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Morgenunterricht 17.02.2002
Buch „Kitwej Rabash" (Schriften des Rabash), Band 1, Artikel „In Bezug auf die Hilfe, die von oben kommt"
Rav: Wir haben einen Artikel aus „Schlawej haSulam", Band 1, Seite 293, gelesen: „In Bezug auf die Hilfe, die von oben kommt".
Wann fängt der Mensch an, Hilfe von oben zu bekommen? Hilfe ist alles, was hilft, zum Ziel der Schöpfung voranzukommen. Das kann auch in einer nicht so angenehmen Einkleidung sein. Wir wissen: Um den Menschen zu erziehen, um ihn voranzubringen, gibt man ihm Übungen, gute, manchmal schwere, damit er etwas daraus lernt. Man lässt ihn stolpern, er muss schwitzen, er muss sich anstrengen. Dadurch wächst er.
Hilfe kann also sowohl in einer schönen und guten Einkleidung sein als auch in einer anderen Einkleidung, dem Gegenteil von gut und bequem und schön. Wann fängt man an, dem Menschen sowohl auf gute Weise als auch auf nicht so gute Weise zu helfen? Dann, wenn er wirklich schon bereit ist, sich dem gegenüber zu erheben und diese Hilfe in der nützlichen Form anzunehmen. Was heißt überhaupt die Hilfe?
Der Mensch ist eine Null. Wenn er geboren wird, wenn er ein bisschen gewachsen ist, will man ihn zur Heiligkeit voranbringen, gibt man ihm ein Verlangen. Er weiß nicht wozu und warum und woher und wie. Diesem Verlangen entsprechend sucht er einen Ort, wo er dieses Verlangen erfüllen kann; auf instinktive Weise bringt ihn dieses Verlangen an einen Ort. Einen, einen zweiten, so, irgendwie klärt er; er weiß nicht wie, aber auch diese Klärungen kommen von oben. Nachdem er sich an irgendeinem Ort niederlässt und anfängt, eine Methode anzunehmen, ist die Hilfe, die man gibt, das, dass man ihm eine Last gibt, man gibt ihm Schwierigkeiten. Aus einer Schwierigkeit heraus muss er jetzt wählen, was er macht: entweder fliehen oder vorankommen. Beim Fliehen kommt er wieder zu den Leiden, die er vorher hatte. Beim Vorankommen weiß er nicht wie, und hier muss er ein bisschen mehr investieren – in Anstrengung, ins Lernen. 3:00
Bis er versteht, dass das Vorankommen dadurch geschieht, dass er um Hilfe bittet. Hier ist das Problem, worüber Rabash in zwei aufeinanderfolgenden Zeilen schreibt: dass es dem Menschen schwerfällt, und dann schreit er zum Schöpfer, und der Schöpfer hilft ihm. Wir sehen ganz mit dem Sehsinn, aus der Erfahrung, dass der Mensch sehr viele Male Verhärtung, Versagen, Enttäuschungen durchmacht, bis er endlich anfängt zu verstehen, dass er sich an den Schöpfer wenden muss und nur von dort meine Hilfe kommen wird. Und wenn er um Hilfe bittet, bekommt er sie dadurch, dass der Schöpfer sich offenbart, und er hat schon Kräfte, er kann die Hilfe rechtfertigen, die er auch von der linken Linie bekommen hat – dass er plötzlich Verhärtung des Herzens bekam, nicht gute Verlangen, nicht gute Gedanken. Er rechtfertigt auch die Hilfe, die er danach vom Schöpfer bekam, um sich über diese Gedanken zu erheben und ihnen zum Trotz vorwärtszugehen.
Und nachdem es ihm scheint, dass er schon wieder auf dem Königsweg ist, dass er über alles herrscht und versteht und so auf zwei Beinen steht, kommen ihm wieder allerlei fremde Gedanken, Ängste, Befürchtungen, Unsicherheit; wieder gibt man ihm von oben allerlei Schwierigkeiten. Und es fällt schwer, darin auch wieder Hilfe zu verstehen. Es scheint einfach das Gegenteil, er fühlt, dass es ihn vom Ziel entfernt, ihn vom Schöpfer entfernt, von der Heiligkeit, von allem. Er fällt in Depression, in Verzweiflung. Bis nach und nach trotzdem die Zeit vergeht – sie tut hier das Ihre –, der Mensch macht ein paar Anstrengungen, kommt trotzdem ab und zu zum Lernen und so weiter.
Bis die Menge der Anstrengung, die er gibt, und die Menge des Leids, das er leidet, zusammen ihn in einen Zustand bringen, in dem er Hilfe von oben bekommt, sodass er anfängt, sich über diese Schwierigkeit zu erheben und aus dem Fall aufzustehen, und danach zu sehen, dass gerade dieser Fall und diese Schwierigkeiten ihm das Vorankommen gebracht haben. 6:16
Und so jedes Mal. Hier steht geschrieben: „Denn aus Zion geht die Tora hervor." Das heißt: aus Austritten – „Zion" bedeutet ohnehin Austritt –, aus Austritten aus der Heiligkeit und der Rückkehr zur Heiligkeit, daraus geht die Tora hervor, daraus wird ein Kli aufgebaut, in dem man die Tora empfängt. Das war's. Die Hilfe, die von oben kommt, ist also beständig, sie kommt immer. Das heißt, das Höhere Licht von oben, das „der Schöpfungsgedanke, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun" genannt wird, drückt die ganze Zeit auf die Seele eines jeden Einzelnen. Aber obwohl sein Druck konstant ist, ist die Seele ihrem Aufbau nach – weil sie aus zwei entgegengesetzten Kräften aufgebaut ist, aus dem Willen zu empfangen und dem Willen zu geben…
Den Willen zu empfangen hat sie von ihrer Natur, und der Wille zu geben kommt aus dem Bruch der Gefäße, der in ihr ist – der Punkt im Herzen. Weil sie also zwei entgegengesetzte Kräfte enthält, bringt der konstante Druck des Lichts auf die Seele die Seele mal in das, was man den Zustand der „linken Linie" nennt, mal in den Zustand, der Zustand der „rechten Linie" genannt wird. Und so wächst sie auf zwei Beinen.
Das heißt, der Schöpfer sendet nur einen Druck, Höheres Licht, das in das Kli hineinkommen will und auf das Kli drückt. Aber das Kli selbst fühlt aus diesem Druck heraus quasi zwei Arten des Gebens von oben, zwei „Engel", wie man sagt, einen guten Engel und einen bösen Engel, einen guten Trieb und einen bösen Trieb, die im Grunde beide nur in dieselbe Richtung wirken.
Und es muss wirklich Glaube über dem Verstand da sein – durch das Lernen, durch die Gemeinschaft, die Freunde –, man muss den Menschen die ganze Zeit daran erinnern, dass alles, was ihm geschieht, mit ihm geschieht, um ihn herum geschieht, in der Welt im Allgemeinen und um ihn herum im Besonderen, dass das nur aus eben diesem Schöpfungsgedanken kommt, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, und in jedem Augenblick eigentlich wirkt, um ihn dem Ziel näherzubringen; und er muss nur in jedem einzelnen Augenblick die richtige Art des Gebens finden – wie es zu ihm kommt – und innerhalb dieses Gebens danach den Gebenden, den Schöpfer, entdecken. 8:55
Wenn er den Schöpfer noch nicht entdeckt, heißt das, dass er sich in der doppelten Verhüllung befindet: Ich fühle mich schlecht und das war's, mir geht es schlecht. Wenn ich mich bemühe und anfange, in diesem Schlechten zu fühlen, dass es von Ihm kommt, dann heißt das, dass ich von der doppelten Verhüllung zur einfachen Verhüllung übergehe, zur einen Verhüllung. Das heißt, ich sehe schon quasi – sehen kann man das nicht –, aber ich fühle schon, dass Er sich in diesem Schlechten befindet und mir das eigens schickt, um mich zu schütteln, um mich zu wecken, damit ich Ihn entdecke.
Nachdem der Mensch einige Male auf diese Weise entdeckt, sich bemüht, den Schöpfer zu entdecken, den Schöpfer zu rechtfertigen, den Schöpfer von der doppelten Verhüllung zur einfachen Verhüllung zu entdecken – nach einer Reihe von Malen offenbart sich ihm der Schöpfer; das heißt, er überschreitet den Machsom. Das ist eigentlich die ganze Sache. Man muss also in jedem einzelnen Zustand entdecken, dass jeder Zustand Hilfe von oben ist.
Gibt es Fragen? Ja.
10:16 Schüler: Er schreibt hier, dass Menschen, die die Dinge einfach machen, weil man sie es so gelehrt hat, im Prinzip nirgendwohin vorankommen … das ist die eine Seite, aber andererseits sehen wir, dass die Hinwendung zum Schöpfer das ist, was letztlich das Vorankommen bewirkt. Aber alles, was in all den Gebeten steht, die gewöhnliche Menschen machen, ist eigentlich eine Hinwendung zum Schöpfer.
Rav: Das heißt, die Frage ist so: Es steht geschrieben, dass die Hinwendung zum Schöpfer zum Vorankommen führt. Wir sehen viele Menschen in der Welt, die zum Schöpfer schreien, ja? Oder das ist auch in allerlei Religionen aller Art und Methoden, und ein gewöhnlicher Mensch wendet sich auf natürliche Weise vielleicht an allerlei Kräfte. Auch im Judentum haben wir Gebete, Gebetbücher, alles ist richtig geordnet, wie man sich an den Schöpfer wendet.
Was ist also der Unterschied zwischen dem, womit sie sich wenden, und dem, was die Kabbala auch von uns verlangt, oder sagt, dass wir, wenn wir uns an den Schöpfer wenden, von dort Hilfe bekommen werden? Die Sache ist einfach. Es ist nicht wichtig, wer sich wendet, der Mensch. Und es ist nicht einmal wichtig, wie er den Schöpfer nennt, oder dass er denkt, dass es einfach eine höhere Kraft ist, die das – ich weiß nicht was – ordnet, wie es über Abraham erzählt wird. Bevor der Schöpfer sich ihm offenbarte, was dachte er? Im Stein und im Baum und an allerlei Orten gibt es eine höhere Kraft – nu, wo ist sie, ich will sie entdecken. Wusste er denn genau, was das ist und wie man sich wendet? Vielmehr heißt Hinwendung zum Schöpfer eine Hinwendung aus dem Herzen, dass der Mensch etwas will. Wenn er ein Gebetbuch liest, wo Worte stehen, die man kaum versteht, und diese Worte hat jemand geschrieben, dann kann es sein, dass er etwas gemeint hat, und das war wirklich seinem Mangel entsprechend, seinem Verlangen entsprechend. Bei mir bringt das keinen Mangel hervor.
Das heißt, die Hinwendung muss aus dem Gefühl der Notwendigkeit kommen. Das heißt, ich muss genau wissen, was ich will; ich muss mehr oder weniger wissen, dass es jemanden gibt, der zuhören will, der helfen möchte, und gerade dem Problem zu helfen, das ich habe, dass er ein Herz hat, dass er zuhört, dass er bereit ist und die Fähigkeit hat, und wenn ich mich dann auf richtige Weise wende, dann wird er mir antworten. Das heißt, im Gebet müssen viele Bedingungen erfüllt sein. 13:26
All diese Bedingungen vorzubereiten, damit von mir eine richtige Hinwendung kommt, mit der ich sicher seine Antwort, seine Reaktion erwecke – das muss durch Vorbereitung kommen, eine sehr, sehr nicht einfache Vorbereitung. Und diese Vorbereitung nennt man bei uns so: „Zeit der Vorbereitung". Das war's. Das erste Verlangen, von dem aus der Mensch anfangen kann, sich an den Schöpfer zu wenden, wird „Punkt im Herzen" genannt: dass der Mensch einfach lebt wie ein Tier und plötzlich fühlt, dass ihm etwas fehlt, und das gibt es in dieser Welt nicht. Es gibt es in dieser Welt nicht – das ist schon ein Mangel, der in Zukunft auf den Schöpfer ausgerichtet sein kann. Aber der Mensch sieht und fühlt noch nicht, und was ist das, welcher Schöpfer und was – das hat bei ihm noch überhaupt keine Form bekommen.
Dieses Verlangen so vorzubereiten, dass es oben im höheren System wirklich angenommen wird und man von dort eine Reaktion bekommt – das ist unsere ganze Arbeit jetzt. In dem Moment, in dem wir das vorbereiten und es bereit ist, öffnen wir uns selbst den Himmel, bekommen von oben eine Reaktion. Und nach und nach fangen wir in der Zeit der Vorbereitung an – und das können Jahre sein –, wir fangen an zu lernen, dass der Schöpfer offenbar nicht auf jede Sache antwortet. Wirklich, nu. Ich bitte ihn jetzt, im Lotto zu gewinnen – es gibt welche, denen er antwortet, und welche, denen nicht.
Danach, das heißt, ich muss genau wissen, was mein Mangel sein muss. Denn am Anfang, als ich einen Mangel bekam, einen Punkt im Herzen, war dort keine Form. Mir geht es schlecht, ich will eine Erfüllung, ich will etwas. Was etwas? Ich weiß nicht, etwas. Dieses „Etwas", dass ich genau die richtige Form bekomme – diese Form muss ich in Wahrheit von ihm bekommen. Ich muss wissen, was er als Bitte von mir hören will, sodass er auf diese Bitte sicher antwortet.
Das ist wie ein Vater gegenüber einem Kind. Ja? Der Vater möchte, dass das Kind ihn um irgendein gutes Buch bittet, und das Kind will irgendein Spielzeug, das Buch ist ihm egal, weißt du. Da bringt der Vater in allerlei Situationen, die er so – Umstände, die er um das Kind herum arrangiert –, dem Kind nach und nach bei, was das richtige Verlangen zu seinem Wohl sein soll, auf das gerade, nur auf das es vom Vater eine Antwort bekommen und das Geschenk erhalten wird. Das Kind will das nicht und will nicht und so und so und macht allerlei Tricks, und nach und nach bringt der Vater es ihm mit Bonbons und mit Schlägen trotzdem bei: Mein Lieber, das ist das Verlangen, das du haben solltest. In dem Moment, in dem der Sohn dieses Verlangen hat, gibt der Vater ihm sofort dieses Geschenk.
Also ist sicher unser Verlangen, mit dem wir in die Spiritualität eintreten, das heißt das Geschenk bekommen, ganz eine solche Form – vielleicht der Punkt im Herzen –, eine solche Form, die wir am Anfang überhaupt nicht für nötig hielten und nicht wollten, und es war wirklich das Gegenteil. Da braucht man sehr, sehr viele Jahre, um wirklich zu verstehen, zu fühlen, dass dieses Verlangen wirklich von innen nach und nach eine richtige Form bekommt. 17:32
Denn in der Spiritualität gibt es ein Gesetz: die Angleichung der Form. Wenn ich genau das will, was er geben will, dann bekomme ich. Ganz einfach. Wenn nicht, soweit es zwischen uns noch eine Abweichung gibt zwischen meinem Willen zu empfangen und seinem Willen zu geben, erzeugt der Abstand zwischen dem einen und dem anderen in mir Leiden. Das ist alles.
Jetzt kommt Folgendes heraus: Soweit ich näher zum Schöpfer vorankomme, sodass gleich mein Wille zu bitten und sein Wille zu geben identisch dasselbe sein werden, müssten quasi die Leiden in mir kleiner werden. Denn wir sind fast dasselbe, fast und gleich … Nein. Die Leiden werden nicht kleiner, weil der Mensch anfängt, den Abstand zu unterscheiden …, wie unter einer Lupe sieht er jedes Mal mehr und mehr und mehr, in wie kleinen Einzelheiten doch, in den Nuancen innerhalb seines Verlangens, er nicht gleich ist mit dem Höheren Verlangen.
Deshalb löschen wir die Leiden nicht aus, wir gehen von äußeren Leiden zu inneren Leiden über, zu den „Leiden der Liebe", wie man sagt, aber sie werden trotzdem wirklich größer. Diese kleinen Unterscheidungen fangen an, sehr wichtig zu werden, es ist mir teuer, und dann beruhige ich mich nicht, ich gehe trotzdem vorwärts. Das nennt man, dass der Heilige, gesegnet sei Er, es mit den Gerechten haargenau nimmt. Das heißt, das ist ein sehr wichtiger Punkt: Wenn du quasi von der Seite hinschaust – was, gerade diese Wichtigkeit hilft. Das ist wie bei der Navigation, verstehst du, dass ich irgendein Ziel treffen muss. Inzwischen ist es also so: einfach Norden, danach genauer, noch genauer, noch genauer, noch genauer, bis man wirklich genau in den Punkt trifft. So ist das hier noch.
Noch etwas? Ja.
20:04 Schüler: Das Gebet, das richtige Verlangen – schließt es mehrere ein …?
Rav: Gebet heißt – jetzt im Licht dessen, was wir gesprochen haben –, Gebet heißt nur ein Verlangen, auf das man eine Antwort erhält, das war's. Sonst ist es kein Gebet, sonst schreist du einfach irgendwie … zu wem, wozu? Nu, du schreist.
Schüler: …
Rav: Aber andererseits steht geschrieben, dass „der Heilige, gesegnet sei Er, das Gebet jedes Mundes hört". Sogar ein Tier, das „muuuh" – ja, das ist auch ein Gebet. Was heißt Gebet? Jedes Verlangen – woran leidet denn dieses Verlangen? Daran, dass es nicht erfüllt ist. Die Erfüllung kommt trotzdem – sowohl für das Tier als auch für den Menschen als auch für alles, egal welcher Mangel – nur vom Schöpfer.
Also steigen trotzdem all diese Gebete gewissermaßen zu ein und derselben Quelle auf. Nur das Problem ist, dass ein Tier durchaus seinem Gebet entsprechend empfangen kann, denn das ist von der Natur her: Es ist mit dem Schöpfer verbunden, und es gibt nichts, was zwischen ihnen trennt; das ist wie ein Engel, wie man sagt, das ist wirklich dasselbe System wie der Schöpfer, Verlangen und Genuss. Und was das Tier dort betrifft – überhaupt: Was die ganze Welt außer dem Menschen leidet, leiden sie nur wegen des Menschen. Das werden wir mal lernen. Sonst müssten sie – das ganze Unbelebte, Pflanzliche und Tierische – wirklich in Ruhe und Genuss leben und … nur wegen des Menschen haben sie einen Abstieg.
Aber der Mensch muss das Gebet klären. Es reicht ihm nicht, dass er „muuh" macht und … er muss zur Reife und zum wahren Gebet kommen. Damit er weiß, von wem er bittet und was er bittet.
22:08 Schüler: …
Rav: Außer dem, außer diesen Klärungen gibt es nichts. Alle Stufen von hier bis zur Unendlichkeit, bis zur Endkorrektur, das sind Klärungen am Verlangen. In mir erwacht noch ein Verlangen und noch ein Verlangen und noch ein Verlangen, Reshimot, mehr und mehr und mehr, und jedem Reshimo muss ich die richtige Form anlegen, wie ich mich damit an den Schöpfer wende; dadurch steige ich von Stufe zu Stufe auf. Die Form am Verlangen, die ich bekomme, das nennt man die Stufe selbst.
Sagen wir, ich habe zehn Kilo irgendeinen Ton bekommen. Aus diesen zehn Kilo Ton muss ich irgendeine Form machen, sagen wir die eines Pferdes; ich habe das gemacht und korrigiert. Wenn ich jetzt fünfzehn Kilo Ton bekommen habe, muss ich daraus einen Elefanten machen. Das heißt, der Mensch bekommt jedes Mal ein Verlangen, an diesem Verlangen muss er dann Korrekturen machen, und dann fühlt er innerhalb dieses korrigierten Verlangens eine Welt, eine bestimmte Stufe, bis er alle Korrekturen abschließt. Das nennt man, dass er die Leiter der Stufen innerhalb der Welten hinaufsteigt, fünf Welten.
Ja.
23:34 Schüler: So wie ich das verstanden habe, geschieht das alles, das Gebet und die Klärungen, nur in der linken Linie. Richtig?
Rav: Das ganze Gebet und alle Klärungen geschehen in der linken Linie? In der linken Linie kann man gar nichts klären. Eine Klärung ist gerade Licht über Dunkelheit, Weiß über Schwarz. Wie kann es eine Klärung nur in der linken Linie geben? Das heißt, die linke Linie, das sind die Verlangen, die im Menschen nach und nach erwachen, in dem Maße, in dem er mit ihnen umgehen und sie klären kann. In mir ist die ganze Malchut der Unendlichkeit, sie ist vor mir hinter 125 Massachim verborgen. Das heißt, ich bin von der Malchut der Unendlichkeit durch 125 Stufen bis zu dieser Welt herabgestiegen.
Was heißt nun aufzusteigen? Irgendeinen Massach abzunehmen, das allerkleinste Verlangen zu bekommen und anzufangen, es zu korrigieren. Wenn ich es korrigiere, heißt das, dass ich zu dieser ersten Stufe aufgestiegen bin. Und so weiter. Wodurch korrigiere ich also? Durch die rechte Linie. Die linke Linie ist nur Verlangen, die rechte Linie ist die Form des Gebens des Schöpfers; wenn ich ein Beispiel von der Form des Gebens des Schöpfers an mich nehme und dieselbe Form mit meinem Willen zu empfangen mache, dann habe ich genau meine Ähnlichkeit hergestellt, das Maß meiner Übereinstimmung mit dem Schöpfer. Wie er zu mir, so ich zu ihm, und dann heißt es, dass wir auf dieser ersten Stufe schon verschmolzen sind. Danach eine zweite, dritte und so weiter.
Das heißt, Klärung und Korrektur kann es nur durch Licht gegenüber dem Kli geben. Das ist nicht in der linken Linie, daran müssen zwei Linien teilnehmen. Als Ergebnis gibt es eine mittlere Linie.
25:37 Schüler: Vor dem Machsom – welcher Zustand ist im Laufe des Tages am nützlichsten, welcher Zustand, bei dem wir fühlen, dass er am nützlichsten ist?
Rav: Man kann nicht sagen, welcher Zustand für das Vorankommen am nützlichsten ist. Jeder Zustand ist am nützlichsten, wenn der Mensch ihn auf die nützlichste Weise verwendet. Es ist nicht wichtig; das kann ein Zustand sein, so eine Langeweile und nichts und alles, aber ich fange an, aus ihm solche kleinen, grauen Dinge herauszuholen, und meine Anstrengung ist quasi gar nichts wert und bringt mir keine Früchte, aber ich strenge mich an, und vielleicht fühle ich in meinem Gefühl fast nicht, dass ich überhaupt etwas wirke und etwas mache. Aber gemessen an dem, was ich bekomme, ist der Prozess sehr groß.
Wir können auch nicht nach unseren Gefühlen und nach Ergebnissen, die fürs Auge sichtbar sind, sagen, dass dieser Zustand nützlicher ist als der andere. Wir können es nicht. Das prüft man alles nach der Einstellung des Menschen. Das heißt, das Ergebnis – nach dem Ergebnis kann man nichts bestimmen. Dem Ergebnis nach kann man dir wirklich solche Zustände machen, dass du genießt und siehst und fühlst, und es beruhigt dich, und es bringt dich nicht voran, und du bist einfach quasi auf irgendeinem Trip, sagen wir, und was nützt es. Im Gefühl ja, im Vorankommen fast nicht.
Es gibt solche Zustände, und das ist dazu da, den Menschen straucheln zu lassen, ihn zu lehren, wie sehr er den Genüssen verfallen ist. Das sind keine Drogen; spirituelle Genüsse sind Ewigkeit, du … was heißt Ewigkeit in der Klipa: dass du nicht aus ihnen heraus willst – „sollen sie mich umbringen", nein.
Ja.
Schüler: Quasi dass der Mensch von der einfachen Verhüllung zur doppelten Verhüllung viele Male übergehen muss und auch …
Rav: Nein, nein, nicht von der einfachen Verhüllung zur doppelten Verhüllung; der Mensch muss von der doppelten Verhüllung zur einfachen Verhüllung übergehen.
Schüler: Und dann gibt es das mehrere Male …
Rav: Und das … ja, das ist in der Zeit der Vorbereitung. Zeit der Vorbereitung heißt, bis man in die spirituelle Welt eintritt; da durchlaufen wir die doppelte Verhüllung, danach die einfache Verhüllung, und schon danach überschreitet man den Machsom und tritt in die Offenbarung ein. Man lässt den Menschen also dadurch straucheln, dass man ihm die doppelte Verhüllung gibt; er muss mit seiner Anstrengung mit allerlei Mitteln den Schöpfer als Ursache für seinen Zustand finden, und wenn er dann fühlt, dass es hier einen Schöpfer gibt und sich mit ihm verbinden will, dann heißt das, dass er zur einfachen Verhüllung kommt.
Schüler: Vielleicht haben Sie nicht verstanden; ich habe verstanden, dass er das eigentlich viele Male durchlaufen muss.
Rav: Viele Male muss er das durchlaufen. Wie oft, können wir nicht sagen, und ein Mensch kann das auch nicht zählen; wir stehen nicht mit der Stoppuhr da, weißt du, tick tick tick tick, und zählen mit dem Zähler. Aber in dem Moment, in dem der Mensch abschließt, was er aus der Wurzel seiner Seele abschließen muss, so viel er von diesen Dingen zu klären hat, tritt er in die Spiritualität ein. Beim einen können das sagen wir hunderttausend sein, beim anderen sagen wir zwanzigtausend Mal. Das sind keine Zahlen, das sage ich einfach so, das … und das kann niemand im Voraus wissen, bis zum letzten Moment; bis er die letzte Klärung abschließt, weiß man es nicht. Das ist die letzte, aber davor gibt es noch eine Million.
29:52 Schüler: … Hier ist meine Frage: Wenn ich darüber im Voraus lerne, jedes Mal, sobald mir sagen wir irgendein Gedanke kommt, dann kann ich eigentlich – dieser Übergang wird dann nie geschehen. Ich lerne darüber im Voraus, ich bereite mich darauf vor, dass es geschehen wird, und dann, irgendwo, wenn mir irgendein Gedanke kommt, dass es sagen wir keinen Schöpfer gibt und nichts und nichts, dann habe ich sofort die Antwort darauf, dadurch dass ich lerne und mich vorbereite.
Rav: Du sprichst aus der Klugheit heraus: wie ich in dem Moment, in dem irgendein Zustand zu mir kommt, klug sein und den Zustand beherrschen werde und so.
30:19 Schüler: Nein, ich sage: Während ich lerne, verhindere ich vielleicht eigentlich, dass es geschieht.
Rav: Nein. Dadurch, dass der Mensch lernt und vor allem in die Gemeinschaft, in die Gruppe eintritt, bereitet er sich dadurch Unterstützer vor. Verstehst du? Das heißt Kräfte, Mittel, die ihm Probleme, Schwierigkeiten geben können, was eigentlich einerseits Hilfe ist, aber so kommt es. Aber wenn ein Mensch nicht wirklich drinnen in diesem Topf ist, nicht darin gekocht wird, dann gibt man ihm keine Schwierigkeiten, er fühlt sich bequem, fühlt sich gut.
Er kommt zum Unterricht – ah, das ist so und das ist so –, sieht die Zeichnungen, zu lernen lernt er Weisheit, aber die Schwierigkeiten wird man ihm nicht geben, weil es niemanden gibt, dem man sie geben kann: schwach, klein. Was kann man ihm geben? Man gibt nichts. Gibt man ihm irgendeine kleine Schwierigkeit, bleibt er schon zu Hause – nu, was soll man ihm dann mehr geben?
Das heißt, es gibt hier keine Wahl, sondern der Mensch muss … je mehr du dich vorbereitest, desto mehr Arbeit, mehr Schwierigkeiten gibt man dir von oben, damit du die Zeit der Vorbereitung schnell durchläufst. Das ist es, was Baal HaSulam schreibt: dass man nicht … in der Zeit der Vorbereitung darf man nicht anhalten, sondern so viel wie möglich investieren, worin? In alles, so viel du kannst. Hast du Verstand, wie man das macht, oder nicht – nicht wichtig. So viel wie möglich, denn solange du diese Zeit nicht abschließt, kommt für dich nichts dabei heraus.
Und hier sind all die Probleme. Tausend treten in den Raum ein, und einer kommt als Lehrer heraus. Hier fallen 999 von je tausend ab, dadurch, dass sie sich einfach nicht bemühen, Kräfte zu erwerben, die ihnen mehr Misserfolge, Schwierigkeiten, Enttäuschungen geben. Das war's. Sondern man gab ein bisschen etwas, nur das nicht – und er flieht. Er flieht, was soll man also machen? Dann setz dich hin, wachse noch ein paar Inkarnationen, danach sehen wir weiter. Das war's. Bis trotzdem beim nächsten Mal ein Wille zu empfangen da ist – er wächst trotzdem auf natürliche Weise –, dann wächst er auf grausamere Weise zur Spiritualität hin, auf stärkere Weise, sodass er dann sieht, dass er vorankommen muss, es gibt keine Wahl.
Und so ist es von Generation zu Generation. Warum hast du vor einigen Generationen nicht am Buch der Kabbala gesessen? So ist das. Also gibt es welche, die jetzt weggehen, auch für noch ein paar Generationen, also … so ist das.
Ja.
33:18 Schüler: Eine Frage: Wir sprechen hier die ganze Zeit über die Gemeinschaft, wie wichtig das ist, um den Menschen in der Arbeit zu halten.
Rav: Wir sehen einfach – auch abgesehen davon, dass sie es schreiben – wir entdecken auch an uns selbst, dass das leichteste, das nützlichste Vorankommen daher kommt, dass du an einem Ort bist, wo man dir einfach das Gehirn wäscht und dich stärkt und dich erweckt und dich an diese Dinge erinnert, und so wirst du gekocht, da kann man nichts machen.
Zwar kommt jeder, der kommt, als Persönlichkeit, denn er fühlt einen Punkt im Herzen, er fühlt sich als der Einzige. Das kommt uns vom Schöpfer, denn das ist ein Punkt, ein Teil des Göttlichen von oben, also fühlt jeder: Ich bin noch mehr. Aber wenn man hierherkommt, wird dieses Ich nach und nach ausgelöscht. Wenn nicht – armer Mensch –, dann wächst er einfach nicht. Das war's; wenn er … wenn seine Persönlichkeit, seine Individualität sich nicht der Menge, dem Kollektiv beugt, dann … dann bleibt er nur mit diesem Punkt.
Wer wirklich wächst, fühlt sich niedriger als alle und ist bereit, sich einzuschließen, bereit, sich einzuschließen, und will sich mit allen einschließen; er fängt an zu fühlen, wie sehr Verlangen, Teile seiner Seele, wirklich in jedem Einzelnen um ihn herum sind. Das heißt, das ist eine der Prüfungen, an denen ein Mensch an sich selbst sehen kann, ob er sich wirklich verbessert oder nicht. Nun gibt es dabei quasi Menschen, denen es leichter fällt, sich zu verbinden, so ihrem Charakter nach; sie sind bereit, jeden Einzelnen zu umarmen. Es gibt welche, bei denen es schon abschreckt, einem anderen die Hand zu geben; es gibt alle möglichen, aber hier hängt das – wenn wir wirklich vom inneren Punkt sprechen – nur von der Erkenntnis des Schöpfers ab. Soweit ihm wirklich ein umgebendes Licht leuchtet und er fühlt, dass er sonst nicht ankommt, sich dem Ziel nicht nähert. Ja.
Deshalb gibt es sehr kluge Menschen, die uns schon verlassen haben oder hier sitzen, und wenn man nicht arbeitet, gibt es keine Abhilfe.
Ja.
36:24 Schüler: Letztlich sagen wir, dass ich fühle, dass Teile meiner Seele in all meinen Freunden verstreut sind. Wie kann mich das in einen Zustand der Annullierung vor dem Freund bringen? Das bin ja eigentlich auch ich; im Gegenteil, ich muss mich nicht gegenüber anderen Teilen annullieren , die ...
Rav: Annullierung, Annullierung gegenüber dem Freund – du fühlst, du fühlst, dass das das Einzige ist, was dir helfen kann, von ihm Unterscheidungen, Gefäße, Verlangen, Unterstützung, Hilfe zu bekommen.
Schüler: Aber warum?
Rav: Warum? Daraus, dass du in dem Licht, das zu dir kommt, gesehen hast, wie schwach und am schlimmsten und am niedrigsten von allen du bist. Und du suchst hilflos, woran du dich stützen kannst.
Schüler: Aus meiner Notwendigkeit, daraus, dass ich verstehe, dass ich ihn brauche, um voranzukommen?
Rav: Nur aus Notwendigkeit macht man das; alles braucht zuerst ein Kli, sodass aus diesem Kli die Notwendigkeit kommt, der Antrieb kommt. Was heißt das, wieso sollte ich mich mit jemandem verbinden, wieso sollte ich all diese Dinge wollen? Wer zum ersten Mal hierherkommt – und wenn man mit ihnen über solche Dinge spricht, stößt sie das ab. Was, will man hier irgendeinen Klub machen? Was will man, irgendeinen Kibbuz? Was, was, wofür und warum?
Das ist nur dem Gefühl der Notwendigkeit nach, und das kommt über Jahre. Es ist nicht einfach, aber ein Mensch, der fühlt, dass er nicht vorankommt, und aus seiner Anstrengung heraus anfängt zu fühlen, dass er empfängt, anfängt zu verstehen, wo er sich befindet – dann ist es schon kein Problem mehr. Ich sage dir: Wenn du würdig wirst, groß zu sein, dann wirst du fühlen, wie sehr jeder, der mit dem Verlangen des kleinen Punktes kommt, dir durch sein Verlangen eine Menge neuer Unterscheidungen geben kann, sodass du groß wirst. So ist das.
Nu. Ja.
38:37 Schüler: Woran weiß ein Mensch, dass er die richtige Vorbereitung macht, und was ist die Vorbereitung?
Rav: Die richtige Vorbereitung, habe ich gesagt – vielleicht kann man sagen –, ist das Streben, den Schöpfer als Ursache für jeden meiner Zustände zu entdecken. Ihn in jedem einzelnen Zustand zu suchen, in dem ich bin – das heißt, dass ich richtig handle, dass ich mich wirklich auf ihn hin vorbereite. Ich verpflichte ihn dadurch quasi, sich zu offenbaren, und er gibt mir Schwierigkeiten, damit ich ihn trotz der Schwierigkeiten entdecken will. Das ist wie das: dass man auf den Berg klettert, und Wächter, Polizisten werfen, und sie wollen trotzdem den König entdecken und zu seinem Palast kommen, ja, zu seinem Gemach. Das ist dasselbe. Also nur nach der Richtung meines Suchens, was ich von jeder Situation will, in der ich mich befinde.
Schüler: Ist es ein richtiges Maß, ob ein Mensch die richtige Vorbereitung macht, wenn sich ihm jedes Mal Zustände offenbaren, auf die er nicht vorbereitet ist? Ist das ein richtiges Maß für den Menschen, dass man ihm, soweit er die richtige Vorbereitung macht, jedes Mal von oben Zustände offenbart …
Rav: Nein. Ein Mensch kann nicht sagen … es kann sein, dass ich alles richtig gemacht habe und meinen Verbindungspunkt mit dem Schöpfer entdeckt habe, und ich fühle ihn wirklich, dass er mir diese Dinge herumdreht und er mir dieses Schlechte herbeigeführt hat, und dass ich in Angst und in Furcht und in Unsicherheit bin, und durch das fühle ich ihn und halte mich an ihm fest. Jetzt, dieser Punkt, an dem ich mich an ihm festhalte – ich habe ihn in meinem Gefühl erfasst, dass er es ist. Jetzt ist die Frage, warum ich mich an ihm festhalten will. Wegen der Furcht und Sicherheit und Unsicherheit, die ich dann nicht fühle und mit der ich mich nur ein bisschen ausruhen kann? Oder sollen ich Furcht und Sicherheit haben – das ist mein Problem –, aber das Gute daran, dass ich mich an ihm festhalte: dann soll es mehr Furcht und Sicherheit geben, vielleicht halte ich mich dann noch mehr an ihm fest. Hier ist der Kampf des Menschen, was er vom Verbindungspunkt will, und darin gibt es viele innere Unterscheidungen.
Hast du dazu etwas zu fragen?
41:23 Schüler: Nicht dazu.
Rav: Nein, dazu – in Ordnung, dann warte. Ja.
Schüler: Gibt es einen Unterschied zwischen Klärung und Kritik, und ob wir als Gruppe eine Klärung machen können, bevor wir …?
Rav: Die Gruppe kann für jeden Einzelnen Kritik und Klärung und Korrektur machen. Das nennt man, für das Wohl seines Freundes zu beten. Was ist Schalom? Schalom ist Vollkommenheit; ein Kranker, das heißt, dass er einen Mangel an Vollkommenheit hat, egal worin – das kann mental, seelisch, gesundheitlich, körperlich sein, egal was. Das ist ja dasselbe: Es offenbart sich ein Mangel, den man korrigieren muss. Die Gruppe kann wie ein einziger Körper an der Vollkommenheit arbeiten, an der Vervollständigung des Zustands.
Schüler: Und wenn man die rechte Linie nicht hält – du hast ja gesagt, welche Klärung kann es dann geben? Wenn du noch keine rechte Linie hast, und in so einem Zustand …
Rav: Ich habe nicht verstanden.
Schüler: Wenn wir die rechte Linie noch nicht halten.
Rav: Nicht halten? Was heißt die rechte Linie nicht halten?
Schüler: Es gibt noch gar kein Ende einer rechten Linie, und wir fangen an …
Rav: Nein, nein, nein, nein, was heißt, es gibt kein Ende einer rechten Linie? Es gibt keine Linke ohne Rechte. Man gibt dem Menschen keine Schwierigkeiten, wenn er nicht dem gegenüber bereit ist, sich über sie zu erheben und sie auf richtige Weise zu verarbeiten.
42:53 Schüler: Also wenn man sie gegeben hat, ist das ein Zeichen, dass es nötig ist.
Rav: Also wenn man sie gegeben hat, ist das ein Zeichen, dass … Von oben lässt man niemals straucheln. Man steigt in der Heiligkeit auf und steigt in der Heiligkeit nicht ab, das ist ein Gesetz. Aber entweder durch Tora oder durch Leiden – „ich werde es beschleunigen" oder „zu seiner Zeit". Aber man steigt nur in der Heiligkeit auf; es kann nicht sein, dass man dem Menschen einen Misserfolg gibt, einfach so einen Zustand, in dem er versagt, und fertig. Daraus muss immer etwas werden; vielleicht nicht jetzt, vielleicht sieht er in einem Jahr, welchen Nutzen er davon hat, denn wir wirken ja trotzdem auf der Achse der Zeit. Aber sicher kommt jede einzelne Handlung von oben nur, um näherzubringen. Das …
Das ist das ganze … Was wir vor allem brauchen, ist, eine Einstellung dazu festzulegen, dass es so ist. Das über dem Verstand anzunehmen, dass es so ist. Jetzt: wo ist es so, wo werde ich suchen, dass es stimmt? Und man fängt an zu arbeiten. Gut.
Ja …
44:08 Schüler: Du hast in Bezug auf die Annullierung der Individualität des Menschen gesprochen – was heißt das? Heißt das, dass alles, was in mir ist, alles Besondere, das in mir ist, oder nicht Besondere, egal, all diese Dinge, die mir eigentlich der Schöpfer gegeben hat, all das ist eigentlich mein Aufbau – soll ich mich ganz kastrieren, erwürgen, töten und erstechen und umbringen? Oder ist eigentlich das …
Rav: Der Mensch, der zu uns kommt, um zu lernen – er kommt überhaupt zu uns; er kommt nicht, um zu lernen, er kommt und denkt, dass er sich hier erfüllen kann. Der Punkt im Herzen bringt ihn auf dieses Feld der Kräfte, bringt seinen Körper; der Punkt im Herzen bringt ihn so, diesen Körper, dass er hier sitzt. Auch wenn es dem Körper nicht bequem ist, wie bei uns, aber man kommt hierher, weil das hier der Ort ist, an dem wir diesen Punkt offenbar erfüllen können. Denn obwohl es ein Punkt ist, ist er der höchste von allen Verlangen, also herrscht er jetzt über mich, was soll man machen?
Dieser Punkt ist besonders. Jeder Einzelne hat seinen eigenen Punkt. Jeder Einzelne ist aus einem anderen Teil im Körper des Adam haRishon, ja? Das war's. Also fühlt sich jeder Einzelne als eine Persönlichkeit, wie es keine zweite gibt, und das stimmt wirklich, es gibt keine zweite; keiner gleicht dem anderen nach der Zusammensetzung der Eigenschaften, Kräfte – nein.
Was geschieht danach mit ihm, mit dem Menschen? Er fängt an zu entdecken, dass außer diesem Punkt, den er hat, in all den übrigen Seelen, Körpern – sagen wir Körper –, er sieht, dass dort gewissermaßen ein Teil von ihm ist. Das fühlt ihr noch nicht, oder gleich werden ein paar von euch es fühlen. Und danach die übrigen; soweit welche es ein bisschen fühlen, werden sie auch den anderen helfen, obwohl man nicht weiß, wie das geschieht, aber so geschieht es, das war's.
Ihr werdet anfangen zu fühlen, dass jeder Einzelne anfängt, teuer zu werden, dass ich wirklich in ihm irgendeinen Teil von mir sehe – das ist nicht, weil er ein Freund ist, ich leide hier mit ihm zusammen, wie in irgendeiner Kommandoeinheit, verstehst du, wir sind zusammen aus demselben Dorf, ich weiß nicht, irgendetwas hier – nichts dergleichen. Sondern ich sehe in ihm einfach einen Teil, der mir gehört. Und das … das bringt mich also schon zur Gleichheit, zumindest zur Gleichheit. Denn wenn in ihm ein Teil von mir ist, dann ist es entschieden: Ich meine aus meinem Ego heraus nur diesen Teil, nicht den Menschen selbst quasi, nur diesen Teil. Ich schaue ihn an, ich schaue nicht auf seine Gestalt und auf gar nichts an ihm; in ihm ist etwas, das mir teuer ist. Und das fängt an, auf die natürlichste Weise so zu sein. 47:18
Und das ohne jeden Zusammenhang mit allerlei Dingen, die zu dieser Welt gehören. Du hörst einfach auf, den Menschen zu sehen, du fühlst ihn nicht, seinen Körper, sein Gesicht, seinen Charakter, gar nichts. Du siehst wirklich diesen Teil, der in ihm ist. Und dann bringt dich das zur Unterwerfung, denn du bist eigentlich schon von diesem T… von ihm abhängig, in dem das ist.
Von hier kommt also das Streben nach Verbindung, aber auf andere Weise, nicht so, dass ich mit ihm sitzen und reden und essen muss und was – das sind auch äußere Dinge. Aber hier kommt ein Antrieb, innerlich verbunden zu sein. Und dann verliert der Mensch quasi – das ist es, was ich gesagt habe – seine Individualität, seine Persönlichkeit; er verliert sie nicht, aber er fühlt quasi, dass er selbst in allen Seelen der Welt verstreut ist. Und ihm bleibt nichts anderes übrig, als wirklich mit ihnen zusammen verbunden zu sein.
Danach fängt er an zu fühlen, dass es keine Rolle spielt, ob diese Menschen körperlich leben oder tot sind; er fühlt eine Verbindung zwischen Seelen und Seelen, nu, so. Aber dadurch, dass er anfängt, sich als allgemeine Seele zu sehen – ich würde nicht sagen, dass er seine Individualität eigentlich verliert; gegenüber dem vorherigen Zustand, in dem er wie eine Spitze war, sicher schon, aber er erwirbt dadurch ein Kli der Schechina, ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, einfach …
Schüler: Ich habe einfach gedacht, dass Sie irgendeine Handlung des Zwangs gegen mich selbst gemeint haben?
Rav: Nein, nein, nein, welcher Zwang? Das kommt auf natürliche Weise; der Mensch bestimmt in der Spiritualität überhaupt nichts, er weiß nicht, welche nächste Form er bekommen muss. Ich gehe jetzt nicht hin und mache irgendeine Handlung, durch die ich gut sein werde, jetzt durch eine andere Handlung werde ich ein Held sein – so etwas gibt es nicht. Wir bemühen uns jedes Mal in allerlei Dingen, wir kennen auch nicht die Form unserer Bemühung, und was sich in uns von oben offenbart, wie man aus uns irgendeine Struktur, Form baut, wie eine Gestalt – wir wissen nicht, was genau jetzt gebaut werden muss, welche Hand oder welches Bein oder irgendetwas in der Seele, überhaupt nicht; erst danach entdecken wir, welche Veränderungen vorgenommen wurden.
Gut.
(Ende des Unterrichts)