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Morgenunterricht 02.10.2002
Buch „Schriften des Rabash", Band 1 Artikel „Was ist die Handlung im Menschen, die dem Schöpfer zugeschrieben wird"
Rav: Wir haben den Artikel gehört: „Was ist die Handlung im Menschen, die dem Schöpfer zugeschrieben wird".
Schüler: Zweiter Teil des Artikels.
Rav: Zweiter Teil des Artikels. Ab Seite 61. Das ist insgesamt ein Artikel aus Band 3 von „Shlavej haSulam", Seite 54, Wochenabschnitt Dwarim, Ekew.
Es gibt trotz allem etwas zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf, irgendeine Tat, irgendeine Handlung, die man dem Menschen zuschreiben kann — und die heißt „Furcht". Wenn der Mensch diese Furcht erwirbt, bekommt er alles Übrige von oben. Und darüber hinaus ist von oben alles bereit und steht wirklich schon da, um sich über ihn auszugießen, über den Menschen. Aber nur in dem Maß, in dem er Furcht hat, ergießt sich das über ihn: Fülle, Vollkommenheit, Ewigkeit, alles Gute und Genuss — alles, was geplant und bereit ist und auf ihn wartet. Es fehlt nur das Kli, und das heißt „Furcht".
Dieses Kli nennt der Rabash „Segen": Durch den Segen kommt die Fülle von oben — Or Choser, Massach. Und dem gegenüber steht, sagt er, die Sitra Achra. Wirklich, die Arbeit mit der Sitra Achra ist eine sehr interessante Arbeit. Die Sitra Achra ist nicht daran interessiert, einfach zu empfangen, das ist nicht ihre Wurzel. Einfach empfangen — das ist der Wille, den der Schöpfer erschaffen hat. Die Natur der Sitra Achra… und dem gegenüber ebenso in der Kedusha, denn „das eine gegenüber dem anderen", es gibt immer solche Eigenschaften. Aber ihre Natur ist es zu stehlen; man hat Genuss am Diebstahl. Ich habe das oft gesehen — ich habe an allen möglichen Orten gearbeitet: Ein Mensch nimmt extra von zu Hause irgendeine Arbeit mit, um sie während der Arbeitszeit zu machen.
Er hat doppelten Genuss: Er arbeitet nicht, und das während der Arbeitszeit — ich sehe, man versteht mich —, und in dieser Zeit macht man etwas anderes, das gibt dem Ganzen zusätzlichen Geschmack, ja? „Gestohlene Wasser sind süß." Warum? Es ist doch Wasser, was hast du…? Nein — weil du es aus einem Bereich in einen anderen Bereich hinüberträgst, hast du daran einen zusätzlichen Genuss. Es gibt so einen Witz: Irgendeine italienische Prinzessin sitzt auf dem Balkon und isst Eis und sagt: Schade, dass das keine Sünde ist. Wäre es auch noch eine Sünde, dann wäre der Genuss um ein Vielfaches größer. [3:16]
Wir sehen also: Die Sache des Diebstahls ist eine ganz besondere Sache, es ist ein Übertragen aus einem Bereich in den anderen. Und das kommt aus einer höheren Wurzel: Es gab das Zerbrechen der Gefäße, und die Kelim gingen ineinander über. Deshalb ist die Arbeit doppelt — aus dem einen Bereich herausgehen und in den zweiten Bereich hineinbringen. Und gerade daraus entsteht ein Zuwachs an Fülle, und genau diese Fülle muss das Geschöpf offenbaren. Das heißt: Wenn ich einfach in mein gewöhnliches Kli empfange, dann ist das, was hineinkommt, das Licht Nefesh. Wenn ich aber aus einem Bereich in den anderen herausbringe, mit Kraft dagegen arbeite, dann entsteht daraus eine Vermehrung der Lichter, ich komme zu lebendigem Wasser.
Das ist die Sache zwischen dem Räuber und dem, der stiehlt und nimmt, und darin steckt vieles. So wie die Sitra Achra gerade daran Genuss hat, die Kedusha „auszupressen", so heißt das, so gibt es ebenso eine Mizwa; in der Tora steht: „Es ist eine Mizwa, von einem Nichtjuden zu stehlen." Sehr merkwürdig, dass das so geschrieben steht — wenn du das jemandem sagst, wie kann man das wirklich auslegen? „Es ist eine Mizwa, von einem Nichtjuden zu stehlen" heißt: Du überträgst aus einem Bereich in den anderen. Das heißt, es funktioniert in beide Richtungen, von beiden Seiten — weil es das Zerbrechen der Gefäße gab und die einen mit den anderen vermischt sind. So ist das.
Und man kann so sagen: Daraus wurde die Absicht geboren. Die Absicht wurde geboren, dass nicht ich einfach etwas in dieses Kli hinein empfangen will, sondern dass wichtig ist, wie ich es empfange, auf welche Weise ich übertrage, empfange, herausnehme und das heranziehe, was ich in meinem Kli haben will. Wenn das wirklich auf Kosten dessen geschieht, dass ich es von der anderen Seite herausnehme, von der anderen Seite — also auf Kosten des anderen, auf Kosten der Sitra Achra, wenn man von dort zieht —, dann ist darin Kedusha. Wenn ich es einfach so füllen wollte, dann ist das nicht einmal Sitra Achra, das ist im Rahmen dieser Welt; das heißt noch nicht Kedusha. [6:10]
Das heißt: Diese beiden Systeme müssen existieren, Kedusha und Klipa, damit gerade im Gegensatz zueinander jedes von ihnen seine Spiritualität gewinnt. Denn wenn wir die Lichter erlangen würden, ohne sie aus der Sitra Achra herauszuholen, dann wären es kleine Lichter — NaRaNCHaY de Nefesh.² Und weil man sie aus dem Bereich der Unreinheit herausholt und mit Kraft in die Kedusha hinüberträgt, sind in ihnen schon NaRaNCHaY de NaRaNCHaY. Das ist die Sache des Diebstahls, eine sehr große Sache in der Spiritualität. Der Sünde gegenüber also: Die Sünde hat die Gelegenheit gegeben, in NaRaNCHaY der Unreinheit einzutreten, und dann gibt es die Gelegenheit, von dort herauszuholen und NaRaNCHaY de Kedusha zu erlangen. Das war's.
Daraus kann man verstehen, was die Handlung ist, die… Der Rabash sagt: „Was ist die Handlung im Menschen auf dem Weg der Arbeit, die man dem Schöpfer zuschreibt" — und was schreibt man dem Menschen zu. Die Absicht des Menschen, dem Schöpfer zu geben, trotz des Kampfes mit der Sitra Achra — das ist eigentlich die Handlung. Das heißt: Um die Eigenschaft des Gebens zu erkennen, muss man dem gegenüber die Kräfte, die fallen, sehr gut kennen. Und dann baut der Mensch durch sie sein Geben auf, in dem Maß, in dem er ihnen die Fähigkeit zu geben entnimmt. Das heißt, dieser doppelte Gewinn.
Wenn ihr fragt, habe ich vielleicht noch weitere Worte dazu, aber hier ist es diese Sache: wie man das eine durch das andere gewinnt. Denn durch die Klipa gewinnen wir die Fähigkeit zu selbstständiger, eigener Arbeit, und als Folge davon zu wirklich hohen NaRaNCHaY.
Ja.
[8:47]
Schüler: Klar. Er erklärt uns vielleicht, wie man sich ausrichten soll…
Rav: Man kann es so sagen: So wie der Schöpfer den Willen zu empfangen erschaffen hat, der Seinem Willen zu geben gegenübersteht, so hat Er danach in uns das System der Klipa erschaffen, das Seiner Gestalt gegenübersteht. Damit hat Er uns die Gelegenheit gegeben, im Willen zu empfangen in der Klipa zu leben. Ein bloßer Wille zu empfangen ist einfach ein Wille zu empfangen, sozusagen wie Sein Wille zu geben, ja? Sagen wir, ich habe einen einfachen Willen zu empfangen, der erschaffen wurde, weder gut noch böse, und ihm gegenüber steht das Licht Nefesh. Dem Willen zu empfangen hat Er dadurch etwas gegeben, dass Er Seine Eigenschaften in ihn hineingelegt hat: Durch das Zerbrechen gingen die Eigenschaften des Schöpfers in umgekehrter Form in den Willen zu empfangen ein und ließen ihn schon nicht mehr bloß Wille zu empfangen sein, sondern Klipa — das heißt, er will an der Stelle des Schöpfers sein, er wollte diese Eigenschaften benutzen, um an ihnen Genuss zu haben. Er hat uns Seine Gestalt in umgekehrter Form gegeben, sozusagen in der negativen, ja?
Und wenn wir dann Seine Gestalt korrigieren, kommen wir zur Dwekut mit Ihm. Das heißt: Die Sitra Achra bringt mir alle Eigenschaften, die ganze Vorstellung, das ganze Verständnis davon, was dem gegenüber in der Kedusha sein muss. Ich lerne das von ihr, und ihr entgegen, auf ihr baue ich meine heilige Gestalt auf — dadurch, dass ich von ihr stehle, das heißt, von ihr herausnehme. Dadurch baue ich meinen Segen auf, das Empfangen der Fülle. [10:36]
Man muss die wechselseitige Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Systemen verstehen, wie notwendig diese Sache ist. Ich erinnere mich: Zum Rabash kamen solche Schüler von den Chassidim. Während des Unterrichts, wenn man über all diese Dinge lernte, die Korrekturen, die Klipot, taten sie immer sozusagen leid darüber, warum Adam haRishon gesündigt hat: Schau, was für ein Leben wir haben; was für ein gutes Leben wäre es, wenn er nicht gesündigt hätte. Ich erinnere mich daran. Wir schwiegen, man darf es nicht sagen, der Rabash hat nicht erlaubt, es ihnen zu sagen. Manchmal bin ich so herausgeplatzt, aber… man darf es nicht sagen. Aber so ist es, so ist es üblich: Alle Nöte kommen von der Sünde Adam haRishons. Das war's.
Ja. Nu?
[11:32]
Schüler: Eine Frage. Sie haben gesagt, dass in der Spannung so… dass die Klipa oder … gegen die Kedusha, deswegen gibt es … die ganze Zeit zu sein … die Klipa tritt die ganze Zeit ein … in der Empfindsamkeit der Klipa zu sein, in der Art … Empfindsamkeit der Kedusha. Das heißt, dass der Mensch darüber in Spannung sein muss, das ist die Frage. Also … wenn ein Mensch die ganze Zeit … welche Prozesse durchläuft er?
Rav: Ich verstehe den Zusammenhang nicht. Du hast gesagt, du fragst nach dem Verhältnis zwischen Spannung und Genuss. Ein Mensch kann in Spannung und in Genuss zugleich sein. Ich weiß nicht — es gibt Leute, die mit der „Mütze" von den Bergen springen, ja? Fallschirm heißt das, Fallschirm. Es gibt Menschen, die viele Dinge tun, um ihr Adrenalin zu steigern, und dafür viel Geld bezahlen, um in Spannung zu geraten — nur um sich nicht wie eine Art unbelebte Stufe zu fühlen, einfach so. Sie bekommen Genuss davon, dass sie in Anspannung sind, im Gefühl des Kampfes, im Gefühl von, du weißt schon, „Action", wie man sagt.
Was ist der Zusammenhang zwischen…? Du sagst es so: Weil der Schöpfer sich befindet… Ich übersetze dich, sie verstehen nicht, wahrscheinlich ist es so. Weil der Schöpfer im Genuss ist, in… in ständiger Ruhe, ist das wahrscheinlich der größte Genuss, also will auch ich das erlangen. Ja? Vielleicht hast du das gemeint.
Die Ruhe des Schöpfers meint: Alle Kelim sind korrigiert, alle Wünsche sind korrigiert. In allen Wünschen, in allen Kelim, in allen Gedanken, in allem kann man hundertprozentige Arbeit machen, mit hundertprozentiger Leistung, mit höchster Geschwindigkeit, und nichts stört. Dass nichts stört, das heißt Ruhe. Ruhe von der Störung, von der Störung durch die Gedanken, durch nicht korrigierte Kelim. Aber nicht, dass Ruhe wäre, wenn man nichts macht. Dass man nichts macht, das heißt Tod, das ist keine Ruhe.
Ja.
[14:30]
Schüler: Ich habe keinen Zustand der Erkenntnis der Klipa … Mir ist nicht klar, woher der Wille zum Übergang kommt. Wenn ich mich jetzt mit der Klipa identifiziere, heißt das: Die Klipa bin ich, all diese Wünsche. Und wenn ich den Schöpfer erlangen will — das Leben, das ich aus diesen Wünschen bekomme, ist wohl eine gewaltige Lebenskraft. Also der Genuss und das Empfinden dieser Wünsche. Wo gibt es hier, wenn überhaupt, den Willen, das festzuhalten…
Rav: Wie bekomme ich ein Gefühl für die Klipa, und wenn ja — wenn ich das bekomme, woher soll ich dann den Willen haben, aus ihr herauszugehen und ihr gegenüber zur Kedusha überzugehen. In unserer Welt sehen wir das nicht, ja? Ein junger Mann wie du gerät in die Klipa, in das, was man in dieser Welt Klipa nennt, in alle möglichen Dinge — und verschwindet dort. In der Spiritualität geht das nicht so. In der Spiritualität lässt man dich nur in dem Maß in die Klipa hinein, in dem du die rechte Linie erlangst, die Eigenschaften des Schöpfers. Vorher öffnet man dir nicht.
Wie steht geschrieben: „Es war ein frommer Mann, ohne Nahrung und Lebensunterhalt; in seinem Haus beschäftigte er sich mit Kleidung, und hatte kein Gewand zum Anziehen." Das heißt: „denn du hast Tora gelernt". Kurz gesagt, man muss sich dieses Lied ansehen. In dem Maß, in dem du lernst, in dem du in die Tora, in die Verbreitung investierst, also in deinem ganzen Fortschritt zur Spiritualität — in diesem Maß lässt man dich in die Klipa hinein. Sonst, wozu sollte man dich hineinlassen? Nur um dich zu Fall zu bringen? Ein solches Ziel gibt es nicht. Man gibt dir Misserfolge, damit du aus der Klipa, wie wir vorhin gelernt haben, lernst, welche Gestalt der Kedusha dem gegenüber sein muss.
Aber wenn du nicht lernen kannst, wenn du keine Vorbereitung hast nach viel Lernen, nach vielen Dingen, dann nicht. Deshalb: „Wer größer ist als sein Freund, dessen Trieb ist größer als er." Je größer du bist, je mehr du gelernt hast, je mehr du verstanden hast, je mehr du dich selbst hineingegeben hast, je größer du geworden bist als dein Freund — umso größer auch sein Trieb. Dann bringt man dir Triebe, alle möglichen größeren Hindernisse. Das heißt: Nur in dem Maß, in dem du die Klipa ertragen und sie wirklich verwirklichen, sie richtig benutzen kannst, nur in diesem Maß lässt man dich hinein.
Jetzt kannst du sagen: „Ja, aber ich habe auch Menschen gesehen, die auf unserem Weg viel gelernt haben, und dann kam über sie irgendein Wind, der sie nach draußen mitgenommen hat." Dann sage ich dir: Vom Himmel hat man ihnen genau das gegeben, was man geben musste; nur haben sie danach nicht benutzt, was sie in ihren Händen hatten. Sie hatten die Möglichkeit in Händen, auf nützliche, gute Weise aufzusteigen, und sie haben es nicht gemacht. Und dann ist die Rechnung vom Himmel einfach: ja, nein, ja, nein — kein Erbarmen. Was wir sagen, der Schöpfer sei barmherzig, das ist nicht… Er ist nur zu denen barmherzig, die arbeiten. Zu denen, die es nicht tun — du siehst, was Er gibt, welche Schläge, wodurch Er die Menschheit voranbringt.
[17:55]
Schüler: Gibt es Genuss in der Klipa?
Rav: Genuss in der Klipa, sicher. Wenn es keinen Genuss gäbe, was wäre dann überhaupt ihr Nutzen. Der Genuss in der Klipa besteht darin, dass es dir scheint, du könntest auf direktem Weg genießen. Und sie lässt dich nur im Ner dakik genießen, mehr gibt es nicht. Auf das Ner dakik, an dem du dich aus der Klipa erfreuen kannst, gibt es keinen Zimzum — mach darauf gar nichts, das ist Unsinn. Ner dakik, das ist Essen, Sex, alle möglichen solchen Dinge, das ist Unsinn. Aber darüber hinaus, wenn du denkst, du könntest aus der Klipa Genuss haben — dort fängt die Klipa an. Die Klipa fängt vom Machsom aufwärts an. Dort gibt es nichts. Darüber hinaus gibt es in der Klipa keine Genüsse. Nur dadurch, dass sie dir das Ner dakik gibt, leuchtet sie dir auch ein, dass es noch mehr davon gibt, noch mehr davon — aber es gibt nichts. Aber scheinbar gibt es etwas, aus der Ferne scheint es dir, dass es etwas gibt. Damit zieht sie dich an und führt dich in die Irre.
Schüler: Wenn Sie … wenn ich jetzt im Zustand der Klipa bin, dann bin ich nicht… dann halte ich den Gedanken daran fest, dass es nichts gibt, oder ich identifiziere mich jetzt völlig mit dem Zustand. Der Zustand …
Rav: In der Klipa zu sein heißt: in dem Gedanken zu sein, dass du durch Empfangen zu Genüssen jenseits des Ner dakik kommen kannst, zur Spiritualität. Das heißt, „im Bereich der Klipa" zu sein. Das heißt: Du hast keinen Genuss von dem, was die Klipa dir gibt, denn sie hat keinen Genuss. Aber dieser Genuss leuchtet aus der Ferne, weil er sich ebenso nicht in der Kedusha befindet. Die Klipa kann dir Genüsse gegenüber dem Lew haEwen einleuchten, sehr große Genüsse. Aber empfangen kannst du nur den Genuss, der sich unterhalb des Machsom befindet. Sie hält dich also damit fest, dass sie aus der Ferne leuchtet. Und wenn du ankommst, ist da nichts. Das war's.
Schüler: Also frage ich: Man muss ankommen, oder …
Rav: Du sehnst dich die ganze Zeit danach, dorthin zu kommen, aber du kommst nie an. Und dann verbrennst du dein Leben, Gilgul um Gilgul, scheinbar ohne Nutzen — bis diese Dinge sich füllen, bis das Kli sich mit allen möglichen schlechten Erfahrungen füllt. Und aus diesen Schlägen fängt der Mensch an… Tropfen für Tropfen fangen ihm die Dinge an, sich zu klären, dem gegenüber aus der Kedusha.
[20:47]
Schüler: Also …
Rav: Das ist der reine Weg der Leiden, wie man sagt, nur der Weg der Leiden.
Schüler: Dann noch einmal, ich frage noch einmal: Der Übergang zwischen Klipa und Kedusha und zurück … alle … Schläge?
Rav: Von der Klipa zur Kedusha übergehen? Um von der Klipa zur Kedusha überzugehen, gibt es zwei Dinge. Durch Schläge — das ist ein sehr langsamer Weg. Du kannst innerhalb der Klipa sein, sagen wir wie in dieser Welt, ja, nicht wichtig, das ist nicht die Klipa, das ist unterhalb der Klipa — und du kannst viele Gilgulim lang leiden, bis das Maß voll ist, wie man sagt. Und dann fängst du an zu denken: Was ist der Sinn unseres Lebens? Und fängst trotzdem an zu suchen. Wie geschrieben steht: „Was der Verstand nicht macht, macht die Zeit."
Aber es ist möglich, dass der Verstand es macht und nicht die Zeit. Was ist der Verstand? Durch eine Anziehungskraft zur anderen Seite. Nicht, dass die Nöte dich von der Klipa zur Kedusha stoßen, sondern dass du trotzdem etwas Gutes in der Kedusha suchst, vielleicht ist es das. Es begegnet dir irgendeine Gruppe, ein paar Freunde, die dir sozusagen Genüsse an anderen Dingen zeigen, in der Methode, auf andere Weise. Und damit neutralisierst du die negative Entwicklung.
Schüler: … sagen wir, im Verstand verstehe ich es. Aber wenn man in der Klipa ist, oder wenn man es im Verstand versteht — deine Wünsche gehen immer noch zu derselben Sehnsucht. Die Sehnsucht besteht in dir.
Rav: Deine Wünsche sind in der Klipa, dein Verstand, sagen wir, in der Kedusha.
Schüler: … den Willen … vergrößern, dass er sich verwandelt…
Rav: Den Verstand vergrößern, deinen Halt in der Kedusha vergrößern — so weit, dass die Darstellung, die du dir selbst gibst, eine verstandesmäßige, den Genüssen gegenübersteht, die die Klipa dir scheinbar zeigt, und du siehst, dass es sich wirklich lohnt. Du musst im Verstand solche Bilder aufbauen, die sich mit der Anziehung zur Klipa auseinandersetzen. Das hängt von der Persönlichkeit des Menschen ab, das hängt von der Entwicklung des Menschen ab, das ist nichts für primitive Menschen.
[23:05]
Schüler: Aber wenn mein Verstand mir, sagen wir, die Kedusha malt oder den Zustand … im wahrsten Zustand — dann werde ich einen Zustand, der mir entgegengesetzt ist, nicht wollen können.
Rav: Du kannst wollen, denn du… Du kannst die Kedusha wollen, weil du der Kedusha dieselben Genüsse zuschreibst, die du finden wirst — nicht dieselben Genüsse, aber der Kedusha entsprechend: dass es dort Genüsse gibt, dass du sie finden wirst und dass du sie erwerben wirst. In der Klipa siehst du nach und nach, dass das alles vergänglich ist. Bei uns, in unserer Welt, ist es vergänglich; in der Spiritualität gibt es einerseits in der Klipa gewaltige Genüsse. Andererseits kann man sie nicht einmal berühren. Nur unsere Welt befindet sich unterhalb des Zimzum, und in ihr gibt es Genüsse, an denen der Mensch sich auf direktem Weg erfreuen kann. Ich komme und esse — ich habe Genuss; ich komme zum Siwug⁴ — ich habe Genuss; ich komme zu Kindern — ich habe Genuss. Ich habe Genuss von allen möglichen Dingen.
Weißt du, so eine Art kleines Set, das man mir gegeben hat, um zu leben, um zu bestehen, das war's. Darüber hinaus, über dieses Set hinaus, existieren keine Genüsse, die man auf diese Weise empfangen kann. Darüber hinaus geht es nur durch einen Massach. Das heißt: Auf der ganzen Länge der linken Linie, der Sitra Achra, gibt es wirklich keine weiteren Genüsse zu empfangen außer diesen Genüssen.
Nur was? Diese Genüsse von Essen, Trinken, Siwug und so weiter, ja, gerade die tierischen; Herrschaft, Ehre, das weniger, ja. In dem Maß, in dem der Mensch die Leiter hinaufsteigt, ja, sozusagen fortschreitet, bekommen diese Genüsse mehr Volumen — denn man muss ihn an irgendetwas zu Fall bringen, man muss ihn mit irgendetwas in die linke Linie hineinbringen, ja. Sonst, wie soll er sich daraus vorstellen, was Kedusha ist? Deshalb steht geschrieben: „Wer größer ist als sein Freund, dessen Trieb ist größer als er." Seit der Tempel zerstört wurde — das heißt, es gab einen Bruch, ja, der Tempel symbolisiert uns den Bruch — blieb der Geschmack des Beischlafs denen, die dem Schöpfer dienen.⁵ Alle möglichen solchen Zeichen. [25:29]
Ja.
Schüler: Sagen wir, man will nicht durch Leiden vorankommen, man will die nächste Stufe wirklich wollen. Einerseits sagen wir: Wenn der Mensch die (nicht?) richtigen Dinge macht, oder wenn er auf (nicht?) richtige Weise empfängt, bekommt er mehr das Bild des Vergleichs mit dem, was ihm entgegengesetzt ist, und er kann das nicht wollen. Andererseits sagen Sie, er müsse sich ein Bild malen, dass er dort große Genüsse bekommt. Wie kann sich das überhaupt zusammenfügen?
Rav: Deshalb kann der Mensch durch das Bild, das er sich in der rechten Linie malt, sich mit der linken Linie auseinandersetzen. Deshalb stehen wir nicht als ein einzelner Mensch dem Schöpfer gegenüber, sondern wir haben eine Umgebung. Und diese Umgebung kann uns entweder nach rechts oder nach links ziehen. Deshalb steht jedes Mal geschrieben: Wer die bessere Umgebung wählt, von der rechten Seite, der tritt damit ein, mit dieser freien Wahl tritt er in die Abkürzung des Weges ein.
Schau, ich bin, kann man sagen, insgesamt vor zwei Wochen aus Nordamerika zurückgekommen. Wenn du mich fragst: Warst du mal dort? Was hast du dort gemacht? Seitdem sind so viele Dinge passiert. Jeden Tag, weißt du, das war vor den Feiertagen und nach den Feiertagen, oder so etwas. Du siehst, welche Verkürzung der Zeit uns passiert. Sprich mit einem Menschen von draußen. Bei ihm sind das ein paar Jahre hin und zurück. Das ist die Verkürzung der Zeit. Es ist nicht, dass du einfach so eine Verdichtung machst. Das ist die Verkürzung der spirituellen Zeit, der Entwicklungszeit. [27:22]
Und so geht es allen. Die Menschen verstehen nicht. Sie denken: Fünf Jahre sitze ich hier, und was habe ich davon? Sie wissen nicht, dass sie damit vielleicht schon sieben, acht Gilgulim durchlaufen haben. Ich sage das ohne Übertreibung. Du hast diesen Gilgul, kann man sagen, noch gar nicht angefangen. Du bist noch jung — und schau, wie sehr du leidest.
Das heißt, wir schätzen die Dinge nicht, die wir durchmachen. Aber die richtige Unterscheidung ist auf jeden Fall: Was hilft mir, etwas aufzubauen, das mich von der linken Seite zur rechten Seite zieht — während ich eigentlich die ganze Zeit auf der linken Seite bin. Ich bin die ganze Zeit in Begierden, in Wünschen, in Gedanken, alles von der linken Seite.
Wie baue ich diesen Magneten auf der rechten Seite auf, sodass er die ganze Zeit stärker wird? Dass er mich zieht; danach gibt man mir etwas mehr in der linken Linie. Gut, und wieder soll ich etwas Stärkeres auf der rechten Seite haben. Dass ich die ganze Zeit diese Sprünge mache.
Diese Frequenz ist es, die den Fortschritt bestimmt — wie es dort ist, mit irgendeinem Rav? Ich erinnere mich nicht, der sagt, er habe vierhundert Aufstiege und Abstiege vor dem Gebet gehabt. Ich erinnere mich nicht, das sind solche chassidischen Geschichten, aber es stimmt. Ein Schüler kommt zum Rav und sagt: Ich bin jetzt vor dem Gebet gefallen; davor, während des Unterrichts, ging es mir gut, und danach… Der Rav sagt ihm: Ich hatte jetzt vierhundert solche. Innerhalb von zehn Minuten, einer Viertelstunde kann so etwas passieren. [29:08]
Verstehst du also, in welchem Tempo ein Mensch arbeitet? Wie viele Dinge er durchmacht, wie viele Dinge er klärt? Und es gibt solche Menschen, bei denen ist das einmal in mehreren Generationen, oder einmal in mehreren Jahren vielleicht, nicht wichtig. Da gibt es so ein Schwanken hin und her. Auch bei uns gibt es manchmal Zeiten, in denen du plötzlich wirklich spürst, dass du zwei, drei Monate tot bist, nichts verändert sich. So fährst du vielleicht, aber unterwegs ist nichts.
Und außerdem sage ich dir: Als ich zum Rabash kam, war ich sehr nervös. Verglichen mit jetzt war ich sehr nervös. Ich habe ihm dann Fragen gestellt wie du, aber nicht auf so feine Weise. Da sagt er: Weißt du was? Für unseren Weg braucht man viel Geduld, ich hoffe, du hältst durch.
Als ich mich selbst anschaute, dachte ich: Ich halte durch, wenn noch mehr Geduld nötig ist? Ich platze doch schon, mir kommt der Speichel aus den Ohren. Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, verstehst du? Wie ein Stier, weißt du. Und irgendwie, irgendwie. Ich weiß wirklich nicht wie. Das kann man nicht beschreiben. Das heißt, mit rationalem Denken ist es unmöglich, wie ein Mensch überhaupt durchhalten kann. Und das … wirklich. Auch das gibt man von oben.
Ja.
Schüler: Darf ich eine Frage zum Text stellen? Seite 61, „Wie die Weisen sagten".
Rav: „Wie die Weisen sagten", Seite 61, 61, dritter Absatz.
„Wie die Weisen über Awraham sagten, der fragte: ‚Gibt es denn einen Palast ohne einen Lenker?' Sofort offenbarte sich ihm der Herr des Palastes und sagte zu ihm: ‚Ich bin der Herr des Palastes.' Das heißt, dass er einen Palast brennen sah," — fühlt sich nicht gut, ja, nur eine Sekunde — „nämlich dass er sah, dass die ganze Welt, die ‚Palast' genannt wird, dass alle Leiden erleiden. Darüber sagte er: Gibt es denn einen Palast ohne einen Lenker?" [31:57]
Das heißt: Es gibt jemanden, der diese Leiden gibt. Dass es darin offenbar eine Art Ursache und auch ein Ziel gibt; es kann nicht sein, dass das einfach so ist. Denn Awram (Awraham?) war sehr… er kam aus der Untersuchung heraus zu… Er war ein Kabbalist, der durch Untersuchung dazu kam. Er war der Erste, der das sozusagen von unten empfangen hat. Er hat Untersuchungen in der Natur gemacht, und dieser Satz ist sozusagen sein Credo⁶. Ich weiß nicht, wie man „Credo" sagen soll.
Äh?
Schüler: Schlüsselsatz.
Rav: Schlüsselsa… nein, das ist sozusagen seine Haltung, sein Wesen: „Gibt es einen Palast ohne einen Lenker?" Das heißt, aus der Untersuchung heraus, aus der Untersuchung der Natur ist er dazu gekommen. Das war's. Das heißt: Für alles, was um uns herum passiert, muss es eine Ursache geben. So, auf verstandesmäßige Weise. Sicher gibt es keine Natur, die die Welt peinigt, ohne einen Lenker der Natur. Das heißt, es hängt davon ab, wie wir uns zur Natur verhalten: Entweder ist die Natur eine blinde Natur, oder die Natur ist größer als wir und hat offenbar Verstand.
Und tatsächlich spüren die großen Menschen in der Wissenschaft heute wirklich, dass hinter allen Vorgängen um uns herum so ein großer Gedanke steht … … (Russisch), wie soll man sagen, nu, sozusagen das Gehirn des Universums, ich weiß nicht, wie ich es sagen soll.
„Und er begann, den Lenker zu suchen. Sogleich offenbarte sich ihm der Lenker und sagte zu ihm:" — ich bin der Lenker des Palastes — „Ich bin der Hausherr der Welt."
Was fragst du dazu? Du bist Doktor der Chemie, der Physik, und was fragst du? Wie er dazu gekommen ist? Er war primitiv, ein Beduine, nicht wie du nach all den…
Nu, nu?
[33:56]
Schüler: Ich stelle eine einfache Frage: Wie kommt es, dass sich ihm sofort der Herr des Palastes offenbart hat? Wie kommt es, dass sich ihm technisch gesehen der Lenker offenbart hat? Wie kommt es, dass wir…
Rav: Nachdem er gefragt hat?
Schüler: Auch wir stellen diese Frage.
Rav: Ah, das heißt… Nachdem er gefragt hat: die Sache des Fragens. Eine Frage, das heißt ein fertiges Kli. So wie es heißt: Man bittet um den Regen — der Mensch erhebt schon MaN, worauf sicher der Regen herabkommt. Was ist „Regen"? Von Bina zu Malchut steigen schon die Korrekturen herab, wodurch Malchut erblüht, der Boden erblüht. Das war's.
Das heißt: Zu fragen „Gibt es einen Palast ohne einen Lenker?", das kommt nach allen Untersuchungen, die du über all das… über dich selbst machst. Und du fragst: Gibt es zu all meinen Gedanken, meinen Wünschen, meinen Antrieben, den Leiden, die ich erleide, zu all diesen Dingen — gibt es hier irgendeine Art höhere Kraft, die mir das macht, die das lenkt, und zu welchem Ziel bringt Er mich?
Das heißt: Fragst du über dich selbst? Über das Ganze? Wenn du das auf diese Weise fragst, wirst du sicher Awram genannt, bevor er zu Awraham wurde.
[35:15]
Schüler: Was heißt „muss"? Ich verstehe diese Sache nicht, das ist wohl irgendetwas, vielleicht…
Rav: Eine Frage — gemeint ist, dass es wirklich ein bereites Kli ist. Jeder fragt, das ist kein Fragen. Weißt du: Man gibt einen Schlag, er fragt; man gibt keinen Schlag, er fragt nicht.
Schüler: Was ist der Unterschied zwischen uns und diesem Zustand, von dem die Rede ist?
Rav: Das ist ein fertiges Kli, das ist eine Frage, die in ihm tobt, außer der es nichts gibt. Eine Frage, nu. Entweder weint ein kleines Kind, oder ein erwachsener Mensch weint. Ein Kind hat es einen Augenblick später schon vergessen, läuft und freut sich; ein erwachsener Mensch weint, dann offenbar… Wenn ein Mann weinend zu mir kommt oder eine Frau weinend. Eine Frau weint — das ist das eine. Ein Mann weint — das ist schon ernster. Ja, ich sage… es ist bekannt, ja. So. Also zu fragen, das ist…
Ob „es einen Palast ohne einen Lenker gibt" — und genau darauf gibt es eine Antwort: „‚Ich bin der Herr des Palastes.'" Das heißt, er hat nach dem Lenker gefragt. Das kommt nach den Leiden und über alle möglichen Dinge.
Ja.
[36:34]
Schüler: 65, am Ende.
Rav: Nu, was?
Schüler: … den Satz verbinden … am Ende.
Rav: Letzter Absatz?
„Und das ist wie oben, was wir erklärt haben, dass die Weisen sagten: ‚Was bedeutet das, was geschrieben steht: ‚denn das ist der ganze Mensch'.'"
[36:54]
Schüler: Am Anfang, 65, der vorletzte Absatz auf der Seite … „Wohlgefallen zu bereiten".
Rav: „Und aus dem Gesagten ergibt sich: Wenn die Absicht des Menschen nur ist, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten und nicht zum eigenen Nutzen, dann schaut er nicht auf die Größe des Genusses. Und er schaut nur auf die Größe der Sehnsucht, mit der er dem Schöpfer Genuss bereiten will."
Nu?
[37:22]
Schüler: Was passiert dann, wenn er nicht frei ist von der Größe des Genusses, … wie baut er das Kli auf? Was kann ein Kli … diese? …
Rav: Gut. Ich habe keine Worte, ich sage überhaupt etwas anderes. Was wir jetzt besprochen haben, ist das, was geschrieben steht: „Es war ein frommer Mann". Das singt man am Ausgang des Schabbat, dieses Lied: „Es war ein frommer Mann, ohne Nahrung und Lebensunterhalt; in seinem Haus beschäftigte er sich mit Kleidung, und hatte kein Gewand zum Anziehen." Nu, er ist schon zu dem Zustand gekommen, dass „er mit einer angesehenen Frau beschenkt war und auch mit fünf Söhnen" — er ist schon zu einem vollständigen Kli gekommen. „Die Frau sprach zu ihm: Mehr kann man nicht verzweifeln, ohne Brot zu essen, in Blöße und Mangel an allem. Und Tora hast du gefunden, weil du dich angestrengt hast. Was sollen wir von jetzt an essen?"
Was für ein Zusammenhang besteht zwischen den Worten, ja? „Und Tora hast du gefunden, weil du dich angestrengt hast, und was sollen wir von jetzt an essen?" Nu? Schau, wie sehr alles — Zeile für Zeile spricht von extremen Zuständen. Und gerade am Ausgang des Schabbat singt man das. Wer wirklich die Kräfte der Tora erlangt, dem gibt man gleich danach eine stärkere linke Linie.
Gut, dann lasst uns ein wenig Kräfte aus dem Lernen bekommen.
(Ende des Unterrichts)