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Artikel 21 – aus dem Jahr 1989
„Was ist es, dass gerade in der Pessachnacht vier Fragen gestellt werden" („Stufen der Leiter", Band 4 – Feiertage, Pessach, Seite 125)
Morgenunterricht 07.04.2006 – nach Bearbeitung
„Die Logik erfordert, wie wir sehen, wann der Mensch Fragen stellt – in einer Zeit, in der er sich in einem Mangel befindet, stellt er Fragen, warum er darunter leiden muss, dass er nicht das hat, von dem er versteht, dass es ihm fehlt. Und er kommt mit Ansprüchen und Forderungen an den Schöpfer und fragt, warum er Leiden erdulden muss. Aber in einer Zeit, in der sich der Mensch in einem Zustand befindet, in dem er alles Gute hat – welche Fragen gibt es da zu stellen, in einer Zeit, in der er sich selbst im Zustand der Freiheit fühlt, in der er keinem Ding versklavt ist, wobei er spüren würde, dass das, was er nicht hat, ihm Leid verursachen würde, sodass er Anlass hätte zu fragen: warum.
Wenn dem so ist, muss man verstehen, warum gerade in der Pessachnacht, die das Fest der Freiheit ist, wir Fragen stellen. Und sie werden die vier Fragen genannt, das heißt viermal „warum". Gerade in einer Zeit, in der nichts fehlt. Und nach dem, was der heilige ARI sagt, dass die Pessachnacht eine größere Vollkommenheit besitzt als die Schabbat-Nacht – denn er sagt, in der Schabbat-Nacht gibt es einen Aufstieg der Malchut zu Mochin de Neshama, während hingegen in der Pessachnacht ein Aufstieg der Malchut zu Mochin de Chaja stattfindet, gleich dem Schabbat-Tag (siehe dort in Shaar haKawanot). Wenn dem so ist, muss man verstehen, warum gerade in der Zeit der Vollkommenheit Fragen gestellt werden. Sicherlich gibt es darauf viele Antworten, und wir werden dies auf dem Weg der Arbeit erklären.
Es ist bekannt, dass das Thema unserer Arbeit in Tora und Mizwot, die uns gegeben wurden, darin besteht, dass wir durch sie uns selbst korrigieren, damit wir würdig werden, Gutes und Genuss zu empfangen, denn dafür wurde der Mensch erschaffen. Wie bekannt ist, besteht der Zweck der Schöpfung darin, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Jedoch damit es keinen Aspekt der Scham gebe beim Empfangen der Genüsse – was aus dem Grund kommt, dass jeder Zweig seinem Stamm ähnlich sein will, und weil es der Stamm ist, der den Geschöpfen gibt, wie oben gesagt, deshalb besteht ein Unterschied der Form zwischen dem Gebenden und dem Empfangenden. Und dies verursacht uns den Aspekt der Scham."
Die Scham besteht darin, dass der Mensch entdeckt, dass er das Gegenteil des Schöpfers ist. Dies ist ein sehr fortgeschrittener Zustand, wenn der Mensch den Schöpfer wahrnimmt und wahrnimmt, dass der Schöpfer sein Gegenteil ist. Insofern sich der Mensch bereits in diesem Zustand befindet, hat er die Möglichkeit, den Zustand zu korrigieren. Und von hier an gibt es eine Entwicklung der Mittel zur Korrektur.
„Deshalb, um dies zu korrigieren, wurden ein Zimzum und eine Verhüllung über die Höhere Lenkung gemacht. Das heißt, es wurde ein Raum geschaffen dadurch, dass ein Zimzum und eine Verhüllung gemacht wurden, sodass wir von diesem Raum aus so weit vom Schöpfer entfernt sind, dass es uns ein Mangel an Verständnis Seiner Lenkung, gepriesen sei Er, über Seine Geschöpfe verursacht. Wie geschrieben steht in der Einführung in das Studium der Zehn Sefirot (Punkt 42, 43), wo er sagt, dass wenn die Lenkung offenbart wäre, zum Beispiel wenn jeder, der etwas Verbotenes isst, sofort an Ort und Stelle ersticken würde, und jeder, der eine Mizwa ausführt, in ihr den wunderbaren Genuss finden würde, gleich den herausragendsten Genüssen in dieser materiellen Welt – wer wäre dann so töricht, auch nur daran zu denken, etwas Verbotenes zu kosten, in dem Moment, wo er wüsste, dass er dadurch sofort sein Leben verlieren würde, oder zu zögern gegenüber einem großen körperlichen Genuss, der ihm geboten wird, ohne ihn zu empfangen. Es stellt sich heraus, dass der Zimzum und die Verhüllung, die gemacht wurden, um den Aspekt der Scham zu korrigieren, uns all die Mühen und die Entfernung vom Schöpfer, gepriesen sei Er, verursachen.
Und nach dem Gesagten, dass der Aspekt von Zimzum und Verhüllung zum Wohl des Unteren gemacht wurde"
Warum sind Zimzum und Verhüllung zum Wohl des Unteren? Weil, wenn der Mensch sich selbst dem Schöpfer gegenüber in klarer Form offenbaren würde – dass der Schöpfer besser ist und er selbst schlechter –, und er sich schämen würde, dann würde er die Korrektur vollziehen, um sich nicht zu schämen. Um dem Menschen zu ermöglichen, zur Korrektur zu gelangen nicht wegen der Scham, sondern wegen seiner freien Wahl in der Angleichung der Form, wurde eine Verhüllung über den Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf gemacht.
Frage: Gelangt der Mensch durch die Scham zum um zu geben?
Der Mensch gelangt nicht durch die Scham zum um zu geben. Baal HaSulam schreibt, dass Scham sich nur bei „hohen Seelen" offenbart. Was bedeutet „hohe Seelen"? Dass der Mensch Chassadim vor Chochma stellt, dass er zuerst Gefäße des Gebens erwirbt. Dann offenbart sich tatsächlich die Scham, es offenbart sich die Kluft im Geben zwischen ihm und dem Schöpfer. Andernfalls würde die Offenbarung der Scham den Menschen nur zerbrechen. Entweder würde sie ihn herunterziehen und er hätte keine Kräfte zum Vorankommen, oder die Offenbarung der Scham würde ihn zu Handlungen drängen, deren Ziel es ist, den Zustand zu korrigieren, aber nicht zu Handlungen im um zu geben.
Frage: Wenn die Handlungen nicht um zu geben sind, dann löscht die Füllung das Verlangen aus. Das heißt, der Mensch kann nicht zu einem Zustand gelangen, in dem die Füllung sich in ihm offenbart.
Richtig. Aber dann fällt er in einen Zustand der Klipot. Es stimmt, dass sich die Füllung nicht in ihm offenbaren wird, aber er befindet sich in der Herrschaft der Klipot, in einem ständigen Rennen hinter der Füllung her. Er wird die Füllung zwar nicht erlangen, aber hinter ihr herrennen, ohne die Fähigkeit, davon loszukommen.
Frage: Gibt es auch nach dem Machsom, wenn der Schöpfer offenbart ist, eine Arbeit der Korrekturen?
Gerade nach dem Machsom und nur nach dem Machsom, wenn der Schöpfer offenbart ist, gibt es die Arbeit der Korrekturen. Vorher gibt es keine Arbeit, keine Korrekturen. Was wir vor dem Machsom tun, wird „Vorbereitungsarbeit" genannt. Wir korrigieren nichts, sondern bereiten uns nur auf die Korrektur vor.
Frage: Meint Rabash die Arbeit im Zimzum und in der Verhüllung nach dem Machsom?
Es gibt Arbeit im Zimzum und in der Verhüllung, die wir vor dem Machsom ausführen, aber das sind noch keine Korrekturen der Kelim durch Erwerb von Massachim. Und es gibt Arbeit nach dem Machsom im Zimzum und in der Verhüllung, aber das ist schon eine Arbeit der Stufen, der wirklichen Korrekturen des Willens zu empfangen. Vor dem Machsom entdecken wir in der „doppelten Verhüllung" und der „einfachen Verhüllung" unsere Bemühung, im Geben zu sein, eine Bemühung, im „Glauben" zu sein, in der „Eigenschaft der Bina", aber wir befinden uns nicht darin.
Wir entdecken, dass sich unsere Kelim im Zustand von „Vorsätzlichkeiten und Versehen" befinden, und nicht, dass wir sie korrigieren können. Womit korrigieren wir sie denn? Dadurch, dass wir uns bemühen, die Handlungen des Schöpfers an uns zu rechtfertigen. Jedes Mal, wenn sich in uns ein schlechteres Kli offenbart, bemühen wir uns, in dieser Offenbarung die richtige Ausrichtung zu sehen.
Frage: Es wurde gesagt, dass, wenn es Scham gegenüber dem Schöpfer gibt, das ein guter, ein fortgeschrittener Zustand ist. Wenn man in der Gruppe arbeitet, muss sich die Scham dann gegenüber der Kraft der Gruppe offenbaren?
Wenn der Mensch richtig arbeitet, wird sicherlich ein Umgebendes Licht von einem Zustand der Einheit auf ihn leuchten. Und dann wird er sich selbst als verdorben sehen, als nicht zur Einheit gehörig. Aber er wird dies so sehen gerade wegen seiner guten Bemühungen. Und das wird die „Offenbarung der zerbrochenen Kelim" genannt.
Von selbst wird der Mensch sehen, dass er der Geringste und Schlechteste von allen ist, und dies wird in seinen Sinnen wirklich empfunden. Der Mensch muss sich nicht besonders dafür anstrengen. Wenn er sich anstrengen würde zu sehen, dass er der Niedrigste ist, hätte das keinen Wert. Vielmehr muss er Handlungen in der Verbindung ausführen, damit man ihm von oben die Niedrigkeit zeigt. Und dann gibt es eine Offenbarung der Kelim durch die Lichter.
Frage: Alles, was sich offenbart, offenbart sich in uns und nicht außerhalb von uns. Sind für den Menschen der Schöpfer und die Eigenschaft des Gebens ein und dasselbe?
Die Eigenschaft des Gebens und der Schöpfer sind tatsächlich ein und dasselbe. Die absolute, uneingeschränkte Eigenschaft des Gebens, die sich in unserem gesamten großen Kli offenbart, das korrigiert und unbegrenzt in der Aufnahme dieser Eigenschaft ist, wird „Schöpfer" genannt. Wir können nichts anderes außerhalb von uns wahrnehmen. Was außerhalb von uns ist, wird „Sein Wesen" genannt, das die Wurzel dessen ist, was wir wahrnehmen, aber dieses selbst offenbaren wir nicht. Wir offenbaren nur eine Form, die sich in die Materie einkleidet. Das heißt, wir offenbaren die Eigenschaft des Gebens in unserer Materie, und das wird das „Licht" oder „Schöpfer" genannt. Es gibt teilweise, kleine, partielle Lichter, und das allgemeine, große Licht wird „Schöpfer" genannt. Aber das ist nicht völlig genau, weil die Offenbarung des Lichts im Inneren des Kli in vielen Stufen geschieht.
Die Wurzel, das heißt der Beginn der Offenbarung der Eigenschaft des Gebens, der höchsten Eigenschaft, zu uns hin, wird „Schöpfer" genannt. Und von ihr aus gibt es in uns eine Offenbarung der Eigenschaft des Gebens, und das ist bereits das Licht. Und wenn unser Kli beginnt, dem Schöpfer ähnlich zu werden und Ihn dementsprechend offenbart, wird das schon „Geschöpf" genannt. Aber all diese Erscheinungen befinden sich innerhalb unseres Kli.
Frage: Warum wird dann nach der Natur des Menschen der Schöpfer als ein Wesen oder etwas Ähnliches wahrgenommen und nicht als Eigenschaft?
Weil es sich so offenbart und so dem Menschen offenbar ist. Wenn ein Mensch seinen Freund bei irgendeinem Namen ruft, dann ruft er sozusagen jemanden, der sich scheinbar außerhalb von ihm befindet, bei irgendeiner Bezeichnung. Aber befindet er sich außerhalb von ihm? Diese Gestalt befindet sich im Kli des Menschen. Und er weiß nicht, ob außerhalb von ihm überhaupt jemand existiert. Darüber kann man nicht sprechen, denn das ist schon eine abstrakte Form. Der Mensch nennt jene Erscheinung, die sich in ihm offenbart, bei sich innen, „Freund" und gibt diesem Freund einen Namen.
Dieselbe Beziehung entdecken wir in Bezug auf den Schöpfer. Wir unterteilen die gesamte Wirklichkeit in unbelebt, pflanzlich, tierisch, sprechend, Engel, höhere Kräfte und niedere Kräfte, gemäß unseren Kelim. In dem Maß, wie sich die Kelim verbessern und größer und klarer werden, offenbaren wir in ihnen verschiedene zusätzliche Erscheinungen. Und jene Erscheinungen, die sich innerhalb unserer Kelim offenbaren, bezeichnen wir mit diesen Namen.
Frage: Es wurde gesagt, dass wenn sich das Licht dem Menschen offenbart, bevor er einen Massach erworben hat, der Mensch direkt in die Klipa fällt. Aber ein Mensch, der schon in die Spiritualität eingetreten ist und zur nächsten Stufe aufsteigt, erhält einen Zuwachs an Willen zu empfangen, bevor er den nächsten Massach erwirbt. Warum fällt er in diesem Stadium nicht mehr in die Klipa hinein, ohne die Möglichkeit herauszukommen?
Ein Mensch, der sich auf Stufe zehn befindet und zur Stufe elf aufsteigt, fällt sicherlich auf dem Weg. Er schließt sich in die linke Linie ein, identifiziert sich mit der rechten Linie und zieht von der linken Linie so viel wie möglich heran, um es der rechten beizufügen. Sicherlich hat er eine Verbindung mit den Klipot. Die Klipot sind jenes Lager, aus dem er zusätzliche Verlangen nimmt, um sie sich selbst in korrigierter Form hinzuzufügen. Und das bestimmt tatsächlich seinen Aufstieg, die nächste Stufe.
„Und nach dem Gesagten, dass der Aspekt von Zimzum und Verhüllung zum Wohl des Unteren gemacht wurde, gibt es deshalb keinen Raum, Fragen über die Lenkung zu stellen, warum der Schöpfer mit uns in einer Weise handelt, wie es vor unseren Augen erscheint, dass wir das Gute nicht sehen, und wir im Exil leiden und in Armut und dergleichen. Das heißt, jeder Einzelne hat Beschwerden gegen den Schöpfer, warum Er in einer Lenkung handelt, die unseren Augen nicht offenbart ist, die nur gut ist. Deshalb ist es verboten, üble Nachrede über Seine Lenkung, gepriesen sei Er, zu sprechen, wie Er sich gegenüber den Geschöpfen verhält. Vielmehr müssen wir im Glauben oberhalb des Verstandes glauben, dass genau so, wie es unseren Augen erscheint, es so sein muss. Und bezüglich dessen, was wir empfinden, müssen wir den Wegen der Tora folgen, dem, was die Weisen uns gelehrt haben, wie wir uns bei all diesen Empfindungen, die wir empfinden, verhalten sollen, und über sie auf dem Weg des Glaubens oberhalb des Verstandes sagen sollen: ‚Augen haben sie und sehen nicht', wie geschrieben steht im Artikel aus dem Jahr 1943, siehe dort."
Scheinbar sagt uns Rabash, wir sollen schweigen und nicht fragen, nur das tun, was man uns sagt. Aber das ist nicht seine Absicht, sondern er spricht hier über die Herangehensweise. Der Mensch kann an einer Stelle stehen und den Schöpfer und sein Leben verfluchen, was eigentlich dasselbe ist, weil es der Schöpfer ist, der ihm das Leben schenkt, und so mit einem sauren Gesicht lange Zeit herumlaufen, aber er erreicht dadurch nichts.
Deshalb sagen die Weisen: „Nimm die Dinge so an, wie sie sind." Das heißt: „Beziehe dich nicht direkt auf dein Leben. Denn dadurch, dass du dich direkt darauf beziehst, es verfluchst und es nicht willst, tust du gar nichts." Wie ein Kleinkind, wie ein Kind, ohne Verstand. Deshalb soll der Mensch zur Wurzel gehen. Durch die Wurzel wird er entdecken, was er ändern muss, und wird bereits beginnen, es zu ändern. Und vielleicht wird sich in seinem Leben, um ihn herum, überhaupt nichts verbessern. Wie ein Kind, das in seinem Hof, in seiner Klasse nicht zurechtkommt und anfängt, sich auf etwas Höheres zu beziehen, und schon seinen jetzigen Ort verlässt und sich nicht um ihn sorgt, und zu einem anderen Ort aufsteigt, zu einem anderen Zustand.
Deshalb erscheinen uns die Ratschläge der Weisen manchmal wie Morallehren, die uns anleiten, den Mund zu schließen und zu tun, was nötig ist. Aber ihre Absicht ist, uns zu sagen, uns nicht mit unserem gegenwärtigen Zustand zu beschäftigen, denn mit unseren gegenwärtigen Kelim können wir ohnehin nicht mehr offenbaren. Und mit unserem Verstand, der letztlich neben den Kelim geboren wird, können wir nicht anders denken.
Wenn wir den Zustand verstehen und ihn ändern wollen, müssen wir über ihn hinaus aufsteigen. Ihn nicht vernachlässigen, sondern „oberhalb des Verstandes gehen", wie Rabash schreibt. Beim Gehen „oberhalb des Verstandes" verlassen wir den Zustand nicht, als ob er verschwinden würde, wir löschen ihn nicht aus und wenden uns nicht von ihm ab. Vielmehr nehmen wir all jene Rückstände und Nöte des Zustands, sowohl in der doppelten Verhüllung als auch in der einfachen Verhüllung, und über ihnen erlangen wir die Eigenschaft des Gebens, Bina.
Das Ergebnis, das dabei herauskommt, ist umgekehrt, wie beim Umstülpen eines Handschuhs. Aus all den Formen, die die doppelte und einfache Verhüllung in uns offenbaren, entsteht eine Form wie bei einer Prägung. Ähnlich wie bei einem Stück Blech, bei dem man von einer Seite eine bestimmte Form erzeugt, und auf der anderen, der äußeren Seite des Blechs eine Erhebung, eine Form, sichtbar wird.
Dasselbe geschieht, wenn wir die negativen Kräfte benutzen, die Klipot, all jene Dinge, in denen wir Schlechtes empfinden. In dem Maß, wie wir über sie aufsteigen, bauen gerade all jene negativen Formen aus verschiedenen Richtungen unseres Lebens die Form unseres Kli. Wenn nicht aus den Klipot, hätte unser Kli keinen Ort, um zusätzliche Formen zu erhalten.
Die Klipot geben uns Begrenzungen, ähnlich einem Bildhauer, der seine Figur formt. Der Mensch erhebt sich über jedes verdorbene Verlangen, über jede Verhüllung, die durch das verdorbene Verlangen gemacht wird, um genau die Form des Gebens zu bauen. Im Geben zu sein über jenem Verderben. So ergibt es sich, dass er gegenüber jedem Verlangen die ihm entsprechenden Formen des Gebens baut, wie Siegel und Abdruck, ähnlich einer Prägung. Das heißt, durch die Klipot, die dem Geben entgegengesetzt sind, entsteht die richtige Form des Kli.
Frage: Bleiben die verdorbenen Verlangen ohne Korrektur?
Gerade die verdorbenen Verlangen werden zu korrigierten. Über ihnen baut der Mensch Gefäße des Gebens, und sie werden darin eingeschlossen. (Rückkehr zur Zeichnung)
In Phase 1 nimmt der Mensch das Verlangen, aber er benutzt nicht das Verlangen selbst, sondern benutzt nur seine Form und baut daraus Geben. Das heißt, er baut die Galgalta we Ejnaim, Gefäße des Gebens, was bei uns „Glaube" oder „Bina" genannt wird. Nach Phase 1, in der der Mensch über all den Mängeln, die sich in ihm offenbart haben, die Galgalta we Ejnaim gebaut hat, kommt Phase 2, in der er jene Verlangen nimmt, die alle zur Malchut gehören, und sie der Galgalta we Ejnaim anfügt, der Bina.
Wenn der Mensch die Malchut der Bina anfügt, ist es so, als ob er die ACHaP de Alija der Galgalta we Ejnaim anfügt und sie korrigiert. Er hat einen doppelten Gebrauch seiner egoistischen Verlangen. Beim ersten Mal baut er über ihnen, und in ihren Formen, Gefäße des Gebens, Galgalta we Ejnaim. Und beim zweiten Mal benutzt er sie, um sie in die Galgalta we Ejnaim einzuschließen. Das ist der gesamte Grund für das Zerbrechen der Kelim. Dadurch, dass man auf diese Weise arbeitet, benutzt man alle zerbrochenen Kelim, aber baut tatsächlich etwas Neues.
Frage: Unsere Arbeit muss innerhalb der Gruppe stattfinden, um von ihr Unterscheidungen zu erhalten. Die Gruppe ist wie der Schöpfer für uns, aber manchmal spürt man Widerstand ihr gegenüber. Woher schöpft man die Kraft, an der Gruppe festzuhalten, wenn man Widerstand gegen sie hat?
Man schöpft die Kraft im oberhalb des Verstandes, es gibt keine andere Kraft. Was bedeutet „oberhalb des Verstandes"? Es gibt über uns immer (siehe Zeichnung) eine Stufe 2, und wir befinden uns auf Stufe 1. Der Mensch nimmt Kräfte aus seiner Verbindung mit Stufe 2, obwohl er sie nicht will, und von dort kommt zu ihm ein Umgebendes Licht. Das „Umgebende Licht" ist jene Kraft, die auf Stufe 2 ein Inneres Licht ist, aber zum Menschen als Umgebendes Licht kommt. Und das ist so, weil der Mensch die Stufe 2 hasst, die höhere. Da sie mehr Geben ist und er mehr Geben hasst und nicht will.
Um sich mit einer höheren Stufe zu verbinden, muss der Mensch sich selbst annullieren. Das heißt, obwohl er nicht will, verbindet er sich mit der Gruppe, versucht ihr zu geben und führt verschiedene Handlungen aus, damit das Umgebende Licht zu ihm kommt. Unsere Arbeit auf diese Weise ist immer „oberhalb des Verstandes", weil der Mensch sich dort befindet, wo sein Verstand sich befindet. Und oberhalb davon ist es oberhalb seines Verstandes. Deshalb besteht unsere Arbeit darin, zu etwas hingezogen zu werden, das gegen die Natur ist, obwohl wir davon abgestoßen werden. Wir haben keine Wahl, denn der Höhere ist immer so uns gegenüber.
Deshalb freut sich niemand, an der Gruppe teilzunehmen. Wenn sich der Mensch auf natürliche Weise freut, an der Gruppe teilzunehmen, nennt man das nicht Teilnahme. Es gibt gesellige Menschen, die gerne zusammen sind. Wie Soldaten in der Armee, die sich sehr gut dabei fühlen, zusammen zu sein. Oder Menschen, die keine Kabbala lernen, aber auf einfache und schöne Weise Freunde haben, eine Gruppe, mit denen sie feiern. Das wird nicht „Teilnahme" genannt.
Teilnahme an der Gruppe ist, wenn der Mensch gegen seinen Willen, sich mit dem Schöpfer zu verbinden, zur Gruppe geht, und dann entdeckt er, dass es eine große Schwierigkeit gibt, sich mit der Gruppe zu verbinden. Denn der Mensch hat zuerst ein „Ich", das sich mit dem Schöpfer verbinden will. Sich mit dem Schöpfer verbinden bedeutet „zum Geben zu gelangen". Der Mensch verbindet sich mit der Gruppe, um sich mit dem Schöpfer zu verbinden. Und dann in der Gruppe entdeckt er sein Böses und alles, was in ihm ist. Aber es kann nicht sein, dass er sich einfach so mit Leuten zusammentut. Denn sich einfach so mit Leuten zusammenzutun, das wird „Sitz der Spötter" oder „Frevler" genannt.
„Und das Verbot der üblen Nachrede ist bekannt, nur dass es allgemein anerkannt ist, dass der Aspekt der üblen Nachrede, die so schlimm ist, zwischen Mensch und seinem Nächsten besteht. Und in Wahrheit ist die eigentliche üble Nachrede zwischen dem Menschen und dem Ort [Schöpfer], wie geschrieben steht (Schemot Rabba, Kapitel 3, 12), und dies ist sein Wortlaut: ‚Moshe ergriff die Tat der Schlange, die üble Nachrede über ihren Schöpfer führte, wie gesagt wird: Denn der Schöpfer weiß, dass am Tag, da ihr davon esst, eure Augen geöffnet werden und ihr wie der Schöpfer sein werdet, wissend Gut und Böse.'
Und nach dem Gesagten verstehen wir, was die ganze Schwere der üblen Nachrede mehr als alle anderen Dinge ausmacht. Weil die eigentliche üble Nachrede von der Schlange stammt, die üble Nachrede über den Schöpfer sprach, und ihm sagte: Was der Schöpfer dir geboten hat, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen, sondern dass dies in Verhüllung und Verborgenheit bleiben solle – darüber sagte ihm die Schlange, dass man nicht hören solle, was Er dir gesagt hat, dass der Baum der Erkenntnis den Unteren verborgen bleiben müsse. Vielmehr war ihre Behauptung, dass alles offenbart sein müsse."
Die Schlange hat sozusagen recht. Denn der Zweck der Schöpfung ist die Offenbarung des gesamten Lichts im Kli. Jedoch ist das Problem, wie man das Licht innerhalb des Kli offenbart. Das Licht kann sich nicht im Willen zu empfangen offenbaren, sondern nur im Massach und Or Choser.
„Und das war der Aspekt der üblen Nachrede der Schlange. Es stellt sich heraus, dass sie über die Lenkung sprach, darüber, dass sich der Schöpfer den Geschöpfen gegenüber in einer nicht offenbarten Lenkung verhält – das sei nicht in Ordnung. Und in Wahrheit besteht der Aspekt der Verhüllung nur darin, dass die Geschöpfe die Fähigkeit haben sollen, das Gute und den Genuss ohne Scham zu empfangen."
Jeder Einzelne kann diese Schlange in seinem Inneren entdecken. Es gibt niemanden, der mit der Verhüllung einverstanden ist und mit den Nöten, die er wegen der Verhüllung hat. Wenn der Schöpfer offenbar wäre, dann wäre alles klar. Deshalb ist die Beschwerde, warum Er sich nicht offenbart, sehr berechtigt. Auch Rabash spricht darüber auf komplexe Weise, im Artikel 4 in „Shamati".
Und so sagt er: „Was ist die Ursache der Schwere, die der Mensch beim Sich-Annullieren vor dem Schöpfer empfindet, in der Arbeit? Man muss wissen, dass die Ursache der Schwere, die man empfindet, wenn der Mensch in der Annullierung seiner Selbstheit vor dem Schöpfer arbeiten will und nicht für seinen eigenen Nutzen sorgen will" – das heißt, der Mensch will im Geben sein, warum wird es ihm nicht ermöglicht? – „dass der Mensch in einen Zustand kommt, als ob die ganze Welt auf ihrem Platz stehen geblieben ist, nur er jetzt gleichsam aus dieser Welt abwesend ist und seine Familie und seine Freunde verlässt, um sich vor dem Schöpfer zu annullieren." Es erscheint dem Menschen, als ob er auf etwas zugeht und alles verschwindet.
Die Ursache der Schwere, dass der Mensch sich nicht auf diese Weise lösen kann, „ist nur eine einfache Ursache, und sie wird Mangel an Glauben genannt. Das heißt, dass er nicht sieht, vor wem er sich annulliert. Nämlich dass er die Existenz des Schöpfers nicht empfindet." Das wird „Mangel an Glauben" genannt. Und Glaube bedeutet „Empfindung des Schöpfers". Im Gegensatz zu dem, was die Menschen auf der Straße denken.
„Wenn er hingegen beginnt, die Existenz des Schöpfers zu empfinden" – das heißt, Glauben empfängt, Glauben erwirbt – „sehnt sich seine Seele sofort, sich aufzulösen und sich mit dem Stamm zu verbinden und in ihn eingeschlossen zu werden, ‚wie eine Kerze vor einer Fackel', ohne jeglichen Verstand und Intellekt, sondern dies kommt ihm von Seiten der Natur, wie eine Kerze, die sich vor einer Fackel auflöst. Demnach ergibt sich, dass die wesentliche Arbeit des Menschen nur darin besteht, zur Empfindung der Existenz des Schöpfers zu gelangen." Wenn der Mensch den Schöpfer empfinden wird, dann wird alles für ihn leicht sein. Deshalb will er, dass Er sich offenbart. „Nämlich dass er die Existenz des Schöpfers empfinde, ‚dass die ganze Erde voll Seiner Herrlichkeit ist'" und so weiter. Sozusagen sagt die Schlange dieselben Dinge, die Rabash uns sagt.
Aber die Sache besteht darin, dass wenn der Schöpfer sich offenbart, dann wird der Mensch sicherlich alles tun, aber wo ist die freie Wahl? Wo ist das „Ich"? Er wird von Seiten der Natur handeln, aber „er" wird nicht darin sein. Sein Wille zu empfangen wird ohne jeglichen Intellekt und Verstand arbeiten. Vielmehr muss der Mensch, damit er Intellekt und Verstand hat und er selbst handelt, die Offenbarung in der Verhüllung sein. Damit er zuerst Gefäße des Gebens erwerbe und danach die Göttlichkeit in ihnen offenbare.
Das ist es, was die Schlange sozusagen verbarg. Sie sagt, dass man sicherlich den Baum der Erkenntnis offenbaren muss, alle Gefäße des Empfangens offenbaren und anfangen muss, in ihnen zu empfangen. Das ist doch, was der Schöpfer will. Die Behauptung ist richtig. Aber das Problem ist, dass hier eine Arbeit seitens des Menschen sein muss, die er selbst ausführt. Denn der Schöpfer empfängt Freude, nicht von der Offenbarung des Lichts in den Kelim, sondern davon, dass der Mensch es ist, der dies offenbart. Wie eine Mutter, die sich daran freut, dass das Kind etwas selbst getan hat, weil es bezeugt, dass es gewachsen ist. Deshalb, wenn der Schöpfer offenbart wäre, könnte der Mensch niemals etwas aus sich selbst heraus tun.
Frage: Muss ein Mensch, der im Leben auf eine Schwierigkeit trifft, gehen und die Wurzel suchen?
Ja.
Frage: Versteht der Mensch die Absicht hinter einem bestimmten Vorfall und kann danach von Fall zu Fall schließen und die Absicht selbst verstehen?
Das funktioniert nicht so. Der Mensch kann nicht mit seinem Verstand von einer unteren Stufe aus die höhere Stufe verstehen. Eine höhere Stufe ist nicht eine größere Stufe, sondern sie ist eine Stufe, die dem gegenwärtigen Zustand des Menschen entgegengesetzt ist, sie ist in mehr Geben, das der Mensch nicht besitzt. Wenn sie ein wenig größer wäre als das, was der Mensch hat, wäre es eine andere Sache. Aber sie ist sein Gegenteil. Und deshalb kann der Mensch niemals dem Höheren zustimmen und ihn erraten.
Frage: Gibt es für den Menschen die Möglichkeit, auf eine beständige Methode zur Offenbarung der Wurzel zu kommen, sodass er jedes Mal, wenn er in einer Schwierigkeit ist, eine Methode zur Offenbarung der Wurzel hat?
Die Methode ist oberhalb des Verstandes. Die Wurzel spielt immer gegenüber dem Menschen auf eine Weise, die sich selbst dem Menschen nähert. Auf umgekehrte Weise – dadurch, dass der Schöpfer sich selbst erniedrigt, handelt Er so, dass der Mensch Ihn geringschätzen wird. Und dann hat der Mensch Arbeit.
Frage: Bewirkt der Schöpfer, dass der Mensch Ihn geringschätzt?
Das ist die einzige Weise, wie der Höhere dem Unteren beim Aufstieg helfen kann. Wenn der Höhere sich als groß offenbaren würde, würde der Untere gegenüber dem Großen aus dem Grund seines Willens zu empfangen arbeiten. Das wäre bloße Frömmelei. Wenn der Höhere umgekehrt sich selbst erniedrigt, wird der Mensch Arbeit ihm gegenüber haben, wie Arbeit gegenüber dem Schöpfer, und darin liegt Seine Hilfe.
Frage: Es wurde gesagt, dass die Schlange den Willen zu empfangen auf natürliche Weise offenbaren will. Und an einer anderen Stelle wurde gesagt, dass gerade die Schlange dem Menschen sagt, er habe die Kräfte, das Licht um zu geben zu offenbaren?
Der Mensch ging empfangen um zu geben, und er und Chawa heiligten sich in besonderer Heiligkeit. Aber es gibt hier ein Problem, dass der Höhere es so einrichtet, dass der Mensch nicht umhinkommt zu sündigen. Denn es gibt hier zwei Arten von Verhüllungen: eine Verhüllung der Absicht und eine Verhüllung der Offenbarung des Schöpfers. Sozusagen stimmte der Mensch einer Verhüllung zu, und bezüglich der anderen Verhüllung kam die Schlange. Das ist ein Thema, das sehr weit von uns entfernt ist. Es bedarf einer weiteren Vertiefung über die Offenbarung der Sünde und die Klärung, was die Sünde selbst ist.
„Und das war der Aspekt der üblen Nachrede der Schlange. Es stellt sich heraus, dass sie über die Lenkung sprach, darüber, dass sich der Schöpfer den Geschöpfen gegenüber in einer nicht offenbarten Lenkung verhält – das sei nicht in Ordnung. Und in Wahrheit besteht der Aspekt der Verhüllung nur darin, dass die Geschöpfe die Fähigkeit haben sollen, das Gute und den Genuss ohne Scham zu empfangen. Und dies kann nur dadurch geschehen, dass die Geschöpfe alles um des Himmels willen empfangen, das heißt, dass der ganze Aspekt des Empfangens um zu geben sei. Es stellt sich heraus: Das, was die Schlange üble Nachrede sprach, ist nicht eine Einzelheit, sondern sie sprach über die gesamte Korrektur, die an der Malchut gemacht wurde, damit die Unteren, die von ihr ausgehen, zur Dwekut gelangen können, genannt Angleichung der Form, durch die die Korrektur geschehen wird, dass sie das Gute und den Genuss ohne jegliche Unannehmlichkeit empfangen können, die Scham genannt wird.
Weil aufgrund dieser Korrektur uns Tora und Mizwot gegeben wurden, durch die man aus der Eigenliebe herauskommen kann, die ein Aspekt der Trennung vom Schöpfer ist. Und man wird zur Angleichung der Form gelangen können, wie unsere Weisen sagten: ‚Ich schuf den bösen Trieb, Ich schuf die Tora als Heilmittel.' Und nach der üblen Nachrede, die die Schlange sprach, dass die Lenkung offenbar sein solle, dass alles offenbart sein solle. Obwohl der Schöpfer dem Menschen ausdrücklich gesagt hatte: ‚Vom Baum der Erkenntnis sollst du nicht essen', sondern dieser Aspekt müsse bedeckt bleiben, und nur bei der vollendeten Korrektur werde es die Möglichkeit geben, diesen Aspekt zu beleuchten – auch darüber sagte ihm die Schlange, er solle nicht auf die Stimme des Schöpfers hören.
Das heißt, nicht dass der Schöpfer dies zum Wohl des Menschen tat, Er machte, dass die Lenkung des Schöpfers für die Geschöpfe, der Aspekt des Guten und Guttätigen, nicht offenbart sei, sondern aus anderen Gründen. Es stellt sich heraus, dass die üble Nachrede der Schlange eine allgemeine Angelegenheit war. Das heißt, dass er sagte, all die Korrekturen, die wir durch das Hilfsmittel von Tora und Mizwot ausführen müssen, seien nicht zum Nutzen des Menschen.
Deshalb ist das Verbot der üblen Nachrede eine so schwerwiegende Sache unter allen Verboten, weil es ein Prinzip der gesamten Tora ist. Das heißt, mit dieser üblen Nachrede haben alle Korrekturen, die gemacht wurden, keinen Raum korrigiert zu werden. Deshalb, weil es zwischen dem Menschen und dem Ort [Schöpfer] so schwerwiegend ist, deshalb ist das Verbot zwischen dem Menschen und seinem Nächsten ebenfalls eine schwerwiegende Sache, wie wir über die Angelegenheit ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst' gesprochen haben, worüber Rabbi Akiwa sagte, dass dies ein großes Prinzip in der Tora ist.
Es stellt sich heraus: Wer üble Nachrede spricht, der vollzieht eine umgekehrte Handlung gegenüber dem Prinzip von ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst'. Deshalb ist üble Nachrede zwischen dem Menschen und seinem Nächsten ebenfalls ein Prinzip. Deshalb ist das Verbot so schwerwiegend.
Und nach dem Gesagten ist zu erklären, was unsere Weisen sagten (Sanhedrin 38), und dies ist sein Wortlaut: ‚Und Rav Jehuda sagte, Rav sagte: Der erste Mensch war ein Ketzer.' Und Raschi erklärt: Er war ein Ketzer, sein Herz neigte zum Götzendienst. Und dies ist sehr schwer zu verstehen, da der erste Mensch doch mit dem Heiligen, gelobt sei Er, sprach, und wie kann es sein, dass einer, der mit dem Schöpfer spricht, ein Ketzer sei, dass sein Herz zum Götzendienst neige? Hat doch der Schöpfer mit ihm gesprochen, und wie ist es möglich, dass er einen solchen Irrtum hatte, bis hin dazu, dass sein Herz zum Götzendienst neigte.
Sondern wie oben gesagt: Der Schöpfer sagte ihm, dass der Baum der Erkenntnis in der Verhüllung sein müsse, und es sei verboten, ihn vor der vollendeten Korrektur zu offenbaren."
Es ist verboten, mit den Gefäßen des Empfangens vor der vollendeten Korrektur zu arbeiten, sondern nur über ihnen Gefäße des Gebens zu bauen.
„Als die Schlange zu ihm kam und sagte, er solle nicht auf die Stimme des Schöpfers hören, bezüglich dessen, was der Schöpfer vor ihm verhüllt, diesen großen Genuss, der im Baum der Erkenntnis zu finden ist, und er die üble Nachrede der Schlange zu Herzen nahm – das wird ‚er war ein Ketzer' genannt.
Und wie Raschi erklärt, dass sein Herz zum Götzendienst neigte, das heißt, sein Herz neigte zu dem, was die Schlange ihm sagte, dass es besser sei, dass die Führung der Welt in Offenbarung geschehe, wie die Schlange ihm riet. Und das wird ‚Ketzer' genannt, dass ihm die Lenkung, gepriesen sei Er, nicht wohlgefällig erschien."
Das ist die Definition von „Ketzer".
„Das heißt, er dachte nach dem Rat der Schlange, dass wenn der Baum der Erkenntnis offenbart wäre, das heißt, wenn es eine offenbarte Lenkung gäbe, dann gäbe es viele, die im heiligen Dienst arbeiteten, aus dem oben genannten Grund, dass alle Tora und Mizwot einhalten würden, aus dem Grund, dass alles in den Verstand eingekleidet wäre, innerhalb des Verstandes, und nicht, dass alles oberhalb des Verstandes sein müsse.
Das heißt, die Bedeutung des Baums der Erkenntnis wäre, dass alles innerhalb des Verstandes offenbart sei. Und darauf kam das Gebot, nicht zu essen, das heißt, dass der Aspekt unserer Arbeit gegenüber dem Schöpfer oberhalb des Verstandes sein solle und nicht innerhalb des Verstandes, obwohl der Verstand erfordert, dass wenn alles innerhalb des Verstandes eingekleidet wäre, die Diener des Schöpfers sich vermehren würden."
Hier wird dieselbe Behauptung ausgesagt, wie Rabash im Artikel 4 in „Shamati" schreibt, dass wenn der Schöpfer offenbar wäre, alle Diener des Schöpfers wären. Aber das wird nicht „Diener des Schöpfers" genannt. Zwar würden alle alle Gesetze einhalten, den Willen des Schöpfers, zwangsläufig, aber nicht aus freier Wahl, und nicht aus der Scham heraus, und nicht dadurch, dass der Mensch gewachsen wäre und die Höhe des Schöpfers erreicht hätte.
Frage: Wir beschweren uns die ganze Zeit über den Schöpfer, sprechen üble Nachrede, aber der Schöpfer selbst hat uns in diesen Zustand versetzt, in diese Falle?
Wir empfinden das noch nicht, aber das ist eine richtige Behauptung.
Frage: Wie kommt man aus dieser Falle heraus?
Man kommt aus der Falle heraus durch eine Kraft, die uns aus ihr herauszieht, und nicht dadurch, dass der Mensch selbst sich herausziehen kann. Wenn sich der Mensch in der Natur des verdorbenen Willens zu empfangen befindet, und das alles ist, was in ihm ist, wie kann er jene Natur ändern, die in ihm ist? Wie ist das möglich? Deshalb braucht es eine äußere Kraft, die die Natur des Menschen korrigiert und verändert. Und das wird „das Licht, das zum Guten zurückführt" genannt.
Wir sehen, dass so, wie der Mensch geboren wird, so lebt er und so stirbt er. Er kann nichts an sich selbst ändern, in sich selbst. Seine vermeintliche Verbesserung im Laufe des Lebens ist einfach ein Lernen, wie und wo er diese und jene Eigenschaften seiner Natur einsetzen soll. Der Mensch wird zwar klüger. Aber die Natur bleibt Natur.
Ein Mensch wird im Alter, in seinen letzten Tagen, wenn er auf sein Leben zurückblickt, entdecken, dass er sich nicht verändert hat. Er wird entdecken, dass er am Ende seines Lebens in derselben Natur ist, in der er als kleines Kind war. Er braucht eine äußere Kraft, um ihn zu verändern. Deshalb soll der Mensch nicht darüber bekümmert sein, dass er so ist, und auch nicht darüber, dass der Schöpfer verborgen ist. Denn offenbar muss es so sein. Vielmehr soll er eine Methode suchen, wie er seine Natur korrigieren kann.
Frage: Ist der Mensch wie ein Blinder, der in einem geschlossenen Raum sitzt und die ganze Zeit an die Wände klopft, anfängt Bücher zu lesen, sich an die Gruppe, an die Gemeinschaft wendet und hofft, irgendein Fenster, einen Spalt zu finden, um aus dem Raum herauszukommen, aus der Dunkelheit?
Man kann sagen, dass der Mensch sich in der Dunkelheit befindet und sich bemüht, aus der Dunkelheit herauszukommen. Aber inzwischen nimmt die Dunkelheit jedes Mal eine andere Form an. Die Dunkelheit drückt sich darin aus, dass dem Menschen etwas im Bauch fehlt, oder etwas im Verstand, oder dass ihm etwas Spirituelles fehlt, zu geben, über sich selbst zu sein. Das hängt sehr davon ab, was Dunkelheit für den Menschen ist, was ihm fehlt. Wir müssen uns entwickeln, um zur wahren Form der Dunkelheit zu gelangen, die der Mangel ist, dem Schöpfer ähnlich zu sein. Zurzeit hat der Mensch Beschwerden über die Dunkelheit, in der er sich befindet. Aber in dem Moment, in dem er Beschwerden über die wahre Dunkelheit haben wird, wird er sofort Erlösung empfangen.
Das Problem ist nicht, dass der Schöpfer nicht antwortet, sondern dass Er nicht auf Geschrei umsonst antwortet, auf jene Bitten, die nicht auf dem Weg der Entwicklung des Menschen liegen. Deshalb schreit der Mensch wie ein kleines Kind, das nicht versteht, und fordert, aber er bekommt nicht von der Mutter, weil es ihm schaden würde. Er ist voller Beschwerden gegen sie und denkt, sie sei grausam zu ihm.
Die Schwierigkeit besteht darin, zum richtigen Verlangen zu gelangen, zur richtigen Forderung, zum MaN, und dann empfängt man sofort eine Antwort, denn es sind Lichter und Kelim, die einander gegenüberstehen. Es gibt hier keine Berechnung seitens des Schöpfers, dass der Mensch noch ein bisschen bitten soll, weil es Ihm angenehm ist, wenn er bittet. Sondern es ist ein Gesetz von Lichtern und Kelim: In dem Moment, in dem der Mensch den richtigen Knopf von unten drückt, breitet sich das Licht in ihm aus, und er hat eine Offenbarung.
Frage: Wo ist dieser Knopf im Materiellen?
Dieser Knopf befindet sich nicht im Materiellen. Er erscheint erst, wenn der Mensch zu einem Zustand gelangt, in dem er „deinen Willen zu Seinem Willen macht". In dem Moment, in dem er zum Mangel, zur Dunkelheit gelangt, in der ihm nur das Geben fehlt, wird sofort der Knopf gedrückt, gemäß der Angleichung der Form. Der Schöpfer gibt und der Mensch gibt.
Frage: In den gegenwärtigen Kelim empfindet der Mensch überhaupt keine Scham. Offenbart sich diese Scham dem Menschen stufenweise, oder offenbart sie sich auf einmal mit dem Erwerb von Gefäßen des Gebens, unmittelbar vor dem Überschreiten des Machsom?
Die Scham offenbart sich aus dem Zustand gegenüber dem Schöpfer. Sie offenbart sich aus der Arbeit in der Gruppe. Der Mensch bemüht sich, der Gruppe zu geben, und aus dieser Bemühung entdeckt er, dass er nicht fähig ist. Es kommt das Licht, das zum Guten zurückführt, leuchtet ihm ein wenig, in verborgener Weise, in Verhüllung. Der Mensch versteht nicht, wie das Licht auf ihn wirkt, aber als Ergebnis davon fühlt er, dass er nicht fähig ist, dass er nicht im Geben sein will, und gegenüber der Gruppe hat er Scham. Auf diese Weise bereitet sich der Mensch stufenweise darauf vor, in der Korrektur der Scham zu sein, im Geben. Und in dem Maß, wie er dorthin gelangt, gelangt er zur Offenbarung des Schöpfers. Zu einem Zustand, in dem er bereits ein Kli hat.
So ergibt es sich, dass der Mensch (Zeichnung) sozusagen zum Schöpfer gelangen will. Als Ergebnis dieses Willens führt er Handlungen gegenüber der Gruppe aus und lernt zusammen mit der Gruppe. In den Handlungen und im Lernen bemüht er sich nach Möglichkeit, und dadurch kommt zu ihm ein Umgebendes Licht. Durch jenes Umgebende Licht, das zu ihm kommt, empfindet er gegenüber der Gruppe Scham. Diese Scham hilft ihm zu fordern, durch das Lernen, dass das Licht, das zum Guten zurückführt, kommen und ihn korrigieren möge. Wenn der Mensch vom Licht, das zum Guten zurückführt, die Eigenschaft des Gebens im Kleinen empfängt, und dadurch dem Schöpfer ähnlich wird, dann kommt in diesem Maß, in jenen Kelim, in denen er dem Schöpfer ähnlich ist, von oben das Licht, ein Inneres Licht, das sich in ihm offenbart und „Tora" genannt wird, „Empfangen der Tora". Der Mensch empfängt jenes Licht in seine Kelim hinein. Mögen wir dazu bald in der Praxis gelangen.
(Ende des Morgenunterrichts)