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Abschrift Morgenunterricht 24.12.2002
Buch
„Kitwej
Rabash“,
Band
1,
„Nach
dem,
was
über
‚Liebe
deinen
Nächsten‘
erklärt
wurde“
Rav: Wir haben einen Artikel aus „Shlawej haSulam“¹ gehört, Band 4, aus „Tehilim“, dem zweiten Teil der Artikel, die über die „Tehilim“ geschrieben sind. Der Artikel heißt „Nach dem, was über ‚Liebe deinen Nächsten‘ erklärt wurde“. Über „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ gibt es also viele Artikel, und der Rebbe fügt hier noch etwas hinzu. Das ist Artikel 7 aus dem Jahr 5744², also einer der ersten Artikel. Ich hatte damals aus Tel Aviv die erste Gruppe von Lernenden gebracht. Ich hielt Vorträge und brachte Leute: junge Männer zwischen 20 und 30, sogar unter 30, die meisten unverheiratet. Deshalb sind die ersten Artikel, die der Rebbe geschrieben hat, Artikel über die Gemeinschaft und über „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Denn es gibt drei Stufen, die der Mensch auf seinem ganzen Weg vom Anfang bis zum Ende der Schöpfung durchläuft: zuerst Eigenliebe. Wenn er dann aus dieser Welt durch den Machsom in die spirituelle Welt hinausgeht, erwirbt er die Liebe zum Anderen³. Und wenn er über die Parssa geht, die Liebe zum Schöpfer. Eigenliebe, Liebe zum Anderen, Liebe zum Schöpfer. Das Ziel der Schöpfung, also die Liebe zum Schöpfer, die Gleichheit der Form, die Korrektur der Gefäße, der Eigenschaften, der Verlangen des Menschen, kann man nur erreichen, wenn man diese drei Stufen durchläuft.
Manchmal passen diese Namen bei uns nicht so recht zusammen: Ende der Korrektur, Gleichheit der Form, Erwerb der höheren NaRaNCHaY und Liebe zum Schöpfer. Sie kommen uns vor, als wären sie nicht gleich, als ginge es um verschiedene Themen, verschiedene Ziele, verschiedene Zustände. Wir verstehen nicht, dass das ein und dasselbe ist, wirklich genau dasselbe. Es ist nicht einmal so, dass das eine von Lichtern spricht, das andere von Gefäßen, das eine von Zuständen und das andere von Ursachen. Es geht um ein und denselben Zustand, der „Ende der Korrektur“ heißt.
Der Rebbe schreibt: Das Sprungbrett, das Mittel dazu, ist die Gruppe. Es hängt davon ab, wie viel Kraft zum Vorankommen der Mensch von der Gruppe bekommt und wie viel er diese Kraft gegenüber der Gruppe einsetzt. Denn nur der Kleine kann vom Großen empfangen. Einerseits verkleinert sich der Mensch gegenüber der Gemeinschaft: Er sieht sich wie viele Nullen nach einer Null und erst ganz am Ende eine Eins, also so klein wie möglich gegenüber der ganzen Gemeinschaft. Dann ist er bereit, von der Gemeinschaft zu empfangen und von ihr beeindruckt zu sein. Und das wirkt⁴ wirklich so tief auf ihn, dass es ihm als Treibstoff genügt, um alles zu machen.
Wir sehen, dass ein Mensch in seinem Leben zu allem bereit ist, sogar zu sterben. Das ist überhaupt kein Problem. Viele Menschen sterben aus allen möglichen Gründen: weil sie entschieden haben, dass es sich für sie lohnt zu sterben, oder weil sie keine Genüsse haben. Oder umgekehrt, weil sie ein so großes Wissen haben, dass sie im Tod eine höhere Mission sehen, einen besseren Zustand, den man erwirbt, oder einen Grund, eine Botschaft zu verwirklichen, ein in ihren Augen hohes Wissen. Treibstoff ist also nicht das Problem. Das Problem liegt im Eifer und im Willen⁵: ob der Mensch von etwas beeindruckt ist. Aus dem Beeindrucktsein kann man alles herausholen; das Problem ist, beeindruckt zu sein. Ohne Beeindrucktsein von der Gemeinschaft, von der Sache, geht es nicht. Wie ein kleines Kind, das von den Großen beeindruckt ist: Wozu ist es nicht alles fähig, nur um so zu sein wie sie. So besteht hier unsere ganze Arbeit im Beeindrucktsein von der Gemeinschaft: wie sehr wir beeindruckt sind, in welchem Maß, wie klein wir gegenüber der Gemeinschaft sind und wie viel richtiger und höher die Gemeinschaft selbst ist, ihr Ideal, ihr Ziel.
Ich kann mich also gegenüber der Gemeinschaft klein machen. Aber was wird mir die Gemeinschaft liefern? Auch darum muss ich mich kümmern. Ich muss also zugleich auch groß gegenüber der Gemeinschaft sein, und als Großer muss ich der Gemeinschaft das richtige Ziel geben, damit es an der Spitze der Gemeinschaft steht. Der Mensch muss also die Gemeinschaft aufbauen und von ihr das empfangen, was er in ihr aufbaut. Wenn er so arbeitet, im Kaufen und Verkaufen, wechselseitig mit der Gemeinschaft, baut er gerade dadurch sich selbst auf. Zwei Punkte baut er in sich auf, Keter und Malchut: Wie groß er gegenüber der Gemeinschaft ist und wie klein er gegenüber der Gemeinschaft ist, das wird im Grunde seine Stufe sein. Alles hängt vom Maß des Beeindrucktseins von der Gemeinschaft ab.
Das war’s. Wenn er diese beiden Gegebenheiten erworben hat, hat er nichts mehr zu tun. Wie Baal HaSulam im Artikel „Freie Wahl“⁶ schreibt, ist er dann schon in der Hand der Gemeinschaft und hat keine freie Wahl mehr. Nachdem er entschieden hat, wo er sein wird, nachdem er entschieden hat, dass er von der Gemeinschaft beeindruckt ist und unter ihrem Einfluss⁷ steht, das war’s: Er hat keine freie Wahl mehr. Er hat entschieden, und das bestimmt schon seine ganze Zukunft.
Warum muss man dann außerdem noch den Anderen lieben, die Gemeinschaft lieben, „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“? Es würde doch genügen, ihnen zu geben und von ihnen zu empfangen. Ich betrachte sie also als Mittel, als das Gefäß, mit dessen Hilfe ich zum Schöpfer komme. Ich benutze sie nach einer solchen Lehre, einer solchen Technologie: als ein System, durch das ich das Gute in mir vergrößern und das Schlechte in mir verkleinern soll, mich auf das richtige Ziel ausrichten, die richtigen Verlangen vergrößern, und das war’s. Eine wirklich geschäftliche Beziehung.
Die Frage ist: Warum muss ich sie lieben? Man sagt, dass „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ im Grunde der Schlüssel ist, mit dem ich die Tür zum Schöpfer öffne, zum Palast des Schöpfers, wenn ich die Liebe zum Anderen erworben habe. Es genügt nicht, mich zur Gemeinschaft zu verhalten wie ein Kleiner zu den Großen. Ich muss mich zu ihnen so verhalten, dass ich sie liebe. Warum? Die Sache ist einfach, und es lohnt sich, sich dieses Bild vor Augen zu führen: Der Schöpfer verhält sich zu mir mit Liebe in dem Maß, in dem ich in der Allgemeinheit bin und die Allgemeinheit liebe. Ich bin also in einer Gruppe, diese Gruppe steht dem Schöpfer gegenüber, und der Schöpfer liebt mich in dem Maß, in dem ich die Gruppe liebe, in dem wir zusammen sind. Denn Er verhält sich zu niemandem einzeln, Er verhält sich zu allen zusammen. Wenn ich Liebe zu allen erwerbe, heißt das, dass ich alle erwerbe und sie alle mir gehören, Teile meines Körpers und meiner Seele. Dadurch erwerbe ich die Haltung des Schöpfers zum Menschen, zur Schöpfung, zu Adam haRishon. Liebe ich den Anderen nicht, verbinde ich mich nicht mit ihnen, dann erwerbe ich die Haltung des Schöpfers zur Schöpfung nicht. Dann fühle ich nicht etwa, dass Er sich nicht zur Schöpfung verhält, sondern ich fühle Seine Haltung in umgekehrter Form. Das hilft mir, den schlechten Zustand zu erkennen, in dem ich als Schlechter bin, und ihn zu ändern.
Es lohnt sich also, uns die ganze Zeit in der Gruppe zu sehen, im Freundeskreis, im Volk und in der Menschheit. Wie Rabbi Elasar, Sohn des Rabbi Shimon, schreibt, muss man zu „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ gegenüber der ganzen Welt kommen. Dann offenbart sich mir der Schöpfer in dem Maß, in dem ich in einer Verbindung der Liebe mit Seinen Geschöpfen stehe. Denn alles richtet sich nach der Gleichheit der Form: Seine Haltung zur Schöpfung ist „gut und Gutes tuend“, Liebe, also muss meine Haltung zur Schöpfung genauso sein.
Wir dürfen also nicht erwarten, dass der Schöpfer sich zu jedem persönlich verhält, ohne meine Stellung in der Gemeinschaft zu berücksichtigen. Diese spirituellen Gesetze sind absolut und unveränderlich. Es gibt hier keine plötzliche Änderung seitens des Schöpfers, nicht aufgrund von Schreien oder Gebeten, wie man vielleicht denkt, und nicht aufgrund irgendeiner Protektion. Sondern es gibt ein Gesetz, und es vergeht nicht: „Ich, HaWaYaH, habe Mich nicht verändert.“⁸ Der Mensch passt sich diesen Gesetzen an und genießt sie entsprechend. Steht er im Gegensatz zu ihnen, leidet er unter ihnen. Das war’s, das ist völlig unumstößlich.
Unsere ganzen Bitten, Gebete und Schreie sind eine Sache der Vorbereitung unseres Gefäßes, unserer Haltung zum Schöpfer. Dadurch bauen wir uns sozusagen auf, verändern uns. Aber der Schöpfer hört uns und verhält sich zu uns genau nach den Stufen und Bedingungen, die Er im Voraus festgelegt hat. Darin gibt es keine plötzliche Änderung aufgrund irgendeines Erbarmens, wie es uns scheint. Alles geht nach sehr, sehr klaren, absoluten und festen Gesetzen. Deshalb lohnt es sich, doch endlich aufzuhören, irgendwelche Tricks zu suchen, wie man die Situation umgehen kann. Man muss sie genau kennen und wissen, wie man sie wirklich überwindet, so wie die Natur es festlegt. Der Schöpfer ist das allgemeine Gesetz der ganzen Natur. Und wie Baal HaSulam dort in den Briefen schreibt: Er hat niemandem auch nur ein Gramm Anstrengung erlassen⁹.
15:03
Schüler: Wie spiele ich richtig gegenüber … ihr Größe zu geben, ja? Und wie nehme ich andererseits die Größe des Ziels richtig auf? Was ist also die richtige Annullierung? Wie macht man das?
Rav: Diese wechselseitige Form, die der Mensch der Gemeinschaft gegenüber haben muss, gibt es auch in dieser Welt immer zwischen zwei Menschen. Wenn du jemanden liebst, willst du von ihm auch seine Form der Liebe empfangen. Entsprechend der Liebe investierst du, und entsprechend bist du beeindruckt. Das ist einfach das Maß der Verbindung. Eine Verbindung kann nicht in eine Richtung gehen, sie muss in beide Richtungen gehen.
Bei der Gemeinschaft geht es darum, wie wir die Verbindung ordnen, in Bezug auf welche Unterscheidungen … Aber wechselseitig muss sie unbedingt sein. Die Unterscheidungen in der Verbindung der Gemeinschaft mit mir sind: Ich muss der Gemeinschaft so viel wie möglich Erhebung und Ziel geben, alles, was ich als Höhe, als das Richtige sehe. Und wenn das in der Gemeinschaft aufgenommen ist, nachdem ich entschieden habe, dass das die Gemeinschaft ist, dann muss ich von ihnen alles empfangen, was in der Gemeinschaft ist, und dabei wirklich den Kopf beugen.
Schüler: Was heißt, den Kopf beugen?
Rav: Den Kopf beugen vor dem Wissen, das in der Gemeinschaft ist, vor ihrem Ziel. Wenn ich mir eine Gemeinschaft gewählt habe, muss die Wahl danach eine wirklich echte Wahl sein. Indem ich die Gemeinschaft wähle, wähle ich mir meine Gedanken, meine Verlangen, meine Stellung, wer ich morgen sein werde. So reden wir auch in dieser Welt, ja? Wer bist du? Du bist wie deine Freunde. Wer ist der Mensch? Geh und sieh dir die Gemeinschaft an, in der er ist. Mit welchen Freunden du in der Kindheit zusammen bist, so wirst du als Erwachsener, auch wenn du dich später von diesen Freunden entfernst. Das ist alles eine Sache der Erziehung.
Schüler: Jetzt, wenn es Streit zwischen Freunden gibt …
Rav: Alles geht also nach den Gesetzen der Natur. Hier gibt es nichts Verborgenes, nichts über dem Verstand. Es funktioniert einfach so, in der ganzen Tiefe der Schöpfung. Ja.
18:13
Schüler: Wenn es Streit zwischen Freunden gibt, wie kann man das Ziel prüfen?
Rav: Das Ziel prüfen wir nach dem, was unsere Lehrer uns schreiben, und nicht nach dem, was die Freunde oder du denken. Hier gibt es möglichst genaue Definitionen. Was sie schreiben, müssen wir wiederholen und uns als Ziel vor Augen stellen, das war’s.
Schüler: Nein, aber ein Freund sagt: Mach es so, das bringt das beste Ergebnis für das Ziel. Und ein anderer sagt genau das Gegenteil: Mach es umgekehrt, das bringt das beste Ergebnis für das Ziel.
Rav: Ich habe nichts zu dem zu sagen, was du fragst, und ich verstehe überhaupt nicht, was du fragst. Es gibt klare Ziele für die Gemeinschaft: sich wirklich wechselseitig zu verbinden, einander die Liebe zu zeigen, das Erkennen der Wichtigkeit des Schöpfers, des Ziels, der Korrekturen der Gemeinschaft, der Freunde. Und der Mensch muss daran denken und darin sein: Wo die Gedanken des Menschen sind, da ist er. Damit muss man sich beschäftigen und nicht mit etwas außerhalb davon, das war’s.
Schüler: Das ist verständlich. Ich meine so etwas wie: Wenn wir zum Beispiel einen Einführungsvortrag machen und einer sagt so und der andere sagt so …
Rav: Das verstehe ich nicht. Wenn ich mich gegenüber der Gemeinschaft beugen will, dann komme ich zur Gemeinschaft, und was meine Freunde mir mittendrin, unterwegs sagen, egal was, bemühe ich mich zu befolgen. Damit mache ich Übungen, klein gegenüber den Großen zu sein. Wenn sie mir sagen: Mach dies, mach das, mach jenes, dann empfange ich als Kleiner. Ich mache mich absichtlich klein, mit Kraft, mit Anstrengung, und hoffe dadurch, dass auch ihre guten Gedanken, ihr Erkennen des Ziels und das Beste, was in ihnen ist, einfach zu mir fließen wie von einem hohen Ort zu einem niedrigen. 20:46
Deshalb muss ich meinen Kopf vor ihnen neigen. Sie sagen mir, ich soll putzen, ich gehe putzen. In der Küche arbeiten, ich … Mach es so, ich mache es so. Sehr gut, dass es über mir alle möglichen Leute gibt, die mir sagen, was ich in der Gemeinschaft tun soll. Das hilft mir, ja, das hilft mir danach, von der Gemeinschaft das Beste zu empfangen. Wofür bin ich im Grunde hier? Nur dafür. Je mehr Gelegenheit ein Mensch hat, in der Gemeinschaft gering zu sein, desto besser für ihn. Und ein großer Fluch kann es für einen Menschen sein, wenn man ihm einen Platz gibt, an dem er hervorsticht. Das verdirbt ihn. Es lässt ihn nicht klein gegenüber der Gemeinschaft sein.
Deshalb gibt man nur Menschen, die wirklich korrigiert sind, die Möglichkeit, in der Gemeinschaft Leiter zu sein, damit es sie nicht verdirbt und ihnen trotzdem erlaubt voranzukommen. Aber wenn ein Mensch noch nicht korrigiert ist und nicht wirklich gegen den Stolz und all diese Dinge geschützt ist, dann ist das wirklich ein Problem. Die Funktion lässt ihn nicht klein gegenüber der Gemeinschaft fühlen, lässt ihn keine Botschaft, kein Ziel empfangen. Dann wird er einfach irgendein Leiter wie in einem Betrieb und kommt in der Spiritualität nicht voran. Das ist ein Problem. Darüber steht viel geschrieben. Auch in der Gemeinde gibt es gegenüber den Rabbinern, gegenüber allen, regelrechte Gesetze. Wenn man zum Beispiel in der Gemeinde, sagen wir, den Shabbat entweihen muss, es gibt keine Wahl, man muss den Shabbat entweihen, dann holt man die größten Menschen, damit sie diese Handlung machen. Denn sie haben Massachim, und auch wenn sie den Shabbat entweihen, richtet das bei ihnen sozusagen keinen Schaden an. Alle möglichen solchen Gesetze gibt es.
23:06
Schüler: Und was macht jetzt ein Freund … was mache ich, wenn ich sehe, dass gerade diese Annullierung Geringschätzung durch den Freund hervorruft? Das passiert auch.
Rav: Hab ich nicht verstanden. Annullierung …
Schüler: Diese Annullierung, bei der ein Mensch sich selbst schuldig spricht¹⁰, wenn man ihm ständig sagt: Mach es so, mach es so. Gut, er macht es, und dann sehen das die Freunde und verachten ihn, sagen wir, dafür?
Rav: Dass die Freunde mich geringschätzen?
Schüler: Ja.
Rav: Kann sein, dass das gut ist. Das gibt mir die Möglichkeit, mich wirklich zu beugen und nicht zu denken, dass ich nur spiele, verstehst du? Ja.
Schüler: Ich habe eine Frage dazu, dass der Mensch klein sein muss und gegenüber dem Freund auch sozusagen groß. Also beides. Die Frage ist: Ich habe immer noch irgendeine Arbeit mit einem Freund im Rahmen einer Funktion, ja? Wie sage ich meine Meinung, die manchmal gegen seine Meinung ist, und bin trotzdem klein und auch groß? Wie geht das zusammen?
Rav: Du fragst so: In unserem Geschäft hier drinnen, das wir so aufgebaut haben, gibt es zwischen uns Beziehungen wie zwischen Freunden in einer Gemeinschaft, und es gibt Beziehungen wie in einem Betrieb. Wenn ich mich zu meinem Freund als Kleiner oder als Großer verhalte, worauf bezieht sich das? Hat das etwas mit unseren Funktionen im Betrieb zu tun oder nicht? Ich muss mich zu allen als Großer verhalten, indem ich in ihnen Erhebung und Beeindrucktsein von unserem Ziel hervorrufen will. Ich will ihnen gegenüber klein sein, um von ihnen insgesamt Beeindrucktsein und Erhebung gegenüber unserem Ziel zu empfangen. Das hat sozusagen gar nichts mit unseren Funktionen zu tun.
Unsere Funktionen helfen uns nur. Auch in den Funktionen kann ich groß sein, und auch in den Funktionen kann ich klein sein. Sogar ohne Funktionen und ohne Betrieb können wir also das System der Beziehungen aufbauen: ich gegenüber der Gemeinschaft als Großer und als Kleiner. Das geschieht im Wissen, im Sich-Beugen, im Geben und im Empfangen. Im Geben bin ich so groß wie möglich gegenüber der Gemeinschaft, im Empfangen so klein wie möglich gegenüber der Gemeinschaft, ohne jeden Zusammenhang mit dem Betrieb. Der Betrieb hilft uns hier zusätzlich sozusagen als das, worauf wir die Grundlage bauen, die Basis, das Fleisch, worauf wir unsere Beziehungen bauen. Ja.
26:27
Schüler: Was tun in einem Zustand, in dem der Mensch manchmal sieht, dass er von der Gemeinschaft zu viel Ehre bekommt, und Angst hat, dass ihm das eigentlich schadet?
Rav: Der Mensch, der von der Gemeinschaft Ehre bekommt, hat Angst, dass ihm das schadet. Diese Angst ist schon ein Schutz für den Menschen. Außerdem ist das bei uns etwas sehr, sehr Seltenes. Und auch wenn ich jemandem Ehre gebe, bemühe ich mich, das sofort zu verderben. Du siehst, normalerweise schreie ich. Sagen wir, ich gebe Gil irgendeine Arbeit, die ihn sozusagen aus der allgemeinen Gemeinschaft heraushebt als jemanden, der mir wichtig ist, aber dann fängt eine kurze Haltung an¹¹. Ja.
Schüler: Eine Frage: Was ist Liebe zur Gemeinschaft? Ist das Liebe zur ganzen Gemeinschaft insgesamt, weil die Gemeinschaft gut ist und ein gutes Ziel hat? Oder ist es die Summe der Liebe zu jedem einzelnen Freund … Darin gibt es ein Problem, wenn es sich auf jeden gleich bezieht. Es gibt einen …
Rav: Es gibt Menschen, die ich mehr fühle, und denen ich auch leichter geben und von denen ich leichter empfangen kann. Sie sind mir ähnlicher, ja? Das Beispiel mit Moroz¹², ja? Klar. Nein, das ist einfach wirklich so, nu. Es gibt Menschen, die ich kaum erfasse, ich verstehe sie nicht. Sie sind für mich wie ein weißer Fleck, ich kann nicht entschlüsseln, wer das ist. Solche gibt es. Man sagt dir nicht, dass du dich selbst brechen und jemanden in der Gemeinschaft brechen musst, um wirklich in ihn einzudringen, nein. Aber man darf natürlich keine Selektion nach den tierischen Eigenschaften machen, ja. Man muss trotzdem unter allen, die hier versammelt sind, sehen, wer die Menschen sind, mit denen du eine gemeinsame Sprache hast, bei denen du durchaus fühlen kannst, dass du bereit bist, dich mit ihnen zu verbinden. Vom Leichten zum Schweren gehen, in der Sache der Liebe und in der Sache von Geben und Empfangen. Vom Leichten zum Schweren: Wir lernen, dass alle Korrekturen so sind. 29:17
Ich muss mir also aus der Gemeinschaft vorläufig zehn, fünfzehn Menschen auswählen und mich bemühen, mit ihnen in einer solchen Verbindung zu sein. Aber nicht so, dass ich die anderen wegwerfe. Ich verstehe, dass ich wegen meiner Schwäche noch nicht fähig bin … Denn das Ziel ist die ganze Welt. Wenn ich mich begrenze und sage: „Fertig, die übrigen sollen verloren gehen, was kümmert’s mich“, dann lösche ich damit auch den nächsten Begriff aus, das, was der Schöpfer sagt. Verstehst du? Dann ist es bei mir eine tierische Liebe, nach dem, was mir bequem ist, und nicht nach dem, was Er vorschreibt: dass ich aus mir herausgehen muss. Liebe zum Anderen heißt, dass ich aus mir herausgehen muss. Ich mache nur Übungen an den Menschen, die mir vom Geist her näher sind. Aber danach gehe ich wirklich aus mir heraus, bei den Menschen, die ich nicht so sehr fühle.
Dort muss ich unbedingt aus mir herausgehen, um aufgenommen zu werden, mich mit ihnen zu verbinden. Verstehst du? Immer nur nach Moro zu rufen, „er ist mein Freund, er ist mein Freund“, ist also kein guter Zustand. Ein, zwei Wochen ist das in Ordnung. Danach zeigt es einen Rückstand an. Ich meine es ernst: einen Rückstand in der Arbeit. Warum rufst du nicht auch, sagen wir, nach Shulem? Was, ist er kein Mensch? Ich meine es ernst.
30:59
Schüler: Aber … wenn sie entschieden haben, dass nicht …
Rav: Wenn jemand nicht fähig ist, nicht will, sich von dir abwendet, einfach sagt: „Ich will deine Nase und deine Brille nicht sehen“, dann geht es nicht. Vorläufig ist das unmöglich, weder für ihn noch für dich. Arbeitet an anderen Menschen, bereitet euch vor, und dann werdet ihr plötzlich sehen: Es lohnt sich für mich, es gerade auch mit solchen Menschen zu versuchen, mit denen meine Natur nicht einverstanden ist. Und ich will die Natur brechen, über die Natur hinausgehen. Das heißt „Liebe zum Anderen“: der Andere, nicht ich, außerhalb von mir. Ja.
Schüler: Überhaupt, genau die Beziehungen, die Liebe zu den Freunden, kleiden sich in diese Form, die „Betrieb“ heißt. Einerseits gebe ich jemandem eine Arbeit, und wenn er sie nicht macht, muss ich ihn aufhängen.
Rav: Der Betrieb hat nichts mit der Liebe zu den Freunden zu tun. Nicht durcheinanderbringen. Betrieb ist Betrieb. Mit Betrieb ist eine geschäftliche Beziehung zwischen allen Freunden gemeint. Das sind dann keine Freunde, sondern Arbeiter. Nur geschäftliche Beziehungen. Weil wir ein großes gemeinsames Ziel haben, das uns sehr wichtig ist, die Verbreitung der Weisheit der Kabbala. Dadurch kommen wir zur Korrektur, zum Schöpfer, zu allen möglichen Dingen, und zu keinerlei Liebe zu den Freunden¹³.
Ohne irgendetwas. Da Spiritualität hineinbringen? Spiritualität darin, das wäre die Verbindung zwischen uns, die gefühlsmäßige Verbindung zwischen uns. Hineinbringen muss man die geschäftliche Verbindung zwischen uns, das war’s. Dann wird der Betrieb ohne jedes Problem bestehen. Fängst du an, da alle möglichen Gefühle hineinzubringen, bricht alles zusammen.
33:14
Schüler: Nach der Arbeit … überhaupt?
Rav: Nein, nicht nach der Arbeit. Alle anderen Beziehungen müssen darüber stehen, sozusagen nicht damit verbunden, so wenig wie möglich. Ihr seid noch nicht korrigiert, um alles zusammen zu machen. Nicht korrigiert. Ich komme hierher, ich weiß, dass … Weißt du was? Das ist ein Rahmen, der dir erlaubt, mit einer bestimmten Geschwindigkeit voranzukommen, dein Leben in dem Rahmen zu bewahren, in dem du auf die Spiritualität hin lebst.
Er gibt dir keine große Beschleunigung, aber dieser Rahmen ist wirklich ein Rahmen von Domem de Kedusha¹⁴: Du arbeitest für die Verbreitung, du lernst, um anzukommen, und alles, aber du bringst da keine wirklichen gegenseitigen Gefühle zwischen den Freunden hinein. Sie sind die Hauptsache, aber wenn du sie hineinbringst, zerbrichst du. Dann hängt der ganze Betrieb nur davon ab, was gerade passiert, von der Beziehung zwischen den Freunden, und dann fällt er bestimmt.
Sondern im Lauf der Korrektur, und wir hoffen, dass ihr euch korrigiert, dass ihr aus euch herausgehen könnt, jeder aus sich selbst, dass es wirklich Liebe zum Anderen gibt: In dem Maß, in dem es Liebe zum Anderen gibt, werdet ihr keinen Unterschied zwischen geschäftlichen Beziehungen und gefühlsmäßigen, zielgerichteten Beziehungen und so weiter fühlen. Aber jetzt nicht. Jetzt legen wir fest: „Weil wir zum Ziel vorankommen wollen, müssen wir tierische Handlungen machen.“
Und in diese tierischen Handlungen bringen wir kein Gefühl hinein, nur Intellekt. Unser Gefühl ist auf das Ziel gerichtet, auf den Schöpfer, aber nicht auf jeden Einzelnen gegenüber dem anderen. Dann stört es uns nicht bei der Arbeit, und wir können unseren Gang planen, alles.
35:36
Frag. Man muss sehr, sehr aufpassen, keine Beziehung zwischen den Freunden in den Betrieb hineinzubringen. Der Betrieb ist wie eine religiöse Gemeinschaft¹⁵. Warum besteht sie? Weil sich nichts ändert. Es ist verboten, etwas zu ändern. Gibt es irgendeine Mode? „Wir warten dreißig Jahre. Was ist los? Was ist passiert?“ Muss man irgendeine Änderung machen? „Wir warten.“
Warum warten? Weil du das Ergebnis einer Änderung, die du machst, erst in dreißig Jahren spürst, und wer weiß, was dann sein wird, was das Ergebnis sein wird? Deshalb gilt: Je mehr man bewahrt, ohne sich zu ändern, desto sicherer ist es stabiler, desto sicherer besteht es, so wie es jetzt besteht, weil es sich nicht ändert. Besteht es heute? Dann wird es auch in zehn Jahren bestehen. Zumindest wird es so bestehen. Verstehst du?
Ein Mensch, dem es schlecht geht und der anfängt, sich vor dem Schlechten zu fürchten, sagt: „Wenigstens soll es so bleiben.“ Weißt du, ich habe ein Stück Brot und Wasser? Ich will nicht mehr, gib mir nur das. Es soll also sicher wenigstens das bleiben. So müssen wir uns bewahren, damit wenigstens dieser Rahmen sicher besteht. Und dafür muss er ohne jedes Gefühl bestehen. Sprich mit religiösen Menschen: Haben sie Gefühl in dem, wie sie Tora und Mizwot halten, im Lernen? Was? „Pflicht. Was redest du? Der Schöpfer hat es geboten, ich tue es. Was …?“ Das war’s. Deshalb bestehen sie. Ja.
37:22
Schüler: …
Rav: Und du kommst zu ihnen: „Wo ist die Liebe zu den Freunden? Wo seid ihr? Was ist der Sinn des Lebens?“ Was sagen sie dir? „Mein Lieber, lass uns in Ruhe“, und sie haben recht. Sonst wären sie schon, wer weiß wie, im Lauf von Tausenden Jahren … Genau das brauchen wir auch: zuerst einen Rahmen.
Schüler: Auch innerlich auf keine Weise … keinerlei Rechtfertigung? Äußerlich¹⁶ ja, ich zeige, dass ich ihn aufhänge, und fertig, aber auch innerlich?
Rav: Wenn du sicher bist, dass du dich über diesen Rahmen erheben kannst, ohne ihn zu stören, sodass das gar nichts durcheinanderbringt, dann fang an, über diesem Rahmen deine Beziehungen zur Gemeinschaft festzulegen, du zu ihnen und sie zu dir. Bitte.
Aber wenn du in deiner Abteilung arbeitest, schau: Bringt euch das nicht durcheinander? Fängst du dadurch nicht an, irgendetwas zu … Weißt du, plötzlich verzeihst du einem Freund, der bei der Arbeit einen Fehler gemacht hat, du fängst schon an, dich zu ihm so zu verhalten: „Er ist schwach, was kann er heute schon machen?“ Das ist schon keine geschäftliche Beziehung mehr.
Verdirbst du die geschäftlichen Beziehungen? Wenn ja, dann verdirbst du den Rahmen. Morgen hast du keine Beziehung zum Schöpfer, zur Spiritualität, du fällst, und auch der Rahmen besteht nicht mehr, dann passiert gar nichts. So aber bleiben wenigstens die geschäftlichen Beziehungen, der Rahmen des Betriebs, erhalten und bringen dich nach und nach zur Verbindung mit dem Anderen.
Gefühle dürfen zwischen uns nicht in dem wirken, was zum Betrieb gehört. Ich kann schreien, ich kann, was weiß ich, machen, was die Arbeit dort betrifft, im Verlag oder so, das ist das eine. Und etwas ganz anderes ist meine Haltung zu diesem Freund oder Schüler, der etwas macht, der vorankommt und …
39:37
Schüler: Was der Schöpfer erschaffen hat, sagen wir den Betrieb … all die Indianer¹⁷, Beziehungen, um wenigstens einen Rahmen zu bewahren. Damit fängt der Betrieb an.
Rav: Damit fängt man an, mit dem Betrieb fängt man an, und man achtet darauf, dass er sich nicht ändert. Was heißt, dass er sich nicht ändert? Dass er nicht unseren Gefühlen ausgeliefert ist. Ja.
Schüler: Sie haben gesagt, dass wir beim Durchgang durch den Machsom die Liebe zum Anderen erwerben und erst über der Parssa die Liebe zum Schöpfer. Wir sprechen ständig davon, dass das dasselbe ist, weil ich will … … …
Rav: Deine Frage ist: Wie kommt man von der Eigenliebe zur Liebe zum Anderen und danach zur Liebe zum Schöpfer? Nu, von der Eigenliebe zur Liebe zum Anderen: Es ist klar, dass man im Machsom anfängt, die Liebe zum Anderen aufzubauen. Liebe zum Anderen ist die Korrektur der Schöpfung, geben, um zu geben, wobei ich den Schöpfer noch nicht in mir fühle, sagen wir so. Den Schöpfer in mir fühle ich nur im Zustand, in dem ich empfange, um zu geben.
Die Geschmäcker, das Innere Licht, das meine Seele, mein Gefäß füllt, sind im Grunde das Maß meiner Dwekut mit dem Schöpfer, das gegenseitige Gefühl zwischen uns, das Maß der Liebe, in dem einer den anderen füllt, in dem wir zusammen in einem Siwug sind. Das geschieht nur in den Gefäßen des Empfangens, im Empfangen, um zu geben. Im Geben, um zu geben, erwerbe ich nur die Eigenschaft Chessed: wie ich aus der Eigenliebe zu Bina hinausgehe, zu Chafez Chessed. Und das ist noch etwas verhältnismäßig Kaltes.
Das ist nur der Anfang des Weges. Also: von Malchut, sozusagen für mich selbst zu empfangen, ich sage „sozusagen“, das ist so eine schematische Form, zu Bina, geben, um zu geben, und zum Schöpfer, zu Keter, empfangen, um zu geben. Wie drückt sich das bei uns auf dem Weg aus? Wir haben die Verhüllungen, also doppelte Verhüllung und einfache Verhüllung. Das heißt „für sich selbst“, lo liShma.
Danach geht man über den Machsom in den Zustand, der liShma heißt, aber vorläufig Lohn und Strafe, ja, wo sich alles wandelt: Vorsätzliche Sünden werden zu Versehen und Versehen zu Verdiensten. Und danach geht man von Lohn und Strafe zur ewigen Liebe über, also vom Geben, um zu geben, zum Empfangen, um zu geben, zur Liebe zum Schöpfer. Dann werden vorsätzliche Sünden und Versehen alle wie Verdienste, das heißt, sie alle werden zu korrigierten Gefäßen.
Was heißt das, Versehen und vorsätzliche Sünden werden zu …, ja? Sie werden zu Gefäßen, in denen sich die gegenseitige Liebe zwischen uns und dem Schöpfer offenbart.
43:19
Schüler: Beim Erwerb der Liebe zum Schöpfer über der Parssa ändert sich … was passiert mit der Liebe zum Anderen?
Rav: Hab ich nicht gehört.
Schüler: Wenn der Mensch zur Stufe der Liebe zum Schöpfer kommt, empfangen, um zu geben, was passiert mit der Liebe zum Anderen?
Rav: Wenn der Mensch nach der Liebe zum Anderen anfängt, die Liebe zum Schöpfer zu entdecken, dann steigen alle vorigen Stufen zu derselben Stufe der Erlangung der Liebe zum Schöpfer auf und verbinden sich miteinander. Wie Rabbi Elasar, Sohn des Rabbi Shimon, sagt: Liebe zur Welt, darin muss die ganze Welt eingeschlossen sein, denn im allgemeinen Gefäß der ganzen Welt erlangst du die ewige Liebe. Dann gibt es keinen Unterschied, die ganze Welt wird zu deinem Gefäß. Du erwirbst das ganze Gefäß von Adam haRishon. Ja, David.
Schüler: Wie Sie gesagt haben, wie Rabbi Shimon und Rabbi Elasar sagen: Wir brauchen keine Korrekturen, denn eine große Gruppe wird in uns nicht … Wir fahren doch alle auf derselben Straße in Richtung des Schöpfers. Gibt es eine Erklärung, warum wir uns in einer so schweren Zeit nicht vereinen?
Rav: Du siehst, bald gibt es Krieg. Man fängt schon an, eine etwas andere Haltung zu fühlen. In Kriegszeiten … auch in letzter Zeit wirkt das nicht mehr so stark. Ich erinnere mich, wie es früher war, ja: Wenn jemand mitten auf dem Weg per Anhalter von der Armee unterwegs war, was, man nimmt ihn mit: Geh kämpfen, ja. Etwas Tierisches, aber schau, wie das funktioniert: Danach ist man sozusagen stolz darauf, man übt Liebe zum Anderen.
Kurz gesagt, wir sehen nicht, wie sehr das alles auf dem „um zu empfangen“ reitet. Aber wenn es den Menschen schlecht geht, sind sie bereit, sich zu verbinden. Darin gibt es mehrere Dinge. Erstens kann ein großes Gefäß wirklich eine Änderung des Zustands bewirken, ja, das Gebet ist stärker. Größeres Leid bringt schneller zur Erkenntnis des Bösen. Und wir haben Gemeinsames: Wir sind alle im Leid, und zwar aus demselben Grund. 46:13
Die Offenbarung des Leids der Allgemeinheit ist also eine Korrektur, die der Allgemeinheit hilft, sich zu verbinden, sich zu vereinen. Denn es gibt keine Wahl: Wenn sich unsere Fehler und unsere Faulheit anhäufen und wir nicht tun, was nötig ist, dann fangen genau die Gesetze, aus denen die materielle und die spirituelle Natur gebaut ist, an, uns als Leid der Gemeinschaft¹⁸, der Allgemeinheit, zu erscheinen. Und dadurch suchen wir eine Korrektur, um zusammen zu sein.
Jeder verzichtet auf sein Ego. Warum? Weil ich in meinem Ego Leid fühle, deshalb fällt es mir leicht, auf mein Ego zu verzichten, das war’s. Jetzt, wenn die Nöte vorbeigehen und ich anfange, in meinem Ego Gutes zu fühlen, wie soll ich mich dann mit den anderen verbinden, mit ihnen teilen? Umgekehrt: Jeder fängt wieder an, sich in sich selbst zu verschließen, und dafür gibt es keine Korrektur, außer wenn der Schöpfer selbst sich uns von oben zeigt, sodass wir dann auf Ihn schauen und nicht in uns selbst.
Nur so ist das möglich. Wie es beim Auszug aus Ägypten heißt: Der Heilige, gepriesen sei Er, offenbarte sich ihnen in Seiner Herrlichkeit und selbst, und so weiter. Anders geht es nicht.
Schüler: Also sozusagen warten, bis das …
Rav: Nicht dass man warten muss. Wenn man wartet, ist das der Weg der Leiden, dann werden die Leiden noch stärker. Wir müssen handeln.
48:23
Schüler: … In diesen zwei Jahren sieht man, dass wir Schläge bekommen haben, wie man sie nicht kennen soll, wir haben uns nicht verbunden, jeder saß in seiner Ecke, diesmal ist es wirklich so ein Zustand … …
Rav: Einen Zustand wie den, den es jetzt gibt, gab es natürlich noch nie. Und so muss es sein, wir kommen jedes Mal dem Ende der Korrektur näher. Menschen, die nicht verstehen, dass die Welt auf etwas zugeht, schreien ständig: Warum ändert sich der Zustand, warum war das früher nicht so und jetzt schon? Das ist einfach fehlendes Verständnis dafür, dass es wirklich so sein muss.
Ich erwarte von jedem einzelnen Zustand, dass er anders sein wird, auf gutem Weg zu den Korrekturen, nicht auf schlechtem Weg. Aber ändern wird er sich auf jeden Fall jedes Mal. Solange wir nicht selbst zur Beschleunigung der Erkenntnis des Bösen kommen, wird nichts sein. Warum muss ich in Not sein, um anzufangen, mich mit anderen zu verbinden? Gut, wir werden sehen. All diese Kriege, all diese Zustände sind nur dafür da.
Was schreibt Baal HaSulam? Dass es noch Weltkriege geben kann, einen dritten und vierten, mit Wasserstoffbomben, und dass dann eine kleine Handvoll Menschen übrig bleibt¹⁹. Es werden solche Seelen sein, die alle Seelen zusammen einschließen, sagen wir einige Millionen oder sogar einige Tausend Menschen. Und sie werden irgendwie leben, sogar in Höhlen, was spielt es für eine Rolle, wie sie auf der tierischen Ebene leben. Aber seelisch werden sie schon bereiter für die Korrektur sein und dann eine allgemeine Korrektur für alle Seelen machen. Das war’s. Ja.
Schüler: Rav, aber gibt es nicht Zustände, in denen man gerade dann, wenn es schlecht ist, dazu neigt, sich zu entfernen?
Rav: Hab ich nicht verstanden.
Schüler: Manchmal gibt es im Leben Zustände, in denen man gerade dann, wenn es schlecht ist, dazu neigt, sich zu entfernen, und wenn es besser ist, manchmal dazu neigt, sich anzunähern?
Rav: Es gibt Schlechtes, das den Menschen entfernt, und es gibt Schlechtes, das den Menschen voranbringt. Ja, das willst du sagen. Der Schöpfer benutzt also … Auch beim Guten gibt es solche Dinge. Es hängt davon ab, in welches Thema sich das Schlechte oder das Gute kleidet. Kleidet sich das Gute in die Gemeinschaft, dann laufe ich zur Gemeinschaft. Kleidet sich das Gute nach draußen, laufe ich nach draußen. Dasselbe mit dem Schlechten. Es hängt davon ab, wo das Schlechte ist, in der Gemeinschaft oder draußen. Wenn es mir draußen schlecht geht, laufe ich hierher. Du siehst, es gibt hier Leute, die abends herkommen, um hier zu sitzen. Warum? Weil es ihnen zu Hause schlecht geht. Was brauchen sie, Frau, Kinder auf dem Kopf. Nu, sie können nicht einfach frei sein und die Zeit zu Hause schön verbringen. Hier irgendwie schon. Du siehst, gut. Ja.
Schüler: Und zwischendurch … das hat nicht so viel mit dem zu tun, was jetzt passiert ist und worüber wir gesprochen haben?
Rav: Nu, ohne das … nu, nu.
Schüler: Warum sagen wir jedes Mal, wenn wir von Licht sprechen, Licht des Schöpfers, Or Chochma oder Or Chassadim, gerade „Licht“? Warum gerade dieser Begriff? Warum Licht, warum nicht etwas anderes?
Rav: Ich weiß nicht, was du meinst. Warum wir über das … warum wir das Wort „Licht“ sagen. Er sagt, dass es dem Licht der Sonne ähnelt, dem Licht im Leben, dem Licht des Gedankens, des Geistesblitzes, etwas Gutem. Natürlich gibt es keinerlei Zusammenhang zwischen unserem Licht und dem spirituellen Licht. Mensch und Gruppe ändern sich ständig. Das bedeutet, dass man ständig Keter und Malchut aufbauen muss, meine Haltung zur Gruppe und die Haltung der Gruppe zu mir, ständig aufbauen.
Also wirklich in einem unaufhörlichen Neubau sein, jedes Mal. Richtig. Die Antwort ist: Das ist wirklich so. Das muss der Mensch die ganze Zeit machen. Welche Analogie gibt es in dieser Welt für den Austausch der Verlangen zwischen den Freunden in der Gruppe? Zum Beispiel zwei miteinander verbundene Behälter, bei denen sich die Höhe des Wassers, sagen wir, angleicht. Oder zwei Räume, zwischen denen sich ebenfalls, sagen wir, Energien ansammeln, oder Drücke und alles Mögliche. Das ist richtig. Das gilt auf der unbelebten, der pflanzlichen, der tierischen und der sprechenden Stufe, auf allen Stufen, auch in den Gedanken, auf allen Ebenen, das ist richtig.
Da ist nichts zu machen. Und ebenso hängt in der Regel jedes Feld, jede Kraft, jede Wirkung²⁰ vom Quadrat der Entfernung ab. Sagen wir, ich habe hier irgendwo ein Licht, und in zwei Metern Entfernung, wie wird das Licht sein? Das Licht ändert sich nicht als lineare Funktion, sondern als Funktion hoch 2. Das heißt, wie soll ich sagen, die Wirkung der Entfernung ist in der Spiritualität viel größer. In der Spiritualität gibt es eine andere Formel. Die Wirkung der Entfernung auf die Erscheinung ist in der Spiritualität sehr, sehr groß. In den Gesetzen der Physik für das Unbelebte ist es hoch 2, in den Gesetzen bei Pflanzen und Tieren ist es mehr.
Und beim Menschen, also in den Verlangen, ist die Ungleichheit der Form sehr groß, also die Entfernung, wie weit die Gedanken voneinander entfernt und einander ungleich sind, als Folge der Entfernung. Darin gibt es viele solche Dinge, sodass ich nicht einfach irgendeine Formel hinwerfen kann. Wenn ich von der Gruppe empfange oder von der Gruppe empfangen will, vergrößere ich dadurch meinen Egoismus? Unklar. Wer hat gesagt, dass es schlecht ist, wenn mein Ego größer wird? Die Frage ist, in Bezug worauf mein Ego wächst. Es steht geschrieben, dass das Maß unseres Verlangens, die Kashiut, gegenüber dem richtigen Ziel uns den Machsom öffnet. Also im Gegenteil: Soll ich doch von der Gemeinschaft ein sehr starkes Verlangen nach dem Schöpfer empfangen, Ihn zu genießen und mich mit Ihm zu verbinden, soll mein Ego dadurch ohne jede Grenze wachsen.
Gut, lernen wir.
(Ende des Unterrichts)