Tägliche Lektion25. Sep. 2003

Rabash. Letter 23

Rabash. Letter 23

25. Sep. 2003

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Morgen-Abschrift 25.09.2003

Buch „Schriften des Rabash", Band 2, S. 1461, Brief 23

Rav: Was hören wir aus dem Brief? Dass gerade dann, wenn der Mensch sich in einem Zustand befindet, in dem es ihm nicht so scheint, als ziehe ihn die spirituelle Welt an, als enthülle sich ihm der Schöpfer, als gäbe es irgendeine Annehmlichkeit und etwas Gutes auf einer Stufe, die höher ist als er – gerade in dem Zustand, in dem der Mensch die gute Zukunft nicht sieht, das ist der Zustand der Zuwendung des Höheren zum Unteren. Gerade in diesem Zustand muss der Mensch verstehen, dass es keine andere Verbindung zwischen dem Höheren und dem Unteren gibt als den ACHaP de Eljon, der in den Galgalta we Ejnaim des Unteren liegt¹ – so geben sie dem Unteren die Empfindung.

Und nur diese Empfindung richtig zu entziffern, sich selbst zu erklären, was geschieht – dazu muss der Mensch sich jetzt erheben, das muss er tun. Er muss es sich so erklären, dass von dieser Empfindung an alle seine Schritte darauf gerichtet sind, diese ganze Säule zwischen ihm und dem Schöpfer in Malchut de Ejn Sof in Gang zu setzen.

Es stimmt: Wenn sich der ACHaP de Eljon dem Unteren als nicht leuchtend enthüllt, dann hat der Untere entsprechend, auf natürliche Weise, eine Handhabe zu reden. Das heißt, aus dem Herzen heraus, aus der Empfindung heraus sagt er Schlechtes über den Höheren, über die Lenkung, über das Verhalten, überhaupt darüber, dass der Höhere da ist, existiert und über die Wirklichkeit herrscht.

Aber dass der Mensch so oder anders reden kann, ändert nichts an dieser Bedingung: Der Höhere kann sich dem Unteren gegenüber nicht anders enthüllen, weil der Untere entweder gut oder schlecht empfindet. Er ist Wille zu empfangen, in dem es nur diese zwei Empfindungen geben kann. Und die gute Empfindung – ihn zu füllen, ihm eine gute Empfindung zu geben –, das kann der Höhere nicht, denn damit würde Er den Unteren auf die tierische Stufe herabziehen, sodass der Untere immer untergeordnet bliebe, abhängig von der Empfindung, die in seinen Kelim sein wird, und sich niemals über die Empfindung erheben könnte. 3:36

Um dem Unteren zu ermöglichen, sich über die Empfindung in den Gefäßen des Empfangens zu erheben und ein anderes Verhältnis zum Höheren festzulegen – nicht nach bitter und süß, sondern nach Wahrheit und Lüge –, muss der Höhere sich verhüllen. Damit hilft Er dem Unteren, die unangenehme Empfindung zu überspringen und mit dem Höheren verbunden zu sein, weil der Höhere der Höhere ist.

Das heißt, der Höhere befindet sich mehr in der Eigenschaft des Gebens als der Untere. Das zu achten, daran anzuhaften, das zu wollen und wirklich darum zu bitten, darum zu beten – dahin muss der Untere kommen. Und weil er schon nicht bestochen ist und nicht unter der guten Empfindung vom Höheren steht, hat er jetzt die Möglichkeit, am Verhältnis zur Eigenschaft des Höheren zu arbeiten – also an der Absicht zu arbeiten, wie man sagt, und nicht an der Empfindung.

Das ist eigentlich der ganze scharfe und schicksalhafte Übergang, den das Geschöpf machen muss: Statt sich an sich selbst zu binden, an seine Kelim, und zu schauen, was er in seinem Kli hat, sieht und bestimmt er seinen Zustand nach der Qualität seiner Verbindung mit dem Höheren – danach, wie weit er in Übereinstimmung mit dem Höheren ist gemäß der Absicht „um zu geben". Im Höheren ist das Geben eine Eigenschaft, im Unteren ist das Geben eine Absicht. Und danach sind sie in Gleichheit; danach gibt es eine Verbindung zwischen den Galgalta we Ejnaim des Unteren – das ist die Absicht über seinem ACHaP, über seinen wahren Kelim – und dem ACHaP de Eljon, das sind die Eigenschaften des Höheren, die Eigenschaften des Gebens des Höheren. 6:26

Den Zustand als schlecht zu empfinden, weil die Füllung in den Kelim fehlt; danach festzulegen, dass ich nicht von der Füllung abhängig sein will, sondern von der Absicht „um zu geben" in meinem Verhältnis zum Höheren; sich selbst in den Zustand zu bringen, in dem ich darum bitte, dass dieses Verhältnis der Übereinstimmung zwischen Galgalta we Ejnaim und ACHaP entspricht – dass ich also die Absicht „um zu geben" habe, so wie der Höhere die Eigenschaft hat, mir zu geben, das Verlangen, mir zu geben –, das ist die ganze Arbeit des Menschen, die zu seiner Prüfung in den Ehrfurchtsvollen Tagen gehört, und dabei legt er dieses Verhältnis schon fest. Das heißt, er bestimmt seine Entwicklung in der Säule der Verbindung zwischen ihm und dem Höheren – und das heißt schon „Rosch HaSchana". Und das bestimmt er jetzt: seinen richtigen Verbindungspunkt. Das war's.

Und dann dienen alle übrigen Handlungen der Entwicklung dieser Verbindung, der Stärkung dieser Verbindung. Wie Rabash an anderer Stelle sagt: An Rosch HaSchana wird schon bestimmt, wie viele gute Tage es geben wird, wie viel Regen es geben wird und wie viele verschiedene Zustände und Bedingungen es geben wird. Aber der Mensch bestimmt, in welcher Form er das verwirklicht, und dadurch bestimmt er eigentlich die Wirksamkeit des Jahres – also wie sehr er wachsen wird, wie er wachsen wird, wie viel er im Lauf des Jahres erlangen wird.

Ja.

8:49
Schüler: Wie kann der Untere diesen Punkt erfassen, wann er anfängt zu arbeiten? Wann muss er aus der Finsternis herausgehen?

Rav: Wie kann der Untere, statt sozusagen in der schlechten Empfindung zu versinken, verstehen, dass diese schlechte Empfindung absichtlich von Oben zu ihm kommt, damit er sich nicht auf die Empfindung bezieht, sondern auf die Verbindung mit dem Höheren über der Empfindung? Statt bitter und süß zu empfinden, gut und schlecht für mich in den Gefäßen des Empfangens, soll er eine Zugehörigkeit zu Wahrheit und Lüge empfinden, sodass er sich erheben kann, sich loslösen kann, seine Verbindung zu bitter und süß zerreißen und zu Wahrheit und Lüge übergehen kann.

Das heißt, sich aus dem Liba herauszuholen und sich an das Mocha anzuhaften², sagen wir mal. Wie kann der Untere das machen? Überhaupt nicht aus eigenen Kräften. Er kann sein Verhältnis von sich aus nicht ändern, denn er steckt in der Empfindung, und aus dieser Empfindung kann er nur durch irgendeine äußere Ursache herauskommen. Das kann ein Lehrer sein, das können Bücher sein, das kann die Gemeinschaft sein – aber etwas, das nicht in ihm ist, denn er selbst befindet sich in der Empfindung.

In der schlechten Empfindung: Mir geht es schlecht, und das war's. Er ist in Verzweiflung, in Hilflosigkeit, und ich habe einfach gar nichts in diesem Leben und in dieser Methode, überhaupt und in nichts. Und ich will mit all diesen Dingen Schluss machen, „besser ist mein Tod als mein Leben", nur heraus aus der Empfindung, und das war's. 11:01

Aus dieser Empfindung herauskommen kann er also entweder, indem er nach unten absteigt – das heißt, alle möglichen Handlungen macht, um sich gut zu fühlen, dass es ihm schmeckt, dass es ihm angenehm ist, dass es ihm süß ist. Oder er kann – und das nur durch die äußere Kraft, die ihm eine Wertschätzung gibt, die ihn daran erinnert, warum ihm das geschieht –, dann kann er nicht nach unten zur guten Empfindung absteigen und dort alle möglichen Mittel suchen, sondern sich, obwohl er die schlechte Empfindung spürt, nach oben erheben: also die Absicht suchen, die Verbindung mit dem Höheren suchen.

Das heißt: Obwohl ich mich nicht gut fühle, muss ich jetzt zur Freude kommen – dass ich gerade jetzt mit dem Höheren verbunden bin. Der Höhere gibt mir eine schlechte Empfindung, damit ich mich mit Ihm in einem völlig anderen Format verbinde: dadurch, dass wir gemeinsam den Zustand des Gebens wertschätzen, den Zustand der Spiritualität. 12:23

Hier von der Empfindung zur Absicht überzugehen – das steht nicht in der Kraft des Menschen, sondern es muss irgendeine äußere Hilfe geben. In dem Maße, in dem er im Voraus seine Verbindung mit der Gemeinschaft, mit den Büchern, mit dem Lehrer vorbereitet hat, in dem Maße, in dem er in sie investiert hat, kann er danach Unterstützung bekommen. Darüber steht geschrieben: „Kein Gefangener befreit sich selbst aus dem Gefängnis." Er kann es nicht, er steckt in der Empfindung, und da ist nichts zu machen. Sondern „die Zeit vergeht", wie man sagt, sodass der Höhere ihm von Oben hilft, oder „Bücher und Schreiber", wie man sagt.

Am nützlichsten ist die Gemeinschaft. In der Gemeinschaft gibt es die ganze Zeit Prozesse und alle möglichen Verbindungen, die sich verändern, und alle möglichen Ziele und Tätigkeiten, mit denen man sich beschäftigt. Dadurch achtet einer auf den anderen, durch die Teilnahme ziehen sie einander, durch die physische Teilnahme, und damit geben sie die Empfindung der Wichtigkeit des Gebens. Wenn auch nur ein wenig – aber sie erinnern diesen Menschen an das Ziel, damit er nicht nur in der Empfindung versinkt, in der schlechten Empfindung. Und dann kommt es heraus.

Aber das ist eine sehr große Arbeit. Und solange der Mensch das nicht dauerhaft festlegt, also über dem Machsom, hat er immer … Das nennt man Verhüllung. Das ist eigentlich Verhüllung: dass der Schöpfer sich verhüllt, sich hinter der schlechten Empfindung verbirgt, die Er dem Menschen gibt. Aber diese Empfindung kommt daher, dass Er ihm das Geben zeigt, das Maß des Gebens anstelle eines Genusses. Das heißt, Er kann dem Menschen Genüsse zeigen, und Er kann dem Menschen die Eigenschaften des Gebens zeigen. Und damit hilft Er uns, uns darauf vorzubereiten, abhängig von Seinem Maß des Gebens zu sein und damit verbunden zu sein, und nicht von den Genüssen, die von Ihm kommen. 15:20

Ja.

15:20
Schüler: Was heißt es in dieser Hinsicht, den Machsom zu überschreiten?

Rav: Den Machsom zu überschreiten heißt, die erste Verbindung mit dem Schöpfer festzulegen, trotz der Empfindung, die Er mir gibt – und ich messe nicht, welche; ich kann die Empfindung nicht messen. Sondern trotz der Empfindung, die Er mir gibt, die Verbindung mit Ihm danach festzulegen, dass ich das Maß des Gebens erfasse, und sei es im allerkleinsten Maß, das ist nicht wichtig. Und ich lege fest, dass das die Sache ist, die wichtiger ist als meine ganze Empfindung, und dass ich daran anhaften will. Und durch dieses Gemeinsame, das „Geben" heißt, soll es bei mir und bei Ihm eine gemeinsame Sache sein, und das wird die Verbindung zwischen uns sein.

Das heißt: Ich lege den Höheren als den Gebenden fest, und ich finde in mir dieses Maß des Gebenden, diese Absicht des Gebenden, über der ganzen nicht guten Empfindung, auf die ich einen Zimzum machen kann – ob ich sie sozusagen habe oder nicht habe, ist nicht wichtig. Sondern diesen Punkt des Gebens in mir hebe ich über den ganzen ACHaP, wie man sagt; er heißt meine Galgalta we Ejnaim. Der ACHaP existiert sozusagen nicht mit seiner ganzen Empfindung, und mit dieser Galgalta we Ejnaim, diesem Punkt des Gebens, empfinde ich, dass ich mit dem Höheren verbunden bin, dass ich mich im Höheren befinde wie ein Ubar.

Das ist der Anfang meiner Verbindung mit dem Höheren. Damit bin ich schon in diese Säule der Stufen eingetreten, auf der ich nun gehen und wachsen werde.

Ja.

Schüler: Woher kommt die Sicherheit, dass die Empfindung nie wieder die Oberhand gewinnt?

Rav: Woher die Sicherheit, dass die Empfindung darüber nie herrschen wird? Die Sicherheit liegt nur darin, dass ich jetzt mit dem Höheren im Geben anhaften will, in diesem Punkt des Gebens. Das heißt, ich befinde mich in den 3 Tagen der Aufnahme des Samens: dass ich wirklich in diesem Punkt an Ihm anhaften will, allein in dieser Unterscheidung, darin, dass ich und Er geben – dass mir das wichtiger ist als alle Gefäße des Empfangens, ob die Empfindung in ihnen gut oder schlecht ist, das ist nicht wichtig.

Und wenn ich diesen Punkt erfasse und durch ihn empfinde, dass ich mit dem Höheren verbunden bin, und ich jetzt die ganze Zeit daran arbeite, diese Verbindung so stark wie möglich zu erfassen, und ich mich über allem, was mir jetzt geschieht, bemühe, meine Verbindung mit dem Höheren im Aspekt meines Gebens und Seines Gebens zu stärken, in diesem Maß – dann heißt das, dass ich den Samen in der Gebärmutter anhaften lasse. Ich stelle diese Haftung her, und ich fange an, mich zu entwickeln.

Bis ich das Maß von Galgalta we Ejnaim erlange, das Maß des Gebens, das dann wirklich in mir vorhanden sein wird. Das nennt man die 40 Tage der Bildung des Ungeborenen³: dass es schon eine Bildung gibt, dass es schon bei jeder einzelnen Einzelheit, die sich enthüllt, irgendeine Unterscheidung gibt, dass das Geben doch wichtiger ist als die Empfindung von gut oder schlecht in den Gefäßen des Empfangens. Das nennt man die 40 Tage der Bildung des Ungeborenen. Und danach – das heißt, es gibt noch die Gefahr des Falls, aber das sind Gefahren, und bei uns geschieht das nicht. Das heißt, diese Gefahren sind eine Art von Zuständen, die ich durchlaufen muss, um die Verbindung noch mehr und mehr zu stärken, sodass ich, sagen wir, von Awiut Alef zu Awiut Bet, zu Awiut Gimel, zu Awiut Dalet übergehe⁴.

Ja.

20:09
Schüler: Wenn wir in der Gemeinschaft die Größe des Gebens und die Größe des Schöpfers verbreiten – warum heißt es dann nicht, dass die Gemeinschaft auch vorankommt …? Lohnt sich das, und dann …

Rav: Nein, ich verstehe die Frage nicht. Um zu empfangen …? Wenn wir die Sache der Größe des Schöpfers verbreiten, die Größe des Ziels, am Schöpfer anzuhaften, die Größe der Handlung, dem Schöpfer ähnlich zu werden – also insgesamt das Maß des Gebens, die Eigenschaft des Gebens, diese Kategorie des Gebens –, wenn wir das als das Allerwichtigste vergrößern, das „Spiritualität" heißt, wobei es außerdem die Materialität gibt und außer diesen beiden gar nichts existiert: Alle Eigenschaften, alle Verlangen, alle Zustände, was du auch nennst, existieren entweder im einen oder im anderen, entweder im Empfangen oder im Geben.

Wenn wir also die Eigenschaft des Gebens vergrößern – vergrößern heißt: gegenüber der Eigenschaft des Empfangens vergrößern –, dann gibt es nichts weiter zu sagen und nichts weiter zu vergrößern, eins von beiden. Nun, und was sagst du dazu?

Schüler: Also sozusagen … man soll nicht sagen, dass es uns dann gut gehen wird, … dass wir … werden, sondern man will sozusagen sagen, dass wir dann dem Schöpfer ähnlich werden. Was ist der Unterschied?

Rav: Wir werden vollkommen sein, es wird uns gut gehen, wir werden mit unendlichem Licht gefüllt, wir kommen zur Vollkommenheit, zur Ewigkeit, wir kommen zur Dwekut mit dem Schöpfer. Nun, und du fragst: Warum höre ich in all diesen Worten, die du mir sagst, dass ich dabei sozusagen einen Gewinn in den Gefäßen des Empfangens habe?

Schüler: Ja.

Rav: Es stimmt, dass du einen Gewinn in den Gefäßen des Empfangens hast. Aber arbeitest du dafür, sie zu füllen, oder arbeitest du, um dem Schöpfer ähnlich zu werden?

Schüler: Was ist denn dieser Unterschied? Das ist es, was ich frage.

Rav: Der Unterschied ist einfach, der Unterschied ist die Absicht: Entweder bin ich bereit zu geben, um alle Füllungen in meinen Gefäßen des Empfangens zu empfangen, oder ich bin bereit zu empfangen – und es ist nicht wichtig was –, nur um zum Geben zu kommen, sodass sogar mein Empfangen mir hilft zu geben. Das ist der grundsätzliche Unterschied.

22:46
Schüler: Wenn wir das jetzt machen, heißt das Verbreitung in der Gemeinschaft?

Rav: Wenn wir an der Wichtigkeit des Gebens über der Wichtigkeit des Empfangens arbeiten – wobei die Wichtigkeit des Empfangens bei uns etwas Natürliches ist und die Wichtigkeit des Gebens etwas völlig Künstliches, woran ich überhaupt keinen Geschmack habe, wovor mir graut, was ich hasse und wovor mir wirklich ekelt, ich kann es nicht anhören, und in jeder Hinsicht geht es mir dadurch so schlecht –, wenn wir diese Dinge also irgendwie in ihrer Wichtigkeit umkehren, sodass die Eigenschaft des Gebens wichtiger ist als die Eigenschaft des Empfangens, dann heißt das, dass ich mich über meine Natur erhebe. Denn die Natur ist, das Empfangen zu achten. Das heißt, dass ich mich über meine Natur erhebe, das heißt, dass ich zur Spiritualität aufsteige.

Schüler: Und das heißt Verbreitung?

Rav: Und das heißt meine innere Verbreitung mir selbst gegenüber. Oder wenn es in der Gruppe oder in der Gemeinschaft oder in der Welt ist, heißt es Verbreitung, Verbreitung der Kabbala. Letzten Endes müssen wir der Welt eine einfache Kenntnis bringen: Geben ist wichtiger als Empfangen. Nur – wenn du das der ganzen Welt sagst, dann ist es nicht so, dass niemand es hören will: Jeder wird sich freuen, dir den Mund zu stopfen, weil es unangenehm ist, darüber zu reden. Wir schämen uns sogar, darüber zu reden, weil es so unseriös wirkt, so unrealistisch wirkt.

Das hat bei der Menschheit schon einen so schlechten Eindruck bekommen, es ist einfach so, und es ist so sehr gegen die Entwicklung der Menschheit – die Entwicklung von einem kleinen Egoismus zu einem immer größeren und größeren –, dass man sieht, wie sehr diese Dinge nicht durchführbar sind. Wenn du also hinausgehst und anfängst, die Leute sozusagen zu überzeugen, dass das gut ist, dann können sie nicht von dir denken, dass du ein ernsthafter, realistischer Mensch bist. Denn in den Gefäßen des Empfangens ist es nicht akzeptiert, dass es ernsthaft und realistisch wäre, der Gebende zu sein; man sieht dafür keinerlei Unterstützung aus dieser Welt. Man sieht nicht, dass es überhaupt irgendwo existiert und irgendeine Füllung gibt.

Wenn du sagst „geben, um zu empfangen" – völlig in Ordnung. Sagen wir, ich will Präsident in Amerika werden, dann gehe ich hin und gebe ihnen und alles: Ich werfe Millionen hin, drücke eine Million Hände, umarme, küsse – du weißt ja, was sie machen –, mache so ein schönes weißes Lächeln. Dann weiß ich, dass ich als Gegenleistung dafür etwas bekomme, und das ist angesehen. Du siehst, niemand … Und er sagt: Ich liebe euch, und ich will euch alles Gute tun, mein ganzes Leben will ich euch hingeben. Und sie alle hören so zu und lieben ihn und achten das. 26:34

Warum achten sie es, warum achten sie diese Form des Gebens? Sie verpflichtet sie zu nichts, im Gegenteil, sie füllt ihre Kelim. Und sie wissen auch, dass es sein Wille ist⁵, dass der Wille zu empfangen das unterstützt. Das war's. Wenn wir jetzt aber vom wahren Geben sprechen, ohne jeden Gewinn für den Willen zu empfangen, sodass der Wille zu empfangen nicht gefüllt wird, dann gibt es dafür keine Unterstützung im Willen zu empfangen. Deshalb können wir nicht hinausgehen und geben, das heißt, diese Kenntnis auf der Straße verstreuen.

Deshalb schreibt Rambam, dass man das nicht enthüllen darf, sondern nur nach und nach: Wenn sie „heranwachsen und in besonderer Weisheit weise werden, enthüllt man ihnen dieses Ras". Dieses Ras, verstehst du, das ist ein Geheimnis. Warum ist es ein Geheimnis? Weil es gegenüber meinem Willen zu empfangen noch immer ein Geheimnis ist, was es heißt zu geben. Wenn ich es ihm enthülle, laufe ich schnell davon. Ich werde mit irgendetwas in dieser Welt spielen, nur um nicht daran zu denken – und das ist schlimmer als die größte Qual.

27:53
Schüler: Du hast einmal gesagt, dass … spirituell; wir können sicher nicht zur ganzen Welt gehen und anfangen, mit ihnen zu reden. Ich weiß, dass das …

Rav: Deshalb müssen wir unsere Verbreitung in einer Form machen, die im Willen zu empfangen angenommen wird. Ich erinnere mich: Vor meinem ersten Vortrag in Tel Aviv fragte ich den Rebben, wie ich ihnen erkläre, was das ist und wozu das gut ist. Er sagt: Du liest dort aus der Definition vor, was das Wesen der Weisheit der Kabbala ist – dass es die Enthüllung des Schöpfers den Geschöpfen gegenüber ist, die sich in dieser Welt befinden –, und erklärst ihnen, dass es ihnen Gutes bringt, alles Gute, denn sie wollen hören, was gut ist. Der eine bekommt einen guten Beruf, der zweite heiratet gut, der dritte kommt zu irgendeiner Art schönem Geben, wandert in der spirituellen Welt umher, macht dort schöne Ausflüge und sieht alle möglichen Dinge.

Jeder soll sehen, dass das gut ist. Aber ist das eine Lüge? Es stimmt, es ist eine Lüge, aber es ist eine nützliche Lüge: Du bringst den Menschen ein wenig näher an das, was Kabbala heißt. Das ist nicht Kabbala, du erzählst ihm über die Kabbala eine Lüge, aber er ist bereit, weiter darüber zu hören. Nun, dann erzählst du ihm also jedes Mal eine Lüge, und jedes Mal hört er nicht über die Kabbala, sondern darüber, wie du diesen Begriff Kabbala verdrehst? Stimmt, stimmt – aber inzwischen wirkt das Umgebende Licht, und das Umgebende Licht ordnet ihn.

Das Umgebende Licht: Du schlägst ein Buch auf und willst einfach wissen und dich verbinden, damit du aus dem Buch alles Gute hast. Das denkst du, das willst du – oder du willst es nicht, aber du denkst so, so arbeitet deine Maschine. Aber dadurch, dass du Umgebendes Licht ziehst, ordnet dir das Umgebende Licht schon den Willen zu empfangen so, dass in ihm anfängt, eine Art Schmutz zu sein, wie man sagt, etwas vom Verlangen zu geben – und dann bist du bereit, ein wenig über das Verlangen zu geben zu hören.

Du siehst: Nach einigen Jahren sind sie bereit, sich hinzusetzen und zu diskutieren – ja: nicht für mich selbst, sondern für alle; was gibt mir das? Dann fängt der Mensch jetzt an, sich selbst die Antwort zu geben, dass es mich wohl füllen wird. Er denkt einstweilen immer noch in Begriffen des Empfangens, aber er stimmt schon zu, dass die Füllung in der Handlung des Gebens eine vollkommene Füllung ist – darüber fängt man schon an nachzudenken. Ja, so sehe ich es in der Gruppe: Wenn wir wirklich in „um zu geben" sein werden und nicht an uns selbst denken und an gar nichts, sondern nur geben, dann verleiht mir das die Empfindung der Vollkommenheit. 31:16

Das heißt, das ist „geben, um zu empfangen". Aber er ist schon bereit, über einen solchen Zustand zu hören: dass es gut sein wird, wenn ich darin bin. Nun, machen wir noch ein paar Jahre weiter, es bleibt keine Wahl, aber das ist schon ein Fortschritt. Warum geschieht das so? Weil in unserem Willen zu empfangen schon etwas vom Verlangen zu geben ist, das bereit ist zuzustimmen, dass er vom Empfangen abgetrennt sein wird, von allem abgetrennt, dass er alles hingibt – er empfindet darin schon, dass er bestehen bleiben wird.

Denn wenn der Wille zu empfangen sich gewöhnlich vorstellt, dass er geben und schenken muss, empfindet er nicht, dass ihm etwas bleibt; er empfindet sich dann als annulliert – und ich bin nicht da. Deshalb kann ich es nicht anhören, es ist gegen sein Dasein, gegen seinen Wesenspunkt, wer er ist, gegen das Ich des Menschen. Und hier ist er schon bereit zuzuhören, weil im Willen zu empfangen dieser Samentropfen des Verlangens zu geben zu entstehen beginnt; es scheint ihm nicht mehr, dass er annulliert wird, selbst wenn er schenkt und gibt, nein.

Er hat schon die Empfindung, dass er nach dieser ganzen Handlung nicht einfach gar nicht mehr da sein wird, sondern eine Füllung empfinden wird. Wie denn, woher wirst du eine Füllung empfinden? Das ist schon ein wenig im Gefäß des Gebens, das sich bei uns schon bildet – kann man das sagen?

33:01
Schüler: Es nimmt Gestalt an.

Rav: Es nimmt beim Menschen Gestalt an, und dann ist er schon bereit, so zu denken, und es scheint ihm nicht, dass er dadurch völlig verschwindet. Das ist schon ein Fortschritt.

33:16
Schüler: Und wie können wir einem Menschen sagen, dass diese Handlung wirklich – wie du einmal gesagt hast – wie Harakiri ist, aber dass es ihm danach dadurch gut gehen wird?

Rav: Der Mensch sieht, welchen Gewinn, welchen Lohn er hat, gegenüber der Strafe, gegenüber der Mühe, gegenüber dem heutigen Leiden. Das ist schon Kauf und Verkauf, das ist schon etwas, das man tauschen kann. Wir tauschen Leiden gegen Gesundheit, das ist klar. Solche Dinge werden also innerhalb des Willens zu empfangen angenommen. Wir müssen immer beurteilen, in welchen Kelim wir empfinden, in welchen Kelim wir denken, sprechen, urteilen. Wenn es innerhalb des Willens zu empfangen ist – mehr leiden, weniger leiden, mehr gewinnen, weniger gewinnen –, dann ist das alles einleuchtend, und ich kann hinausgehen und mit allen reden.

Wie sagt der Ministerpräsident: Jetzt werden wir leiden, Jahr für Jahr werden wir wachsen, die Wirtschaft wird blühen. Warum kann er so etwas sagen – jetzt werden wir leiden, wir werden ein schweres Jahr haben, und dies und das? Er zeigt ihnen einen Lohn. Gewiss muss man für einen Lohn bezahlen, das ist uns klar, das versteht sich von selbst; wer für einen Lohn nicht bezahlt, heißt Dieb. Aber er zeigt ihnen, dass es geschehen wird. Auf diese Weise kannst du also erklären, was die Weisheit der Kabbala ist, und dann wird man dich gewiss richtig aufnehmen und nicht denken, dass du ein Lügner bist.

Wenn du sagst: Leute, in einer Sekunde verdiene ich eine Million Dollar, und ich verspreche jedem Einzelnen, der sich mir anschließt, dass es ihm in einer Sekunde so gehen wird – dann wird niemand denken, dass das stimmt, sondern im Gegenteil. Das sehen wir daran, wie die Schlange kam und Eva verführte; daraus können wir lernen, wie wir gegenüber unserem Willen zu empfangen vorgehen müssen. Darin liegt wirklich die ganze Weisheit: wie man sich an sich selbst und an das Publikum wendet und nach und nach den Willen zu empfangen überzeugt, dass es sich lohnt, und danach an ihm arbeitet, sodass er durch das Umgebende Licht wirklich will.

Schüler: … „dass man ihm dieses Ras nach und nach enthüllt" – was wird dann jetzt die Enthüllung sein?

Rav: „Man enthüllt ihm dieses Ras nach und nach" – das heißt: in dem Maße, in dem das Verlangen zu geben vom Willen zu empfangen abgetrennt ist, und in dem Maße, in dem er im Willen zu empfangen niemals irgendeine Füllung haben wird.

Schüler: Und man enthüllt – es enthüllt sich dem Menschen in der Empfindung, nicht … man erzählt es ihm, richtig?

Rav: Ja.

In Ordnung? Ja.

37:06
Schüler: Gibt es einen Weg … zu diesem Thema des ACHaP de Eljon, dass es unmöglich ist, dass ich nicht aus eigener Initiative … eine Verbindung mit den Freunden herstellen kann, es muss nur … irgendetwas …

Rav: Es gibt keine Verbindung zum ACHaP de Eljon außer durch meine Galgalta we Ejnaim. Das heißt: Wenn der ACHaP de Eljon jetzt auf mich einwirkt und nicht mit meinen Galgalta we Ejnaim verbunden ist, sondern mit meinem ACHaP, dann empfinde ich vom ACHaP de Eljon, dass er geben will, dass seine Eigenschaften Geben sind – und ich empfinde davon Schlechtes. Warum denn? Der ACHaP de Eljon soll mir doch alles Gute liefern. Der ACHaP de Eljon liefert mir alles Gute, richtig – das Leben, die Lebenskraft, alles –, solange Er nicht will, nicht beabsichtigt, sich nicht in dem Prozess befindet, in dem Er mich auf Seine Stufe erheben will.

Dann liefert Er mir alles Gute, liefert mir ein tierisches Leben, und ich lebe in dieser Welt, und mir geht es gut, mir geht es ein bisschen schlecht, aber ich empfange vom ACHaP de Eljon eine Füllung für meinen ACHaP. In dem Moment, in dem der ACHaP de Eljon meine Galgalta we Ejnaim vergrößern, großziehen will, in diesem Moment fängt Er an, sich nicht mehr auf meinen ACHaP zu beziehen; in diesem Moment ist es umgekehrt: Er verbirgt die Füllung, die Er für meinen ACHaP hat, und fängt an, mir anstelle von Genüssen aus Seinem ACHaP die Eigenschaft Seines ACHaP zu zeigen, die Eigenschaft des Gebens. Und dann leide ich an zweierlei: daran, dass von Ihm keine Genüsse in meinen ACHaP kommen, und daran, dass Er mir darüber hinaus die Form des Gebens zeigt.

Diese Form des Gebens kommt innerhalb der Empfindung Seiner leeren ACHaP. Es gibt hier zwei Einwirkungen auf mich, und nach und nach lerne ich dadurch. Mir bleibt keine Wahl, ich fange an, aus diesen Vertiefungen das Verständnis zu bekommen, dass ich mich nicht auf die Füllung beziehen muss, sondern auf Seine Eigenschaft zu geben. Ich könnte darauf eingehen – also darauf, wie der ACHaP de Eljon dann gibt und wie sich das bei mir genau ordnet. Aber er spricht darüber, dass Malchut nur Umgebende Lichter hat, dass sie … Aber das ist es nicht, dazu kommen wir noch.

Ja.

41:04
Schüler: Wenn der Mensch sich in einem Abstieg befindet …

Rav: Er schreibt darüber in der „Einleitung zu Panim Meirot", über vier Engel, über alles – darüber, wie wir mit dem Geben des Höheren arbeiten.

Schüler: Wenn der Mensch sich in einem Abstieg befindet – jetzt weiß ich, dass man zur Freude übergehen muss, … sagt das. Dann macht er einen scharfen Übergang. Die Frage ist, ob er während des Übergangs nicht Unterscheidungen, Klärungen, Fragen verliert. Was geschieht mit all diesen Stufen, mit denen er eben diese Stufe in Freude hätte durchlaufen müssen – verliert er da nicht etwas?

Rav: Ich habe die Frage nicht verstanden.

Schüler: Ein Mensch ist unten. Jetzt sagen wir, dass er immer in Freude sein muss, also macht er irgendeinen sofortigen Übergang zur Freude. Verliert er während des Übergangs nicht Unterscheidungen, Fragen, Klärungen, durch die er zu eben diesem Zustand, zu eben dieser Freude gekommen wäre?

Rav: Verliert ein Mensch, der nicht in Freude ist, etwas? Freude ist ein Zeichen dafür, dass ich mit dem Höheren einverstanden bin in dem, was ich von Ihm empfange. Ich empfange immer nur von Ihm. Wenn ich in dem, was ich von Ihm empfange, in Freude bin, dann heißt das, dass ich mit Ihm einverstanden bin: Mir geht es gut damit, was ich von Ihm empfange, ich denke gut über Ihn, ich spreche gut über Ihn, ich segne Ihn. Das ist das Zeichen der Freude.

Bei Rabash steht, dass du deinem Freund immer Freude bereiten kannst. Wie? Dadurch, dass du in seinen Augen die Spiritualität wertschätzt, mit der wir verbunden sind – ob wir davon Schlechtes empfinden oder Gutes empfinden, ist nicht wichtig. Wenn du die Wichtigkeit der Spiritualität beim Freund erhöhst, bereitest du ihm eigentlich gewiss Freude.

Wenn er Freude hatte und du die Spiritualität bei ihm noch erhöht hast, dann freut er sich mehr. Wenn er keine Freude hatte, weil er in der Spiritualität nichts empfand, und du hast ihm die Wichtigkeit der Spiritualität erhöht, dann befindet er sich immerhin im Übergang von der Traurigkeit zur Freude. Das heißt: Nur durch das Vergrößern der Wichtigkeit der Spiritualität bringst du dem Freund Freude. Und bei dir selbst genauso.

Mit anderen Worten: Je wichtiger der Schöpfer – der unser einziger Partner ist, der uns gegenübersteht – in meinen Augen ist, je größer in meinen Augen die Wichtigkeit dessen ist, mit wem ich es zu tun habe, desto mehr bin ich in Freude. Denn ich bin mit dem Großen verbunden, hänge vom Großen ab, bin zusammen mit Ihm, der groß ist, der ewig ist, der alles ist. Daraus habe ich Zuversicht, habe ich eine gute Empfindung, eine Füllung. Wir haben nichts anderes, womit wir in Verbindung, im Verständnis, in der Prüfung und in den Klärungen sein könnten, außer dem Schöpfer und dem Maß Seiner Wichtigkeit in meinen Augen – das ist alles. Was gibt es außerdem? Außerdem existiert gar nichts.

Ja.

45:01
Schüler: Du hast gesagt, dass der Höhere, wenn Er uns gibt, auch die Empfindung der Leere gibt, dass Er uns nicht füllt, und dazu die Eigenschaft des Gebens. Die Empfindung der Leere empfinden wir sozusagen – aber wie kann man wenigstens ein wenig den Zustand des Gebens empfinden, diese Eigenschaft, innerhalb der …?

Rav: Wie kann man vom Höheren die zwei Formen Seines Verhältnisses zu mir empfinden – dass Er nur meine Gefäße des Empfangens füllt, und dass Er der Gebende ist, dass Seine Eigenschaft mir gegenüber das Geben ist? Zuerst steht hier eine Frage: Warum verhält sich der Höhere zu mir nicht wie ein Hausherr zu einem Gast? Sodass Er mir zeigt, dass Er mir alles gibt und ich wirklich Genuss von Ihm habe, und mein ganzes Leben und alle Füllungen, die ich mir nur vorstellen kann, alles bei Ihm ist und Er bereit ist, sie mir zu liefern, und Er mich ohne Ende liebt. Diese Stufe ist die letzte wahre Stufe, die wir erlangen: gut und Gutes tuend den Schlechten und den Guten und so weiter.

Das heißt, eine ewige, absolute Liebe – das ist schon am Ende des Weges. Aber warum verhält Er sich uns gegenüber nicht schon jetzt so? Dann würde Er in diesem Verhältnis in uns Scham erwecken, dass wir uns nicht so zu Ihm verhalten, sondern uns nur darauf beziehen, du weißt schon, etwas für uns selbst zu ergreifen, und das war's. Aus diesem wechselseitigen Verhältnis würden wir sofort Scham empfinden, würden sofort einen Zimzum machen, würden sofort das machen, was wir lernen, was das Kli macht, entsprechend dem, dass es den Höheren als Geber, als Gebenden, als Liebenden empfindet – sowohl nach den Handlungen als auch nach den Eigenschaften. Schrecklich ist das, was wir da empfinden würden, aber dadurch kämen wir zu guten Dingen.

Warum ordnet Er unsere Beziehungen nicht so? Die Sache ist einfach: Wenn Er die Beziehungen zwischen uns so ordnen würde – und das sind wirklich die richtigen Beziehungen, so ist es innen, Er verbirgt es nur –, wenn Er das aber enthüllen würde, dann kämen alle meine Handlungen auf natürliche Weise aus dem Willen zu empfangen, ohne jede Möglichkeit, dort etwas von meinem Ich hineinzubringen, von meiner freien Wahl darin.

Ich würde gewiss einfach dahinrollen⁶, nachdem Er es mir so enthüllt hat. In zwingender Form wird Er mir enthüllen, dass Er mich füllt – ich liebe Ihn. Er wird mir enthüllen, dass Er der Besitzer meiner Füllungen ist, und dann wird Er in meinen Augen der Größte sein, der Ewige, der Vollkommene und alles, weil bei Ihm die Füllungen sind, von denen ich abhänge. Er wird enthüllen, dass Er von ganzem Herzen der Gebende ist und ich der Empfangende, und dann werde ich Scham empfinden, und dann werde ich sie loswerden wollen – in dem Maße, in dem Er mir enthüllt, dass ich der Empfangende bin und Er der Gebende, und so weiter.

Das heißt, alle meine Handlungen wären zwangsläufig aus dem Willen zu empfangen, und das wäre nicht ich; das wäre der Wille zu empfangen, den Er erschaffen hat und der sich so verhalten hat – es ist klar, dass er sich so verhalten hat. Die Tatsache, dass er sich so verhalten hat, wie wir es von Malchut de Ejn Sof lernen und so weiter. Auf diese Weise gibt es also kein Geschöpf; es gibt nur denselben Willen zu empfangen, den der Schöpfer erschaffen hat und der einfach all diese Metamorphosen durchläuft, und das war's. Das ist die Stufe von Unbelebtem, Pflanzlichem und Tierischem. Das war's. 49:35

Und selbst wenn ich wie der Hausherr sein will – dann will ich eben wie der Hausherr sein, völlig in Ordnung, der Wille zu empfangen wird mich dazu zwingen. Das ist so, wie bei uns aus Bchina Alef die Bchina Bet der vier Bchinot des Or Jaschar hervorgeht: Heißt es dort irgendwo, dass das Geschöpf etwas macht? Nein. Das Licht, das wirkt und innerhalb der Genüsse enthüllt, dass es der Gebende ist, baut auf automatische Weise, einfach zwangsläufig, im Willen zu empfangen ein Verlangen zu geben. Und Bchina Bet geht aus Bchina Alef hervor, einfach eins nach dem anderen. Da ist kein Wunder dabei. Das Wunder ist, wie man es so macht, dass das Ich will, dass diese Handlungen geschehen, und dass ich es aus meiner freien Wahl will.

Wenn mein Verhältnis nicht von meinem Willen zu empfangen abhängt, dann heißt das „Adam" – dass ich wirklich, dass das Ich sich dem Schöpfer angleicht. Aber wenn der Wille zu empfangen auf natürliche Weise will, dann gibt es hier keinen Adam. Das ist einfach ein Tier. Deshalb enthüllt sich der Schöpfer uns nicht so, wie Er sich in den vier Bchinot des Or Jaschar enthüllt hat – in der Form, dass Er füllt und danach Sich Selbst als den Hausherrn zeigt, und du sollst dich schämen. Nein. Das geht nicht.

Er würde alle Handlungen in dir hervorrufen. Du musst alle Handlungen bei dir selbst hervorrufen, in einer Form, an der der Wille zu empfangen nicht teilnimmt – sodass der Wille zu empfangen keine Füllung empfindet, sodass er den Hausherrn nicht wertschätzt, Ihn nicht empfindet, nicht weiß, dass Er gibt, nicht weiß, dass Er liebt. Und du sollst die Gestalt des Hausherrn bauen – dass Er dich liebt, und voll ist, und vollkommen, und ewig, und alles, was Er hat –, du sollst das in deiner Vorstellung bauen, sagen wir mal, in deiner Vorstellung, in der Form, wie Er wirklich existiert.

Aber du sollst dir den Hausherrn vor dir selbst ausmalen. Wenn du das machst, heißt das, dass du „den Schöpfer erschaffst". Der Schöpfer erschuf den Menschen, der Mensch erschafft den Schöpfer. Das heißt, der Mensch stellt die Gestalt des Schöpfers vor sich auf, jedes Mal höher als er selbst, erhabener, mehr der Gebende – und gleicht sich dieser Gestalt an. 52:29

Danach malt er sich eine noch höhere Gestalt aus und zieht sich sozusagen noch weiter nach oben, hebt sich auf diese Stufe, die er sich vorgestellt hat, und so weiter. Und all das heißt dann, dass der Mensch es ausführt. Der Mensch macht es – und nicht, dass der Schöpfer mit seinem Willen zu empfangen spielt und es von selbst geschieht. Das heißt, hier gibt es eine sehr wichtige Sache der Wahl, und das ist eigentlich der Mensch.

Denn wenn wir über den Samentropfen sprechen, der sich entwickelt und danach zu äußeren Handlungen hervortritt und danach zu wirklich selbstständigen, eigenen Handlungen, dann ist die ganze Rede von eben diesem Punkt der Wahl, von dem Punkt meines Verhältnisses zum Maß des Gebens, zum Schöpfer, das nicht von meinem Willen zu empfangen abhängt, das nicht von Genüssen abhängt. Deshalb sind all diese Beispiele, die Baal HaSulam gibt, Beispiele, die man richtig lesen muss – nicht so, als würden sie sich in dieser Form abspielen.

53:58
Schüler: Äh … sie treiben sie an, die etwas Gröberes ist, schrecklich für den Willen zu empfangen, mehr als der gegenwärtige Punkt. Wie kann man etwas wollen, das viel finsterer ist …?

Rav: Wie kann der Mensch die nächste Stufe wollen, die stärker vom Willen zu empfangen abgetrennt ist, die finsterer ist als der Wille zu empfangen, die wirklich mehr Tod ist als der Wille zu empfangen⁷? Wie kann der Mensch sie wollen? Er kann nicht. In deiner Frage beantwortest du die Frage. Er kann nicht.

Schüler: Wie kann er sie sich vorstellen?

Rav: Wie kann er sie sich vorstellen, so wie sie an sich ist? Er kann nicht. So wie sie an sich ist, nein. Was kann er denn tun? Er hat nichts zu tun. Er kann sich nur jedes Mal bessere, schönere Zustände im lo liShma ausmalen – dass er davon einen Gewinn hat, dass es ihm davon gut geht, wobei dort in irgendeiner Weise auch die Sache des liShma beteiligt ist –, um bei sich selbst das Umgebende Licht zu erwecken. Und das Umgebende Licht vollzieht die Handlung. Das Umgebende Licht erzeugt in ihm … wie kann man sagen? Ja. Erzeugt, wird erzeugt, erzeugt?

Schüler: Formt.

Rav: Formt in ihm – richtiger gesagt: Es formt in ihm die Gefäße des Gebens.

Schüler: Er benutzt …

Rav: Das heißt: Das Licht wirkt – so wie von Bchina Alef zu Bchina Bet der vier Bchinot des Or Jaschar – immerhin innerhalb des Willens zu empfangen und baut innerhalb des Willens zu empfangen ein Verlangen zu geben. Aber das kommt aus dem Verhältnis des Menschen dazu: dass der Mensch will, dass es so geschieht. Und der Mensch will, dass es geschieht, nach und nach, wie man sagt: „Aus dem lo liShma kommt man zum liShma." Seine Absichten fangen an, immer mehr und mehr auf die Wertschätzung des Gebenden gerichtet zu sein statt auf das Empfangen.

Ja.

56:35
Schüler: Er benutzt also wissentlich den Willen zu empfangen, seine Eigenschaften, mit kühlem Kopf und sagt: „Okay, ich werde ihn jetzt anlügen, ihm sagen, dass das besser ist", und geht in ihn hinein und sieht es von innen heraus …

Rav: Der Mensch benutzt mit Einsicht wirklich seinen Willen zu empfangen, um durch ihn zum Verlangen zu geben zu kommen. Das heißt: „Die Magd dient ihrer Herrin." Ja. Gewiss. Wie denn sonst?

Schüler: Wie bewahrt er den Punkt …

Rav: Der Unterschied zwischen der Magd und ihrer Herrin liegt in der Absicht. Es sind dieselben Kelim.

Schüler: Wie bewahrt er diesen Punkt – dass das das Wichtige ist –, auch wenn er schon drinnen ist, schon im Willen zu empfangen? Wenn er schon in ihn hineingegangen ist und immer noch diesen Betrachtungspunkt bewahrt, den Punkt, dass er … wozu ist das?

Rav: Nein.

Schüler: Dass er mit ihr lernen geht?

Rav: Wie bewahrt der Mensch, dass er innerhalb seines Willens zu empfangen dennoch denkt, dass er zum Geben kommen will, zum Schöpfer, zu irgendetwas? Das geht nur nach der Wertschätzung der Gemeinschaft und nur nach dem, was er vorher investiert hat, sodass er schon eine Vorbereitung dafür hat, in seiner eigenen Vorbereitung. Wenn er da hineingeht, geht er schon mit einer Absicht von vorher hinein. Und der Schöpfer hilft dadurch, dass Er keine Genüsse gibt, dass Er Leere gibt. Wie denn sonst?

Der Prozess ist letzten Endes ein sehr, sehr einfacher Prozess. Er ist gerade durch seine Einfachheit vor uns verborgen. Er steht sozusagen so sehr vor uns, dass wir sozusagen an ihm vorbeisehen. Wir sehen ihn nicht. So sehr ist er enthüllt, sozusagen, und einfach – und gerade dadurch ist er verborgen.

Ja.

58:46
Schüler: Du hast vorhin gesagt, dass es einige Jahre gedauert hat, bis sich in der Gemeinschaft eine Meinung gefestigt hat, dass …

Rav: Es hat uns einige Jahre gekostet, bis wir bereit sind, über das Maß des Gebens zu hören – dass das wirklich Spiritualität ist, dass darin etwas ist, das all unseren Erwartungen entspricht, und dass dieses Maß wirklich ein reales Maß ist, sodass ich nicht einfach so gebe: „Du sagst mir, ich soll geben – gut, ich gebe, aber gib mir dafür etwas."

Sondern dass wir zustimmen, dass es in dieser Eigenschaft innen so etwas wie ein Volumen gibt, in dem man leben kann, in dem ich existieren kann, in dem mein Ich nicht verschwindet. Darauf habe ich schon geantwortet: Warum verschwindet mein Ich nicht? Weil ich dieses Maß des Gebens schon erworben habe. Ich habe innen so eine Blase in mir, sodass ich denke: Selbst wenn ich den Willen zu empfangen völlig neutralisiere, bleibe ich dennoch in dieser Eigenschaft des Gebens bestehen. Das heißt, ich habe schon so etwas wie den Anfang des Gefäßes des Gebens.

Was fragst du dazu?

Schüler: Danach hast du gesagt, dass wir von hier aus vorankommen, dass wir in ein paar Jahren noch mehr verstehen werden.

Rav: Bis wir heute bereit sind, über dieses Maß des Gebens zu hören – das heißt, bis sich bei uns diese Blase gebildet hat, dieser Anfang des Gefäßes des Gebens –, sind einige Jahre vergangen. Woran sehen wir, dass einige Jahre vergangen sind und wir dennoch vorangekommen sind? Daran, dass ich heute darüber reden und ihm irgendwie zustimmen und darüber lesen kann. Früher konnte ich den Artikel „Matan Tora" nicht lesen. Wovon redet er? Vom Geben? Und „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" – na und, das lehrt man im Kindergarten, und danach verstehen alle, dass es nicht realistisch ist, und gehen weiter.

Wir sind, gelobt sei Er⁸, schon keine Sozialisten mehr und verstehen, dass das nichts ist; es gibt keine Kibbuzim, und all diese Dinge – das war's, sie liegen hinter uns. Heute bin ich also sozusagen bereit, zu eben diesen Artikeln zurückzukehren, zu eben diesen Prinzipien, und sie als meine Ziele anzunehmen, sie zu erörtern, sie zu lernen und sie mit mir zu verbinden. Wobei ich zwar verstehe, dass ich diese Dinge nicht der ganzen Welt erzählen kann und dass ich sie gerade nicht erzählen darf. So warnt auch Rambam: es Menschen, die nicht vorbereitet sind, nicht zu erklären. Denen, die Frauen, Kinder und Sklaven sind und sich im Willen zu empfangen befinden – erkläre es ihnen nicht, sie werden es nicht verstehen. Aber denen, die ein wenig besondere Weisheit haben, die schon eine Art inneres Verständnis für das Verlangen zu geben bekommen, bei denen sich dieses Kli bildet – denen kannst du danach dieses Ras öffnen; das ist wirklich ein Geheimnis. Das war's.

Deshalb: Als wir jetzt angefangen haben, „Matan Tora" zu lernen, was habe ich gesagt? Dass es Menschen gibt, die auf direktem Weg dorthin kommen, ihr Stigma durchbrechen und in das Geben eintreten, wie man sagt, gemäß dem, was in „Matan Tora" steht – als dem ersten Artikel, den Baal HaSulam der Verbreitung der Kabbala gewidmet hat. Es gibt also Menschen, denen du es sagen kannst, und sie nehmen es an und arbeiten daran. Und es gibt Menschen, die einige Jahre brauchen, bis sie zu eben diesem Artikel zurückkehren und bereit sind zuzuhören und bereit sind, ihn zu ertragen.

Deshalb habe ich gesagt, dass vielleicht ein bis zwei oder sagen wir drei Jahre genügen, um in die Spiritualität einzutreten. Und manchmal dauert es 10 bis 15 Jahre, bis der Mensch zu eben diesem Artikel zurückkehrt und bereit ist zuzuhören und durch ihn in die Spiritualität einzutreten. Das war's, das nennt man den kurzen und den langen Weg.

Ja.

63:06
Schüler: Was vorbei ist, ist vorbei, das ist mir egal, aber jetzt …

Rav: Was vorbei ist, ist vorbei, richtig. Ich weiß ungefähr, wo jeder steht. Also noch ein paar Jahre, es bleibt keine Wahl: Geduld, und eine Gemeinschaft, die die Zeit beschleunigen kann. Aber letzten Endes: Wenn man nicht auf direktem Weg da hineingehen kann, also dieses Gesetz zu nehmen – und das ist das Gesetz der ganzen Wirklichkeit – und wirklich damit zu arbeiten, dann kehrt man nach einigen Jahren nach und nach zurück. Das ist so, wie Rambam sagt: nach und nach, in dem Maße, wie sie in besonderer Weisheit weise werden, dieses Ras an sie heranzutragen, nach und nach. So, wie sie es ertragen können.

Schüler: Ich frage jetzt also über das, was von hier an kommt.

Rav: Ja.

Schüler: Ich will nicht, dass es noch ein paar Jahre dauert, ich will es jetzt auf direktem Weg. Was ist der direkte Weg?

Rav: Auf direktem Weg heißt: dass du nicht vor dieser Bedingung „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" davonläufst und anfängst zu verstehen, dass „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" eben dasselbe Gesetz des Gebens ist, das der Schöpfer hat. Und der Schöpfer befindet sich den Geschöpfen gegenüber im Urteil dessen, der Schlechte und Gute liebt – gut und Gutes tuend den Schlechten und den Guten –, in absoluter Liebe, und Er denkt nicht an Sich Selbst.

Für dich also ist dasselbe Gesetz, das vom Schöpfer aus so aufgezeichnet ist, von dir aus gegenüber der Welt, gegenüber den anderen, als „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" aufgezeichnet. Es ist dasselbe Gesetz des Gebens: Wenn du zur Übereinstimmung mit dem Schöpfer kommen willst, dann sieht es dir gegenüber so aus. Warum? Weil es ein Zerbrechen gab, um dir ein Verhältnis zu den Seelen zu ermöglichen – denn damit erwirbst du die Eigenschaft des Gebens, und damit gleichst du dich dem Schöpfer an oder haftest dich an Ihn und kommst auf Seine Stufe. Das ist alles.

Wenn du es also so annimmst und an all diesen Stellen jetzt ein Gleichheitszeichen setzt: Geben ist gleich Schöpfer, Liebe der Freunde ist gleich Schöpfer, ist gleich Geben, ist gleich Spiritualität, und so weiter. Wenn du jetzt schon anfängst, diese Definitionen als eine einzige anzunehmen – dass es außer dem nichts gibt, entweder Empfangen oder Geben, dass es außerdem gar nichts in der Welt gibt, in der ganzen spirituellen und materiellen Wirklichkeit – und du anfängst, nur danach deine Gedanken und Handlungen und Berechnungen zu prüfen, dann bist du schon auf der geraden Linie. 66:07

Aber wenn du all diese Dinge noch nicht entweder dem Empfangen oder dem Geben zuordnen kannst, dann bist du nicht auf der geraden Linie. Was ist eine gerade Linie? Eine gerade Linie hat am Ende reines Geben und am Anfang reines Empfangen – also nur Empfangen. Und die gerade Linie ist die Abkürzung, in der jeder einzelne Punkt – diese Linie ist aus Punkten gebaut – mehr Geben als Empfangen ist, mehr Geben als Empfangen. Das ist alles. Wenn du deinen Prozess so aufbaust, gehst du auf dem kürzesten Weg zum Ziel, auf einer wirklich geraden Linie.

Von jetzt an muss man also diese Dinge, sowie man sie hört, in der Gemeinschaft entwickeln, Stärkungen bekommen, darum herum ein Schutzsystem bauen, das mich nicht davonlaufen lässt, das mich jedes Mal aufweckt, mir eine rote Lampe anzündet, wenn ich von der richtigen Auslegung abgewichen bin – wenn ich über Spiritualität plötzlich nicht genau so denke, dass sie Geben ist, sondern dass Spiritualität so etwas Angenehmes in den Gefäßen des Empfangens ist, und so weiter.

Ich muss also jetzt mein inneres System und ein äußeres um mich herum bauen, das jedes Mal wacht und mir hilft, mich auf das Ziel auszurichten. Das ist alles, das ist meine ganze Arbeit. Ich habe außer dem nichts mehr. Am Anfang konnte ich davon nichts hören und dachte, Spiritualität seien Welten: Ich werde wissen, wie man sie dreht, nachdem ich weiß, wie sie gebaut sind; ich komme sozusagen zu einer Maschine, und ich werde wissen, wie man sie wirklich benutzt, wie man mit ihr über mich und über die Welt herrscht. Jetzt gewöhne ich mich also nach und nach daran, das System anders zu sehen: dass es mein inneres System ist und ich von ihm aus auf mich selbst und auf andere einwirke – wenn ich im Maß des Gebens bin. Wenn ich nicht im Maß des Gebens bin, rühre ich die Maschine nicht an, wirke auf gar nichts ein; ich befinde mich nur in einer tierischen Entwicklung.

Dem zuzustimmen ist nur möglich, wenn meine Umgebung das unterstützt, das war's. Dabei muss die Umgebung nicht so klug sein wie ich. Selbst wenn sie ein wenig verstehen und irgendwie gemäß ihrer eigenen Lüge zustimmen, genügt das. Sie unterstützt es schon, und ich kann schon auf meiner Stufe, auf meinem Niveau, davon Gebrauch machen, um von ihnen Kräfte zu bekommen. Denn ich bekomme von der Gemeinschaft niemals das Geben oder die Maße des Gebens enthüllt. Ich bekomme von ihnen immer entsprechend dem, wie ich gebaut bin, wie ich Eindrücke aufnehme, wie ich wertschätze.

Es genügt also, dass eine Gemeinschaft um mich herum ist und irgendein solches Ideal hat, auch wenn sie nicht genau versteht, was das ist; und in ihr kann ich bis zum Ende der Korrektur vorankommen, während die Gemeinschaft selbst darin noch ganz am Anfang des Weges stehen kann. Das ist es, was geschrieben steht: „Von all meinen Schülern habe ich gelernt", und das ist es, was geschrieben steht: dass der Mensch, der zu den Korrekturen kommt, sieht, dass die ganze Welt korrigiert ist. Und die ganze Welt befindet sich überhaupt im Ende der Korrektur. Und die ganze Welt erfüllt den Willen des Schöpfers. Nun, das ist alles.

Ja.

70:37
Schüler: Jetzt im Mechanismus.

Rav: Warum habe ich das gesagt? Um zu sagen, dass ich die Umgebung mir gegenüber bauen muss. Ich muss sie von innen heraus bauen.

Schüler: Jetzt, in diesem Mechanismus, in dem ich in Richtung dieser Sache gehe, vor der ich immer davonlaufe und die ich hasse und die mir entgegengesetzt ist – wie wir vorhin gesagt haben –, benutze ich Verlangen, die in mir vorhanden sind. Ich bringe mich sozusagen in Verlangen hinein, die nicht genau Spiritualität sind, aber so gelingt es mir, mich voranzubringen, denn direkt darin zu gehen kann ich nicht. Das heißt, die Frage ist eine andere: Es gibt Verlangen von mir, und wenn ich auf sie verzichte, habe ich keinen Treibstoff mehr für das Vorankommen – dass ich sie sozusagen lassen muss, um … wie so ein Esel, der mich in diese Richtung zieht, weil ich den geraden Weg mit dem Gesetz nicht gehen kann?

Rav: Ich verstehe nicht, warum du überhaupt von Verlangen sprichst. Verlangen lassen, Verlangen nicht lassen.

Schüler: Was heißt das, was wir vorhin gesagt haben – dass ich zu der Sache selbst, zu diesem Gesetz, das „Geben" heißt, nicht direkt gehen kann? Ich steige sozusagen hinab, steige in meinen Willen zu empfangen hinab und benutze ihn, damit es mir danach besser geht, richtig? Ich male mir einen Zustand aus, in dem ich sozusagen zu diesem Gesetz gehe und es mir danach besser gehen wird.

Rav: Nun?

Schüler: Was ist denn dieser Wille zu empfangen, in den ich hinabsteige und mir vorstelle, dass es besser sein wird? Das sind irgendwelche Verlangen. Ich kann nicht sozusagen „das Gute im Sack" empfangen, irgendetwas Allgemeines; es gibt in mir bestimmte Verlangen, die etwas Besseres sehen.

Rav: Aber du machst keine Auswahl innerhalb des Willens zu empfangen und klärst nicht, was ich benutze und was ich nicht benutzen werde.

72:11
Schüler: Was heißt es dann, den Willen zu empfangen auf kontrollierte Weise zu benutzen? Wir haben gesagt, dass der Mensch seinen Willen zu empfangen sozusagen auf kontrollierte Weise benutzt, um zu diesem Gesetz voranzukommen. Was ist das dann, wenn nicht eine Auswahl zu treffen?

Rav: Ich erinnere mich nicht, in welchem Zustand ich das gesagt habe. Ich bin jetzt nicht in demselben Zustand … Worauf bezogen ich das gesagt habe, weiß ich nicht. Vielleicht kann ich es dir sagen, wenn wir diesen Film finden. Du nimmst irgendwelche Worte und nicht den Zustand selbst, also weiß ich nicht, ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll.

Schüler: Über das lo liShma, Rav – wie man in das „lo liShma" eintritt und vorankommt und das Streben nach Spiritualität erklärt.

Rav: Nun.

Schüler: Dass es sich für den Willen zu empfangen sozusagen lohnt, und er beabsichtigt, Gutes zu tun, dass es sich für ihn lohnt … eine Bedingung, um zur Spiritualität zu kommen.

Rav: Ja. Ein Mensch, der auf dem Weg zum liShma ist, befindet sich im Zustand lo liShma. „Lo liShma" heißt, dass dort auch ein wenig liShma ist, nur versteht der Mensch das nicht einmal; und danach versteht er es mehr, und danach gibt er es mehr zu, und sogar wirklich – bis er zu dem Zustand kommt: „Besser ist mein Tod als mein Leben", denn „krank vor Liebe bin ich", sodass er ermüdet und stirbt. Aber in diesem Ermüden gibt es hier zwei Verlangen: Das eine Verlangen ist, dass ich den Gebenden selbst will, und das zweite Verlangen ist, dass ich die Eigenschaft des Gebenden will. Sodass ich mich selbst schon nicht mehr belüge, dass der Gebende und die Eigenschaft des Gebenden dasselbe wären.

74:01
Schüler: Was ist denn …?

Rav: Worum geht es? Der Schöpfer ist der Gebende. Was heißt es, dass ich Ihn liebe? Liebe ich Ihn, weil Er der Gebende ist, oder wegen dem, was für mich von Ihm herauskommt, weil ich Ihn ausnutze? Das heißt „Ich liebe Fisch". Ich liebe einen Fisch, der bei mir hier in der Kehle ist und mir Genuss gibt; ich habe hier einen Punkt, der Geschmack empfindet. Also liebe ich den Fisch, der hier bei mir ist, sein Fleisch zwischen meinem Fleisch, und ich empfinde Genuss. Das heißt, dass ich Fisch liebe. Oder dass ich liebe … Fische kann man nicht anders lieben, das ist nichts, was dir ein Verhältnis gibt. Ja, das war's.

Oder ich empfinde, dass ich Seine Eigenschaft liebe – den Gebenden selbst, also Sein Wesen mir gegenüber. „Lo liShma" und „liShma" sind also das Verhältnis zum Schöpfer in diesen beiden Punkten. „Lo liShma" heißt: was ich von Ihm habe. „LiShma" heißt, dass ich Seine Eigenschaft selbst liebe, den Gebenden. Das war's. Wir fangen jetzt damit an, dass wir ein Verhältnis zu Ihm nur als Lieferanten der Genüsse haben. Das heißt lo liShma. Das war's. Danach baue ich nach und nach – in Wahrheit baut das Umgebende Licht in mir, nicht ich –, in mir wird nach und nach ein Verhältnis zu Seiner Eigenschaft gebaut, zum Gebenden. Dann sind bei mir lo liShma und liShma miteinander vermischt, und insgesamt heißt das lo liShma.

Denn wenn ich dieses lo liShma nicht hätte, in dem ich von Ihm Genüsse empfange, dann würde ich dieses liShma gewiss wegwerfen. Und so komme ich voran. Was heißt vorankommen? Im Verhältnis zwischen ihnen: dass das liShma immer mehr wächst, immer klarer wird, und ich will sowohl das eine als auch das andere. Ich will das liShma nicht verlassen. Wenn du mir sagst: Du bekommst 100 % von Ihm – ich kann nicht. Warum kann ich nicht? Weil durch das Umgebende Licht schon diese Blase in mir erschaffen wurde, dieses Verlangen zu geben.

Ich weiß es noch nicht, ich gebe es nicht zu, es spricht noch nicht in mir, aber es fängt schon irgendwie an, von innen herauszukommen, aus mir heraus. Und ich kann darauf nicht verzichten wie auf jedes andere Verlangen, verstehst du? Und dann will ich auch das Bestehen dieses liShma. Das ist gegen die Natur, das sind Dinge, die … Aber das Umgebende Licht macht es so. Es baut in mir diese Blase, und dann komme ich voran, voran, voran, voran, bis ich zum Machsom vorankomme.

Was heißt es, dass ich zum Machsom vorankomme? Man kann nicht sagen, in welchem Verhältnis lo liShma und liShma bei mir sein müssen. Das hängt vom Maß, von der Struktur der Seele ab. Aber ich komme zu dem Zustand, dass ich Ihn will. Weißt du was? Um es abzugrenzen: Frag eine Frau oder einen Mann, die den anderen lieben. Baal HaSulam gibt so ein Beispiel, dann darf ich es auch geben. Er sagt dort: wie ein Mensch großer Begierde⁹. „Ich liebe ihn." Was liebst du an ihm? Liebst du ihn, oder liebst du es, dass er dir Genuss gibt? „Sowohl das eine als auch das andere zusammen." Das war's, man kann es nicht unterscheiden. So etwas gibt es, man kann es nicht unterscheiden: „Alles an ihm ist gut." Was ist alles gut? Ein Dieb, ein Lügner, ich weiß nicht was … „Er eben." Das nennt man „Liebe deckt alle Vergehen zu", das war's. 78:00

Und wenn der Mensch dahin kommt, heißt das „ein Mensch der Begierde": dass sowohl das eine als auch das andere für ihn eine Füllung ist. Aber welche Größe die Füllung in dieser Blase des Verlangens zu geben gegenüber dem Willen zu empfangen haben muss, das weiß der Mensch nicht. Er ist ja noch überhaupt nicht in die Spiritualität eingetreten – aber das ist es, was bei ihm vor dem Machsom sein muss.

78:28
Schüler: Jetzt hast du gesagt, der Prozess wird vom Menschen auf kontrollierte Weise gemacht. Dass er geht …

Rav: Der Prozess wird auf kontrollierte Weise gemacht, das …

Schüler: Er muss den Willen zu empfangen im „lo liShma" auf kontrollierte Weise benutzen, um das „liShma" voranzubringen. Oder es wenigstens versuchen.

Rav: Nun, sagen wir.

Schüler: Ich frage also …

Rav: Habe ich das so gesagt?

Schüler: Du hast gesagt, dass man sozusagen diesen Esel benutzt, und dann hat Gilad dich gefragt, wie man der Absicht nicht davonläuft, wenn man in den Willen zu empfangen hineingeht. Da hast du gesagt: Wenn der Mensch vorher die Absicht hat, hilft der Schöpfer dadurch, dass Er die Leere lässt.

Rav: Nun?

Schüler: Jetzt die Frage: Ich sehe den Schöpfer als Lieferanten von Genüssen. Dann sehe ich den Genuss nicht so, als käme er mir in irgendeiner fließenden Form; ich sehe, dass dieser Genuss mir durch einige Kanäle kommt, durch einige Verlangen innerhalb des Willens zu empfangen. Hier kommt also doch die Sache der Verlangen ins Spiel. Wenn ich … wenn ich … wenn ich bestimmte Verlangen habe, durch die ich diesen Lieferanten von Genüssen empfange, der „Schöpfer" heißt – oder ist das so etwas Allgemeines, nur: Bring Genuss? Was ist eine kontrollierte Weise? Was heißt es, dass der Schöpfer ein Lieferant von Genüssen ist? Was ist ein Lieferant von Genüssen? „Ah, dass es mir gut gehe" – oder durch bestimmte Kanäle, die ich sehe: Ich habe jetzt ein Verlangen, das mir einen größeren Genuss gibt, und es gibt Verlangen, bei denen man, du weißt schon, … mit Elan¹⁰. Die Frage ist, ob das eine kontrollierte Weise ist.

Rav: Eine kontrollierte Weise besteht nicht darin, wie viele Genüsse von der einen und wie viele von der anderen Art. Eine kontrollierte Weise heißt, dass ich will, dass in mir das Verlangen zu geben wächst. Nicht darauf beziehe ich mich auf kontrollierte Weise – auf Genüsse, auf welche Art von Genüssen –, sondern darauf, dass ich in der Gemeinschaft wirke, im Lernen wirke, in den Büchern und in allem, auf kontrollierte Weise, sodass es mir mehr Verhältnis zu Seiner Eigenschaft des Gebens bringt, im Unterschied zur Erwartung der Genüsse, die ich von Ihm bekommen werde.

Genug für heute, ihr habt schon bekommen …

Ja …

80:41
Schüler: Du hast vorhin gesagt, dass der Bau der Umgebung etwas Inneres, Persönliches von mir ist; dass es in der Umgebung wirklich nur die richtige Richtung geben muss, in Richtung des Gebens, und dass ihre Höhe nicht wichtig ist. Hauptsache, die Richtung stimmt – und dann ist meine Arbeit, diese Umgebung als etwas Natürliches von mir zu bauen. Ja?

Rav: Nun.

Schüler: Sagen wir jetzt, Uri sitzt hier … und macht dieselbe Arbeit, wo … in ihm drin. Was ist dabei die wechselseitige Einwirkung zwischen uns?

Rav: Wir wirken auf mehreren Ebenen der Verbindung zwischen uns aufeinander ein. Es gibt Beziehungen zwischen uns, die enthüllt sind, und solche, die vor uns verborgen sind. Denn wir sind nicht dieses „Wir", als das wir uns selbst kennen; wir sind auch eine Art weiteres Wesen, in dem es einen Teil gibt, den wir nicht kennen. Die Seele, die Einwirkung auf die Welten, die Einwirkung der Welten auf mich. Man sagt, ich befinde mich überhaupt in Ejn Sof, verstehst du? Wo bin ich also, wo ist mein Parzuf, wo ist mein Volumen, wie viel ich überhaupt einnehme – ich weiß es nicht.

Das ist ähnlich wie bei einem Baby, das geboren wird. Was versteht es, was kennt es? Aber von seinem Platz in der Welt aus, von seinem Verhältnis in der Welt aus wirkt es auf Tausende von Menschen ein, und Tausende von Menschen in der Welt arbeiten, um es am Leben zu erhalten. Warum? Einfach so, weil das die Struktur ist, die der Schöpfer erschaffen hat. Einer ist jetzt ans Licht der Welt gekommen, gar nichts, erst jetzt geboren – wie viele Menschen rennen und denken und tun etwas für ihn. Das war's. Und auf wie viele Menschen wirkt er mit irgendeinem Hatschi von ihm oder so ein. 83:07

Das heißt: Ich kenne mich selbst nicht und kenne wirklich nicht meine Wichtigkeit und meine Einwirkung auf die Welt – genau wie jenes Kind, das gerade geboren wurde. Was fragst du also dazu? Ich wirke also ein … Aber ich wirke ein, ob ich will oder nicht, kraft der Struktur selbst. Und ebenso meine Einwirkung auf die Freunde und auf die Gemeinschaft und auf unser Vorankommen.

Es gibt Handlungen, mit denen ich so einwirke, dass ich physisch handle und alle es sehen, sie bringen mir ein „Lechaim" aus und alles Mögliche – du weißt ja, was bei uns üblich ist, zu achten … Und es gibt Handlungen, die wir aufeinander ausüben, von denen wir gar nicht wissen, dass wir sie ausüben, von denen wir nicht wissen, dass wir damit auf andere einwirken.

Es gibt schon solche, die denken, dass sie einwirken. Wir sprechen in letzter Zeit darüber, dass unsere Gedanken wirken und dass unsere Hauptarbeit die Gedanken sind. Nicht umsonst verbieten die Kabbalisten, untereinander über die spirituelle Arbeit zu sprechen, sondern höchstens Artikel zu lesen, und das war's. Und alles übrige Reden miteinander unter vier Augen, nicht anhand eines Artikels, nicht im allgemeinen Lernen in der Gruppe – das Reden muss nur über sozusagen nichtige Dinge gehen. Nicht völlig nichtige, aber über etwas, das nicht zu meinem inneren Punkt gehört. Und daraus sagen sie … Warum? Damit du weißt, dass du nicht mit deinen Worten wirkst, sondern dass du wirklich hauptsächlich mit deinem inneren Verlangen wirkst, mit deiner Absicht, mit der Art, wie du dich verhältst.

Es gibt also mehrere Ebenen meiner Einwirkung auf die Gruppe, auf die Freunde, auf mich selbst und auf die Welt. Was fragst du also dazu?

85:28
Schüler: Ich wollte sozusagen sehen, wie diese innere Sache, die ich machen muss, zur Bildung einer besseren Umgebung für die Verwirklichung der Wahl führt. Wenn du gesagt hast, dass die Höhe der Umgebung nicht wichtig ist, nur die Richtung soll wahr sein, dann ist die Höhe nicht wichtig. Oder ist es wirklich abgetrennt, weil dort kein … war, ohne Verbindung zur Umgebung …

Rav: Ihr rührt an so große Dinge, dass … Lassen wir das. Hört auf mich, lassen wir es. Dir genügt das, worüber wir gesprochen haben.

Schüler: Eine allgemeine Frage.

Rav: Eine allgemeine Frage? Dann nach der Lektion.

(Ende der Lektion)