

Schüler: Wir lernen aber, dass vor dem Machsom die meisten Dinge, die wir bekommen, …

Rav: Ich weiß nichts von vor dem Machsom, nach dem Machsom. Jetzt muss ich es tun. Von dem Moment an, in dem ich in Kontakt mit dem Göttlichen kommen will, mit dem Höheren, muss ich es jetzt tun, und die ganze Zeit. Außer dem gibt es nichts. Alle übrigen Dinge bekommst du als Folge dieser Verbindung, und dann bestimmt diese Verbindung für dich. Was über dich hinweggeht, so wirst du fühlen. So ist das.

Ja.

20:53

Schüler: Was sind all die Dinge, die man bekommt, wenn man versucht, die Verbindung herzustellen? Was sind all diese Dinge?

Rav: Was über dich kommt, alle Unterscheidungen, alle Empfindungen, was der Schöpfer von dir will, was du sein sollst, wie du reagieren, was du denken sollst – all das fühlst du von innen. Ganz einfach, als Folge der Anstrengung, Sein Geben an dich zu fühlen.

Schüler: Was ist die Anstrengung, mein Geben zu fühlen …⁵ Was ist diese Anstrengung praktisch?

Rav: Was diese Anstrengung ist? Praktisch fängt die Anstrengung in der Gemeinschaft an. Also innen, wo du suchst: Wo finde ich dort, wo spüre ich einen Punkt, an dem ich eine Verbindung zum Schöpfer haben kann? So wie du zum Beispiel gerade nicht an irgendeinen Onkel von dir denkst, und ich erinnere dich daran, dass du einen Onkel Schmuel hast. Onkel Schmuel – du fängst an, seine Gestalt festzumachen: Der ist so und so, hängt mit dem und dem zusammen, lebt da und da, hat so ein Gesicht, hat solche und solche Sachen. Du fängst sozusagen an, dich mit ihm zu verbinden, ja? Den Punkt zu finden, den du in der Erinnerung hast, im Herzen ihm gegenüber, ja?

Genauso ist es hier: Du befindest dich in allen möglichen Schrecken dieser Welt, und plötzlich erinnerst du dich – ah, der Schöpfer. Ja? Das ist es. Jetzt suchst du also, wo der Punkt ist, das heißt: Welche Daten habe ich über Ihn, wo ist Seine Akte bei mir? Du findest Seine Akte, das heißt, du erinnerst dich jetzt, wer Er ist, was Er ist, und suchst genau den Haltepunkt, ja? Den Verbindungspunkt, an dem du und Er euch verbindet. Das ist im Moach und im Liba. Du hast ihn noch nicht? Dann leg die Akte an und schreib dort nach und nach hinein, was du so zusammentragen kannst.

23:11

Schüler: … ein Bild, wie er den Schöpfer sieht?

Rav: Ein Bild, das heißt – was ist das? Ein Eindruck. Wenn ich über meinen Onkel spreche, sage ich dir nicht, dass er große Ohren oder verquollene Augen hat. Bei mir ist er auch das, aber bei mir ist es vor allem seine innere Gestalt. Wie er ist, wer er ist, was er als Persönlichkeit ist. Ja? Auf diese Weise kannst du auch nach und nach über deine Verbindung zum Schöpfer sprechen. Nicht als tierische Persönlichkeit, um Himmels willen, sondern über deine Eindrücke.

Schüler: … in meinem Willen …

Rav: Dieser Eindruck kommt als Folge deines Willens, eine Verbindung mit Ihm herzustellen. Wie es geschrieben steht, dass wir uns bemühen müssen, in Verbindung zu sein: „Israel, die Tora und der Heilige, gepriesen sei Er, sind eins." Dass du dich danach sehnst, in einem solchen Halt zu sein, dass du Ihn durch die Handlungen ergreifst, die Er dir zu tun rät. Diese Handlungen sind oberhalb des Machsom. Aber auch hier, unterhalb des Machsom, haben wir sozusagen etwas Ähnliches, irgendwelche Handlungen: all die Handlungen, mit denen ich meine Gefäße dafür tauglich mache, oberhalb des Machsom anzukommen. Diese Handlungen heißen: aus lo liShma kommt man zu liShma, die Magd der Kedusha. Das ist es.

Schüler: Warum hilft das dem Menschen am Ende, den Machsom zu überschreiten? …

Rav: Warum es dem Menschen hilft, das weiß ich nicht. Der Schöpfer hat eine Bedingung gestellt, und in dem Moment, in dem du sie erfüllst, führt Er dich über den Machsom. Du gewinnst nichts, um den Machsom zu überschreiten. Das heißt, du gewinnst schon etwas, aber du hast kein Gefäß, mit dem du es tust, oder eine Kraft, oder du hast irgendeine Eintrittskarte gekauft oder so etwas – so etwas gibt es nicht. Gibt es nicht. Sondern du erfüllst eine Bedingung vor dem Machsom, und dann führt man dich über den Machsom.

Diese Bedingung ist notwendig, weil du doch etwas mitnimmst. So wie es über Ägypten geschrieben steht: Man nimmt Gefäße, man flieht im Dunkeln, man steht vor Pharao – all diese Dinge, diesen Eindruck, nimmt man mit. Wer Ägypten nicht durchlaufen hat, kann nicht nach Erez Israel kommen, nur durch Ägypten. Aber nicht so, dass die Höhe, auf der du in Ägypten warst, am Ende die Höhe von Erez Israel erreicht und du dann hineingehst. Du durchquerst das Schilfmeer, du durchläufst etwas ganz Besonderes, wirklich durch ein Wunder – also nicht durch deine eigenen Kräfte und Vorbereitungen.

Ja.

Schüler: Wenn wir sagen, dass der Mensch in der inneren Arbeit möglichst viel nach innen geben muss …, also wirklich so nach innen schauen. Und andererseits müssen wir nach außen gerade Spiele spielen, sogar lügen, egal … wir gehen zum Schöpfer, auch wenn wir es nicht fühlen. Wie passt das zusammen, dass man innen möglichst ganz auf die Wahrheit geht und außen …

Rav: Du fragst also: Wie kann es sein, dass ich nur meine Innerlichkeit gegenüber dem Schöpfer korrigiere und mich um meine Äußerlichkeit – das ist mein Charakter, mein Verhalten gegenüber anderen – nicht kümmere? Ist das die Frage?

Schüler: Nein.

Rav: Nein.

Schüler: Die Frage ist: Wir sagen, dass wir in der Arbeit gegenüber der Gruppe spielen müssen, auch wenn wir es nicht fühlen, oder so etwas wie: doch, jetzt will ich dem Schöpfer geben, egal. Alles, was … ich muss immer …

Rav: Gegenüber der Gemeinschaft gibt es zwei Arten von Verhalten. Entweder ein Verhalten wie bei den Großen, bei denen im Herzen ein brennendes Feuer war und die nach außen Geringschätzung zeigten. Wie Kotzk, die Chassidim von Kotzk. Es lohnt sich zu lesen; du weißt gar nicht, wie viele Bücher es darüber gibt. Ein Buch: „Ein brennender Dornbusch in Kotzk", man soll es ihm bringen. Was? Bestellt, das ist es. Man muss es lesen.

Das waren Menschen, die schon in Stufen waren, in Sehnsucht und wirklich in der Arbeit, in unaufhörlichen inneren Anstrengungen – und nach außen führten sie sich völlig geringschätzig auf, so sehr, dass man von jedem Einzelnen von ihnen dachte, er sei überhaupt ein völliger Goj. Verstehst du? Einer kommt an Jom Kippur in die Synagoge, und bei ihm hier sind Brotkrümel. Verstehst du? Alle möglichen Dinge, die … Sie taten es mit Absicht, damit kein Äußerer einen Halt in seiner inneren Arbeit bekommt. Und das aus völligem Ernst.

Bei uns ist die Lage nicht ganz dieselbe, deshalb verhalten wir uns anders. Denn jeder muss von der Gemeinschaft die Begeisterung für Spiritualität bekommen – sonst, was wird sein? Also verlangen wir Begeisterung von der Gemeinschaft. Wie? Wenn jetzt alle Geringschätzung zeigen, dann begeistere ich mich nur nach der Äußerlichkeit; ich habe jetzt keine Möglichkeit, das Herz der Freunde zu sehen. Richtig? Dann werde ich in der Äußerlichkeit genauso geringschätzig sein wie sie.

Vielleicht sind hier alle vollkommene Gerechte und verhalten sich nach außen so, wie die Weisen es uns empfehlen: damit die Äußeren keinen Halt bekommen. Aber wenn man sich mir gegenüber so verhält, erfasse ich nicht die Wahrheit, sondern ihre äußere Form, die verlogen ist, und das bringt mich durcheinander, ich steige aus der Sache aus.

Deshalb verhalten wir uns anders. Was heißt anders? Wir verhalten uns scherzhaft, auf eine unernste, schauspielerische Weise: als ob wir wirklich Spiritualität wollen, als ob wir einander lieben und als ob wir bereit sind, alles füreinander zu tun. Wenn wir das tun – ja, es stimmt, wir lügen, kein Zweifel, und alle verstehen es. Aber der Körper versteht das, was er sieht, was er hört. Dem glaubt er. Und dann begeistert er sich daran. Dann begeistert er sich daran.

Frag Psychologen, über den Körper wissen sie Bescheid. Sie werden dir sagen: Du musst deiner Frau jeden Tag sagen, dass du sie liebst. Ich liebe sie, ich liebe sie. Das ist es. Mach, was du willst, aber sag es ihr. Das ist es. Denn das ist es, was gehört wird. Und so müssen wir es unserem Körper sagen: dass der Schöpfer groß ist, Liebe der Freunde, alle möglichen Dinge – und er wird es hören. Er wird hören, dass das wichtig ist. Alle Dinge, die wir in unserer Welt erfassen, sind genauso: Sie haben keinerlei Wichtigkeit und keinen Halt, reine Einbildung. Man erhebt plötzlich irgendetwas in die Höhe, es hat gar nichts, aber so ist es. Und es wird bei mir wichtig, weil alle es sagen. Genauso ist es hier. Deshalb muss man es wirklich zeigen und darüber sprechen. Und so halten wir durch.

32:14

Schüler: Erzeugt die innere Arbeit da nicht einen Widerspruch?

Rav: Die innere Arbeit erzeugt keinen Widerspruch, denn davon begeistere ich mich an der Gemeinschaft: Ob ich will oder nicht will, ich denke doch, dass sie groß sind, und darin habe ich wirklich eine Art Kraft. Ich will nicht einmal, dass jemand es überhaupt versucht, Geringschätzung zu zeigen. Wenn plötzlich solche auftreten, die geringschätzig sind – dass einer schläft, irgendetwas, dass er keine Kraft hat, irgendetwas … Aber wer offen Geringschätzung zeigt, den muss man sofort hinauswerfen. Das schwächt furchtbar. Und dabei hat er nichts Schlechtes gesagt oder so, er hat einfach nur Geringschätzung gezeigt. Das geht nicht, das ist etwas, das können wir nicht … das würde uns sofort vom Ziel abschneiden.

Nu, lernen wir etwas, ja?

(Ende der Lektion)