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Transkript Morgenunterricht 19.08.2007
Baal HaSulam, Buch „Talmud Esser haSfirot", Band 1, Teil 1, Kapitel 2, Punkt 1 – Unterricht 9
Teil 1 – vom Anfang bis Minute 00:26:47 Dauer: 00:26:47
Teil 2 – von Minute 00:26:47 bis Minute 00:42:59 (Ende) Dauer: 00:16:12
Teil 1
Vorleser: „Talmud Esser haSfirot", Band 1, Teil 1, Kapitel 2, Seite 9, Punkt 1.
Kapitel 2
Erklärt, dass aus dem Licht von Ejn Sof, gesegnet sei Er, eine Linie des Lichts zu den Welten gezogen wurde, die im Ort des Leeren Raums, der eingeschränkt wurde, ausgestrahlt und erschaffen wurden. Und darin sind 5 Themen:
Punkt 1 Ein Kav breitete sich von Ejn Sof zum Raum (Chalal) aus
„1. Nach dem Zimzum (1) verblieb der Ort eines Raums (Chalal) und "Leere Luft" (Awir Rejkani) in der Mitte dieses Or Ejn Sof. Dann gab es einen Ort für die Neezalim, die Niwraim, die Yezurim und die Naasim. Dann (2) breitete sich eine Gerade Linie (Kav Yashar) vom Or Ejn Sof aus, (3) von seinem Runden Licht (Or Agol) (4) von oben nach unten, und hing in diesen Raum hinein."
Vorleser: Noch einmal Punkt 1.
Punkt 1 Ein Kav breitete sich von Ejn Sof zum Raum (Chalal) aus
„1. Nach dem Zimzum (1) verblieb der Ort eines Raums (Chalal) und "Leere Luft" (Awir Rejkani) in der Mitte dieses Or Ejn Sof. Dann gab es einen Ort für die Neezalim, die Niwraim, die Yezurim und die Naasim. Dann (2) breitete sich eine Gerade Linie (Kav Yashar) vom Or Ejn Sof aus, (3) von seinem Runden Licht (Or Agol) (4) von oben nach unten, und hing in diesen Raum hinein."
Vorleser: Die kleine 1 bezieht sich auf „Verblieb der Ort eines Raums – Chalal und Leere Luft (Awir Rejkani) in der Mitte dieses Or Ejn Sof".
Erklärung Or Pnimi zu Punkt 1 „1) Denke nicht, dass der Zimzum des Lichtes im Mittelpunkt irgendwelche Veränderungen in Ejn Sof bewirkt hätte. Es gibt keine Veränderungen oder einen Mangel in der Spiritualität, geschweige denn an einem so erhabenen Ort." 2:29
Das heißt: Das vorherige Bild bleibt für immer bestehen, und es kommt nur etwas hinzu — bei eben dem Geschöpf, das sich im neuen Zustand befindet, in seiner Aufnahme. In seiner Aufnahme, und nicht so, dass der Zustand sich ändert. Es existiert nur ein einziger Zustand in der Wirklichkeit: Bchina Dalet, wo das Geschöpf angefangen hat zu fühlen, dass es ist und dass es sich befindet. Zwei Dinge: Ich — und: Ich befinde mich in etwas, in irgendeinem Zustand. Und den Zustand, in dem es sich befindet, fängt es an zu prüfen.
Der Zustand, den es fühlt, wird jetzt als irgendein Ort beschrieben, als irgendeine Sefira, in der es sich befindet. Es ist nicht so, dass da wirklich etwas wäre; es ist in seiner Wahrnehmung, in seiner Einbildung. So beschreibt sich Malchut de Ejn Sof das Maß ihrer Erregung innerhalb ihrer Kelim. Wer ist außerhalb von ihr? Sie kann es nicht wissen. Was ist außerhalb von ihr? Sie kann es nicht wissen. Was weiß sie? Nur: wie ich fühle. Ja, sozusagen ohne Hände, ohne Beine, ohne Augen, ohne alles. Wie fühle ich? Das ist alles. Und von diesem Gefühl erzählen uns dann die Kabbalisten.
Das heißt, es gibt hier keine Wirklichkeit außerhalb dessen, was Malchut de Ejn Sof fühlt. Und alle weitere Entwicklung ist ausschließlich die Entwicklung ihres Gefühls. Jeder einzelne Zustand von Malchut de Ejn Sof heißt ihre Welt: Welten, Stufen, Sefirot, Parzufim. Sie kann das in viele Dinge unterteilen. Aber insgesamt ist es nur ihr Zustand, ihr Gefühl. Nichts ändert sich außer ihrem inneren Gefühl.
Wir müssen also verstehen: Bis Bchina Dalet wird alles vom Licht erschaffen; mit allem Übrigen, was danach passiert, befasst sich das Licht schon nicht mehr. Bchina Dalet enthüllt in sich die Handlungen, die sich ausschließlich innerhalb ihres Gefühls öffnen und entwickeln. Der Schöpfer hat dieses Gefühl durch die vier Bchinot im Willen zu empfangen gemacht, den Er als Etwas aus Nichts in der Wurzelphase erschaffen hat. Er hat den Willen zu empfangen vom Etwas aus Nichts bis zu Bchina Dalet gebracht, der Wille zu empfangen fing an, sich selbst zu fühlen — und das war's. Jetzt fängt der Wille zu empfangen schon an, sich durch dieses Gefühl zu entwickeln. Jede Bchina also, jedes Bild, jeder weitere Zustand ist ein weiterer Zustand in der Entwicklung des Gefühls.
Ich hoffe, das hilft euch, die materielle, bildhafte Wahrnehmung loszuwerden und sie mehr ins Gefühlsmäßige zu überführen: von der Geometrie zur Zeichnung, von der Zeichnung zum Gefühl. Eine Zeichnung ist gut, um dort viele Worte zu bündeln, aber danach muss man diese Zeichnung in die Sprache des Gefühls übersetzen.
Ja.
6:56 Schüler: Bchina Dalet fühlt — aber in Bezug worauf?
Rav: Bchina Dalet fühlt sich selbst: was ich bin und dass ich fühle — das habe ich gesagt. „Ich" heißt Kli, und „fühlt" heißt das Licht, das im Kli ist, und außer dem gibt es nichts. „Er und Sein Name" — das ist alles. Ja.
Schüler: Aber was ist dieses Kli — ist das etwas Ursprüngliches, etwas, das war? Was ist das für ein Ding, das …
Rav: Dieses Kli nennt man den Fühlenden, ganz einfach: den Fühlenden. Den Fühlenden, der sich entsprechend seinen Verlangen in einer unendlichen Füllung befindet, und entsprechend dem Gefühl, das er jetzt zusätzlich fühlt: Er fühlt, dass er die Erregung, die Ergriffenheit, diese Füllung empfängt. Und das Gefühl des Empfangenden bringt ihm das Gefühl der Scham — so sehr, dass er auf die Füllung verzichtet, sie einschränkt.
Denn das Gefühl des Empfangenden bringt ihm anstelle des Genusses Leiden², und zwar Leiden, die größer sind als das Gefühl der Füllung, als das Gefühl des Genusses aus der Füllung. Und dann macht er einen Zimzum und entscheidet, dass er nie mehr in einen solchen Zustand zurückkehrt — so schrecklich ist das.
Bitte.
8:35 „Der oben genannte Zimzum wurde als neue Essenz zu Ejn Sof hinzugefügt. So verblieb Ejn Sof in einfacher Einheit wie vor dem Zimzum gemäß: Er und Sein Name sind Eins.
Der Zimzum im Mittelpunkt wird als Entstehung einer neuen Welt angesehen, aus der das Licht sich zurückgezogen hat und den Ort eines leeren Raumes zurückließ, wie wir es oben erklärten. Und in diesem Ort des Raumes, emanierten alle Welten." Weiter.
9:29 Vorleser: Die kleine 2 bezieht sich auf die Worte „Breitete sich eine Gerade Linie (Kav Yashar) vom Or Ejn Sof aus".
Rav: Ich sehe, dass niemand fragt. Das heißt: Es gab das Gefühl, voll zu sein, und in dieses Gefühl, dass ich voll bin, mischte sich das Gefühl, dass ich der Empfangende bin. Dieses Gefühl, dass ich der Empfangende bin — so wie in unserem Leben, sagen wir. Wir haben keine Möglichkeit, es so zu beschreiben, wie es auf der Höhe von Ejn Sof ist; wer weiß, was man in einem solchen Zustand fühlt. Für unseren Fall, in unserem Zustand: Dieses Gefühl, dass ich der Empfangende bin, neutralisiert mir alles Gute an der Füllung, so sehr, dass ich diesen Zustand hasse und fähig bin, mich von ihm zu entfernen.
Was heißt, ich entferne mich von ihm? Ich fühle nicht, dass ich empfange, ich fühle nicht, dass ich voll bin, ich will es nicht. Das heißt, dass ich es nicht habe. Ganz einfach. Wenn ich den Zustand hasse, existiert der Zustand nicht. Das ist nicht wie im Materiellen, wo es sein kann, dass ich etwas hasse und es trotzdem mit mir zusammen da ist, weil es hier eine Wirklichkeit gibt, Ort, Zeit und Bewegung. In der Spiritualität gibt es so etwas nicht: Wenn ich etwas hasse, ist es nicht in meinem Sichtfeld, es wird wirklich nicht gefühlt.
Und umgekehrt: Was ich liebe, ist mir nahe, im Maß der Liebe — denn die Angleichung der Form ist das Gesetz von Annäherung und Entfernung in der Spiritualität. Daraus folgt: In dem Maß, in dem der Mensch sich so verhält, verhält er sich spirituell. Als Malchut de Ejn Sof also fühlte, dass sie ihre Eigenschaft des Empfangens hasst, den Zustand, dass sie empfängt, hörte sie sofort auf zu fühlen, dass sie die Empfangende ist. Und sie entscheidet: Mehr als das — in den Zustand des Empfangens kehre ich nie wieder zurück. Das ist alles. Alles richtet sich nach dem Gefühl und nach der Entscheidung, nach Hass oder Liebe zum Zustand des Geschöpfs. Und so wird ein Zimzum gemacht.
Das heißt, sie fühlt sich jetzt so: Ich bin leer, ich habe keine Füllung; und da ich keine Füllung habe, empfange ich nicht, weil ich mich durch meinen eigenen Willen von der Füllung befreit habe. Also fühle ich, dass ich überhaupt nicht empfange, dass ich keinerlei Beziehung zum Empfangen habe und zu der Scham, die daraus entspringt. Fühle ich den Hausherrn? Ich fühle ihn — das stört mich nicht, denn ich will nur nicht von ihm empfangen. Das war's. 12:31
Bin ich Ihm näher oder ferner, wenn ich festlege, dass ich im Zimzum bin? Wenn ich im Zimzum festlege, dass ich den Zimzum mache, weil es mir schlecht geht, dann bin ich weiter vom Hausherrn entfernt, vom Schöpfer, weil ich es aus dem Grund tue, dass es mir schlecht geht. Wenn ich den Zimzum aus dem Grund mache, dass es mir schlecht geht, weil ich von Ihm entfernt bin, dann nähere ich mich Ihm dadurch an. Das heißt, es hängt davon ab, was der Zimzum ist. Entweder will ich vom Hausherrn, bei dem ich bin, nicht empfangen, weil das Scham ist — ich will keine Scham fühlen.
Wieso soll Er sich als der Hausherr fühlen, der mich bewirtet, und ich empfange von Ihm, als hätte ich das zu Hause nicht? Nein, will ich nicht. Ich will nicht der Empfangende sein, der niedriger ist als Er. Dann heißt das, dass ich mich von Ihm entferne. Ja? Weder zu Seinem Nutzen noch zu meinem. Das Ego feiert hier, mein Ego. Wenn ich Ihm aber ähnlich werden will, wenn ich Ihn um Seinen Zustand beneide, wenn ich diesen Zustand will, dann achte ich Seinen Zustand, Seine Größe, den Gebenden.
Deswegen also mache ich den Zimzum, und nicht deshalb, weil es mir schlecht geht, der Empfangende zu sein. Dass es mir schlecht geht, der Empfangende zu sein — damit bin ich sogar bereit einverstanden zu sein, obwohl das ein schreckliches Gefühl ist. Zwar erniedrigt es mich und nimmt mir alles und nimmt mir jeden Verstand und jedes Gefühl. Das ist so, wie wir später im Glauben über dem Verstand aufsteigen — dann verzichte ich darauf. Sondern ich mache es nur, um mich mit dem Hausherrn zu verbinden.
Das heißt, in diesem Zimzum denke ich überhaupt nicht an das schlechte Gefühl, an die schreckliche Scham darüber, dass ich empfange, denn das ist die egoistische Rechnung, die sich nur darum sorgt, sich gut zu fühlen. Dann heißt es von Malchut de Ejn Sof: „Es stieg in Seinem einfachen Willen auf, die Welten zu erschaffen und die Ausgestrahlten auszustrahlen", und so weiter. Der Wille stieg auf. Da steckt vieles drin — gehen wir ein Stück weiter und schauen wir.
15:22 Vorleser: Die kleine 2 bezieht sich oben auf „Und dann 2 Breitete sich eine Gerade Linie (Kav Yashar) vom Or Ejn Sof aus".
„2) Wir müssen diese Handlung nicht in ihrer oberflächlichen Bedeutung erkennen, wie eine menschliche Handlung, wo jemand eine Sache tut und dann eine andere, wobei die erste bereits beendet ist. Es gibt keine größere Formwerdung als diese, denn Er verändert sich nicht.
Es steht geschrieben: Ich, der Ewige, verändere Mich nicht. Wir sprechen nicht über Sein Wesen (Azmut), sondern nur über das Licht, das aus Ihm austritt. Da es keinerlei Veränderung, Ereignis oder Bewegung in Seinem Wesen gibt und Er sich in völliger und absoluter Ruhe befindet, muss auch das Licht so sein, das aus Ihm austritt – solange es nicht das Geschöpf erreicht, das heißt solange es sich nicht in die Kelim einkleidet.
Erst dann verlässt es Sein Wesen und wird zu einem Geschöpf, welches erneuert wird und von Ihm empfängt. Wir haben bereits erklärt, dass diese Erneuerung sich hauptsächlich um das Kli des Geschöpfes dreht, das heißt um den Willen zu empfangen des Geschöpfes. Obwohl dieser Wille spirituell ist, handelt es sich trotzdem um eine Erneuerung der Form und ein „Ereignis“, da er in Seinem Wesen nicht notwendig war.
Das Licht, das sich einkleidet, wurde nicht erneuert, da es aus Seinem Wesen austritt, als Existenz aus Existenz. Die Aktivierung des Höheren Lichts entspricht der Eigenschaft des Kli. Das heißt, so wie das Kli von dem Höheren Licht beeindruckt ist, so empfängt es eine Erneuerung, was notwendigerweise einem „Ereignis“ gleicht.
Man muss wissen, dass alle Neuerungen und Verknüpfungen der Stufen nur den Einfluss auf das Kli und seinen Empfang des Lichts betreffen. Denn nur das kann sich verändern und vergrößern. Das Licht selbst aber bleibt immer in völliger Ruhe, da es aus Seinem Wesen austritt. Verstehe das gut und erinnere Dich an jedes einzelne Wort, solange Du diese Weisheit studierst." 18:29
Das Licht ist in absoluter Ruhe, das heißt: Von Seiten des Lichts gibt es keine Handlungen. Das Licht hat seine Handlung schon getan, in der Erschaffung des Willens zu empfangen als „Etwas aus Nichts"; mehr als das hat es nichts zu tun. Es hat am Willen zu empfangen nur eine einzige Sache bewirkt: Der Wille zu empfangen ist in seiner Eigenschaft dem Licht entgegengesetzt — er, zu empfangen, und das Licht, zu geben. Und alles, was weiter passiert, geschieht ausschließlich in der Entwicklung des Willens zu empfangen.
Es gab nur eine einzige Handlung, das Entstehen von Etwas aus Nichts. Wir haben darüber gesprochen, was „aus Nichts" bedeutet, ja? Dass auch das aus dem Geschöpf heraus ist, bei dem die Sache des Willens anfing, sich zu klären. Und es ist nicht die Rede davon, ob vorher etwas war oder nicht war; die Rede ist vom Willen, der entstanden ist. Nicht so, dass es gar nichts, nichts, nichts gab und plötzlich in irgendeinem Leeren Raum „pim" — und es entstand irgendein Wille und fing an, sich zu entwickeln. Sondern wir sprechen vom Entstehen des Willens aus dem Nichts, der noch nicht ganz, ganz als Geschöpf gefühlt wird.
Sagen wir, so wie bei mir: Jetzt habe ich überhaupt keinen Wunsch; in einem Moment, sagen wir, fange ich an zu fühlen, dass ich trinken will. Ist das aus dem Nichts oder nicht aus dem Nichts? Mir gegenüber ist es aus dem Nichts; dem Licht gegenüber ist es sicher nicht aus dem Nichts, bei ihm ist es überhaupt nicht wichtig, was ja und was nicht. Es wird in Bezug auf den Willen gesprochen: Der Wille zu empfangen ist Etwas aus Nichts, und danach entwickelt er sich. Von Seiten des Lichts, von Seiten des Schöpfers, gibt es keine weitere Handlung außer dieser einen. Und alle Handlungen danach, in denen der Wille zu empfangen sich in den vier Bchinot des Direkten Lichts entwickelt — er entwickelt sich durch eben jenes Licht, das ihn aus dem Nichts herausgebracht hat, bis er anfängt, sich selbst zu fühlen, und daraus schon anfängt, eine Reaktion zu geben.
Wenn er in Bchina 1, 2, 3, 4, bis er aus Bchina Dalet hervorgeht, eine unbewusste Reaktion gibt, dann sagen wir: Das sind die vier Bchinot des Direkten Lichts, weil er noch nicht im Bewusstsein ist, sondern in der Entwicklung, die dem vorausgeht. Dann ist es sicher, dass er sich so verhalten wird, so verhalten wird — er fühlt nicht von sich aus, dass er es ist, der sich verhält. Anders von Bchina Dalet an: Da fühlt er das „Ich fühle, ich verhalte mich". Und deshalb sagen wir, dass Bchina Dalet das erste Geschöpf ist.
Ja.
21:57 Schüler: Gershon aus Jerusalem fragt: Wenn das Licht in absoluter Ruhe ist, wie hat es dann überhaupt die Wirklichkeit erschaffen?
Rav: Die absolute Ruhe des Lichts bezieht sich nicht auf die Handlungen des Lichts, sondern auf das Fehlen von Veränderung in seinen Handlungen. Wir haben ein Problem damit, diese Definitionen zu erfassen.
Ich verhalte mich zu dir: mal schlage ich dich, mal streichle ich, mal umarme ich, mal schreie und fluche ich. Gibt es eine Veränderung oder gibt es keine? Wenn es eine einzige Absicht ist, heißt das, es gibt keine Veränderung. Warum mache ich dann all diese völlig, völlig unterschiedlichen Einwirkungen³ auf dich? Entsprechend dir, entsprechend dem, wer du bist und in welchem Zustand du bist — aber ich meinerseits verändere überhaupt nichts. Wie, du veränderst nichts? Gestern warst du so schön und heute bist du so schlecht — das bist du, der gestern schön war und heute schlecht, und nicht ich. Ich verhalte mich dir gegenüber entsprechend; oder richtiger: Entsprechend siehst du mich so handeln. „Wer andere abwertet, wertet sie mit seinem eigenen Makel ab."[^1]
Verständlich? Hat er noch etwas? Ja.
23:35 Schüler: Eine andere Frage von einem anderen Zuschauer, Daniel aus Cholon; er sagt Folgendes: Zuerst wurde Bchina Dalet erschaffen und danach die Seele — was fühlt also, der Stoff oder die Seele?
Rav: Von einer Seele ist noch nicht die Rede. „Neshama" ist etwas, das schon völlig vom Schöpfer getrennt ist, „ein Teil Gottes von Oben"⁴[^2] — davon ist hier noch nicht die Rede. Ich bitte darum, hier keine Definitionen einzuführen, die er nicht gibt, und sich nicht selbst zu verwirren, als wüsste man schon, wovon die Rede ist. Hier steht kein Wort über die Seele, also soll man das nicht hineinbringen.
Nu, Winz.
Schüler (Russisch): (keine Übersetzung)
Rav: Kann man sagen, dass „Etwas aus Nichts" ein Wille ist, der den Schöpfer nicht fühlt? Sicher fühlt er den Schöpfer nicht.
Er hat ein doppeltes Problem: Er ist Litauer, also kann er kein Russisch; ich muss zuerst aus dem Litauischen ins Russische übersetzen und aus dem Russischen ins Hebräische, und dann anfangen zu antworten.
Nein. Dieser Punkt, „Etwas aus Nichts", fühlt nicht das … Er fühlt noch nicht sich selbst, sein eigenes Selbst. Das ist noch der Wille zu empfangen vor seinem Bewusstsein. Er ist noch innen, steigt sozusagen, steigt, steigt zum Bewusstsein auf. Man fühlt das zum Beispiel bei Säuglingen. Sie verstehen nicht, was sie wollen. Er hat kein Bewusstsein davon, was er will. Er will. Bei ihm ist der Wille … er ist einfach. Er will einfach.
Deshalb lieben wir kleine Kinder, denn bei ihm gibt es keine vielen Berechnungen. Alles drückt er direkt aus. Und deshalb ist es für uns niedlich, denn hier gibt es kein Ego. Es ist die Natur, die wirkt. Das Ego fängt dann an, wenn er anfängt, so listig zu werden: „Wie nutze ich die anderen aus, um das von ihnen zu bekommen, damit ich über sie herrsche?" Dann fängt das Ego schon an. Dann wird der Mensch schon verdorben. Aber davor, wo er einfach will: Er kommt zu dir und nimmt. Du wirst nicht wütend auf ihn. Warum? Weil der natürliche Wille wirkt. Das ist noch nicht der Mensch selbst, das ist die Natur in ihm.
Nu, machen wir noch ein Stück weiter.
Bis Minute 00:26:47
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