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Transkript des Morgenunterrichts 08.08.2007
„Talmud Esser haSefirot", Band 1, Teil 1, Kapitel 1, Punkt 1, S. 2
Teil 1 – vom Anfang bis Minute 00:22:33 Dauer: 00:22:33
Teil 2 – von Minute 00:22:35 bis Minute 00:38:46 (Ende) Dauer: 00:16:11
Teil 1
Vorleser: „Talmud Esser haSefirot", Band 1, Teil 1, Seite 2, die kleine 5 bezieht sich auf die Worte „leere Luft". Or Pnimi in Spalte 1, die kleine 5.
„5) „Leere Luft (Awir Rejkani)“ Es bezieht sich auch nicht auf ein physisches Aussehen; doch es gibt ein spirituelles Licht, welches so genannt wird. Es gibt zwei Aspekte des Lichts in jedem Parzuf: Or Chochma und Or Chassadim. Or Chochma ist das Wesen (Azmut) des Parzuf, seine Lebenskraft. Or Chassadim fungiert als einkleidendes Licht über dem Or Chochma im Parzuf, da Or Chochma den Parzuf nicht durchdringen kann, wenn es sich nicht zuerst in Or Chassadim einkleidet. Manchmal jedoch, wenn sich die Parzufim in Katnut befinden, haben sie nur Or Chassadim. Das Or Chassadim wird auch als Luft (Awir) oder Ruach bezeichnet. Wenn es ohne Or Chochma ist, nennt man es „Leere Luft“, also leer von Or Chochma. Dann wartet es auf Or Chochma, dass es sich in es einkleidet und es erfüllt. Der Rav sagt uns, dass eine „Leere Luft“ überhaupt nicht existierte, bevor die Welten in Ejn Sof erschaffen wurden, da es keinen Mangel gab." 1:56
Er erklärt uns das im Voraus über die Zustände, in denen die Geschöpfe sein werden. Vorerst haben wir die Welt Ejn Sof, wo nichts fehlt, das heißt, die ganze Anwesenheit des Schöpfers, die Anwesenheit des Lichts, in allem, was nur sein kann, in allen Formen, ist dort im Kli, im Willen, der erschaffen wurde. Ein einfacher Wille und ein Kli und ein einfaches Licht. „Einfach" heißt, dass es keine Unterscheidung von Stufen gibt, es gibt dort alles. Nicht, dass er einfach ist, als ob vom Einfachen etwas fehlen würde. Sondern es gibt alles, aber alles in einer Einheit, und deshalb gibt es keine Unterscheidung von Stufen, und es schließt alles ein.
Was sich danach aus diesem Zustand ausbreitet, das werden insgesamt die Teile der Verringerung dieses Zustands sein, der Ejn Sof heißt. Im Zustand Ejn Sof hat der Ausströmende das Kli erschaffen und es mit Licht gefüllt und das geweiht — das ist die Schöpfung, nicht mehr und nicht weniger, das ist sie. Und jetzt ist das Problem in dieser Schöpfung, den dritten Bestandteil zu erschaffen, der „der dem Schöpfer Ähnliche" heißt, und diese Unterscheidung heißt Mensch. Das ist nicht der Mensch, behüte und bewahre, uns anzuschauen, ja? Diese Form oder so etwas. Der Mensch, so heißt das, was fehlt, das Einzige, was in der Welt Ejn Sof fehlt: eine besondere Kraft, eine besondere Unterscheidung, die man dort in der Welt Ejn Sof hinzufügen muss.
Diese Unterscheidung heißt Mensch. Dass dasselbe Kli und dasselbe Licht, das dieses Kli füllt, beide in den Zustand kommen, dem Schöpfungsgedanken ähnlich zu werden, der sie erschaffen hat. Und diese Fähigkeit, ähnlich zu werden, und diese Ähnlichkeit mit dem Schöpfungsgedanken, der sie erschaffen hat, heißt Mensch. Das heißt, der Plan der Angleichung, die Mühe der Angleichung, das Ergebnis der endgültigen Angleichung, die dieses Ejn Sof gegenüber seinem Ausströmenden erreicht, heißt Mensch. Das heißt, Ejn Sof plus Mensch ist gleich dem Ausströmenden. 4:59
Also, warum sage ich das so? Damit ihr versteht, dass das Wort „Mensch" von einer ganz besonderen Unterscheidung spricht, die eigentlich einerseits innerhalb von Ejn Sof ist, in irgendeinem Keim, in irgendeinem Anfang — denn du hast nichts, was ganz allein, ohne jede Ursache wächst, sondern nur vom Ausströmenden. Aber dieser Anfang ist, wie wir sehen werden, auf dem Gegenteil von sich selbst aufgebaut. Und wenn er sich deshalb entwickelt, dann kommt bei uns dieser Mensch heraus, diese Unterscheidung, die sozusagen auf einem leeren Platz wächst, ohne jede Grundlage, ohne jede Unterstützung sozusagen von Seiten des Schöpfers, sodass sie damit selbstständig ist.
Und dann kommt heraus, dass wir ein Kli haben und ein Licht haben, die beide vom Ausströmenden kommen, und wir haben den Menschen, der darauf aufgebaut wird, ja, und das ist etwas völlig Selbstständiges, das dem Ausströmenden gleich ist, jenem Schöpfungsgedanken, der ihn erschaffen hat — ihm gleich. Ja, sodass dann sowohl das Licht als auch das Kli sozusagen eine Art Fundament sind, ja, eine Art Fläche, auf der der Mensch sich selbst aufbaut.
Nu, ja, bitte.
6:50
Schüler: Eine Frage. Es wird gefragt: Was ist Or Chochma und wie wird es in uns empfunden?
Rav: Das Licht, das die Welt Ejn Sof füllt, teilt sich in keinerlei Lichter, und man kann darin noch nichts unterscheiden, und es gibt niemanden, der unterscheiden würde. Sondern die Kabbalisten, die diese Zustände erlangen, erzählen uns aus ihrer Erlangung heraus, und ihre Erlangung ist entsprechend dem, wie weit sie in der Gleichheit der Form zu diesen Zuständen sind. Der Mensch, der in den Zustand kommt, dass das Kli in ihm in der vollständigen Korrektur ist, und in seinem Kli schon zu der Bestimmung kommt, die Ejn Sof heißt, der erzählt uns dann darüber, was das heißt: die Welt Ejn Sof.
Welt — so heißt die innere Empfindung des Geschöpfs. Der Zustand von Malchut heißt Welt. Und dann sagen sie uns, dass dieser Zustand ein einfaches Licht ist, das die ganze Wirklichkeit füllt. Es gibt dort kein Or Chochma, es gibt dort kein Or Chassadim, es gibt keinen Raum, keine leere Luft, es gibt keinerlei Unterscheidungen, die danach kommen werden, sondern alles ist einfaches Licht, das die ganze Wirklichkeit füllt. Danach kommen die Unterscheidungen von Seiten des Geschöpfs, von Seiten des Willens: dass dieser Wille anfängt, alle möglichen Handlungen zu machen, und entsprechend den Handlungen, mit denen er sich selbst verändert, wird er sich in allen möglichen Zuständen empfinden. Mal leer, mal in leerer Luft, mal in Or Chassadim, mal in Or Chassadim, in das sich Or Chochma eingekleidet hat, mal in Or Chochma.
In allen möglichen Zuständen wird er sich empfinden, das lernen wir dann später. Und all diese Ereignisse, diese Zustände gehen über den Willen zu empfangen hinweg, der sich vorerst im Zustand Ejn Sof befindet, damit im Spiel zwischen ihm und dem Licht — so heißt das, ein Spiel, dass der Heilige, gepriesen sei Er, mit dem Livjatan spielt, mit eben dieser Malchut de Ejn Sof, die Livjatan heißt, mit dem Or Chochma in ihr, ja — dass also das Spiel zwischen dem Licht und dem Kli uns die Erschaffung dieses Geschöpfs ermöglicht, das Mensch heißt.
9:27
Schüler: Wenn man am Ende der Handlung sagt „Es gibt keinen außer Ihm" oder das enthüllt, wie kann es dann sein, dass es dort trotzdem noch etwas Selbstständiges gibt, das Mensch heißt? Was hat er, das seines ist, das seines bleibt?
Rav: Was gibt es im Menschen, das seines heißt? Dass der Mensch durch das Zerbrechen der Gefäße zu Unterscheidungen kommt, die man Wille zu empfangen nennt. Vorher gibt es keinen Willen zu empfangen, er ist ganz im Licht eingeschlossen. Das Licht ist das Erste, dieses Primäre ist die ganze Zeit da, es führt aus, es handelt, es herrscht — und innerhalb des Lichts empfindet man nicht alles. Wenn man das Kli zerbricht, fängt ein Zustand der Enthüllung des Mangels an; davor war der Mangel nicht enthüllt, weil die Fülle drinnen ist. Wenn der Tee die Tasse füllt, kannst du gar nichts machen. Du musst den Tee ausgießen, und dann machst du mit der Tasse, was du willst.
Also braucht man zuerst, dass nicht die Fülle da ist und die Tasse aufbaut, sondern dass die Tasse getrennt von der Fülle besteht. Das ist es, was wir beim Zerbrechen der Gefäße machen. Das Zerbrechen der Gefäße heißt nicht, dass das Kli zerbrochen ist, sondern dass wir die Erfüllung vom Willen abtrennen und den Willen enthüllen, der der Erfüllung entgegengesetzt ist. Der Wille, der der Erfüllung entgegengesetzt ist, wird jetzt zu dem, der die Erfüllung bestimmt, und indem er die Erfüllung bestimmt, kann er sich selbst ausdrücken und seine Einstellung aufbauen, den Menschen in sich aufbauen, die freie Unterscheidung — dass der Mangel dem Licht vorausgeht, wie wir diesen Begriff benutzen.
Und dann wirkt sicher auch das Licht und der Mangel wirkt, auf alle möglichen Weisen, aber alles ist schon so geordnet: der materielle Mensch, der von der spirituellen Wirklichkeit abgetrennt ist, der in dieser Welt ist, besonders verwirrt in seinen Wünschen und in allem, und die Lichter, die er nicht spürt, wirken auf ihn — all das nur und ausschließlich, um es dem Willen zu ermöglichen, derjenige zu sein, der die Erfüllung bestimmt. Und um den Willen zu entwickeln, damit er weiß, womit er sich füllen soll. Das heißt, „womit er sich füllen soll" meint schon nicht mehr die Genüsse von vorher, sondern auf welche Weise, das heißt, in welcher Qualität er sich selbst füllen will.
Es geht schon nicht mehr um die Erfüllung, über die Erfüllung sprechen wir nicht mehr — mehr, weniger —, sondern es geht darum: Wer bin ich. Hier gibt es einen zusätzlichen Bestandteil, der Mensch heißt: dass es mir wichtiger ist als alles, dem Schöpfer ähnlich zu sein, und nicht die Erfüllung, die schon auf mich drückt und bestimmen will, dass ich so oder anders existiere. Also lernen wir noch jedes Mal, jedes Mal kennen wir das System mehr und mehr; man kann es wirklich nicht erklären. Hoffen wir, dass wir es einmal einfach können, dass wir insgesamt die Bedingungen für die Erschaffung des Menschen hier bringen müssen.
Ja.
13:56
Schüler: Eine Frage, die uns aus Australien erreicht. Warum schreibt der Kabbalist über seine persönliche Erlangung, wenn doch jeder auf seiner Stufe erlangen muss und jede Stufe verschieden ist?
Rav: Nicht richtig, die Australier haben nicht recht. Der Mensch erlangt alle Stufen seiner Entwicklung wie jeder Einzelne. Jeder, der zu allen 125 Stufen kommt, erkennt in ihnen dasselbe Bild. Dass jeder auf persönliche Weise von diesem Bild beeindruckt wird, ist etwas anderes, das ist gemäß seinem Kli. So wie bei uns: Wir hören Musik aus derselben Quelle, du wirst anders beeindruckt als ich, aber wir beide hören und wir beide werden beeindruckt, und in etwas ist es einander ähnlich. Nur in der inneren, persönlichen Form können wir uns nicht vergleichen, denn bei dir sind die 613 Verlangen in einer Ordnung, in einer Verbindung untereinander, die anders ist als bei mir.
Aber das ist die persönliche Wahrnehmung in jeder einzelnen Zelle des Körpers von Adam HaRishon, und darin können wir den Vergleich nicht machen, und wir müssen es auch nicht. Das Beeindrucktsein ist ein allgemeines Beeindrucktsein für alle. Und deshalb tut uns ein Kabbalist, der uns Bücher schreibt, einen großen Gefallen, denn dadurch erkennen wir schon irgendwie, wonach wir uns sehnen sollen, was uns erwartet, und daraus kommt bei uns ein Wille zum Umgebenden Licht.
Machen wir weiter, bitte.
15:50
Vorleser: Punkt 6, oben in den Worten des ARI: „und ein Raum". Unten.
„6) „Raum (Chalal)“ Um dieses Wort zu verstehen, muss man zuerst das Wesen eines spirituellen Kli kennen. Weil das Geschöpf die Fülle (Shefa) seines Lebens aus dem Schöpfer erhält, folgt daraus notwendigerweise, dass es einen Willen (Razon) und eine Sehnsucht (Hishtokekut) hat und die Fülle von Ihm empfangen will. Wisse, dass die Größe des Willens nach Fülle alles ist, was im Geschöpf existiert. So bezieht sich alles, was im Geschöpf existiert und nicht diese Substanz ist, nicht mehr auf seine Substanz, sondern auf die Fülle, die es vom Schöpfer empfängt. Des Weiteren bestimmt diese Substanz die Größe sowie die Stufe eines jeden Geschöpfes, eines jeden Parzuf und jeder Sefira." 16:55
Das heißt, wir können uns nicht auf das Licht beziehen — was Licht ist, wissen wir nicht. Wir sind das Material, der Wille zu empfangen, und nur von ihm aus können wir darüber sprechen, was der Wille zu empfangen fühlt, was in ihm vorgeht, was ihn füllt. Wir wissen nie über die Erfüllung selbst, was sie ist. Ich kann sagen: Diese Erfüllung erscheint mir gelb. Warum erscheint sie mir gelb? Weil sie solche Wellen aufnimmt, und ich erkenne diese Wellen als die Farbe Gelb. So erwecken sie bei mir solche Gefühle, und in gemeinschaftlicher Übereinkunft nennen wir das gelb. Gegenüber meinem Körper heißt es warm, ja? Gegenüber meinem Körper, meinen Unterscheidungen — mein Wille unterscheidet diese Erfüllung als flüssig.
Aber wenn nicht ich es bin, der erkennt, dass es flüssig ist, dass es warm ist, dass es gelb ist, dann erkennt es ein anderer auf andere Weise. Deshalb sprechen wir nie über die Erfüllung an sich, weil wir nicht wissen, was sie ist, sondern immer darüber, wie das Kli sie enthüllt. Deshalb ist das Licht, über das wir sprechen, nicht das Licht, sondern das, was ich schon erfasse, was ich erkenne. Das heißt, das Licht ist ein Ergebnis von etwas, eine Erscheinung innerhalb des Kli; das Beeindrucktsein im Kli heißt Licht.
Sagen wir, wir fliegen ins Weltall hinaus, von der Erdkugel erheben wir uns aus der Atmosphäre. Oberhalb der Atmosphäre ist alles schwarz, es gibt kein Licht, aber dort ist es voll, dort ist die Sonne und alle Sterne und alles. Hier innerhalb der Erdkugel haben wir das nicht, was haben wir? Ein bisschen von dem Licht, das es dort im Raum gibt. Und was noch? Weil dieses Licht auf nichts trifft. Wenn ich irgendein Blatt Papier hinstelle, dann sehe ich sofort, wie voll das mit Licht ist, weil das Licht auf etwas getroffen ist, das Kli enthüllt es. Das heißt, es muss etwas gegen das Licht geben, und dann enthülle ich, dass es existiert.
Und wenn ich es nicht auf diese Weise enthülle, existiert es nicht. Weil wir hier Luft haben und in der Luft Teilchen haben, sehe ich, dass es Licht gibt. Ein Lichtstrahl kommt durchs Fenster und ich sehe Staub im Zimmer, ja. Warum sehe ich ihn? Weil das Licht auf ihn trifft. Wenn es auf nichts treffen würde, würde ich nichts erkennen und nichts sehen. Dunkelheit. Das heißt, Licht und Dunkelheit — das ist gegenüber dem Geschöpf, ob es eine Art Trennwand für das Licht sein kann oder nicht. Wir sind heute jetzt nur eine Trennwand für diese Wellen, die wir erkennen: für Hörwellen, Sehwellen, für die verschiedenen Sinne von Geschmack, Geruch, Tastsinn.
Aber nicht für spirituelle Wellen, für die können wir keine Trennwand sein. Wir müssen in uns einen Widerstand gegen das Höhere Licht aufbauen, der Massach heißt. Und in dem Maß, wie wir dann einen Massach haben, empfinden wir das Licht. Er erklärt uns das auf alle möglichen Arten: Docht und Licht und Öl und noch alle möglichen Dinge. Also enthüllt das Kli eine besondere Erscheinung, die Licht heißt, und über das Licht selbst sprechen wir nur auf diese Weise. Das heißt, es gibt keinen Schöpfer ohne Geschöpf.
Ja.
21:04
Schüler: Dieses Material, aus dem wir gemacht sind, das Kli, das ist Wille und Sehnsucht, davon spricht er hier … Was ist der Unterschied zwischen ihnen, dem Willen und der Sehnsucht?
Rav: Der Wille ist die Kraft, die von vornherein in mir ist und die in mir durch irgendeinen Faktor erweckt wird, einen äußeren oder inneren, sagen wir, aber es hängt nicht von mir ab. Ich will etwas. Sehnsucht heißt, dass ich die zusätzliche Einstellung entwickle, den zusätzlichen Willen, die zusätzliche Kraft, eine Anziehung, eine Neigung über das hinaus, was ich als Willen bekommen habe. Ich habe irgendeinen Geschmack an etwas gefühlt, jetzt fange ich durch meine Arbeit, meine Mühe an, meinen Willen zu vergrößern, ihn auf diese Erfüllung hin immer mehr zu pflegen. Also heißt die Hinzufügung, die mir aus meiner Mühe, durch meine Arbeit, zu dieser Erfüllung kommt, Sehnsucht. Der Wille kommt vom Schöpfer, die Sehnsucht entwickelt das Geschöpf.
Bis Minute 00:22:33