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Morgenunterricht 12.06.2002
Buch „Schriften des Rabash", Band 1, S. 444, „Was ist die Substanz der Verleumdung und gegen wen richtet sie sich?"
Rav: Wir haben einen Teil des Artikels aus dem Wochenabschnitt „Mezora" gelesen: „Was ist die Substanz der Verleumdung und gegen wen richtet sie sich?"
In Wahrheit gibt es in der Wirklichkeit nichts, was gegen etwas wäre. Wir sagen immer „kenegdo" (ihm gegenüber) — so steht es in der Tora: das eine gegenüber dem anderen. Was bedeutet dieses „ke-" (dieses „wie")? Es heißt „wie", „quasi" — und ist trotzdem ihm entgegen. Denn in Wahrheit unterstützt das eine das andere nur; und damit man das andere klären kann, tritt ihm etwas gegenüber. Und das ist die ganze Sache: Weil uns das Verständnis und der Gesamtblick auf das, was wir sehen, fehlen, scheint es uns, als gäbe es wirklich etwas, das widerspricht und zerstört.
Doch letztlich — es stimmt, dass es so geschieht, aber das Ziel ist, dass gerade das Schlechteste zur Stütze wird, zur regelrechten Grundlage für den Aufbau und die nächste Stufe. Und es hängt nur vom Menschen ab, wie er es empfängt: je nach seiner Gleichheit der Form oder seiner Gegensätzlichkeit der Form zur Kedusha — wie er das Erscheinen der Kedusha bei sich empfängt.
Stellt Fragen, vielleicht sage ich dann noch etwas dazu. Wir müssen verstehen: Jede Verhüllung, die wir sehen — auf jeder einzelnen Stufe, wo ein Unterer gegenüber dem Oberen in Verhüllung ist, wo wir auf unserer Stufe, der dieser Welt, in Verhüllung sind —, das ist jede Stufe gegenüber der nächsten, die schon jenseits des Machsom liegt. Diese Verhüllung ist dazu da, dem Unteren zu ermöglichen, Gefäße des Gebens zu erwerben. Denn gäbe es keine Verhüllung, würden wir den erleuchteten, vollkommenen Zustand sehen, in dem alle alles wissen und alles sehen — dann gäbe es gewiss keine Möglichkeit, sich vom Willen zu empfangen loszureißen.
Es ist wie: an einen weißen Elefanten nicht zu denken, an etwas, das, sagen wir, so sehr anzieht, nicht zu denken — und jetzt löse dich davon los und denke an dieselbe Sache nur, um zu geben. Wie soll das gehen? Deshalb liegt auf dem Genuss, der in der Kedusha ist, eine Verhüllung; aber auf der Kedusha selbst liegt keine Verhüllung — du kannst sie fühlen. In dem Augenblick, in dem der Mensch auf den Genuss, der in der Kedusha ist, für sich selbst verzichtet, in demselben Augenblick fühlt und sieht er die Kedusha. 3:27
Das heißt, die Kedusha selbst — also die Spiritualität — ist nicht verhüllt. Verhüllt ist nur der direkte Genuss für die Gefäße des Empfangens, den man aus ihr empfangen könnte; nur darauf liegt ein Zimzum. Denn sobald man korrigiert und die Gefäße des Empfangens nicht benutzen will, offenbart sich sofort die Spiritualität. Und man sieht, dass sie auch vorher nicht verhüllt war; sie war nur deshalb verhüllt, weil die Gefäße in der Absicht zu empfangen waren.
Das heißt, wir müssen verstehen: Wenn es zwei Kanäle gibt, über die wir Spiritualität aufnehmen können, dann liegt die Störung nur im zweiten Kanal — quasi deshalb, weil wir sie in der Absicht zu empfangen an uns ziehen wollen. Aber wenn wir Spiritualität aufnehmen wollen, nicht für uns selbst, sondern um mit ihr zu arbeiten, wie es ihr gebührt, in Angleichung der Form an sie, dann sehen wir sie und können mit ihr arbeiten. Das heißt, unsere Gefäße des Empfangens sind es, die uns die Spiritualität verhüllen.
Ja, bitte?
4:49 Schüler: Wie kann man etwas nicht empfangen wollen, wenn ich es nie empfangen habe?
Rav: Weil die Spiritualität verhüllt ist, will ich sie zwar scheinbar, aber ich will sie nicht wirklich. Ich will viel mehr die Leiden loswerden. Man gibt mir in dieser Welt in unserem Zustand — ja, in meinem Zustand — allerlei Leiden, und ich muss vor diesen Leiden fliehen. Da scheint es mir, ich würde zur Spiritualität hingezogen, weil ich sie will. In Wahrheit kann ich sie gar nicht wollen — ich habe sie nicht gesehen, nicht gefühlt. All diese Mystik, die sich ein Mensch einbildet, ist auch keine Spiritualität. Spiritualität ist überhaupt „um zu geben", nicht das, was wir uns einbilden.
So klärt sich dem Menschen jedes Mal ein anderer Charakter, ein anderes Bild der Spiritualität. Je weiter er fortschreitet, desto mehr verändert sich bei ihm ständig die Form der Spiritualität. Also wirkliche Spiritualität kann ich gar nicht wollen — sie ist mir überhaupt entgegengesetzt. Vielmehr werde ich dazu gedrängt, weil es mir scheint, dass sie mich im Grunde von Problemen erlösen wird.
Und nach und nach entwickle ich — durch das Lernen, dadurch dass ich aus der Umgebung und aus der Gemeinschaft höre — mit meinem kleinen Willen zu empfangen gegenüber der Spiritualität, sagen wir: einfach ein Interesse, dadurch dass ich von anderen höre, dass es sich lohnt, dass es viel ist, dass es groß ist. So werde ich dadurch hingezogen, das heißt, ich verpflichte mich, zu lernen und zu arbeiten, Handlungen zu machen, die helfen.
Insgesamt helfen mir Lernen und Handlungen, Umgebendes Licht heranzuziehen. Wenn ich Umgebendes Licht heranziehe, dann empfange ich Chen deKedusha (die Anmut der Kedusha) — etwas, das ich nie hatte, auch wenn es mir schien, ich würde die Spiritualität so sehr wollen. Aber Chen deKedusha ist etwas anderes. Chen deKedusha heißt, dass ich durchaus anfange, damit einverstanden zu sein, dass man vielleicht zum „um zu geben" kommen muss. Das ist etwas sehr Merkwürdiges, Unnatürliches: Innerhalb meines allgemeinen lo liShma fängt es an, ein wenig liShma zu werden. Das ist es.
Das heißt, ich will diese Arbeit machen, damit ich es habe oder damit der Schöpfer es hat; und klar, wenn ich es nicht habe, dann mache ich es nicht — aber ein wenig ist da etwas, wo ich beabsichtige, dass auch Er so eine Art Beziehung dazu haben soll. Und das nennt man „lo liShma, das zu liShma führt" — dort ist schon dieser Übergang. Wie beim Zerbrechen der Gefäße: Im Gefäß ist irgendein Funke — in der Malchut, aus der Bina —, durch den die Malchut später korrigiert werden kann.
8:48 Schüler: Diese ganze Berechnung — beruht sie auf dem kleinen Funken?
Rav: Sicher. Die ganze Spiritualität wächst aus dieser Rechnung, aus diesem Funken — dadurch, dass dieser Funke durch das Lernen Chen deKedusha empfängt, und dann ziehe ich das groß. Aber von vornherein habe ich gewiss kein Verständnis, was Spiritualität ist, und kein wirkliches Verlangen nach ihr in der wahren Form. Sondern aus dem Chen deKedusha, das in mich eintritt — aus dem, was man liShma nennt —, daraus fange ich durchaus schon an, sein zu wollen „um zu geben"; das fängt an, in mir zu sein. Und das ist ein regelrechtes Wunder: dass innerhalb des Willens zu empfangen irgendwelche Funken des Gebens (Nizozin deHashpaa) zu entstehen anfangen.
Schüler: Was ist Chen deKedusha? Ist das Kedusha …?
Rav: Chen deKedusha ist genau das, was der Name sagt: die Anmut der Kedusha. Das heißt, dass es eine Art Anziehung dazu gibt; es ist mir angenehm, ich denke, es ist gut, es zu haben. Es ist kein Verlangen, denn es gibt keinen Mangel danach — vielmehr ist es mir lieblich. Das ist es. Ja, ja, es ist wirklich so ein Gefühl: Es gibt darin keine natürlichen Trennwände, sondern ich liebe es, werde einfach dazu hingezogen, da ist irgendetwas. „Chen" (Anmut) ist genau das Wort. Überhaupt: Wie sie jede Erscheinung benannt haben, das ist ein Wunder — sie haben es bis zum Ende gefühlt und es dann in das richtige Wort gekleidet.
Schüler: Welche Bedeutung haben die Genüsse? „Das Gute und der Genuss, den der Heilige, gepriesen sei Er, seinen Geschöpfen zukommen lassen wollte" — was bedeutet das …?
Rav: „Das Gute und der Genuss, den der Heilige, gepriesen sei Er, seinen Geschöpfen wohltun wollte" — da ist von der Stufe des Schöpfers die Rede. Es gibt kein anderes Gutes und keinen anderen Genuss als das, was Er selbst ist — also Sein Zustand, Seine Stufe —, und dahin wollte Er, dass das Geschöpf kommt. Weniger als das heißt nicht „seinen Geschöpfen wohltun". Weniger als das wäre einfach, sich des Geschöpfs vielleicht zu erbarmen, sozusagen. Verstehst du. Denn das Gute — das ist Er.
Verstehst du: „der Gute und Wohltuende" — so nennen wir Ihn, dass Er gut und wohltuend ist; und zum Guten will Er, dass wir kommen. Also müssen wir zu Seinem Zustand kommen. Nicht von Ihm empfangen und nicht Ihn fühlen — das gewiss nicht —, sondern zu Seinem Zustand. Das nennt man Gleichheit der Form, und das nennt man Dwekut (Anhaftung). „Aus Deinen Taten haben wir Dich erkannt" — durch Seine Taten erkennen wir Seine Taten, wir gleichen uns Seinen Taten an, und dadurch befinden wir uns einfach auf derselben Ebene, auf derselben Stufe.
Und wenn wir Ihn vervollständigen, dann ist es nicht so, dass wir von Ihm empfangen — es ist wie ZoN, die sich in einer ununterbrochenen Paarung (Siwug de lo Passik) auf gleicher Höhe (Koma shawa) befinden. Darin liegt keinerlei Minderung des Geschöpfs gegenüber der Stufe des Schöpfers, und das nennt man „der Gute und Wohltuende".
12:42 Schüler: Was geschieht mit den Stufen davor?
Rav: Alle Stufen davor sind Stufen der Gleichheit der Form, auf denen ich nach und nach zur vollen Gleichheit komme. Ich habe 620 Verlangen; jedes davon muss ich in seinem Gebrauch dem Schöpfer angleichen. Ich gleiche irgendein Verlangen so an, dass es „um zu geben" wird, das heißt, es bekommt genau denselben Gebrauch wie bei Ihm. Er lässt das Licht diesem Verlangen gegenüber leuchten; Er hat mein Verlangen durch ein bestimmtes Licht erschaffen. Sagen wir, von Ihm gehen 620 Lichter aus — sagen wir es so —: Jedes Licht erschafft in mir ein Verlangen „um zu empfangen"; ich korrigiere dieses Verlangen auf „um zu geben", und so wird das Gefäß wie das Licht. Dann wird dieses Verlangen wie ein Licht, weil es der Handlung entsprechend zurück gibt.
So habe ich 620 solche Gefäße, die zum Schöpfer zurück geben, so wie Er mit 620 Lichtern in diese Gefäße hinein gibt; und so entstehen zwei gleiche Systeme entsprechend der Handlung des Gebens. Das nennt man: Das Geschöpf wird genau wie der Schöpfer.
Ja?
14:02 Schüler: Aus dem Artikel ist mir ehrlich gesagt nicht ganz klar, was Lashon haRa ist, denn ich sehe, es ist nicht einfach so, dass man auf diese Weise über den Schöpfer redet.
Rav: Lashon haRa heißt nur: gegen den Schöpfer. Es ist kein Lashon haRa, wenn ich einem Dritten etwas über dich sage — das ist „gute Rede" (Lashon haTov). Aber Lashon haRa ist in Wahrheit nur gegenüber dem Schöpfer, denn wir haben im Grunde überhaupt keine Beziehung zu irgendetwas anderem, als uns auf Ihn zu beziehen. Und was uns stört, uns richtig auf Ihn zu beziehen — das heißt, jedes Hören¹ unserer inneren Stimme, oder gewiss auch der äußeren, das meine Beziehung zu Ihm schwächen oder verderben kann —, das nennt man „Lashon haRa". Das heißt, sagen wir so: Du kannst letztlich alle Störungen als Lashon haRa bezeichnen. Denn jede einzelne Störung — ob äußere oder innere, egal — redet in mir gegen die Einzigkeit, gegen den Guten und Wohltuenden, und das nennt man „Lashon haRa".
Ja.
Schüler: Was kann ich tun — kann ich jetzt so sein und den ganzen Tag nur „Baruch HaShem" (Gelobt sei der Name) sagen?
Rav: Nein, du musst nicht die ganze Zeit dazu „Baruch HaShem" sagen. Du sollst „Baruch HaShem" sagen, nachdem du dich geprüft und dich mit diesem Lashon haRa auseinandergesetzt hast und weißt, woher es entspringt — aus deinen Gefäßen —, und dann erkennst du, was die Ursache ist. Du steigst zu dieser Ursache hinab und fühlst, wie sehr sie entgegengesetzt ist und dich am Erkennen des Ziels, am Erreichen des Ziels hindert. Dann sagst du wirklich, dass diese Rede für dich schlecht ist, weil sie für den Schöpfer schlecht ist. Dadurch vereinst du dich schon mit dem Schöpfer zusammen — sagen wir: dieser Rede gegenüber —, und dann kannst du Ihn bitten, dass Er diese Rede korrigiert. Bevor du dich mit Ihm dem Schlechten gegenüber vereinst, kannst du Ihn nicht bitten.
Schüler: Also etwas, das zum Beispiel gegenüber einem Freund kommt — es ist ja klar, dass alles gegenüber dem Schöpfer ist, aber wenn es nun spezifisch gegenüber einem Freund kommt?
Rav: Was heißt „gegenüber einem Freund"? Dass du vom Freund irgendwelche Dinge hörst, nach dem Motto: „Ach, bei mir war es so." Als ich in die Synagoge kam und schon einige Wochen dort war — ich weiß nicht mehr, vielleicht ein paar Monate —, da kam ich zum Schabbat und blieb bei irgendeinem Chassid zum Übernachten. Sein Vater hatte bei Baal HaSulam gelernt und war einer von denen mit Erlangung (Hasaga), einer der großen Schüler. Und er war… sein Großvater, Verzeihung, nicht der Vater, der Großvater. Und er selbst war einfach… was kann er dafür, dass sein Großvater bei Baal HaSulam war, aber er blieb eben so beim Rebben. 17:20
Ich war bei ihm zu Hause, übernachtete, und ging mit ihm zusammen in die Synagoge zu den Gebeten, zu den Mahlzeiten, wir kamen zurück. Und dann redeten wir unterwegs, und so fragte ich ihn auch dieselbe Frage: Was ist der Prozess und so. Er sagt: „Was für ein Prozess? Weißt du, dafür muss man sein ganzes Leben geben, und vielleicht zwanzig Jahre, nur um anzufangen zu fühlen, zu erlangen. Und das ist eine Sache, die… wer kann sich darauf einlassen, wer lässt sich darauf ein?"
Nu, ein Mensch sagt so etwas — sein Großvater war bei Baal HaSulam, sein Vater lernte beim Rebben, lernt auch, und er lernt… auch er selbst war… in meinem Alter, vielleicht ein paar Jahre älter. Ich kam zum Rebben — weißt du, bei mir gibt es keine Spitzfindigkeiten, ich bin nicht so intelligent wie du. Ich komme zum Rebben, packe ihn fest und ziehe ihn zur Seite und sage: „Mein Lieber, was ist das? Zwanzig, dreißig, vierzig Jahre — was, was, was ist das hier für eine Sache?" Ja. Als er das hörte, wollte er ihn umbringen, wollte ihn regelrecht umbringen. „Das nennt man Lashon haRa", sagte er mir. Das ist Lashon haRa. „Er hat dir Gift eingeflößt — das du hörst —, und du wirst diese Frage die ganze Zeit unterwegs haben. Die ganze Zeit unterwegs wirst du dieselbe Frage haben. Du wirst sie nicht mehr loswerden können. Wirklich, du wirst dich die ganze Zeit mit ihr auseinandersetzen müssen. Solche Dinge darf man nicht anhören."
Nu, was kann ich dafür, dass ich es gehört habe — verstehst du, das rollt alles so vom Himmel herab. Aber das nennt man wirklich „Lashon haRa". Das heißt, etwas, das dich schwächt, das dir irgendeine andere Art von Gedanken, einen anderen Weg einflößen kann, das dich trotzdem von dem Ziel abbringt, das du erreichen musst — das ist insgesamt zu deinem Schaden. So [hättest du sonst gedacht]: „In Ordnung, zwanzig Jahre" — aber du kommst ans Ziel, sagen wir, ja. Und so gehst du hin und verschwendest noch ein paar Umläufe (Gilgulim), und wer weiß, und danach kehrst du wieder zu demselben Punkt zurück, ja. Also darf man das nicht anhören. Und wenn es in der Gemeinschaft wirklich solche Gerüchte, solches Gerede gibt, dann muss man diese sofort entfernen; wenn jemand so eine Neigung hat, so in der Gemeinschaft zu reden, ist das einfach eine totale Zerstörung. 20:05
Und wisst ihr — ich war einmal… im Jahr fünfundsiebzig war ich Versicherungsvertreter, während ich zugleich beim Militär tätig war. Ich ging hin, um Versicherungsvertreter zu werden. Warum? Mir fehlte Benzin fürs Auto, und ich wollte sehr gern im Land herumfahren, und damals gab es irgendeine Preiserhöhung, ich weiß es nicht mehr genau. Also ging ich hin, um Versicherungsvertreter zu werden. Nach der Arbeit dachte ich ein wenig nach. Was hat es mir gebracht? Es half mir, an allerlei Orte zu fahren, und das reichte mir. Ich wollte nicht… mehr als das dachte ich nicht.
Also war da — vielleicht könnt auch ihr das bei den Vorträgen sehen. Wir hatten dort einen Vortrag — nu, man versammelte Leute, um ihnen zu erzählen, was Versicherung dort ist, egal was. Und ich war dabei anwesend. Und da war ein Mann im Publikum, der dagegen war und anfing, dem Vortragenden Fragen zu stellen, und anfing, dort allerlei Berechnungen einzubringen, dass es sich nicht lohne. Er zerstörte den ganzen Saal. Dort waren vielleicht, ich weiß nicht, fast hundert Leute, achtzig, siebzig. Keiner von ihnen wollte eine Versicherung machen. Ich erinnere mich an meinen Eindruck, wirklich, wie ich das sah: Das ist regelrecht Lashon haRa. Wirklich in so einer reinen Form. Wie sehr ein einzelner Mensch verderben kann. Denn er geht mit deiner gegenwärtigen Natur zusammen, deshalb fällt es ihm sehr leicht, das zu tun. Gegen die Natur hätte er nicht so viel Schlechtes bewirken können. Du wirst sehen, wie viel Anstrengung (Jegia) wir brauchen, um die gute Kraft und die schlechte Kraft in uns ein wenig einander anzugleichen. 22:12
Das heißt, bei allem musst du regelrecht das Ohr öffnen oder schließen, das Ohr öffnen oder schließen. Dasselbe mit den Augen, wirklich so. Du hörst etwas Schlechtes oder etwas, das dich schwächen kann — sofort, sofort von diesem Ort verschwinden. Das ist sehr wichtig. Wir wissen nicht, wie sehr das… Wir denken: „Nein, ich werde das überwinden, ich werde noch stärker sein." Nichts wird dabei für dich herauskommen. Es wird bleiben, es wird in allerlei anderen Zuständen zu dir zurückkehren, in denen du nicht so ein Held sein wirst, ja, und trotzdem. Wenn es nötig ist, wird man dir von innen Lashon haRa geben — das ist etwas anderes. Aber von außen ist das schon deine Wahl. Du darfst nicht in dessen Nähe sein. Ich warne euch eindringlich voreinander. So legen wir es auch in den Gruppen fest: dass wir die ganze Zeit über die Erhebung des Ziels sprechen müssen und die ganze Zeit die Liebe und all die schönen Handlungen zeigen müssen, die wir sozusagen einer für den anderen tun.
Ja.
Schüler: Wenn ich es richtig verstanden habe, ist es schlimmer, Lashon haRa über den Schöpfer zu verbreiten, als Ihn schuldig zu sprechen.
Rav: Wie bitte?
Schüler: Lashon haRa über den Schöpfer zu verbreiten.
Rav: Ja.
Schüler: Das ist schlimmer… Lashon haRa zu verbreiten ist schlimmer, als [Ihn] schuldig zu sprechen.
Rav: Lashon haRa über den Schöpfer zu verbreiten ist schlimmer, als [Ihn] schuldig zu sprechen. Sicher, kein Zweifel. Ich spreche Ihn schuldig, weil ich mich so fühle — dass ich nicht korrigiert bin —, das ist meine natürliche Reaktion. Wenn ich mit dem Leben unzufrieden bin, heißt das, dass ich Ihn schuldig spreche. Ich muss das nicht mit dem Mund aussprechen. Wenn es mir bei etwas schlecht geht, dann sage ich in dem Maße, in dem es mir schlecht geht, dass Er schlecht ist, ja? Aber das sage ich aus meinem Gefühl des Schlechten heraus. Und nach und nach korrigiere ich dieses Gefühl. Ich fasse eine richtige Beziehung zu Ihm und sehe, dass dieses Schlechte in zielgerichteter Form zu mir kommt, ja.
Aber wenn ich von außen Lashon haRa über Ihn höre, dann nehme ich von außen einen negativen Zusatz auf. So wie wir sagen, dass wir uns gemeinsam vereinen wollen, dass wir die gute Beziehung zu Ihm, die Anziehung zu Ihm, das Verlangen zu Ihm einer vom anderen sammeln, ja? Damit jeder ein größeres Verlangen hat, ja. Nun stell dir vor, wir versammeln uns zusammen, und — behüte und bewahre² — jeder nimmt vom anderen Lashon haRa auf, gegen Ihn oder gegen das Ziel. Nu, das ist das, was man so nennt: dass du von außen irgendeinen schlechten Einfluss³ hörst. Und nach dem Beispiel, das ich mit diesem Vortrag über die Versicherung gegeben habe: Ein einziges solches Gerücht kann dir sehr, sehr viel Arbeit verderben, die du vorher getan hast.
Deshalb ist das sehr wichtig. Deshalb fürchten wir uns bei uns sogar, einen Menschen zu sehen, der schwach geworden ist. Nun, er ist schwach geworden, er ist müde — das ist etwas anderes —, dann schläft er, wir sehen, dass er ausgelaugt ist. Er ist wirklich Tag und Nacht in Anstrengung, in der Arbeit, hat keine Zeit, hat nichts, ist zusammengebrochen. Nu, das ist umgekehrt, das kann ehrenvoll sein, wenn wir sehen, dass er wirklich mit aller Kraft arbeitet. Aber wenn er uns einfach seine Geringschätzung zu zeigen beginnt — es war hier mit einem unserer Freunde einer, der Anstrengung geben könnte und nicht will und sich auch noch rechtfertigt —, dann konnten wir ihn hier nicht ertragen. Zwar ist er ein guter und kluger Kerl und alles, aber diese Form störte wirklich sehr, sie gab ein [abschreckendes] Beispiel ab, darüber muss man gar nicht erst reden. Lashon haRa ist nicht wirklich „Rede" (wörtlich: „Zunge")⁴ — es ist alles, was in dir Geringschätzung für das Ziel weckt, was dich schwächt. Was heißt „Rede/Zunge"? Wenn du liest — ist es dann keine „Rede"? Wenn du siehst — ist es dann keine „Rede"? Das spielt keine Rolle.
Ja.
26:46 Schüler: Kann die Kritik in der Gruppe irgendwie zu einem solchen Zustand führen, dass sie wie Lashon haRa wird, dass sie Menschen schwächt?
Rav: Nein, Kritik muss es geben. Aber Kritik muss sachlich und schöpferisch sein: dass wir uns hier versammelt haben, um durchaus über das Problem zu beraten und darüber, wie man es verbessert. Das ist es. Also warum nicht? Ohne Kritik und ohne das Schlechte zu sehen, kann man nicht vorankommen.
Ja.
Schüler: Warum gibt es gegenüber Lashon haRa nicht etwas wie „gute Rede" (Lashon Tov)? Etwas, das…
Rav: Es steht geschrieben: „Schlag ihm die Zähne [aus]." Schlag ihm auf die Zähne. Gib ihm eins auf die Zähne. Weil es dem gegenüber nichts gibt. Er redet, er hat recht — er redet aus dem heraus, was real vorhanden ist, aus deinem Ego und aus der realen Lage, aus dem, was du um dich herum siehst, und indem er sich auf dein Leben, auf die Lage stützt, ja? Du bist ein schwacher Mensch, hast eine Familie, hast viele Belastungen, bist von deinem ganzen Leben müde. Er wird dir tausendundeine Dinge sagen, und du wirklich — und jede Sache, die er sagt, sagt er richtig, er hat recht.
Er hat recht, das ist das Problem. Auf deiner Ebene, wo du dich befindest — das ist, wie meine Mutter mir sagt, ja? „Du bist krank, du bist schwach, du hast Kinder, Familie und dies und das, ein bisschen Mitleid, kümmere dich ein bisschen um die Gesundheit, und wie kann man nachts nicht schlafen und so weiter." All die richtigen Dinge — ich will keine lange Liste, ich will nicht, ich glaube nicht, dass man bis zum Ende kommen kann, es ist wirklich so. Und das ist — alle zwei, drei Tage ruft sie mich an, das ist…
Schüler: Meine Mutter auch.
Rav: Eben. Die haben dort in Kanada für Rentner ein Abkommen mit ihrer Telefongesellschaft. Wirklich, das kostet dort für sie nur ein paar Groschen. Es ist, ich weiß nicht, 30–40 Dollar im Monat, und sie kann fast ohne Unterbrechung mit mir reden. Und das ist die Mutter, du kannst nicht…
Schüler: Auflegen.
Rav: Ja, verstehst du? Und dann — aber ich höre zu, ich bin so, es hilft, es ist Arbeit, die ich machen muss. Das ist es. Und da ist nichts zu machen. Auf dieser Ebene, so wie sie es sagt, sagt sie richtige Dinge, das ist wirklich zu Recht. Außer einer Sache: dass es ein spirituelles Ziel gibt, vom Punkt im Herzen — davon, von diesem Punkt, redet sie nicht. Sie redet einfach aus dem Herzen; in all diesen Problemen hat sie recht. Was soll ich machen? Sie weiß ja schon, dass ich nichts machen kann, ja? Aber trotzdem: das ist menschlicher Verstand, und das ist göttlicher Verstand — so macht man es und so macht man es.
Ja.
30:07 Schüler: Warum gibt es nichts Energisches, sagen wir — nur eine Abwehr dagegen?
Rav: Gegen Lashon haRa?
Schüler: Ja.
Rav: Nein — etwas Energisches gegen Lashon haRa, warum es das nicht gibt? Doch, es gibt es: nicht zuzuhören. Ihn zu zerstören kannst du nicht, du hast nicht die Kraft, denn er redet aus der Natur heraus. Nur den Schöpfer bitten, dass Er die Natur verändert — damit tauscht Er dir Lashon haRa gegen die gute Rede aus. Du selbst kannst es im Leben nicht.
Gut. Nu, der Letzte.
Schüler: Bei dem Beispiel mit der Versicherung — wie kann man jenen Menschen neutralisieren, der zerstört…
Rav: Wie kann man jenen Menschen neutralisieren, der im Vortrag sitzt? Übrigens war ich in jenem Jahr der beste Vertreter in der ganzen Versicherungsgesellschaft „Zion". Ich habe die Urkunde von ihnen noch. Ja. Und ich habe sie sofort weggeworfen. Wie kann man dieses Lashon haRa während des Unterrichts, sagen wir, während des Vortrags neutralisieren? Ich sage gewöhnlich so: Ich bin hier der Vortragende, ich muss den Vortrag durchbringen, ich habe einen Plan, was ich erzählen will; all diese Dinge hören wir uns am Ende an. Am Ende frage ich: Nu, wo gibt es Fragen, bitte? Man fängt an zu fragen — auch er will vielleicht etwas sagen, aber die anderen haben ebenfalls etwas zu fragen, und so wird das eingedämmt. Anders geht es nicht. 32:15
Nur das Lashon haRa stopfen, weil man ihm nicht beikommen kann. Auf derselben Ebene, auf der du mit ihnen redest — der normalen, menschlichen Ebene —, hat er recht. Er hat recht. Das ist es. Nach dem, was wir mit den Augen sehen — das Geld, die Ehre, die Erkenntnisse, die Sicherheit, die Gesundheit —, all diese Dinge kann man, so scheinen wir zu sehen, auf allerlei üblichen Wegen erlangen, ja? Aber wenn du hingehst und sie wirklich erlangen willst, siehst du, dass man das nicht schaffen kann. Denn trotzdem kannst du auf rationalem Weg kein einziges Problem lösen — von der Gesundheit bis zur Sicherheit, egal was, nichts kannst du lösen.
Aber man muss das klären. Und mit wessen Hilfe klärst du es? Gerade mithilfe dieses Lashon haRa. Aber so, dass du es auf nützliche Weise nimmst, und dann siehst du, dass es wirklich mit Absicht kommt, um dir zu helfen, das Schlechte zu sehen. Das heißt, es muss unter deiner Aufsicht stehen. Und dann ist das sehr, sehr gut. Du siehst wirklich eine „Hilfe ihm gegenüber" (Eser keNegdo). Das ist es.
Wir hatten gestern einen Vortrag auf Russisch, es kamen sehr wenige Leute, und ich denke, das ist ein Misserfolg in der Vorbereitung, weil man die Leute nicht über eine Zeitung erreicht und nicht über diese Flugblätter, Aufkleber, die man macht. Denn wenn du irgendwo in Dimona einen Vortrag machst und dort Anzeigen aufklebst, dann kommen sie zu jenem Ort in der Nähe ihres Zuhauses. Aber in Cholon anzukleben, dass es in Petach Tikwa einen Vortrag gibt — das, glaube ich, funktioniert nicht, und das haben wir auch gesehen.
Ich denke, das Beste — und das hat man nicht genutzt —, das Einzige, was helfen kann, ist, in der Gruppe zur Pflicht zu machen, dass jeder — gewöhnlich redet ohnehin jeder in der Gruppe mit noch ein paar Leuten einfach so über die Kabbala. Bei der Arbeit, an allerlei Orten, in allerlei Kreisen, wo er sich irgendwo bewegt, so hier und da redet er. Und dann soll er diesen Leuten sagen, dass es die Gelegenheit gibt, einmal zu kommen und einen allgemeinen Vortrag mit den Fragen zu hören, und alles ist offen und kostenlos. Und auf diese Weise, denke ich, könnte man ein großes Publikum hierher bringen. Wenn jeder in den Gruppen zusätzlich mit einigen Leuten um sich herum reden würde, mit denen er einfach so verbunden ist, dann würden sie kommen.
Hm?
35:10 Schüler: Worüber ist der Vortrag am Donnerstag? Was gibt es…
Rav: Am Donnerstag — ich weiß nicht, das hängt davon ab, was sie mir sagen.
Schüler: Die Wichtigkeit der Verbreitung.
Rav: Die Wichtigkeit der Verbreitung, in Ordnung. Das ist es. Also ich denke, das ist die einzige Weise — gut, dass wir das gelernt haben, gut, dass es so gelaufen ist, und wir haben daraus gelernt, und es wird sich klären; du siehst, auch das erkennt man aus dem Schlechten heraus — ich denke, das ist die Lösung. Das ist es.
(Ende des Unterrichts)