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Einführung in die Weisheit der Kabbala (Der Schöpfungsgedanke. Die vier Bchinot des Direkten Lichts, Punkt 1)
Unterricht 1
Transkript des Morgenunterrichts, Teil „Pticha", 09.05.2006
Der Schöpfungsgedanke (Machshewet haBrija) und die vier Phasen des Direkten Lichts (Dalet Bchinot von Or Yashar)
Punkt 1
„Rabbi
Chananja
ben
Akashja
sagt:
„Der
Schöpfer
wollte
Israel
reinigen
(lesakot),
daher
gab
Er
ihnen
reichlich
Tora
und
Mizwot
(Gebote),
so
wie
geschrieben
steht:
‚Der
Ewige
ist
erfreut,
um
Seiner
Gerechtigkeit
willen,
die
Tora
groß
und
herrlich
zu
machen‘“
(Talmud,
Makot
23b).
Es
ist
bekannt,
dass
das
Wort
Sakut
(Reinheit)
bzw.
Sechut[1]
(Verdienst)
von
Hisdakchut
(Reinigung,
Verfeinerung)
abstammt.
Die
Weisen
sagten:
„Die
Gebote
sind
nur
gegeben,
damit
sich
Israel
mit
deren
Hilfe
reinigt“
(Midrash
BeReshit
Rabba,
Parasha
44).
Man
muss
verstehen:
1.)
Was
ist
dieser
Verdienst,
dessen
wir
durch
Tora
und
Mizwot
für
würdig
befunden
werden?
2.)
Was
ist
die
„Grobheit“
(Awiut),
in
uns,
die
wir
mithilfe
von
Tora
und
Mizwot
reinigen
müssen?"
Nun, zuerst müssen wir verstehen: Wo wir die Weisheit der Kabbala lernen, ist nicht von dieser Welt die Rede. Die Rede ist von den Seelen und nicht von dem, was uns in unseren fünf Sinnen erscheint – das ist die Materialität. Deshalb müssen wir alle Definitionen übertragen, so wie Baal HaSulam es uns in der „Inneren Betrachtung" im ersten Teil des „Talmud Esser haSefirot" erklärt: Worüber in der Weisheit der Kabbala gesprochen wird, wird uns in der „Sprache der Zweige" erzählt. Nicht in unserer gewöhnlichen, gesprochenen Sprache, in der wir sofort wissen, wovon die Rede ist, sobald wir ein Wort hören oder lesen. Da steht hinter dem Wort genau dieses Objekt oder genau diese Handlung, genau diese Kraft, wie wir es aus dieser Welt gewohnt sind. Nein.
Denn die Rede ist von der spirituellen Welt, und man benutzt dabei nur Namen aus dieser Welt. Die Namen werden aus dieser Welt genommen, und jeder Name zeigt eigentlich auf etwas, das sich in der spirituellen Welt befindet. Diese Beziehung heißt „Sprache der Zweige". Wir müssen also jedes einzelne Wort in seiner spirituellen Prägung auslegen. Wie ist es in der spirituellen Welt? Was ist hinter jedem einzelnen Wort gemeint?
Und je richtiger wir auszulegen wissen, was geschieht und was hinter jedem einzelnen Wort steht, desto mehr heften wir uns sozusagen näher an die Spiritualität an, desto mehr sehnen wir uns danach, nach innen zu kommen, in die spirituelle Wahrnehmung oder in den spirituellen Zustand, und nicht in dem eingebildeten materiellen Zustand zu bleiben, in dem die Kabbalisten uns quasi über diese Welt sprechen. Sie sprechen kein einziges Wort über diese Welt. Deshalb lohnt es sich für uns – wir müssen es sogar –, während des Lernens die ganze Zeit jedes einzelne Wort in der Schrift der Kabbalisten so richtig wie möglich auszulegen. Denn sie meinen ausschließlich spirituelle Objekte und ausschließlich spirituelle Handlungen.
Er sagt also so: Rabbi Chananja ben Akaschja – er war so ein großer Kabbalist –: „Der Schöpfer wollte", die allgemeine Höhere Kraft, der Gute, der Gutes tut, die sich im Geben befindet, „Israel läutern". Was „läutern" ist, wissen wir nicht. Nun, von etwas reinigen. Das heißt: „Israel" ist, wie wir wissen, „Yashar El". Wer sich danach sehnt, wie der Schöpfer zu sein, wird nach seinem Ziel „Yashar El", Israel, genannt – derjenige, der sich danach sehnt, wie der Schöpfer zu sein. An so einem Menschen vollzieht der Schöpfer also eine „Läuterung", Er will, dass dieser Mensch rein ist. Was macht Er? Er macht sie offenbar ausgerechnet schmutzig.
Und um sie zu reinigen – was macht Er? Er „gibt ihnen Tora und Mizwot in Fülle". Aus der Auslegung wissen wir schon, was „Tora und Mizwot" sind. „Tora" nennt man die Höhere Kraft, die dem Menschen gibt, um ihn zu korrigieren, damit er wie der Schöpfer wird, gebend wie der Schöpfer. Diese Kraft, die zum Menschen kommt, heißt „Licht der Tora". „Ich habe den bösen Trieb erschaffen": Wenn der Mensch einen bösen Trieb hat, wenn er das Ego hat, was er hat oder nicht hat … Offenbar ist es so: Der Mensch, der entdeckt, dass er ein Ego hat, einen Schmutz, und der ihn reinigen, korrigieren will, der bittet, der will rein sein – und entsprechend kommt die Höhere Kraft zu ihm. „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Würze erschaffen": Dann fordert er die „Tora", die Höhere Kraft, die ihn korrigieren soll.
Und wenn er nichts zu korrigieren hat, dann kommt die Höhere Kraft nicht über ihn, dann hat er keine Tora. Das heißt, die Tora leuchtet immer gegen den Schmutz, gegen das Böse, das der Mensch in sich entdeckt. Wobei „böse" die Gegensätzlichkeit zum Schöpfer ist. Der Schöpfer ist ganz und gar gebend. Der Mensch, der entdeckt, dass er der Egoist ist, und der feststellt, dass das böse ist, und der nicht darin sein will und sich danach sehnt, nicht darin zu sein – der bekommt von Oben die Kraft der Korrektur, die „Tora" heißt. Nur in so einem Fall hat er mit der Tora zu tun.
Und wenn diese Kraft von Oben kommt, um ihn zu korrigieren, ihn zu läutern, ihn zu reinigen, dann heißt die Handlung, die bei der Korrektur an ihm geschieht, „Mizwa". Und weil in uns von Anfang an 613 Verlangen mit der Absicht „um zu empfangen" sind und weil wir sie auf „um zu geben" korrigieren müssen – dieselben Verlangen bleiben, nur die Absicht soll sich ändern –, deshalb müssen wir 613 Korrekturen ausführen, die „613 Mizwot" heißen.
Schüler: … … Er wollte eine Welt erschaffen, in einem einzigen Gedanken, in einem einzigen Augenblick, alles wurde gemacht … … man sagt sogar zwischen dem Gedanken und der Handlung. … eine leichte Arbeit. „Israel läutern" – das ist schon ein Prozess: Tora und Mizwot und Etappen und 125 Stufen und die Seele von Adam haRishon. Warum ist das so? Warum verwirklicht sich der Wille des Schöpfers nicht sofort, in dem Moment, in dem der Wille hervortritt? … … Ich fühle …
Rav: Der Schöpfer hat das Böse erschaffen. Deshalb heißt es „Brija" (Schöpfung) – „bar" von der Stufe, „bar" von Ihm, außerhalb von Ihm. Außer dem Bösen hat Er nichts erschaffen. Der verdorbene Wille zu empfangen, der unterwegs zerbrochen ist, entfernt sich durch die Unterschiedlichkeit der Form vom Schöpfer. Nach vielen Verhüllungen … Der Mensch wurde nicht sofort in dieser Welt erschaffen, sondern nach vielen Vorbereitungen – Vorbereitungen von der Seite des Bösen und Vorbereitungen von der Seite des Guten –, damit alles im Menschen ist, bereit, damit er den Weg zurück selbst geht.
Und dadurch, dass er den Weg sucht, Kräfte findet und sich selbst in der Spiritualität zusammensetzt – dadurch lernt er, wie der Schöpfer zu sein. Und diese Handlungen erscheinen uns sicherlich als Handlungen, die mit Zeit, Bewegung und Ort verbunden sind, die langsam sind. Aber wenn du über die Zeit als „eines nach dem anderen" sprichst, als Ursache und Wirkung, dann war es auch von Oben so. Die spirituelle Zeit ist Ursache und Wirkung.
Bei uns, in unserem Zustand, ist die Zeit nicht Ursache und Wirkung, weil wir Ursache und Wirkung nicht auf diese Weise benutzen. Würden wir auf eine Ursache sofort mit unserer Reaktion antworten, dann kämen wir aus dem Rahmen der materiellen Zeit heraus, die quasi ohne unsere Beteiligung fließt, und kämen in einen Zustand, in dem wir die Zeit machen. Die Zeit ist ein inneres Gefühl im Menschen.
Wenn ich unter dem Einfluss der Klipot bin, unter der Herrschaft der Klipot¹, dann dehnen sie mir die Zeit. Aus einem Punkt machen sie Monate und Jahre. Weil sie über mich herrschen und mir nicht die Möglichkeit geben, richtig zu reagieren. Aber wenn ich mich über sie erheben würde, im Glauben über dem Verstand, über die Klipot, dann würde sich die Zeit auf einen Punkt zusammenziehen und nur von Ursache und Wirkung abhängen.
Das heißt, es wäre … Wir wissen nicht, was diese Wahrnehmung „Ursache und Wirkung" ist: dass es den Begriff der materiellen Zeit nicht gibt, die über mich hinwegfließt. Außerhalb von mir, sie fließt, das war's. Und ich befinde mich in ihr. Wie fühlt man das? Entweder man tötet den materiellen Körper, oder man tötet den Körper der Klipa.
Schüler: Was … ist die Awiut, die man korrigieren und läutern muss?
Rav: Was müssen wir in der Spiritualität korrigieren? In der Spiritualität müssen wir die Absichten „um zu empfangen" korrigieren, die auf den Schöpfer gerichtet sind. (Zeichnung) Wenn wir uns in dieser Welt befinden, haben wir überhaupt kein Problem. In dieser Welt sind wir keine Bösewichte und gar nichts. In dieser Welt sind wir wie Tiere, sagt man.
Ich habe ein Herz (siehe Zeichnung), in mir erwacht der Punkt im Herzen. Durch das, was die Kabbalisten mir empfehlen, trete ich in den spirituellen Raum hinaus. Wenn ich in den spirituellen Raum oberhalb des Machsom hinaustrete², habe ich hier (siehe Zeichnung) Brija, Yezira, Assija der Klipa und Brija, Yezira, Assija der Kedusha. Und wenn ich von der einen Seite Awiut bekomme, muss ich von der anderen Seite, von der rechten Seite, Kraft bekommen und mich selbst als „Kli" aufrichten, mit der Awiut und einem Massach. Aus der Awiut kommt das Kli, und aus der Kraft kommt der Massach. Und dann empfange ich schon, um zu geben, und arbeite in der Form von drei Linien.
Was muss man korrigieren? Die Klipa muss man korrigieren, mithilfe der Kedusha. Gibt es bei uns in dieser Welt etwas zu korrigieren? Es gibt nichts zu korrigieren, das sind Verlangen, die nicht auf den Schöpfer gerichtet sind. Was will die Klipa? Den Schöpfer ausnutzen, Ihn benutzen, um sich selbst zu füllen. Die Kedusha ändert das. (zurück zur Zeichnung) Das ist die Absicht, um vom Schöpfer zu empfangen, und hier (siehe Zeichnung) ist die Absicht, um dem Schöpfer zu geben. Das ist der Unterschied, mehr gibt es nicht. Und genau das muss ich ändern.
Bei uns in dieser Welt, unterhalb des Machsom, gibt es überhaupt keine Beziehung zum Schöpfer. Er ist verborgen. Wenn Er verborgen ist, habe ich Ihm gegenüber gar nichts – kein Bedürfnis, keinen Willen, überhaupt nichts. Ich will … „Ich", in dieser Welt, was habe ich? Es gibt eine Gruppe … Wie soll man das sonst nennen? Ich weiß nicht … Es gibt die „Gruppe", und es gibt „mich". Und wenn ich die Gruppe benutzen will, um zu empfangen – das heißt „Klipa". Oder um zu geben – das heißt „Kedusha".
Wenn ich mich selbst ändere, in dem Maß, in dem ich mich selbst ändern kann, in diesem Maß trete ich aus der Materialität heraus, über den Machsom, in die Spiritualität. Das ist eigentlich die Handlung, durch die ich aufsteige. Deshalb heißt es: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst – das ist die große Regel der Tora". Aber das sind keine Handlungen, die direkt auf den Schöpfer gerichtet sind. Ich sehe sie nicht, Er ist quasi hinter der Gruppe verborgen. „Inmitten meines Volkes wohne ich."
Machen wir weiter, bitte.
„Darüber haben wir bereits in den Büchern Panim Masbirot und Talmud Esser haSefirot gesprochen. Lasst uns das kurz zusammenfassen. Der Schöpfungsgedanke (Machshewet haBrija) bestand darin, den Geschöpfen Genuss zu bereiten. Er ist ein aus der freigiebigen Hand des Schöpfers gewährtes Geschenk. Daher wurden ein riesiges Verlangen und ein ungeheurer Wille in die Seelen (Neshamot) eingeprägt, diese Fülle (Shefa) – das Licht des Schöpfers – zu empfangen."
Das heißt, so wie wir es in den vier Bchinot des Direkten Lichts lernen, und wie wir es gleich hier im weiteren Verlauf der „Pticha" lernen werden … Aber wir wollen dem vorgreifen, um diese Worte zu erklären (Zeichnung), sonst bleibt alles verschlossen.
Wir haben also ein Licht, das Höhere Licht, das das Geschöpf baut, erschafft – das Kli. Und in dem Maß, in dem hier (siehe Zeichnung) im Licht der Wille zu geben ist, haben wir im Kli letztlich einen Willen zu empfangen. Dieser Wille zu empfangen entwickelt sich, kommt zu allen möglichen Dimensionen, aber unterm Strich muss das Licht dem Kli gleich sein. Denn wenn der Schöpfer vollkommen ist, will Er, dass das Geschöpf auf vollkommene Weise von Ihm genießt. Nicht weniger und nicht mehr.
Das Geschöpf kann diese Vollendung nicht sofort erreichen, nicht sofort all das genießen, was der Schöpfer ihm zum Genuss geben will. Wir werden lernen, warum: weil das Geschöpf dabei seinen Willen zu diesem Genuss selbst entwickeln muss, und deshalb gibt es darin eine Entwicklung. Aber von Anfang an hat der Schöpfer gegenüber dem Geschöpf das Maximum getan, was Er konnte: Er hat den Willen zu empfangen im größtmöglichen Maß erschaffen.
„denn der Wille zu empfangen ist das Kli für das Maß des Genusses, der in der Fülle ist, denn gemäß dem Maß der Größe und Stärke des Willens, die Fülle zu empfangen, so ist auch das Maß des Genusses und der Begierde, die in der Fülle sind, nicht weniger und nicht mehr,"
Das heißt, wir können (zurück zur Zeichnung) die Fülle nicht messen, wir können sie niemals so messen, wie sie für sich selbst ist. Wir können sie nur so messen, wie sie das Kli füllt. Nur danach können wir etwas sagen. Wir haben ein Kli. Wie viel darin ist, können wir sagen. Wie viel nicht darin ist, können wir nicht sagen. Oder wir können über die Fülle etwas sagen aus den Mängeln heraus, die im Kli sind, während das Kli noch nicht gefüllt ist. Aber fühlen können wir trotzdem nur innerhalb des Kli.
Das heißt, das Gefühl der Fülle (Zeichnung) kann positiv sein, wenn es eine Füllung gibt, und negativ, wenn es keine Füllung gibt. Das heißt, wir prüfen nicht die Fülle, wir prüfen das Kli – ob es voll oder leer ist. Danach können wir über etwas sprechen. So wie in unserer Welt.
(Zeichnung) Ich weiß nicht, was sich außerhalb meines Ohres befindet. Da kommt irgendeine Welle … Ich weiß nicht, was das ist, sie drückt auf mein Trommelfell. Das Trommelfell reagiert, sagen wir, irgendwie, es will sich wieder ins Gleichgewicht bringen. So sind alle meine Kelim gebaut: Sie wollen sich wieder ins Gleichgewicht bringen. Danach prüfe ich also, was auf es drückt – danach, wie weit es mir gelingt auszugleichen. Diese meine Reaktion, diese Kraft, mit der ich mein Trommelfell ausgeglichen habe … Im einen Moment gegenüber dem zweiten Moment, gegenüber dem dritten Moment – ich prüfe, und dadurch erzeuge ich eine Welle. Diese Welle kommt und drückt auf meinen Nerv, und der Nerv leitet sie ans Gehirn weiter. Das Gehirn vergleicht sie mit dem Gedächtnis, und dann fängt es an, mir ein Gefühl zu bringen, das man „Ton" nennt. Du hörst jetzt Musik, etwas, das du kennst oder nicht kennst, dies und das.
Aber alles in allem nehme ich nicht einmal etwas von außen in mich hinein, sondern ich messe meine eigene Reaktion auf das, was sich angeblich draußen befindet. Draußen kann es alles Mögliche geben, aber wie ich es entschlüssele, hängt allein von meinem Kli ab. Das heißt, ich fühle immer das Kli und nicht diese äußere Welle – sie kommt nicht in mich hinein.
Ich kann sogar hier (siehe Zeichnung) irgendeine Art von Einwirkung³ auf den Nerv machen und innen alle möglichen Erscheinungen fühlen, als ob ich hören würde. Ihr wisst ja, es gibt Menschen, die Geräusche in den Ohren fühlen, alles Mögliche. Das sind Erscheinungen des Gehirns, das ist nicht etwas, das draußen ist. Manchmal hören wir, wie jemand mir etwas sagt. Ich schaue – da ist niemand. Ich bin nicht verrückt. Sondern es kommt mir aus dem Gedächtnis, irgendetwas … Ohne dass ich (siehe Zeichnung) etwas aus dem Gedächtnis anfordere, um zu entschlüsseln, was ich höre, kommt mir aus dem Gedächtnis etwas, als würde ich irgendeinen Ton hören, als würde ich irgendeine Stimme von draußen hören. So sehr sind wir in unserem Kli eingeschlossen. Wirklich alles ist drinnen.
Es gibt so eine Art scheinbare Entsprechung oder Einbildung, dass es außerhalb von uns geschieht. In Wirklichkeit geschieht außerhalb von uns gar nichts. Alle Erscheinungen, die mir so vorkommen, als wären sie draußen, außerhalb der fünf Sinne – Wellen und alles Mögliche –, das sind ebenfalls innere Erscheinungen. Warum haben wir darüber gesprochen? Weil alles im Kli ist. Und wenn wir das Kli korrigieren, fühlen wir anders. Und die Erscheinungen, Ergebnisse und Zustände innerhalb des Kli heißen „die Welten", Stufen des Aufstiegs, des Abstiegs. Die spirituellen, die materiellen.
Alles, worüber wir sprechen, wofür wir Worte haben und wofür es keine Worte gibt, sondern nur ein Gefühl – was sein wird und was war, ist nicht wichtig –, das alles geschieht ausschließlich in unserem Kli. Deshalb muss der Mensch nach innen schauen und sich darum kümmern, dieses Kli zu finden und es zu verbessern. Mehr nicht. Und davon spricht die Weisheit der Kabbala. Um mehr braucht man sich nicht zu kümmern.
Daraus folgt also zuallererst die Philosophie, die Wahrnehmung der Welt: worum man sich kümmern und was man ändern wollen soll. Verändere nicht die Welt, geh nicht davon aus, dass du jetzt herrschst und irgendetwas an der Welt zu ändern versuchst. Das ist nicht richtig. Sie wird sich auf diese Weise nicht ändern, du verdirbst sie nur. Warum verdirbst du sie? Du verdirbst deine Wahrnehmung, du entfernst dich von der Wahrheit. Fang an, dich selbst zu ändern, dadurch wirst du die Welt anders sehen. Denn die Welt ist eine Art Einbildung, eine Kopie des Inneren – deiner inneren Sinne, deiner inneren Eigenschaften. Nur das.
Schüler: Vielleicht gehört das nicht hierher, aber ich … Wenn alles innen, innen, innen ist – warum machen wir dann Verbreitung? Warum ist uns das so wichtig?
Rav: Wir leben gemäß der Wirklichkeit, die sich mir jetzt klärt, und in meinem gegenwärtigen Zustand … (Schüler: Gegenwärtig. Rav: Von da, wo ich jetzt bin, ja. Gegenwärtig.), und danach arbeite ich. Nach meinem Gefühl, nach meiner Wahrnehmung existiere ich jetzt innerhalb der Welt: ich und die anderen und die Menschheit – anstelle von „ich" und den Seelen. Es gibt Menschen, die ebenfalls „ich" und „die Menschheit" sehen und zugleich „ich" und „die Seelen" sehen und ein System zwischen „mir" und der Menschheit. Nicht Politik und nicht die Beziehungen von Kauf und Verkauf und all das, sondern ich und die übrigen Seelen im System von Adam haRishon. Das eine stört das andere nicht.
Der Mensch befindet sich in materiellen Sinnen und in spirituellen Sinnen. Verschwinden die materiellen Sinne, stirbt der Körper – das ist nicht wichtig, er bleibt mit den spirituellen Sinnen. Wenn ich diese meine beiden Wahrnehmungen als eine behandle, dann gibt es für mich keinen Unterschied: Ich komme zu den übrigen Seelen und gebe ihnen, so viel ich kann, um sie irgendwie zur Korrektur zu bewegen.
Ich kann sie, diese übrigen Seelen, so behandeln, als würden sie außerhalb von mir existieren. Ich kann sie auch so behandeln, dass sie Teile von mir sind, die mir nur deshalb außerhalb von mir erscheinen, weil ich nicht korrigiert bin. Dann ist meine Verbreitung keine Verbreitung, bei der ich anderen etwas verbreite. Ich korrigiere damit mich selbst, meine Beziehung. Zu wem? Zum Schöpfer. Wer sind die anderen? Die anderen sind nicht andere. Sie erscheinen mir außerhalb von mir, weil ich nicht korrigiert bin. Sie sind meine Teile. Dann wird das keine Verbreitung nach außen, sondern es wird zur inneren Korrektur meines Kli.
Leute, so kommen wir nicht … so kommen wir nicht voran. Nicht über die Verbreitung. Über das, was hier geschrieben steht.
Schüler: Zur Zeichnung. Rav: Ja.
Schüler: Im Zusammenhang mit der Zeichnung. Es sieht immer so aus, als wäre das Gedächtnis überhaupt das Erste, was wirkt, und als würden wir erst danach anfangen zu suchen. Zuerst sehen wir, was wir im Gedächtnis … das, und dann gehen wir hinaus und suchen, womit wir es vergleichen können. Also, diese Sache mit dem Gedächtnis beschäftigt mich sehr. Was ist das?
Rav: Gehört nicht zum Thema.
Schüler: *Man kann die ganze Wirklichkeit durch seine Beziehung zur Wirklichkeit ändern.*⁴
Rav: Was hier geschrieben steht. Ich habe gesagt … was hier geschrieben steht. Hast du eine Frage? Nein. Setz dich bitte. Mach weiter.
„Diese Begriffe sind so eng miteinander verbunden, dass es unmöglich ist, sie zu trennen.". „Wille" und „Licht". Licht und Wille sind so miteinander verbunden, dass man nicht zwischen ihnen unterscheiden kann, „Es ist nur möglich, auf ihre Beziehung hinzuweisen, dass sich der Genuss (Taanug) auf die Fülle (Shefa) bezieht, wohingegen das gewaltige Verlangen, die Fülle zu empfangen, sich auf das empfangende Geschöpf (Niwra ha mekabel) bezieht." Das heißt, sie sind miteinander verbunden. Der Schöpfer hat das Geschöpf erschaffen, und noch besteht zwischen ihnen eine Verbindung, die man überhaupt nicht trennen kann. Nur wenn man über etwas schon etwas sagen kann, dann: dass es ein Licht gibt und dass dieses Licht das Kli erschaffen hat. Aber sie sind verbunden, sodass man nicht unterscheiden kann. Das heißt, ein Unterschied besteht nur im Ursprung: wer der Erste ist und wer der Zweite.
Weiter.
„Diese beiden Begriffe gehen unbestreitbar vom Schöpfer – Bore Itbarach – aus und sind im Schöpfungsgedanken eingeschlossen. Man muss jedoch unterscheiden: Während die Fülle unmittelbar aus dem Wesen des Schöpfers (Azmuto Itbarach) ausströmt, das heißt, als Existierendes aus dem Existierenden entsteht (Jesh mi Jesh), ist das darin eingeschlossene Verlangen zu empfangen die Wurzel der Geschöpfe. Das heißt, es ist die Wurzel für die neue Entstehung als Existierendes aus dem nicht Existierenden (Jesh mi Ajn). Denn in Seinem Wesen kann selbstverständlich keine Spur des Verlangens zu empfangen sein. In keinem Fall."
Es gibt also Azmuto, und was dieses „Azmuto" ist, wissen wir nicht. Denn dort gibt es noch keinen Willen zu empfangen, und deshalb können wir Ihn, Azmuto, niemals enthüllen – denn wir erlangen nur aus dem Kli heraus, das als „Existenz aus Nichtexistenz" nach Azmuto kommt. „Azmuto" ist die Wurzel des Lichts. Das Licht, das aus Azmuto hervorgeht, geht dadurch hervor, dass es sich schon in das Kli einkleidet. Ohne das Kli, ohne den Mangel, der als „Existenz aus Nichtexistenz" kommt, wäre das Licht nicht aus Azmuto hervorgegangen.
Das heißt, es gibt niemals so etwas wie ein Licht ohne Kli. Ein Licht ohne Kli – wir wissen nicht, was das ist. So eine Wirklichkeit gibt es nicht. Was ist also die Wirklichkeit ohne Kli, ohne Geschöpf? Azmuto. Das ist sehr wichtig. Denn später sprechen wir über Umgebende Lichter, über Zurückkehrendes, über Direktes Licht … als würden wir über Lichter außerhalb der Kelim sprechen. So etwas gibt es nicht.
Wenn wir über etwas etwas sagen können, dann aus unserem Gefühl heraus, das in uns ist. (zurück zur Zeichnung) Nicht über diese äußere Welle (siehe Zeichnung), die sich quasi außerhalb von uns befindet. Wie kann ich überhaupt sagen, was das ist? Gar nicht, das ist von mir getrennt. Sondern ich bilde es mir so ein, hier (siehe Zeichnung), dass ich fühle, dass ich etwas von draußen höre. Ich habe so eine Einbildung. Und sogar die Wissenschaft entdeckt, dass es so ist.
Und auch die Weisheit der Kabbala sagt das: Außerhalb von uns ist „Azmuto". Wer ist das? Unbekannt. Man weiß nur, dass Er die Quelle ist. Aber dieses Azmuto, das bei uns wahrgenommen wird, wird schon innerhalb des Kli wahrgenommen. Und nur in uns können wir sagen, dass es existiert. Das heißt, außerhalb von mir existiert gar nichts. Und das ist sehr wichtig, denn dann muss der Mensch die ganze Konzentration auf sich selbst richten, auf seine Korrektur, und dann verbessert sich seine Wahrnehmung, (seine?) Anstrengung, alles.
„Daher gilt dieses genannte Verlangen zu empfangen (Razon lekabel) als die ganze Substanz – das „Grundmaterial“ – der Schöpfung, vom Beginn bis zum Ende."
Das heißt, der Wille zu empfangen … Wir sprechen davon, dass wir nur aus ihm heraus fühlen. Nur Erscheinungen in ihm nennen wir „Kli", und Erscheinungen in ihm nennen wir „Licht", Erscheinungen in ihm nennen wir „Schöpfer", Erscheinungen in ihm nennen wir „Geschöpf"; „die Welten" – das sind alles mögliche Erscheinungen in ihm, die Seelen, Lebewesen, egal was.
Alles, was wir fühlen – unser ganzer Kosmos, das Unbelebte, Pflanzliche, Tierische und Sprechende in unserer Welt, und in den spirituellen Welten Engel, Serafim, Dämonen, Geister, egal was –, das alles sind ausschließlich Erscheinungen innerhalb des Willens zu empfangen. Und auch der Schöpfer. Das ist eine Erscheinung innerhalb des Willens zu empfangen.
Ja. Achtet darauf, Fragen zum Text selbst zu stellen.
Schüler: Ist der Wille zu empfangen, der in der Fülle enthalten ist, selbst das Neue, und was verursacht das Neue?
Rav: Das schreibt er, dass dieser Wille zu empfangen das „Neue" ist.
Schüler: Was verursacht es?
Rav: Was das Neue verursacht? Der Wille des Schöpfers, einen Willen zu empfangen zu erschaffen und „ihm Gutes zu tun", ihm Genuss zu bereiten. Dazu gibt es tausendundeine Frage, aber das ist es, was sie als erste Einsicht schreiben. Später werden wir mehr darüber wissen und wissen, wie wir uns diesen Begriff erschließen. Das ist wirklich schwer.
Warum Er, wer Er ist, Genuss bereiten wollte, warum Er so einen Willen hat, Seinen Geschöpfen Genuss zu bereiten? Hat Er also einen Mangel, hat Er keinen Mangel? Braucht Er die Geschöpfe oder nicht? Warum ist das Geschöpf schuld, dass Er genießen lassen will, und das arme Geschöpf will leiden⁵, bis es vielleicht irgendwann zu diesem Genuss kommt – wir wissen nicht, wie und was. Es gibt tausendundeine Frage. Einen Teil davon erklären wir im „Vorwort zum Buch Sohar", aber zu einem anderen Teil können wir wirklich nur unter der Bedingung kommen, dass wir zur Verwirklichung des Ziels der Schöpfung kommen.
„Alle unzähligen Arten von Geschöpfen, die schon entdeckt oder noch zu entdecken sind, unterscheiden sich nur hinsichtlich ihres Maßes an Verlangen zu empfangen und sind lediglich Veränderungen in diesem Verlangen zu empfangen. Alles, was diese Geschöpfe in sich haben, das heißt alles, was sich in diesem in ihnen eingeprägten Verlangen zu empfangen ereignet, kommt unmittelbar aus Seinem Wesen – Azmuto – als Existierendes aus dem Existierenden (Jesh mi Jesh). Es hat mit dieser neu entstandenen Schöpfung als Existierendes aus dem nicht Existierenden (Jesh mi Ajn) nichts zu tun, denn es ist nichts Neues. Vielmehr entspringt es direkt und unmittelbar aus Seiner Ewigkeit – als Existierendes aus dem Existierenden (Jesh mi Jesh)."
Sehr einfach. Alles, was es gibt, alles, wovon wir sagen können, dass es existiert – ob es sich enthüllt, sich uns nicht enthüllt oder sich in Zukunft enthüllen wird –, und alle Ereignisse, die jedem Einzelnen widerfahren: Das alles ist eine Sache des Stoffes, der alle möglichen Prozesse und Veränderungen durchläuft, und innerhalb dieses Stoffes gibt es eine Füllung, die „Licht" heißt. Dieser Stoff heißt „unbelebt", „pflanzlich", „tierisch", „sprechend" in den spirituellen Welten, in allen möglichen Welten, auf allen möglichen Ebenen. Auch in dieser Welt: unbelebt, pflanzlich, tierisch, sprechend, mit der Lebenskraft, der Kraft, die ihn hält, der Kraft, die ihn füllt – und das gehört zum Licht. Und außer „Licht" und „Kli", Stoff und Füllung, Wille und Füllung, gibt es gar nichts.
Deshalb ist es sehr einfach. Wir müssen uns nicht verwirren lassen. Seelen, Geister, irgendwelche Dinge aller Art, existieren oder existieren nicht – das alles ist ausschließlich der Stoff, den das Licht belebt und hält. Was sich enthüllen wird und was sich nicht enthüllen wird – sicher gibt es da einen Unterschied, aber diese Enthüllungen hängen nur von uns ab, innerhalb unserer Kelim. Wenn wir wollen, können wir durch die Veränderung unserer Kelim sozusagen eine Zeitreise machen, denn es gibt keine Zeit. Die „Zeit" sind die Zustände, die wir durchlaufen.
Damit beenden wir den Unterricht vorerst. Morgen machen wir genau damit weiter.
(Ende des Unterrichts)