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Morgenabschrift 31.10.2002
Buch
„Kitvei
Rabash",
Band
1,
„Was
bedeutet
es
in
der
Arbeit,
dass
die
Rechte
und
die
Linke
im
Gegensatz
zueinander
stehen?"
Rav: Wir haben den Artikel „Was bedeutet es in der Arbeit, dass die Rechte und die Linke im Gegensatz zueinander stehen?" gehört. Er steht in Band 3, „Shlavei haSulam", Buch „Dwarim", „Ki Tawo", Seite 198. Rabash¹ sagt hier viele Dinge und gibt Definitionen; es ist ein sehr allgemeiner Artikel. Interessant ist, dass er erklärt: Es gibt Zustände, die lo liShma und liShma heißen, und innerhalb von lo liShma gibt es einen Zustand leShem Shamajim². Wir dürfen uns nicht täuschen³: leShem Shamajim ist kein heiliger Zustand.
leShem Shamajim ist der Zustand, in dem der Mensch erkennt, dass es sich für ihn lohnt, alles leShem Shamajim zu tun, weil von dort sein Lohn kommen wird. Er glaubt an Lohn und Strafe⁴. Das gibt es auch in der Materialität. In der Materialität können wir einfach so arbeiten, wie wir eben arbeiten: für Lohn und Strafe von der Gemeinschaft⁵. Das kann Geld sein, Ehre, Wissen.
Auch tierische Genüsse kommen eigentlich eingekleidet über die Gemeinschaft, obwohl sie tierisch und nicht menschlich sind. Nehmen wir einen Menschen in dieser Welt, der groß sein will, zum Beispiel ein großer Wissenschaftler oder ein großer Rabbi. Dann arbeitet er für die Gemeinschaft, damit die Gemeinschaft ihm diese Genüsse liefert. Die nächste Stufe ist, dass er anfängt, sich mit dem Schöpfer zu verbinden. Er fängt an zu glauben, dass es eine Höhere Kraft gibt und dass die Höhere Kraft die Welt lenkt.
Oder man bringt ihm bei, dass es so ist. Das nennt man Mizwat Anashim Melumada⁶: Er hat es von Menschen bekommen, die es ihn gelehrt haben, und hält ein, was er bekommen hat. Er führt also Gebote und Handlungen aus, und der Grund dafür ist, dass Menschen es ihn gelehrt haben. Er tut alle möglichen Handlungen in dieser Welt nicht, weil der Schöpfer existiert. Er tut sie, weil man ihm beigebracht hat, dass der Schöpfer existiert, dass eine Höhere Kraft existiert.
Das heißt: Auch wenn es keine Höhere Kraft gäbe, würde er Tora und Mizwot einhalten, weil man es ihn gelehrt hat. Das ist einfach Gewohnheit, Erziehung. Dann kommt die nächste Stufe. Er fängt schon selbst an, in seinem Inneren zu sehen, dass es wahrscheinlich einen Schöpfer gibt, eine Höhere Kraft. Ihr gegenüber habe ich bestimmte Handlungen, die sich auf Lohn und Strafe auswirken können⁷. Dann fängt er an, leShem Shamajim zu arbeiten.
Was heißt das? Er denkt, dass es ihm durch bestimmte Handlungen gut gehen wird und durch andere, der Schöpfer bewahre, schlecht. Und das wird vom Schöpfer kommen. Das nennt man leShem Shamajim. Zum Beispiel: Es lohnt sich für mich nicht zu stehlen, der Schöpfer wird mich bestrafen. Es lohnt sich für mich nicht, dort noch etwas anderes zu tun, ich werde Strafe bekommen. Und umgekehrt: Ich tue dies und dies und dies, um Lohn zu bekommen. Das nennt man leShem Shamajim. Den Lohn bekommt er also von der Höheren Kraft, so denkt er. 4:31
Natürlich ist auch das lo liShma, und zu lo liShma gehört noch vieles mehr. LiShma dagegen ist, wie wir sagen, völlig ohne jede Hinwendung zu sich selbst. Er denkt nicht an Lohn und Strafe und nicht daran, was ihm zusteht. Nicht was ihm zusteht, sondern was dem Schöpfer zusteht⁸, das nennt man liShma. Das heißt, das Ich des Menschen existiert nicht. Und es gibt noch viele solche kleinen Dinge, die er … Auch Rechte Linie und Linke; die Linke Linie hat er hier schön berührt.
Wir haben hier also einen schönen Nutzen. Die ganze Rechte Linie kann es beim Menschen geben, wenn er sich selbst annulliert und die Eigenschaften des Schöpfers auf sich nimmt. Die Linke Linie ist es gerade dann, wenn er sich mit seinem Ich beschäftigt und seinen Stolz, sein Ego in die Arbeit hineinzieht. Was wir aber in all diesen Zuständen lernen müssen: Wir müssen uns daran gewöhnen, dass wir in jedem Zustand einen inneren Widerspruch haben.
Denn von vornherein erreichen wir alles, was wir erreichen, nämlich das Licht, aus dem Gefäß heraus. Das Gefäß ist dem Licht entgegengesetzt. Das Licht und alle Begriffe und Eigenschaften im Licht erreicht es nur so weit, wie es sich dem Licht angleicht. Also befindet sich das Gefäß in zwei entgegengesetzten Zuständen. Sein innerer Zustand ist das Gegenteil des Lichts, sein äußerer Zustand ist die Übereinstimmung mit dem Licht. Entsprechend dieser Übereinstimmung nimmt das Gefäß das Licht auf.
Sogar im Gefäß selbst gibt es zwei Bchinot. Seiner Natur nach ist das Gefäß Verlangen zu empfangen, seiner Handlung nach Verlangen zu geben. Durch seine Handlung, das Verlangen zu geben, versteht das Gefäß, wer der Schöpfer ist, wer das Licht ist. Es vergleicht⁹ sein Verlangen zu geben mit seinem Verlangen zu empfangen, und darin liegt dieser Gegensatz zwischen Schöpfer und Geschöpf. Wir erfassen nicht den Schöpfer. Wir erfassen unsere korrigierten Eigenschaften und sagen, das ist der Schöpfer, denn die korrigierten Eigenschaften entsprechen dem Schöpfer.
Im Gefäß gibt es also zwei entgegengesetzte Eigenschaften. Deshalb haben wir bei jeder Bchina, jeder Unterscheidung und jeder Kritik an etwas immer einen inneren Widerspruch. Wir müssen unterscheiden, woher er kommt, damit er uns nicht verwirrt und unsere Wahrnehmung nicht verschwimmen lässt. 7:52
Ich hatte gerade auch eine Frage im Internet. Ich hatte geschrieben, dass man Gruppen aus gesunden, starken Menschen bilden muss. Sie schreiben mir: „Warum so? Wie kann man die anderen hinauswerfen?" Ich habe ihnen geantwortet: Ich wundere mich, dass ihr mich nicht umgekehrt anschreit: „Du schreibst, dass die ganze Welt Kabbala lernen muss, dass man in die ganze Welt hineingehen muss, dass es eine einzige Gruppe sein muss. Und hier schreibst du, man muss eine Art Auswahl treffen, prüfen und nur Starke aufnehmen? Das ist das Gegenteil der ganzen Methode!"
Auch hier geht es um diesen Gegensatz. Einerseits muss die ganze Welt ins Lernen kommen. Andererseits braucht es, um die ganze Welt zum Lernen voranzubringen, gerade starke Gruppen, die die ganze Welt hineinziehen. Eine Gruppe, die führend sein will, also die Gruppe der Lehrer oder der Führenden, muss dafür sorgen, dass dort niemand ist, der ein Loch in die Wand des Gefäßes macht, auch nicht nur durch seine fehlende Unterstützung oder sein fehlendes Geben. Es geht um das Loch im Boot, wie er es dort im Artikel „Zum Abschluss des Sohar" sagt.
Es gibt also das eine und das andere. Wenn wir von der Gruppe der Kabbalisten sprechen, die die Welt führen sollen, dann muss das eine sehr gefestigte und starke Gruppe sein. Dort ist kein Platz für jemanden, der faul und nachlässig ist. Wenn wir aber von der Welt insgesamt sprechen, dann wird natürlich die ganze Welt in Massen zum Lernen kommen, schon ohne Begrenzung. Auch in diesem Ansatz, der für uns so zentral ist, gibt es quasi zwei Ausrichtungen.
Die eine Ausrichtung gilt dem, der führt, wie Keter, dem Rosh des Parzuf. Die zweite gilt dem Guf, der Malchut. Den Gegensatz zwischen Keter und Malchut sieht man hier schon. Es gibt Menschen, die zur Allgemeinheit gehören können und einverstanden sind, dass man sie führt und mitzieht. Und es gibt Menschen, die die Führenden sein können, die Wegweiser. Auch das steht quasi im Widerspruch zueinander, deshalb habe ich das jetzt als Beispiel gebracht.
Ja. Nu.
10:38
Schüler: Das passt für mich hier nicht zum Artikel. Er sagt, man muss in zwei Linien sein, Rechts und Links.
Rav: Oh, Rechts und Links! Wie kann es einen größeren Widerspruch geben als zwischen Rechts und Links?
Schüler: Die meiste Zeit muss man in der Rechten Linie sein. Rechte Linie ist, wenn ich in Niedrigkeit bin und die Größe des Schöpfers sehe, könnte man sagen, oder ich weiß nicht …
Rav: Nein, Rechte Linie heißt nicht, dass du in Niedrigkeit bist und die Größe des Schöpfers siehst. Wenn du die Größe des Schöpfers siehst, siehst du auch Seine Niedrigkeit. Ist Er etwa nicht in Niedrigkeit? Nehmen wir an, du bist ein großer Mann und vor dir sind Menschen, die du führen willst. Dann kommst du zu ihnen, zeigst deine Größe und deine Kraft und führst sie, ja? Der Schöpfer macht es nicht so. Er erniedrigt sich gerade selbst, damit man Ihn nicht sieht, und verbirgt sich, ja? Du siehst Ihn also als demütig, als erniedrigt. Und nach und nach bringt Er dich näher, nicht nach Seiner Kraft, sondern nach deiner Fähigkeit.
Wenn du an der Rechten haftest, erreichst du also auch in der Rechten den Gegensatz zwischen beidem: einerseits gewaltige Kraft, andererseits große Demut. Das gilt auch für die Rechte, auch für Seine Eigenschaften. Dementsprechend lernst du daraus, wenn du an der Rechten haftest, und bekommst diese Eigenschaften, sowohl die Demut als auch die Größe.
Schüler: Und die Linke Linie?
Rav: Und was hast du in der Linken Linie? In der Linken Linie hast du nur die Grausamkeit, wie beim Säugling: Verlangen zu empfangen ohne Form.
Schüler: Wie passen diese Rechte und Linke zu dem, was wir sagen: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?" und „Es gibt nichts außer Ihm"? Wir sagen hier, dass man den größten Teil des Tages in der Rechten Linie sein muss und eine halbe Stunde in der Linken. Und wenn wir über „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?" und „Es gibt nichts außer Ihm" sprechen, sagen wir dasselbe: tagsüber „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?" und abends „Es gibt nichts außer Ihm". So bleibt nur wenig Zeit für „Es gibt nichts außer Ihm". Und das scheint quasi umgekehrt zu sein, was die … Als ob „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?" … sein müsste.
Rav: Ich weiß nicht, was du sagst. Du sagst also, man muss die ganze Zeit in „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?" sein und erst danach, am Abend, in „Es gibt nichts außer Ihm". Was heißt, am Abend in „Es gibt nichts außer Ihm" zu sein? Nachdem du quasi die Handlung beendet hast und das, was du in ihr erreicht hast, ja? Dann sagst du, dass es von vornherein „Es gibt nichts außer Ihm" war, ja? Wenn du jetzt aber losgehst, um die nächste Stufe zu erreichen, und dabei „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?" sagst, dann löschst du die ganze Wirklichkeit aus. Der Schöpfer ist nicht da, ja? Das ist nicht richtig.
Wenn du Ihn auslöschst und Er nicht da ist, dann hast du nichts zu tun, dann bist du nicht in der Arbeit. Sondern gestützt auf „Es gibt nichts außer Ihm" gehst du jetzt los und sagst: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?"
14:01
Schüler: Aber das klingt passend zur Linken Linie, zur Arbeit in der Linken Linie.
Rav: Ist das die Arbeit der Linken Linie? „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?" Worin besteht dieses „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?"? Was tust du darin?
Schüler: Was ich in „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?" tue?
Rav: Ja.
Schüler: Jedes Mal ist es etwas anderes.
Rav: Was heißt, jedes Mal etwas anderes? In „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?" mache ich Korrekturen an mir, ja? Als ob ich mit diesen Korrekturen wirklich etwas bestimme, ja? Hm?
Schüler: Korrekturen mache ich hier eher …
Rav: Wovon sprichst du denn dann?
Schüler: Vielleicht der Wille¹⁰, dahin zu kommen, Dinge zu tun und mich selbst zu prüfen, mich in diese Dinge einzuspannen, um zu versuchen, voranzukommen. Aber Korrekturen, ich weiß überhaupt nicht, was das ist.
Rav: Dann ist es für uns noch zu früh, darüber zu sprechen. Noch ein bisschen.
Schüler: Was sind Korrekturen?
Rav: Gut, in Ordnung. Worüber sollen wir sprechen, über das, was du bei der Arbeit, zu Hause oder an der Universität machst? Was?
Schüler: Nein, also was sind Korrekturen?
Rav: Wir sind fertig. Was ich sagen will, kann ich nicht sagen. Und was du dir auf dieser Stufe denkst, bringt uns nichts. Wir sprechen bald darüber, in einem Monat, in zwei Monaten.
Ja.
15:27
Schüler: Das geht nicht zusammen, die Rechte aus der Linken Linie zu holen. Man könnte sagen, den ganzen Tag weiter zwischen ihnen zu wechseln, wenn du … rechte Seite … in Vollkommenheit.
Rav: Es ist schwer, zwischen Rechts und Links zu trennen, weil es überhaupt kein Rechts und kein Links gibt.
Schüler: Schwer zu trennen.
Rav: Nu, was ist … „Schwer zu trennen" ist so gemeint: Wo bist du in der Verbindung mit dem Schöpfer? Bist du mit Ihm in Verbindung oder nicht? Ja, du bist es. In dieser Verbindung mit Ihm bemühst du dich, der Aktive zu sein, ja? Denkst du, dass es von dir abhängt, was am Ende herauskommt, oder nicht? Ja? Wie siehst du das, was geschieht: Hängt es von deinem Handeln ab oder nicht?
Schüler: Alles hängt von mir ab.
Rav: Alles hängt von dir ab. Du bist mit Ihm in Verbindung, und in dieser Verbindung bist du in aktivem Handeln, in einer aktiven Haltung Ihm gegenüber. Das nennt man „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?". Der Schöpfer ist da. Du entfernst Ihn nicht aus deinem Bild, Er ist in der Welt. Du sagst nur: Ich kann dabei mithelfen, ich bin aktiv. Ja? Das war's. Und nachdem du das sagst und aktiv bist, enthüllt sich dir, dass du nichts getan hast und dass alles Er ist.
Du bist gerannt und hast geschwitzt, du hast dein ganzes Leben lang alles getan. Du warst in Abstiegen und Aufstiegen, in Anstrengungen, hattest Schlafmangel und was nicht alles, ja? Nach all diesen Handlungen entdeckst du, dass überhaupt nichts davon du bist. Das sind Seine Gefäße und Seine Füllungen. Und wo bin ich? Das Ich ist der, der jetzt feststellen kann: „Es gibt nichts außer Ihm." Und das Vorherige, „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?"? In all diesem „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?" war ich nicht ich.
Es gibt dafür nicht so recht Worte, aber ich sage es noch einmal: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?" heißt, dass ich Ihn vergesse, dass Er nicht existiert. Entschuldigung: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?" heißt, dass ich denke, es hängt etwas von mir ab: mich Ihm zu nähern, mit Ihm zu arbeiten, zu reagieren und sogar zu beten.
18:03
Schüler: Aber trotzdem will ich zur Vollkommenheit kommen, … tierisch.
Rav: Nu, du willst zur Vollkommenheit kommen, in Ordnung. Und ich sage: Es gibt nichts außer Ihm. Er will, dass du zur Vollkommenheit kommst. Dieser Gedanke in dir, dass du zur Vollkommenheit kommen willst, das ist Er.
Schüler: In Ordnung, das akzeptiere ich.
Rav: Nu.
Schüler: Man sagt: „Sein Königreich herrscht über alles." Alle Handlungen, die mir das bewirken, kommen von Ihm.
Rav: Alle deine Handlungen sind von Ihm, und alle deine Gedanken sind von Ihm. Wer bist du dann? Sag mir, welchen Punkt du dir selbst zuschreiben kannst. Nu, wer bist du?
Schüler: Wer ich bin?
Rav: Ja.
Schüler: Ich bin ein kleiner Punkt …
Rav: Du bist dieser kleine Punkt, der zum Zustand der Dwekut kommt und sagt: „Es gibt nichts außer Ihm." Nur dieser Punkt, der sagt „Es gibt nichts außer Ihm", bist du. Außer dass ich sage „Es gibt nichts außer Ihm", ist alles andere Er. Leute, ich will hier nicht philosophieren. Diese Philosophie fängt an, den Platz der Kabbala einzunehmen.
Ja.
Schüler: Dieser Zustand, den Sie genannt haben, „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?" in dem Zustand, in dem man mit Ihm arbeitet: Ist das der Zustand von Stolz, von dem er spricht? Er spricht hier über Stolz.
Rav: Kann sein.
Oh, willkommen. Ja.
19:51
Schüler: Mich stört hier etwas, von dort her, wo ich herkomme: die Sache mit dem „demütigen Gehen"¹¹, dem Aufgehen in der Umgebung. Ich komme gerade vom Reservedienst. In so einer Umgebung willst du nicht aufgehen, sagt man sich, aber du willst auch nicht auffallen. Innen bist du anders als das, was man in der Umgebung tut, und du sollst es nicht zeigen. Wie macht man diese Arbeit des „demütigen Gehens"?
Rav: Ich verstehe dich nicht …
Schüler: Wie man …
Rav: Was ist deine Frage? Du bist in einer bestimmten Umgebung?
Schüler: Ja.
Rav: Und diese Umgebung macht sich ein schönes Leben.
Schüler: Genau.
Rav: Ja, und du willst dich an ihr nicht verunreinigen¹²? Du kannst nicht anders, als dich an ihr zu verunreinigen. Gegen die Umgebung hast du nichts in der Hand. Wenn du in irgendeiner Umgebung bist, hast du keinerlei Kraft, gegen sie anzukommen, keine. Es sei denn, man hat dich von Oben aus dieser Umgebung herausgeholt. So war es bei uns, als wir mit dem Punkt im Herzen erwacht sind: Wir haben unsere ganze Umgebung einfach weggetreten, man kann sagen weggetreten, ja? Dadurch haben wir gefühlt, dass wir nicht zur Umgebung gehören, und ganz natürlich angefangen, entsprechend diesem Punkt zu suchen: Wo ist sein Platz? Und wir haben eine andere Umgebung gefunden, das ist alles.
Aber das ist Hilfe von Oben. So hat man es von Oben mit uns gemacht, man hat uns von Ort zu Ort bewegt. Weißt du, es gibt ein elektrisches Feld, und darin gibt es eine elektrische Ladung. Wenn sich die Ladung verändert, muss sie ihren Platz im Feld wechseln, um in Gleichheit der Form mit dem Feld zu sein, ja? In Gleichheit der Potenziale, ja? Wer in der Schule gelernt hat, kennt das, ja? Das war's.
Man hat also dein inneres Potenzial verändert, und du bist von einem Ort, einer Umgebung, weggegangen, ja?, und an den anderen Ort gegangen. So wirst du dein ganzes Leben und alle deine Gilgulim¹³ sehen. So führt man dich zum Gmar Tikun, zum Zentrum dieses ganzen Feldes, des elektrischen, sagen wir. Das war's. Und dabei hast du nichts getan.
Jetzt sagst du: Ich bin in irgendeiner Umgebung, ja? Was muss ich tun? Wenn du in irgendeiner Umgebung bist, kannst du in dieser Umgebung so bleiben, wie du jetzt bist, wenn man dir nicht von Oben hilft, oder sofort suchen¹⁴. Wenn man dir noch einen Gedanken gibt, dass du zu einem Ziel kommen kannst, das im Widerspruch zu dieser Umgebung steht, dann gibt man dir eine Chance, die Umgebung selbst zu wechseln. Verstehst du? Eine Gelegenheit, oder nicht.
Beim gewöhnlichen Menschen verändert man das innere Potenzial durch Reshimot, ja?, in seiner spirituellen Ladung. Dadurch führt man ihn durch dieses Potenzialfeld zum Zentrum, nach und nach, über alle Gilgulim hinweg. In einem der Gilgulim gibt man ihm ein solches Potenzial, das „Punkt im Herzen" heißt. Von da an muss er selbst die Gemeinschaft wechseln und selbst dafür sorgen, das Vorankommen zu unterstützen. Das war's. Vorher konnte er das nicht, Tausende Gilgulim lang, Tausende Jahre, ja? Das war's. 23:23
Jetzt hat man ihm durch den Punkt im Herzen ein Erwachen gegeben. Das heißt, dieses Potenzial heißt schon Punkt im Herzen und gehört schon zum zielgerichteten, bewussten Vorankommen dieses Menschen, ja?, dieser Ladung zum Zentrum des Feldes, ja? Jetzt hat er eine Gelegenheit. Man hat ihm ein Vorankommen gegeben und ihn in irgendeine Gemeinschaft gebracht, ja? Das können Bücher sein, das können Menschen sein, ein paar Filme über Kabbala, die er plötzlich gesehen hat, so etwas, ja? Das nennt man Umgebung. Man gibt ihm eine Gelegenheit; das Vorankommen danach geschieht ausschließlich durch freie Wahl. Willst du, dann bestimmst du das Vorankommen. Willst du nicht, dann eben nicht, quasi als ob du nicht willst, ja? Das war's. Aber man gibt eine Gelegenheit.
Wo auch immer du jetzt bist, kannst du in drei Zuständen sein. Entweder verlierst du den Gedanken, dass du die Umgebung wechseln kannst. Oder man gibt dir den Gedanken, dass du die Umgebung sehr wohl wechseln kannst. Oder man gibt dir die Möglichkeit, mit der richtigen Umgebung zu arbeiten. Das war's. Nimm also, was du sagst: Ich bin in einer schlechten Umgebung, ja? Ich habe den Gedanken, ich weiß und erkenne, dass ich gemessen am Ziel in einer schlechten Umgebung bin. Was muss ich tun?
Dann ist das ein ausgezeichneter Zustand: Man hat dir den Gedanken gegeben, dass du in einer schlechten Umgebung bist. Pass auf, denn bald wird man dir diesen Gedanken wegnehmen, und aus. Dann wirst du wieder in dieser schlechten Umgebung sein wie alle Menschen und im selben Tempo vorankommen wie alle, also Tausende Jahre, Tausende Gilgulim, und das war's. Man kann nicht in einer schlechten Umgebung sein, dort bleiben und vorankommen, das geht nicht. Deshalb darf der Mensch nicht einfach so auf den Markt gehen, einfach so an einen Ort der Gefahr, aus eigenem Antrieb, verstehst du? Erinnerst du dich, wie wir es in Teil 2 des „Talmud Esser haSefirot" gelernt haben? Man kann die Absicht ausrichten, man kann sie nicht ausrichten, und man kann es beim Empfangenden trotzdem¹⁵, und so weiter. Wo es eine Übertretung ist und wo noch nicht. Das war's.
Es ist ausgezeichnet, wenn man einem den Gedanken gibt: Ich bin in einer Umgebung, die nicht auf dem Weg ist. Das ist Hilfe von Oben. Danach wird man diesen Gedanken auslöschen, und du bleibst dort. Nach einigen Jahren kann man ihn dir wieder geben, ihn quasi zurückbringen, und du denkst wieder so. Es gibt solche Schüler: Sie haben das Land verlassen und sind ins Ausland gegangen, und nach zehn, fünfzehn Jahren fangen sie an zu schreien: Was soll ich tun? Man hat ihnen diesen Gedanken wieder erneuert. Fünfzehn Jahre seines Lebens hat er verschwendet, was soll man tun?
Ja.
26:58
Schüler: Warum steht geschrieben … Er schreibt, dass man in der Linken Linie nur eine halbe Stunde arbeiten muss und alles Übrige, also dreiundzwanzigeinhalb Stunden, in der Rechten Linie. Warum gerade … sagen wir, zwei Stunden zwanzig …
Rav: Warum ist das Verhältnis scheinbar so ungleich, so schief, dreiundzwanzigeinhalb Stunden Arbeit in der Rechten Linie und eine halbe Stunde in der Linken? Ist es so schwer, in der Rechten Linie die Eigenschaften des Schöpfers zu bekommen, von Ihm beeindruckt zu sein, sich mit Ihm zu verbinden? Muss ich dafür zwanzigeinhalb¹⁶ Stunden in dieser Aufnahme sein? Und danach hole ich innerhalb einer halben Stunde schon allen Nutzen aus der Linken Linie heraus, den ich negativ aus ihr ziehen kann? Und dann verbinde ich sie mit der Rechten und baue die Mittlere Linie?
Wir können eine Rechnung zu diesem Unterschied machen: Warum hat er gerade dreiundzwanzigeinhalb Stunden gesagt? Stunden des Tages, Stunden der Nacht, so etwas. Er sagt dir: Das ist kein Zufall, dreiundzwanzigeinhalb und eine halbe. Bei Baal HaSulam gibt es überhaupt solche Schriften, in denen er nach den Sefirot Berechnungen über alle möglichen Dinge anstellt. Zum Beispiel ein Achtel der Sefirot, Hod verbindet sich mit einem Viertel der Sefira Jessod, steigt dann zu einem Achtunddreißigstel der Sefira Nezach auf, und dann noch etwas. Das sind solche Berechnungen, wirklich wie Wissenschaft. Es ist erstaunlich, wie weit er da hineingeht. Ich verstehe nicht genau, was er dort macht. Ich kann nicht sagen, was er meint, er hat es nicht erklärt, und was ich denke, das denke ich. Aber was ich sagen will: Was er als Zahl gesagt hat, ist so. Das war's.
Ja.
29:48
Schüler: Zu bewirken … Ich habe vorhin gefragt … nicht über die Umgebung, die man sich im Alltag selbst aussucht, sondern über einen sozusagen erzwungenen Zustand: Reservedienst oder sogar die Arbeit, von der man lebt. Was macht man wirklich in so einem Zustand, wenn man sieht, dass die Umgebung anders ist? Wie bemüht man sich wirklich, nicht aufzufallen? Einfach im Prinzip das tun, was man tun muss, und sogar …
Rav: Du sagst also: Ich gehe zur Arbeit, in den Laden, an alle möglichen Orte, sogar zu Verwandten, und an diesen Orten bin ich in der Umgebung. Wie kann ich von ihnen unbeeinflusst bleiben? „Umgebung" nennt man das, wovon ich selbst bestimme, dass ich mich darin befinde. Wenn ich nicht bestimme, dass das meine Umgebung ist, dann bin ich nicht in ihr. Verstehst du? Ich wohne in Bnei Brak, in der Rabbi-Akiva-Straße, dem heiligsten Ort, und ich hafte nicht an dem, was dort ist.
Schüler: Also keinen Reservedienst machen, nicht …
Rav: Nein, nein, nein. Nein. Ich kann zur Arbeit gehen und alle möglichen Dinge tun, tun, was man tun muss, ja. Aber ich hafte nicht an. Verstehst du? Ich höre nicht, ich sehe nicht. Also, ich weiß nicht, was … Ich sag dir was. Manchmal habe ich Lust, ein bisschen etwas anzuschauen, weißt du, um herauszukommen aus dem … Wenn ich von einer Arbeit zu einer anderen wechseln muss, ist das manchmal sehr schwer.
Dann schaue ich gern Tierfilme. Weißt du, das ist das Beste. Das sind Filme im … Bildungsfernsehen, Bildung. Weißt du. Dann erwische ich so zehn Minuten, eine Viertelstunde, irgendein Löwe spaziert herum oder so etwas. Davon ruht man sich schön aus und kehrt danach zurück. Verstehst du? Der Rest ist für mich keine Umgebung.
Den Rest sehe ich nicht. Er zieht mich nicht an, verstehst du, keine Sache. Und jetzt: Mit wem soll man in Verbindung sein? Womit soll man in Verbindung sein? Wenn ich einfach so zu Menschen gehe, weil man etwas regeln oder erledigen muss, sehe ich nicht, dass ich an ihnen hafte, dass ich … In meinem Fach darf ich keine Meinungen hören, so wie Baal HaSulam, wie Rabash¹⁷ dort schreibt. 32:36
Wenn du Bauarbeiter bist, darfst du nicht unter schlechten Bauarbeitern sein, die dir sagen: „Nicht schlimm, machen wir es schief." Oder unter Schustern, wenn du Schuster bist: „Machen wir sie mit einem kleinen Loch, ist nicht wichtig, die Sandale." Aber wenn du ein Bauarbeiter unter Schustern bist, ist es dir egal, was sie sagen. Sie können dich nicht beeinflussen¹⁸ und dir deine Arbeit nicht verderben. Deshalb ich … Rabash sagt dort: Je näher es der Spiritualität ist, desto mehr gilt, dass du mit ihnen nicht in Berührung sein darfst. Also bin ich nicht in Berührung.
33:14
Schüler: Jetzt: Wenn ich, so wie ich es vorhin verstanden habe, jeden Tag sozusagen nichts tue, warum bin ich dann hier? Wenn es … von allem, in allem, was mir passiert, in allem, was mit mir geschieht, in allem, was ich tun werde und wie ich …
Rav: Als Anfänger hängst du jetzt zu hundert Prozent davon ab, was du von der Umgebung aufnimmst. Wenn du bestimmst, dass deine Umgebung die ist, der du ähnlich werden oder deren Botschaft du bekommen willst, dann musst du dich gegenüber der Umgebung annullieren. Denn der Kleine empfängt vom Großen: je kleiner er ist, von einem umso Größeren. Du musst alle für groß halten.
Und du musst alle mit offenem Mund anhören, so, weißt du. Du musst wirklich von allem, was es hier gibt, beeindruckt und bewegt sein wollen. Auch das ist nur in einem gewissen Maß möglich. Es heißt nicht, dass du dir selbst einredest: „Ich bin klein, ich bin klein, sie sind groß, sie sind groß." Sondern so weit du in die Gemeinschaft investieren kannst, so weit kannst du von ihr bekommen.
Also mach all die Handlungen, die sie uns empfehlen, und sieh, wie das wirkt. Oder umgekehrt: Du kannst hierherkommen und dasitzen wie an der Universität. Ich lerne. Sie lernen auch, laufen hier herum und machen Lärm mit allen möglichen Dingen. Ich lerne, ich bin jemand, der das aufnehmen und verstehen muss, sozusagen schulisch, nach und nach, wie Bildung, und dann sehen wir weiter. Nu … So kannst du dasitzen, und du wirst nichts von der Gemeinschaft bekommen. Und dann wird es keine innere Veränderung geben.
35:15
Schüler: Ich meinte etwas ein bisschen anderes. Etwas ein bisschen mehr … aus der Gemeinschaft. Wir haben im Prinzip darüber gesprochen, dass es sozusagen, sozusagen im Gefühl …
Rav: Nu, nu, nu …
35:28
Schüler: … ein elektrisches Feld gibt, das sozusagen das Potenzial verändert, und dann verändere ich mich entsprechend dem Potenzial meiner Arbeit. Sozusagen eine Puppe, die sozusagen gesteuert wird: Sie geht von Ort zu Ort und erlebt den Ort, an dem sie gerade ist. Was bin ich dann?
Rav: Du fragst also: Ich bin in einem elektrischen Feld geladen, und wenn sich mein Potenzial gegenüber dem Feld verändert, wechsle ich den Platz. Kann ich mein Potenzial selbst verändern? Ja, das kannst du. Ja, das kannst du. Denn dieses Potenzial hängt von deinem Gefühl ab, davon, wie du deine Angleichung an das Feld empfindest.
Schüler: Dann ziehe ich das Potenzial sozusagen an.
Rav: Dieses Potenzial liegt in deinen Händen. Wenn du siehst, dass dein Platz im Feld nicht genau dem entspricht, was du willst, was nötig ist und so weiter, kannst du das ändern. Du veränderst quasi dein Potenzial. Wodurch? Du ziehst Licht an. Das Licht verändert dir das Potenzial, und dann bewegst du dich.
Schüler: Wie MaN.
Rav: Ja, ja, ja. Wie MaN, wie … Alles funktioniert nach demselben Prinzip. Die Gleichheit der Form ist das allgemeine und einzige Gesetz. Aus ihm gehen schon alle anderen Gesetze hervor.
Schüler: Und das bin sozusagen ich. Ich verändere einfach mein …
Rav: Du bist nur dein Punkt der Wahl, ein Punkt, der wählen kann. Außer ihm gibt es kein Du.
Gut.
(Ende der Lektion)