Tägliche Lektion12 ago 2026(Morning)

Part 1 Rabash. Man sollte immer alles verkaufen, das man hat, und die Tochter eines weisen Schülers heiraten. 14 (1984)

Rabash. Man sollte immer alles verkaufen, das man hat, und die Tochter eines weisen Schülers heiraten. 14 (1984)

12 ago 2026

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Morgenunterricht 05.08.2002

Buch „Schriften des Rabash", Band 1, S. 34, „Man sollte immer alles verkaufen, das man hat, und die Tochter eines weisen Schülers heiraten"

Rav: „Man sollte immer alles verkaufen, das man hat, und die Tochter eines weisen Schülers (Talmid Chacham) heiraten" „Talmid Chacham" – so wird der Schöpfer genannt. „Tochter eines Talmid Chacham" – so heißt das Kli eines Talmid Chacham, also “um zu geben”. Um die Tochter eines Talmid Chacham wirklich zu erwerben – zu erwerben deshalb, weil die Frau erworben wird, das Kli erwirbt man –, muss man tatsächlich alles verkaufen, was man hat. Das heißt: im Austausch gegen alle Wünsche, gegen die Wünsche nach allen anderen Füllungen. Wenn er nur jenen Willen will, den der Schöpfer hat, dann wird er ihn bekommen; sonst nicht.

Unser ganzer Weg besteht darin, dass wir nach und nach wirklich alle unsere Wünsche gegen ein einziges Verlangen eintauschen. Und dieses Verlangen bündeln wir aus allen übrigen Wünschen, die ihm gegenüberstehen, zum allergrößten Verlangen – und dann kommt man von der Tochter des Talmid Chacham zum Chacham selbst.

Gibt es Fragen? Bitte.

Schüler:

Rav: Ja, er spricht davon, dass es durch die Segula von Tora und Mizwot – bei dem, der dahin kommt, religiös zu werden, sagt er – dann schlechter wird. Er meint damit klar nicht den, der umkehrt und zum Zaddik wird, sondern den, der dahin kommt, religiös zu werden. „Religiös" heißt: Er will zur Mittleren Linie kommen, zu Daat, Tiferet, Jessod, und arbeitet daran. Das heißt, er bemüht sich, über dem Verstand zu gehen, obwohl der Körper ihm sagt, dieser Weg sei ein Weg ohne Erfolg, ein unklarer Weg, auf dem du immer schlechter wirst, immer schlimmer.

Und trotzdem will er religiös sein, also zu Daat, Tiferet, Jessod kommen. Das ist der Weg: Awiut Shoresh, Alef und Bet – er erwirbt jedes Mal mehr und mehr Gefäße des Empfangens, unterwirft sie und geht trotzdem über sie hinaus. Dann fühlt er, dass es tatsächlich jedes Mal schlimmer wird, denn seine Awiut enthüllt sich immer mehr. Und all diese Wünsche, die dann in ihm stärker werden, muss er gegen ein einziges Verlangen eintauschen – gegen die Tochter des Talmid Chacham.

Ja, Lior, wolltest du etwas?

Schüler:

Rav: Das war's? Ja.

3:07 Schüler: Er sagt „die wie ein Hund schreien" – dass man sowohl diese Welt als auch die Kommende Welt will.

Rav: Alle Zustände, die hier für uns geschrieben stehen, müssen wir durchlaufen – auch wenn dort steht, Gott behüte, dass ein Mensch dorthin kommt und dass dort völlig Böse sind und so weiter. Es gibt keinen einzigen Zustand, den ein Mensch auf dem Weg zum Ziel nicht durchläuft. Denn der Schöpfer hat alles in einem einzigen Kli erschaffen, und jedes Kli schließt alle Wünsche ein. Es gibt keinen Zustand, der einen Menschen auslässt – egal, welchen Charakter er hat, egal, was seine ursprüngliche Natur ist, egal, aus welchem Teil von Adam haRishon seine Seele stammt: Er muss trotzdem durch alle Hindernisse hindurch.

Sicher macht das jeder ein wenig in seinem eigenen Stil, aber trotzdem muss jeder durch all diese Wünsche hindurch – auch durch „Diejenigen, die wie ein Hund schreien: „Gib uns Reichtum dieser Welt, und gib uns Reichtum der kommenden Welt“”. Dass dieses Verlangen schon auf diese Welt und auf die Kommende Welt geht, ist schon gut; und danach kommt er dahin, dass er nur die Kommende Welt will – und auch das ist buchstäblich eine Klipa.

Manchmal sagt er es so: „Diese Welt" bedeutet “um zu empfangen”, und „die Kommende Welt" bedeutet “um zu geben”. Wenn er aber von den Hunden spricht, dann sagt er, dass man auch die Kommende Welt “um zu empfangen” will – und das sind schon Klipot. Man muss nach dem Zusammenhang sehen, wovon genau die Rede ist, denn die Sprache ist so: Dasselbe Wort wird an mehreren Stellen für einen anderen Inhalt gebraucht.

Aber ohne Zweifel: Wer den Weg hinaufgeht, wer anfängt, sich mit der Arbeit des Schöpfers zu beschäftigen … Die Menschen verstehen nicht, dass die Arbeit des Schöpfers Kabbala ist. Überall spricht man von der Arbeit des Schöpfers. Geh in irgendeine Jeschiwa, in irgendein Kollel, sprich mit einem Religiösen oder auch mit einem Säkularen – egal: Alle wissen, dass ein religiöser Mensch sich mit der Arbeit des Schöpfers beschäftigt. Und was ist die Arbeit des Schöpfers? Das weiß keiner. Gemeint ist: Tag für Tag Tora und Mizwot erfüllen, so, und das war's.

Keiner versteht, dass die Arbeit des Schöpfers in Wahrheit Kabbala ist. Über die Kabbala denkt man gerade, sie sei ein Luxus; damit beschäftigten sich vielleicht Leute, die nicht anders können, die etwas anders verstehen, bei denen etwas so ein bisschen … die in irgendetwas ein bisschen verdorben sind, kurz gesagt: nicht normal. 6:04

Dabei ist die wahre Arbeit des Schöpfers – das, was rein die Arbeit des Schöpfers ist – die Kabbala. Wer dem Schöpfer dienen will, also erfüllen will, was der Schöpfer will, der kommt nach und nach dahin, dass er erfüllt, was der Schöpfer will, dass er dem Schöpfer nach…, ja?

Schüler: Nachläuft.

Rav: Nicht nachlaufen – wiederholen: dass ich sehe, was der Schöpfer tut, und es nachahme. Besser: nachahmt, ja. Baal HaSulam sagt in einem Artikel – ich weiß nicht mehr, in welchem der Artikel –, dass die Arbeit des Menschen ein Sich-klug-Machen nach der Schöpfung ist.

Schüler: Ein Nachspüren.

Rav: „Nachspüren" heißt es, dass man nachahmt, ja, dass man es wiederholt?

Schüler: Ja.

Rav: Ein Nachspüren der Schöpfung. Und auf dem Weg, auf dem er so den Taten des Schöpfers nachgeht, kommt er zu … oh: „Das Studium der Verständigen an der Schöpfung ist im ersten Begriff bestimmt als ein Nachspüren des Werkes des Schöpfers."

7:37 Schüler: Auf welcher Seite steht das?

Rav: Das ist in „Pri Chacham", „Sod haIbur – Leida", Seite 199. „Pri Chacham – Artikel", 198, „Sod haIbur – Leida", „Das Allgemeine und das Besondere". Er sagt also:

„Das Studium der Verständigen an der Schöpfung" – wer wirklich weise werden will in der Schöpfung, wer Weisheit erwerben will, die Weisheit der Kabbala, überhaupt Weisheit – „ist im ersten Begriff bestimmt als ein Nachspüren des Werkes des Schöpfers. Das Werk des Schöpfers nennt man ‚Lenkung' oder die Natur der Schöpfung."

Und dass wir hingehen und Ihn nachahmen, das heißt, dass wir Diener des Schöpfers sind. Das ist es, was heißt: „Erkenne den Schöpfer, deinen Gott, und diene Ihm."¹ Wir lernen, wie Er in der Schöpfung wirkt, wie Er lenkt, wie Er alles führt – und wir übernehmen von Ihm dieses ganze System von Führung und Lenkung und werden an Seiner Stelle zu Herrschern über uns selbst. Denn außer uns, außer unserem Willen – worüber lenkt Er denn, woran wirkt Er? Was ist die Schöpfung? Die Schöpfung sind wir, „etwas aus nichts".

Wir lernen also nach und nach, wie Er durch die Aufstiege und Abstiege und durch alles, was Er tut, auf uns einwirkt, und wir wollen an Seiner Stelle Hausherren über uns selbst sein. Soweit wir das können, erwerben wir einen Massach und werden so. Das ist die Sache der Arbeit des Schöpfers, mehr gibt es da nicht. Wer meint, es gäbe etwas anderes, ist einfach nicht im Bilde.

Die ganze Welt aber denkt, die Arbeit des Schöpfers sei das, womit sie sich beschäftigt: Da lernt man ein bisschen, da macht man ein bisschen praktische Mizwot. Ich verwerfe diese Dinge nicht, Gott behüte. Aber die Arbeit des Schöpfers heißt, den Schöpfer nachzuahmen und zu handeln wie Er. Ja, das nennt man das Verhältnis des Sohnes zum Vater: „Söhne seid ihr dem Herrn, eurem Gott."¹

10:01 Schüler: Warum wollen, wie Er zu sein – Er wirkt doch auf uns …

Rav: So wie ein Sohn dich anschaut und es nachmacht, wie ein Affe, ja? Er wiederholt es, das war's. Später wird er größer, dann macht er es mit Verstand. So ist im Grunde auch unser Weg: Am Anfang machen wir es ohne Verständnis – das heißt Ibur, wo wir uns nur annullieren. Danach Yenika: Da bringen wir mehr Verlangen und mehr Verständnis hinein. Danach Gadlut, Mochin.

Der Schöpfer will, dass wir Ihm vollkommen, vollkommen ähnlich werden. Unsere Ähnlichkeit mit Ihm besteht darin, dass wir einen Massach über den Willen zu empfangen erwerben; dann werden wir zur Nukwa Ihm gegenüber und stehen mit Ihm im Siwug de lo pasik, Panim be Panim. Das heißt, dass wir zur vollen Arbeit des Schöpfers gekommen sind. Wenn wir uns korrigieren und in einen solchen Zustand kommen, dass wir genau wie Er sind, Ihm gegenüber, dann fangen wir dort schon an, auf andere Weise zu arbeiten – nach dem Ende der Korrektur. Das ist „Trej Tora"²; irgendwann werden wir wissen, was das ist.

Dafür aber machen wir das alles. Das Ziel ist nicht, zum Ende der Korrektur zu kommen; das Ziel ist, zum Ende der Korrektur zu kommen, um von dort an gemeinsam weiter aufzublühen. Was ich aber sagen will: Das ist die Arbeit des Schöpfers. Wer denkt, die Arbeit des Schöpfers bestehe einfach darin, irgendwelche materiellen Handlungen zu machen – dazu schreibt Baal HaSulam: „Dem Heiligen, gesegnet sei Er, ist es nicht wichtig, ob man ein Tier vom Nacken oder von der Kehle her schächtet, und die Mizwot wurden nur gegeben, um Israel durch sie zu läutern"³, und „eine Mizwa ohne Absicht ist wie ein Körper ohne Seele", und so weiter.

Die ganze Arbeit des Schöpfers ist die Absicht. Und die Absicht ist letztlich ein Mittel. Sie ist insgesamt nur ein Mittel, um den Schöpfer zu … zu wiederholen?

Schüler: Nachzuahmen.

Rav: Um den Schöpfer nachzuahmen. Ja.

12:35 Schüler: Warum … Talmid Chacham? Denn wir sehen, dass das, was wir suchen, nicht weit vom Ende der Korrektur entfernt ist; ich hätte erwartet …

Rav: „Chacham", der Weise, ist der Heilige, gesegnet sei Er, ja? Das ist es. Und wer Seine Weisheit lernt, heißt „Schüler eines Weisen", Talmid Chacham. Das Kli dafür, das Verlangen danach, heißt „Tochter eines Talmid Chacham". Wir haben einen Willen zu empfangen: In korrigierter Form heißt dieser Wille zu empfangen „Mann", in unkorrigierter Form heißt er „Frau". Es gibt hier alle möglichen Bezeichnungen. Dadurch also, dass man die Tochter eines Talmid Chacham heiratet, erwirbt man einen Willen zu empfangen und korrigiert ihn auf „um zu geben" – man will durch ihn dahin kommen, ein Talmid Chacham zu sein. Dann kommt man zur Arbeit des Schöpfers, zur Ähnlichkeit mit dem Schöpfer.

Schüler:

Rav: Nein, jedes Kli ist ein Wille zu empfangen … Du hast recht, dass am Ende alle Wünsche in korrigierter Form zu den richtigen Kelim werden. Aber auf dem Weg der Korrektur ist das nicht so. Auf dem Weg der Korrektur gibt es viele Wünsche, die der Mensch verbergen muss: nicht mit ihnen arbeiten, sondern sie nur filtern und nur mit einigen arbeiten – je nachdem, was er auf „um zu geben" ausrichten kann, für die Arbeit des Schöpfers.

Was wollte Zion?

Schüler:

Rav: In Ordnung. Ja.

15:01 Schüler: In welchem Stadium fängt das an, was er hier sagt – dass sie, bevor sie religiös wurden, einen materiellen Willen zu empfangen hatten?

Rav: „Bevor sie religiös wurden, entstand in ihnen ein materieller Wille zu empfangen" – gemeint ist die Zeit, bevor der Mensch anfängt, sich zu korrigieren, wenn er schon in der Mittleren Linie geht, Daat, Tiferet, Jessod. Vorher hatte er einen Willen zu empfangen, der nur auf ihn selbst gerichtet war, ausgerichtet auf „um zu empfangen". Sobald er in die Arbeit mit „um zu geben" eintritt, ordnet er ihn so, dass er mit dem Massach auf „um zu geben" ausgerichtet ist – und das nennt man „religiös".

Dann beginnt schon eine andere Arbeit: Er filtert seine Wünsche, er nimmt von den Wünschen die richtigen, mit denen er arbeiten kann. Denn es gibt Wünsche, mit denen man überhaupt nicht arbeiten kann, bei denen es Gebot ist, nicht mit ihnen zu arbeiten – die „Mizwot lo taase", die Verbote, was man im Lew haEwen so nennt. Er nimmt solche Wünsche, mit denen er arbeiten darf und arbeiten kann – in welchem Maß er dazu fähig ist, wie er es kann, in welcher Mischung zwischen ihnen –, und fängt an, sie zu ordnen und auf „um zu geben" auszurichten. Daraus baut er die Mittlere Linie in sich.

Schüler: Aber von welchen Handlungen des Gebens spricht er – dass er, bevor er religiös wurde und einen materiellen Willen zu empfangen hatte, mehr Kraft für Handlungen des Gebens hatte? Für welche Handlungen des Gebens bekommt er Kraft …?

Rav: Wenn sich der Wille zu empfangen dem Menschen auf die gewöhnliche Weise enthüllt, wie bei jedem Menschen auf der Straße, dann sieht er: In einem Teil seines Willens zu empfangen kann er empfangen, in einem anderen Teil kann er geben. Was heißt das? Es gibt Dinge, an denen ich Genuss habe, wenn ich gebe – sprich mit irgendjemandem auf der Straße. Und es gibt Dinge, an denen ich Genuss habe, wenn ich empfange. Bei jedem Einzelnen ist das in anderer Mischung, und danach können wir sagen: Der ist ein schlechter Mensch und der ein guter, der ist schön in seinen Taten und der nicht so hässlich.

Aber alle seine Wünsche – die des Gebens wie die des Empfangens – sind zum eigenen Nutzen. Sobald er anfängt, sich mit dem wirklich wahren Geben zu vergleichen, also mit einem Geben ganz ohne eigenen Nutzen, gibt es schon eine völlig andere Prüfung: Da erscheinen ihm zunächst einmal die Handlungen des Empfangens wie die Handlungen des Gebens gleich – alle sind sie um zu empfangen, und alle sind untauglich. Dann sieht er sich doppelt als schlecht. Vorher dachte er, empfangen sei normal und natürlich; jetzt entdeckt er, dass es schlecht ist. Und vorher, wenn er gegeben und von sich gedacht hat, er tue schöne und gute Dinge, hatte er eine Rechtfertigung, hatte er Selbstwert; es schien ihm: nu, ein Mensch, wir haben Genuss daran, wir haben Selbstwertgefühl, wir haben Stolz, wir haben alle möglichen Dinge. 18:36

Selbst der niederträchtigste, schrecklichste Mensch – egal – hat diese Dinge; er denkt, er trage etwas bei, er gebe etwas. Auch das enthüllt sich ihm jetzt: Was er vorher für sein Geben hielt, für das Menschliche in sich, das sieht er jetzt ebenfalls als „um zu empfangen" – und so wird es doppelt schlecht. Aus diesem Gefühl heraus – dass alle meine Taten schlecht und grauenhaft sind und dass es noch schlimmer ist, wenn ich jemandem geben will – gerät er wirklich in Verzweiflung.

Aber darüber hinaus: Neben dem, dass sich ihm an seinen früheren Taten – des Gebens wie des Empfangens – enthüllt, dass alles um zu empfangen ist, enthüllen sich ihm auch größere Wünsche. Plötzlich sieht er, dass ihm alles gleichgültig ist: Sollen sie seine Kinder auffressen, soll die ganze Welt zerstört werden, soll geschehen, was will – egal. Er sieht plötzlich, dass sein Ego so sehr in sich verschlossen ist, dass er außerhalb der Grenzen seines Körpers nichts in Rechnung stellt, bis ins letzte Detail. Danach zeigt ihm der Wille zu empfangen noch ein weiteres Bild: dass ihm nicht nur alles außerhalb seines Körpers gleichgültig ist, sondern auch das, was in einem Augenblick sein wird.

In einem Augenblick – auch wenn ich im nächsten Augenblick nicht mehr existiere, verbrenne, was auch immer: Bis zum nächsten Augenblick lebe ich? Das genügt. Das heißt, der Wille zu empfangen zieht sich so sehr auf einen einzigen Punkt in der Gegenwart und in sich selbst zusammen, dass das buchstäblich seine Grenze ist – ein Punkt. Eine Grenze in der Zeit, auf der Zeitachse, und ebenso eine Grenze im Raum; sozusagen, es gibt nichts.

Und wenn der Mensch das entdeckt, dann sieht er: Der Wille zu empfangen muss sich nicht als etwas Großes enthüllen; er enthüllt sich als groß darin, dass er ganz in sich selbst hineingezogen ist, verstehst du? Bis zum Ende. Und außer dem ist ihm nichts wichtig. Das nennt man „groß": groß in dieser schrecklichen Qualität, so introvertiert, in sich hinein.

Dann kommt der Mensch wirklich in einen Zustand, in dem er nicht versteht, wie man das loswerden kann. Es geht ihm sehr schlecht damit. Warum? Weil es nicht schlimm wäre, wenn er das einfach so entdeckt hätte: „Nun, ich bin eben so." Wir sehen ja, dass viele Menschen furchtbare Dinge in der Welt tun und sich dabei sogar noch stärker an sich selbst kleben⁴ als die, die angeblich gute Dinge tun.

Das Problem ist aber: Wer religiös werden will, also die Mittlere Linie erwerben und in Daat, Tiferet, Jessod arbeiten will, der sieht sich selbst als schlecht gegenüber dem Or Makif. Da hat er schon eine doppelte Persönlichkeitsspaltung. Es ist nicht so, dass er sich einfach als schlecht sieht – dann sähe er das Böse gar nicht. Hier sieht er sich gegenüber dem Or Makif, und dieses schreckliche Gefühl kommt bei ihm noch dazu. 22:29

Wer bin ich denn gegenüber einem wirklichen Maßstab, und das sind die Eigenschaften des Lichts? Da dreht er einfach durch. Diese Momente sind sehr … man kennt das, ja? Wie saftig sie sind. Und das ist der Anfang der Erkenntnis des Bösen. Sicher ist es noch nicht die eigentliche Erkenntnis des Bösen, denn die Erkenntnis des Bösen ist gegenüber dem Schöpfer. Hier sieht er sich einfach gegenüber dem Or Makif ein wenig als schlecht. Gegenüber anderen, gegenüber irgendeiner Gestalt, von der er denkt, so gut müsste es sein. Es ist noch nicht: Wie viel Schlechtes tue ich dem Schöpfer an. Noch nicht Ihm gegenüber – über sich selbst denkt er so. Das heißt: Lass ihn sich korrigieren, lass ihn sich beruhigen, dann wird alles in Ordnung sein. Aber es ist schon ein Anfang: Er sieht sich jedes Mal schlechter.

Das ist ein Zeichen, dass er wirklich auf die Mittlere Linie zugeht. Sicher ist er verzweifelt und kraftlos, verflucht alles, und auch dieser Weg scheint ihm nicht gut werden zu können, weil er sich die ganze Zeit als schlecht sieht. Aber genau hier muss man schon ein Schutzsystem bauen – erstens, damit er nicht weglaufen kann, und zweitens, damit es ihn vorwärtszieht.

So wie wir es bei uns in dieser Welt sehen: Ein Mensch ist krank – auf einen Kranken im Krankenhaus kommen drei oder vier Leute, die sich um ihn kümmern. Es gibt dort eine Küche, so groß wie das ganze Krankenhaus, es gibt Lager mit allen möglichen Medikamenten, eine Blutbank, eine Medikamentenbank, Operationssäle und alle möglichen Untersuchungsräume, Geräte, alles. 24:45

Was? Schau dich um: Ein Krankenhaus für hundert Kranke braucht, sagen wir, fünfhundert Leute, die für sie arbeiten. So ist das. Und wenn er dann gesund wird, braucht er überhaupt keine Unterstützung. So ist es auch bei uns. Wir müssen so eine Gemeinschaft bauen – und jetzt, wo wir über den Aufbau der Gemeinschaft sprechen: dass es in ihr solche Systeme gibt, die sich wirklich um die Menschen kümmern, die manchmal krank werden, und das wird jeder von uns ab und zu. Dass es sofort solche Hilfssysteme gibt, die sich um ihn kümmern, ihn stützen, alles Mögliche mit ihm machen.

Ich erinnere mich, es gab Zeiten, da konnte ich mich nicht rühren. Einkaufen zu gehen, auch nur zum Lebensmittelladen hinauszugehen, in irgendeinen Supermarkt, etwas zu kaufen – das war für mich … Ich konnte mich nicht rühren. Sehr schwer. Dann gibt es die Freunde. Alles Mögliche dieser Art. Das ist kein einfacher Weg: ein Diener des Schöpfers zu sein, dazu braucht man wirklich … Aber was die Freunde tun, wird ihm angerechnet, als hätte er es selbst getan – denn er hat gebaut, er hat bezahlt, er hat das Krankenhaus gemacht, er beteiligt sich daran, solange er gesund ist. Und wenn er krank ist, kümmert man sich um ihn.

Ja, David.

26:19 Schüler: Ein Religiöser hat, soweit ich weiß, den größten Willen zu empfangen.

Rav: Was für einen großen Willen zu empfangen soll ein Religiöser haben? Du bist ein religiöser Mensch – was für einen so großen Willen zu empfangen hast du denn?

26:31 Schüler: Er will … alle Mizwot, er macht Mizwot … er …

Rav: Was er will, das ist das, was der Sohar sagt: dass er diese Welt ein bisschen verschlingen will, dass es ihm gut gehe in dieser Welt, dass er lebe, Kinder habe und so weiter, und dass es ihm auch in der Kommenden Welt gut gehe. Er legt sich dort so eine Art Fonds für die Kommende Welt an, damit auch danach etwas bleibt. Und sicher wollen die Menschen das so. Das ist menschlich, das ist legitim, das ist natürlich. Man kann nicht sagen, das sei schlecht. So funktioniert der Mensch. Wenn er nicht zur wahren Arbeit des Schöpfers kommt, ist das seine Form der Arbeit, und das ist die Arbeit des Allgemeinen: Man macht Mizwot, man erfüllt alles – und das muss so sein. Wirklich, das muss so sein. Es ist immerhin ein Rahmen.

Solange ein Mensch in der Entwicklung der Seele nicht groß geworden ist – so dass er nach der Göttlichkeit verlangt und wirklich verlangt, in der Mittleren Linie religiös zu sein –, soll er unterhalb der Mittleren Linie religiös sein. Das, unterhalb der Mittleren Linie, heißt „Dumam de Kedusha", das Unbelebte der Kedusha. Vor der Entwicklung in der Mittleren Linie gibt es einen Punkt unterhalb davon, den man bei uns in dieser Welt „religiös" nennt – wie du siehst, Bnei Brak, all das; das heißt Dumam de Kedusha. Das ist gut.

Er erfüllt Tora und Mizwot im Materiellen, also in Handlungen dieser Welt, und hofft auf Lohn in dieser Welt und in der Kommenden Welt. Das ist völlig in Ordnung. Man darf ihnen nicht enthüllen, was die wahre Korrektur ist, weil sie noch nicht fähig sind, dorthin zu kommen. Nein – „Lege dem Blinden kein Hindernis in den Weg" –, sondern man soll sie nicht stören und sie behüten. 28:24

Deshalb haben die Kabbalisten über alle Generationen hinweg … Wer hat denn all die heiligen Bücher geschrieben? Menschen mit Erlangung, Kabbalisten. Und sie haben so geschrieben, dass sie das Volk nicht antasten – dass man mit ihm sozusagen mit Handschuhen umgeht. Denn was willst du machen, wenn in der allgemeinen Entwicklung der Menschheit eine solche Masse noch nicht zu dieser Entwicklung gekommen ist? Man muss also warten. Der Mensch lebt schon Zehntausende von Jahren auf der Erde, und du siehst, wie sich das enthüllt. Von Abraham bis heute sind es einstweilen Einzelne – Einzelne, die sich wirklich danach sehnen, in der Form der Mittleren Linie religiös zu sein. Und ohne Verlangen kann man überhaupt nichts machen.

Wenn er schon fragt: „Was ist der Sinn unseres Lebens?" – im Blick auf unser Leben in dieser Welt, das keinen Sinn hat –, dann sehnt er sich schon nach Spiritualität, also danach, dort das Leben zu fühlen; dann kannst du mit ihm reden. Vorher rühr ihn nicht an, denn er wird dich nicht verstehen. Seine Wünsche, seine Innerlichkeit sind überhaupt noch nicht bereit, etwas aufzunehmen.

Wenn also ein gewöhnlicher religiöser Mensch, ein Jude, wie man sagt, Tora und Mizwot erfüllen will, wie man es ihn gelehrt hat, und dafür Lohn bekommen will – bitte, das ist sehr ehrenwert. Damit bewahrt er sich als Volk, und damit bewahrt er sich für die kommende Korrektur, die dann kommt, wenn der Schöpfer ihm ein wenig auf den Punkt im Herzen leuchtet. Und er wird den Punkt im Herzen fühlen, und von da an fängt er an, sich zu entwickeln.

Aus Unkenntnis denken Religiöse deshalb, die Kabbalisten … dass ich gegen sie sei, sagen wir, oder so etwas, dass das nicht in Ordnung sei. Nicht gegen sie – wir rühren sie nicht an. Wir wollen nur die sammeln, die den Punkt im Herzen schon fühlen, die fragen, was der Sinn unseres Lebens in dieser Welt ist, weil es keinen Sinn hat, so zu leben. Und ihnen haben wir eine Antwort: Sie sind wirklich schon auserwählt, die Korrektur zu beginnen, jeder Einzelne seine persönliche Korrektur. Und es gibt wirklich keine Vermischung zwischen diesen und jenen Menschen. Baal HaSulam schreibt an vielen Stellen: Das ist die Lehre des Allgemeinen, das ist die Lehre des Einzelnen. Die Meinung der Tora ist der Meinung der Hausherren entgegengesetzt, und die einen dürfen die anderen nicht antasten. Man darf sich nicht einmischen.

Das ist eine völlig andere Lehre, eine andere Herangehensweise, ein anderer Geist. Du siehst: Der ganze Gang des Lebens ist verschieden – wie wir leben und wie sie leben. Wir sind in uns selbst drin, im Gedanken, in der Absicht. Die ganze Zeit fressen wir uns selbst auf, klären in uns: Wo bin ich, wie steht es um mich, und so weiter. Alles ist in den Menschen hineingezogen … hineingezogen, ja? Kann man das so sagen?

Bei ihnen dagegen ist es Äußerlichkeit: dies so zu machen und noch mehr so, und noch ein anderer Hut, und noch eine andere äußere Handlung. Und das ist gut, das muss sein. Solange es keine Innerlichkeit gibt, beschäftigt man sich mit der Äußerlichkeit. Diese Erziehung haben die Kabbalisten eingeführt. 32:18

Nach der Zerstörung des Tempels, als sie fielen … Baal HaSulam schreibt: Im Ersten Tempel ging es noch irgendwie, aber im Zweiten Tempel verschwand die Sache, was liShma ist, ganz und gar. Das heißt einfach: Das Or Makif entfernte sich, der Tempel wurde zerstört. „Der Tempel wurde zerstört" bedeutet, dass das Leuchten nicht mehr im Volk war.

Das ist wie bei uns. Manchmal siehst du, dass du in einem Aufschwung bist, sozusagen im Gefühl der Göttlichkeit, dass du lebst, dass du wirklich in der Luft schwebst. Du hast ein Gefühl von dem, was du liest, und plötzlich fühlst du dich völlig wie ein Esel, hast gar nichts und verstehst kein einziges Wort. Aber du hast trotzdem ein Leuchten aus der Ferne, dass du dich jetzt, verglichen mit dem guten Zustand, im schlechten Zustand befindest. Wenn man dir aber auch das noch abschneidet – das ist es, was bei der Zerstörung des Tempels geschah.

Bei der Zerstörung des Ersten Tempels entfernte sich das Leuchten, das im Volk war, mit dem sie fühlten, dass sie in der Spiritualität sind, in Begeisterung, in Verbindung. Dieser Geist entfernte sich, gab ihnen aber die Rückseite. Und da war immer noch das Gefühl, dass sie in irgendeiner Verbindung zur Spiritualität stehen, dass Spiritualität existiert. Nach der Zerstörung des Ersten Tempels wussten sie wenigstens, was liShma ist, und auch vom Gegenteil her, wo sie sich irgendwie befanden. Gegenüber den Mochin de Chaja, die im Ersten Tempel aus der Ferne leuchteten, leuchteten im Zweiten Tempel Mochin de Neshama – auch aus der Ferne, aber es leuchtete.

Nach dem Zweiten Tempel verloren sie das Gefühl, dass das schlecht ist, dass ihr Zustand schlecht ist im Vergleich zum Licht. Und diese Unterscheidung, was liShma ist, verschwand. Das schreibt Baal HaSulam in den Artikeln, in „Das Wesen der Weisheit der Kabbala", so etwas in der Art; es gibt hier so einen Artikel in „Pri Chacham – Artikel", das ist es. Und dann wurden sie wie ein Esel, der nichts weiß. Verstehst du? Übrig blieben nur einige wie Rabbi Schimon, die Meister der Gemara dort, die anfingen zu schreiben; und dann sagte man ihnen: Beschäftigt euch damit. Und dieses Volk, das sich von dieser spirituellen Höhe abgetrennt hatte, führte man so, dass man ihm sagte: Mach wenigstens das, mach dem entsprechend im Materiellen alle möglichen Dinge. Das ist alles.

Vorher betete jeder aus seinem Herzen heraus, das Gebet des Herzens – da schrieb man ihnen einen Siddur. Vorher gab es all diese Dinge nicht, und im Materiellen machte man es und sagte ihnen: ja, ja, mach das so und so. Verstehst du? Man setzt dem Vieh eine Grenze, weil es keinen Zaun kennt – weil die Spiritualität ihm keinen Zaun mehr setzt, in dem es von sich aus zu bleiben suchte. Man macht ihm also irgendeinen Zaun, damit es so lebt. Das ist es, was man mit dem Schulchan Aruch gemacht hat, mit all dem. 35:46

Deshalb ist der Zustand, wie er tausende Jahre lang war, das kleinere Übel, sagen wir. Verstehst du? Das ist es. Und sicher denken Menschen, die darin sind und keinerlei Verbindung, keine Berührung mit der Spiritualität haben, die das Or Makif nicht fühlen: Das ist es, das ist der Zustand, mehr kann es nicht geben. Dadurch, dass ich erfülle, tue ich alles Mögliche. Und tatsächlich tut er sozusagen alles, was möglich ist. Er hat kein Gefühl dafür, dass es hier noch irgendeine Korrektur gibt. Worin denn eine Korrektur, wenn der Punkt im Herzen sich nicht enthüllt?

Deshalb haben die einen wie die anderen ihre eigene Tora: die einen die äußere Tora, die anderen die innere Tora. Deshalb heißt es „Innerlichkeit der Tora", und das nicht einfach so. Denn es ist nach dem Menschen benannt: Wozu braucht er die Tora? Entweder für die innere Korrektur, den Punkt im Herzen, oder für die äußere Korrektur – um zu wissen, was man mit Händen und Füßen macht, wie man Dinge sagt.

Schau nur, was für ein Buch es über die üble Nachrede gibt. Wenn du eine einzige Bedingung nimmst – „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" –, brauchst du dann all diese Bücher, ganze Enzyklopädien? Ob man es so sagt oder so oder so? Wir haben ein Gesetz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" – bemüh dich darum, fertig. Was für Bücher soll es da noch geben? Sobald du aber aus der Innerlichkeit in die Äußerlichkeit gehst und jede Sache äußerlich definieren musst, wie immer das aussehen mag, fängt dort schon die Vervielfachung an. Innen ist es nur ein einziges Gesetz: das Gesetz von Dwekut, von Übereinstimmung.

Ja.

37:34 Schüler: In welchem Stadium kann ein Mensch die Entwicklung beschleunigen, von dem Moment an, in dem er den Weg des gegenseitigen Gebens betritt …?

Rav: Noch einmal.

Schüler: Wie kann ein Mensch seine Entwicklung beschleunigen?

Rav: Ah, die Entwicklung beschleunigen. Um die Entwicklung zu beschleunigen: viel lesen. Am Anfang versteht er nicht, was Freunde sind, was Arbeit ist, was all diese Dinge sind, die man hier von ihm verlangt. Es gibt solche, die da hineinkommen, weil es ihrer Natur entspricht, und es gibt solche, für die es nicht ihre Natur ist, mit der ganzen Gruppe verbunden zu sein und hier und da mitzuarbeiten – so wie jetzt unsere Leute dort Plakate kleben, oder oben auf dem Dach, wo Grischma jetzt sicher ein paar Leute zur Arbeit holt, er wartet schon. Und in die Küche. Es gibt Menschen, die nicht dafür sind; ihrem Charakter nach sind sie eher theoretisch veranlagt.

In der ersten Phase muss ein Mensch also viel lesen. Sagen wir so – ich weiß es wieder nicht, die Zeiten heute, weil sich alles verkürzt und verändert. Aber etwa im ersten Jahr muss er einfach wie in einer Frikadellenmaschine, mit der man Frikadellen macht …

Schüler: Ein Fleischwolf.

Rav: Ein Wolf, verstehst du? Ein Fleischwolf. So muss er alle möglichen Schriften, Artikel und Briefe von Baal HaSulam und vom Rabash in sich hineinstopfen, sie regelrecht essen und essen und wiederholen, so viel Stoff wie möglich in sich hineinbringen, und noch und noch und noch. Es macht nichts, dass er vergisst, es macht nichts, dass er nicht versteht und nicht denkt – später wird er anfangen zu denken; am Anfang ist er nicht fähig zu denken. Er muss einfach lesen, das war's, einfach nur lesen. Ah, hier steht dies, hier steht das, hier steht das – sich regelrecht aufblasen, sich mit dem Wissen füllen.

Und danach fängt das an, in ihm zu arbeiten, denn eine Sehnsucht hat er ja am Anfang. Er fängt an zu lesen, und schon hat er durch das Lesen eine Verbindung zum Or Makif. Wenn er das ausreichend macht, ein paar Monate oder ein halbes Jahr, ein Jahr, dann fängt es an, gut zu wirken. Und es gibt andere, bei denen es nicht so ist: Statt all dieses Lesens und all dieser Dinge ist es für sie gut, in der Gemeinschaft zu arbeiten. Aber das eine geht nicht ohne das andere. Es muss trotzdem beides geben, nur in welchem Verhältnis – das hängt vom Charakter des Menschen ab. Arbeit zum Nutzen der Gruppe und Lernen: Jeder Einzelne muss beides in einem bestimmten Verhältnis haben.

Beschleunigen aber kann man es besonders am Anfang nur durch sehr viel Lesen, und danach gerade durch mehr Arbeit und dadurch, dass man denkt: Wofür tue ich sie? Und so weiter. Das heißt, danach kommt schon mehr die Arbeit für die Gemeinschaft, denn dort fühlt man dann Fragen und Probleme – wofür und was und warum –, und die Auseinandersetzung damit hilft voranzukommen.

Ja.

41:04 Schüler: Einfach, dass …

Rav: Schau, wissen wir das nicht von Pessach her, sagen wir, oder von irgendwelchen Feiertagen, an denen niemand lernt, sondern alle in der Arbeit sind – und man kommt daraus mit so einem großen Aufschwung und Gewinn heraus? Was ist da passiert? Dadurch, dass man solche Dinge macht. Verstehst du? Und wie soll ich sagen – auch ich verstehe, dass es so ist. Ihr seht ja, wie sehr ich mich wegen Geldverschwendung streiten kann; und an Pessach noch hunderttausend Schekel, noch zweihunderttausend Schekel, ohne Rechnung. Denn damit kaufst du buchstäblich Spiritualität.

Schüler: Menschen, bei denen der Schöpfer es so eingerichtet hat, dass sie eine Sehnsucht nach der Göttlichkeit haben, um die herum es aber keine Gemeinschaft gibt: Sie sind irgendwo in der Welt, sagen wir mit den Büchern von Baal HaSulam, für sich allein, es gibt keine Zeit – sind sie einfach zum Scheitern verurteilt? Werden sie nicht vorankommen? Jemand, der irgendwo dort ist, ich weiß …

Rav: Menschen in der Welt, die eine Sehnsucht haben und noch weder die Bücher von Baal HaSulam haben noch von der Methode wissen und so weiter – dafür gibt es Gründe, warum sie noch so dastehen. Ich habe, bevor ich zum Rabash kam, viele Jahre lang gesucht. Nu, und?

42:23 Schüler: Nein, nein, die Frage ist: Sie haben auch die Bücher, sie haben das ganze Wissen.

Rav: Wenn sie Bücher haben und alles haben, aber keine Gemeinschaft, dann fügt es sich irgendwie, auf die eine oder andere Weise, dass sie eine Gemeinschaft bekommen. Es kann nicht sein, dass ein Mensch sich sehnt und das entsprechend dem Verlangen aufnimmt, das man ihm von Oben enthüllt, und dass der Schöpfer ihm dann nicht alle übrigen Bedingungen einrichtet. Verstehst du? Das ist es.

Ich hatte zum Beispiel nicht daran gedacht, nach Israel zu kommen. Ich dachte, ich werde Wissenschaftler, und plötzlich änderte sich das: keine Wissenschaft, ich muss ins Land kommen. Ich kam ins Land – nu, und weiter? Wie verwirkliche ich das … dass ich nichts mit meinem Leben anzufangen weiß, bis ich anfing zu suchen. Bis ich so anfing. Wirklich, jeder kann sagen, dass er selbst nicht wusste, wie er angekommen ist; aber so kommt man an, man bringt den Menschen hin.

Deshalb habe ich keine Frage zu den Menschen, die draußen sind. Wir haben heute sehr viele Gruppen, und dieses Jahr hoffe ich, dass die Sache wirklich aufblüht – in der Welt, die Sache der Kabbala, in vielen Ländern. Hoffen wir, dass wir Gruppen eröffnen und sie auch besuchen und dass sie auch hierherkommen. Das wird dann schon eine Ausbreitung in die ganze Welt hinein sein. Das ist es.

Wir werden uns sogar heute darum kümmern müssen – du siehst es ja, und auch in den vergangenen Jahren: all diese Israelis und Russen, die das Land verlassen haben. Über sie fängst du an, auch auf die übrigen Völker und auf alle zu wirken.⁵ Du wirst sehen, wie viele solcher Zweigstellen du haben wirst, buchstäblich. Und das ist offenbar eine Entwicklung, die jetzt kommen muss, wirklich innerhalb der nächsten paar Jahre: dass wir nicht nur mit uns selbst beschäftigt sind, sondern mit der Entwicklung nach außen, nicht nur in Israel. Es gibt viele Dinge, die sich in Israel nur unter der Bedingung entwickeln können, dass es das vorher draußen gibt; dann wird es im Land angenommen. So ist das bei uns. Was soll man machen.

Ja.

45:05 Schüler: Ist der Prozess des Säkularwerdens notwendig beim Übergang vom Unbelebten zum Pflanzlichen?

Rav: Nein. Ein Prozess, in dem ein Mensch aufhört, religiös zu sein – also Dumam de Kedusha, ein gewöhnlicher Religiöser –, danach säkular wird und erst danach zur Kabbala kommt: Das muss nicht sein. Damit hat es überhaupt, überhaupt nichts zu tun. Wir haben Beispiele von Menschen, die richtige Chassidim sind, Mitnagdim. Und es gibt heute im Judentum einen sehr großen Bruch. Viele Menschen verstehen, dass das Judentum in einer Krise steckt, in einer tiefen Krise, verglichen mit dem, was vor hundert Jahren war. Heute sind wirklich alle Werte, die ganze Einstellung gefallen. Das ist vielen Menschen klar. Und viele einzelne Menschen – ja, keine Gruppen, aber Einzelne – lernen, kommen sogar zu mehreren zusammen und sprechen darüber. Und ich höre von denen, die anrufen und sich interessieren, dass diese Sache durchaus auch dort geschieht.

Da kannst du nichts machen; das ist das Geschöpf, das ist eine Entwicklung, zu der der Mensch nicht fähig ist: Plötzlich sieht er es nicht mehr in seinen Büchern, in seinem Lernstil.⁶ Er kann ja auch Gemara lernen und dort die Spiritualität sehen. Aber plötzlich wird er hingezogen, ob er will oder nicht – so wie wir es gerade eben besprochen haben: Wie sind wir hierhergekommen? Man bringt uns. Genauso bringt man ihn dazu, irgendein Buch aufzuschlagen, das er vorher nicht aufschlagen wollte. Und plötzlich schlägt er es auf und sieht auf einmal, irgendwie – da ist eine ganze Welt mit allem, was sie erfüllt, ja. Er ist einfach … Ich höre so ihre Begeisterung, und ich hoffe, dass es auch so sein wird. Schließlich sind auch Baal HaSulam und alle Kabbalisten aller Generationen auf diese Weise hervorgegangen, ja.

47:29 Schüler: Es waren Einzelne. Die Frage ist, ob sich für uns eine Epoche geöffnet hat …

Rav: Das sind nicht Einzelne; wir sprechen von Dutzenden und auch Hunderten Menschen in einer Generation. Warum? Vor zwei-, dreihundert Jahren – Baal Schem Tow, Kotzk, all diese – das waren sehr große Gruppen von Menschen, die in spiritueller Erlangung waren. Zur Zeit des Baal Schem Tow waren es dort Tausende, in jeder Generation waren es Tausende. All diese Admorim bis zum zwanzigsten Jahrhundert hatten Erlangung. Mehr oder weniger ist es so. Du siehst ja: All die Bücher, die sie geschrieben haben, sind sicher heilige Bücher von Menschen mit Erlangung. Nimm den Rebbe von Ger, nimm Rabbi Nachman, wen du willst – sie alle haben Erlangung, was denn sonst, sie alle sind Kabbalisten.

Schüler: Die Frage ist, ob man heute erwarten kann, dass das zu einer Masse im Herzen des Unbelebten wird, die anfängt zu wachsen.

Rav: Als Masse kann das nicht sein, weder von den Säkularen noch von den Religiösen. Was heißt Masse? Plötzlich eine Million Menschen? Ich glaube nicht, ich weiß es nicht.

Schüler: Wenigstens ein paar Tausend.

Rav: Ein paar Tausend, ja.

Schüler: Zehntausende.

Rav: Ein paar Tausend, ja. Das hängt nicht von uns ab, aber es wird kommen. Das heißt, mit jeder Stufe wird es mehr an Menge. Sagen wir: Wenn dieses Jahr hundert Menschen erwachen, dann sind es nächstes Jahr tausend.

Schüler: Direkt können wir damit nichts machen? Man wird Schulam⁷ nicht einladen, jetzt in irgendeiner Jeschiwa einen Vortrag zu halten, nein …

Rav: Nein, nein, nein. Direkt und als Masse kann das nicht sein, ich sage es dir. Es werden trotzdem Einzelne sein, aber aus diesen Einzelnen werden Tausende. Sagen wir, ich weiß nicht: Von einer halben Million Religiöser im Land fühlen plötzlich, sagen wir, fünf Prozent, dass sie sich mit der Innerlichkeit beschäftigen müssen, mit der Innerlichkeit der Tora.

Schüler: Nicht als Luxus, sondern es wirklich zur Hauptsache zu machen?

Rav: Ja, es zur Hauptsache zu machen und sich damit zu beschäftigen. Das ja, so etwas kann sein. Aber diese fünfzigtausend oder diese fünftausend werden Einzelne sein. Es ist nicht so, dass einfach irgendeine chassidische Richtung zu dir kommt und … oder irgendeinen Weg sucht; das kann nicht sein. Das ist die Arbeit des Einzelnen. Jeder Einzelne, obwohl … Dir scheint es, die Gerer Chassidim seien eine Gruppe, ja. Aber was für eine Gruppe? Das ist doch nichts. In dieser Gruppe hast du Menschen auf allen möglichen Ebenen, auf verschiedenen Stufen spiritueller Entwicklung. Es wird kommen, es wird kommen; in den nächsten Jahren wird es eine große Krise geben.

Schüler: Aus „Amcha" …

Rav: Hm?

50:40 Schüler: Aus „Amcha", dem einfachen Volk, kann man viele ziehen, aus „Amcha".

Rav: Auch aus dem einfachen Volk gibt es solche Einzelne, die insgesamt viele waren. Die brauchen wir, die Übrigen brauchen wir nicht. Was die Übrigen angeht: Mögen doch alle gute Juden sein. Und die, die nicht fähig sind, gute Juden zu sein – „Böse", wie man sagt –, die brauchen wir. Das ist es.

Schüler: … Politik. Wenn es überhaupt keine Politik gäbe … wäre die Krise nicht so.

Rav: Das gehört nicht hierher. Ein Mensch kann im Palast des Königs leben und alles Gute haben und trotzdem in einer Krise sein. Gilad hat da ein sehr schönes Beispiel, ja, mit deiner Schülerin.

Schüler:

Rav: Die im Palast des Königs lebt und alles hat.

Schüler: … im Exil.

Rav: Hm?

Schüler: Im Exil.

Rav: Was …

Schüler:

Rav: Ich höre nicht.

Schüler: Im Exil.

Rav: Was …

Schüler: … in Bnei Brak, an all diesen Orten, wo sie waren …

Rav: Nu.

Schüler:

Rav: Dass das Niveau des einfachen Volkes vor hundert Jahren ein anderes war als heute, das ist der allgemeine Abstieg der Generationen, allgemein, ja. Auch zur Zeit der Tempelzerstörung oder so waren sie sehr rein. Sogar „Zerstörung" oder „Hass", wie wir es dort nennen – das sind sehr feine Dinge, sehr reine. Jetzt aber, im Lauf der Generationen, im Lauf von zweitausend Jahren, sammelt sich von Generation zu Generation der Wille zu empfangen an, die Menschen werden egoistischer, und all dieses Böse kommt heraus. Und besonders nicht am Anfang, sondern je weiter man vorankommt. Je weiter man vorankommt, geht das nicht in einer Progression von eins und noch eins und noch eins, sondern eins plus zwei, plus vier, plus acht, plus sechzehn und so weiter. Das geht wirklich exponentiell. 52:42

Daraus ergibt sich, dass an der Grenze zwischen dem 19. und dem 20. Jahrhundert wirklich so ein Sprung geschah – dass Menschen, du siehst es, in die Haskala gingen. Was ist die Haskala? Wie sind sie plötzlich herausgetreten und haben aufgehört, religiös zu sein? Wie kann so etwas sein? Man fügte von Oben Willen zu empfangen hinzu, Entwicklung, ja, der Seele. Und dem gegenüber sah er die materiellen Handlungen, dass er dies und jenes tun und dies und jenes sagen muss. Er sah, wie begrenzt und inhaltsleer diese Dinge sind, weil seine Innerlichkeit stieg und die Äußerlichkeit dem gegenüber fällt. Dann hält er es nicht mehr aus, wirft diese Grenze ab und bleibt nicht mehr dabei, Dumam de Kedusha zu sein.

Das alles kommt daher, dass der Wille zu empfangen in den Seelen wächst, ja. Was gilt bei euch in der Gemeinde als ehrenwert? Je ordentlicher ein Mensch ist, in die Synagoge kommt, alle Mizwot erfüllt – der Gemeinde erscheint er wirklich rein von allen Dingen, von allen Bedenken, einfacher Glaube, wie du sagst, und … du weißt schon, er hat nichts im Leben, geht einfach so seinen Weg, und das war's, ja. Der gilt als ein schöner Religiöser, wirklich gut, wirklich heilig, ja. Bei uns aber heißt das: Er hat keinen Willen zu empfangen, er ist wie eine Katze und erfüllt das, was die Natur ihm zu erfüllen sagt. Füge ihm ein bisschen Ego hinzu, ein bisschen Willen zu empfangen, und du wirst sehen, wie er alles hinwirft. Das ist es.

Ob du willst oder nicht: Du kannst sie nicht einfach in dem Rahmen lassen, in dem sie vor fünfhundert oder vor zweitausend Jahren waren. Denn der Wille zu empfangen wächst, da kann man nichts machen. Da kann man nichts machen, deshalb ist jede Generation schlimmer, bis „das Gesicht der Generation wie das Gesicht eines Hundes ist", der schon schreit: „Gib mir, gib mir!" Dagegen kann man nichts machen, und trotzdem werden sie kommen, das ist es. Nur ist es noch ein Suchen, ein Ringen. Aber so wie es im 20. Jahrhundert war – du wirst sehen, was in diesem Jahrhundert sein wird. Was das überhaupt für eine innere Entwicklung in den Menschen sein wird. Und von Jahr zu Jahr wirst du sehen, wie sich die Welt mehr in diese Richtung sammelt und alles Übrige fällt. Die Menschen fangen plötzlich an zu fühlen, dass die Welt von ihrer Innerlichkeit abhängt.

Du siehst ja, es kommen Professoren zu uns, diese Mathematiker, Futurologen; sie sind Professoren der Mathematik und sagen: „Oh, mit der spirituellen Entwicklung wird sich die Welt verändern." Du schaust sie an und verstehst es nicht; auch sie sagen, dass daran heute das ganze … hängt. Wo hätte es das vor 50 Jahren gegeben, wenn du so etwas gesagt hättest? Du wirst sehen: Die Amerikaner bekommen noch ein paar Schläge, dann werden auch sie so denken. So sehr sie … Gut, wir lernen weiter.

Ja.

56:13 Schüler: Eine Sache ist nicht klar … Sie sind sehr sanft mit dem Thema der Religiösen, dass es nicht schadet und dass sie das brauchen …

Rav: Ich bin nicht sanft mit den Religiösen oder mit den Säkularen, ich habe keinen Grund, sanft zu sein – ich sage die Wahrheit. Und ihr legt es so aus, als wollte ich jemandem etwas Gutes zuschanzen. Ich sage dir im Ernst: Bei einem säkularen Menschen ist es gut, wenn er in irgendeinem Rahmen ist, der ihm hilft, einfach menschlich zu leben, statt dass er zu Drogen geht oder zur Prostitution oder zu allen möglichen Dingen.

Schüler: Aber andererseits …

Rav: Wenn du mich also fragst, was man mit dem Kind machen soll – was soll ich dir sagen? Man muss ihm irgendeinen religiösen Rahmen geben; damit bewahrst du es vor allen möglichen unumkehrbaren Dingen, die es sich jetzt in einer säkularen Gemeinschaft aneignen kann.

57:10 Schüler: Da gibt es aber mehrere Dinge. Zuerst einmal enthüllen sich nach und nach die negativen Dinge innerhalb der religiösen Gemeinschaften, und das ist nicht weniger schlimm als das, was es in den säkularen Gemeinschaften gibt. Dinge von hier bis …

Rav: Was diese Gemeinschaften angeht: Wenn der Wille zu empfangen am Ende ausbricht und groß wird, dann ist dem Menschen weder ein religiöser noch ein säkularer Rahmen wichtig, und er wird so zügellos, so ungebändigt – da kann man nichts machen. Das ist sicher, hier wie dort gibt es solche Dinge. Aber wenn man es irgendwie bewahren kann, dann ist es besser, es zu bewahren.

Schau, ich denke, bei meinen Töchtern ist es mir mehr oder weniger gelungen. Beim Sohn sagte der Rabash: „Schick ihn, lass ihn, schick ihn." Also habe ich ihn geschickt, und deshalb ist er nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber ich habe den Befehl des Rabash ausgeführt. Bei den Töchtern kannst du es eher sehen. Das heißt, ich denke, für unsere Zeit ist das mehr oder weniger so. Vielleicht kommen in zehn Jahren andere Bedingungen, aber in unserer Zeit ist es mehr oder weniger so; ich denke, das ist die Form, die sich lohnt, die weniger Schaden anrichtet – so wenig Schaden wie möglich.

Schüler: Aber Baal HaSulam schreibt an mehreren Stellen, dass gerade derjenige, der sich mit der Tora auf äußerliche Weise beschäftigt, den größten Schaden anrichtet. Und genau davor hat er ja auch vor der Schoah gewarnt, er hat auch in den Büchern davor gewarnt, er warnt davor, dass gerade dann, wenn man schon Tora lernt und tut …

Rav: Mein Herr, mein Herr. Es stimmt, dass Baal HaSulam am Ende des „Vorworts zum Buch Sohar" schreibt: Wer sich mit der Äußerlichkeit der Tora beschäftigt und sich nicht mit der Innerlichkeit der Tora beschäftigen will – nicht, dass er es nicht weiß oder so, sondern er will nicht, er verachtet es, er hasst es –, die richten den ganzen Schaden und das Töten und die schlimmsten Dinge in der Welt an, richtig. Das heißt aber nicht, dass ein Mensch nicht darin sein soll, sondern: darin zu sein und sich mit der Kabbala zu beschäftigen. Und dort sagt er gerade – ob du willst oder nicht, aber hör, was er sagt.

Er sagt, dass die, die sich mit der Äußerlichkeit der Tora beschäftigen, anfangen müssen, sich mit der Innerlichkeit der Tora zu beschäftigen. Er sagt es nicht über dich – über den Zion, der auf der Schenkin herumläuft –, dass der schuld sei, dass der alle schlechten Dinge in der Welt verursache und anfangen müsse, sich mit der Innerlichkeit der Tora zu beschäftigen. Er sagt es nicht über dich, er sagt es über sie. Warum? Nu?

59:51 Schüler: Warum? Vielleicht, weil es dort mehr Potenzial gibt, sich mit der Innerlichkeit zu beschäftigen, aber der Zustand ist so, dass es nicht funktioniert.

Rav: Du willst also sagen: Dann sollen sie lieber die Äußerlichkeit verlassen – die Innerlichkeit können sie nicht, also sollen sie auch die Äußerlichkeit verlassen und nur säkular sein, dann schaden wir wenigstens niemandem. Das wird dir gar nichts nützen. Auch das, womit sie sich heute beschäftigen, heißt nicht, dass sie sich mit der Äußerlichkeit so beschäftigen, wie man in der Äußerlichkeit sein müsste, wie die Äußerlichkeit wirklich einmal war. Verstehst du? Darin liegt der Schaden nicht. Der Schaden liegt wirklich darin, dass man sich nicht mit der Innerlichkeit beschäftigt.

Und bei einem völlig säkularen Menschen ist es zwar leichter, zu ihm zu kommen und zu sagen: „Komm, lerne Kabbala." Meiner Meinung nach kannst du so nicht kommen. Aber das Problem ist die Erziehung der Jugend – das sind Massen, sagen wir, das sind Millionen. Ich glaube nicht, dass du damit etwas Gutes tust, wenn du sie vollkommen vom Tora-Lernen befreist oder von Grenzen, die für das einfache Volk gut sind.

Schüler: Aber wenn das richtig ist, dann wäre fast keiner von den Leuten, die heute hier sitzen, hier. Und was wäre dann? Alle, die hierhergekommen sind, sind doch aus der Säkularität gekommen, nicht aus der Religiosität.

Rav: Du bringst hier zwei Wege durcheinander – ich verstehe dich, aber du bringst hier zwei Wege durcheinander: das, was mir zu tun obliegt, und das, was der Schöpfer tun wird. Ich bin nicht der Hausherr über das, was von Oben geschieht; ich weiß, was ich von unten zu tun habe. Von unten ziehe ich es vor, Jude zu sein. Was heißt Jude? Einer, der ein bisschen über die „Jiddischkeit" weiß, wie man sagt, über das volkstümliche Judentum, und der irgendwie dazugehört.

Ich sage nicht, dass er aussehen muss wie einer aus Mea Schearim und sich auch gegenüber dem Staat, gegenüber der Armee und gegenüber all dem, wozu er dem Staat gegenüber verpflichtet ist, so verhalten muss. Das sage ich nicht, nein. Aber er muss trotzdem im Rahmen des Volkes sein, und einen Rahmen für unser Volk hast du nicht außer dem, was man das Erbe nennt. Das muss es in irgendeiner Form geben. Es kommt ein Mensch hierher – weiß er überhaupt, was Pessach ist, was Sukkot ist, irgendwelche Feiertage? Gar nichts. Aber ein bisschen, ein bisschen mehr – davon spreche ich. Ich spreche nicht davon, ultraorthodox zu sein.

62:32 Schüler: Traditionell.

Rav: Traditionell, aber traditionell im vollen Sinn, verstehst du? Das Problem beim Traditionellen ist: Vater und Mutter sind traditionell, und er weiß schon überhaupt nicht mehr, was das ist. Er kommt nur zu irgendeinem Feiertag zu ihnen, um ihnen einen Gefallen zu tun. Du weißt ja, was da passiert – und dann fällt die zweite Generation ganz heraus.

Schüler: Das stimmt aber nicht.

Rav: Was stimmt nicht?

Schüler: Aus meiner Erfahrung, aus dem Umfeld, in dem ich lebe, aus den Freunden, die ich kenne: Es stimmt nicht, was Sie sagen. Denn wer traditionell ist und dessen Eltern traditionell sind, nicht religiös – gerade bei den Religiösen ist es so, dass einer, wenn er erst einmal ausbricht, völlig ausbricht. Wo es traditionelle Familien gibt, bleiben auch die Kinder in der Tradition. Was ist Tradition? Das sind wirklich die Feiertage, wie es sich gehört, gerade solche Dinge …

Rav: Kurz gesagt, ich sage dir: Der Mensch ist ein Tier. Wenn er ein Mensch sein will – bitte, dann helfen wir ihm, ein Mensch zu sein. Aber als Tier ist es besser, er ist in einer guten Herde, an einem umzäunten Ort, unter guter Bewachung; dann geht es ihm gut, auch ihm selbst wird es damit gut gehen. Du siehst, was mit einer Generation passiert, mit dieser ganzen Generation, die keine Grenze hat. Schau, was passiert – und ihr denkt, dass sie in ihrer freien Entwicklung auch zu irgendetwas kommen? Zu gar nichts. Sie denken, da sei ein Aufblühen. Was für ein Aufblühen ist da? Da ist gar nichts, verstehst du.

Sie denken, sie könnten damit der Menschheit etwas Neues bringen. Daraus wird nichts wachsen. Was kann ein Mensch schon unter seinen Haaren hervorholen? Was steckt in dieser Entwicklung? Es passiert ihnen doch gar nichts. Am Ende landen sie bei Prostitution und Drogen. Die Armen. Es gibt keine andere Lösung – zeig mir irgendeine andere, aber es gibt keine. Auch von der Kabbala her gibt es keine: Der Mensch hat in der Säkularität nichts zu suchen, und in der Religiosität hat er auch nichts zu suchen; man muss ihn nur in irgendeinem Rahmen halten, in irgendeinem Rahmen.

Du wirst sehen, wie alle Völker sich so halten; nur wir sind dazu nicht fähig, weil bei uns der Wille zu empfangen größer ist. Denkst du, die Amerikaner sind so zügellos? Du weißt gar nicht, was für eine Ordnung dort herrscht. Schau dir alle israelischen Filme an und die amerikanischen Filme: Wie sehr du in jedem amerikanischen Film Stolz hast, ein Ideal, Amerika über alles, verstehst du? Und wie sehr sie daran festhalten. Schau, was für Filme – wie in Russland machen sie es, dasselbe. Nur kleiden sie es, weißt du, so ein, dass du es nicht merkst. Das ist alles. 65:18

Geh nach Europa – du denkst, du kannst machen, was du willst? Was für eine strenge Ordnung es dort in jeder einzelnen Sache gibt. Bei uns ist es am schlimmsten, weil jeder Einzelne einen tausendmal größeren Willen zu empfangen hat als irgendein Nichtjude draußen; deshalb kommt so etwas Schlechtes heraus, dass man es überhaupt nicht halten kann.

Kurz gesagt: Der Mensch ist ein Tier, und eine Bewachung zu seinem eigenen Besten hat sich bewährt⁸ – zu seinem Besten. Es sind schon Generationen vergangen, man hat es gesehen, nichts Neues. Ich habe die Zeiten erlebt, als es die Beatles gab, mit all diesen Blumen, du weißt schon, diese ganze Generation – und was ist von ihnen geblieben, was haben sie gemacht? Nichts. So wuchs der Mensch bis dreißig, fünfunddreißig heran, so ein Freak, ja, ein Hippie, und danach: Was haben all diese Hippies gemacht? Entweder gingen sie alle zu den Drogen, oder sie wurden mit fünfunddreißig … du kommst in einen Zustand …

Schüler: Die größten Spießbürger.

Rav: Ja, das sind die, die es geschafft haben.

Schüler: Die größten Spießbürger.

Rav: Ja, die es geschafft haben. Und die anderen: Mit vierzig entdeckst du plötzlich, dass du ohne Arbeit bist, ohne Wohnung, ohne alles, und das war's – und die Welt blüht immer weiter auf, und du bist wer und was. Dasselbe gilt für die, die wir jetzt aus den Drogen herausholen. Ich sage nicht, dass der religiöse Rahmen gut ist; ich sage, dass wir trotzdem etwas brauchen: Ein Volk braucht irgendeine Grenze, es braucht irgendeine Ordnung. Das hat es in der Welt schon immer gegeben, das muss sein. Das ist es. Und die Anarchie ist übrigens auch eine starke Ordnung.

67:05 Schüler: Damit habe ich kein Problem. Ich sage etwas Einfaches: Wenn wir sagen, dass wir mit den Ultraorthodoxen mehr oder weniger nicht zu reden brauchen und dass die Säkularen es vielleicht annehmen – aber auch da kommt nur selten mal jemand so vorbei, um zu sehen, was hier drinnen vorgeht. Aber es gibt eine sehr große Schicht von Menschen – wie in Davids Synagoge, wie in vielen Synagogen, die ich aus meinem Viertel, aus meiner Umgebung kenne –, wo diese Leute sind, religiös-traditionell, wie man sagt, die sogar im Sohar lesen. Und aus meiner eigenen Beobachtung, weil ich ab und zu in die Synagoge kam, sehe ich das: Bei allen anderen Kabbala-Büchern sehe ich das Abflauen dieser Richtung, und stattdessen kommt jedes Mal irgendein anderer Ultraorthodoxer, und wenn sie zehn Minuten am Tag haben, gibt er ihnen irgendeine Stunde in Gemara oder solche Dinge. Wenn das so ist – warum eröffnen wir hier nicht einen neuen Zugang, warum kommen wir nicht zu diesem Publikum? Warum …

Rav: Mein Herr, wir befinden uns in einer Übergangszeit. In dieser Zeit hat alles seinen Platz, und vor den Augen des Publikums hat sich noch nichts geklärt, so dass wir kommen und sagen könnten: Wir haben etwas. Das ist eine Zeit, in der man noch nicht zu einem traditionellen Publikum kommen kann, sagen wir, oder zu einem national-religiösen oder so – man kann noch nicht kommen. Sie sind noch in den Phasen des Zerbrechens; die nächste Phase oder noch zwei Phasen, ich weiß nicht, wann, aber es wird kommen.

Jetzt geht es einstweilen nicht. Einstweilen müssen wir uns um das kümmern, was uns möglich ist, und das ist das säkulare Publikum; dorthin gibt es einen Zugang. Ich glaube nicht, dass es zum religiösen Publikum keinen Zugang geben wird – es wird einen geben, und was für einen. Sie werden uns brauchen, sie werden uns aus der Krise heraus wollen, und du wirst sehen, dass das kommt.

Schüler: Aber es gibt jetzt dieses Publikum, das sich nicht von uns abgestoßen fühlt.

Rav: Zu einem Publikum, das sich nicht von uns abgestoßen fühlt, bemühen wir uns ja zu kommen.

Schüler: Dieses einfache religiöse Publikum stößt sich nicht von uns ab, sie haben …

Rav: Das einfache religiöse Publikum stößt sich trotzdem ab, es will uns noch nicht. Verstehst du. Man kann nicht zu einem Menschen kommen, wenn er nicht will. Bei ihm muss der Punkt enthüllt sein: „Was ist der Sinn meines Lebens?" Was der Sinn meines Lebens überhaupt in dieser ganzen Welt ist, selbst wenn es gut wäre, selbst wenn es gut wäre. Noch sagen sie: Ich habe keine Sicherheit, ich habe kein Geld, die Sozialversicherung stellt plötzlich die Zahlungen ein, die Grundsicherung wird plötzlich nicht mehr gezahlt, ja? Und all diese Dinge – das ist die Enthüllung der Göttlichkeit, was jetzt geschieht.

Denkst du, das ist der Finanzminister, der all diese Dinge macht? Der Schöpfer macht all diese Dinge. Du wirst sehen: noch ein bisschen und noch ein bisschen und noch ein bisschen – aber dadurch, dass es dem Menschen im Leben schlecht geht, kommt er zu der Unterscheidung, dass es in diesem Leben überhaupt nichts Besseres geben kann. Selbst wenn er voller Gold und Silber und Ehre wäre und was du willst – auch das ist kein Leben. Solche Zeiten werden kommen; das heißt, dass der Punkt im Herzen schon arbeitet. Bei ihnen aber noch nicht, sie fühlen noch, dass es so ist.

70:14 Schüler: … geht es nicht? Müssen sie auf das Böse in seiner vollen Ausprägung warten, oder kann man diese Stufe überspringen … auch wenn an solchen Orten das tatsächliche Verlangen nicht da ist, sie in diese Dinge hineinzuführen?

Rav: Nein, sie sind noch nicht in einem Zustand, in dem sie über den Weg im Leben von einem Menschen hören können, der bei ihnen nach ihren Kriterien nicht als groß gilt. Deshalb laden sie, wie du gesagt hast, Menschen ein, die nach ihren Kriterien groß sind – irgendeinen großen Rabbiner aus Jerusalem, der zu ihnen kommt und Gemara erzählt.

Schüler: Das ist kein großer Rabbiner, das ist irgendein einfacher Ultraorthodoxer …

Rav: Egal.

Schüler:

Rav: Oh, du siehst: Auch jeder andere Ultraorthodoxe – in deiner Synagoge, wo man einfach in Hemd und Hose kommt, und er trägt Hut und Jackett, da heißt er bei ihnen schon Rabbiner. Sie gehen noch nach der Äußerlichkeit. Völlig in Ordnung. Als ich zum Rabash kam, habe ich nicht darauf geschaut, ob er so einen Hut von 60 Zentimetern hat oder von 63 – ich habe welche gekauft, ich weiß das. Ja, ich habe nicht auf die Größe geschaut, ich habe nicht nachgemessen: aha, der hat einen breiteren Hut, bei dem ist es ein „Kneitsch"-Hut oder ein geringerer Hut. Danach habe ich nicht die Innerlichkeit eines Menschen gemessen, bei dem es sich für mich zu lernen lohnt. Sie aber messen einstweilen so – wozu also zu ihnen gehen, gegen ihre eigene Wertschätzung?

Schüler: Sie haben trotzdem eine Offenheit für innere Dinge …

Rav: Haben sie nicht. Ich gehe zu Menschen, die mich anschauen und einen halbwegs Religiösen sehen, aber nicht in einem Maß, das abstößt, und der in den Worten spricht, die ich gewohnt bin, und nicht in den Worten von dort – ja, der Name des Schöpfers und lauter „so Gott will" und all diese Dinge, die sie von der gesellschaftlichen Stellung her, wie sie jetzt ist, abstoßen. Ich gehe also zu Menschen, die bereit sind, mich anzunehmen. Und bei Menschen, denen das wirklich zuwider ist – wozu soll ich den Menschen brechen? Ich sehe darin keinerlei Notwendigkeit. Wenn es wirklich, ich weiß nicht, wenn es eine Chance gäbe, damit Erfolg zu haben, und wenn es wirklich ein Gebot der Stunde wäre, dann wäre das etwas anderes. Ich glaube nicht, dass es eine Chance gibt. Ich lebe unter ihnen, ich weiß, was das ist. Ich weiß, wie groß ihr Hass auf den, der sich mit Kabbala beschäftigt, immer noch ist.

Und was heute geschieht: Nach und nach fangen sie an, irgendwie einzuwilligen zu schweigen, nicht in den Krieg zu ziehen – dass es solche gibt, die die Kabbala auch den Säkularen darbieten, sie lehren, alle möglichen Kurse eröffnen, Vorträge für das Volk. Von Jahr zu Jahr wird das gewöhnlicher, es läuft mehr, und es gibt viele, die sich damit beschäftigen; sie sehen schon, dass man ohne das die Menschen zu gar nichts ziehen kann. Die Zeit muss also wirken – was kann man machen? Denkst du, ich bin ein geduldiger Mensch? Es gibt keine Wahl, ganz einfach. Aber ich sehe, dass sich die Einstellung ändert. Auch du fühlst es vielleicht nicht, aber es ist so.

Gut.

(Ende des Unterrichts)