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Transkript vom Morgenunterricht, 30.09.2002
Buch „Schriften des Rabash", Band 1, S. 546, „Was ist ein leichtes Gebot?"
Rav: Wir haben den Artikel „Was ist ein leichtes Gebot?" gehört. Dort, wo der Mensch sich selbst annulliert, dort kann der Schöpfer empfunden werden, und dort befindet Er sich. In denselben Kelim, in denselben Empfindungen, die der Mensch dem Schöpfer zuwendet, dort kann der Schöpfer weilen. Gibt es Fragen? Ja.
Schüler: Wenn man von leichten Mizwot spricht und ein Beispiel von einer sozusagen körperlichen Mizwa gibt … zum Herzen …
Rav: Leichte Mizwot – weißt du, das ist wie das Beispiel mit „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". „Leicht" heißt nicht, dass sie leicht sind, sondern dass wir sie nicht aufnehmen; sie werden in uns nicht aufgenommen, wir denken, sie seien nicht so wichtig. Dem Menschen scheint es: nicht so schlimm, das wird sich irgendwie regeln, das wird in Ordnung kommen – und man flieht vor ihnen. Und man kehrt nach langer Zeit zu ihnen zurück, nach großem Druck und nach der Ansammlung von sehr, sehr vielen Gründen, sodass man schon sieht: Anders ist es unmöglich. Dann beginnen sie, wichtige Mizwot zu sein.
Ihre Wichtigkeit klärt sich nach und nach dadurch, dass der Mensch aus seiner Erfahrung sieht, dass ihm nichts hilft. Und er kehrt zum ersten Rat zurück, den Baal HaSulam im „Freien Willen" schreibt: Wähle die Umgebung – nur dadurch kannst du dich ändern. Der Mensch macht also tausendundein Dinge über viele Jahre hinweg, in der Hoffnung, sich durch alle möglichen anderen Mittel zu ändern. Und danach kehrt er nach und nach, weil ihm nichts anderes übrig bleibt, zu dem zurück, was nötig ist. Das nennt man eine leichte Mizwa: Man spürt, dass sie leicht ist, man denkt, sie werde sich von selbst erfüllen, nicht so schlimm, es gibt sozusagen wichtigere Dinge auf dem Weg. 3:03
Es macht dem Menschen nichts aus, etwas auf sich zu nehmen, das in der Mühe scheinbar schwer ist – Hauptsache, es ist weiter entfernt vom Inhalt „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" oder von der Verbindung zum Schöpfer durch die Freunde. Das heißt, wir bemühen uns jedes Mal, der Spiritualität unsere eigenen Definitionen zu geben: Was ist Spiritualität, wer ist der Schöpfer, was ist unsere Arbeit, was ist unser Ziel. Wir tauschen jedes Mal die wahre Definition ein wenig gegen eine andere Definition aus, mit der man leben kann, mit der es bequemer ist.
Der Schöpfer ist bei uns eine Kraft, die hilft, etwas, an dem man sich gut festhalten kann. So eben, ohne jede genauere Definition. Eine genauere Definition zu geben – dass Er nur die gebende Kraft ist, die in dem Maße gibt, in dem du gibst, und die sich in dem Maße mit dir verbindet, in dem du bereit bist, auf dich selbst zu verzichten, und so weiter; und andernfalls ist Er abgesondert und von dir getrennt und erscheint als grausam und wirklich als dein Gegenteil, als das Schlimmste, was es gegen die jetzigen Eigenschaften geben kann –: So will der Mensch es nicht auslegen, er legt es trotzdem anders aus.
… Ich erinnere mich, ich bin im Radio in Amerika aufgetreten, und da war irgendein großer Rabbiner gegen mich. Er sagt: „Wie denn, es gibt also keine böse Kraft in der Welt?" Ich sagte ihm: Es gibt eine böse Kraft in der Welt, das ist derselbe Schöpfer. „Wie kann das sein?" Ich sagte ihm: Es steht doch geschrieben „Es gibt keinen außer Ihm". Was heißt das – wer ist es letztlich? Es gibt einen Herrscher über die ganze Sache, über die ganze Wirklichkeit. „Das kann nicht sein." Verstehst du, er tritt im Radio auf und sagt „Das kann nicht sein". Dort gab es viele Fragen zum Holocaust von den amerikanischen Juden.
„Dann ist das nicht vom Schöpfer." Das heißt, der Mensch legt den Schöpfer nicht richtig aus, und das ist die Quelle seiner ganzen Verstrickung: dass er nicht genau an Veränderungen denkt, sondern an alle möglichen Dinge – als könnten die Korrektur, das Gehen und das Erlangen des Ziels auch auf einem anderen Weg vollzogen werden. Ja.
6:17 Schüler: Wie kann ein Mensch dem Geben entgegen vorankommen, wenn er es nicht will? Wie kann daraus ein Gebet herauskommen?
Rav: Der Mensch kann dem Geben trotzdem entgegen vorankommen, auch wenn er weiß, dass er es nicht will – auf allen möglichen indirekten Wegen. Ja. Das heißt: Die Gemeinschaft ist ein indirekter Weg. Ich gebe dem Freund aus meinem Stolz heraus, aus meinem Herrschen heraus. Ich kann ihm geben und ihm sagen: Man muss vorankommen, und das Ziel, und der Schöpfer ist wichtig, und so weiter – dem Freund kann ich das sagen, mir nicht. Aber wenn er es mir danach sagt, werde ich es in irgendeiner Form annehmen. Das ist also ein indirekter Weg, kein direkter Weg.
Was sagt uns der „Freie Wille"? Er sagt nicht: Freier Wille – du musst Mich wählen. Nein: Wähle die Gemeinschaft, die dir sagen wird, dass es sich lohnt, Mich zu wählen. Das kann ein Mensch hören. Nicht ob er will oder nicht will – auch wenn er nicht will, wird er es hören. Werbung, wie alles, was wir von außen hören. Man gibt dir nur ein einziges Loch, durch das dieser Gedanke aus der Umgebung in dich hineinkommen kann. Das ist alles.
Schüler: … den Schöpfer groß zu machen.¹ Der Schöpfer kann wichtig sein und das Ziel kann wichtig sein, die Gemeinschaft kann mir das wirklich bewerben.
Rav: Der Schöpfer kann nicht wichtig sein – entschuldige, ich sage es dir von vornherein –, und das Ziel kann nicht wichtig sein, wenn du es richtig auslegst. Definiere es genau: Was ist das Ziel und was ist der Schöpfer? Dann wirst du sehen, dass das Dinge sind, die – wie er hier schreibt – leicht sind: Wir wollen sie nicht.
Schüler: Das ist genau das, was ich frage.
Rav: Nu.
Schüler: Ich will es nicht, warum sollte ich es annehmen?
Rav: Nimm es nicht an. Das heißt, du fragst so: Wie ist es, dass ich von vornherein hierhergekommen bin? Ich bin hierhergekommen, weil es mir schlecht geht; ich habe alle möglichen Dinge gesucht. Nicht dass es mir nur so schien, dass mir etwas fehlt – mir hat wirklich etwas gefehlt, mir persönlich hat etwas gefehlt, so ist es. In den Augen der anderen hat mir vielleicht gar nichts gefehlt. Du warst mit einer Medaille da, du bist dort ein Held Israels, alle möglichen Dinge, in Ordnung – aber es gab trotzdem etwas, das dir gefehlt hat, deshalb bist du gekommen, um zu hören.
Nu, und jetzt sagst du: Ich bin hierhergekommen und dachte, ich bekomme etwas, und stattdessen sagt man mir: Gib. Warum bleibst du dann? Warum bleibst du? Nu, es gibt klügere Leute, die schon geflohen sind – warum bist du nicht geflohen? Nu, Max hatte auch so eine Gelegenheit, aber die ist an ihm vorbeigegangen; heute ist es schon etwas schwerer zu fliehen. Nu?
9:37 Schüler: Aber es gibt das Gefühl, dass das der Ort ist.
Rav: Was, Ort wofür?
Schüler: … weiß nicht, Nähe.
Rav: Nähe, oh, das ist … Ja.
09:55 Schüler: Du hast gefragt, warum du nicht gehst. Aber ich denke: Wenn du hier bleibst, dann willst du wahrscheinlich nicht die Schläge bekommen, die du damals bekommen hast. Kann so etwas sein?
Rav: Was sagt er?
Schüler: Dass du wahrscheinlich nicht die Schläge bekommen willst, die du damals bekommen hast – deshalb gehst du nicht.
Rav: Ja, ein Mensch, der hier ist, ist sicher hier, um nicht mehr Schläge zu bekommen, ja. Er hat Angst, dass er Schläge bekommt, wenn er das verlässt – zumindest so wie vorher. Sicher, das nennt man „lo liShma", ja, man ist aus diesem Grund hier, das stimmt. Schläge können auch solche inneren Schläge sein, geistige, ja: fehlende Sehnsucht, Ohnmacht, dass es keine Antwort auf das Leben gibt – etwas, ohne das alles Übrige, auch wenn es voller Genüsse ist … aber du siehst das Ende des Genusses, und schon der Genuss selbst ist nichts wert. Das ist ein armer Mensch, was soll man machen?
11:02 Schüler: Das Kli, das der Mensch dem Schöpfer zuwendet – ist das etwas, das der Mensch dauerhaft festhält, oder ist es eine Empfindung, die auch verloren gehen kann?
Rav: Es gibt nur einen Ort, der „Malchut" heißt, den Willen zu empfangen. Und diesen Willen zu empfangen füllst du entweder mit deinem Ich oder mit dem Schöpfer – du musst dich entscheiden. Was heißt „mit deinem Ich oder mit dem Schöpfer"? Um wen du dich sorgst. Die Kelim bleiben dieselben Kelim; um wen du dich beim Gebrauch dieser Kelim sorgst, das nennt man „Platz frei machen". Entweder arbeite ich mit meinem ganzen Verstand und meinem ganzen Herzen, mit meiner ganzen Fähigkeit, mit den Eigenschaften, um dem Ich zu dienen – oder ich arbeite mit denselben Dingen, andere habe ich nicht, um Ihm zu dienen. Das nennt man „Platz frei machen".
Schüler: Jetzt – das ist eine Empfindung, die der Mensch spürt. Wenn er sie spürt, spürt er sie schon, und sie gehört ihm für immer, oder ist es etwas, das der Mensch … dauerhaft, oder ist es etwas, das ihm einfach verloren gehen kann? Das heißt, eine Empfindung, die ein Mensch eine Minute lang spüren kann und …
Rav: Nein, nein, nein, das kommt zeitweise und geht, und kommt mehr und geht, bis …
Schüler: Bis …
Rav: Bis es sich mehr klärt, bis der Mensch sich bemüht, so viel wie möglich darin zu sein.
12:43 Schüler: Du hast gesagt, dass ein Mensch draußen arbeitet, und wenn er einen Monat lang arbeitet und keinen Lohn bekommt, hat er großen Kummer; und hier kann man Jahre sitzen, und dieser Kummer ist ein Prozess, der sich so langsam ansammelt.
Rav: Draußen arbeiten wir für Lohn, sagst du. Ich arbeite einen Monat, und zuallererst bin ich sicher, dass ich am Ende des Monats Lohn bekomme. Ja? Ich habe eine Bank, wo am Monatsende eine Geldsumme von meinem Arbeitgeber ankommt. Ja? Und so ist es in der Gemeinschaft² üblich; ich habe Vertrauen in den Arbeitgeber, und die Gemeinschaft hält das ebenfalls aufrecht, also bin ich sicher, dass es so sein wird. Besser wäre es vielleicht, wenn ich es an Ort und Stelle bekäme, aber manchmal, weißt du was, ist es sicherer, dass es am Monatsende und auf der Bank ist. Gut, das heißt, ich fühle trotzdem, dass es meins ist, dass es so ist, als hätte ich es schon jetzt.
Du fragst so: Aber hier arbeiten wir Jahre und Jahre, wir haben nichts davon, wir spüren den Gewinn eigentlich nicht, wir sehen die Bank nicht, wo es vielleicht einmal eingehen wird, wir spüren unseren Arbeitgeber nicht, den Hausherrn, der uns bezahlen wird – warum können wir dann immer noch hier sitzen und durchhalten? Oder sind wir solche Helden und schon in „um zu geben"? So wie wenn du mit ein paar Leuten aus Bnei Brak sprichst, dann werden sie sagen: Was heißt das – wenn nicht für den Schöpfer, hätte ich das tun können? So fragst du.
Vielleicht bin ich also schon ein vollkommener Gerechter: Ich sehe den Schöpfer nicht, sehe keinen Lohn, sehe gar nichts, und schau doch, wie viele Jahre ich das schon schleppe, und schwere Dinge, schwere Mühe. Wenn Leute von außen dich anschauen, sagen sie: Um drei Uhr nachts steht er jeden Morgen auf, schau, wie viele Dinge er im Lauf einer Woche macht – das ist wirklich ein Engel, kein Mensch, der ist bestimmt schon zur Endkorrektur gekommen, und da ist noch etwas mehr als das. Ja? Die Frage ist also: Was hält uns?
Schüler: Nein, warum habe ich keinen Kummer darüber, dass ich noch nicht zum Lohn gekommen bin?
Rav: Oh, das heißt, das ist auch meine Frage: Warum kann ich trotzdem noch hier bleiben, was hält mich, und warum habe ich nicht einmal Kummer darüber, dass ich hier bin? Keinen Arbeitgeber zu spüren, keinen Lohn zu spüren, sondern gar nichts – und ich kann sozusagen einfach so bleiben. Bei jeder anderen Mühe, wenn ich jeden Morgen für etwas anderes aufstehen würde, würde ich Lohn fordern, mein Lieber. Nu, statt am Tag würde ich in der Nacht arbeiten, ab drei Uhr morgens – da würde ich sagen wir noch ein halbes Gehalt mehr fordern, ja? Nu, und hier machst du gar nichts. Also was, wie erklärst du das? Nu? Zion, verstehst du das oder nicht? Du bist auch nicht dumm, und faul bist du …
Schüler: Nein, Gott sei Dank.
Rav: Ja, wie kann es also sein, dass du aufstehst um … das … Was denkt sich denn deine Mutter, sag mir, ah? Du bist bestimmt verrückt geworden. Nu, dass du deine Gesundheit ruinierst – das sagt mir meine Mutter schon seit dreißig Jahren, Gott sei Dank, dass sie es mir noch zwanzig Jahre sagen möge, ja. Aber wie erklärst du es?
Schüler: Weiß nicht, bei mir gibt es Kummer. Ich identifiziere mich damit in dem Punkt nicht.
Rav: Dann haben wir keine Antwort darauf. Wie halten wir trotzdem durch? Zuallererst …
Schüler: …
Rav: Weiß nicht. Dann weiß es bestimmt Eran, er ist doch … Ah? Was, welche Antwort gibst du in dem Moment, wenn du so bist?
16:59 Schüler: Wenn ich mir selbst Antworten geben wollte, dann … Eines der Dinge, die man in dem Moment aufhört … das ist noch, sich selbst Antworten zu geben. Warum … Du sagst, vielleicht bin ich auf einem Spielplatz, auf dem ich nicht weiß, was passiert, also …
Rav: Du selbst weißt nicht, warum, aber etwas verpflichtet dich aufzustehen, ja? Nu, bestimmt nicht die Scham vor mir oder vor Avihu, das ist klar – das wäre dir egal, du würdest endlich ein für alle Mal damit Schluss machen, und fertig. Sondern was, das Gewissen?
Schüler: Nein, nicht das Gewissen, du weißt, dass …
Rav: Irgendeine Art Selbstwertgefühl? Nein.
Schüler: Es sucht einfach … weiß nicht, du suchst etwas Darüberhinausgehendes, und vielleicht sozusagen, aber ich weiß nicht.
Rav: Aber die Suche nach etwas darüber hinaus ist in Ordnung.
Schüler: Was hast du zu verlieren?
Rav: Was gibt es zu verlieren? Mein Lieber, statt dieser Stunden in der Nacht hätte ich viele Dinge gemacht, das … und in deinem Alter … Nein, nein, das … Ich sage dir: Meine Frage ist eine andere. Du sitzt hier, verstehst du, du bist ein kluger Bursche, sehr aufgeweckt … wirklich, es kann sein, dass das ein Hindernis ist. Neben dir sitzen dort ein Doktor der Chemie, und der hat das bei der Polizei abgeschlossen, und der ist in der Buchhaltung, und hier sind Computerleute; es gibt hier Leute, die rechnen können. Warum machen wir keine Rechnung? Ja.
Schüler: Vielleicht haben sie Angst vor der Rechnung.
Rav: Hier sitzen doch Menschen, nicht solche, die in der Luft schweben und einfach so kommen, um ihre Gefühle zu füllen oder sogar um Kummer zu haben, sodass sie diesen Kummer danach wie an jemanden … es gibt irgendeine Art, was weiß ich, sie bauen darauf irgendeine spirituelle Aufführung dort im Theater oder so etwas. Sehr, sehr realistische, grobstoffliche Menschen.
Sagen wir also trotzdem, dass wir hier irgendwie durchhalten. Warum stört es uns nicht, dass wir nicht fragen? Eine innere Angst zu fragen? Nu, aber du machst sogar weiter, ohne dir selbst eine Antwort zu geben.
Schüler: In Ordnung, dann … streitest du mit dir selbst, dann … ja, sozusagen … Die Frage ist, ob du …
Rav: Aber wenn noch zwanzig Jahre vergehen und es so bleibt – wirst du mir das in zwanzig Jahren sagen?
Schüler: Nein.
Rav: Nein. Ja, was ist der Unterschied?
Schüler: Weil du es machst – du machst jeden Tag die Rechnung neu, jeden Moment machst du die Rechnung.
Rav: Also machst du sie. So wie du gestern die Rechnung gemacht und nichts bekommen hast, so hast du auch heute die Rechnung gemacht und nichts bekommen, und morgen wird es auch so sein.
Schüler: Deshalb gibt es Veränderungen, ich weiß nicht. Ich weiß nicht.
Rav: Welche Veränderung muss geschehen, damit du schon sagst: Das ist der Abschluss der Rechnung – entweder ich bekomme jetzt etwas von Dir oder gar nichts? Was ist das: Jeden Tag verrichtest du Arbeit, der Hausherr zahlt dir gar nichts, und du bist damit einverstanden. Bis wann? Sag mir, wo soll da irgendeine Grenze sein? Nu?
20:14 Schüler: Persönlich setze ich mir die Latte jedes Mal neu, ich …
Rav: In Ordnung.
Schüler: Es gibt Zeitpunkte, an denen du eine Rechnung machst; für die Gegenwart siehst du vielleicht keinen Lohn, aber wenn du zurückschaust …
Rav: Vielleicht machen wir eine Art allgemeines Protokoll im Namen unserer Gemeinschaft und unterschreiben, dass wir Ihm, wenn wir bis dann und dann keine Antwort bekommen, eine Art Monatsfrist geben – und fertig. Hast du eine Antwort, was zu tun ist?
20:52 Schüler: Okay, ich bin nicht einverstanden damit, dass man nicht für Lohn arbeitet. Jeder ist hier, weil er für einen Lohn arbeitet, den er jetzt bekommt – nicht in der Zukunft, und nicht was war, und keine Sterne und gar nichts. Es gibt einen Lohn, der auf der Ebene der Ehre sein kann, auf der Ebene des Herrschens, auf der Ebene der Hoffnung, die er hat – aber das ist jetzt, das ist nicht das, was sein wird, und gar nichts. Niemand hier arbeitet und … alle arbeiten, weil sie jetzt Lohn bekommen; aber jeder muss unterscheiden, welchen Lohn er in jedem Moment hat. Das Besondere an diesem Weg ist, dass die schnellen Veränderungen, die geschehen, den Menschen dazu bringen, dass er jedes Mal sieht: Was er für den jetzigen Lohn hielt, ist nicht derselbe Lohn, den er wirklich bekommt – und dann muss er den Lohn austauschen. Und das geht so, bis er am Ende sieht, dass alle diese Arten von Lohn gar nichts wert sind. Wann geschieht das? Wenn er einen Schlag bekommt, der stark genug ist, um zu verstehen, dass dieser Lohn nicht ausreicht.
Rav: Weiter. Du hast keine Antwort gegeben. Ja.
Schüler: Ich weiß nicht genau, wie.
Rav: Weißt du nicht, dann nicht – konkret und schnell. Nu.
Schüler: In einem Satz: Das Wichtigste an der Bewegung auf diesem Weg ist wahrscheinlich, dass der Mensch sozusagen sein Kli abwägt gegenüber, gegenüber …
Rav: Kurz gesagt: Wenn in mir, sagst du, irgendeine Veränderung geschieht …
Schüler: Das ist das Kli im Menschen, das aufs Ganze geht, und auf diesem Weg sieht er irgendein Vorankommen, egal wie.
Rav: Das heißt – ich verstehe ihn, ich werde sein Anwalt sein, in Ordnung? Er sagt also so: Wir tauschen ein spirituelles Vorankommen gegen ein körperliches Vorankommen aus. Ich habe noch einen Unterricht gegeben, ich habe noch etwas geglaubt³, ich habe noch etwas geschrieben, ja? Kurz gesagt: Ich habe erworben, ich sehe irgendwelche Zeichen, dass ich sozusagen vorankomme. Das sind keine spirituellen Zeichen, aber irgendwie befriedigen sie mich. Dann ist das eine Lüge. Nu.
23:05 Schüler: Das ist genau … nur, aber du schätzt jede Stufe ein.
Rav: Das heißt, ich habe ein spirituelles Ziel gegen alle möglichen solchen kleinen Ziele ausgetauscht, die ich sozusagen erreiche und mit denen ich mich zufriedengebe. Gut, das ist wie im gewöhnlichen Leben bei den Menschen: Ich habe aus der Kabbala einen Job gemacht, sodass ich jedes Mal von ihr eine Füllung bekomme. Ja? Es ist schon gut, dass du es so machst.
Schüler: Nein, das ist klar, aber: So viel wir auch davon sprechen, dass es eine vollständige Trennung zwischen Spiritualität und Körperlichkeit gibt – dass der Mensch also nicht denken soll, es werde ihm in der Körperlichkeit helfen, oder umgekehrt –, du lebst auf deinem Spielplatz, du kannst nicht sagen: Nein, das ist etwas anderes, nebenbei, ein Bonus. Du verbindest es immer miteinander. Dann sagst du: Okay, hier lerne ich TES, was weiß ich, denn das alles hilft, anders zu denken.
Rav: Aber noch mehr als das: Wenn ich dir jetzt sage, dass du gar nichts davon bekommen wirst, dass du morgens aufstehst, und dass du gar nichts haben wirst, gar nichts, im ganzen Leben – stehst du morgen auf oder nicht?
Schüler: Ich werde dir nicht glauben. Nicht sozusagen …
Rav: Das heißt, es gibt noch etwas darüber hinaus – dass man dir sogar sagt, du wirst keinen Lohn bekommen, ja? Er lacht, er sieht, in welcher Falle er sitzt.
Schüler: Das ist ein Zustand ohne Wahl, weil du … zumindest ich: Ich spüre, dass das, was ich sozusagen schon lange suche, es nur hier gibt. Andererseits hat man mich sozusagen reingelegt: Man hat mir das eine versprochen, und am Ende werde ich etwas ganz anderes bekommen – wenn ich überhaupt etwas bekomme. Aber im Moment ist das ein Zustand ohne Wahl, sozusagen. Das ist ein Problem.
Rav: Und gibt es irgendein … Das ist gut, das ist gut, ja. Gibt es jetzt aus all diesen Dingen heraus vielleicht eine Lösung, die wir suchen könnten? So dazusitzen, dass ich keine Wahl habe – das heißt, sogar wenn die Tür offen ist, kann ich nicht hinausgehen, und hierzubleiben ist auch ohne jedes … das ist ein Gefängnis. Gibt es irgendetwas …? Es kann sein, dass wir eine Lösung haben und dass sie sehr leicht ist, und dass man uns gerade dadurch auf sie hinweist, dass du siehst: Alles ist scheinbar offen, und du bist nicht fähig, mit dir selbst etwas zu machen. Nu.
Schüler: Ich sage: Für mich ist die Lösung sozusagen sehr klar. Entweder du stehst auf und gehst und versuchst zu vergessen oder es zu ignorieren, oder du gibst dich hier ganz und gar hinein. Aber noch einmal: Auch wenn du dich hier ganz und gar hineingibst, dann schaust du dir die Menschen um dich herum an und sagst: Es gibt Menschen, die … mit ihnen bis zum Ende, zumindest in deinen Augen … bis zum Ende, und ich weiß nicht … Du weißt nicht, ob du dich überhaupt ganz und gar hineingeben willst.
Rav: Ein Problem, ein Problem. Jeden Morgen, wenn ich dich anschaue, sehe ich wirklich Wunder: Der Bursche erscheint, wie kann das sein? Aber das Wunder, das du siehst: Du hast schon aufgehört – jeden einzelnen Tag sorgst du dich weniger und weniger um die Bezahlung, du hörst schon auf, Rechnung zu machen, du beginnst dich zu gewöhnen, zu versinken, du machst dir darüber schon keine Sorgen mehr. Du siehst schon aus wie – weißt du – wie ein Hase, der auf die Schlange zugeht; du kennst das, ja? Die Schlange hypnotisiert ihn so. Hast du gesehen, wie Schlangen ihn so fressen? Und er geht, und er hat keine Wahl, er geht wirklich und begibt sich ihr in den Rachen.
27:20 Schüler: Aber einerseits ist dir bei dem Lohn, den du bekommen wirst, sozusagen schon klar, dass er sich jedes Mal ändert und sozusagen abnimmt; andererseits ist es meiner Meinung nach beängstigend, so zu gehen, und deshalb kämpfst du die ganze Zeit mit dir selbst, sozusagen, um nicht in den … hineinzugehen.
Rav: … in die Schlange. Aber du gehst hinein und kannst nichts machen, so ist das Bild. Die Welt ist komisch, also lacht man. Nein, aber das ist ein Problem – also was macht man? Ja. Nu. Oh. Was? Nu, man denkt, dass du außer dem Hut auch eine Antwort hast.
Schüler: Nein, aber mir scheint, meine persönliche Empfindung ist, dass wir hierher mehr gestoßen werden, als wir gezogen werden.
Rav: Ah?
Schüler: Meine Empfindung ist, dass wir uns mehr, als wir gezogen werden, hier verbinden, weil es …
Rav: Gut, du sagst so: Mehr als ich von hier weggeworfen werde, werde ich noch mehr hierher gezogen. Das ist in Ordnung.
Schüler: Ich werde gestoßen, weil es mir schlecht geht, weil ich weiß, ich spüre persönlich, dass es an mir liegt; aber ich habe das Gefühl, dass es bei vielen Menschen so ist, wegen der Lebenserfahrungen.
Rav: Vielleicht lohnt es sich für uns, unseren ganzen Betrieb anzuhalten – vielleicht verdeckt er uns das Problem? Und verwirrt uns, dass wir arbeiten und alle möglichen Dinge machen, tausendundein Dinge, wir laufen herum: dieser Plan, das führen wir aus, jenes führen wir aus. Lasst uns fühlen, dass wir einfach in einer Leere sind, ohne wirkliche, spirituelle Handlungen und ohne spirituelle Ergebnisse, und fertig. Vielleicht ist das, was wir machen, nicht in Ordnung, all das … Wir sind wie Kinder im Kindergarten, die von Ecke zu Ecke rennen und hier allen möglichen Lärm machen und alle möglichen Dinge, aber eigentlich sind all diese Bewegungen nutzlos, sie verstricken uns nur. Ah? Vielleicht ist das irgendeine Art von Heilbehandlung – ja, wie nennt man das?
Schüler: Ergotherapie.
Rav: Ergotherapie, ja, und fertig – damit wir nicht vor einem Abgrund stehen, und fertig, ah? Wir haben uns eine Art Bühne gebaut, auf der wir uns beschäftigen, und sind stolz darauf; und dahinter, nach alldem, sehen wir nicht, dass wir eigentlich – das war's – außer viel Lärm, Wellen, gar nichts machen, nichts ausführen, nichts bekommen, nirgendwo ankommen, nicht … Ja? Vielleicht ist das alles einfach nur … weißt du, irgendeine Staubwolke, die wir aus der Erde einfach so gemacht haben, und fertig?
30:34 Schüler: Er erklärt das … wie vor uns, was zu einem noch stärkeren Stoß von hinten führt, im Gegenteil, das …
Rav: Nu … nu …
Schüler: Dass einerseits …
Rav: Michael, sag etwas. Denkst du nach? Das ist gut.
Schüler: Das ist wirklich etwas, das fast jeden Tag passiert. Auch ich bin darin, und lohnt es sich eigentlich … zu vermarkten? Das ist nicht leicht. Manchmal denkt man, dass das der Ort ist und dass es keinen anderen Ort gibt, und manchmal denkt man, dass …
Rav: Dass es manchmal so ist und manchmal so – das verstehe ich. Aber das Fazit? Es gibt kein Fazit. Das war's. Du siehst: Wir alle befinden uns vielleicht in einer Sackgasse, und wir sind in irgendeinen Zustand geraten, in dem wir vielleicht rückwärts fahren und irgendeinen anderen Weg suchen müssen. Weißt du, das ist ausweglos, kann sein. So kann man noch, weißt du … Ja?
31:50 Schüler: Schwierig, kein kleines Dilemma.
Rav: Das nennt man, dass wir in Gefahr sind. Die Gefahr, dass wir so bleiben. Was? Das ist die größte Gefahr. Das heißt: in einer Lüge zu sein. Dir scheint, dass du vorankommen kannst, und es kann sein, dass daraus überhaupt kein Vorankommen entsteht.
Schüler: Nu, und draußen kommst du voran?
Rav: Sag mir nicht, dass es draußen schlimmer ist. Ich suche nicht, was schlimmer und was besser ist. Ich suche konkret, irgendwohin zu kommen. Es stimmt, dass es ein großer Unterschied ist, ob man mit einem Schmerzmittel oder ohne Mittel ist – aber krank ist man trotzdem. Verstehst du? Dass du hier bist, weil es dir hier leichter fällt, dass du irgendwie dein Gewissen beruhigst, was du mit deinem Leben machst – das stimmt. Aber letztlich: Wenn du beruhigst, ist das eine Droge. Das ist keine Lösung.
33:08 Schüler: Auf der Ebene des Bewusstseins gibt es einfach keine andere Wahl, um sich zu beruhigen.
Rav: Du denkst, es gibt keine andere Wahl? Ich denke, dass wir vielleicht nachdenken, rückwärts fahren, von der ganzen Tätigkeit zurückkehren, alles gut abwägen und sehen sollten – vielleicht müssen wir ganz und gar irgendwie in einem anderen Rahmen leben, in etwas, in Beziehungen, in … statt … Ich weiß nicht, worin wir alles ändern sollen.
Schüler: All diese Dinge – mir scheint, dass das nichts ändert. Auch wenn wir jetzt alles anhalten und einen anderen Plan machen und nach einem anderen Plan gehen, werden wir sehr schnell zum selben Punkt kommen. Denn die ganze Sache ist: Wir suchen die Antworten an einem Ort, an dem wir schon zu dem Schluss gekommen sind, dass wir die Antworten nicht haben. Wenn die Antworten in uns und in unserem Gehirn wären, dann wären wir wirklich noch nicht hier, wir wären draußen. Und wir sind hierhergekommen, um zu versuchen, zu etwas zu kommen, das wir nicht haben und das wir nicht erlangen können. Und bei allen unseren Rechnungen wird uns eigentlich immer herauskommen, dass wir es immer noch nicht haben und dass wir auch keinen Weg haben, es zu erlangen.
Rav: Das heißt, du sagst so: Auch wenn du bei all deinen Handlungen rückwärts fährst, wird das ein Rückwärtsfahren in körperlichen Handlungen sein; du wirst trotzdem keine neue Strecke bauen können, die dir etwas so anderes, etwas Reales gibt.
34:44 Schüler: Es kann sein … das; es kann sein, dass ja, aber …
Rav: Ja, aber letztlich wirst du auf jedem anderen Weg zum selben inneren Zustand kommen, in dem du jetzt bist. Dann wird es nicht dieser Rahmen sein, sondern ein anderer. Es wird nicht diese Arbeit sein, sondern irgendeine andere Form. Aber konkret, im Inneren, wirst du trotzdem zu einem Zustand wie jetzt kommen. Was ist der Zustand von jetzt? Dass du nichts forderst, dass du nichts willst, dass dir diese Routine genügt …
Schüler: Das ist es nicht, das ist es nicht.
Rav: Das ist es nicht?
Schüler: Nein. Die Sache ist, dass es draußen auch gut ist – was kann man denn schon machen? Alles, was wir draußen machen, letztlich nicht …
Rav: Dann bist du an einen Ort gekommen wie ein Altersheim: Draußen ist es schlimm, dort sind Kriege, dort sind Einbrüche und Morde, und hier sitzt man, und inzwischen so …
35:38 Schüler: Nein, die Sache ist umgekehrt. Die Sache ist gerade, doch von innen verrückt zu werden – aber von innen verrückt zu werden. Dass manchmal ein bisschen nach außen dringt, dringt eben, aber das ist der Ort. Was denn sonst? Es gibt überhaupt keinen anderen Weg, das zu machen. Bei jeder äußeren Handlung, die wir machen – es kann sein, dass man weiterhin jedes Mal ein äußeres Durcheinander machen und wirklich die Innerlichkeit erwecken muss, dass es so funktioniert. Aber nicht diese äußeren Handlungen oder alle möglichen solchen Rechnungen sind es, die uns führen werden. Das kann das Konkrete nicht machen. Es kann sein, dass es hier und da so etwas gibt, irgendetwas, noch einmal …
Rav: Gut, nu …
Schüler: Wenn ein Mensch um vier⁴ käme und kein Ziel hätte, wäre er nicht gekommen. Und so, sozusagen … ihm ein Ziel, dass es ein Ziel gibt, und alle entscheiden, dass sie hierherkommen, dann beneidet er … vielleicht … und ich nicht, dann …
Rav: Das heißt: Dadurch, dass wir einander zeigen, dass es ein Ziel gibt, verstopfen wir einander damit sozusagen das wahre Ziel, ja?
Schüler: Nein. Wir ziehen einander zum Ziel?
Rav: Wir ziehen zum Ziel? Ja.
36:58 Schüler: Ich denke: Wenn man die äußeren Handlungen nicht macht, dann würde sich die Lüge, von der du gesprochen hast, und auch das, was in der Lüge ist, nicht offenbaren. Denn das Leben … dass der Mensch alles aus seiner Erfahrung verwirklicht. Er muss entdecken, dass das Verstand ist. Wenn er das nicht entdeckt, dann wird es keine Lüge sein. Also was – haben wir das nicht erhofft?
Rav: Kurz gesagt: Machen wir weiter, und auf derselben Strecke? Oder wissen wir, dass wir eine andere Strecke wählen würden, und können es trotzdem nicht ändern? Oder ändern wir – dann was und wodurch? Was machen wir? Oder haben wir keine Wahl, einfach plötzlich kleiner Kopf, und fertig? Ja.
Schüler: Ich denke hier zu diesem Punkt: Du hast sozusagen einerseits, dass bei allem, was du machen kannst – ob es Veränderungen sind und solche Dinge –, du sagst: Das ist die Natur, sozusagen; man kommt zu dir und sagt dir: „Das ist deine Natur", oder Aufstiege und Abstiege, solche Dinge. Andererseits gibt es den Punkt „Die Seele des Menschen wird ihn lehren", oder sozusagen, dass das, was du machst, das Gute für dein Vorankommen in diesem Willen ist, den du bekommen hast. Oder dass es bestimmte Wünsche gibt, die du überwinden musst, und Wünsche, mit denen du mitgehen musst. Jetzt: Mit Routine ist es bequemer, das ist klar. Sieh mal, wenn es Veränderungen gibt, wie beim Betrieb: Wie lange, wie viele Male hat man den Satz gesagt: „Der Rav hat gesagt, es muss so sein, der Rav hat gesagt, es muss so sein" – damit die Leute hier in den Rahmen des Betriebs hineinkommen. Warum? Weil niemand Veränderungen mag, weil man sich schon an eine bestimmte Routine gewöhnt hat. Andererseits: Wenn du sagen wir zu mir kommst und mir sagst „Komm, gib eine Idee für eine Veränderung" – ich habe keine Ahnung, ob ich die Kelim hätte, um die Idee für eine Veränderung zu machen …
Rav: Ich spreche schon nicht vom Betrieb. Siehst du, wenn heute …
Schüler: Nein. Ich meine überhaupt jede Veränderung auf dem Weg.
Rav: Heute spreche ich davon: Lasst uns überhaupt alles schließen. Schließen wir den Laden.
39:01 Schüler: Ich meine jede Veränderung auf dem Weg. Denn einerseits ist der Weg sozusagen sehr klar. Es gibt … überhaupt, ich weiß, dass er bei Baal HaSulam sehr klar ist: So muss man es machen. Andererseits kann man auch innerhalb dieses Bereichs von einem Extrem ins andere verrückt werden. Also worin … wirklich, sozusagen hast du überhaupt keine Augen, um zu sehen, so … Wie misst du? Wie …? Woher weiß ich, ob es weniger gut ist, wenn ich jetzt, was weiß ich, mit Ventura in die Wüste fahre, eine Woche mit den Büchern, man liest, man sitzt dort in irgendeinem Graben? Du … Wie kannst du das wissen?
Rav: Probier es aus.
Schüler: Richtig, ich probiere es aus – aber so kannst du es dein ganzes Leben lang machen; und hier probierst du es nicht jedes Mal neu?
Rav: Nu, Ventura, sag etwas dazu …
39:50 Schüler: Ich habe überhaupt keine Ahnung, wohin wir gehen und wohin wir … wo wir ankommen werden, und ehrlich gesagt interessiert es mich auch nicht. Wir haben jetzt gesprochen, es fasziniert mich, es gibt …
Rav: Er kümmert sich um Motorräder, weißt du, das ist nicht … Da steckt eine große Philosophie drin.
Schüler: … einfach.
Rav: Nu, also …
Schüler: Mich fasziniert es, mich selbst zu sehen, wie ich mich verhalte und wie ich von außen aussehe, so. Das ist alles. Und das ist erlebnisreich, und ich genieße es und werde davon angezogen; und das, wovon ich angezogen werde, das sehe ich als richtig an. Das ist alles, mir scheint es einfach …
Rav: Das heißt, du sagst so: Ich habe irgendeine Art innere Empfindung des wahren Weges, dass ich im richtigen Gang bin. Ich weiß nicht, warum, und ich kann es wirklich sozusagen nicht überprüfen, aber ich habe irgendeine Art innere Sicherheit, dass das die Wahrheit ist. Vielleicht, vielleicht, was weiß ich, vielleicht deshalb, weil mir alles Übrige sofort als Lüge erscheint.
Schüler: Lohn.
Rav: Ah, du hast Lohn. Welchen Lohn?
Schüler: Diesen Genuss – ich schaue mich an, wie ich mich verhalte und wie ich mich die ganze Zeit verändere.
Rav: Oh, du siehst, dass du dich trotzdem sozusagen zum Guten veränderst. Vielleicht ist das …
Schüler: Nicht zum Guten. Nicht …
Rav: Ah, nicht gut. Sondern was?
Schüler: Es passieren mir einfach Dinge.
Rav: Es passieren dir Dinge.
Schüler: Ja.
Rav: Aha, trotzdem solche, die dir Befriedigung geben.
Schüler: Genau.
Rav: Ja, auch Selbstbefriedigung – immerhin: Ein Mann steht morgens auf und macht etwas im Leben, im Vergleich zu all diesen Hähnen. Ja, das ist … Ja …
41:35 Schüler: Ich wollte fragen, warum Routine nicht gut ist.
Rav: Ah?
Schüler: … Warum ist Routine nicht gut?
Rav: Warum Routine nicht gut ist, fragst du. Ich sage nicht, dass Routine nicht gut ist. Nein, nein, nein. Ich sage nicht, dass sie es nicht ist. Ich habe nur nach dem Zweck der Routine gefragt.
Schüler: Ein Mensch kommt hierher, was ist ein Ziel …
Rav: Moment, was ist Routine? Routine ist die ständige Arbeit an den neuen Reshimot. Das war's, nu, nu.
Schüler: Du hast das einfach gesagt … was ich verstehe, und du weißt nicht, was das in der Innerlichkeit ist. Es gibt doppelt so viel etwas Inneres; was das ist, weiß niemand. Du bist hierhergekommen um der Routine willen … mit Kraft, mich so aufzuraffen und hierherzubringen, dann … kann ich klären … Es gibt überhaupt keinen Weg … Trotzdem, meiner Meinung nach: Die Routine, so wie sie nach und nach zieht, gibt sie … und das war's … Wozu prüfst du? Das war's. Deshalb denke ich, dass die Routine etwas Einzigartiges ist … man kann sagen, das Ziel …
Rav: Schön. Das heißt, du sagst so: Ich bringe mich auf eine Strecke, ich gehe in der Routine, und trotzdem sehe ich von Mal zu Mal, dass ich zu etwas vorankomme, dass ich mich zum Guten verändere; und diese Routine rettet mich eigentlich vor meiner Natur. Gerade diese Routine ist keine Routine im negativen Sinn, sozusagen, ja – sondern das ist ein Vorankommen und keine Routine. Ja.
43:29 Schüler: Das ist das Problem: dass der Mensch weiß, wie er sich füllen kann, dass er sich immer noch füllen kann – und das hält den wahren Lohn von uns fern.
Rav: Du sagst, unser Problem sei, dass wir irgendwie von allen möglichen Dingen eine Füllung bekommen, entweder auf unserem Weg, oder wir fliehen an irgendeinen Ort und füllen uns selbst. Und das ist das Problem: dass wir deshalb nicht spüren, dass wir leiden, und bereit sind weiterzumachen.
Schüler: Einerseits ist das gut, wir brauchen Kraft zum Arbeiten, also lohnt es sich, hier zu sein.
Rav: Das gibt Kraft zum Arbeiten, das beruhigt uns irgendwie, ja, all dieser kleine Lohn hier und da.
Schüler: Vielleicht kann man den Hahn irgendwie zudrehen.
Rav: Überhaupt keinen Lohn zu bekommen. Nu, wie sie gesagt haben: „Brot mit Salz sollst du essen, Wasser in geringem Maß sollst du trinken." Das heißt, kehren wir zu jener Methode zurück, sagst du, ja?
Schüler: Immer noch eine äußere Form.
Rav: Es ist nicht wichtig, ob äußerlich oder innerlich. Man sagt nur so: Brot und Wasser – gemeint ist wirklich ein Leben in Kummer, im Wortsinn. Wie er dort schreibt: im einfachen Wortsinn, wirklich nicht zu geben … Es gibt Menschen – gerade in jenen Zeiten war Brot und Wasser … ich sage. Ja, das sind Menschen … Tausende von Menschen im Lauf der Geschichte, Millionen von Menschen; auch heute ist die halbe Welt bereit, nur für Brot und Wasser zu leben. Gib ihm das – er braucht nichts außer dem, nur zu existieren, wie Tiere leben. Was machen sie ihr ganzes Leben? Sie essen nur, und ihr Körper existiert, und sie leben nur dafür, die körperliche Existenz zu erlangen. Wofür lebt jedes Tier? So auch der Mensch. Wie viele Menschen gibt es, die leben, um sich mit irgendwelchen Ideen zu füllen? Ja? Also wir … Es gibt keine Antwort. Gut, denken wir nach. Wir müssen schon lernen, wir werden zu einer Antwort kommen.
Schüler: … eine halbe Stunde.
Rav: Ich dachte trotzdem. Nu.
(Ende des Unterrichts)