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Morgenlektion, Abschrift vom 10.12.2002
Buch
„Die
Schriften
des
Rabash”,
Band
2,
Teil
„Stufen
der
Leiter”
Artikel
„Was
bedeutet
Scheitern
in
der
Arbeit”
Rav: Wir haben einen Artikel aus Band 4¹ gehört, „Stufen der Leiter”, aus dem Teil „Hoshea”, also aus den „Propheten”: „Was bedeutet Scheitern in der Arbeit”. In Wahrheit gibt es überhaupt kein Scheitern. Jedes einzelne Ding kehrt, wie geschrieben steht, zu seiner Wurzel zurück und hinterlässt nur einen Eindruck. Und dieser Eindruck hilft: Entweder wird er jetzt korrigiert oder später. Der Mensch entdeckt nämlich danach, in der letzten Zeit, also in den letzten Zuständen, wenn er die ewige und vollkommene Liebe des Schöpfers zu ihm erlangt: Der Schöpfer hat ihn erschaffen, Er hat ihm den ganzen Weg geplant, Er hat den ganzen Weg auch selbst gemacht, Er hat ihm die Augen geöffnet, und Er hat ihm auf dem Weg in allen Zuständen Verhüllungen gemacht.
All diese Dinge kamen letztlich aus diesem letzten und ersten Punkt: dem Guten, der Gutes tut, den Schlechten wie den Guten, ohne jede Abrechnung mit dem Menschen selbst. Es gab nie Scheitern, es gab nie Stürze, es gab nie irgendwelche Schläge, sondern alles war nur aus ewiger Liebe. Was ist also das Scheitern? Scheitern, das sind die Bedeckungen, durch die der Mensch hindurchgehen muss, sonst fühlt er die Offenbarungen nicht. Der Schöpfer muss den Menschen durch all diese Ereignisse führen.
Und die Offenbarung muss auf zwei Arten geschehen. Sie muss persönlich für jeden Einzelnen geschehen: Jeder Einzelne zeigt mit seinem Finger: „Siehe, das ist unser Schöpfer.”² Er muss den Schöpfer offenbaren, er selbst, nach seinen Gefäßen, denn kein anderer hat die Gefäße, die er hat. Jeder aus seiner Seele heraus, wie man sagt, aus der Kombination der Verlangen und Sehnsüchte, die nur in ihm ist. Und außer dass die Offenbarung persönlich ist, muss sie bis zur Höhe des Throns der Herrlichkeit reichen.
Was heißt „bis zum Thron der Herrlichkeit”? Kisse, Thron, kommt vom Wort Kissui, Bedeckung.³ Alle Bedeckungen, alle Verhüllungen werden zur Herrlichkeit des Schöpfers; das heißt, man kommt zur höchsten Stufe im Fühlen des Schöpfers. Das sagen wir auch über die Gemeinschaft, womit wir uns beschäftigen müssen und was wir einander geben müssen: Solange wir die Wichtigkeit des Schöpfers, Seine Größe, die uns Treibstoff geben würde, noch nicht fühlen, machen wir füreinander sozusagen Werbung dafür, „Pirsumei Nissa”⁴, wie man sagt.
Werbung heißt: Auch wenn man nicht weiß, was das für eine Sache ist und welche Wichtigkeit sie hat, aber alle es sagen, wird sie in unseren Augen wichtig. Und daraus haben wir Treibstoff. Das ist das eine. Daraus verbinden wir uns auch miteinander: Wir verbinden schon die Verlangen jedes Einzelnen mit dem anderen, annullieren unser Ich und so weiter. Die Arbeit ist also vielfältig: Mit einer Handlung erzielt man viele Ergebnisse. 4:23
Und hier fragt Baruch aus Odessa: Was ist der Unterschied zwischen dem Thron des Schöpfers und – wie sagt man – dem, auf dem der König sitzt?
Schüler: …
Rav: Ja, aber wie heißt das auf Hebräisch?
Schüler: Thron der Herrlichkeit.
Rav: Ist das der Thron der Herrlichkeit, auf dem der König sitzt, oder gibt es dafür ein besonderes Wort?
Schüler: Thron des Königtums.
Rav: Thron des Königtums, Thron des Königs. Nein, nein, aha. Das muss sich also dahin verwandeln: Die Bedeckung muss zum Thron der Herrlichkeit werden. Das habe ich gesagt: Kisse kommt vom Wort Kissui, Bedeckung, und Thron der Herrlichkeit heißt: eine Bedeckung, die zur Herrlichkeit wird, bis man zur Erkenntnis des Königs selbst kommt.
Genau das steht geschrieben: „Groß ist die Umkehr, denn sie reicht bis zum Thron der Herrlichkeit.”⁵ Die Größe der Umkehr muss also eine Rückkehr bis zu der Größe sein, in der alle Bedeckungen zur Erkenntnis der Herrlichkeit werden, zur Erkenntnis der Größe des Schöpfers. Und der Anfang des Weges ist, dass wir von jedem Einzelnen einen Eindruck empfangen müssen. Obwohl keiner es sieht und keiner es weiß, müssen wir voneinander beeindruckt werden, dass der Schöpfer groß ist. Ich muss von meiner Umgebung begeistert sein, wie sehr sie das sozusagen kennen und wie ihnen das Treibstoff gibt und so weiter.
Gibt es Fragen? Ja.
6:18
Schüler: Was ist der Unterschied zwischen der Offenbarung, die persönlich für jeden Einzelnen in seinen Gefäßen ist, und der Offenbarung, in der alle Verhüllungen zur Herrlichkeit des Himmels werden, zur Herrlichkeit des Schöpfers?
Rav: Es gibt eine persönliche Offenbarung und eine allgemeine Offenbarung. Die persönliche Offenbarung ist: Jeder Einzelne kommt im Lauf der 6000 Jahre durch seine persönliche Arbeit dahin, wohin er kommt, bis zu seinem persönlichen Ende der Korrektur. Aber das ist das persönliche Ende der Korrektur, und es gibt die Stufe des allgemeinen Endes der Korrektur. Das persönliche Ende der Korrektur heißt: Ich komme zur Verbindung mit allen Seelen, und soweit ich in sie eingeschlossen bin, erhebe ich auch sie nach oben zum Ende der Korrektur, in dem, worin ich aus ihnen eingeschlossen bin.
Aber das gilt nur in dem, worin ich aus ihnen eingeschlossen wurde, nicht dass sie aus mir eingeschlossen wurden und diese Arbeit auch schon tatsächlich machen. Ich ziehe also meinen Teil bis zur Höhe des Endes der Korrektur und alle übrigen Seelen, soweit sie in mir eingeschlossen sein können, durch meine Kraft. Sie selbst können aber auf allen möglichen Ebenen sein, sogar auf der Stufe null oder unter dem Machsom. Das heißt persönliches Ende der Korrektur. Dahin kommen Kabbalisten, danach streben sie, nach dieser Stufe.
Das allgemeine Ende der Korrektur dagegen heißt: Jede einzelne Seele, jeder Mensch, der hier auf der Erde in dieser Welt lebt, kommt tatsächlich zu diesem Zustand, mit vollem Bewusstsein. Dann ist das das allgemeine Ende der Korrektur in den Seelen, die in Körper gekleidet sind: Während sie noch in Körper gekleidet sind, verwirklicht sich das Ende der Korrektur in der Spiritualität. Das heißt, du bringst die spirituelle Stufe von Azilut in diese Welt herab, während du noch in deinem Körper bist. Das heißt: „Und die Herrlichkeit des Schöpfers wird die Erde erfüllen.”⁶ Alle Verlangen, sogar einschließlich des Bewegungslosen, Pflanzlichen und Tierischen außerhalb des Menschen, diese Stufen.
In welcher Form das bei ihnen sein wird? Sicher nicht bewusst, denn sie haben dafür keine Massachim und keine Gefäße, sondern als in den Menschen eingeschlossen. Das war’s, das ist der Unterschied zwischen dem allgemeinen und dem persönlichen Ende der Korrektur. Dabei gibt es auch Unterschiede auf der höchsten Stufe, was persönliches und allgemeines Ende der Korrektur ist, auch vor dem Ende der Korrektur, von dem wir gesprochen haben, das bei allen Geschöpfen in dieser Welt sein wird. Das ist der Unterschied zwischen Rabbi Shimon und seinem Sohn Rabbi Elasar. Darüber sprechen wir einmal.
Ja.
Schüler: Was gibt es …
Rav: Das ist nicht wichtig, ich habe nichts gesagt.
9:35
Schüler: Nun gibt es die Erkenntnis des Bösen hinsichtlich Mocha und die Erkenntnis des Bösen hinsichtlich Liba.
Rav: Ja.
Schüler: Was ist das eine und was das andere?
Rav: Sagen wir es einfach: wie im Gehirn und im Herzen. Das sind zwei Arten spiritueller Gefäße, die sich dem Menschen öffnen, wenn er zur Offenbarung kommt.
Schüler: Auch bei der Erkenntnis des Bösen?
Rav: Auch bei der Erkenntnis des Bösen, das ist egal. Erkenntnis des Bösen heißt auch: Es gibt etwas, was du fühlst, und außerdem gibt es etwas, wobei du den Grund für das Gefühlte verstehst. Das sind zwei Stufen.
Schüler: Dann ist den Grund verstehen höher …?
Rav: Natürlich.
Schüler: Fühlen ist Liba, und den Grund verstehen ist Mocha?
Rav: Fühlen ist Liba, und den Grund verstehen ist Mocha, sagen wir so. Das ist keine vollkommene Erklärung. So.
Noch etwas? Nein. Ja. Hier ist kein Platz, sag mal, warum sitzt du dort? Alle Stühle, die dort stehen, muss man einfach wegwerfen. Wegwerfen, und fertig, ich bin nicht einverstanden, dass dort Leute sitzen. Wer dort sitzt, schläft ein und geht danach hinaus. Das heißt nicht, dass du in der Versammlung der Schüler sitzt.
Hörst du, Grishma? Komm her. Setz dich hierher, genau hierher. Gebt ihm ein Buch, damit er es wenigstens vor sich aufschlägt. Er kann nicht lesen und schreiben, aber egal. Er bekommt einen neuen Namen, und man merkt die Veränderung nicht.
Nu, ja, wo bist du?
11:50
Schüler: *Auf Seite 14, im vierten Absatz, steht „Und damit”. Meine Frage: Was bedeutet es, dass man über Adam haRishon gesagt hat, er sei ein „Min” gewesen?*⁷
Rav: Min heißt, dass man den Begierden nachläuft, sozusagen der „Tierhaftigkeit”. Das ist keine Tierhaftigkeit, das heißt „um zu empfangen”. Von allen Begierden ist die niedrigste, aber größte Begierde Min, die Sexualität, und die gibt es nur beim Menschen. Bei Tieren gibt es so etwas gerade nicht, bei ihnen geht das nach Programm. Weißt du, es kommt ein bestimmter Monat, sie kommen an einen bestimmten Ort, um sich zu paaren und zu vermehren, ganz einfach nach Programm. Zu einer anderen Zeit gibt es das überhaupt nicht. Du weißt das, so ist es beim Pflanzlichen und so beim Tierischen.
Und beim Sprechenden, auf der Stufe des Menschen, ist das völlig zügellos. Das ist eine sehr tiefe Sache. Es ist nicht so, wie es uns scheint, dass Min einfach nur Sexualität ist. Es steht der Vereinigung gegenüber, also nicht dagegen, sondern es ist, sagen wir, ähnlich, wenn man das so sagen kann, dem Punkt der Vereinigung mit dem Schöpfer, nur auf der niedrigsten Stufe, also sagen wir auf der stärksten. Das war’s. Und diese Vereinigung muss sich wirklich auf alle Stufen hin verwirklichen.
Deshalb heißt „er war ein Min” … Gut, geh dorthin, nu. „Er war ein Min” heißt, er hat Begierden auf der niedrigsten Stufe bekommen, damit er jetzt durch diese Störungen nach und nach zur Dwekut mit dem Schöpfer vorankommt. Bevor er diese Begierden bekommen hat, gab es überhaupt nichts, worüber man von Korrekturen reden konnte. Denn die Korrekturen fangen gerade bei dieser Stufe an: Alle Stufen aus dem Zerbrechen steigen immer weiter ab, bis sie zur niedrigsten Stufe im Verlangen zu empfangen, um zu empfangen kommen, die Min heißt. Das war’s. 14:34
Das ist in der Spiritualität; in der Materie ist es entsprechend. Aber in der Materie müssen wir uns damit nicht beschäftigen. Unsere Korrektur geschieht nur durch das Licht, das zum Guten zurückführt.⁸ Das war’s. Das heißt: sich nur nach der Kraft von oben sehnen, dass sie kommt und mich korrigiert, und sich nicht auf die Korrektur der Verlangen selbst konzentrieren. Man sagt: Wer ein Verlangen hat und anfängt, es zu brechen, bekommt zwei. Verstehst du? Das vermehrt sich wirklich so. Die Korrektur geschieht vielmehr dadurch, dass du dich einfach mit Spiritualität beschäftigst, mit der Kraft.
Du bringst den Schöpfer ins Bild, du willst mit Ihm verbunden sein. Daraus kommen die Korrekturen, das war’s. Nicht gegen die Verlangen kämpfen, sondern gegen die Verhüllung des Schöpfers. Die Verlangen einfach lassen. Sonst bist du, denn „wo die Gedanken des Menschen sind, dort ist er”, die ganze Zeit in diesen Gedanken über Sexualität, Geld, Ehre, und das war’s. Sondern das Licht soll mich herausziehen. Das hätte die Absicht sein sollen, die Ausrichtung, das Verlangen als Hoffnung.⁹
Ja.
15:57
Schüler: Hier im Artikel stand, dass das Zerbrechen auf die Absicht, um zu geben, geschah. Und das ist doch das Ziel, dass der Mensch zu dieser Absicht, um zu geben, kommt. Warum geschah bei Adam haRishon gerade darauf ein Zerbrechen?
Rav: Der Schöpfer hat das Verlangen zu empfangen erschaffen. Das Verlangen zu empfangen ist einfach ein Sinn, der die Gegenwart des Schöpfers genießt. Nicht mehr. Das heißt: Wenn ich den Schöpfer fühle, geht es mir gut; wenn ich Ihn nicht fühle, geht es mir schlecht. Gut auf alle Arten, die man sich nur vorstellen kann, und schlecht auf alle Arten, die man sich nur vorstellen kann, von kleinen Schlägen bis zu etwas …
Gut oder schlecht kommt also von Offenbarung oder Verhüllung, außer dem gibt es nichts. Indem der Schöpfer sich eingeschränkt hat, hat Er einfach das Verlangen erschaffen. Dieses Verlangen soll sich aber nicht nur wie eine Blume der Sonne öffnen oder schließen, wenn keine Sonne da ist. Es soll auch selbst die Offenbarung der Sonne erlangen und die Sonne zu sich ziehen können, es soll selbst bestimmen, wann Sonne auf ihm ist und wann nicht. Dafür muss man diesem Verlangen zusätzliche Eigenschaften geben, außer dass es ihm gut oder schlecht geht, damit es der Urheber der Handlung sein kann. Deshalb hat der Schöpfer mit Kraft in dieses Verlangen die Fähigkeit hineingegeben, eingepflanzt, das Verlangen zu beaufsichtigen, über dem Verlangen zu sein. Das erlangt das Verlangen, das bekommt es durch das Zerbrechen.
Durch das Zerbrechen bekommt es die Eigenschaft des Schöpfers: zu geben. Und dann, wenn es geben will und sich deshalb öffnet, fühlt es sofort das Licht, auch wenn das Licht nicht da ist. Denn das Verlangen zu geben selbst wird zu Licht. Daraus folgt, dass es nicht mehr davon abhängt, was vonseiten des Schöpfers geschieht. Das heißt „Meine Söhne haben Mich besiegt”¹⁰: frei vom Schöpfer und frei von seinem eigenen Verlangen zu empfangen; das ist ja dasselbe. Alles hängt nur von diesem seinem Verlangen zu geben ab. Und der Schöpfer hat ihm das Verlangen zu geben im gleichen Maß hineingegeben wie sein Verlangen zu empfangen. Es kann also völlig unabhängig vom Verlangen zu empfangen sein und nur im Verlangen zu geben sein. Und mehr noch: Es kann sich öffnen und das Verlangen zu empfangen benutzen, nicht nur zum Öffnen, sondern auch zum Geben.
Dadurch wird es zur Leuchte, zur Quelle des Lichts, wie der Schöpfer. Das heißt „die zwei großen Leuchten”¹¹, das war’s. Natürlich bekommt es von vornherein vom Schöpfer sowohl das Verlangen zu empfangen als auch Funken des Gebens. Das kommt von oben, aus einer Quelle. Aber abgesehen davon, dass es das bekommt, ist die ganze Arbeit sozusagen seine.
Hast du nicht das gefragt? Ich weiß nicht. Scheint mir nicht.
20:13
Schüler: Aber dass er den Punkt des Schöpfers erkannt hat und anfing, zu empfangen, um zu geben: Er hatte doch eine Absicht, um zu geben … der Schöpfer.
Rav: Adam haRishon hatte natürlich die Absicht, um zu geben. Er wollte alles, seine Gefäße … Er war in den Gefäßen des Gebens, Galgalta we Ejnaim: geben, um zu geben. Das heißt, er war wie ein Engel. Er hatte überhaupt keinen bösen Trieb. Er war im Garten Eden, in Azilut. Er schämte sich nicht, denn es gab keine Gefäße des Empfangens, obwohl er nackt war. Er benutzte nur Galgalta Ejnaim, nicht ACHaP.
Und er benutzte alles, was da war, außer einer Sache: dem Baum der Erkenntnis. Die Gefäße des Empfangens, den Baum der Erkenntnis, unterhalb des Tabur, durfte er nicht benutzen. Und dann hat er natürlich entdeckt, dass gerade die Benutzung dieser Gefäße das Ziel der Schöpfung ist. Aber … und sie zu benutzen muss natürlich im „um zu geben” geschehen. Und das ist quasi … Warum ist das eine Schlange? Das ist doch keine Schlange, die Schlange hat recht.
Die Schlange ist quasi dieser Trieb, der ihm sagt: „Wenn du das benutzt, wirst du dem Schöpfer den größten Genuss geben. Du wirst empfangen, um zu geben. Mit deinem ganzen Kli, mit allen Verlangen, mit allem, was du hast, wirst du ganz an Ihm haften. Was hast du jetzt im Vergleich zu dieser großen Sache? Gar nichts. 22:08
Was du jetzt hast, ist auch von Ihm, denn das ist alles nur Verlangen zu geben, und das ist Sein Wille.¹² Er ist es, der dir auch einen Teil von Sich gegeben hat. Aber in deinen Verlangen, dort, wo du bist, machst du dabei überhaupt nichts. Woran sieht man, dass du wirklich geben willst? Geben wollen heißt, dass du die Gefäße des Empfangens benutzt. Das bist du.”
Und all diese Argumente sind hundertprozentig richtig, dagegen kann man nichts sagen. Es gibt nur eine Art Verbot: Diese Gefäße darf man trotzdem nicht benutzen. Hier gibt es also eine sehr feine Sache. Das Verbot kommt vom Schöpfer, und der Drang, die Handlung im Empfangen, um zu geben, zu machen, ist auch auf den Schöpfer hin gerichtet. Was ist hier im Menschen also mehr und was weniger?
Dazu kommt noch etwas: Dem Menschen scheint, dass der Schöpfer ihm absichtlich sagt, diese Gefäße nicht zu benutzen, weil Er will, dass der Mensch zu der Entscheidung kommt, dass man sie doch benutzen muss. Wann? Wenn er fühlt, dass seine Handlung wirklich „um zu geben” sein wird. Hier gibt es feine Dinge, aber ich sehe nicht, dass hier schon … Darüber sprechen wir noch. Aber im Grunde ist das quasi der Fehler.
Aber es war kein Fehler. Vonseiten des Menschen war alles hundertprozentig richtig, sondern weil … Sagen wir so: Sein Fehler ist, dass er niemals berechnen kann, dass sich Lew haEwen nicht mit Galgalta we Ejnaim vermischen kann. Das ist das Problem. Aber solange es von vornherein ACHaP und Galgalta we Ejnaim gibt und Lew haEwen noch nicht geklärt ist, kann man darüber keine Berechnung machen.
Daraus folgt, dass er sich natürlich irrt, aber in einem Irrtum, den er niemals im Voraus hätte ahnen können. Das war’s. Als Folge davon hat er dann wirklich Unterscheidungen zwischen Lew haEwen und allen übrigen Eigenschaften. Dann klärt er Lew haEwen. Das ist die Hauptklärung: An seiner ganzen Natur sieht er jetzt, wie sehr sie dem Schöpfer entgegengesetzt ist, und dann bekommt er darauf das Ende der Korrektur.
Ich habe noch nicht so recht Worte dafür, darüber muss man vielleicht mehr sprechen.
Ja.
25:44
Schüler: Sie haben vorhin das Wort Vereinigung erwähnt, und auch vor zwei Lektionen haben Sie über Vereinigung gesprochen. Können Sie noch einmal praktisch erklären, wie man eine Vereinigung macht, an einem Beispiel oder an Beispielen? Sie haben damals … erwähnt und gesagt … dass ihr ein Gebet vor dem Segensspruch habt und alles Weitere. Können Sie noch Beispiele geben …?
Rav: Ich habe keine Beispiele für spirituelle Handlungen. Was für ein Beispiel kann es geben? Ein Beispiel heißt: Es gibt etwas, es geschieht etwas in der Wirklichkeit, und ich nehme davon eine kleine Veranschaulichung in kleinerem Maßstab. Oder ich mache es in einem anderen, einfacheren Material und führe dieselbe Handlung aus, sodass dir aus der Handlung klar wird, was im Großen wirklich geschieht, sagen wir, im wirklichen Zustand.
Wir haben keine solchen Möglichkeiten, Beispiele aus der Spiritualität zu geben. Wir haben kein Verlangen zu geben, wir haben keine Handlungen durch den Massach, wir haben nichts, worüber ich das sagen könnte. Was für ein Beispiel? Höchstens ein bisschen, um dem Ohr verständlich zu machen, was man sagt. Dem Ohr verständlich machen – das gibt es nicht. Ich habe keine Möglichkeit. Wenn ich einen Segensspruch sage, bevor ich trinke, heißt das, dass ich eine spirituelle Handlung mache? Woher denn, was für eine spirituelle Handlung? Ich nehme ein Glas, irgendein Getränk, und in diesem Getränk ist Genuss. Über diesen Genuss sage ich einen Segensspruch: „Gesegnet seist Du, Schöpfer, unser Schöpfer, König der Welt, durch Dessen Wort alles geworden ist”¹³, und trinke. Nu, und?
Was habe ich damit gemacht? Ich habe die Handlung richtig gemacht, ich habe alles nach dem gesagt, was im Shulchan Aruch¹⁴ steht. Aber habe ich damit eine spirituelle Handlung gemacht oder nicht? Natürlich nicht. Ich habe, sagen wir, die Erkenntnis des Genusses, was ich eben davon habe. Aber habe ich gegenüber diesem Genuss einen Massach und Or Choser, durch die ich auf diesen Genuss das Maß an Dwekut mit dem Schöpfer empfange? Dann ist mir der Tee schon nicht wichtig.¹⁵ In diesem Tee gibt es, sagen wir, zehn Gramm einer besonderen Art Genuss. Habe ich dagegen einen Massach oder nicht? Kann ich darauf spirituelle Handlungen machen, Zimzum, Or Choser und die Absicht im „um zu geben”? Kann ich mich mit dem Schöpfer vereinigen? 28:27
Solche Dinge sind mir nicht offenbart, also kann ich mich natürlich nicht „vereinigen”, wie du fragst, mit dem Schöpfer an so einem Beispiel. Das ist kein Beispiel. Ich bringe dir bei, wie man in der materiellen Welt den Segensspruch macht, aber ohne jede Entsprechung. Daraus kannst du dir keine Handlung in der Spiritualität vorstellen. Das geht ja noch. Aber wenn du einen Lulaw, Zizit, einen Tallit nimmst: Das sind dort die größten Dinge, auf der Ebene von Seir Anpin de Azilut zur Zeit seiner Gadlut, zur Zeit seiner wirklichen Vereinigung.
Und bei uns heißt das: Du hast irgendeine Pflanze genommen und irgendwas gemacht, weißt du, so wie die primitiven Völker alle möglichen „Hu, hu, hu” machen, und du machst irgendwelche Handlungen, die sie überhaupt nur von der Seite anschauen. Ein Kulturvolk, Tausende Jahre – schau, was es von vor 5000 Jahren mit sich schleppt. Alle Achtung, dass sie der Tradition treu sind, sehr schön. Aber man sieht daran, dass das ein altes Volk ist, das Dinge nimmt wie die primitiven Völker und damit alle möglichen Sachen macht. Das denken die Leute, die anschauen, was du machst.
Sukka. Nu, vor 3000 Jahren hat man in Hütten gelebt, ja, zur Zeit, als man aus Ägypten auszog, schön, eine Erinnerung an … Kultur. Anders kann man es nicht sagen. Dass das ein Beispiel für spirituelle Handlungen ist? Du siehst, keiner versteht das. Wie viel man auch erklärt, keiner versteht es. Was für ein Beispiel willst du also von mir?
30:25
Schüler: Nehmen wir einen bestimmten Zustand: Man durchlebt im Lauf des Tages ein bestimmtes Gefühl. Wie macht man in diesem Gefühl eine Handlung der Vereinigung?
Rav: Ich mache in meinem bestimmten Gefühl eine spirituelle Handlung. Ich habe sie gemacht. Nu? Ist das ein Beispiel? Was kann ein Beispiel sein? Wenn du dich mit deinem Verlangen an mein Verlangen anschließen kannst und passiv in meinem Verlangen anwesend bist, während ich eine Handlung mache, dann lernst du daraus, wie man die Handlung macht. Danach trennst du dich mit deinem Verlangen ab und machst dasselbe. Aber dafür musst du dich verbinden. Das heißt: Der Höhere lehrt den Unteren. Das sind NeHJ de Ima, die sich in Seir Anpin bis zu seinem Chase ausbreiten und ihn die Handlungen lehren.
Schüler: Das ist eine Handlung des …, die der Untere lernen muss …
Rav: Das ist eine Handlung des Lernens.
Schüler: Und die Vereinigung, die man machen muss?
Rav: Die Vereinigung machst du mit dem Schöpfer durch die Handlung.
Schüler: Und wenn man es danach allein macht …
Rav: Was du allein mit dem Schöpfer machst, heißt Vereinigung. Das war’s.
Schüler: Gibt es die Phase, in der man lernt … zu machen?
Rav: Was du mit dem Lehrer lernst, heißt nicht Vereinigung, das heißt Verbindung. Vereinigung gibt es nur mit dem Schöpfer. Das war’s.
Schüler: Versuchen …
Rav: Indem du mit dem Schöpfer so handelst, wie der Lehrer es dir gesagt hat. Wenn ein Schüler dazu nicht bereit ist, sollte er solche Dinge lieber nicht ausführen. Da gibt es viele Dinge, ja. Es gab Kabbalisten, die das gemacht haben, aber das ist nicht …
Ja.
32:37
Schüler: Gibt es einen Zustand, in dem sich ein Mensch quasi zu schnell an den Schöpfer wendet, ohne seinen Zustand genug zu klären und ohne genug darin zu sein, und sich an den Schöpfer wendet, um quasi vor dem Leiden zu fliehen? Gibt es so etwas?
Rav: Es gibt einen Zustand, in dem …?
Schüler: Dass ein Mensch nicht genug klärt, nicht genug im Zustand ist und sofort zum Schöpfer flieht, quasi zum Schöpfer flieht?
Rav: Es gibt einen Zustand, in dem sich ein Mensch an den Schöpfer wendet, bevor er den Zustand quasi bis zum Ende geklärt hat, ja?
Schüler: Ja.
Rav: Das ist nicht wichtig. Wann immer es eine Möglichkeit gibt, sich zu wenden, wende dich. Sitz nicht da und warte: „Wenn ich noch mehr leide, wird mein Schrei wahrhaftiger.” Dein Schrei wird nicht wahrhaftiger werden, außer du bist mit dem ganzen Verlangen und in jedem Zustand mit Ihm verbunden. Denn das Licht klärt das Kli, und du selbst wirst immer nur dein eigenes Fleisch (essen).¹⁶
Deshalb darfst du nicht sparen, die ganze Zeit die Verbindung mit Ihm zu suchen, mit dem Licht. Das war’s. Denn aus diesem Licht kommt alles: die Größe des Kli, die Klärung des Kli, die Erkenntnis des Bösen, die Wendung nach oben, die Erkenntnis der Größe. Sich nicht dorthin zu wenden heißt also, im Verlangen zu sitzen und nur zu fühlen, was das Verlangen fühlt, ohne jeden Nutzen. Daraus entsteht keine Handlung. Eine Handlung kann nur als Folge davon entstehen, dass das Licht gibt.¹⁷ Deshalb lohnt es sich nicht, sich quasi zurückzuhalten und sich nicht an den Schöpfer zu wenden. Natürlich nicht, Gott bewahre. Im Gegenteil, es steht auch überall geschrieben, dass man immer beten soll.
Ja.
34:36
Schüler: Was heißt das, wenn ein Schüler nicht bereit ist, sich mit dem Lehrer zu verbinden? Dass es sich nicht lohnt und nicht wünschenswert ist … diese Handlung?
Rav: Noch nicht bereit.
Schüler: Was heißt bereit sein?
Rav: Was heißt bereit sein? In Bezug auf den Schöpfer ist das besser. Das ist erst dann, wenn wirklich eine sehr große Notwendigkeit da ist, eine wirklich vollständige, sich an den Schöpfer zu wenden. Dann kommt ihm der Schrei, und er wendet sich auch um Hilfe, um Hilfe an den Rav. Und an den Rav, an die Freunde, an die Bücher … Alles hängt davon ab, wie viel die Gemeinschaft uns dieses Verlangen liefert. Bei uns selbst, bei jedem Einzelnen für sich, wird das nicht geschehen. Nur durch den Angriff gegen alle Störungen, die dem entgegenstehen, und durch einen gemeinsamen Angriff.
Wovon hängt die Kraft des Lichts ab, das zum Menschen kommt? Nur von der Notwendigkeit, vom Maß der Notwendigkeit der Korrektur, die der Mensch hat. Das heißt, wie sehr er will und was genau er will, wie sehr die Bitte in ihm geklärt ist.
Warum steht „und eure Augen werden aufgetan”¹⁸, nachdem Adam die Sünde begangen hat? „Eure Augen” meint sowohl die Seite von Adam als auch die Seite von Chawa. Es meint also sowohl die Richtung des Benutzens im „um zu empfangen” als auch die des Benutzens im „um zu geben”. Alles hat sich ihnen geöffnet. Das heißt, dann ist alles offen vor dem Menschen, der zur Erkenntnis des Bösen kommt und, demgegenüber, zu den Lichtern, die er erlangen kann – aus beiden Dingen. Dann verbinden sich wirklich die Eigenschaften des Geschöpfs und die Eigenschaften des Schöpfers.
Ja.
37:16
Schüler: Wenn ich, sagen wir, eine Woche, zwei Wochen keine Veränderung fühle, quasi einen statischen Zustand, was kann ich machen?
Rav: Wenn du fühlst, dass du dich nicht veränderst, was du machen kannst? Warum man darauf eine Woche, zwei Wochen warten soll, weiß ich nicht. Aber das hängt davon ab, wie viel Geduld du hast, ja? Du hältst dich zurück, nach und nach, ja.
Schau, wenn der Mensch nicht in jedem Augenblick fühlt, dass er sich verändert, muss ihm das schon Sorgen machen. Denn warum ist dieser Augenblick vergangen? Ein Augenblick ist vergangen, das ist ein Zeichen, dass es von oben eine Veränderung gibt, und du hast dich dementsprechend von unten nicht verändert. Das ist schon ein Problem. Wenn die Uhr tickt und es innen nicht tickt, gehst du schon auf die Schläge zu, bis sie sich so zusammenfügen, dass du – bumm! – so einen Schlag bekommst. Der Hammer fängt schon an, sich hinter dir zu heben, das war’s. So ist das.
Schüler: Was macht man dann? Was kann man tun?
Rav: Was macht man? Ganz schnell, ganz schnell muss man etwas machen. Zuerst die Empfindlichkeitsschwelle anheben: Wie ist es passiert, dass ich ein paar Augenblicke nicht an das Ziel gedacht habe? Du schreibst es auf, danach vergisst du es, das geht nicht. Aufschreiben, aufschreiben – es hilft nicht, dass du es aufschreibst. Es steht geschrieben: „Schreibe es auf die Tafel deines Herzens.”¹⁹ Verstehst du? Hierhin muss man schreiben. Das Papier muss keine Umkehr machen, dem ist das egal.
Man muss also einen Kreis, einen Mechanismus um sich herum bauen, der dich die ganze Zeit wie ein Wecker zu diesem Gedanken weckt. Jeden Augenblick. Ich habe es mir hier auf die Hand geschrieben und vergessen, auf die Hand zu schauen. Ich habe es geschrieben – nein, hier nicht, dann schreibe ich es hierhin; ich habe es hierhin geschrieben und auch das nicht gesehen. Ich erinnere mich, ich bin mit dem Rebbe²⁰ gefahren, ich saß am Steuer, und dann, nu, ich schaue hier auf das Stück Hand und sehe zwei, drei Stunden nicht, was dort geschrieben steht. Plötzlich: Oh!
Hier braucht man also nicht das Sehen. Wir können im Leben überhaupt nichts sehen. Weißt du, manchmal siehst du nicht, und manchmal siehst du sofort. Warum? Ein inneres Verlangen danach ist erwacht, dann siehst du. Ohne Verlangen siehst du nicht. 40:08
Deshalb muss innen ein Verlangen erwachen. Ein Verlangen zu erwecken liegt in der Hand des Schöpfers, das können wir nicht machen. Oder statt des Schöpfers die Gemeinschaft: Sie ist das Einzige, was außer dem Schöpfer wirken kann. Wenn der Schöpfer dir ein Verlangen erweckt, kommt das immer auf unangenehme Weise, damit dir danach eigenständige Arbeit bleibt, freie Wahl. Sonst würde Er doch die Arbeit an deiner Stelle machen?
Die Erweckung von oben kommt also immer so, weißt du: Danach verpflichtet man dich zur Zahlung mit hohen Zinsen. Das lohnt sich nicht. Es lohnt sich, sich an die Gemeinschaft zu wenden und in sie zu investieren, damit sie die Arbeit an dir machen, je nachdem, wie viel du in sie investierst. Dann machst du mehrere Korrekturen auf einmal. Das ist dieselbe Korrektur, aber auf mehrere Arten: Du verbindest dich mit ihnen, du saugst von ihnen Verlangen auf, du schließt dich ihnen an, du musst dich beugen, sie erwecken dich. Du brauchst den Schöpfer sozusagen schon nicht mehr, damit Er dich erweckt. Es ist, als hättest du die Erweckung selbst gemacht, aufgebaut.
Damit fängst du also an, dich durch andere aufzubauen, die in Wirklichkeit keine anderen sind: Sie werden dadurch ein Teil deiner Seele. Und dadurch wächst deine Seele. Es gibt keine andere Wahl: Solange wir nicht verstehen, dass meine Seele aus allen Teilen um mich herum gebaut sein muss, aus allen Seelen in meinen Freunden, ganz einfach, werde ich stehen bleiben, ohne mich zu bewegen.
Gut.
(Ende der Lektion)