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Artikel aus „Shamati"
1. „Es gibt niemanden außer Ihm"
(„Schriften von Baal HaSulam", S. 513)
Lektion 1
Transkript des Morgenunterrichts vom 26.04.2011
Rav: Wir haben ein Problem: Wie bestimmen wir unsere Beziehung zum Schöpfer? Diese Beziehung kommt natürlich ganz von uns, aus dem, wie wir denken und wie wir fühlen. Sie kann unterschiedlich sein und sich verändern. Das hängt nicht vom Schöpfer ab, über den wir nichts wissen, sondern davon, was wir über Ihn denken. Einerseits sprechen wir von der Natur, also von unserer Umgebung, in der wir uns entwickeln. Irgendwann fing der Mensch an, die Natur zu entdecken. Er fing an, auf dieser Welt von der Stufe des Tierischen zur Stufe des Sprechenden aufzusteigen. Er fing an, die Umgebung zu erforschen und danach die spirituelle Welt, weil in ihm ein Verlangen danach entstanden ist. So geht der Mensch entsprechend dem wachsenden Verlangen in die Erforschung der Natur hinein.
Aber der Mensch besteht aus zwei Teilen: Er fühlt, und er versteht. Diese beiden Teile stehen in einer bestimmten Verbindung zueinander und beeinflussen einander¹. Mit diesen beiden Teilen, Gefühl und Verstand, Gehirn und Herz, erforscht er, was er fühlt. Was nicht in sein Wahrnehmungsgefäß² hineinkommt, in sein Gefäß der Empfindung, das weiß er nicht. Was hineinkommt, das fühlt er, und er erforscht diese Empfindung. Insgesamt erforschen wir also unsere Empfindung. Was können wir mit dem machen, was wir nicht fühlen? Darüber sprechen wir überhaupt nicht. Das ist Philosophie, Einbildung.
Deshalb können wir dem Schöpfer nicht zuschreiben, was Er ist, sondern nur, wie wir Ihn fühlen. Ihn selbst kennen wir nie. Wir wissen, dass es eine höhere Kraft gibt, eine äußere Kraft, die als eine Art umgebende Natur gefühlt wird. Wenn sie enger ist, nennen wir diese Natur „diese Welt". Wenn sie weiter ist, durch eine bestimmte Entwicklung des Menschen geöffnet, heißt sie „die Höhere Natur". Und wer weiß schon etwas über den Schöpfer selbst? Deshalb ist alles, worüber wir in der Weisheit der Kabbala sprechen, in Bezug auf den Empfangenden. Es steht geschrieben: „Es gibt niemanden außer Ihm." So fühlt es der Mensch, so wird es ihm klar, je mehr er Ihn kennenlernt.
Wenn wir die höhere Kraft fühlen, erzählen uns die Kabbalisten von allen möglichen Regungen: Der Schöpfer ärgert sich, ist zufrieden, genießt, oder das Gegenteil davon in Bezug auf den Menschen. Das fühlt der Mensch, wenn er die höhere Kraft fühlt. Was ist Er selbst? Wir wissen es nicht. Trotzdem ist es für uns sehr wichtig, unsere Beziehung zu Ihm zu bestimmen. Wir müssen wissen, worum es sich bei der Form, dem Bild, der Regung und dem Eindruck handelt, die wir von Ihm empfangen: Fühlen wir dabei Ihn, oder uns selbst, oder uns selbst vor Seinem Hintergrund, oder sagen wir, etwas Gemeinsames zwischen uns?
Ich muss Folgendes wissen. Wenn ich mich gut fühle, hängt dieses Gefühl dann von mir ab? Kommt es von Ihm? Oder kommt es aus der Gleichheit zwischen uns, aus einer bestimmten Verbindung, aus einer Anweisung? Wenn ich eine Handlung mache, im Sprechen, im Denken oder als physische Tat, erwacht sie dann in mir von Ihm, oder von wo sonst, ich weiß es nicht? Von mir selbst? Aber wer bin ich, wenn nicht ein Ergebnis? Wer bin ich, die Frucht Seiner Arbeit? Kurz: Es gibt hier mehrere Arten unserer Verbindung mit dem Schöpfer, die wir bestimmen müssen, sonst kommen wir ständig durcheinander.
Das beeinflusst sehr stark unsere Haltung, unsere Arbeit und unsere Verbindung. Es strahlt auch auf alle unsere Verbindungen untereinander aus: in der Familie und beim Menschen mit sich selbst. Das ist nichts Abstraktes, das will ich sagen. Wie wir unseren Zustand, unsere Haltung, unsere Verbindung und unser Verhältnis zum Schöpfer bestimmen, beeinflusst alle Ebenen unseres Lebens. Das ist das Grundlegendste.
Also schauen wir, wie Baal HaSulam das beschreibt.
„Es steht geschrieben: „Es gibt niemanden außer Ihm". Das bedeutet, dass es keine andere Kraft in der Welt gibt, die die Fähigkeit hätte, etwas gegen Ihn, gepriesen sei Er, zu tun. Und dass der Mensch sieht, dass es Dinge in der Welt gibt, die die himmlische Gefolgschaft (Pamalia shel Maala)⁴ leugnen, hat den Grund, dass das Sein Wille ist, gepriesen sei Er. Und das ist eine Korrektur, die „die Linke stößt ab, und die Rechte bringt näher" genannt wird. Das heißt, was die Linke abstößt, fällt unter den Begriff der Korrektur."
Man kann das Leben des Menschen also in zwei Teile teilen. Entweder ist er sicher, dass es vom Schöpfer kommt, von der einen Kraft, von der Natur, egal ob Schöpfer oder Natur. Oder er ist nicht sicher, vergisst, irrt sich, zweifelt daran, dass es vom Schöpfer kommt, von derselben einen Kraft, die die ganze Wirklichkeit hält. Warum hat der Mensch solche Gedanken und Regungen über seine Existenz in der Welt? Damit er seine Beziehung zum Schöpfer vervollständigt. Der Schöpfer verwirrt ihn absichtlich, als ob es noch andere Kräfte gäbe, oder Er verschwindet. So kommt der Mensch zu einem Zustand, in dem er fühlt und sicher ist, dass er nur unter der Herrschaft des Schöpfers steht.
„Das heißt, es gibt Dinge in der Welt, die von vornherein mit der Absicht kamen, den Menschen vom geraden Weg abzubringen, wodurch er von der Kedusha zurückgewiesen wird.
Und der Nutzen der Zurückweisungen ist, dass der Mensch durch sie ein Bedürfnis und ein vollständiges Verlangen bekommt, dass der Schöpfer ihm hilft, denn sonst sieht er, dass er verloren ist." Der Schöpfer hilft ihm, indem der Mensch jedes Mal und die ganze Zeit ohne Unterbrechung in der klarsten Form denkt und fühlt, dass er in Verbindung mit dem Schöpfer und unter Seiner Herrschaft steht. „Nicht genug, dass er in der Arbeit nicht vorankommt, sondern er sieht, dass er zurückgeht." Er geht zurück, weil er nicht ständig fühlen kann, dass er mit dem Schöpfer ist. „Das heißt, sogar in lo liShma hat er keine Kraft, Tora und Mizwot einzuhalten." In all seinen Verlangen und all seinen Gedanken kann er nicht festlegen, dass er mit der Göttlichkeit⁵ in Verbindung ist. Er kann nicht festlegen, dass der Schöpfer sich offenbart und ihm wirklich klar ist, dass es von dort kommt und dass Er vor ihm ist.
In allen meinen 613 Verlangen habe ich also alle möglichen Arten von Nebel und Verwirrung, denn neben jedem Verlangen gibt es einen Gedanken. Ich befinde mich in etwas Dunklem, Verwirrtem und Unbekanntem. Ich muss mich bemühen, aus all den schlimmsten Zuständen nur eines festzulegen, also aus den verborgensten, unklarsten und ungeklärtesten Zuständen. Ich muss festlegen, dass ich in Verbindung mit der einen Kraft stehe, die als einzige in der Welt existiert, und unter ihrem Einfluss und ihrer Herrschaft. Obwohl ich viele Verwirrungen, viele Gedanken und viele Neigungen hierhin und dorthin habe, muss ich sie alle zu einer Quelle verbinden, zu einer Ursache dafür, warum ich so fühle und denke.
„Denn nur durch wahre Überwindung aller Hindernisse über dem Verstand kann er Tora und Mizwot einhalten. Und nicht immer hat er die Kraft der Überwindung über dem Verstand." „Tora und Mizwot einhalten" heißt, mein ganzes Ich und mein ganzes Wesen dieser Kraft zuzuschreiben. Von ihr kommt mir das Gefühl, dass ich lebe, dass ich existiere, dass ich überhaupt ich bin. Alles, was ich fühle, die ganze Wirklichkeit, bildet sich in mir so ab, weil dieser Wille, diese Kraft will, dass ich so fühle. Mein Gefühl hängt vollständig von Ihm ab.
„Sonst muss er, der Schöpfer bewahre, vom Weg des Schöpfers abweichen, sogar von lo liShma." „Weg des Schöpfers" bedeutet also, dass ich mich ständig bemühe, daran festzuhalten, dass „es niemanden außer Ihm gibt": Eine Kraft wirkt auf mich und auf die ganze Wirklichkeit, und ich befinde mich in einer Kraft. Die Menschheit bemüht sich jetzt nicht darum, sondern sie fängt an, es zu fühlen, zu staunen und zu entdecken: Es gibt ein globales System, und dieses System ist integral. Das bringt sie nach und nach zu dem Wissen, dass es nur eine Kraft gibt, in der wir uns befinden. Nenn sie „die Natur", „haKadosh Baruch Hu" oder „ELoHIM", das ist egal. Es ist eine Kraft, die sich in sehr viele Kräfte und Einflüsse aufteilen kann, aber wir sind in ihr.
„Und bei ihm ist immer das Eingerissene größer als das Stehende." Der Mensch existiert so, dass er sich ständig im Nichtwissen befindet. Er bekommt Abweichungen, Widersprüche und Störungen von der Hauptsache, nämlich davon, dass er unter der Herrschaft einer Kraft steht. Ständig erwachen im Menschen alle möglichen eigenen Verlangen und Gedanken, die der höheren Vereinigung (Yichud?) widersprechen.
„Das heißt, die Abstiege sind viel zahlreicher als die Aufstiege." Er befindet sich gewöhnlich in einem Zustand, in dem er überhaupt vergisst, dass er darin sein muss. Durch sein Leben und seine Umgebung ist er daran gewöhnt, nicht so zu handeln, als befinde man sich in einer Kraft. Stellen wir uns vor, in der ganzen Welt würde jetzt ein Wissen offenbar: Nur eine Kraft wirkt auf uns, und wir fangen auch an, sie sozusagen zu fühlen. Die ganze Welt rund um den Erdball wäre bewegt und würde fühlen, dass wir uns so befinden. Dann würde sich unser Leben natürlich verändern.
Die Welt befindet sich aber in der Verhüllung. Deshalb bekommt der Mensch keine Stärkung von der ganzen Welt, sondern im Gegenteil: Er steht unter dem Einfluss der großen Umgebung, der ganzen Welt, und die Menschen ziehen ihn zu allen möglichen Gedanken, Verlangen und Zielen. Denn sie befinden sich in der Verhüllung und haben keine Neigung, diese höhere Kraft zu entdecken. Das heißt, sie haben keinen „Punkt im Herzen" und kein Gefühl für diese Kraft.
Deshalb bringt eine solche Umgebung natürlich den Menschen zu Fall, der diese eine Kraft entdecken will, die um uns wirkt und in der wir uns befinden. Das Problem ist, wie wichtig er seine Umgebung nimmt, die entdecken will, dass „es niemanden außer Ihm gibt", im Vergleich zur äußeren Umgebung.
„Und er sieht nicht, dass diese Zustände ein Ende nehmen," Der Mensch kommt also in seiner Entwicklung zur Verzweiflung darüber, zu entdecken, dass „es niemanden außer Ihm gibt" und dass er sich in dieser Kraft befindet. Er sieht: Jedes Mal bemüht er sich, kommt sozusagen an und fühlt sogar, dass er in „Es gibt niemanden außer Ihm" ist. Dann gibt es wirklich nichts außer einer Kraft, die wirkt: die Natur, die allgemeine Kraft der Natur, die höhere Kraft, die alles erschaffen hat und alles hält nach ihrem Programm, ihrem Willen, ihrer Kraft, ihrer Absicht und ihrem Ziel. Aber er kann sich das nur für einen Augenblick so vorstellen, und im nächsten Augenblick ist dieses Bild schon verschwunden. Er fühlt nicht einmal, dass es verschwunden ist, sondern findet sich nach einiger Zeit mit seinen Gedanken und Verlangen schon an einem anderen Ort wieder.
Das ist der Einfluss der Umgebung auf den Menschen. Und hier will Baal HaSulam sagen: Das ist nicht der Einfluss der Umgebung, sondern der Schöpfer verwirrt dich so durch die Umgebung, denn „es gibt niemanden außer Ihm". Warum? Damit du suchst, wie du dich stärken kannst. Dann wirkt keine Störung als Störung, sondern du hältst durch all diese Störungen mit all deinen 613 Verlangen an Ihm fest.
„Und er wird immer außerhalb der Kedusha bleiben. Denn er sieht, dass es ihm schwerfällt, auch nur die Spitze des Yud (Kuzo shel Yud) einzuhalten, außer durch Überwindung über dem Verstand. Aber nicht immer kann er sich überwinden. Und was wird das Ende sein?
Dann kommt er zu dem Entschluss, dass niemand helfen kann außer dem Schöpfer selbst, in Seiner Herrlichkeit." Er macht sehr, sehr, sehr viele solche Anstrengungen: Er erwacht dafür und fällt wieder, erwacht und fällt wieder. Danach kommt er zu einem Zustand, in dem das Höhere Licht, das jedes Mal auf ihn gewirkt hat, ihm das Gefühl bringt, dass der Schöpfer „Es gibt niemanden außer Ihm" ist. Nur Er kann dir helfen und ist dazu bestimmt. Denn Er hat dir alle Störungen geschickt, damit du jetzt endlich weißt, Ihn um Rettung zu bitten. Die Rettung für dich wird sein, dass Er sich offenbart. Wofür offenbart Er sich? Weil du nur unter Seiner Herrschaft leben willst, in „Es gibt niemanden außer Ihm". Du willst diese Verwirrungen und diese anderen Kräfte nicht denken und fühlen.
Obwohl all diese anderen Kräfte von Ihm kommen, willst du in Seiner Kraft sein, in der Kraft des Gebens, der Kraft der Nächstenliebe, egal wie man sie nennt. Du willst Ihn entdecken. Warum? Weil das die Wahrheit ist, und alle deine übrigen Zustände sind Lüge.
„Und das bewirkt, dass er in seinem Herzen eine wahre Forderung festlegt, dass der Schöpfer ihm die Augen und das Herz öffnet und ihn wirklich der Dwekut mit dem Schöpfer in Ewigkeit näherbringt." Erst dann erwacht in ihm die Forderung, der Schrei, der Anspruch. Diese höhere Kraft hat die ganze Zeit auf ihn gewirkt und mit ihm gespielt, um ihn zu reizen und in ihm eine Neigung zu sich⁷ wachsen zu lassen; das nennt man „Verhärtung", Härte. Dann wird die Plage (Nega) zum Genuss (Oneg)⁸. Das lernen wir aus all diesen Zuständen: So kommt der Mensch zum Gebet, das ihm den Schöpfer offenbart, denn er braucht wirklich nur … Er sucht dort keinen Ausweg aus allen Sorgen und aus dem Suchen, nein. Er kommt in einen Zustand, in dem er die Herrschaft von „Es gibt niemanden außer Ihm" will. Das nennt man, „aus der Knechtschaft des Pharao⁹ herauszukommen und ein Diener des Schöpfers zu werden".
„Daraus ergibt sich, dass alle Zurückweisungen, die er hatte, vom Schöpfer kamen. Das heißt, nicht deshalb, weil er nicht in Ordnung war und nicht die Fähigkeit hatte, sich zu überwinden. Sondern Menschen, die wirklich dem Schöpfer näherkommen wollen, und damit er sich nicht mit wenig begnügt, das heißt, damit er nicht wie ein kleines Kind ohne Verstand bleibt, wird ihm deshalb von oben Hilfe gegeben, damit er nicht sagen kann: Dem Schöpfer sei Dank, ich habe Tora und Mizwot und gute Taten. Was fehlt mir noch?
Und das nur dann, wenn dieser Mensch wirklich ein wahres Verlangen hat." Das heißt, er hat wirklich, gemäß der Wurzel seiner Seele, einen Drang, die Kraft zu entdecken, die „Eins, einzig und einzigartig" ist und als einzige in der Wirklichkeit wirkt. „Dann bekommt dieser Mensch Hilfe von oben," Gerade dieser Mensch bekommt die Hilfe von oben, „und man zeigt ihm immer, dass er im jetzigen Zustand nicht in Ordnung ist." Der Schöpfer enthüllt in ihm also jedes Mal neue Verlangen mit allen möglichen Neigungen und Richtungen. Dann fühlt der Mensch, dass ihm „Es gibt niemanden außer Ihm" wieder verschwunden ist. Wieder ist er verwirrt, wieder fühlt er Ihn nicht, und wieder kann er in sich kein Bild stabilisieren (gestalten?). Er hat keine Form, kein gefühlsmäßiges Bild davon, zu wem und wozu er sich in Beziehung setzen soll. Das ist sehr schwer für ihn. Und all das ist Hilfe von oben. Einem solchen Menschen, der die Neigung hat, „Es gibt niemanden außer Ihm" zu entdecken, wird Hilfe von oben gerade in Form von Störungen geschickt.
„Das heißt, man schickt ihm Gedanken und Ansichten, die gegen die Arbeit sind. Und das, damit er sieht, dass er nicht in Vollkommenheit mit dem Schöpfer ist.
Und soweit er sich überwindet, sieht er immer, dass er weiter von der Kedusha entfernt ist als die übrigen Arbeitenden, die fühlen, dass sie in Vollkommenheit mit dem Schöpfer sind." Es scheint ihm also, denn das alles fühlt der Mensch so, dass andere offenbar in einer solchen Form sein können, in einem solchen Bild, in einem solchen Gefühl, dass es einen Schöpfer gibt. Bei ihm ist es dagegen immer verwirrt und verschwommen. Für sie ist es kein Problem, das so zu sagen, und sie haben damit offenbar überhaupt kein Problem. Bei ihm ist es aber immer sehr, sehr neblig und verwirrt. Er weiß nicht, ob das der Schöpfer ist oder er selbst oder etwas dazwischen. Irgendwie muss er eine Beziehung zu Ihm festlegen, aber er versteht es nicht.
„Er hingegen hat immer Beschwerden und Forderungen und kann das Verhalten des Schöpfers, wie Er sich ihm gegenüber verhält, nicht rechtfertigen." Es scheint ihm auch, dass das nicht in Ordnung und nicht gerecht ist: Er bekommt Verwirrungen und Hindernisse statt Hilfe. Der Schöpfer ist „gut und Gutes tuend" und liebt mit absoluter Liebe. Wie kann es dann sein, dass Er sich so verhält und ihn auf so listige Weise von allen Seiten umzingelt? Er arrangiert ihm solche Dinge im Leben, dass er wirklich nicht weiß, wie er da herauskommen soll. Nicht einmal der Grausamste könnte das tun. Denn woher kommt alle Grausamkeit in der Welt, wenn nicht von dieser höheren Kraft?
Woher kommen all die schlimmsten, bösesten und schwersten Dinge, die wir uns nicht einmal vorstellen können, wenn nicht von „Es gibt niemanden außer Ihm"? Und der Mensch muss angesichts dessen festlegen, dass all das von der Kraft des „gut und Gutes tuend" kommt, deren Liebe keine Grenze hat, nur Liebe und gute Haltung. Wie? Wenn wir auf die weite Welt schauen, können wir das nicht sagen.
An der Welt können wir also nur sehen, wie sehr man uns noch in der Frage verwirren und zu Fall bringen kann, ob „es niemanden außer Ihm gibt". Denn die Welt ist in unseren Augen voller Widersprüche und Probleme, voller Terror, Vergewaltigung und Hass. Ruft diese höhere Kraft das in uns hervor? Natürlich, denn „es gibt niemanden außer Ihm". Sind wir denn die Handelnden? Wir haben noch sehr viel zu tun, um das Bild zu vervollständigen. Erst dann können wir mit Sicherheit in allen unseren 613 Organen sagen: „Es gibt niemanden außer Ihm" und „gut und Gutes tuend".
„Und das verursacht ihm Schmerz: Warum ist er nicht vollkommen mit dem Schöpfer? Bis er zu dem Gefühl kommt, dass er wirklich keinen Anteil an der Kedusha hat. Und obwohl er manchmal ein Erwachen von oben bekommt, das ihn für eine Weile belebt, fällt er sofort an den Ort der Niedrigkeit. Doch genau das ist der Grund, der ihn zur Erkenntnis bringt, dass nur der Schöpfer helfen kann, dass Er ihn wirklich näherbringt."
Er sieht also die Probleme, Sorgen, Verwirrungen und Hindernisse aller Art und die schrecklichen Bilder und Formen. Alles widerspricht ihm so sehr dem „gut und Gutes tuend" und dem „Es gibt niemanden außer Ihm". Er fühlt, dass er diese schwierige Frage hier niemals lösen kann, mit welcher Raffinesse auch immer. Diese Frage ist keine bloße philosophische Frage, die im Denken bleibt und die er sich irgendwie zurechtlegt. Sondern es ist eine Frage in seinem Gefühl, in Bezug auf sein Leben, auf seinem ganzen Weg und in seinem ganzen Wesen. Und das ist das Wichtigste, was er hat.
Dann kommt er auf jeden Fall an diesen Punkt: Der Schöpfer muss sich mir öffnen, damit ich weiß und sehe, wie das alles geordnet ist und wie Er alles macht. Wie kann es sein, dass all diese schrecklichen Dinge von Ihm kommen? Die ganze Welt, das ganze Leid, all jene, von denen wir gern sagen, sie seien unschuldig und so weiter, all das kommt von Ihm, und „es gibt niemanden außer Ihm"? Wie kann ich zugleich „gut und Gutes tuend" festlegen? Er muss sich mir unbedingt öffnen, denn sonst verfluche ich Ihn trotzdem. Ich hasse Ihn einfach, ich habe keine Wahl, so fühle ich. Gegen mein Gefühl kann ich nichts machen, und es tut mir weh, dass ich mich so zu Ihm verhalte.
Einerseits ist mir also klar, dass „es niemanden außer Ihm gibt" und dass Er „gut und Gutes tuend" ist. Andererseits fühle ich, dass tausende verschiedene Kräfte in der Wirklichkeit wirken. Sie alle sind listig und böse, sodass man sich wirklich nichts Schlimmeres vorstellen kann. Und ich sehe, dass in Wahrheit die Kraft des Bösen die Welt beherrscht und nicht die Kraft des Guten. Ich bemühe mich mit aller Kraft, mich an „Es gibt niemanden außer Ihm" und „gut und Gutes tuend" zu halten. Trotzdem bin ich sozusagen auf so einer Spitze, von der ich gleich herunterfalle. Ich kann mich nicht in diesem Gedanken und in diesem Gefühl halten, denn die Widersprüche, die kommen, scheinen mir absolut wahr. Ich kann mich nicht selbst belügen und sagen: Ich schließe die Augen, und so nehme ich den Schöpfer als „gut und Gutes tuend" und „Es gibt niemanden außer Ihm" an.
Ich sehe, dass ich Ihn entdecken muss. Dann kommt eine wahre Forderung: Ich kann mich nicht so zu Ihm verhalten, als sei Er die Kraft des Bösen, und um Ihn als Kraft des Guten zu sehen, brauche ich unbedingt Seine Hilfe.
„Der Mensch muss sich bemühen, immer auf dem Weg zu gehen, dass er an Ihm, gepriesen sei Er, anhaftet. Das heißt, dass alle seine Gedanken bei Ihm sind, gepriesen sei Er." Jetzt spricht er darüber, wie man das Vorherige verwirklicht. „Das heißt, auch wenn er im schlimmsten Zustand ist, sodass es keinen größeren Abstieg geben kann,", und auch dieser Abstieg kommt natürlich vom Schöpfer, „soll er nicht aus Seinem Herrschaftsbereich, gepriesen sei Er, hinausgehen. Das heißt, dass es einen anderen Herrschaftsbereich gibt, der ihn nicht in die Kedusha eintreten lässt und in dessen Hand es liegt, Gutes oder Schlechtes zu tun."
Man muss also verstehen, dass all das als „gut und Gutes tuend" kommt, dass „es niemanden außer Ihm gibt", und deshalb empfängt er diesen Abstieg, diesen schrecklichen Zustand. Der Abstieg kann nicht bloß irgendeine Regung oder Aufregung sein, nach dem Motto: „Es läuft bei mir nicht so gut." Der Abstieg kann bis zu den schwersten Zuständen gehen. Wie geschrieben steht: „Auch wenn ein scharfes Schwert auf seinem Hals liegt, soll er nicht an der Barmherzigkeit verzweifeln." Und das ist ganz wörtlich gemeint. Die schwersten Zustände können kommen, je nachdem, wie bereit der Mensch dafür ist, das heißt, wie sehr er sich vorbereitet hat.
„Das heißt, er soll nicht denken, dass es eine Kraft der Sitra Achra gibt, die den Menschen keine guten Taten tun und nicht auf den Wegen des Schöpfers gehen lässt," Ein Beispiel ist der Pharao, über den wir viel gesprochen haben, als ob er gegen den Schöpfer sei. „Sondern alles wird von Seiten des Schöpfers gemacht." Pharao, Bileam, Balak, Haman, Ahmadinedschad, was weiß ich, alles, was in der Welt böse sein kann: Woher kommen all diese Kräfte? Sie sind die Engel, wie geschrieben steht: „Das Herz der Fürsten und Könige ist in der Hand des Schöpfers." Es gibt nicht mehr als eine Kraft.
Deshalb drücken wir in unserer ganzen Verbreitung und in unserer ganzen Erziehung auf einen Punkt: Die Welt ist global, und die Welt ist integral. Mit anderen Worten: Eine Kraft, ein Programm, ein Ziel setzt alles in Gang.
„Und das ist, wie der Baal Shem Tov sagte: Wer sagt, dass es eine andere Kraft in der Welt gibt, also Klipot, dieser Mensch befindet sich im Zustand „und ihr werdet anderen Göttern dienen"." Was bedeutet „andere Götter"¹⁰? Ich denke vielleicht auch nur für einen Augenblick, dass ein Freund oder jemand auf der Straße oder sogar ich selbst eigenständig handelt und denkt. Dann heißt das, dass ich „einer anderen Gottheit diene". Ich verneige mich vor irgendeinem anderen Wesen, einem anderen Herrschaftsbereich, den es in der Welt nicht gibt und der nicht existiert.
„Nicht nur durch einen Gedanken der Ketzerei begeht er eine Übertretung, sondern wenn er denkt, dass es noch einen Herrschaftsbereich und eine Kraft außer dem Schöpfer gibt, begeht er eine Übertretung. Mehr noch: Wer sagt, dass der Mensch einen eigenen Herrschaftsbereich hat, also sagt, dass er gestern selbst nicht auf den Wegen des Schöpfers gehen wollte, auch das nennt man eine Übertretung der Ketzerei." Und so ist es mit jedem Augenblick, der vergangen ist. Das gilt nicht im Voraus für diesen Augenblick, sondern danach. „Das heißt, er glaubt nicht, dass nur der Schöpfer der Lenker der Welt ist."
Schüler: Wie verhindern wir in der Arbeit, dass wir aufgeben und in eine Haltung hineinkommen, die sagt: „Ich verstehe das nicht, ich kann das nicht verstehen, das ist offenbar etwas Größeres als ich"? Ich meine dieses Augenschließen, von dem Sie gesprochen haben, angesichts großer Katastrophen auf nationaler Ebene. Zum Beispiel begehen wir nächste Woche den „Holocaust-Gedenktag". Oder angesichts einer Katastrophe, die einem, der Schöpfer bewahre, persönlich passiert. Was macht man also, um diese Dinge in die Arbeit zu nehmen? Wie vermeidet man ein Augenschließen nach dem Motto: „Gut, es gibt eine große Kraft, ich verstehe sie nicht, sie hat wohl recht"?
Rav: Es steht geschrieben: „Die Sicht der Tora ist der Sicht der Hausherren (Baalej Batim)¹¹ entgegengesetzt." Der „Hausherr" ist der, der unter seiner eigenen Herrschaft steht, unter der Herrschaft des Egos. Das ist die Herrschaft einer sozusagen anderen Kraft neben dem Schöpfer, die wegen der Verhüllung kommt. Deshalb ist er in allen möglichen Problemen, Hindernissen, im Nebel und in der Dunkelheit, und von dort aus legt er fest.
Du siehst, dass die Menschen jetzt tatsächlich in einer Woche wieder den „Holocaust-Gedenktag" begehen. Ich kenne das aus der Nähe. Ich bin zwar direkt nach dem Krieg geboren, 46, aber das alles war in der Gegend, wo ich aufgewachsen bin, trotzdem sehr zu spüren, auch in demselben Städtchen, wirklich so. Aber… das heißt, das ist ein Volk, das sein Leben so aus der Verhüllung heraus empfängt. In der ganzen Welt ist diese höhere Kraft verborgen, und aus der Verhüllung heraus kann man nicht anders festlegen.
Dahin können wir nur durch die Verbreitung kommen. Durch unsere Anstrengungen können wir für uns selbst und für die ganze Welt verbreiten, dass es eine Kraft in der Natur gibt, die „gut und Gutes tuend" ist. Deshalb gibt sie Leben und erhält das Leben und die ganze Wirklichkeit. Diese Kraft ist „gut und Gutes tuend", „es gibt niemanden außer Ihm", und sie lenkt das ganze Leben. Er macht mit uns solche Übungen; es ist schwer, so etwas wie den Holocaust „Übungen" zu nennen. Wir können darüber nichts festlegen, denn wir befinden uns in einer so kleinen, niedrigen Position, in einem begrenzten Bereich, der nicht einmal einen Platz in der Spiritualität hat.
Die Kabbalisten sagen, dass es noch schlimmer kommen kann, und sie haben dir das im Voraus geschrieben. Auch die Propheten haben geschrieben, und ihre Prophezeiungen sind schrecklich: „Mütter, barmherzige Frauen, kochten ihre Kinder und aßen sie." Das schreiben sie: dass das, der Schöpfer bewahre, geschehen kann. Und gerade sie weisen auf unsere Zeit hin, auf die Zustände vor der Erlösung, vor der vollständigen Korrektur. Und es kommen noch mehr und mehr schreckliche Dinge.
Du siehst diese Fälle, wie man Menschen abschlachtet, mit allem, was sie tun. Trotzdem kannst du nicht sagen, dass sie das selbst tun. Sondern diese höhere Kraft lenkt sie, die herrscht und wirklich in allen ist. Sie ist ganz durchsichtig, sie hat keine Grenzen in der Materie oder in irgendetwas anderem. Sie geht durch alles hindurch… alle befinden sich in ihr. Und alle gehen hindurch. Schau dir an, was sie denken, was sie tun, wie sie handeln: Das alles geschieht aus ihrem Dasein in dieser einen Kraft, in der sie sich befinden. So rollt sich das Verlangen ab, das Er erschaffen hat, und kommt zum Ziel. Schau, durch welche schrecklichen Zustände das geht. Und du musst über diese Zustände festlegen, dass das „gut und Gutes tuend" und „es gibt niemanden außer Ihm" ist. „Es gibt niemanden außer Ihm" können wir irgendwie noch sagen. Aber dass Er beständig „gut und Gutes tuend" ist, das ist unmöglich. Genau darin besteht aber unsere Arbeit.
Wenn wir nicht in jedem einzelnen Augenblick, in dem wir uns befinden, zu diesem „gut und Gutes tuend" kommen, entsteht eine Kluft zwischen dem, was ich fühle, und dem, was ich in jedem Augenblick als „gut und Gutes tuend" festlegen muss. Diese Kluft kehrt in allen möglichen anderen Formen zu mir zurück, damit ich letztlich irgendwie doch gezwungen bin, dorthin zu kommen. Das ist ein Problem.
Und es hilft uns nicht, den Artikel zu lesen. Ich erinnere mich, wie ich ihn gelesen habe. Ich war zwei Monate, sogar weniger, beim Rabash… na ja, sagen wir zwei Monate. Nein, sogar davor, und er gab mir dieses Heft. Er gab es niemandem, wirklich niemandem. Er hatte das im Einzelgespräch mit Baal HaSulam geschrieben: Er ging zu seinem Vater hinein, und der sprach, und daraus schrieb er diese Artikel und gab sie wirklich niemandem.
Als ich das dann gelesen habe, habe ich mir natürlich sofort eine Kopie gemacht. Ich wusste nicht, dass er es niemandem gegeben hatte, denn er hatte mir nicht gesagt, dass ich es niemandem zeigen soll. Später habe ich das dort vor dem Unterricht gelesen, und ein Altgedienter sah es, der bei Baal HaSulam war und auch zusammen mit dem Rabash gelernt hat. Er staunte: „Wie kann es solche Artikel geben? Woher hast du das?" Er war ganz außer sich: „Wie?" Und der Rabash schrie mich an, ich solle es niemandem geben. Ich sagte ihm: „Ich wusste es nicht, Sie haben es mir nicht gesagt, woher soll ich das wissen?"
Aber ich habe sie wirklich etwa anderthalb Monate, nachdem ich angefangen hatte zu lernen, bekommen. Und ich erinnere mich, dass das ein starkes Gefühl gab, sozusagen die eine Richtung. Obwohl ich auch vorher schon gelesen hatte, ich hatte Rambam gelernt: „Eins, einzig und einzigartig". „Es gibt niemanden außer Ihm" ist überhaupt etwas Bekanntes, so spricht man, aber jedes Mal, weißt du… Ich denke, dass wir das ständig als Grundlage halten müssen, auf der wir alles aufbauen.
Das gilt besonders jetzt, wo wir in einer Welt sind, die anfängt, sich dem zu nähern. Sie tut es natürlich durch ihre Leiden, durch die Nichtübereinstimmung mit diesem „gut und Gutes tuend" und „es gibt niemanden außer Ihm", aber sie fängt an, sich dem zu nähern. Denn du entdeckst, dass die Welt rund ist und in gegenseitiger Abhängigkeit steht. Hier geschieht etwas, das sich aus den Leiden heraus als eine Herrschaft zu enthüllen beginnt. Einerseits fühlen sie das nicht so sehr und sind noch weit davon entfernt. Andererseits sehen schon viele Menschen ohne Punkt im Herzen, einfach aus ihrer Beobachtung heraus, dass es so ist. Und das ist sehr wichtig. Natürlich soll der Mensch dieses Prinzip für sich übernehmen.
Als der Rabash gestorben ist, wusste ich nicht, was ich machen soll, und habe diese Artikel veröffentlicht. Außerdem habe ich sie alle für alle seine Schüler fotokopieren lassen, damit sie nicht denken, ich hätte sie vielleicht falsch gedruckt, und damit sie keinen Zweifel haben. Ich wollte nicht, dass sie wegen ihrer Zweifel und Gedanken so über mich denken. Aber das sind die grundlegendsten Artikel in der Arbeit des Menschen gegenüber dem Schöpfer. Wir haben keine andere Arbeit, nur diese.
Und deshalb ist es egal, wie du Ihn nennst, ELoHIM oder die Natur. Es ist eine Kraft. Wenn wir uns so dazu verhalten, ist es für dich auch leicht, alle Einzelheiten zu klären, in allen Sprachen und in allen Formen, weit weg von Religion und von allem. Das geht auf reale, wissenschaftliche Weise, bis wir zur gefühlsmäßigen Form kommen. Das war's. In Ordnung?
Schüler: Die Lektion hatte irgendwie zwei Ebenen, so wie Sie gesprochen haben. Sie haben auch über die Verbreitung gesprochen, mit den Worten, dass es eine Kraft gibt und die Welt integral und global ist. Und dass der Einfluss der Umgebung auf den Menschen ihn das nicht sehen lässt. So verbindet sich das mit dem Artikel. Aber alles, was Sie über die Bitte gesagt haben, hatte nichts mit der Verbreitung zu tun. Die Bitte kam sozusagen nur in unseren Worten vor.
Rav: Das Gebet zum Schöpfer gibt es natürlich nur bei uns, ja.
Schüler: Drückt sich diese Bitte bei Menschen ohne Punkt im Herzen in irgendeiner Form aus?
Rav: Nein, sie haben niemanden, den sie bitten können. Auch bei uns kommt diese Bitte als innere Forderung. Wir müssen verstehen, dass wir uns gegenüber der Kraft des „gut und Gutes tuend" und „es gibt niemanden außer Ihm" befinden. Worum willst du Ihn bitten? Er verhält sich zu hundert Prozent gut zu dir und verändert sich nicht. Worum willst du bitten? Dass Er sich zu hundertundein Prozent gut zu dir verhält? Worum willst du bitten? Unsere Bitte nennt man vielmehr „die Entwicklung unseres Wahrnehmungsgefäßes". Mein Verlangen baut sich in mir ständig immer wahrhaftiger auf. Entsprechend diesem Verlangen komme ich zu einem Zustand, in dem ich Ihn unbedingt vollständig und in wahrer Form entdecken muss. Das nennt man „Gebet", und dann entdecke ich.
Ich bestelle beim Schöpfer keine Handlung. Er ist schon „Es gibt niemanden außer Ihm", „Eins, einzig und einzigartig". Man kann sagen, dass Er ständig wirkt, oder man kann sagen, dass Er gar nichts wirkt: Du bist in Ihm, und das war's, in Ihm gibt es keine Veränderungen. „Er wirkt" meint, dass Er vorher hier gewirkt hat und jetzt vielleicht anders, du weißt ja, wie der Mensch das beschreibt. Alles hängt davon ab, wie wir die Dinge beschreiben. Deshalb heißt „Gebet", beeindruckt zu werden, zu beten (lehitpalel)¹², also uns selbst zu richten. Wir verändern uns, und durch die Veränderungen in uns fühlen wir eine neue, andere Wirklichkeit. Deshalb sprechen wir immer von den Gefäßen aus; das Höhere Licht ist in absoluter Ruhe.
Die Bitte sagt also nur aus, wie sehr ich mich darauf eingestellt habe, in den neuen Wahrnehmungsgefäßen zu sein. In ihnen sage ich: „Oh, ich bin zu ‚Es gibt niemanden außer Ihm' und ‚gut und Gutes tuend' gekommen." Das war's. Und beim Schöpfer? Man darf, der Schöpfer bewahre, nicht denken, dass es dort irgendeine Handlung gibt, niemals. So denken die einfachen Leute. Der ganze Unterschied zwischen uns und den einfachen Leuten ist dieser: Ich sage, dass alles von mir abhängt, und sie bitten, dass der Schöpfer sich ändert. Ich sage, dass nur ich mich ändern muss. Es gibt sonst niemanden, der sich ändern muss, nur mein Ich. Nicht die Welt, nicht die Freunde, nicht die Gruppe, nichts, niemand. Ich bin jetzt in „Es gibt niemanden außer Ihm" und „gut und Gutes tuend". Wie ich mich fühle, hängt von meinen Gefäßen ab.
Was heißt es, wenn ich sage: „Ich arbeite mit der Gruppe"? Ich arbeite, ich verändere mich. Mir scheint, es gibt eine Gruppe, die durch alle möglichen Zustände geht. Ich ärgere mich über sie und arbeite mit ihnen, aber dann arbeite ich mit meinem Schatten. Genauso ist es mit dem Schöpfer: Mir scheint, das ist Er, und so und so, und mal näher, mal weiter. Aber ich arbeite mit mir selbst vor dem Hintergrund des Absoluten, des „gut und Gutes tuend", des „es gibt niemanden außer Ihm". Deshalb heißt es: „Wer andere für untauglich erklärt, tut es mit seinem eigenen Makel." Was ich außerhalb von mir sehe, bin ich selbst.
Noch einmal zum Unterschied zwischen Kabbala und Religion, zwischen einem Diener des Schöpfers und denen, die nach dem dienen, was sie in der Kindheit gelernt haben (Girsa deJankuta)¹³, oder auf andere Weise, egal wie. Die ganze Welt bittet den Schöpfer: „Ändere Dich, sei endlich gut, tu uns etwas Gutes. Wenn Du willst, machen wir irgendwelche Handlungen. Wenn Du willst… sag nur, was. Fasten, zu Dir schreien, zu Dir beten, tun, was Du… Sag, was Du willst, ich mache es, nur ändere Dich zum Guten." Deshalb korrigieren sie nicht den bösen Trieb, sondern bitten den Schöpfer, gut zu sein.
Wir sagen das Gegenteil: Der Schöpfer ist „Es gibt niemanden außer Ihm", „gut und Gutes tuend", die einzige allgemeine Kraft in der Natur und überhaupt, die existiert. Außer Ihm existiert nichts. Außer Ihm existiert nur das Verlangen zu empfangen, ein Punkt Jesh mi Ajn (Existierendes aus Nichts). In diesem Punkt geschehen alle möglichen Handlungen, Taten und Veränderungen im Bewusstsein dieses Punktes, dass er sich im Höheren Licht befindet.
Plötzlich fühlt dieser Punkt, dass er sich zur Malchut de Ejn Sof aufbläht. Danach kommen die Welten und die Veränderungen, und all das fühlt dieser eine Punkt so. Nichts hat sich verändert, nur sein Gefühl. Dann geht er durch alle möglichen Veränderungen, nur im Gefühl, bis er zur Bestimmung seines Zustands kommt: „Ich, der schwarze Punkt, befinde mich in ‚gut und Gutes tuend' und ‚es gibt niemanden außer Ihm'." Die ganze Runde, die wir in der ganzen Schöpfung bis zum Ende der Korrektur machen, ist nur dazu da, festzulegen, wo ich mich befinde. Das ist alles.
Schüler: Ich bin etwas verwirrt. Können Sie zusammenfassen, was „Es gibt niemanden außer Ihm" ist und wie man es erreicht? Ich meine für die, die einen Punkt im Herzen haben, für die, die keinen Punkt im Herzen haben, und für die Religiösen. Denn Sie haben hier über mehrere Ebenen gesprochen, und bei mir ist alles etwas durcheinandergekommen.
Rav: Ein Mensch entdeckt, dass er sich in unserer Welt befindet, sagen wir in der Mitte seines Lebens. Er kann sich zur ganzen Wirklichkeit verhalten und leben wie jedes Lebewesen. Das sind alle Menschen. Zusätzlich kann er eine Einstellung zu seiner Existenz haben, die Tiere nicht haben: Man hat ihn gelehrt, dass es eine höhere Kraft gibt. Diese höhere Kraft kann gut sein oder schlecht. Wenn du gut bist, ist sie gut zu dir. Wenn du schlecht bist, ist sie schlecht zu dir. Sie will, dass du gut bist, deshalb gibt sie dir Schläge. Sie verhält sich gut zu dir, wenn du gut bist. Es lohnt sich für dich, gut zu sein.
Was heißt „gut sein" in den Augen der höheren Kraft? Hier gibt es mehr als eine Methode. Die Menschen haben sich alle möglichen Dinge darüber zurechtgelegt, was diese höhere Kraft will. Vielleicht will sie, dass wir unsere Kinder essen oder sie, der Schöpfer bewahre, zu irgendeinem Opfer bringen? Oder sie will, dass wir jemanden töten, und das ist dann gut in ihren Augen, weil die anderen anders über sie denken, ja? Daher kommen alle möglichen Religionskriege, und so weiter und so weiter. Oder ich sage allen: „Wenn ihr mir Ehre oder Geld bringt, ist das gut für sie, das will sie, und dafür bekommst du so und so viel." So stellen Menschen sich vom Ego aus alle möglichen Arten von Beziehungen zu dieser höheren Kraft auf.
Baal HaSulam erklärt das in dem Artikel über die Religionen. Wie heißt er?
Schüler: „Der Frieden".
Rav: Der Artikel „Der Frieden"? Nein, ich meine den über die Arten von Religionen.
Schüler: Ja.
Rav: Ja, der Artikel „Der Frieden". Aber all… Darin steckt sehr viel, und die Religionen entwickeln den Menschen. Abraham hat sie eigentlich gestaltet und in die richtige Beziehung gebracht, und das bringt den Menschen trotzdem zur Göttlichkeit voran. Insgesamt sind das Schichten des Verlangens zu empfangen, die nicht direkt zum Schöpfer gelangen können (Yashar El)¹⁴. Durch die Religionen kommen sie voran.
Und was denken sie dann? Sie wissen nur eines: Es gibt eine höhere Kraft, und ich und sie stehen in einem System von Beziehungen. Bin ich gut, ist sie gut; bin ich schlecht, ist sie schlecht. Dann ist die Frage nur: Was ist Sein Wille? Und da denkt jede Religion anders. Die einen denken: „Wir haben recht, das will Er." Die anderen denken so, dass Er etwas anderes will, die Dritten wieder anders. Der ganze Unterschied liegt darin, wie wir uns vor Ihm verneigen und ob wir Seinen Willen erfüllen, damit es uns in dieser Welt und in der kommenden Welt gut geht. Das war's. Wir arbeiten also gegenüber dieser höheren Kraft wie gegenüber einem Herrscher, einem König: Wie stellen wir ihn zufrieden, damit er mit uns zufrieden ist?
Das heißt, es gibt völlig Säkulare, die wie Tiere sind. Es gibt solche, die sich zur höheren Kraft so verhalten: Wie stellt man sie zufrieden, wie verneigt man sich vor ihr, wie besänftigt man sie. Und es gibt die Kabbalisten. Sie sagen: Diese Kraft verhält sich überhaupt nicht persönlich zu dir. Auch wenn du sagst „Es gibt niemanden außer Ihm" und „gut und Gutes tuend", ist das die allgemeine Kraft der Natur. Alles hängt von mir ab, sie hat keine persönliche Beziehung zu mir. Alles hängt davon ab, wie sehr ich mich in Bezug auf das abstrakte, konstante, bestehende Licht verändere: „Ich, der Schöpfer, habe Mich nicht verändert"¹⁵, „Er gab ein Gesetz, das nicht vergeht", und so weiter. Der Schöpfer hat also keine persönliche Beziehung zu mir, so kann ich es in meinem Wortschatz sagen. Er hat keine besondere Einstellung zu mir, gar keine, sondern so fühle ich es nur.
So fühle ich es auch mit dem Computer. Gestern habe ich mit dem Computer gearbeitet und mich über ihn geärgert, ich wollte ihn kaputt schlagen. Ist er schuld, dieser Golem, dieses Stück Eisen und Plastik? Sag mir, was ist da außer Eisen, Plastik und Strom? Aber weil ich mit ihm arbeite, schreibe ich ihm meine Persönlichkeit zu. Und ich stehe ihm so gegenüber: Er ist gut, er ist nicht gut, schau, was er mir antut, schau dir das an. Ich… weil… Genauso ärgere ich mich über das Auto, wenn mir mit dem Auto etwas passiert.
Was sagen wir zu einem Kind, das sich gestoßen hat? „Schlag den Tisch zurück, der ist böse." Das sind sehr, sehr grundlegende Dinge in unserer Natur, das ist kein Witz. Daraus kommt der Glaube an die Kraft der Natur, die mir Gutes oder Schlechtes tut. Wir sagen zum Kind: „Schlag den Tisch zurück, er hat dir Böses getan." Und wenn es kein Tisch ist, sondern etwas Nebligeres, Größeres und Umfassenderes, dann heißt es: „Verhalte dich gut zu ihm, und es tut dir Gutes." Und so fängt der Glaube an.
Also verstehen und verdauen wir noch nicht, wie sehr wir uns hier in folgendem Zustand befinden: Wenn ich nicht wirklich im Punkt der Wahrheit bin, arbeite ich sozusagen gegen nichts. Ich arbeite einfach gegenüber einem Gesetz, denn „Er gab ein Gesetz, das nicht vergeht". Der Schöpfer verändert sich nicht. Ob ich also gut bin oder schlecht, das alles wirkt auf mich, das alles ist einseitig. Ich tue Ihm damit weder Gutes noch Schlechtes, es berührt Ihn nicht. Wenn ich sage, Er freut sich über mich oder ich betrübe Ihn, sage ich das nur so, das ist nur bei mir, in meinem Gefühl. Wenn das so ist, wer verpflichtet mich dann, mich zu ändern? Mein Ego? Tue ich es dann nur, damit es mir gut geht? Etwas anderes, das mich verpflichtet, habe ich nicht. Oder vielleicht die Umgebung: Sie verprügeln mich, und dann ändere ich mich?
Wenn wir uns so zur gesamten Wirklichkeit verhalten, habe ich also nichts, das mich verpflichtet. Was dann? Nur den Glauben über dem Verstand. Ich will aus meiner ganzen zerbrochenen, verlogenen, falschen Wirklichkeit gerade das herausholen, dass ich in ihr… warum bin ich in ihr? Ich will aus ihr eine unabhängige Beziehung zu dieser Kraft aufbauen, die „gut und Gutes tuend" ist und „Es gibt niemanden außer Ihm". Was heißt „unabhängig"? Dass ich mich ohne jeglichen Nutzen für irgendetwas so zu Ihm verhalte. Und auch Er weiß nichts, versteht nichts und fühlt nichts von mir, gar nichts.
Worauf hänge ich also meine Arbeit auf? „Er hängt die Erde auf über dem Nichts (al-bli-ma)"¹⁶. Das nennt man „Zehn Sefirot Blima". Ich komme nach und nach zu so einer Wahrnehmung der Wirklichkeit, in der ich mich ohne jede Rechnung befinde, also nicht nach dem, was ich heute nur machen kann. Ich will einfach von Ihm, von dieser Kraft, Seine Eigenschaft lernen und Seiner Eigenschaft ähnlich werden, und das ist der Lohn. Weder Er hat etwas noch ich, und als Ergebnis gibt es nichts außer dem Ähnlichwerden. „Der Lohn für eine Mizwa ist, den zu erkennen, der sie geboten hat."
Das sind sehr feine Dinge, man kann sie nicht erklären. Ein Mensch ohne Punkt im Herzen kann davon nie beeindruckt werden und verstehen, dass hier etwas ist. Für wen arbeite ich dann? Gegen die Wand, gegen die Luft? Was ist, wenn es außer mir niemanden gibt, der meine Arbeit annimmt und sich daraufhin anders zu mir verhält und bei dem ich irgendwo eingetragen werde? Überall steht doch geschrieben, dass man dort aufschreibt: „Die Hand schreibt auf, alles steht im Buch, der Krämer über seinem Buch, der Laden ist offen." Und überhaupt: Gut oder schlecht, alles wird aufgeschrieben, er neigt sich selbst, die ganze Welt¹⁷. Was sollen dann all diese Worte? Sie alle sind nur dazu da, uns vorläufig diesem Ideal näherzubringen, das „Glaube über dem Verstand" heißt. Dort hast du keine Rechnung, wie du sie dir hier vorstellen kannst.
Du hast niemanden, an den du dich wenden kannst. Eine Rechnung kann es zwischen dir und jemandem geben, der einen Willen hat, eine Kraft, eine Tat, eine Handlung. „Es gibt niemanden außer Ihm" und „gut und Gutes tuend" bedeutet, dass Er sozusagen nicht von der anderen Seite her wirkt. Von unserer Seite aus sprechen wir von Handlungen, also von Veränderungen der Zustände als Reaktion auf etwas, und so etwas hat Er nicht. Wenn Er das nicht hat, ist es, als ob Er nicht wirkt, als ob Er nicht da ist. Wenn Er sich nicht verändert, ist es, als ob Er unbelebt ist. So ist es in unseren Augen.
Schüler: Ich hoffe, ich irre mich nicht, aber in „Shamati", Artikel 13, „Der Granatapfel", steht Folgendes: „Wie groß ist das Maß der Füllung des leeren Raums? Die Antwort ist: entsprechend dem, wie sehr er sich über den Verstand erhebt. Das heißt, die Leere muss man mit Erhabenheit füllen, also mit dem Aspekt über dem Verstand. Und er soll den Schöpfer bitten, dass Er ihm diese Kraft gibt. Und die Erklärung ist, dass die ganze Leere nur dazu erschaffen wurde, das heißt, nur deshalb zum Menschen kam, damit er fühlt, dass er leer ist, um sie mit der Erhabenheit des Schöpfers zu füllen, also alles über dem Verstand zu nehmen."
Rav: Wir wissen nicht, was über dem Verstand ist. Das ist eine völlige Trennung von all unseren Rechnungen. Ich erinnere mich auch daran, es war… ich weiß nicht, nach vier Monaten. Wir fuhren hier nach Petach Tikva in die Sauna. Ich erinnere mich an diese Brücke über der Geha-Straße, unter der wir hindurchfuhren, und unter der Brücke fragte ich ihn: „Was heißt denn nun endlich ‚über dem Verstand'?" Das war vielleicht nach drei, vier Monaten. Ich hatte mir hier (Rav schreibt auf die Hand) so ein Zeichen geschrieben, um nicht zu vergessen, dass man über dem Verstand denken muss. Ich wusste nicht, was das ist, aber ich wollte es nicht vergessen. Es steht ja ständig geschrieben, dass der Mensch in so einer Rechnung sein muss. Ich hatte also die Hand am Lenkrad und schaute: „Ah, über dem Verstand, na?" Also fragte ich ihn endlich: „Na, wie begreift man das?"
Da gab er ein Beispiel, aber so ein Beispiel ist in unserer Welt trotzdem sehr begrenzt. Ein Freund leiht sich von dir tausend Schekel und gibt dir danach einen Umschlag zurück. Im Umschlag findest du nur einen Schekel. Er gibt ihn dir und sagt: „Das war's, ich gebe es dir zurück." Dort waren es also tausend, aber nach dem Verstand, nach dem, was ich zähle, ist es einer. Wo sind die neunhundertneunundneunzig? Du gehst über den Verstand. Du kommst zu einer Korrektur, bei der du ihm nicht einfach verzeihst, sondern tausend statt eins bekommen hast. Dann hat er dir alles zurückgegeben. Wie ergänzt du das? Wir sprechen von wirklichen Handlungen. Wie ergänzt du sie? Das nennt man die Kraft des „Glaubens über dem Verstand". Was ist das?
Nur kommt das zum Menschen aus seiner inneren Anstrengung. Es hängt alles von uns ab und enthüllt sich aus unseren Gefäßen, wenn wir uns verändern. Dann sehen wir, dass wir das Wissen durch den Glauben doch ergänzen können. Denn Glaube ist Geben statt Empfangen. Das sind Dinge, die trotzdem nicht verständlich sind, bis man dazu kommt.
Schüler: Wir lernen, dass der Schöpfer eigentlich das Verlangen zu empfangen erschaffen hat. Zugleich gibt es irgendwann das Thema des Punktes im Herzen, der erwacht. Und wir haben das Licht… diese konstante Kraft, die „Es gibt niemanden außer Ihm" heißt und „gut und Gutes tuend" ist. Insgesamt entsteht hier also der Gedanke, als gäbe es kein Individuum. Aber im Alltag sehen wir, dass die Ergebnisse… jeder empfängt sie getrennt auf seine Weise, der eine so, der andere so, der dritte so. Und dann verbindet er sich in Richtung Schöpfer aus den Richtungen, aus denen er sozusagen den Abstand empfängt…
Rav: Ich bitte dich, eine Frage zu stellen.
Schüler: Das ist meine Frage. Wie kann es sein…
Rav: Nein, das ist keine Frage. Wir sind sowieso alle verwirrt, verwirr uns nicht noch mehr. Warum bestehe ich auf einer Frage ohne Geschichte? Weil wir nur eine Frage brauchen. Sonst ziehst du uns in das, worin du dich befindest, und dann verlieren wir uns.
Schüler: Nein, ich komme jetzt genau zur Frage.
Rav: Also eine Frage, das war's. Was du gesagt hast, interessiert uns nicht.
Schüler: Also, wie ist Er konstant…
Rav: Was?
Schüler: Wie kann es sein, dass Er ein konstanter Zustand ist, und jeder von uns fühlt es anders?
Rav: Das ist die Frage, genau, ohne die Worte davor. Jeder von uns fühlt Ihn in einem anderen Zustand, jeder nach seiner Seele, das heißt jeder nach seinen Verlangen und Eigenschaften. So ist es bei jedem. Denn Ihn kann man nicht fühlen, ich fühle Ihn nie. Ich fühle mich selbst in Bezug auf etwas, von dem man mir sagt, es heißt „das einfache Höhere Licht". Gegenüber dem einfachen Höheren Licht entdecke ich mich selbst. Wo bin ich? Die ganze Welt bist du. Fühlst du es? Ja, du fühlst es. Bist du mit ihnen? Ja. Also ist die ganze Welt du. Das ist dein Gefäß, in dem du das fühlst. Es scheint dir, dass es draußen ist? Das ist ein Fehler, ein Irrtum. Es ist alles drinnen, die ganze Welt ist drinnen. So fühlst du deine Wirklichkeit.
Und das Höhere Licht? Auch Es fühlst du nicht, aber ist Es außerhalb von dir? Nein, auch Es ist in dir. Alles, was du dir überhaupt vorstellen kannst, ist in dir. Auch das Höhere Licht? Was ist das Höhere Licht? Wenn du etwas sagst, sagst du es über etwas, wovon du einen Eindruck hast. Wo? In deinen Gefäßen. Alles ist im Menschen. So sind wir, bis wir die höhere Kraft wirklich entdecken.
(Ende der Lektion)