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Morgenunterricht 08.02.2002
Buch „Schriften des Rabash", Band 1, Artikel „Jakob zog aus"
Rav: Wir haben einen Artikel aus Band 1 gelesen, „Shlavei haSulam", Seite 245, „Jakob zog aus". Der kleine Jakob – das heißt ein Mensch, der nur ein kleines Verlangen nach Spiritualität hat – muss, um zum Ziel zu kommen, von seinem Platz weggehen, dem Ziel entgegen. Und dann sieht er in seinem Traum, also in seinen Umgebenden Lichtern, die ihm die Zukunft zeigen, dass er diesen Weg gehen muss: Vor dem Menschen steht die Stufenleiter, die er wird gehen müssen. Und die Leiter ist die ganze Zeit auf die Erde gestellt.
Was heißt „auf die Erde gestellt"? Jedes Mal, wenn er seinen Zustand ändern und von Stufe zu Stufe gehen will, muss er zur Erde hinuntersteigen, zur allerniedrigsten Stufe, und prüfen, ob er auf dem Irdischen steht: ob seine Verlangen – vom allergröbsten Verlangen bis zum höchsten Verlangen, das er jetzt erreichen und korrigieren will – wirklich alle auf derselben Stufenleiter liegen. Deshalb heißt es jedes Mal, dass die Engel auf- und niedersteigen.
Ein Mensch, der ein Engel des Schöpfers werden will, will, dass alle seine Bewegungen, alle seine Gedanken, alle seine Schritte dem entsprechen, was im Gedanken der Schöpfung liegt – und zwar so weit, dass es zwischen ihm und dem Plan des Gedankens der Schöpfung überhaupt keinen Unterschied mehr gibt. So weit, dass er, wenn es diesen Plan gar nicht gäbe, so korrigiert sein möchte, dass er selbst diesen Plan herstellen, ihn programmieren würde. Das heißt, seine Schritte, Gedanken und Handlungen sind sogar schneller, als er die Befehle von Oben bekommt. So ein Mensch heißt „Engel des Schöpfers".
Und trotzdem verläuft seine Arbeit in Aufstiegen und Abstiegen. Je größer die Aufstiege, desto tiefer sind auch die Abstiege, die ihnen dazwischen gegenüberstehen – hinein in eine noch größere Irdischkeit, in der der Mensch sich vorfindet. So schreitet er voran, bis aus Jakob Israel wird – das ist der Gadlut-Zustand von Jakob. Dann kommt er schon zum Gipfel der Leiter und damit zum Ende der Korrektur.
Gibt es Fragen dazu? Ja.
3:51
Schüler: Er schreibt hier, dass ein Mensch, der lernt, die Wichtigkeit der Stufe, auf der er war, nicht geschätzt hat. Meine Frage ist: Kann ein Mensch jedes Mal, wenn er auf irgendeine Stufe aufsteigt, die Wichtigkeit dieser Stufe wirklich schätzen? Denn sie ist ja anders …
Rav: Das heißt, du fragst: Warum muss der Mensch absteigen? Was heißt das, dass er absteigen muss, weil er die Wichtigkeit der Stufe nicht schätzt?
Wenn ein Mensch in irgendeinem Zustand ist und auf eine höhere Stufe aufsteigen will – woher soll er den Willen zum Aufsteigen nehmen? Er muss in dem Zustand, in dem er jetzt ist, irgendeinen Mangel entdecken, irgendeinen Makel, dass dieser Zustand nicht vollkommen genug ist. Sonst: Wozu höher steigen, was fehlt mir denn hier?
Wenn ich in Vollkommenheit bin – und Spiritualität ist Vollkommenheit –, dann müsste ich mich in jedem spirituellen Zustand richtig gut fühlen: unendlich, überhaupt kein Mangel. Dann ist dieser Zustand tot, daraus kann der Mensch nicht wachsen. Dann würde ihn schon die kleinste Stufe in der Spiritualität erledigen, ihn begraben, und das war's. Wie soll er da aufsteigen?
Er ist also in irgendeinem spirituellen Zustand und erreicht die Vollkommenheit und die Ewigkeit – denn jede Stufe, jeder spirituelle Zustand ist irgendein kleines Maß von Ejn Sof, vom Ende der Korrektur. Ein Hundertstel oder ein Zehntel, das ist nicht wichtig, aber ein Maß von der letzten Stufe. Denn jede Stufe hat zehn Sefirot, sie hat alle Unterscheidungen von Keter bis Malchut. Es hängt nur davon ab, wie er sie unterscheidet, wie er sie fühlt: entweder so wie im Nebel, oder immer klarer und klarer, bis er mit allen Einzelheiten ins Ende der Korrektur eintritt. Wenn er nun sogar auf der kleinsten Stufe in Vollkommenheit und Ewigkeit ist – wie soll er sich dann von diesem Platz wegbewegen und irgendwann zu dem wahren Maß an Ewigkeit kommen, das der Schöpfer für ihn bestimmt hat? 6:30
Dafür leuchten von Oben einfach größere Lichter, von einer noch größeren Stufe, und der Mensch fängt an, diese Lichter zu spüren. Er fängt dabei nicht an zu fühlen, dass ihm etwas fehlt – denn eigentlich ist das gar nicht sein Mangel –, sondern er fängt an zu fühlen, dass es in der Spiritualität viel mehr gibt, dass die Spiritualität viel erhabener und viel wichtiger ist, als er vorher dachte. Und davon fängt er an, sich zu bewegen.
Man kann das mit zwei Kräften vergleichen, die auf uns wirken. Die eine Kraft wirkt dadurch, dass man uns die linke Linie aufdeckt, unsere Mängel, wie beschädigt wir sind – und diese Kraft stößt uns von hinten mit Leiden an. Die zweite Kraft zieht uns nach vorne, durch die Genüsse: Man öffnet uns, wie viel wichtiger die Spiritualität ist, wie viel besonderer und besser die rechte Linie ist, als es sich uns vorher aufgedeckt hat – und das zieht uns nach vorne. Diese beiden Kräfte wirken also auf den Menschen.
Natürlich ist es besser, durch die Kraft voranzukommen, die zu den Genüssen zieht, zur Ewigkeit, als durch die Kraft, die von hinten stößt – die Mängel, die Leiden. Es hängt vom Menschen ab, wie weit er das Verhältnis zwischen diesen beiden Kräften, die auf ihn wirken, ändern kann. Es kann sein, dass es ihm gelingt, überhaupt fast keine eigenen Mängel mehr zu fühlen, sondern immer mit Mängeln in der rechten Linie zu gehen: dass er immer einen Drang hat, dem Schöpfer zu geben, einen Drang, noch weitere Möglichkeiten zum Geben aufzudecken. Das nennt man „Leiden der Liebe".
Er tauscht die Leiden aus, die ihn von hinten stoßen und ihn zwingen zu gehen wie ein Stock mit einem Stachel daran. Stattdessen arbeitet er die ganze Zeit daran, wie er die Größe des Schöpfers aufdeckt, die Größe der Spiritualität, damit er Leiden der Liebe hat: wie sehr ich noch nicht liebe, wie sehr ich noch nicht geben kann. Und dann tauscht er das eine gegen das andere und kommt sicher auf die erwünschte Weise voran. 9:17
In den Augen jeder höheren Stufe, in den Augen des Schöpfers, ist es natürlich mehr wert, wenn der Mensch durch das Ziehen nach vorne vorankommt, als wenn die Entwicklung ihn zwingt und ihn von hinten sticht. Ganz sicher. Aber du siehst, wie wir in dieser Welt die ganze Zeit hinterherhinken. Wir entwickeln uns in den Mitteln, wir entwickeln uns im Verstand, in der Wissenschaft, in den Begierden, in allem – aber wir entwickeln uns nicht entsprechend im Gebrauch dieser Kelim.
Wir hinken ständig hinterher, und dieser Rückstand summiert sich. Und du siehst von Generation zu Generation, dass die Menschen immer frustrierter sind, und zwar entsprechend dazu, dass sie sich scheinbar immer mehr Möglichkeiten schaffen, aber immer weniger fähig sind, sie zu genießen. Das kommt einfach daher, dass wir nicht wissen – sagen wir, das einfache Volk weiß nicht –, wie man das Gesetz der Entwicklung richtig gebraucht.
Ja.
10:40
Schüler: „Plötzlich erwacht er aus seinem Schlaf und sah sich selbst, dass er sich in einem Zustand des Abstiegs befindet" – und er fühlt es nicht … Warum „plötzlich"? Also warum ist das … In dem Moment, in dem man dir etwas wegnimmt, in dem Moment, in dem du ein bisschen aus dem Gefühl der Vollkommenheit herausfällst, fühlst du das doch. Warum „plötzlich"?
Rav: Wir können auf zwei Arten in einen Zustand kommen: entweder dadurch, dass wir ihn selbst bestimmen, uns diesem Zustand unterwerfen und zu ihm kommen – oder dadurch, dass dieser Zustand von außen zu uns kommt, man weiß nicht woher, ja? Nicht unter meiner Kontrolle. Wenn der Zustand nicht unter meiner Kontrolle kommt, dann wird er trotzdem vorher vorbereitet: Wenn du die Zukunft aufdecken könntest, würdest du sehen, dass das passieren kann. Aber wenn dieser Zustand kommt und du schon in ihm bist, erkennst du noch nicht, dass du in ihm bist. Es müssen erst einige Handlungen ablaufen, bevor du ihn erkennst.
Das lernen wir auch vom Aufbau der Kelim: Es gibt Taamim, Nekudot, Tagin und Otiot. Und erst nachdem sich ein Kli füllt und wieder leert, kann der Mensch wirklich fühlen, in welchem Zustand er ist. Wenn der Mensch also seinen Zustand aufdeckt, dann deckt er wirklich auf, dass er schon darin ist.
Auf den spirituellen Stufen zeigt sich das wirklich klar und sehr deutlich: Der Mensch fühlt sich gut und gut und immer besser und besser, weil er Spiritualität will und geben will und sucht und alles. Danach passiert ihm Folgendes: Er fängt an zu vergessen, dass er geben will und dass das Spiritualität ist, und fängt an, einfach nur seinen Zustand zu genießen, dass es ihm gut geht. Dann vergisst er das Ziel und fühlt nur noch das Gute. Und von dem Moment an, in dem er nur noch das Gute fühlt, fängt man an, an ihm zu arbeiten, um ihn von der Stufe herunterzuholen. Aber er fühlt weiterhin das Gute, und nach einiger Zeit deckt er plötzlich auf, dass er überhaupt nicht mehr in der Spiritualität ist und auch nicht mehr im Guten. Erst dann deckt er sofort auf, wo er sich befindet – und dann erst erwacht er. 13:20
Damit man also nicht in solche Zustände kommt, ist die Methode einfach: Wenn du an irgendeinem spirituellen Fortschritt gearbeitet hast und fühlst, dass du darin bist, darfst du dich nicht nur an das Gefühl hängen. Du musst dir immer weitere Mängel ausdenken, damit du nicht stehen bleibst, sondern die ganze Zeit vorankommst. In der Spiritualität kann es keinen Stillstand geben – entweder vorwärts oder rückwärts. Das ist ein sehr großes Problem für den Menschen, denn es ist sehr schwer, sich die ganze Zeit am Ziel festzuhalten und die ganze Zeit in …
Deshalb: Wenn ein Mensch in einer Gruppe ist, in der andere Menschen um ihn herum arbeiten, und er schließt sich ihnen an, dann arbeiten sie ja auch dann, wenn er etwas vergisst – er fährt sozusagen mit ihnen zusammen mit. Aber wenn er nicht in einer Gruppe ist, wenn er allein ist, dann hängt wirklich alles von ihm ab: Einen Moment vergisst er das Ziel, hängt sich nur an das Gefühl – und sofort fängt der Abstieg an.
Bei uns passiert das fast nicht, denn selbst jetzt sitzt du hier und um dich herum sind noch hundert Leute, und da bist du schon eingeschlossen, ob du willst oder nicht. Du hast also schon so eine Art Dämpfer – ich weiß nicht, wie ich es sagen soll –, eine Bremse, die nicht sofort … Keine Sperre, sondern wirklich eine Bremse, die man nicht sofort betätigt … Du hast so eine Art Kissen, verstehst du, sodass du nicht sofort fällst und … Aber das ist Arbeit, die du machen musst.
Trotzdem, nach dem Gesetz ist Spiritualität eine unaufhörliche Bewegung. Es kann keinen Stillstand geben. Es kann nicht derselbe Zustand zweimal nebeneinander bestehen. Das wäre sozusagen eine gerade waagerechte Linie – das kann es nicht geben. Sonst gilt: entweder Abstieg oder Aufstieg; und wenn es keinen Aufstieg gibt, dann kommt sofort ein Abstieg, um den Aufstieg zu erwecken.
Deshalb schreibt er, dass Engel, „die Engel Gottes, auf- und niedersteigen". Wenn das so ist, dann muss auch ein Mensch, der ein Engel sein und den spirituellen Gesetzen hundertprozentig gehorchen will, trotzdem absteigen. Darauf sagt er: Nein. Du kannst absteigen und doch nicht absteigen. Wie? Wenn du in deinem Zustand jedes Mal neue Mängel findest, durch die du dich erheben kannst, dann dient dir der neue Mangel, den du findest, schon anstelle eines Abstiegs. Dann musst du nicht absteigen. Das heißt, es gilt trotzdem als Abstieg – die Engel steigen ja auf und nieder –, aber diesen Abstieg deckst du sofort selbst auf und willst ihn selbst finden, und so klebst du ihn an den Aufstieg an. Das meint er damit, dass es einen Gerechten gibt, einen Alten, der geht und … den Kopf beugt, um Mängel zu suchen. Dazu gibt es viele Dinge.
Ja. Nein? Ja.
17:01
Schüler: Wenn ein Mensch schon jenseits des Machsom ist und einen Abstieg hat – steigt er dann in einen Zustand ab, in dem er den Schöpfer wieder nicht fühlt, oder steigt er nur in einen Zustand ab, in dem er nicht fähig ist zu geben?
Rav: Wie steigt ein Mensch ab, der schon jenseits des Machsom ist? Er weiß, dass er absteigt, aber er kann trotzdem gar nichts machen.
Was heißt das, dass er „jenseits des Machsom" ist? Dass es zwei Arten von Natur gibt: Er hat die Kraft des Schöpfers und er hat die Kraft des Geschöpfs. Dann ist er nicht mehr allein in seiner Tierhaftigkeit, sondern er hat einen göttlichen Teil, mit dem er von der einen Seite aus die andere Seite sehen kann.
Das fängt übrigens schon vor dem Machsom an, sich im Menschen einzunisten, und der Mensch fängt an, sich aus zwei Teilen zu fühlen. Dafür muss man den Machsom nicht überschreiten, denn der Punkt im Herzen wächst so weit, dass er anfängt, seine Wirkung zu zeigen, und das bleibt im Menschen. Aber was geschieht: Der Mensch geht vor dem Machsom von der Verhüllung innerhalb der Verhüllung zur einfachen Verhüllung über. Das heißt, sogar bei seinen Stürzen weiß er, dass sie wahrscheinlich vom Schöpfer kommen.
Und auch jenseits des Machsom gibt es Abstiege und ein Entweichen des Mochin, bis er die nächste Stufe erwirbt und anfängt, zu ihr aufzusteigen, sich an sie anzuhaften und aufzusteigen – Ibur, Yenika, Mochin. Da hat er sicher Zustände wie bei Rabbi Shimon vom Markt, wo Rabbi Shimon sich fühlte wie Shimon vom Markt. Aber trotzdem fühlte er, dass er Rabbi Shimon ist, der sich selbst wie Shimon vom Markt fühlt. Es ist nicht so, dass dieses Wissen darüber, wer er ist, völlig verschwindet. Es kommt vielmehr, um in dir eine schärfere Unterscheidung zwischen den beiden Extremen zu bewirken, an denen du sein kannst: Entweder an den Schöpfer angehaftet oder an den Marktstand angehaftet, was auch immer … Verstehst du? Mit allem, was dazugehört – was ist ein Stand auf dem Markt, verstehst du? Das ist die einfachste Beschäftigung, die ein Mensch haben kann, ohne die Ladenbesitzer dort beleidigen zu wollen.
Ja.
19:53
Schüler: Wir wissen, dass es in der Spiritualität keine Abstiege gibt. Kann man daraus verstehen, dass in dem Moment, in dem ein Mensch auf irgendeine Stufe aufsteigt, ihr Abstiegszustand darin besteht, dass er anfängt, einen Mangel gegenüber den Abstiegen zu fühlen, dass er fühlt, dass es noch etwas über ihm gibt?
Rav: Es gibt eigentlich keinen Abstieg. Ein Abstieg ist jedes Mal der Erwerb der neuen Kraft, der linken, die noch nicht korrigiert ist. Aus ihr heraus siehst du dich selbst als negativ gegenüber dem Höheren, und das ist es, was dich nach vorne stößt. Man kann nicht sagen, dass das ein Abstieg ist. Das ist ein Aufstieg in der Linie – ein Aufstieg in der linken Linie heißt „Abstieg", das ist eigentlich alles.
Oder wir stellen es uns so vor, als würden wir noch tiefer hinuntersteigen als vorher – aber es sind alles Aufstiege. Denn die beiden Streifen, ABYA de Kedusha und ABYA de Klipa, stehen einander gegenüber: Soweit man in der Kedusha aufsteigt, muss sich dem gegenüber die böse Kraft aufdecken. Womit sollte man sonst arbeiten, um das Kli zu korrigieren?
In Ordnung? Ja.
21:10
Schüler: Er sagt, dass ein Mensch die ganze Zeit, in der er sich wie in einem Abstieg fühlt – wenn er in dem Moment anfängt, an … andere Mängel zu denken, dann verhindert er damit eigentlich sozusagen einen größeren Abstieg … der linken Linie?
Rav: Ja. Ich muss nach dem Plan der Schöpfung von Stufe zu Stufe aufsteigen. Da hilft mir gar nichts, so ist das. Und wie kann man nun aufsteigen? Ich habe einen Mangel. Diesen Mangel korrigiere ich auf „um zu geben", und dann wird daraus ein größeres, korrigiertes Kli. In ihm empfange ich die Offenbarung der Göttlichkeit, und das nennt man „Aufstieg".
Es gibt keine Aufstiege, keine Abstiege, gar nichts. Nur mein Kli wird die ganze Zeit größer und größer und größer, und dann fühle ich in ihm die Wirklichkeit immer mehr und mehr und mehr. Woher nehme ich nun jedes Mal ein größeres Kli? Ich habe ein Kli. Ich habe ein unendliches Kli von Adam haRishon her, von all diesen, jeder von uns – aber dieses Kli muss ich aufdecken. Ich selbst muss den Mangel darin fühlen.
Sagen wir, ich habe jetzt ein korrigiertes Kli von zehn Gramm, in dem ich die spirituelle Wirklichkeit fühle, und ich muss jetzt zur nächsten Stufe kommen, wo ich ein korrigiertes Kli von zwanzig Gramm habe, in dem sich das Doppelte aufdeckt, also die spirituelle Wirklichkeit. Wie decke ich diese zusätzlichen zehn Gramm in meinem Willen auf? Ich kann sie dadurch aufdecken, dass ich mich zur Spiritualität hingezogen fühle. Dann decke ich diese zehn Gramm sofort als Mangel auf, als Hingezogensein zur Spiritualität. Das ist schon ein Mangel in der richtigen Richtung.
Oder ich kann sie dadurch aufdecken, dass man sie mir von Oben aufdeckt. Dann deckt man sie mir als etwas Schlechtes auf: dass ich Materielles will, dass ich es genießen will, dass ich darin versunken bin und nicht herauskommen kann – und dieser ganze Prozess kann sich hier lange hinziehen. Bis ich aufdecke, dass dieser Wille zu empfangen zu meinem Schaden ist und dass es sich lohnt, ihn zu korrigieren, und dass ich mich, statt mich nach diesem Willen zu sehnen, vielleicht nach Spiritualität sehne. Verstehst du? 23:48
Das ist der Unterschied zwischen dem Weg „Be Ito" und „Achishena". Also: Bis man mir von Oben einen Mangel aufdeckt, und ich genieße ihn, und danach decke ich nach und nach auf, dass es schrecklich ist, ihn zu genießen, dass das das Gegenteil vom Ziel ist, dass es mir nur materielle Leiden und spirituelle Leiden bringt – bis ich an ihm verzweifle. Bis ich an seiner Stelle etwas anderes will, bis ich verstehe, was dieses andere ist, bis das zur Spiritualität führt, zum Schöpfer. Bis ich die Richtung austausche, den Gebrauch des Willens in die andere Richtung – das können Jahre sein.
Deshalb: Was ist diese ganze Methode? Sie lehrt dich, wie du einen Mangel aufdeckst, und zwar nicht im Aspekt „Be Ito", wo er sich dir auf natürliche Weise über sehr lange Zeit immer wieder aufdeckt, sondern durch „Achishena": dass du den Willen selbst aufdeckst, dass du dem zuvorkommst und das Kli wachsen lässt, bevor man es dir von Oben aufdeckt. Und wodurch kann man das machen? Nur dadurch, dass du das Erkennen der Größe der Göttlichkeit auf dich ziehst – wie viel größer die Göttlichkeit ist, noch größer, noch viel größer, als ich dachte. Dann kommt dir dem entgegen ein neuer Wille zu ihr, immer mehr und mehr und mehr.
Wenn du auf diese Weise aufdeckst, dann brauchst du keine Abstiege und keine Leiden, und dann sparst du sehr viel Zeit und sehr viel Leid und alle möglichen schlechten Unterscheidungen, die du sonst aufdecken müsstest: dass das, was du für gut gehalten hast, dir Schlechtes bringt – du wolltest es genießen und hast nur Leiden bekommen.
Wie können wir also die ganze Zeit eine Quelle der Anziehung zur Spiritualität entwickeln, die uns ständig nach vorne zieht und uns als ziehende Kraft dient, statt dass die stoßende Kraft unser Antrieb ist? Wie mache ich das? Er schreibt, dass man das nur durch die Gemeinschaft machen kann. Denn alle Eigenschaften in mir und alle Eigenschaften außerhalb von mir, alle Erscheinungen außerhalb von mir wirken zwingend auf mich: Ich bin mit einer bestimmten Natur geboren, damit kann ich nichts machen, und ich befinde mich in einer Gemeinschaft, damit kann ich auch nichts machen. Wodurch kann ich mich also ändern, wo ich doch von Oben verändert werde? Wodurch kann ich Veränderungen bestimmen? Er sagt: nur dadurch, dass du die Gemeinschaft bestimmst. Wenn du jetzt weißt, dass du eine Gemeinschaft finden musst, die dir die Wichtigkeit des Schöpfers aufdeckt, die Wichtigkeit der Spiritualität – dann suche eine Gemeinschaft, die diese Gefühle in dir erweckt. Das ist die ganze Wahl. Damit rettest du dich wirklich vor dem Weg der Leiden und bringst dich auf den Weg der Tora, auf den Weg des Lichts, das dich nach vorne zieht.
Viel Erfolg, ja. Wenn nicht, dann bekommst du eben etwas von den Leiden und etwas von der Tora, von beiden Wegen zusammen – nun, was soll man machen. Aber trotzdem … Und was ist der Gewinn? Soweit du nicht in den Leiden bist, kommst du vorwärts. Soweit du in den Leiden bist, steckst du sozusagen in ihnen und wartest, bis du mit dem Verstand begreifst, dass es kein Fortschritt ist, in ihnen zu sein, dass es nicht gut ist. Das heißt, du sparst Zeit, du sparst dir Schläge, das ist alles. Das ist der Unterschied. Ankommen wirst du sowieso, die Frage ist nur, wie viel du noch leidest und wie viele Jahre du für jede einzelne Unterscheidung brauchst – also Leid und Jahre –, statt irgendeine Kraft zu finden, die dich zur Spiritualität zieht, ohne in dieses Materielle hinabzusteigen, in diese Leiden. Das ist alles.
Ja.
28:28
Schüler: Kann ein Mensch in einem Zustand der Freude aus dem Erkennen der Größe des Schöpfers sein und trotzdem über seinen Zustand traurig sein, über seine Mängel?
Rav: In der Zeit der Vorbereitung ist alles möglich. Es kann sein, dass ein Mensch über die Größe des Schöpfers traurig ist – dass er sie nicht hat und dass er sie hat –, und dass er sich freut, dass er sie hat, und gleichzeitig trotzdem traurig ist, dass ihm etwas vom Materiellen fehlt.
In der Zeit der Verhüllung, wenn der Schöpfer sich teilweise aufdeckt und der Wille zu empfangen sich teilweise aufdeckt – und zwar nicht direkt, sondern der Schöpfer deckt sich in den Umgebenden Lichtern auf –, dann kann es sein, dass sich neben seiner Offenbarung in den Umgebenden Lichtern alle möglichen schlechten Dinge aufdecken. Das nennt man die einfache Verhüllung: Der Mensch fühlt die Leiden und fühlt trotzdem schon, dass sie von der Göttlichkeit kommen.
Ja.
Schüler: Warum kommen wir in den Nachtstunden mehr voran? Wenn wir in den Nachtstunden lernen.
Rav: Warum lernt man in den Nachtstunden? Es gibt einige Bedingungen, die die Kabbalisten als absolute Bedingungen festgelegt haben, als Pflicht: das Lernen ab zwölf Uhr nachts. Wenn wir nach Zweig und Wurzel gehen, dann ist das ab Mitternacht. Zwölf Uhr nennt man Mitternacht, aber das ist nicht unsere Zwölf. Mitternacht ist ein Begriff, bei dem du die ganze Zeit der Dunkelheit in zwei Hälften teilst; die Hälfte der Zeit der Dunkelheit ist Mitternacht. Das kann sich ändern, das kann um drei Uhr morgens sein oder um elf Uhr abends, je nachdem – im Sommer oder im Winter. Das nennt man eine Zeit, eine relative Stunde. So ist das die wahre Zeit nach der Sonnenuhr, verstehst du, so ist das.
Also: Ab zwölf Uhr nachts, ab Mitternacht, fangen die Umgebenden Lichter an zu erwachen und die Korrekturen, die nach der Kabbala dem Tag vorausgehen. Wir lernen das ja – in welchem Teil haben wir das gelernt? Teil 12, 11, 12, ja. Aba we Ima fangen dann schon mit ihrer Korrektur gegen Morgen an, und am Morgen beginnen die Korrekturen an den Kelim und die Füllung mit den Lichtern und so weiter. Das ist nach Zweig und Wurzel. Ein Mensch, der die Gesetze in der Wurzel erfüllen will, bemüht sich also, sie im Zweig zu erfüllen.
Und außerdem gibt es im Aspekt der Umgebenden Lichter wirklich eine entsprechende Beziehung zum Menschen: Wenn er sich bemüht, in diesen Stunden Kabbala zu lernen, dann kommen diese Lichter in Form von Umgebenden Lichtern in diesen Stunden tatsächlich mit größerer Kraft zu ihm. Jeder Unterscheidung, die es in dieser Welt gibt, stehen Unterscheidungen in der Spiritualität gegenüber, und in den Umgebenden Lichtern wirken diese Dinge einander entsprechend.
Deshalb ist es erwünscht, um Mitternacht aufzustehen, um die relative, und anzufangen, sich mit den Korrekturen zu beschäftigen, mit den Korrekturen der Kelim. Deshalb heißt es „Tikkun Chazot", ja. Und es gibt alle möglichen besonderen Dinge: besondere Gebete, besondere Lernstoffe, auch bei uns, und auch für das einfache Volk hat man das festgelegt. Das ist das eine.
Du hast eigentlich danach gefragt, ja? Es gibt noch einige Bedingungen, die ein Mensch erfüllen muss, um in der Spiritualität voranzukommen, auch wenn er nicht weiß, warum. Eine davon ist die Zeit. Das Lernen am Abend ist zum Beispiel keine Pflicht, und in die Nacht hinein schon gar nicht – das war bei Kabbalisten nie üblich. Bei Baal HaSulam und überhaupt war es immer üblich, mit der Dunkelheit schlafen zu gehen. Sagen wir, heute wird es um sieben Uhr abends dunkel – dann geht man schlafen, das war's. So war das, so ist es natürlich, und dann steht man um Mitternacht auf und fängt mit den Korrekturen an. Die Schlafenszeit ist ab dem Erscheinen der Sterne und ein Stück weiter, bis die Nacht eingetreten ist, und bis Mitternacht – das ist die Schlafenszeit.
Ja.
33:43
Schüler: Was ist mit den übrigen Dingen, die ein Mensch machen muss?
Rav: Die übrigen Dinge sind: „Mache dir einen Rav", „kaufe dir einen Freund" und alles Mögliche in der Art – das gehört schon mehr zur Äußerlichkeit. Baal HaSulam zum Beispiel stellte die Bedingung: Wenn ein Mensch nicht für den Unterricht bezahlt, kommt er nicht in seinen Unterricht. Du kommst her, da steht jemand, ein Gabbai: Gib zehn Schekel her – nein? Dann kommst du nicht rein. So machte er das, wirklich …
Und die Leute hatten damals keine Möglichkeit, dieses Geld zu verdienen. Es ging nicht darum, ob du willst oder nicht willst – es gibt nichts, wovon man es nehmen könnte. Gut, dann geh und leih dir was. Das heißt, man muss dem Massach entsprechend geben, den Handlungen entsprechend, die wir als Anstrengung kennen – man muss auch in dieser Welt eine Entsprechung geben, sonst erwirbst du nichts. Es gibt die Sache des Erwerbs, ja, und der Erwerb geschieht durch Geld, denn „Kessef" kommt von „Kissufa", „Kissufin" – Verhüllung, Massach. So ist das.
Ich erinnere mich, ich kam zum Rav, nach zwei Monaten – nein, ich habe schon nach ungefähr einem Monat gefragt; genau das hat man mich heute im Internet gefragt. Ich fragte, wie ich dort für Tee, Kaffee und all die Dinge bezahlen kann, die man isst und trinkt. Da kam der Gabbai zu mir und sagt: Du denkst, das ist alles? Du musst für Strom bezahlen, für Wasser, für alle möglichen Dinge. Ha, da fing ich schon an nachzudenken, es tat mir leid, dass ich wegen des Kaffees gefragt hatte – was ist hier los? Er sagt: So ist das, fertig. Und außerdem, sagt er, ist es bei uns so: Den Zehnten musst du dem Rav bringen.
Das war für mich überhaupt eine merkwürdige Sache; ich bewegte mich damals in Kreisen von Rückkehrern zum Glauben, in solchen Kreisen eben. Weißt du, mein Zehnter waren mehrere gute Gehälter zusammen, allein der Zehnte. Und du kannst nicht nur nach dem bezahlen, was du verdienst – auch von dem, was du stiehlst, musst du den Zehnten bringen, das, mein Lieber, geht nicht einfach so. Ich habe das Prinzip zuerst nicht verstanden, das war's. Nach zwei Jahren, ungefähr nach anderthalb Jahren, nachdem ich schon eingetreten war und gelernt hatte und Assistent des Rav geworden war, fing ich an, sein Bankkonto zu führen – und da sah ich, was der Zehnte ist. Das war wirklich so.
Das heißt, die Kabbalisten forderten das von den Schülern, und es gab noch alles Mögliche in der Art – kurz gesagt, sie machten Druck. Man erzählt noch alles Mögliche über Baal HaSulam, was er den Schülern abverlangte. Aber Gruppe, Gemeinschaft, Lernen in der Nacht – das ist einfach so: Ohne das gibt es überhaupt keine Bedingungen für einen Fortschritt.
Gut, nun. Ja.
37:32
Schüler: Ich habe eine Frage: Sagen wir, ist der Gebrauch des Massach bei Kabbalisten etwas, das die ganze Zeit verfügbar ist, oder hängt das vom Zustand ab? Also der Gebrauch des Massach, das …
Rav: Massach nennt man die Absicht auf den Schöpfer hin: dass meine Gedanken, meine Verlangen, meine ganze Sehnsucht ganz auf ihn ausgerichtet sind. Das nennt man „Massach", das ist alles. So wie eine Mutter die ganze Zeit an ihr Baby denkt, ah, ah, ah, ah … die ganze Zeit so auf es hin, festgehakt, ja? So nennt man das Massach.
Wenn du anfängst, den Massach in irgendwelchen anderen Formen zu beschreiben, dann weiß ich nicht, ob das … Das nennt man Massach, das heißt: Der Massach ist die Absicht „um zu geben". Aber eine Absicht „um zu geben" im Verstand – das ist eine gefühlsmäßige Absicht, so kann es nicht sein: Jetzt muss ich ihm so und so viel geben, gut, dann messe ich es ihm ab, fertig – das nennt man nicht Massach.
Schüler: Du hast gesagt, der Massach sei eine Hinwendung zum Gefühl und eine Hinwendung zum Schöpfer, Gefühl und Hinwendung zum Schöpfer. Die Frage ist, ob er die ganze Zeit verfügbar ist.
Rav: In der Spiritualität, der Eintritt in die Spiritualität, das bedeutet, dass du sicher einen Massach auf den Willen zu empfangen erwirbst, der zu jener Zeit in dir vorhanden ist. Das ist alles. Was heißt das? Du hast dich in dieser Welt bis zu dem größten Willen zu empfangen entwickelt, den es, sagen wir, in dieser Welt geben kann, und auf ihn erwirbst du einen Massach. Das heißt, es kann schon nicht mehr sein, dass du statt auf die Spiritualität auf das Materielle schaust. Das war's.
Das nennt man sozusagen, dass du einen Zimzum auf die Genüsse dieser Welt machst – so nenne ich das –, denn dazu wirst du sicher nicht mehr gehören. Jetzt, gegenüber der Spiritualität, fangen dort zwei Möglichkeiten an, sich aufzudecken. Plötzlich bist du mit dieser Welt fertig, und plötzlich hast du etwas vor dir, das dich sehr stark verwirrt: ein besonderer Genuss, Ewigkeit, Vollkommenheit, ich weiß nicht was, ja?
Was macht man nun damit? Wenn du anfängst, in diese Genüsse hineinzufallen, „um zu empfangen", dann nennt man das Klipa. Wenn du trotzdem irgendwelche Kräfte bekommst, dich dazu „um zu geben" zu verhalten, dann ist das Kedusha. Aber beides ist oberhalb dieser Welt, sowohl Klipa als auch Kedusha.
Zu dieser Welt gehörst du sozusagen schon – nicht, dass du nicht dazugehörst, du unterscheidest hier alle möglichen Genüsse und alles, aber nicht so, dass du sie vorziehst. Dass du einmal das Materielle der Spiritualität vorziehen würdest, das kann schon nicht mehr sein. Du bist schon über dieser Wahl, das sicher schon nicht mehr, ja.
(Ende des Unterrichts)