Tägliche Lektion20. Aug. 2026(Morning)

Part 1 Rabash. Artikel 27 (1990) (09.05.2003)

Rabash. Artikel 27 (1990) (09.05.2003)

20. Aug. 2026

Dieses Transkript wurde mithilfe KI aus dem hebräischen Original übersetzt und nicht redaktionell bearbeitet.

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Transkript vom Morgenunterricht, 09.05.2003

Buch „Schriften des Rabash", Band 2, S. 1088, „Was bedeutet „Jeder Grashalm hat einen Aufseher oben, der ihn schlägt und ihm sagt: Wachse!“ in der Arbeit?"

Rav: Wir haben einen Artikel aus „Shlavey haSulam", Band 5, gehört, zu Bereschit Rabba: „Was bedeutet „Jeder Grashalm hat einen Aufseher oben, der ihn schlägt und ihm sagt: Wachse!“ in der Arbeit?". Was heißt das? Es gibt zwei Zustände, die vollkommen voneinander getrennt sind. So getrennt, dass wer im einen Zustand ist, den nicht versteht, der im anderen ist. Es sind zwei Dimensionen der Existenz – man nennt sie Spiritualität und Materialität, oder Altruismus und Egoismus, um zu empfangen und um zu geben, und so weiter.

Wie man das nennt, ist nicht wichtig; unsere Wörter führen uns alle sowieso nur in die Irre. Aber wenn ein Mensch fähig ist, sich zwei Zustände der Existenz möglichst abstrakt vorzustellen, dann kann er sich vielleicht irgendwie klarmachen, dass man den zweiten Zustand wirklich nicht verstehen kann, solange man im ersten ist. Der spirituelle Zustand, das „um zu geben", ist wirklich ein anderes Leben, eine andere Empfindung, eine andere Wirklichkeit – alles ist anders. Als käme man in eine Welt, die von unserer Wirklichkeit und unserer Welt völlig abgeschottet ist. Denn was bei uns arbeitet, ist die Empfindung. 02:25

Wir sind eine geschlossene Schachtel. Was wir in uns empfinden, nennen wir „diese Welt", in der ich lebe. Das heißt, ich lebe in meinen inneren Empfindungen: Ich male mir irgendein Bild der Welt aus, und dieses eingebildete Bild ist eigentlich meine Wirklichkeit. Für den Menschen kann es also zwei Arten von Wirklichkeit geben – entweder er stellt sich die Wirklichkeit mit den Kelim Nummer eins vor oder mit den Kelim Nummer zwei. Mit den Sinnen Nummer eins oder den Sinnen Nummer zwei: in den Gedanken, in den Verlangen, in den Berechnungen.

Das sind einfach zwei Systeme, die es in uns gibt. Sie existieren nicht irgendwo im Weltraum, hinter irgendwelchen Sternen oder was auch immer, sondern im Menschen selbst gibt es zwei Systeme. Erfasst er etwas mit System Nummer eins, sagen wir: Er empfindet sich in der materiellen Welt. Erfasst er sich und empfindet er sich als existierend über das zweite System, dann sagt man: Er ist in der spirituellen Welt. Beides gilt natürlich nur in Bezug auf den Menschen – es ist etwas sehr, sehr Subjektives, Persönliches; wir sprechen nicht davon, was außerhalb des Menschen existiert.

Außerhalb des Menschen wissen und fühlen wir überhaupt nichts. Wir haben keinerlei Möglichkeit zu verstehen, was außerhalb von uns ist. Der zweite Zustand unterscheidet sich vom ersten aber dadurch, dass in uns eine andere Empfindung ist. Außer der Empfindung gibt es nichts. Wir sprechen nur über die Empfindung. Was ist diese andere Empfindung? Die Empfindung, dass man ein ewiges Leben lebt, dass man in Vollkommenheit ist, dass man in der vollen Erlangung der Welt ist, in der man lebt – unbegrenzt. Deshalb ist Zustand Nummer zwei – die spirituelle Welt, der spirituelle Zustand, diese Empfindung, die wir Spiritualität nennen – der ersten Empfindung vorzuziehen, die Materialität heißt; denn sie ist mit Ewigkeit und Vollkommenheit verbunden.

Diese beiden Zustände sind, wie gesagt, getrennt. Man kann den einen Zustand nicht erkennen, solange man im anderen ist. Wozu brauchen wir diese zwei Zustände? Niemand fragt uns, wir wählen diese Zustände nicht. Wir sind im einen Zustand und müssen von ihm in den zweiten übergehen – und dieser Übergang soll wirklich durch unsere Mühe geschehen, durch unsere Empfindung, durch unsere eigene Anstrengung, von unserer Seite; wir müssen uns irgendwie daran beteiligen.

06:27

Dadurch, dass wir gegen System Nummer eins kämpfen, erwerben wir System Nummer zwei. Und der Kampf läuft auf vielen Ebenen. Ich muss mit meinem allgemeinen Willen zu empfangen kämpfen – ich ganz und gar bin dieses Ich, ich denke nur an mich selbst. Ich nehme die Wirklichkeit so auf, dass ich alle Daten aus meiner Umgebung aufsauge und sie mit einem Programm verarbeite, das ganz auf meinen eigenen Nutzen ausgerichtet ist. Ich bin bereit, jeden, der in meiner Nähe ist, jeden, den ich in der Welt sehe, nur zu meinem Nutzen zu benutzen. Und ich muss zu einem System übergehen, das dazu entgegengesetzt ist.

Warum? Weil ich in meinem Kampf zuerst das System kennenlernen muss, in dem ich mich befinde – das egoistische System dieser Welt, wie man sagt, das ich in der Wirklichkeit erfasse und „diese Welt" nenne. Und danach muss ich verstehen: Aus diesem System heraus – das in seinem Grunde böse und dem System Nummer zwei entgegengesetzt ist, während ich System Nummer zwei noch gar nicht spüre – lohnt es sich auf egoistische Weise, zu System Nummer zwei überzugehen. Und danach löse ich mich von der egoistischen Form und denke darüber nach, wie ich zu System Nummer zwei übergehe, schon auf eine Weise, die fast gar nicht mehr von mir abhängt – also das, was wir „um zu geben" nennen.

Und man sagt: Bei diesen Übergängen erwerbe ich etwas, ich werde zum Herrscher über beide Systeme. Auch über System Nummer eins: Indem ich aus ihm herausgehe, beginne ich es zu beherrschen, weil ich all das Negative darin aufdecke, all seine Mängel. Über all diese Mängel herrsche ich, ich stelle mich über sie, sodass sie nicht mehr über mich herrschen – damit erwerbe ich System Nummer eins. Und wenn ich von Nummer eins zu Nummer zwei übergehe, beginne ich, auch dieses System zu meinem Nutzen zu erwerben. Ich bin nicht so in System Nummer zwei, wie ich anfangs in System Nummer eins war – wo meine egoistische Natur über mich herrscht und diese Welt über mich herrscht und die Gemeinschaft über mich herrscht und ich selbst nichts bin.

10:05

Dort bin ich wirklich in ihre Hände gegeben. Wenn ich dagegen zu System Nummer zwei übergehe, zum spirituellen System, dann gehe ich in dem Maß hinüber, in dem ich es beherrsche. Und dann erwerbe ich diese beiden Wirklichkeiten: die Wirklichkeit Nummer eins, diese Welt, und die Wirklichkeit Nummer zwei, die Kommende Welt. Das heißt: Der Übergang, der durch meine Mühe geschieht, verschafft mir wirklich die Möglichkeit, die ganze Wirklichkeit zu beherrschen – die materielle wie die spirituelle.

Und wir sehen: Die Schwierigkeit ist für jeden Einzelnen persönlich, darin unterscheiden wir uns voneinander. Jeder muss diesen Übergang machen, und den ganzen Weg auf seine eigene, persönliche Weise. Jeder hat seine eigene Schwierigkeit – und zwar nicht nur im Kampf gegen seinen Willen zu empfangen und beim Erwerb des Willens zu geben. Denn sich vom Willen zu empfangen zu enthalten, ist schon ein Kampf für sich, und den Willen zu geben zu erobern, ist noch einmal ein Kampf für sich.

Die Schwierigkeit besteht aber auch darin, dass man uns eine Schwierigkeit hinstellt: Wir müssen in einer Welt sein, in der wir uns auch abmühen müssen, mit körperlicher und geistiger Arbeit, und wir müssen gegen die Meinung der Gemeinschaft bestehen, gegen die von Familie und Kindern. Wir müssen uns auch mit allerlei Stigmata auseinandersetzen – wie wir sie jetzt im Artikel lesen: Tora, Mizwot, Schöpfer, Geschöpf, „um zu geben", ein Gerechter sein. Lauter solche Wörter, die uns abstoßen, die uns verwirren, die aus der Erziehung zu uns kommen und uns das wahre Bild verderben.

Das ist mit Absicht so gemacht, damit wir all diese Unterscheidungen klären und aussortieren und damit wir zu jedem einzelnen Wort wirklich seine reine, spirituelle Bedeutung bekommen. Dann heißt es, dass wir seine Tiefe und sein Wesen schon verstehen. Und es gibt auch noch andere Schwierigkeiten. Außer den Stigmata, die wir zu diesen Wörtern in uns tragen, haben auch Menschen, die zum Beispiel keine Juden sind und nie von Tora und Mizwot gehört haben, genau wie wir andere Stigmata: Was ist Tora überhaupt, wovon spricht sie – von Dingen, die es in dieser Welt gibt, oder von der Spiritualität? Erzählt sie uns, wie man von Nummer eins zu Nummer zwei übergeht, zwischen den Zuständen?

13:48

Oder erzählt sie von irgendeinem Prozess, der hier in dieser Welt passiert ist, mit irgendwem oder irgendetwas dort – Israel, dem Volk Israel? Bei den Nicht-Juden¹ kommt noch ein anderes Problem dazu: Man hat ihnen ein antisemitisches Gefühl eingepflanzt, deshalb können auch sie diesen Weg nicht annehmen, es fällt ihnen schwer – von der Natur her haben sie noch eine zusätzliche Erschwernis. Und so weiter und so fort. Jede Art von Seelen hat noch allerlei zusätzliche Schwierigkeiten zu verstehen, dass es zwei Arten von Wirklichkeit gibt, und wirklich von der einen in die andere überzugehen. Wie Baal HaSulam sagt: Das ist ein psychologisches Problem. Denn eigentlich sind sowohl „um zu empfangen" als auch „um zu geben" gegenüber dem Willen zu empfangen etwas Neutrales.

Die Absicht gehört nicht zum Willen zu empfangen. Der Schöpfer hat den Willen zu empfangen ohne Absicht erschaffen, und deshalb ist unser Wesen wirklich nur der Wille zu empfangen. Die Absicht „um zu empfangen" oder „um zu geben" ist es, die die beiden Arten von Wirklichkeit baut: diese Welt und die spirituelle Welt. Und diese Absicht gehört nicht auf natürliche Weise zum Willen zu empfangen, sondern wurde schon in besonderen Systemen außerhalb von ihm gemacht.

Deshalb möchte ich sagen: In unseren Grundlagen gibt es keinerlei Unterschied, dass uns das eine näher wäre – der Wille zu empfangen – und das andere ferner – der Wille zu geben; oder umgekehrt, dass uns der Wille zu geben näher wäre und der Wille zu empfangen ferner. Sondern wir befinden uns von Anfang an einfach im System des Willens zu empfangen, und deshalb ist uns das System des Willens zu geben, das System des Gebens, fremd. Es ist uns wirklich entgegengesetzt. 16:20

Aber es ist uns nur deshalb entgegengesetzt, weil man uns mit Gewalt in die Absicht „um zu empfangen" hineingesetzt hat. Wäre das nicht so, würden wir es nicht so empfinden. Und wenn wir uns ohne die Absichten „um zu empfangen" und „um zu geben" erfassen würden und man uns diesen beiden Systemen gegenüberstellte, dann würden wir wirklich sehen, wie völlig, völlig gleichwertig diese beiden Systeme in unseren Augen sind.

Und so ist es tatsächlich. So muss man es sich vorstellen: Es gibt ein System der Klipa und ein System der Kedusha, und die Seele befindet sich zwischen ihnen. Und dann wählt sie wirklich, was gut und was böse ist, schon nach einem anderen Kriterium – nach der Höheren Kraft, in der freien Wahl, wo man tatsächlich wie an der Zunge einer Waage steht, mit gleichen Kräften rechts und links.

Was wolltest du fragen?

17:35

Schüler: Ja. Kann man eigentlich sagen, dass unser Wesen den Eigenschaften des Gebens näher ist als dem Willen zu empfangen? Denn unser wahres Wesen ist die Seele, und sie ist dem Schöpfer nahe, also der Eigenschaft des Gebens; der Wille zu empfangen ist dann eigentlich nur eine Fiktion für einen bestimmten Prozess, den die Seele durchlaufen muss.

Rav: Der Wille zu empfangen selbst gehört weder zum System der Kedusha noch zum System der Klipa. Der Wille zu empfangen ist einfach Materie – einfach Materie, die du benutzen kannst, wie du willst. Und es wurden zwei Systeme erschaffen: um zwischen ihnen zu unterscheiden, um sie miteinander zu verbinden, um zwischen ihnen Handlungen der Reibung auszuführen, irgendeine Art von Vergleich – damit daraus für uns neue Unterscheidungen entstehen. Wir selbst gehören weder zum System der Klipa noch zum System der Kedusha, und wir gehören auch nicht zum Willen zu empfangen. Wir bauen aus all dem etwas völlig Neues. Und dieses völlig Neue wird „Adam" genannt, das wird „Ich" genannt.

19:27

Schüler: Aber wir suchen doch nach der Identifikation, nach der Identität von …

Rav: Unsere Identität liegt überhaupt nicht darin, in nichts davon. Auch wenn wir uns scheinbar zuordnen wollen – so steht es später geschrieben –, uns dem System der Kedusha zuordnen wollen, dem System der rechten Linie dort: Das ist nur die Handlung. Aber was durch die Handlung entsteht, das ist eine neue Wirklichkeit: das, was Massach und Or Choser heißt, was vorher nicht da war und nur dem Geschöpf gehört. Das ist eigentlich das Geschöpf, denn alle übrigen Dinge gehen auf Kosten des Schöpfers.

Wir sagen: Was von oben nach unten kommt, geht auf Kosten des Schöpfers. Das ist von oben nach unten: das System der Kedusha, das System der Klipa, der Wille zu empfangen und die Absichten, die du willst – entweder aus dem System der Klipa „um zu empfangen" oder aus dem System der Kedusha „um zu geben". All diese Dinge sind von Oben gegebene Daten.

Und was geschieht dann mit uns dadurch, dass wir all diese Daten richtig oder nicht richtig oder irgendwie benutzen? Durch diese Daten erschaffen wir andere Kelim, neue Kelim, etwas, das vorher überhaupt nicht da war. Und dieses Etwas, das vorher nicht da war, wird das Geschöpf genannt.

21:13

Schüler: Kann man sich selbst identifizieren, ohne das zu bestimmen, zu definieren, was wir „wir" oder „uns selbst" nennen – ohne den Willen zu empfangen und ohne den Willen zu geben und so weiter? Gibt es einen Weg, das zu erkennen, einen Weg, das anschaulich zu machen?

Rav: „Wir" – das nennt man ein Kli, das über allen Daten gebaut wird, die sich von oben nach unten herabgekettet haben. Dieses Kli heißt Or Choser. Die Absicht „um zu geben", das sind wir – die Absicht. Uns kommt es vor, als wäre eine Absicht etwas, das gar nicht existiert: irgendeine Wolke, Rauch, ich weiß nicht, so etwas … irgendeine Blase, die keinerlei Wirklichkeit hat. Aber das ist eine gewaltige Kraft, und sie ist eigentlich dasselbe, was der Schöpfer hat.

Der Schöpfer hat keinen Willen zu empfangen, der Schöpfer hat diese ganze Wirklichkeit nicht – ein System des Gebens, ein System des Empfangens, also Klipa und Kedusha. Der Schöpfer hat auch nichts außer Seinem Willen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Das ist Seine Absicht: das Geschöpf zu erschaffen und ihm Gutes zu tun. Das ist Seine Absicht. Und was wir letztlich bauen, bauen wir über all unseren Daten – über der Materie und den Absichten in ihr, „um zu empfangen" und „um zu geben": Wir bauen unsere eigene Absicht, die Or Choser heißt.

Vom Schöpfer geht also Or Yashar zu uns aus, Seine Absicht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und von uns geht sozusagen Or Choser aus, unsere Absicht, dem Schöpfer Genuss zu bereiten. Diese Sache steht über allen Daten. Das heißt, wir stellen etwas Neues hin, gebären es, erschaffen es. Deshalb gilt: In dem Maß, in dem sich der Mensch über die Materie erhebt, in dem Maß, in dem er sich mithilfe all dieser Daten mit der Absicht identifiziert – mit so etwas wie einem Pfeil, mit der Richtung auf den Schöpfer zu –, darin befindet er sich, sein wahres Wesen.

23:48

Schüler: Das heißt, der ganze Prozess, den wir durchlaufen, ist eigentlich der Prozess der Geburt des Menschen in der Entwicklung?

Rav: Ja, das ist der Prozess der Geburt des Menschen. Was?

Schüler: Er schreibt auf Seite 12, am Ende der Seite …

Rav: Deshalb müssen wir all diese Daten sehen, die wir brauchen: das jetzige System dieser Welt und das spirituelle System, die spirituelle Welt, und den Übergang zwischen ihnen – mit allen Schwierigkeiten dieser Welt und mit allen Schwierigkeiten jener Welt. Wenn wir diese Daten nicht benutzen, können wir dieses Neue nicht bauen.

Schau doch: Da sitzen Menschen, die durchdringen und zum Ziel kommen müssen – sie müssen das Ziel erreichen, wie auch immer. Aber schau, was für Störungen auf ihrem Weg liegen. Du hast eben den Artikel gelesen: Er ist durch und durch so geschrieben, dass er uns nur verwirrt, ja? Jedes Wort, jeder Satz – „Glaube über dem Verstand", „Tora und Mizwot" –, ich weiß nicht, bei keinem davon hat man einen wirklich richtigen Gedanken. Und das ist nur deshalb so, weil wir gerade dadurch, dass wir durch all diese Minen hindurchgehen, zu dem Schliff kommen, bei dem dann Or Choser entsteht; dann erfassen wir die richtige Richtung. Man kann sie nicht anders bekommen als durch diese Störungen. Das ist einfach … Ja.

26:00

Schüler: Auf Seite 12, am Ende der Seite, in der letzten Zeile, ganz am Schluss schreibt er: „Denn auch wenn er sieht, dass er lo liShma lernt, bringt ihn das Licht in der Tora trotzdem zum Guten zurück. Das heißt, durch das Licht bekommt er die Wichtigkeit der Tora." Die Korrektur, die Rückkehr zum Guten, geschieht also dadurch, dass Wichtigkeit gegeben wird – wie funktioniert das?

Rav: Zwischen dem Dasein im einen System, dem materiellen, und dem Dasein im zweiten, dem spirituellen, gibt es ein Mittel – ein Mittel, das uns vom einen zum anderen hinüberbringt. Dieses Mittel muss wirklich etwas sein, das zu beiden Welten gehört und die Kraft hat, über dieser Welt zu stehen, mich sozusagen aus dieser Welt herauszuholen. Was heißt „mich aus dieser Welt herausholen"? Du siehst, wieder solche Wörter.

Das heißt, es muss eine Kraft sein, die mein inneres System beherrschen kann. Denn ich nehme die Wirklichkeit so auf, dass ich sie in mich hineinsauge und zu meinem eigenen Nutzen denke, ja? Und alle Kräfte sammle ich so in mir, dass ich die Wirklichkeit und die Welt und mich in ihr auf eine besondere Weise sehe – das nenne ich bei mir „diese Welt". Also muss es ein System mit einer Kraft geben, die das alles umdreht: meine Wahrnehmung, mein Denken, das Formende in mir – sie dreht es ins Gegenteil um. 27:47

Was heißt es, von hier nach dort überzugehen? Ich gehe nicht von Ort zu Ort, sondern in mir wird die Wahrnehmung anders als vorher, meine Empfindungen arbeiten anders als vorher, mein Denken arbeitet nach einem anderen Programm – das heißt, ich bin von Zustand 1 in Zustand 2 übergegangen. Es gibt also eine Kraft, die mich hinüberbringt, die mir kurz gesagt mein ganzes Inneres austauscht, das ganze Programm, nach dem ich arbeite und handle. Und dieses Programm ist nicht nur das, was ich fühle, wie viel ich fühle, in welcher Tiefe ich fühle, wie sehr ich mich selbst kenne, bis in welche Tiefe in mir ich hinabsteige, um mich selbst zu erkennen. Sondern der Austausch in mir muss wirklich bis in meine ganze Tiefe reichen, dorthin, wo ich mit meiner Selbsterkenntnis gar nicht hinkomme.

Diese Kraft, die mir mein Inneres austauscht, sodass ich Gedanken, Berechnungen und alles schon anders mache, diese Kraft heißt „Licht" oder „Tora". Und natürlich beginnt diese Kraft, mich in meinem jetzigen Zustand zu behandeln, den man „ich bin in dieser Welt" nennt, und arbeitet, bis sie ihre Behandlung beendet – das heißt, bis ich schon in der Kommenden Welt bin, in der spirituellen Welt, im zweiten Zustand.

Das ist gemeint mit „auch wenn er lo liShma lernt": Ich bemühe mich, allerlei Handlungen zu tun, um aus meinem Zustand 1 in Zustand 2 zu kommen, von der Materialität in die Spiritualität – und ich will Zustand 2 auch noch auf materielle Weise, also zu meinem eigenen Nutzen. Mit dem ersten Programm will ich sozusagen auch den zweiten Zustand verwirklichen; ich habe keine Wahl, das Programm ist ja noch nicht ausgetauscht, ja? Diese Kraft wirkt trotzdem schon und rechnet damit, denn sie baut mir all diese Vorbereitungen. Und sie wirkt schon genug auch in meinem Zustand und tauscht das Programm aus. Das ähnelt wirklich sehr einem Programm im Computer: Ich denke einfach anders, ich rechne mit anderen Ursachen, ich habe ein anderes Ziel, und ich habe einen anderen Weg, dorthin zu kommen.

30:49

Schüler: Ich verstehe aber nicht, warum dieser Switch zwischen den Absichten über die Wichtigkeit geht.

Rav: Warum geht dieser Switch zwischen den Absichten „um zu empfangen" und „um zu geben", also zwischen Programm Nummer eins und Programm Nummer zwei, über die Wichtigkeit? Er springt eigentlich durch die Wichtigkeit, weil er in meiner Entscheidung springen muss: Ich tausche sozusagen mein inneres Programm aus, das Programm der Wahrnehmung der Wirklichkeit, des Sehens der Wirklichkeit.

Und ich kann diesen Switch nur dann umlegen, wenn Zustand Nummer zwei in meinen Augen wichtiger ist als Zustand Nummer eins. Das heißt, wir müssen die ganze Zeit für die Wichtigkeit des Schöpfers sorgen, für die Wichtigkeit der Spiritualität, für die Wichtigkeit des „um zu geben". Oder mit anderen Worten: Ich muss es mir irgendwie vorstellen – „vorstellen", du siehst, wieder so ein Wort –, dass Zustand Nummer zwei für mich einfach unumgänglich ist, denn sonst ist mein Zustand in jeder Hinsicht wie der Tod.

Und dahin kommt man durch das, was er „das Licht, das zum Guten zurückbringt" nennt: Es gibt trotzdem eine Kraft, die mir dafür die Grundlage gibt, die in mir die Vorbereitung dazu baut, dass ich so denke.

Warum heißt es „über dem Verstand", warum heißt es „Wunder"? Weil es eine Umkehrung gibt, einen Schnitt zwischen dem ersten und dem zweiten Zustand. Und diese Kraft, die über mir wirkt – ihre Wirkung auf mich nennt man „Wunder". Denn der Übergang von Nummer eins zu Nummer zwei geschieht doch durch eine dritte Kraft: durch die Tora, durch das Licht, sozusagen dadurch, dass der Schöpfer selbst es tut – die allerhöchste Kraft, die zu keinem der beiden Systeme gehört.

33:12

Schüler: Aber was ist das, was übrig bleibt und dir nach dem Austausch im Gefühl immer noch sagt, dass es das ist, was du wolltest – obwohl es nicht das ist, was du dir vorgestellt hast, obwohl es nicht das ist, was du gebaut hast und wofür du dich abgemüht hast? Warum wird es, wenn es im Gefühl ankommt, als das Richtige empfunden? Was ist dieses Etwas, das bleibt? Es muss doch etwas unterhalb der Absichten sein.

Rav: Wenn ein Mensch von einem, sagen wir, materiellen Betriebssystem zu einem spirituellen Betriebssystem übergeht, bleibt in ihm nur seine tierische Dicke: unbelebt, pflanzlich, tierisch. Das Sprechende in ihm, das Menschliche in ihm, das egoistisch war, hat sich in ein altruistisches Menschliches verwandelt – der Körper aber nicht. Der Körper, der zur tierischen Stufe gehört, und darunter die pflanzliche und darunter die unbelebte: All das bleibt gemäß der Materie, die er aufnimmt, und in ihm läuft ein Prozess, der noch zu System Nummer eins gehört. Erst wenn ein Mensch stirbt, das heißt sich auch von seinem tierischen Körper trennt, gibt es sozusagen keine Verbindung mehr zwischen Körper und Seele – wobei wir uns auch noch anschauen müssen, was diese Verbindung überhaupt ist, ja?

Das heißt, es verschwinden aus ihm die Verlangen, die man „körperliche" Verlangen nennt – und auch das ist Einbildung, als hätten wir einen Körper und ich handle nach dem biologischen Körper. So bilden wir uns das ein, das ist wirklich wie im Traum. Wenn ein Mensch sich auch davon löst, von diesem eingebildeten Teil, dann geht er tatsächlich in eine andere Wirklichkeit über. Darüber sprechen wir in der Kabbala nicht. Das heißt: Über die Seele ohne Verbindung zum materiellen Körper sprechen wir nicht. Wir sprechen so, wie er es in der Definition schreibt, was die Weisheit der Kabbala ist: „die Offenbarung Seiner Göttlichkeit, gepriesen sei Er, an Seine Geschöpfe in dieser Welt".

35:52

Schüler: Die Frage ist so: Ich weiß, was Betriebssystem Nummer eins ist. Wenn ein Genuss kommt, der groß genug ist, dann ist es egal, was vorher war: Ich bin gestopft, mir geht's bestens, alles ist mir gleichgültig, ja? Und ich sage: Betriebssystem Nummer zwei gibt mir Unabhängigkeit von dieser Versklavung an den Genuss, ja? Wenn ich mich nun, sagen wir, vierzig Jahre abgemüht habe, um zu Betriebssystem Nummer zwei zu kommen – in dem Moment, in dem Betriebssystem Nummer zwei kommt, bekomme ich etwas, das ich mir nie im Leben vorgestellt habe. Was ist es dort, das mich – wenn ich nicht einfach gestopft bin – verstehen lässt, dass das die richtige Sache ist? Denn ich habe ja etwas bekommen, das ich überhaupt nicht wollte, etwas völlig anderes. Was ist dieses Etwas, das da ist und sagt: Das ist es, wofür du dich abgemüht hast?

Rav: Deine Frage ist: Wenn ich zu System Nummer zwei übergehe – wo sehe ich die Verbindung zwischen meiner Mühe, zu System Nummer zwei zu kommen, und dem, was ich jetzt erworben habe?

Schüler: Ich habe mir etwas völlig anderes vorgestellt.

Rav: Dass du dir etwas völlig anderes vorgestellt hast, stimmt, das ist das eine. Das Zweite: In System Nummer zwei siehst du dann, dass du dich mit deinen früheren Handlungen darauf vorbereitet hast, dich jetzt in System Nummer zwei zu entwickeln. Deine früheren Handlungen hast du zwar ohne jedes Verständnis gemacht, wirklich wie unabsichtlich, wie ein Säugling. Aber jetzt, wo du sie anschaust, siehst du, dass du tatsächlich an einer sehr ernsten Sache gearbeitet hast – du hast sie nur berührt wie ein Säugling, ohne Verstand, ohne Unterscheidungen. Trotzdem warst du in einem sehr, sehr wichtigen, ewigen System, und deine Berührung mit diesem System heißt „vorsätzliche Sünden und Versehen", und daran arbeitest du. 38:28

Das heißt, man soll nicht denken … – ich habe das wirklich nicht gesagt, man kann eben nicht alles umfassen. Man muss sagen: Du gehst vom materiellen System zum spirituellen System über, obwohl das zwei Arten von Wirklichkeit sind; aber auch im materiellen System arbeitest du an denselben – besser gesagt: Du berührst dieselben Verlangen und Unterscheidungen, an denen du später im spirituellen System arbeiten wirst. Nur verstehst du nicht, worin du dich befindest.

Schüler: Das Verlangen selbst – in der Materie oder in unserer Absicht?

Rav: Sag mal: Weißt du jetzt, wo du bist, worin du bist, was du berührst, was du durchmachst? Gar nichts, das ist wie Bewusstlosigkeit. Aber in dieser Bewusstlosigkeit springst du sozusagen von Verlangen zu Verlangen, von Handlung zu Handlung. Wie? Einfach so, du weißt es nicht. Wenn du all deine 620 Verlangen durchlaufen hast, wirst du sie schon als System der Klipa empfinden, im zweiten Zustand. Nun, wir haben noch kein klares, einfaches Bild, das man einfach für alle aufschlagen könnte, sodass es alle verstehen – nach und nach. Ja.

Schüler: Sie haben gesagt, der Artikel sei auf verwirrende Weise geschrieben.

Rav: Nicht nur der Artikel ist verwirrend geschrieben. Ich habe gesagt, dass das ganze Material, das wir bekommen, furchtbar geschrieben ist, denn man hätte es sehr einfach schreiben können, ja? Vor allem so, dass man uns nicht durch die Erziehung allerlei Stigmata gegenüber Wörtern einpflanzt, die wir dann mit etwas verbinden, was in dieser Welt geschieht, nicht wahr? Wozu brauche ich Tora und Mizwot, dort Kaschrut, allerlei Gesetze, alles Mögliche, ja? Sogar Schöpfer und Geschöpf, ja? Oder „der Heilige, gepriesen sei Er". Solche Dinge: Sobald ich das sage, bin ich schon irgendwo in Mea Schearim oder ich weiß nicht wo in Bnei Brak, und ich habe schon ein Bild vor Augen, das ich nicht mehr loswerde, ja? Und so ist es eigentlich überall – außer bei echten Kabbala-Büchern, die frei von der Sprache des Tanach sind.

Und warum hat man es trotzdem nicht in einer völlig reinen Sprache geschrieben? Sie haben es so geschrieben, weil bei einem Menschen, der vorankommt und zur Spiritualität gelangt, all diese Wörter anfangen, ihr materielles Bild, ihren materiellen Charakter zu verlieren, und anders auszusehen beginnen: Er sieht hinter jedem Wort schon mehr Spirituelles als Materielles, immer mehr Spirituelles und immer weniger Materielles, bis jedes Wort anfängt, auf die Wurzeln zu deuten, ja? Auf seine Wurzel und nicht auf den Zweig. Und so geht der Mensch in dem Maß selbst von den Zweigen zu den Wurzeln über. Aber für Anfänger ist das wirklich ein großes Problem. Ja.

42:45

Schüler: Ist dieser Übergang wirklich ein Sprung – ich wache morgens auf und bin in einer anderen Welt – oder ist das …

Rav: Ist der Übergang von System zu System ein Sprung, so wie du morgens aufstehst und ein neuer Tag ist? Man sagt, dass es tatsächlich unabsichtlich geschieht, beim Auszug aus Ägypten – das ist so eine Flucht, das geschieht in Eile, plötzlich. Was heißt „plötzlich"? „Plötzlich" heißt, dass du keinerlei Vorbereitung darauf hast, dass du nicht im Voraus festlegen kannst, dass es jetzt oder in soundso viel Zeit sein soll.²

Erinnerst du dich, wie bei Münchhausen: morgen um zehn Uhr eine Heldentat, ja? Er plant, dass er morgen um zehn Uhr seine Heldentat (podwig?)³ hat, ja? So etwas gibt es nicht, du kannst das nicht im Voraus sagen. Gut. Ja, Oren.

43:58

Schüler: Er sagt im Artikel, dass das Leiden die Ursache der Entwicklung ist und dass es ohne das Leiden keine Entwicklung gäbe. Wie funktioniert dieser Mechanismus des Leidens?

Rav: Leiden ist deshalb die Ursache der Entwicklung, weil es ein Zeichen dafür ist, dass unser Kli in einem unvollkommenen Zustand ist, nicht gefüllt, ja? Ob es ein Kli mit „um zu geben" oder ein Kli mit „um zu empfangen" ist, spielt keine Rolle: Ein Kli, das nicht gefüllt ist, empfindet einen Mangel an Füllung, und diesen Mangel an Füllung nennen wir „Leiden" – so wird es bei uns in unseren Gefühlen empfunden. Es ergibt sich also: Leiden ist ein Zeichen dafür, dass das Kli nicht gefüllt ist.

Und wir haben ein Problem: Wir verstehen nicht, dass man ein Kli nur durch die Absicht füllen kann. Das Verlangen selbst kann sich nicht füllen, denn über dem Verlangen war der Zimzum. Wie sehr ich mich auch bemühe, nur mit dem Verlangen zu arbeiten – ich werde mich nie füllen, denn über dem Verlangen liegt zwingend der Zimzum, und wenn ich den Zimzum nicht umgehe, wird das Kli nicht gefüllt. Ich kann mit diesem halb leeren oder fast ganz leeren Kli zu tausend Wasserhähnen rennen – aber es ist wirklich, als läge ein Deckel auf dem Kli, und kein einziger Tropfen kommt hinein.

Das zu verstehen, nennen wir „Erkenntnis des Bösen": Ich beginne zu verstehen, dass auf meinem Kli ein Deckel liegt und dass ich diesen Deckel aufheben muss – und dann kann ich gefüllt werden. Ich muss also aufhören, mich mit dem Kli zu beschäftigen, und den Zimzum vom Kli wegnehmen, ja? Der Zimzum wird durch den Massach aufgehoben: Soweit ich einen Massach habe, kann ich den Deckel vom Kli wegschieben, ja? Das passiert mit dem Massach: In dem Maß, in dem ich Or Choser habe, öffnet sich das Kli, und dann kann ich gefüllt werden.

Das Problem ist, dass wir nicht begreifen, dass die Absicht das Mittel ist, um das Kli zu füllen. Bis ein Mensch klug wird und zu dieser Unterscheidung kommt, dauert es wirklich lange.

47:35

Schüler: Wie kann man den Prozess beschleunigen, in dem der Mensch versteht, dass es so einen Verschluss von oben auf dem Kli gibt, dass es blockiert ist?

Rav: Normalerweise kommen wir zur Empfindung, dass das Kli verschlossen ist, auf natürliche Weise; anders kann man nicht dorthin kommen, sondern nur durch eine Entwicklung über Tausende von Jahren, von Inkarnation zu Inkarnation. Warum? Warum kann ich das hier nicht beschleunigen? Weil ich mein ganzes Kli durchlaufen muss, seinen ganzen Aufbau, vom Unbelebten, Pflanzlichen, Tierischen bis zum Sprechenden, bis ich in den Zustand komme, in dem ich über all die Inkarnationen hinweg daran verzweifle, es zu füllen, und in den Zustand komme, in dem ich sehe, dass ich völlig hoffnungslos bin, es zu füllen.

Wir sprechen über das Verlangen, ja? Nicht über Materielles, das ein Mensch haben kann – er kann den Besitz der ganzen Welt haben, das ist nicht wichtig. Wir sprechen über Befriedigung, über ein Kli, über sein Kli, das ist alles. Dafür muss er also sehr langsam jedes einzelne Verlangen im Kli durchlaufen. Dem entkommt man nicht: Die ganze Menschheit muss diesen Prozess durchlaufen; so, wie es in der Materialität ist, muss sie diese Dinge auf materielle Weise durchlaufen.

Und wenn wir Menschen sehen, die sich schon nach Spiritualität sehnen – wenn sie sich wirklich schon nach Spiritualität sehnen, ist das ein Zeichen dafür, dass sie schon alle Inkarnationen durchlaufen haben, in denen sie versucht haben, ihr Kli auf alle gewöhnlichen Arten zu füllen. Das heißt, sie haben versucht zu füllen, trotz dieses Verschlusses, dieses Deckels, ja? Trotz Zimzum Alef, der auf dem Kli sitzt. Das ist es. Und jetzt, aus ihrer Verzweiflung heraus, ja? – dadurch, dass sie verzweifelt sind, fangen sie an, irgendwie schon bereit zu sein und zu verstehen, dass es eine völlig andere Methode gibt, ein anderes Kli, ein anderes Mittel; sie sind schon dafür bereit.

Nicht, dass man es allein daraus verstehen könnte, dass wir verzweifelt sind, weil wir versucht haben, dieses Kli zu füllen, und es nicht geklappt hat. Daraus kommen wir nicht zu einer neuen Methode. Sondern diese neue Methode kommt trotzdem von oben zu uns: der Punkt im Herzen und allerlei. Was ist der Punkt im Herzen? Der Punkt im Herzen heißt „ein Funke aus dem Zerbrechen", ein Funke vom Massach, ein Funke aus der Absicht „um zu geben", die Eigenschaft von Bina, ja?

Von daher beginnen wir zu verstehen, dass auf unserem Kli offenbar ein Verschluss liegt und dass uns deshalb nichts geholfen hat und dass wir eine völlig andere Art der Füllung brauchen, eine andere Einstellung zur Füllung, ein anderes Mittel. So beginnen wir aus diesem Funken heraus, das irgendwie zu unterscheiden – denn es ist ein Funke aus der Absicht zu geben. Das heißt, er steht genau gegen den Verschluss, gegen den Deckel, ja?

Dieser Funke kommt sozusagen, um mir zu helfen zu verstehen, dass auf meinem Kli ein Deckel liegt und man sich dadurch nicht füllen kann – es ist überhaupt untauglich, gefüllt zu werden. Sondern die Füllung ist offenbar über ihm, als Or Choser, verstehst du? Denn er ist ein Funke aus dem Or Choser, er ist über ihm. Und dann lasse ich sozusagen davon ab, das Kli zu füllen. Ich brauche diesen ganzen Willen zu empfangen nicht, der sich über Tausende von Jahren in allen möglichen Formen in mir enthüllt hat, sondern ich fange jetzt an, über ihm, durch diesen Funken, zu sehen, wie ich ein anderes Kli haben kann. Das heißt, das spirituelle Kli wird über dem materiellen Kli gebaut, schon oberhalb dieses Kli: Massach und Or Choser. Und im Volumen des Or Choser enthüllt sich mir die Spiritualität. Ja.

52:29

Schüler: Jetzt sprechen Sie von zwei Dingen: von der materiellen Füllung und danach von der Befriedigung. Die Verzweiflung kommt also dadurch, dass die materielle Füllung zwar da ist, ich aber die Befriedigung nicht erlange.

Rav: Nu, nu.

Schüler: Die Frage ist: Wann bemerkt der Mensch diesen Mangel an Befriedigung? Überall in diesen Tausenden von Jahren, oder sammelt es sich an und er kommt erst am Ende zu dieser Erkenntnis, während er die verschiedenen Teile des Kli durchläuft?

Rav: Der Mensch fühlt all die Tausenden von Jahren, all die Inkarnationen hindurch, dass er in Leiden ist. Aber die richtige Bilanz daraus ziehen kann er erst, wenn der Funke zu ihm kommt, der Punkt im Herzen. Vorher verzweifelt er nur und rennt wieder los, und rennt zwangsläufig immer wieder los. Einen Moment, bevor man ihm den Punkt im Herzen einpflanzt – einen Moment davor kann er sich nicht an etwas wenden, das über seinem Kli ist, über seinem Willen zu empfangen; er ist dazu nicht fähig.

Und auch du kannst, so sehr du auch auf ihn einwirken⁴ willst, nicht auf ihn einwirken. Du kannst ihn auf verschiedene Weisen beschleunigen, wenn er fast am Ende der Entwicklung steht, wie viele Menschen heute in dieser Welt: Dadurch, dass sie lesen und hören, kommen sie in der letzten Phase der Entwicklung schneller voran, bis sie die Enthüllung bekommen, den Punkt im Herzen in sich.

Aber wenn ein Mensch keinen Punkt im Herzen hat, hilft ihm gar nichts. Er kann die Idee nicht aufnehmen, dass man sich über seinem Kli füllen kann, denn wir handeln letztlich aus dem, was in uns ist. Deshalb gibt es einerseits keinen Zwang in der Spiritualität, andererseits sind wir trotzdem zur Erziehung verpflichtet. Das heißt, du musst dem Menschen helfen, sich zu entwickeln. Du weißt nicht und kannst mit keinem Messgerät prüfen, wer einen Punkt im Herzen hat und wer nicht; du hast so etwas wie ein Thermometer, ein Punkt-im-Herzen-Messgerät, nicht. Aber ein Beispiel geben, Erziehung geben, es allgemein geben, ja? Damit beschleunigt man die allgemeine Entwicklung. Aber niemand wird hören, wenn er keinen Punkt hat, und jeder wird in dem Maß hören, in dem der Punkt sich enthüllt, gemäß der Wurzel seiner Seele, die von Adam HaRishon stammt.

Es können hier Menschen sitzen, die in zwei Monaten nicht mehr hier sitzen, oder in einem halben Jahr, oder in zwei Jahren. Das heißt, je nachdem, zu welcher Stufe er gehört, wird er sich füllen und es dann wieder auf andere Weise vervollständigen – in einer weiteren Inkarnation, in irgendetwas anderem.

Schüler: Was ist diese Erziehung?

Rav: Diese Erziehung ist Verbreitung, Enthüllung. Das heißt: Was ist die Weisheit der Kabbala? „Die Offenbarung Seiner Göttlichkeit, an Seine Geschöpfe in dieser Welt." Diese Idee, die Göttlichkeit jedem Geschöpf in dieser Welt zu enthüllen, musst du in materieller Form jedem Einzelnen vorlegen: wozu sie da ist, wofür sie da ist, worauf sie antwortet, was sie gibt; dass das das Ziel ist, wofür die Welt erschaffen wurde, dass wir in ihr sind und dass alle Ereignisse uns nur dorthin bringen sollen. Das musst du erklären. Damit hilfst du dem Menschen, dorthin voranzukommen, und verhinderst bei ihm die Entwicklung durch Leiden.

57:12

Schüler: In dem Moment, in dem sich der Punkt im Herzen öffnet, beginnen wir einen bestimmten Weg, wir leben in einer Gemeinschaft, wir fangen an zu lernen. Trotzdem gibt es, wie Sie gesagt haben, all die Schwierigkeiten – die Schwierigkeiten in der Familie, in der Gemeinschaft –, die uns verwirren. Wieweit ist diese Mühe überhaupt unsere Wahl, wieweit ist es unsere Wahl, uns abzumühen und diesen Weg zu gehen? Oder ist in dem Moment, in dem sich der Punkt im Herzen öffnet, die Wahl faktisch schon nicht mehr unsere?

Rav: Die Wahl beginnt von dem Moment an, in dem der Punkt im Herzen anfängt, in uns zu arbeiten, und von da an weiter. Bevor es einen Punkt im Herzen gibt, sind wir unter einem einzigen System, dem dieser Welt. Und wenn du in deiner Maschine nur eine Gegebenheit hast, nur ein Programm, kannst du gar nichts machen. Wenn du aber schon zwei Programme hast, ja? – das materielle System und das spirituelle System, das irgendwie durch den Punkt im Herzen schon anfängt, in dir zu sprechen –, dann hast du aus diesen beiden Systemen schon eine Art Zusammenstöße zwischen ihnen, und das gibt dir eine Möglichkeit, deine Wahl zu bestimmen.

Wahl heißt: Es gibt zwei Gegebenheiten, und du wählst. Wonach du wählst, wie du das kannst, wo die Freiheit ist – das ist noch etwas anderes. Aber jedenfalls beginnt die Wahl vom Punkt im Herzen an. Und er schreibt im Artikel „Freie Wahl", im „Artikel über die Freiheit", dass unsere Wahl nur in der Umgebung liegt.

Das heißt: Der Mensch hat in sich, aus sich selbst heraus, Gegebenheiten, er hat ein Programm oder zwei Programme, egal was – aber das ist keine Wahl. Du musst in diese Systeme noch eine dritte Gegebenheit hineinbringen, an der sich diese beiden Systeme jetzt miteinander messen. Deine Wahl besteht darin, wie du sie einander gegenüberstellst, ja? Das heißt, welchem System du das Übergewicht an Kraft gibst. Wie machst du das? Von innen kannst du es nicht machen, denn von innen bist du schon programmiert: zwei Systeme in einem bestimmten Verhältnis zueinander, alles ist schon da. Du musst es von außen holen, in deiner freien Wahl von außen irgendeine Kraft nehmen und sie ebenfalls nach innen bringen. Und diese Gegebenheit wird dann wirklich deine Selbständigkeit bestimmen, ja? Dein eigenes Selbst. 60:03

Man sagt also: Diese äußere Gegebenheit, die du bestimmen kannst, ja? – die nimmst du aus der Gemeinschaft, von einer dritten Seite. Wie? Die Gemeinschaft kann dir doch alles liefern, was du willst; also wählst du, welche Sache du aus der Gemeinschaft nehmen willst. Diese Kraft hast du nicht, diese Kraft gibt es in der Gemeinschaft. Du musst der Gemeinschaft sozusagen mit Mühe bezahlen, mit Beteiligung, um von ihr eine Kraft zu bekommen, die System Nummer zwei, den Punkt im Herzen, so hinstellt, dass er höher ist als das materielle System Nummer eins – und dann entwickelst du dich in Richtung Spiritualität.

Das heißt, wir haben nur eine einzige Wahl: über die Gemeinschaft den Punkt im Herzen über den Willen zu empfangen zu stärken. Woanders als von außen kann man diese Kraft nicht nehmen. In Ordnung? Also, keine Fragen? Ja.

Schüler: In beiden Systemen gibt es eine eigene Selbständigkeit. Was bleibt dem Menschen mit diesen Verlangen zu tun, um sie anzugleichen, wie soll er gehen – spirituelles System und materielles System? Wenn er den spirituellen Weg gewählt hat und anfängt, die Verlangen, die er in sich hat, als schuldig zu erkennen⁵ – was bleibt ihm dann mit diesen Verlangen zu tun?

Rav: Das heißt: Nachdem ein Mensch prüft und sieht, woraus er zusammengesetzt ist – wie soll er weiter vorankommen?

Schüler: Ja.

Rav: Er benutzt diese Systeme und kommt voran, mit beiden. Was ist denn die Frage?

62:15

Schüler: Es gibt Verlangen, die ihn voranbringen, und es gibt Verlangen, bei denen er einfach sieht, dass sie zur Materialität gehören. Wie soll er sich zu dem einen und zu dem anderen verhalten?

Rav: Aha – auch wenn ein Mensch zur Spiritualität vorankommt, hat er Verlangen, die zur Materialität gehören, und wie soll er sich zu ihnen verhalten? Er soll sich ganz einfach zu ihnen verhalten. Wir befinden uns vorerst in den Verlangen von unbelebt, pflanzlich, tierisch – das nennt man wirklich materielle Verlangen, ja? Die sind in uns, so wie sie in der ganzen Natur sind, ja? Ich habe Teile, die unbelebt sind, ich habe Teile, die pflanzlich sind, und ich habe Teile, die tierisch sind, ja? In meinem Körper.

So ist es auch in meinem Verlangen: Es gibt ein Verlangen, das zur Stufe unbelebt, pflanzlich und tierisch gehört. Zum Beispiel ein Verlangen wie das jedes Tieres: essen, trinken, schlafen; ich brauche Sex, ich brauche eine Familie, ich brauche irgendeinen Ort, ein Zuhause, ja? Irgendein Rudel, eine Familie. Ich brauche all diese Dinge, weil ich so gebaut bin. Über die Dinge, die zu unbelebt, pflanzlich und tierisch gehören, über die sogenannte tierische Existenz in uns, steht geschrieben, dass ich ihr genau so viel geben muss, wie diese Existenz verlangt. Ich soll dem keine menschlichen Verlangen beimischen, nach Geld, Ehre, Wissen – nein, sondern meinem Körper die tierischen Dinge geben, die er benötigt, die er braucht.

Ich muss essen, trinken, in einer Familie sein und so weiter – ich muss, ich muss. Wenn ich spirituell vorankomme, muss ich mich zu all diesen Dingen wirklich wie zu einem Mittel verhalten: Ich muss diese Verlangen füllen.

Was darüber liegt, die Verlangen, die schon nicht mehr „tierisch", sondern „menschlich" heißen – menschlich ist das, was der Mensch hat, was zur Stufe Mensch in dieser Welt gehört: Geld, Ehre, Wissen –, diese Verlangen muss ich alle schon auf die Stufe der spirituellen Sehnsucht erheben. 65:04

Die Geschichte, die ich durchlaufen habe, all die Inkarnationen, die ich durchlaufen habe, das ganze Lernen, das ich an mir selbst durchgemacht habe – das heißt zu sehen, dass all die Neigungen in mir, Neid, Begierde und Ehre, mit denen ich zu Geld, Ehre und Wissen kommen wollte, mir nicht geholfen haben, mein menschliches Kli zu füllen. Über das Tierische spreche ich nicht: Ich muss so oder so essen, ich muss eine Familie haben, ein Zuhause. Ich spreche nur über das Menschliche. An den menschlichen Verlangen bin ich also verzweifelt, und über den menschlichen Verlangen baue ich meine Einstellung zur Spiritualität auf.

Und noch einmal: meine tierischen Verlangen, das Tier, das in mir ist, ja? Wenn ich wie ein Tier im Dschungel leben würde, hätte ich dieselben Verlangen. Diese Verlangen habe ich so oder so, egal in welchem System ich existiere, im spirituellen oder im materiellen, sogar im Ende der Korrektur. Diese Verlangen muss ich füllen: Ich muss meinem Körper Kalorien geben, ich muss ihm Ruhe geben, er braucht es, in einer Familie zu sein, mit Kindern, mit einer Frau. Das sind natürliche Dinge, die ich ihm geben muss.

Schüler: Das heißt, meine menschlichen Verlangen muss ich in der richtigen Gemeinschaft entwickeln?

Rav: Oh, also: Um meine menschlichen Verlangen richtig und in die richtige Richtung zu benutzen, zur Spiritualität hin, brauche ich eine richtige Gemeinschaft um mich herum. Denn die menschlichen Verlangen werden von der Gemeinschaft in Gang gesetzt, ja? Geld, Ehre, Wissen – das nehme ich von der Gemeinschaft: wonach man streben soll, auf welche Weise man streben soll, was die wichtigen Dinge in unserem Leben sind. Alles diktiert mir die Gemeinschaft.

Ich brauche also eine Gemeinschaft, die mir sagt: Geld, Ehre und Wissen sind gut, wenn ich sie in Richtung des spirituellen Fortschritts benutze, zu einer noch höheren Stufe, einer ewigen, vollkommenen. Dafür brauche ich die Gemeinschaft. Für die Befriedigung der materiellen Verlangen dagegen brauche ich keine Gemeinschaft, ja? Sogar wenn ich im Dschungel lebe, will ich essen und trinken, und es ist mir egal, ob ich marokkanisch esse oder irgendetwas Russisches oder irgendetwas Jemenitisches; das gehört überhaupt nicht zur Arbeit für den Schöpfer. Anders bei der Sehnsucht nach Geld, Ehre und Wissen: wie man Neid, Begierde und Ehre benutzt, die menschlichen Eigenschaften – das hängt wirklich schon von der Gemeinschaft ab. Ja.

68:17

Schüler: Was heißt es, Geld, Ehre und Wissen auf die richtige Weise in Richtung Spiritualität zu benutzen?

Rav: Was heißt es, Geld, Ehre und Wissen in die spirituelle Richtung zu benutzen? Das Geld (kessef) in „kissufa" zu verwandeln, wenn schon, und die Ehre in die Ehre des Schöpfers, und das Wissen in die Erlangung des Schöpfers.

Schüler: Und das geschieht durch Neid, Begierde und Ehre?

Rav: Das geschieht durch Neid, Begierde und Ehre: Ich schaue auf meine Gemeinschaft, die neben mir ist – durch den Neid auf sie, durch die Begierde nach dem, was sie scheinbar haben, und durch die Ehre, dass sie scheinbar die himmlische Ehre haben. Und das beginnt auf mich einzuwirken⁴, über all meine scheinbar negativen Neigungen. Ja, diese Neigungen – das sind Neigungen des Willens zu empfangen gegenüber der Gemeinschaft: Neid, Begierde und Ehre. Ich benutze sie, um die Neigungen oder Verlangen nach Geld, Ehre und Wissen in drei spirituelle Erlangungen zu verwandeln.

Das Geld, mit dem ich alles kaufe, verwandle ich in „kissufa", in Sehnsucht, in Bedeckung, in den Massach, durch den ich alles erlange: So wie mit Geld in dieser Welt, so durch den Massach in der spirituellen Welt, ja? Die Ehre besteht darin, dass ich die spirituelle Erlangung, den Schöpfer, dorthin setze – als das Größte, wonach es sich zu sehnen und worein es sich zu investieren lohnt – und nicht die Ehre dieser Welt, ja? So wie es Geld, Ehre und Wissen in dieser Welt gibt. Und das Wissen: Dadurch erlange ich schon nicht mehr das Wissen dieser Welt, sondern höheres Wissen; ich komme zur Stufe des Schöpfers, ich erkenne Ihn, den Schöpfungsgedanken, den Plan der Schöpfung, ich umfasse die ganze Wirklichkeit⁶ und komme zur Vollkommenheit. Gut. Ja.

70:30

Schüler: Durch den ganzen Artikel hindurch zieht sich diese Gleichung, dass die Leiden den Menschen zur Spiritualität treiben. In der Wirklichkeit prüft ein Mensch aber auch die Gerechtigkeit, er prüft die Dinge auch moralisch, er fragt sich, warum ihm geschieht, was ihm geschieht. Wenn er zu dem Schluss kommt, dass es nicht gerecht ist – „ein Gerechter, dem es schlecht geht" und all das –, dann hat das in der Geschichte der Menschheit viele Male Menschen aus der Spiritualität hinausgetrieben, also genau umgekehrt.

Rav: Du sagst also: Wenn ein Mensch auf sein Leben schaut und sagt, dass sein Leben wirklich nicht nach der Gerechtigkeit verläuft – die Bösewichte haben alles Gute, die Gerechten sind arme, verkorkste Kerle, und das Ganze ist eine Lüge –, dann gibt ihm das sozusagen das Recht, den Mund gegen dieses ganze System aufzumachen und gegen den Herrn des Systems, ja? Ganz richtig. In unserer Welt haben wir keinerlei Rechtfertigung dafür zu sagen, dass der Schöpfer gut ist und Gutes tut. Und überhaupt: Wenn es Ihn gibt, dann gibt es niemanden, der schlimmer ist als Er. Wer macht denn alles, wer setzt alles in Gang, wenn nicht Er? Und schau, auf welche Weise. Wenn du an Seiner Stelle wärst, würdest du nicht so viel Böses tun wie Er, ein bisschen weniger. Wo ist das Erbarmen, wo ist die Rücksicht?

Schüler: Das ist das Auffälligste.

Rav: Ja, das stimmt. Wir müssen also verstehen, was wir dadurch erlangen sollen, warum Er es so gemacht hat – nichts wurde umsonst erschaffen. Offenbar liegt also etwas Gutes darin, dass wir durch solche Verwirrung gehen und wirklich durch solchen Groll gegen Ihn, ja? – so weit, dass wir zum Hass kommen und danach zur Liebe. Und zwar wirklich Hass: Jetzt ist es ja nicht so. Wie viele Stunden am Tag denke ich an irgendeinen Feind von mir in dieser Welt und nicht an den Schöpfer? Er hasst mich doch viel mehr als irgendein Nachbar; letztlich wird ja auch der Nachbar von Ihm gelenkt. 73:02

Ja, dass ein Mensch hin und her springt, nicht will, doch will, den starken Mann macht – „ich werde es selbst schaffen" und so weiter –, das sind Dinge, die im Voraus geplant sind und durchlaufen werden müssen. Wir lehnen auch niemals einen Schritt ab, den ein Mensch durchlaufen muss. Wir sagen nur, dass man ihm helfen muss, das Lernen schneller zu machen – aber ohne irgendein Detail einzusparen, ohne ihm irgendeine Unterscheidung zu stehlen. Das Lernen muss vielmehr so viel wie möglich sein, damit es ihm auf dem Weg Beschleunigung gibt.

Und dass man den Menschen mehr wegstößt, als man ihn heranzieht – richtig, das ist der Weg. Denn letztlich muss er all das Negative erkennen, in dem er sich befindet: Er soll gegen den Schöpfer schreien, er soll gegen die Wirklichkeit schreien – wie könnte es ohne das gehen? Solange ein Mensch nicht völlig verzweifelt ist, gibt es mit ihm nichts zu reden.

Aber letztlich sehen wir – sagen wir es so: Wenn du das 20. Jahrhundert nimmst, von Anfang bis Ende, dann siehst du, was die Menschheit gemacht hat, was für einen Weg, vielleicht mehr als in der ganzen bisherigen Geschichte, was für ein Sprung; das steigt wirklich exponentiell. Also stell dir vor, was in unserem Jahrhundert sein wird, jetzt. Wir werden in den nächsten paar Jahren sehen, wie das alles herauskommt. Aber trotzdem geht es nur über die Erkenntnis des Bösen – nur über die Erkenntnis des Bösen werden die Menschen ankommen.

Nun, wo sind wir? Wer fragen will: Kommt am Schabbat und fragt. Wir haben morgen früh fünf Stunden am Stück, alle werden so viele Möglichkeiten zu fragen haben, wie sie wollen. 75:32

(Ende des Unterrichts)