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Morgenunterricht, 18.01.2002
Buch „Schriften des Rabash", Band 1 Artikel „Die Achtung vor dem Vater betreffend"
Rav: Wir haben einen Artikel aus „Shlavej HaSulam", Band 1, Seite 106 gelesen, „Die Achtung vor dem Vater betreffend". Als ob der Schöpfer von uns verlangen würde, dass wir ihn ehren. Sicher braucht er das nicht, und eine solche Forderung kann es gar nicht geben — und man muss verstehen, dass es dabei um Gefäße des Gebens geht. Wer gibt — die erste Korrektur, die uns obliegt, wenn wir zum Geben kommen, ist, dass es keinerlei Zuwendung zu mir selbst gibt. Dann wird die Ehre — als die größte der Forderungen des Egos, des Willens zu empfangen des Menschen — sofort aus dem Menschen herausgerissen, sobald er in die Spiritualität eintritt.
Das heißt, im spirituellen Raum ist mit dem Wort Ehre nicht die Ehre für mich selbst gemeint, sondern im Gegenteil die Ehre, die ich gebe. Dass ich ihn ehren muss, dass ich ihn schätzen muss, dass ich ihn erkennen muss und dass er groß sein soll in meinen Augen — weil dann nur meine Gefäße des Empfangens sich unterwerfen und ich ihm geben kann. Das ist eigentlich die ganze Sache mit der Verhüllung: Solange der Mensch nicht alle Korrekturen erreicht, ist der Schöpfer verhüllt, um den Menschen nicht zu stören, Korrekturen zu machen.
Nicht, dass er es absichtlich macht, damit wir in der Dunkelheit leiden, oder aus irgendwelchen anderen Berechnungen, wie es uns einstweilen in unserem Ego erscheint — sondern die Verhüllung von seiner Seite ist dazu da, uns zu ermöglichen, Gefäße des Empfangens vorzubereiten, gerade Gefäße des Empfangens, in denen wir dann grenzenlos empfangen können. Grenzenlos empfangen kann man nur, wenn diese Gefäße des Empfangens auf Geben ausgerichtet sind, um zu geben.
Es soll uns also ermöglichen, die Gefäße des Empfangens zu korrigieren, die Absicht zu erwerben, das zurückkehrende Licht — das geht nur, wenn der Schöpfer in uns nicht gespürt wird, in unseren Sinnen. Diese Zeit also, die Vorbereitung des Gefäßes zum Empfang des Lichts, muss in der Dunkelheit sein, in doppelter Verhüllung oder in gewöhnlicher Verhüllung. Und deshalb besteht die Arbeit darin, dass man versucht, an der Größe und Wichtigkeit des Schöpfers zu arbeiten, ohne ihn zu erkennen. [3:14]
Wie ist das möglich? Aus der Dunkelheit, aus dem Negativen. Nicht aus dem Positiven, aus dem Negativen. Wenn ein Mensch aus dem Negativen heraus, daraus, dass er die Göttlichkeit nicht spürt, ein Verlangen nach der Göttlichkeit entwickelt und in den Zustand kommt „bis es mich nicht schlafen lässt", dann wird ihm zuteil, dass der Schöpfer beginnt, sich ihm zu enthüllen. Und dann dienen die Enthüllungen, das, was er spürt — auch das Erkennen des Schöpfers dient dem Menschen, dient ihm weiterhin als Brennstoff, als Fähigkeit zur Vergrößerung des Gefäßes, um die Vergrößerung des Gefäßes weiter fortzusetzen.
Und es ist nicht so, dass die Anwesenheit des Schöpfers die Entwicklung auslöscht. Wie in unserer Welt — wenn wir in unserer Welt einem hungrigen Menschen alles geben, wird er nicht arbeiten wollen, wird er sich nicht entwickeln wollen. So sagt man, durch Hunger — Hunger und Liebe entwickeln die Welt, beherrschen die Welt, bewegen die Welt. Was heißt das? Ein Verlangen nach Begierde, nach Lust auf alle möglichen Dinge, und Hunger — das Verlangen, sich selbst zu füllen — das treibt den Menschen zur Entwicklung, bringt den Menschen in Bewegung.
So, und wenn Menschen die Erfüllung auf der Stelle bekämen — nicht nur Menschen, überhaupt die ganze Natur würde auf der Stelle Erfüllung bekommen — dann gäbe es keine Entwicklung, es gäbe keine Notwendigkeit, irgendeine Bewegung zu machen, sondern im Gegenteil: Selbst wenn man eine Bewegung machen will, kann man sozusagen nicht — sozusagen will man, aber es gibt keinen Grund dafür. Jede Bewegung ist etwas Notwendiges, ein notwendiger Antrieb, um Erfüllung zu bekommen. Deshalb muss der Schöpfer verhüllt sein, der Genuss muss verhüllt sein, die Leiden — das heißt, die Leere — muss gerade enthüllt sein. Und in einem solchen Zustand muss der Mensch sich bewegen und sich in die richtige Richtung entwickeln, das Gefäß bauen.
Damit dieses Gefäß, das Verlangen nach Enthüllung der Göttlichkeit, in ausreichender Form da ist, sodass es ohne das nicht geht — dann enthüllt sich der Schöpfer, und es beginnt schon die Stufe der Enthüllung des Angesichts. Der Übergang von Verhüllung zu Enthüllung wird Überschreiten des Machsom genannt, Eintritt in die Spiritualität. Und danach, wenn der Mensch zum Spüren des Schöpfers übergeht, das heißt zur Spiritualität, zur Höheren Welt — egal, wie man es nennt — dann, schon dadurch, dass der Schöpfer sich ihm öffnet, dadurch, dass er die Kräfte sieht, die Beziehungen, was überhaupt mit ihm und um ihn herum geschieht...
...dadurch fängt er schon an, die Wirklichkeit auf praktische Weise zu lernen, aus seinem neuen Leben heraus, aus den Gegebenheiten, die sich vor ihm enthüllen. Das ist das Wesentliche: den Weg der Vorbereitung zu durchlaufen und zur Enthüllung des Angesichts zu kommen. Danach steht geschrieben: „Die Seele des Menschen wird ihn lehren", das heißt, das, was der Mensch an Eindruck von der Enthüllung des Schöpfers empfängt, das bringt ihn schon weiter, das zieht ihn und bringt ihn voran.
Gibt es Fragen? Bitte. Ja, Arie.
[7:30] Schüler: Um dem Menschen Sehnsucht und ein Verlangen zu geben, zum Schöpfer zu kommen — auch wenn er den Machsom überschreitet: Gibt es auch irgendeine bestimmte Verhüllung, wenn der Mensch den Machsom überschreitet? Ich verstehe, dass es vor dem Machsom irgendeinen Prozess gibt, einen Mechanismus, wenn der Schöpfer vor dem Menschen verhüllt ist, sodass der Mensch ein Verlangen bekommt, zum Schöpfer zu kommen. Wenn er den Machsom überschreitet, gibt es da irgendeine...
Rav: Wie ist der Schöpfer vor dem Menschen verhüllt? Der Schöpfer ist vor dem Menschen einfach verhüllt — in dem Maß, in dem der Mensch sich in unkorrigierten Gefäßen befindet, verhüllen diese Gefäße selbst den Schöpfer, als Dinge, die ihm entgegengesetzt sind. Oder man kann es anders sagen, von der Seite des Schöpfers — dass der Schöpfer von oben [her wirkt]; wir können nicht über den Menschen sprechen, bevor er erschaffen ist. Also sagen wir es so: Der Schöpfer hat ein System der Verringerung des Lichts gemacht, der Verringerung seiner Anwesenheit, seines Gespürtwerdens, mittels der Filter — solcher Siebe, die sein Gespürtwerden gegenüber dem Geschöpf abschwächen, abschwächen, abschwächen, mehr und mehr und mehr.
Und diese Stufen der Abschwächung werden die Welten genannt. Fünf Welten, in jeder Welt fünf Parzufim, in jedem Parzuf fünf Sefirot, insgesamt 125 Stufen, in denen der Schöpfer, der sozusagen hinter all diesen Stufen steht, hinter all den Filtern, Sieben, in ihnen die ganze Zeit immer mehr und mehr schwächer, schwächer, schwächer gespürt wird. Und wir, von Anfang an, wenn wir den Weg anfangen, befinden uns unterhalb aller Stufen. Also spüren wir die Dunkelheit.
Also einerseits muss man sagen, dass der Schöpfer hinter all diesen Vorhängen vor uns verhüllt ist. Und andererseits können wir sagen, dass all diese Vorhänge, all diese Stufen, sich in uns befinden, und sie sind eigentlich die Stufen unserer Verdorbenheit, von oben nach unten. Dass er uns absichtlich verdorben und uns in einer solchen Form gemacht hat. Und in dem Maß, in dem wir jede einzelne Verdorbenheit korrigieren, von unten nach oben, von einer kleinen Verdorbenheit zu immer, immer größeren…
In Wahrheit sind die großen Verdorbenheiten oben — „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Trieb ist größer als er". Wenn wir von unten nach oben anfangen, uns selbst zu korrigieren, dann, sozusagen — oder man kann sagen — entfernen wir diese Filter, Vorhänge, die er zwischen uns gesetzt hat; entsprechend dem, wie sehr ich eine Eigenschaft in mir korrigiere, öffnet sich dieser Vorhang gewissermaßen. Korrigiert man noch die nächste Eigenschaft, öffnet sich wieder ein weiterer, höherer Vorhang, und so weiter. [11:02]
Aber in Wahrheit dreht sich das alles um eines, das ist alles innerhalb der Seele. Denn außer dem Schöpfer und der Seele gibt es nichts, und innerhalb der Seele sind all diese Stufen. Denn der Schöpfer hat dadurch, dass er in die Seele einen Willen zu empfangen hineingelegt hat, ihn stufenweise hineingelegt, in 125 Stufen, eine nach der anderen, immer, immer grausamer, größer, fordernder. Und je fordernder der Wille zu empfangen, desto größer, desto niedriger; und wir fangen mit unserem Spüren hinter all diesen Stufen, die in der Seele sind, an dem Punkt an, der diese Welt genannt wird — da spüren wir überhaupt gar nichts von der Göttlichkeit, ja, vom Schöpfer.
Das Erste, was sich uns an irgendeiner Art Beziehung zu ihm öffnet, ist der Punkt im Herzen — wobei auch das nicht real gespürt wird, dass ich ihn sehe, ihn spüre, sondern durch die Vorbereitung, mit der ich jetzt, mit der wir uns jetzt damit beschäftigen: Wenn ich von diesem Punkt aus das erste Gefäß baue, die erste Korrektur, den ersten, alleruntersten Vorhang entferne, dann fange ich an, ihn zu spüren. Das alles befindet sich also in mir, innerhalb meiner Seele. Danach korrigiere ich wieder etwas vom Willen zu empfangen, und damit entferne ich wieder das Hindernis, den Vorhang zwischen uns. Und so spüre ich ihn innerhalb meiner Seele mehr und mehr.
Und in Wahrheit befindet er sich die ganze Zeit in mir und in meiner Seele, nur korrigiere ich selbst in mir das Spüren von ihm, das Spüren ihm gegenüber, die Empfindsamkeit ihm gegenüber, die Fähigkeit, ihn zu spüren. Das heißt, alles, worüber wir sprechen können, handelt letztlich innerhalb der Seele, nur in ihr. Außerhalb von ihr gibt es nichts zu reden. Was außerhalb von ihr geschieht — vielleicht geschieht etwas, vielleicht nicht, ich kann es nicht sagen.
Denn wie bei unseren fünf Sinnen — ich nehme vielleicht etwas von außen wahr, vielleicht, denn eigentlich nehme ich meine eigenen Reaktionen auf etwas von außen wahr. Und daraus baue ich letztlich mein Weltbild auf, sodass es mir scheint, dass ich mich an irgendeinem Ort befinde, in irgendeiner Wirklichkeit — dasselbe gilt für die Seele, für den sechsten Sinn: Das, was innerhalb der Seele gespürt wird, das nennt der Mensch seine spirituelle Welt. Und das ist alles. Und das, was innerhalb der Seele enthüllt ist, das nennt er die allgemeine Kraft, das nennt er Schöpfer. [13:59]
Das ist nicht so wenig, wie ich es erzähle, als wäre es etwas nicht so Wichtiges. Darin enthüllt sich die Wurzel des Geschöpfes, die Wurzel der ganzen Schöpfung; aber die ganze Wirklichkeit, von der wir reden — Welten, Seelen, alle möglichen... und das, was diese Seelen und diese Welten füllt, von Engeln und Dämonen und Geistern — das sind letztlich Kräfte, Eigenschaften. Und auch in dieser Welt — was ihm als dieses Universum erscheint, mit all seinem Unbelebten, schau, wie viele Milliarden Tonnen an Sternen und Entfernungen, all diese Dinge — letztlich enthüllt sich uns, dass das so ist, dass wir so beeindruckt werden, vom Geben des Schöpfers an uns, an unsere Sinne.
Und in unseren Sinnen existiert das, und außerhalb unserer Sinne kann ich nicht sagen, ob es existiert — und in Wahrheit existiert es nicht. Und in Wahrheit existiert es nicht. Dieses Bild ist ein Bild, das uns die wahre Wirklichkeit vorlügt. Das heißt, das, was wir in uns empfangen gemäß unseren Empfindungen, gemäß den Eigenschaften, gemäß unseren Sinnen, das nennen wir die objektive Wirklichkeit.
Als ob sie auch dann existieren würde, wenn wir sie nicht spüren, auch dann, wenn es keinen Menschen gäbe. Aber so etwas können wir nicht sagen, denn wir können niemals prüfen, was die wahre Wirklichkeit ist, wenn der Mensch nicht — wenn es niemanden gibt, der sie spürt. Wir können immer nur über den sprechen, der spürt, und über das, was er spürt — nur über die zwei Dinge, also Licht und Gefäß, Schöpfer und Geschöpf. Deshalb sind alle Welten, alles, worüber wir überhaupt sprechen, die ganze Wirklichkeit, nur in uns, nur innerhalb unserer Empfindungen. [16:18]
Und die Kabbala ist eine Wissenschaft, die uns erklärt, was wir denn spüren. Wer es ist, der meine Empfindungen füllt, meine Sinne, die fünf Sinne und den zusätzlichen spirituellen Sinn. Und was überhaupt diese Wirklichkeit ist, die wir Leben nennen, dieses Spüren innerhalb der Sinne, wobei ein Teil der Sinne vielleicht verschwindet, ein Teil neu entsteht und so weiter. Das heißt, die Wissenschaft über die Wahrnehmung der Wirklichkeit wird Kabbala genannt.
Und die Kabbala nennt die Wirklichkeit, die wir spüren — sie teilt das, was wir spüren, in zwei Teile: die eingebildete Wirklichkeit und die wahre Wirklichkeit. Was ist eingebildet und was ist die wahre, wenn ich, sagen wir, das spüre? Da sagt die Kabbala so: Die eingebildete Wirklichkeit ist die Wirklichkeit, die man in den fünf tierischen Sinnen des gewöhnlichen Menschen spürt. Und die wahre Wirklichkeit ist das, was man im sechsten Sinn spürt.
Warum so? Aber auch dafür habe ich eine Wissenschaft — Physik, Chemie, alle möglichen Mittel, die ich aus diesem Spüren unserer Wirklichkeit in dieser Welt entwickle. In Wahrheit: Weil es eine Wirklichkeit gibt, die in dieser Welt im Willen zu empfangen, um zu empfangen, gespürt wird, ist diese Sache im Grunde verlogen, denn ich spüre nicht die wahre Wirklichkeit, ich spüre überhaupt nicht den, der mich füllt. Sondern ich spüre alles nur gemäß dem Maß der Erregung der Gefäße, die nach Genuss verlangen. Das heißt, das Bild ist ein verzerrtes Bild. [18:37]
Ich sehe, dass mir hier noch ein paar Worte fehlen. Und dass ich den sechsten Sinn entwickle — weil ich ihn bis zu dem Zustand entwickle, in dem er seiner Aufgabe würdig ist, wird er unabhängig, hängt er nicht von mir ab. Er ist wirklich objektiv, nicht mit meinem Willen zu empfangen verbunden. Es wird so, als ob ich mit den Augen eines anderen schaue, sozusagen, verstehst du, unvoreingenommen. Dann spüre ich das Bild nicht so, wie es nach meinem Programm aussieht, nach dem, was gut für mich oder schlecht für mich ist. Sondern ich spüre das Bild so, wie es absolut, auf wahre Weise ist. Deshalb wird die Wirklichkeit die wahre Wirklichkeit genannt, und dann nenne ich diese Wirklichkeit, die ich spüre, Schöpfer. Das sind Dinge, die man vielleicht noch klären muss.
Gibt es Fragen, ja?
[19:57] Schüler: ... wie ich das frage. Es gibt das Gefühl, dass ich nicht in eine Richtung laufe, ich spüre den Schöpfer nicht. Und mein Gefühl ist, dass ich nicht in Richtung des Guten laufe, sondern eher so, dass ich vor dem Schlechten fliehe. Das heißt, ich spüre die Sinnlosigkeit, und das im Leben, in dieser Welt, auf eine für mich sehr schmerzhafte Weise, kann man sagen. Davor versuche ich zu fliehen. Aber ich spüre keinen so großen Genuss daraus, [dem Guten] nachzujagen — das heißt, ich bin eher in dem Zustand, vor dem Schlechten zu fliehen, als zum Guten zu laufen. Und obwohl ich mit dem Verstand verstehe, dass es wunderbar wäre, dorthin zu kommen.
Rav: Also, was ist die Frage?
Schüler: Wie kehrt man das irgendwie um? Das heißt, anzufangen, auch für das Gute zu laufen, nicht nur vor dem Schlechten zu fliehen?
Rav: Gute Frage. Das heißt, ein Mensch, der in den Zustand kommt, in dem er vor dem Schlechten fliehen will, ist eigentlich der Mensch, der zur Kabbala kommt. Auf diese Weise verpflichtet uns der Schöpfer, anzufangen, ihn zu erkennen. Weil wir Wille zu empfangen sind, kann man uns nicht auf andere Weise verpflichten, als uns Schlechtes anzutun — denn wir kommen dann nur aus Notwendigkeit voran. Deshalb schreibt Baal HaSulam, dass die ganze Kabbala für den bestimmt ist, der fragt: Was ist der Sinn meines Lebens? Eine einfache Frage.
Im „Vorwort zur Lehre der Sefirot", im Punkt 2, im Abschnitt 2, gleich ganz am Anfang, schreibt er, dass die ganze Weisheit der Kabbala für den ist, der fragt: Was ist der Sinn meines Lebens? Und der wirklich sucht, wie er leben soll, weil es ihm schwerfällt, weil er einfach nicht am Leben bleiben kann, ohne diese Frage zu lösen.
Jetzt — sicher fangen alle an, vor dem Schlechten davonzulaufen, und suchen etwas Besseres. Du sagst — aber wenn wir reden über... wir sind ja trotzdem keine Tiere, die einfach vor dem Schlechten fliehen, oder Säuglinge, und wollen etwas Gutes. Ich will wie ein Mensch vorankommen. Was ist ein Mensch? Der Schöpfer ist Göttlichkeit, das ist die allgemeine Kraft der Natur, das ist eine Sache, das ist eine Kraft, die die ganze Wirklichkeit lenkt.
Das ist ein allgemeines Gesetz, sodass, wenn ich es erkenne, ich erkenne, wie alles wirkt, wie sich alles dreht — Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Ich erkenne alle Seelen, ich erkenne mich selbst. Ich bin mit der Ewigkeit verbunden, nicht mit diesen Zeiten hier in dieser Welt, sondern überhaupt mit allen Zeiten, mit allem, was überhaupt über alle Welten hinweggeht. Soll ich mich danach nur deshalb sehnen, weil es mir jetzt schlecht geht, weil mich etwas sticht? Sondern ich will wie ein Mensch zu etwas vorankommen, das ewig und groß ist. [23:12]
Es stimmt, das ist richtig: Wer anfängt, Kabbala zu lernen, muss seine Antriebskraft ändern — von einer Kraft, die von hinten durch Leiden stößt, zu einer Kraft, die von vorne durch die Genüsse zieht, sogar tierische Genüsse. Das heißt, dass ich denke, dass es mir gut gehen wird. Nicht, dass das Schlechte mich zwingt zu fliehen. Alle Religionen, alle Methoden sind auf dieser Methode aufgebaut — vor dem Schlechten zu fliehen — und deshalb sagen sie dem Menschen: Hör auf zu wollen, gib dich mit wenig zufrieden.
Du brauchst nicht viel — weniger essen, weniger trinken, sogar weniger atmen, wie beim Yoga da. Alle möglichen Dinge. Verringere deine Forderungen, und es wird dir gut gehen. Gib dich mit ein bisschen zufrieden, mit etwas, das ein bisschen leicht zu erreichen ist. Und wenn du irgendwelche solchen Übungen machst, sodass du nicht mehr als das willst, dann wirst du schon glücklich sein. Setz dich unter den Baum, mach Meditation, fertig, Gelassenheit. Damit erwirbt man nichts Großes, weil man die Gefäße des Empfangens zerstört.
Es stimmt also, dass ich von hinten schon keinen Antrieb von Schmerzen mehr spüre, der mich nach vorne stößt — aber ich laufe auch überhaupt nicht nach vorne. Die Kabbala sagt: Wir dürfen nichts auslöschen. Genieße dieses Leben, wie du willst, genieße weiter, und zugleich lerne weiter Kabbala und versuche, in den Zustand zu kommen, in dem die Spiritualität größer ist als diese Welt, in dem sie ewig ist, in dem sie dir Horizonte öffnet, in dem du wirklich die Unendlichkeit spürst — über allem Leben und Tod wirst du alle Umläufe sehen, du wirst sehen, wie man das Leben überhaupt lenkt, nicht dieses Leben so wie heute. Das wird dich nach vorne ziehen.
Und nicht so, dass du, um keine Schmerzen zu spüren, nicht mehr willst als ein Stück Brot und einen Teller Suppe. Verstehst du? Das heißt, wir müssen unbedingt die tierischen Leiden gegen Leiden der Liebe austauschen. Dass ich spüre, dass mir aus Liebe Spiritualität fehlt, daraus, dass ich es will, daraus, dass es groß ist, dass es schön ist. Und nicht daraus, dass mich Nöte von hinten stechen. Das ist es, was wir machen müssen. [26:19]
Dem Menschen selbst fällt es schwer, das zu machen — das geht nur durch die Gemeinschaft. Dass die Gemeinschaft ihm die Sicherheit dabei verschafft, das Gefühl dabei, die Begeisterung dafür. Wenn ich sehe, dass viele Menschen davon begeistert sind, dann kann ich — dann achte ich schon nicht mehr darauf, wie ich aus meinen Nöten herauskomme. Ich sehe, dass die Menschen sich danach sehnen, weil es einfach groß ist. Alle sagen, dass es groß ist, und so will ich es aus Neid, Hass, allen möglichen menschlichen Eigenschaften von mir heraus auch. Und so tauscht der Mensch durch die Gemeinschaft die Leiden des Tieres gegen die Leiden des Menschen.
Ja.
[27:08] Schüler: Was ist besonders am sechsten Sinn, in dem ich den Geber des Genusses spüre? Und der sechste Sinn...
Rav: Was ist das Besondere am sechsten Sinn gegenüber den fünf Sinnen? Dass der sechste Sinn völlig nach einer anderen Methode arbeitet als die fünf Sinne. Dass bei den fünf Sinnen das Programm in den fünf Sinnen das Programm des Willens zu empfangen ist, und dann nehme ich gemäß dem Programm die Wirklichkeit in meinen fünf Sinnen wahr und verarbeite sie von vornherein in meinem Willen zu empfangen — das heißt, ohne jeglichen Bezug zur Wirklichkeit. Was mir davon guttun wird, das nehme ich wahr, und was mir davon schlecht sein wird, das nehme ich auch wahr, aber ich nehme es so wahr, dass ich das Schlechte sozusagen abstoße und das Gute heranhole. Das ist das Programm des Willens zu empfangen, das mit den fünf Sinnen arbeitet.
Das heißt, es gibt fünf Sinne wie fünf Röhren, durch die sozusagen irgendeine Erregung von außen kommt. Und diese Erregung teile ich sofort ein in das, was mir schlecht ist, und das, was mir gut ist, und die Wirklichkeit selbst kümmert mich nicht, sondern mich kümmert nur das Gefühl von ihr. Deshalb ist das Bild, das sich vor mir zeichnet, kein wahres Bild, sondern ein Bild, das nur im Verhältnis zu Gut und Schlecht steht.
Wenn es hingegen so ist, dass ich mit dem sechsten Sinn gehe, ihn entwickle — der sechste Sinn arbeitet nach einer anderen Methode, nach der Methode des Gebens. Das heißt, ohne jeglichen Bezug zu mir, zu meiner ursprünglichen Natur, sondern nur entsprechend dem, wen ich spüre. Das heißt, in dem Maß, in dem der, den ich spüre, wichtig ist, in dem Maß, in dem er groß ist, in dem Maß, in dem ich, statt mich an mich zu wenden, die Genüsse und Leiden, all die Dinge, an ihn wenden kann.
Das heißt, ich tausche sozusagen — statt in mir Gut und Schlecht zu spüren, nehme ich jetzt ihn als das Objekt, das anstelle von mir Gut und Schlecht spürt. Und dann fängt das Bild an, völlig anders zu werden. Das heißt, ich fange an, nicht das zu spüren, was eintritt und sich auf den Willen zu empfangen setzt, sondern das, was eintritt und sich auf den Willen zu geben setzt, und auf den Willen, der Göttlichkeit zu geben, dem, der mir all die Erregung bringt. Das heißt, mein Gefäß fängt an zu werden: Der Schöpfer ist mein Gefäß.
Das ist wie bei einer Kamera — worauf ich das, was es draußen gibt, fotografiere: auf meinen Film oder auf seinen Film. Es ergibt sich, dass ich damit sein Gefäß bekomme. Ich fange an, ich gehe über zu seinem Spüren, zu dem, was er spürt, was ihn erregt. Das heißt, ich vereinige mich auf diese Weise mit der Höheren Kraft, die außerhalb von mir ist, und deshalb wird die Wirklichkeit die wahre Wirklichkeit genannt. Das ist es. Es gibt nicht so viele Worte, um das auszudrücken, aber das ist wirklich eine umgekehrte Welt.
[31:00] Schüler: Das heißt, dass sowohl jetzt als auch danach die Form der Wirklichkeit subjektiv ist, nur dass...
Rav: Dadurch, dass ich den sechsten Sinn erwerbe und in ihm eine andere Wirklichkeit spüre, hebe ich die fünf Sinne nicht auf, hebe ich nicht auf — und hebe mein Spüren in den fünf Sinnen nicht auf. An ihnen gibt es keinerlei Korrektur, an ihnen gibt es nichts zu korrigieren. Sie bleiben, wie sie sind. Das heißt, auf dieselbe Weise kann ich alle Dinge genießen, die ich vorher genossen habe. Diese fünf Sinne sind überhaupt nicht der Korrektur, der Veränderung unterworfen. Sie bleiben so, und das war's.
Sondern was ich schon mache: Ich übe an ihnen, um in den Zustand zu kommen, in dem ich den sechsten Sinn entwickeln und mit ihm arbeiten will. Sozusagen ihnen gegenüber — dem, was ich in ihnen spüre — bekomme ich den Anfang des sechsten Sinns, den Punkt im Herzen, und ich vereinige mich wirklich die ganze Zeit mehr und mehr und mehr mit ihm, ich spüre, dass er das Ich ist, ich fange an, in ihm zu leben. Was ich in ihm spüre, ist für mich schon mein ganzes Leben, und nicht in diesen fünf tierischen Sinnen dieser Welt.
Sondern ich spüre die Spiritualität besser — für mich ist das fröhlich. Weniger gut — für mich ist das traurig. Und nicht das, was in den fünf Sinnen ist — das fängt an, mir mehr und mehr wichtig zu werden. Und dann klebe ich mich einfach so an den sechsten Sinn und fange an, mich mit ihm zu identifizieren, und das ist eigentlich mein Leben. So sehr, dass diese fünf Sinne mir danach überhaupt keine besonderen Gefühle oder besondere Erregung mehr bringen. Ja, ja. Nein, nein. Ich spüre nicht, dass ich in ihnen lebe. So sehr, dass, [wenn] ein Mensch stirbt, der Körper stirbt, der Mensch nicht spürt, dass er gestorben ist; er durchläuft dabei nicht irgendeine Art dramatischen Prozess des Abschieds vom Körper und alle möglichen Dinge. Sondern, sagt Rabash, man wechselt [ihn], wie man ein Hemd wechselt. Das ist es. Ja, und das war's, mehr ist es nicht.
[33:46] Schüler: Also kommt das Spüren des Schöpfers nicht zusammen mit dem Menschen — sondern wie kommt es?
Rav: Das Spüren des Schöpfers kommt im sechsten Sinn — wenn dieser sechste Sinn größer wird als die fünf Sinne. Wenn der Mensch sich mit ihm identifiziert und an ihm anhaften und in ihm leben will, dann öffnet die Erregung in ihm — gegenüber den fünf Sinnen — diesen Sinn für das Spüren der Göttlichkeit.
Schüler: Das Spüren der Göttlichkeit ist nicht mit dem Genuss verbunden, den ich in den fünf Sinnen bekomme?
Rav: Das Spüren der Göttlichkeit ist überhaupt nicht mit den Genüssen verbunden, die man in den fünf Sinnen spürt. Du kannst in ihnen weiter genießen — soweit du sie durch den sechsten Sinn nicht auslöschst, oder auslöschst, egal. Aber überhaupt verbietet die Kabbala nichts. Die Kabbala sagt: Öffne den sechsten Sinn, und in den fünf Sinnen mach, was du willst. An ihnen gibt es keine Korrekturen, an ihnen gibt es nichts; einfach der Gebrauch des sechsten Sinns wird aus dir einen Menschen bauen, und dann wirst du wissen, wie man diese fünf Sinne benutzt oder nicht benutzt.
Darin unterscheidet sich die Kabbala sehr von allen Religionen und von allen anderen Methoden. Und hier sieht man, dass diese Methode wirklich, ganz und gar, die Methode des Erwerbs des sechsten Sinns ist, des Erwerbs von etwas völlig Neuem, und diese ganze Angelegenheit gehört nicht zu dieser Welt. Und ebenso spricht die Kabbala nicht über allerlei körperliche Handlungen oder Handlungen von allerlei traditionellen [Dingen], allerlei Dinge, die zu irgendeiner Art... gehören, äh?
Schüler: Korrektur an den fünf Sinnen.
Rav: Nicht nur Korrektur dieser fünf Sinne — von Tradition, von den Handlungen, von Gewohnheiten, von allerlei Dingen, die zur Religion gehören, zu dem, womit sich das einfache Volk beschäftigt — das gehört überhaupt nicht zur Kabbala, so wie es nicht zur Spiritualität gehört. Das gehört zu einem Menschen, der sich in dieser Welt befindet und spürt, dass es ihm dadurch gut geht, leicht fällt. Es gehört zum volkstümlichen Glauben und nicht zu jener eingebildeten Welt.
Ja.
[36:43] Schüler: Der sechste Sinn ist ein Kind von mir und dem Schöpfer zusammen, ist er gemeinsam?
Rav: Wolltest du etwas fragen? Bitte. Ja.
Schüler: Was ist ein schlechtes Gefühl in der Spiritualität? Falls es so etwas gibt.
Rav: Das Spüren des Schlechten?
Schüler: Schlecht, ja.
Rav: So wie es ein Spüren des Guten gibt, kann es in der Spiritualität nicht sein, dass es kein Spüren des Schlechten gibt. Das heißt, das Maß der Verhüllung und der Enthüllung kommen als eines; denn zuallererst muss jede Verhüllung vor der Enthüllung sein, sonst gäbe es keine Enthüllung. Das heißt, alles ist im Status Geschöpf gegenüber dem Schöpfer aufgebaut, also muss es sicher eine Wirklichkeit geben, die aus zwei Kräften zusammengesetzt ist, aus zwei Gegebenheiten — Licht, Dunkelheit, Gefäß, Licht, egal. Und deshalb muss das Spüren des Schlechten vor dem Spüren des Guten sein.
Aber dieses Spüren des Schlechten ist bei einem Menschen, der sich in der Spiritualität befindet, kein schlechtes Gefühl, sondern — ich weiß nicht, wie ich das veranschaulichen soll — wie bei jemandem, der weiß, dass er gleich essen wird: In dem Maß genießt er es, dass er jetzt hungrig ist und schon weiß, welche Geschmäcker er durch seinen Hunger und Appetit wird enthüllen können. Das heißt, das eine stützt das andere. In der Spiritualität kann man die beiden nicht voneinander unterscheiden — das sind Vorderseite und Rückseite desselben Gefäßes. Und deshalb gibt es keinen einzigen Zustand in der Spiritualität, in dem der Mensch leidet. Das Spüren der Dunkelheit ist ein konstruktives Gefühl, es ist ein Gefühl des Erschaffens, der Erschaffung des Gefäßes. Das ist Freude, das ist nicht Schmerz und Verzweiflung. Jenseits des Machsom gibt es keinerlei Negatives.
[39:02] Schüler: Es ergibt sich, dass die Wirklichkeit, die ich mit dem sechsten Sinn enthülle, eigentlich eine Wirklichkeit ist, die als Ergebnis der Beziehungen zwischen mir und dem Schöpfer entsteht. Die Frage ist, ob dieselbe Wirklichkeit demselben Menschen erscheinen würde, der ... im selben Zustand [ist] und denselben sechsten Sinn erzeugt, in der Weise, dass — wenn zwei Menschen mit demselben Sehsinn sehen, auf einen Stuhl schauen, sie mehr oder weniger denselben Stuhl sehen?
Rav: Ja. Das heißt, wer sich auf derselben Stufe in der Spiritualität befindet — und obwohl das zwei Seelen sind und jedem [etwas] enthüllt wird, enthüllt sich sozusagen dasselbe Maß des Schöpfers in beiden, und beide spüren dieselbe Wirklichkeit, wenn auch jeder mit seinen eigenen Geschmäckern. So wie wir hier nicht vergleichen können, du und ich, was du spürst und was ich spüre von demselben Getränk — ob dasselbe oder ein bisschen anders — sicher gibt es einen kleinen Unterschied in der Erregung davon. So ist es in der Spiritualität. Sicher erfasst jeder die Dinge auf seine Art ein bisschen anders, aber insgesamt heißt das nicht, dass die Wirklichkeit eine andere ist. Sie haben eine gemeinsame Sprache über das, was sie spüren — deswegen schreiben Kabbalisten Bücher füreinander und können Meinungen austauschen, was auf welchen Stufen passiert, in welchen spirituellen Zuständen.
Und dass jeder dabei besondere Geschmäcker spürt, das ist entsprechend dem, dass jeder doch ein anderer Teil aus dem Ganzen der allgemeinen Seele ist, die Adam haRishon genannt wird — also hat sicher jeder eine etwas andere Erregung. Das ist es. Aber nicht mehr. Darüber haben wir nicht einmal einen Streit, weil wir diese Dinge untereinander nicht vergleichen können — in welchem Maß du von Warm und Süß und so etwas erregt wirst, und in welchem Maß ich. Aber wir beide stimmen überein, dass es warm ist und dass es süß ist.
Schüler: Das heißt, dass das nicht so... Kann es einen Zustand geben, dass zum Beispiel zwei Kabbalisten auf demselben Niveau geteilte Meinungen haben bezüglich...?
Rav: Nein, auf demselben Niveau kann es nicht zwei geteilte Meinungen geben, weil alle dasselbe spüren. Alle sind nach denselben vier Bechinot aufgebaut. Sondern was der eine spürt und was der zweite spürt — wie in dieser Welt — sie spüren dasselbe, aber die innere Erregung in jedem Einzelnen ist eine Erregung, die sich von der des anderen unterscheidet.
Wie wenn man dir und mir denselben Tee serviert hätte, ja? Das ist es. Wir haben ihn wirklich vom selben Ort genommen und trinken ihn. Dann stimmen wir überein, dass er süß ist, weil wir gemeinsame Sinne haben, ja? Und dass er warm ist und dass er noch feucht ist und allerlei Unterscheidungen — aber jetzt frage ich dich: In welchem Maß spürst du, dass er süß ist? Dann fängst du an, mir all die Dinge zu beschreiben — das ist unendlich, du wirst es nicht machen und erklären und mir vermitteln können, und auch ich werde es selbst nicht so genau wissen, und vor allem werde ich nicht wissen, wie ich es dir vermitteln soll.
Das heißt, es gibt Dinge, die dem Aufbau des spezifischen Gefäßes von dir und von mir zugeschrieben werden. Das ist es. Aber gegenüber der dritten Sache, die wir spüren, werden wir darüber keinerlei Streit haben.
Ja.
[42:28] Schüler: Wenn der sechste Sinn ein zusätzlicher Sinn ist, wie spürt man ihn gerade durch einen Freund? Wie spürt man ihn gerade in der Beziehung mit einem Freund?
Rav: In der Beziehung zum Freund — oder wozu ich den Freund brauche: Weil man den sechsten Sinn nur dadurch entwickeln kann, dass ich zur Göttlichkeit hingezogen werde. Nicht, dass ich durch Leiden von hinten in die Spiritualität gestoßen werde, wie wir gesprochen haben, sondern dadurch, dass ich zur Spiritualität hingezogen werde durch die Größe des Schöpfers sozusagen, durch die Ewigkeit. Das heißt, nicht durch tierische Sinne, sondern durch das Erkennen der Spiritualität als erhaben über dieser Welt.
Diese Begeisterung kann ich nur von der Gemeinschaft bekommen, und deshalb kann der ganze sechste Sinn — der eine Anziehung zur Spiritualität ist, das, was ich auf dem Punkt im Herzen baue — dieser ganze Sinn nur durch die Gemeinschaft gebaut werden. Das heißt, in dem Maß, in dem ich mich von der Gemeinschaft begeistern lasse, in demselben Maß bin ich... das heißt, ich lasse mich von der Gemeinschaft begeistern, die die Göttlichkeit kennt, die über ihn spricht, dass es groß ist — wie in jeder Werbung, wie in jeder Mode, in all den Dingen, ja? Was uns das Gehirn wäscht — in dem Maß, in dem ich von ihnen Begeisterung bekomme, kann ich diesen Sinn vergrößern, ihn entwickeln, bis ich anfange, in der Spiritualität zu spüren.
Um mich von der Gemeinschaft über die Größe der Spiritualität begeistern zu lassen, muss ich sie spüren, oder sagen wir, all diese Leute als sehr groß einschätzen, um mich von ihnen stärker begeistern zu lassen, [und] mich selbst [als] niedrig ihnen gegenüber; und je größer ihre Zahl ist, desto mehr lasse ich mich auch begeistern. Und ich muss mir einen solchen künstlichen Rahmen organisieren, dass nur sie auf mich einwirken und nicht etwas anderes. Und dann, je mehr ich mich bemühe, dass das mir das Gehirn wäscht, und dass ich richtig ihren Meinungen ausgeliefert bin, in dem Maß werde ich es schaffen, den Punkt im Herzen zu entwickeln, bis es ein Gefäß ist. Das ist es. Noch einmal: Der Punkt im Herzen wächst niemals durch Leiden aus dieser Welt, er wächst durch das Erkennen der Größe der Spiritualität. Deshalb ist es so wichtig, von allen zu hören, dass das eine riesige Sache ist, dass das gewaltig ist.
Ja.
[45:42] Schüler: Es ergibt sich, dass dieses Gefäß des Schöpfers, über das wir reden, eigentlich nicht meines ist. Das wird niemals mein Besitz sein. Auch wenn ... gemäß dem Maß meiner Angleichung dort hineingeht, richtig?
Rav: Das spirituelle Gefäß ist über dem mittleren Punkt in der Unendlichkeit aufgebaut, sodass der Egoismus wirklich nur ein Punkt ist. Und was man über diesem Punkt baut, ein solches Gefäß, ja? — das wir wie eine Schale so zeichnen — das kommt alles von den neun ersten Sefirot, wobei diese neun Sefirot Eigenschaften sind, die wir vom Schöpfer bekommen.
Das heißt, unser Egoismus ist nur das Fundament, auf das wir treten können, auf dem wir die neun ersten [Sefirot] bauen können, über ihm. Das heißt, in den Eigenschaften des Schöpfers, die wir vom Schöpfer bekommen, vom Schöpfer nehmen — richtiger gesagt, vom Schöpfer kopieren — in diesen Eigenschaften empfangen wir Göttlichkeit.
Aber wie können wir sie bekommen, vom Schöpfer kopieren? Dadurch, dass wir sie auf den Egoismus stellen, über ihn. Das heißt, hier muss ein Zimzum auf dem Egoismus sein, ein Schirm, und soweit man auf ihm auftreten kann, so kann man über ihm die neun Sefirot bauen, das Empfangen dieser Eigenschaften vom Schöpfer.
Und so ergibt sich, dass der Mensch ein Gefäß erwirbt, das er benutzt — er erwirbt sein ganzes Gefäß vom Schöpfer. In dem Maß, in dem er mir geben will, kopiere ich dasselbe Gefäß des Gebens von ihm zu mir und benutze es. Dadurch werde ich ihm ähnlich, ihm gleich, wie er. Deshalb „Er und Sein Name sind eins" und das ganze...
Ja.
[47:50] Schüler: Von diesem Gesichtspunkt aus — deshalb ist es dasselbe, dass ich es von einem Freund bekomme, weil es eigentlich auch nicht meines ist.
Rav: Auch vom Freund, wenn ich Begeisterung bekomme, ist es dasselbe, ja. Deshalb steht geschrieben, dass außer dem Menschen alles Bechinot des Schöpfers sind — außerhalb des Menschen befindet sich nur der Schöpfer. Deshalb — die Gemeinschaft, von der ich begeistert bin, warum beherrscht sie mich? Und warum...
Ja.
Schüler: Die Gemeinschaft, von der ich begeistert bin — muss ich notwendigerweise ein Teil von ihr sein, oder kann ich sie etwa aus einem Zustand von unten nach oben betrachten und mich von ihr begeistern lassen, oder muss ich wirklich ein Teil von ihr sein?
Rav: Nein. Eine Gemeinschaft, von der du dich begeistern lassen willst — du musst nicht ein Teil von ihr sein, denn das, Teil oder nicht Teil, wird bei uns nur nach der Angleichung der Form gemessen. Also kann ich nicht sagen Teil oder nicht, aber die Hauptsache ist, sich begeistern zu lassen. Die Hauptsache, sich begeistern zu lassen — das heißt, mich der Gemeinschaft gegenüber in einen solchen Zustand zu bringen, dass ich begeistert bin.
Denn es kann sein, dass sie verschlossen sind, es kann sein, dass ich [es] nicht aufnehme, es kann sein, dass die Verbindung zwischen uns nicht so in Ordnung ist. Es kann sein, dass ich an ihnen so viele Dinge sehe, die mir außer der Spiritualität nicht gefallen. Sagen wir, von der Spiritualität, von dem, was sie sagen, würde ich mich begeistern lassen, aber ich sehe, wie kaputt sie sind, wie hässlich sie sind, ich weiß nicht, allerlei [Dinge], die mir die Begeisterung verbergen können. Ja? Und hier hängt es sicher davon ab, wie ich meine Wichtigkeit und meine Sichtweise ordne — das ist meine Arbeit, das ist schon meine Arbeit.
Und auch dabei muss ich eigentlich, kann ich die Menschen unterstützen, die mich umgeben, denn nicht ich allein bin so, sondern es gibt noch andere Anfänger, es gibt noch andere Menschen. Und das Problem ist, dass das Maß meiner Begeisterung von der Gemeinschaft auch davon abhängt, wie ich sehe, dass die übrigen Menschen sich von ihr begeistern lassen. Sogar diejenigen, die sich innerhalb der Gemeinschaft befinden, und diejenigen, die sich in der Umgebung befinden.
Und ebenso hängt es davon ab, wie die Gemeinschaft sich mir gegenüber ordnet. Reizen sie mich so? Geben sie mir irgendeine Art Reize, sodass ich mich von ihnen begeistern lasse? Sie müssen mir zeigen, dass in ihnen etwas Großes ist. Dass sie groß sind. Dass sie solche sind, dass — wow, was geht da ab? Sie müssen mir das zeigen. Sonst bin ich klein — wie soll ich mich davon begeistern lassen?
Das ist, wie wenn man mit einem Kind, weißt du, spielt — aber durch diese Spiele wächst es. Verstehst du? So will ich also auch von ihnen, dass sie sich mir gegenüber verhalten. Das heißt, eine Gemeinschaft, die Menschen anziehen will und Menschen helfen will voranzukommen, muss darin offen sein, dass sie es versteht — wie ein Erzieher — sich denen gegenüber zu verhalten, die sich ihr nähern wollen. Sie muss dafür sorgen.
Dass sie sich gegenüber den Menschen, die sich nähern werden, als wichtig zeigt, als groß, als eine, die nicht nur in Bescheidenheit arbeitet, sodass alles verhüllt ist und du nichts siehst. Man muss dem Anfänger irgendwie zeigen, dass es hier große Dinge gibt. Es gibt hier... wie bei einem Kind. Dass hier etwas funkelt und schön und bunt ist. Man muss das machen.
Dazu fingen auch Kabbalisten an, gegenüber dem einfachen Volk allerlei Auftritte zu machen. Der Rabbi tritt mit einem Mantel auf, mit dem Hut, mit allen möglichen solchen Dingen, weißt du. Das alles, da steckt ein Grund dahinter. Das fing an mit... all diese Dinge haben mit etwas im Grunde Positivem angefangen.
Noch [etwas], Avihu? Das war's?
[52:36] Schüler: Warum ist es mir wichtig, dass auch der Freund den sechsten Sinn erlangt? Er soll mir weiter Begeisterung und Vorstellung machen, und ich werde erlangen, was ich erlange. Warum ist es mir wichtig, dass er weiter vorankommt?
Rav: Du sprichst von zwei Freunden, nicht von klein und groß?
Schüler: In der Gemeinschaft.
Rav: In der Gemeinschaft ist das ganz einfach. Es ergibt sich für uns... „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" — wir denken, das sei so eine schöne Parole, die wir alle schon satthaben zu hören. Es ist mir nicht wichtig oder wichtig, was er erlangt, weil wir darüber sprechen, dass im Menschen dieser Wille zu empfangen ist. Dieser Wille zu empfangen ist ein Teil der Malchut der Unendlichkeit.
Die Malchut der Unendlichkeit ist nur ein Punkt. Und vor ihr [sind] neun Sefirot, das sind die Eigenschaften des Schöpfers. Und durch die Verkettung und das Zerbrechen der Gefäße und alles ist es so geworden, dass in jedem Einzelnen von uns seine eigene Malchut ist, ein eigener Teil der Malchut der Unendlichkeit. Aber wenn ich neun Sefirot empfangen will, das heißt, die übrigen Teile meiner Seele, die zu den neun ersten gehören — ich kann sie nicht bekommen, vermutlich von irgendwoher. Sie befinden sich in all den übrigen Seelen.
Es ergibt sich also... und ich kann nicht von dir nehmen, dass ich so mit meiner Hand in deine Seele hineingehe und dort zugreife und dir die Seele aufreiße und meinen Teil aus dir herausnehme und ihn an mich anfüge, und so gehe ich zu jedem Einzelnen und mache [das]. Solche Dinge kann man in der Spiritualität nicht machen.
Sondern in der Spiritualität musst du dich mit jeder einzelnen Seele vereinigen, und du kannst dich nicht mit jeder einzelnen Seele vereinigen, weil in der Seele des anderen — außer deinem Teil, der sich dort befindet — du mit all den übrigen Teilen nicht in Berührung sein kannst. Du spürst nicht mit ihnen. Das ist [so], weil sie zu einem anderen Teil der Malchut der Unendlichkeit gehören, einem anderen, nicht, nicht deinem. [54:46]
Aber durch deinen Teil bist du mit der ganzen... mit der zweiten Seele verbunden, und der dritten, und der vierten, und so mit allen. Das heißt, wenn ich mein Gefäß bauen will, muss ich aus allen Seelen einbegriffen sein. Jeder einzelne. Jeder einzelne. Daraus ergibt sich ein wunderbares Ergebnis, dass jeder zum Gefäß des Schöpfers kommt, zum Gefäß der ganzen Wirklichkeit, zum Gefäß von Adam haRishon. Jeder Einzelne.
Er stützt sich nur auf seinen Punkt, das Ich, einen Punkt aus der Malchut der Unendlichkeit, aber alles Übrige, das sind alle Seelen, das wird seines, fängt an, [seines] zu werden. Deshalb hilft es mir nicht, wenn ich etwas erlange und der zweite nicht erlangt, weil wir letztlich alle dieselbe höchste Stufe erlangen müssen — sonst erlangt keiner diese Stufe. [55:47]
Das nennt man „das Ende der allgemeinen Korrektur". Das heißt, sogar Rabbi Shimon, sogar Baal HaSulam, egal wie groß, sie können die höchste Stufe nicht erreichen, bevor nicht alle Seelen diese Stufe erreichen, denn auch ihnen fehlen all die Korrekturen, die die übrigen Seelen noch nicht gemacht haben. Das fehlt in ihrem Gefäß.
Sie werden zu diesen Korrekturen selbst kommen, sodass sie ihrerseits all diese Dinge korrigiert haben, aber trotzdem, bis die übrigen Seelen sich nicht korrigieren und nicht dahin kommen, wird auch ihnen [etwas] fehlen. Das allgemeine Licht, NaRaNCHaY de NaRaNCHaY, wie wir sagen, fehlt auch ihnen.
Ja.
[56:33] Schüler: Wenn eine solche Gemeinschaft vereint ist, wenn zum Beispiel einer aus der Gemeinschaft oder einige aus der Gemeinschaft schon den sechsten Sinn bekommen, können sie es den anderen aus dieser Gemeinschaft erleichtern, ihn auch zu bekommen?
Rav: Sicher.
Schüler: Das heißt, Annäherung und Vereinigung zu machen und...
Rav: Wenn in der Gemeinschaft einige Menschen schon Spiritualität erlangen, sich jenseits des Machsom befinden, dann profitiert die ganze Gemeinschaft davon, weil die Einbeziehung derer, die [es] erlangt haben, in alle übrigen Seelen schon dadurch wirkt, dass in jeder einzelnen Seele irgendein korrigierter Teil ist, schon spirituell. Dieser Mensch, in dem ich mich sagen wir befinde, und ich bin korrigiert und er nicht — er spürt diesen Teil, der korrigiert ist, nicht. Er spürt das nicht.
Aber er spürt eine Unterstützung von diesem Teil gegenüber den übrigen Teilen, die ihm hilft voranzukommen, die ihm weiter hilft, korrigiert zu werden, seine Eigenschaften, seine eigenen, zu korrigieren — von meinem korrigierten Teil, der sich in ihm befindet. Aber nur durch diese gemeinsamen Teile gibt es eine Verbindung zwischen einem und dem zweiten, sodass ich mich in allen befinde und er sich in allen befindet. Und er befindet sich in allen, und so jeder Einzelne.
Es ergibt sich, dass jeder seinen privaten Teil hat — das ist das, was in ihm innen das Seine ist — und das Übrige ist nicht das Seine. So ist es in jeder einzelnen Seele. Das heißt, wenn wir über eine Seele sprechen, die [zehn Sefirot] umfasst — egal, wie man sagt, sagen wir zehn Sefirot — dann ist die Malchut die seine, die des Menschen, und die neun ersten sind alle jene Eigenschaften, die sich in all den übrigen Seelen befinden. [58:21]
Und er kann nicht, ich sage es noch einmal, sie nehmen, sie aus allen herausnehmen und sozusagen in sich hineinlegen. Er muss in ihnen sein, in all diesen Seelen so, und mit diesem ganzen Gefäß arbeiten, das sich in allen befindet. Es ergibt sich, dass der Mensch so über die ganze Wirklichkeit verschmiert ist. Das hat sehr große Auswirkungen. Deshalb „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" — es ergibt sich die Regel, dass das natürlich ist.
Es ergibt sich eigentlich, dass die Wirklichkeit so aufgebaut ist. Und das Interessante ist, dass diesen Punkt von ihm selbst der Mensch nicht korrigieren muss, denn er ist das steinerne Herz. Auf ihn muss er nicht eingehen, das ist seine eigene Malchut. Sondern er muss gerade jene Teile korrigieren, die sich in jedem Einzelnen befinden, seine Teile, die sich in jedem Einzelnen befinden, in den neun ersten.
Das heißt, das, womit ich wachse, nachdem ich den Punkt im Herzen bekommen habe, die Sehnsucht nach Spiritualität — ich wachse nur dadurch, in dem Maß, in dem ich meinen Teil in jedem Einzelnen korrigiere. Das heißt, „um zu geben", das ist es, was [so] genannt wird. Daraus versteht man, dass das Gesetz des Gebens ein notwendiges Gesetz ist für die Verbindung der Seele zu einem Gefäß von jedem Einzelnen.
Ja.
[59:51] Schüler: Wenn die Wichtigkeit eigentlich darin liegt, dass ein Mensch sehr wohl zur Spiritualität gekommen ist — dass die Wichtigkeit also darin liegt, dass der Punkt, der sich... der seine, der sich in jedem anderen befindet, eigentlich korrigiert ist und die übrigen Punkte unterstützt, das heißt die übrigen Punkte erhebt — macht es dann einen Unterschied, ob er ihm nahe ist, oder ein Mensch, der ihn überhaupt nicht kennt? Das macht doch keinen Unterschied — was ist dann die Sache mit der... das heißt, wieso ist es trotzdem schon wichtig, die Nähe? Nur wegen der allgemeinen Begeisterung, das heißt der Erhebung der Wichtigkeit, oder gibt es auch...
Rav: Es gibt Kabbalisten, die vor Tausenden von Jahren, vor Hunderten von Jahren Korrekturen gemacht haben, und ihre Korrekturen befinden sich in uns und helfen uns voranzukommen — spüre ich das? Ich habe einen Teil von Rabbi Shimon, und vom Ari, und von den Ashlags, und von all den übrigen Kabbalisten, die in Millionenzahl im Laufe der Generationen waren, ja, verborgene und offenbarte gegenüber der Menschheit, die wir kennen — und sie alle, sie alle haben in jedem Einzelnen von uns einen Eindruck hinterlassen. Spüre ich das? Sage ich: Oh, das ist bei mir korrigiert, weil er vor 800 Jahren dort in Spanien gelebt hat, oder: Das hat er jetzt korrigiert, gelobt sei der Ewige — woher weiß ich [das]? Ich weiß es nicht, aber das nennt man... es existiert trotzdem sicher, und deshalb kommen wir voran, und deshalb bringt der Gerechte, das Fundament der Welt, die ganze Menschheit auf solche Weise mehr voran als alles andere. Und er bringt alle voran, das Fundament der Welt; seinetwegen wird die ganze Welt nach vorne gestoßen — aber das ist das eine.
Und das zweite: Wenn es jemanden neben dir gibt, wie einen Freund, der sich sagen wir schon in der Spiritualität befindet oder sich sogar nicht [darin] befindet, [dann] kann die Begeisterung und sein Einwirken auf dich viel wichtiger sein. Durch die Körperlichkeit — was hast du davon, dass er dir [etwas] vorbereitet hat, dieser Kabbalist, die Vorbereitung? Und es stimmt, dass du heute dadurch empfindsamer wirst, bereiter für die spirituelle Entwicklung, aber ein Freund, der sich neben dir befindet, ist für dich ein Beispiel, er wirkt auf dich mehr als alles andere, er kann dich viel stärker antreiben. Deshalb müssen wir uns einander zuwenden wie der schlichten Kraft, ohne die man nicht vorankommen kann — das ist wirklich wie bei einer Kommandoeinheit. So spürt der Mensch je nach Entwicklung danach die ganze Menschheit, dass die ganze Menschheit sein Gefäß ist, und jeder Einzelne ihm wichtig ist — das ist, wie er im Artikel „Die Bürgschaft" über Rabbi Elazar ben Rabbi Shimon schreibt, der so sagt, dass die ganze Welt zu demselben Gesetz gehört, „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" — aber das hängt von der Entwicklung des Menschen ab, wie sehr er spürt, wie sehr er es sieht; aber sicher ist es so, denn es gibt keinen Menschen, in dem nicht Funken der anderen Menschen sind. Und wenn er nicht zur Korrektur kommt, zur Endkorrektur, wird keiner von ihnen zur Endkorrektur kommen, ganz einfach. Deshalb ist die Verbreitung der Weisheit der Kabbala, das Verbreiten, eine so wichtige Sache. Aus dem Verständnis dieses Systems heraus versteht sich alles, was daraus folgt.
Ich suche Neue, die zuerst fragen sollen. Ja.
[63:44] Schüler: Inwieweit kann ich die Stufe unterscheiden, auf der ich mich befinde, und sogar die nächste Stufe kennen — inwieweit ist diese ganze Sache eine exakte Wissenschaft?
Rav: Inwieweit die Kabbala etwas Exaktes ist, sodass ich messen kann, wo ich mich befinde, was die Stufe ist, auf der ich mich befinde, und so weiter. Unsere Wissenschaft in dieser Welt, die wir entwickeln, hängt von unseren Sinnen ab. Wenn wir sieben Farben unterscheiden, sieben Töne und so weiter, dann bauen wir entsprechend Geräte, dann machen wir entsprechend allerlei Systeme, Programme, die zwischen uns und dem, was wir als Welt um uns herum spüren, passen, damit wir die Welt besser erforschen können. Ich kann durch unsere Geräte meine Sinne erweitern, sodass ich [dort] spüre, wo es mir fehlt. Sagen wir, ich sehe nicht in Röntgenstrahlen und noch in den übrigen, noch kürzeren Wellen, also baue ich dafür Geräte, aber danach, um etwas davon zu erfassen, muss ich [es] von diesen Geräten, die diese Phänomene erfassen, in eine Sprache oder ein Maß oder etwas übertragen, das ich verstehe, das ich sehe, das ich spüre, das ich höre, ja. Und dadurch prüfe ich und messe und notiere und wiederhole all diese Dinge — daraus [besteht] unsere ganze Wissenschaft.
Was passiert uns in der Spiritualität? In der Spiritualität befinden wir uns in einem viel, viel besseren Zustand als in der Körperlichkeit, weil ich in der Spiritualität die Wurzeln erlange, nicht nur Phänomene — ich erlange die Wurzeln der Phänomene, die Ursachen. In der Spiritualität ist es nicht möglich, dass ich etwas spüre, bevor ich dafür ein Gefäß baue. Nur diese Bedingung — dass, wenn du ein Gefäß hast, du innerhalb des Gefäßes etwas spürst, irgendein Phänomen — nur das sagt darüber aus, dass die Kabbala die wahre Wissenschaft ist im Vergleich zu all unseren Dingen. Denn in unserer Welt kann ich etwas spüren — was ist das? Weiß ich nicht. Woher? Weiß ich nicht. Wie das? Weiß ich nicht. Was schon — so spüre ich [es]. In der Spiritualität ist [das] unmöglich; in der Spiritualität, wenn ich dafür nicht zuerst ein Gefäß gebaut habe, sodass ich genau die Ursachen und Folgen kenne, und wie genau ich spüren und messen werde, und welche Schirme ich haben werde, und welchen Zimzum, und welche... im Rosch ich eine Siwug de Hakaa baue mit dem... Das heißt, welches Maß der Aufnahme ich haben werde, und alles, alles, alles — erst danach empfange ich innerhalb des Guf des Parzuf, innerhalb des Gefäßes, empfange ich einen Eindruck, und dann weiß ich genau, was mir passiert.
Deshalb kann man in der Spiritualität nichts im Gefühl erlangen, bevor du es nicht mit dem Verstand, mit der Erkenntnis, mit der Einsicht gemessen hast und zu hundert Prozent von Anfang bis Ende weißt, was es ist, wer Vater und Mutter dieses Zustands sind, woher es kommt, welche Folgen daraus entstehen können, was es selbst ist. Deshalb ist die Kabbala im Vergleich zu allen übrigen Weisheiten von Anfang an, wenn sie sich dem Menschen öffnet, so exakt, dass man das eine nicht mit dem anderen vergleichen kann. Wie viele Phänomene kennen wir in der Medizin, in der Physik, in der Chemie, die wir kennen, aber wir wissen nicht, warum es so ist. Wir wissen nicht einmal, warum die Erde anzieht — ich lasse jetzt das Glas los, es fällt, zerbricht. Warum? So [ist es]. Keiner weiß [es], aber so [ist es]. In der Spiritualität gibt es so etwas nicht. Ohne dass du das Gesetz selbst kennst, seine Ursachen von innen, [ist das] ein Zeichen, dass du kein Gefäß gebaut hast, also spürst du es nicht.
Deshalb ist jede Erlangung in der Spiritualität eine völlig wahre Erlangung, das heißt, sie ist wirklich wissenschaftlich. Deshalb werden auch diese Weisheiten in dieser Welt im Vergleich zur Weisheit der Kabbala die eingebildeten Weisheiten genannt, die Weisheiten dieser Welt. Und nur das nennt man die Weisheit der Kabbala, deshalb nennt man sie die Weisheit der Wahrheit — das ist, weil in Wahrheit die Wahrhaftigkeiten, die Fakten hier wirklich Fakten sind. Und zugleich — das, was wir in der Weisheit der Kabbala nicht erlangen können wegen der Begrenztheit unserer Gefäße, auch das erlangen wir, das heißt: wir erlangen Materie und in Materie gekleidete Form. Abstrakte Form und Essenz erlangen wir nicht. Also ist genau dem Kabbalisten, der die Wirklichkeit erlangt, klar, wo die Grenze ist, die er erlangt, und von dieser Grenze an kann [etwas] nur in der Einbildung kommen, und dafür gibt es keinerlei Beweis und keinerlei wissenschaftliche Grundlage. Das heißt, in jeder einzelnen Sache, in jedem einzelnen Detail ist das dem forschenden Kabbalisten klar, deshalb ist das völlig ohne jeglichen Vergleich mit der gewöhnlichen Wissenschaft in dieser Welt. Ich kenne die Wissenschaft dieser Welt von innen heraus — das ist nicht, man kann es nicht vergleichen.
In dieser Welt sammeln wir Daten, und aus allen möglichen verschiedenen Daten, die wir in der Natur gewinnen, die wir erforschen, versuchen wir, das zu irgendeiner Theorie zusammenzufügen, zu irgendeiner Art allgemeinem Bild. Es kann sein, dass es so ist, es kann sein, dass es anders ist, danach fällt das [zusammen], wir bauen etwas anderes, ja, aus einer Sammlung von Fakten. In der Kabbala gibt es so etwas überhaupt nicht; diese Herangehensweise wird in der Kabbala im Grunde nicht als die wissenschaftliche Herangehensweise bezeichnet, verstehst du? Sondern eine wissenschaftliche Herangehensweise heißt, dass du von innen forschst, aus der Ursache der Dinge heraus, und danach all die Folgen enthüllst, die wir... Und wir hier fangen mit den Folgen an, weil unsere ganze Welt eine Welt der Folgen ist, und die Ursachen befinden sich in der Höheren Welt, also können wir mit unseren Weisheiten sicher nicht anders vorgehen. Nu, lernen wir ein bisschen.
(Ende der Lektion)