Dieses
Transkript
wurde
mithilfe
KI
aus
dem
hebräischen
Original
übersetzt
und
nicht
redaktionell
bearbeitet.
—
Rohtranskript ohne endgültige Korrekturen. Fehler möglich.
Morgenunterricht 09.07.2002
Buch „Schriften des Rabash", Band 2, S. 1376 Artikel „Was bedeutet es, dass die Rechte in der Arbeit größer sein muss als die Linke"
Rav: Seite 66, „Was bedeutet es, dass die Rechte in der Arbeit größer sein muss als die Linke". Warum muss die Rechte größer sein als die Linke? Für die Wahl bräuchten wir doch eigentlich zwei gleich große Linien. Dann habe ich eine freie Wahl, bei der ich auswähle. Die „Rechte" sind die Eigenschaften des Schöpfers, die „Linke" die Eigenschaften des Geschöpfs, und ich wähle, was sich lohnt und was nicht.
Wenn die Rechte größer ist als die Linke, dann gibt es scheinbar schon keine Wahl mehr. Dann gewinnt sicher immer die Rechte. Stimmt das? Die Sache ist die: Die Rechte brauchen wir aus vielen Gründen. Überhaupt verteilt sich die Arbeit in den drei Linien bei uns auf viele Fälle. Es gibt sie vor dem Machsom und nach dem Machsom, Arbeit in VaK und Arbeit in GaR.
In jeder Stufe tritt man dementsprechend in Chassadim und Chochma ein, in Katnut und Gadlut. Es gibt viele Arten der Arbeit in den drei Linien. Es sind immer drei Linien, weil wir in der zweiten Einschränkung arbeiten, in der Einschließung der Gefäße des Empfangens in die Gefäße des Gebens. Die rechte Linie ist in der Regel das Innere, die Gefäße des Gebens, die Eigenschaften des Schöpfers, die neun ersten Sefirot und Chafez Chessed.
Die linke Linie sind die Gefäße des Empfangens, die Eigenschaften des Geschöpfs. Dem gegenüber gibt es auch Klipot: unkorrigierte Willen, Mängel, die wir auf die richtige Weise zusammenfügen müssen. Was heißt das? Soweit man die Linke korrigieren und in die Rechte einschließen kann, machen wir daraus eine mittlere Linie. Die mittlere Linie gehört zu nichts, was in der Natur existiert.
In der Natur gibt es die Eigenschaften des Schöpfers und die Eigenschaften des Geschöpfs — nur diese zwei. Das Dritte ist das, worin das Geschöpf sich dem Schöpfer angleicht, indem es aus sich selbst ein Abbild des Schöpfers macht. Und dieses Dritte existiert nicht, bevor das Geschöpf diese Arbeit ausführt und zu einer solchen Festigung kommt. Aber um das zu tun, muss man von vornherein schon mit der rechten Linie ausgerüstet losgehen. 02:42
Die rechte Linie gibt Vollkommenheit. Der Mensch kann nicht im Mangel leben, denn er befindet sich von vornherein in seinem Willen zu empfangen, und sein Wille zu empfangen muss Vollkommenheit empfinden. Vor dem Machsom ist das die Vollkommenheit daraus, dass er im Begriff ist, etwas Gutes zu erlangen. Nach dem Machsom kommt die Vollkommenheit in der rechten Linie — das ist das Empfinden von Chafez Chessed, das Erkennen und Erlangen von Chafez Chessed.
Und wenn er das hat, dann wendet er sich der Linken zu, seinen Gefäßen, und versteht nicht, wie diese zwei Dinge zusammen sein können: vollkommen und unvollkommen in einem einzigen Gegenstand. Bis er versteht: Vollkommen und unvollkommen sind nicht in einem Gegenstand. Im Menschen gibt es bereits zwei Gegenstände. Der Mensch selbst ist schon aus dem Punkt im Herzen zusammengesetzt, und im Punkt im Herzen bestehen die Willen des Schöpfers, die Eigenschaften des Schöpfers, und dort ist Vollkommenheit und Rechte.
Und der ganze Rest des Herzens außer dem Punkt im Herzen ist die Linke, die Mängel. Und so können diese beiden Dinge, vollkommen und unvollkommen, doch in einem Gegenstand im Menschen sein. Aber wie macht man es, dass der Mensch „lauter" wird, wie man so sagt? „Lauter" ist so ein Einheitliches, Festes — dass es in ihm nicht allerlei Teile gibt, die Veränderungen aufweisen oder einander widersprechen.
„Lauter sollst du sein mit dem Schöpfer, deinem Schöpfer"¹ — gemeint ist „lauter", aber nicht lauter im Sinne eines Kleinkindes, sondern lauter, vollkommen: einer, der seine Mängel dazu bringt, ebenfalls in Vollkommenheit zu arbeiten. Wie? Das ist nur möglich, wenn man die Mängel im richtigen Maß nimmt, um sie für den Fortschritt zu nutzen. Ohne Mangel kann man nicht vorankommen.
Die Offenbarung des Mangels muss ge… — wie sagt man? — gemessen sein.
05:21 Schüler: Gemessen.
Rav: Gemessen. Er muss gemessen sein, abgewogen — wie viel Mangel mir enthüllt werden darf, damit ich durch ihn vorankomme und nicht falle. Und genau das passiert bei uns, sagen wir, jetzt. Wir hatten eine gewisse Art von Vollkommenheit — und zwar eine nicht gute Vollkommenheit —, in der wir angefangen haben, in allerlei Dingen zu versinken, mit der Lage zufrieden zu sein; das ist keine gute Vollkommenheit.
Das ist keine Vollkommenheit des Chafez Chessed. Aber trotzdem waren wir mit dem einverstanden, was da ist — sagen wir, das ist Vollkommenheit. Unterhalb des Machsom gilt auch das so. Und um voranzukommen, brauchte es irgendeine Offenbarung des Bösen, die wieder und wieder und wieder kommt. In jeder Lage muss man das so machen. Und dann wecken wir künstlich das Böse aus unserem Inneren, um unsere Lage zu sehen und darauf eine höhere Stufe aufzubauen, eine bessere, fortgeschrittenere Lage.
Neue Klärungen, neue Ideen, neue Korrekturen. Und so ist es. Das heißt: Man weckt den Mangel und befindet sich dann im Chaos, im Durcheinander, im Unbehagen, sicher auch in der Hilflosigkeit. Aber aus diesen Dingen, die die Linke sind, kommt danach ein Fortschritt zur Rechten. Warum? Weil wir aus der Linken, aus dem Mangel, nach und nach zu sehen beginnen, wie wir diesen Mangel an die Rechte anfügen können, um durch ihn zum Ziel zu kommen, der oberen Kraft näher zu sein. 07:13
Deshalb bricht man selbst in der Spiritualität diese Vollkommenheit — obwohl die Vollkommenheit dort Chafez Chessed ist, die Anhaftung an den Schöpfer mit den Gefäßen des Gebens, und dort ist es wirklich Vollkommenheit, die Rechte. Man bringt in sie hinein, injiziert in sie die Linke, um danach voranzukommen: um die Linke an die Rechte anzufügen, den „AChaP des Aufstiegs", wie man sagt, und durch ihn voranzukommen.
Umso mehr bei uns, wo unsere Vollkommenheit nicht daher kommt, dass wir an den Schöpfer angehaftet sind, sondern daher, dass wir zur Tierhaftigkeit hinabsteigen, ein wenig vergessen, uns so ein wenig in der Lage zurücklehnen. Umso mehr ist es hier ein Gebot, eine solche Vollkommenheit zu brechen. Und deshalb muss man auf kontrollierte Weise in den Gruppen einen Mangel wecken, um voranzukommen.
Jetzt hat er auch gerade gesagt — hier hat er davon gesprochen, dass man sich immer zuerst „der Rechten" zuwenden muss, wie man sagt. Denn bevor man sich der Linken zuwendet, weckt man die Mängel: Hilflosigkeit, Verwirrung in den Gedanken, in den Gefühlen, in den Unterscheidungen, und man weiß überhaupt nicht, wohin man gehen soll — wie ein Kind, das plötzlich mitten auf der Straße die Mutter verloren hat, wie es so dasteht und weint und nicht weiß, wohin es sich wenden soll, was es mit sich anfangen soll.
So bleibt es stehen und weiß nicht mehr, wie es sich weiterbewegen soll. Wenn man also an einem solchen Ort, in einer solchen Lage ist, muss man auf kontrollierte Weise in eine solche Lage eintreten. Nämlich so, dass man sich zuerst mit der Rechten ausrüstet, mit der Vollkommenheit, mit dem Erkennen des Ziels — das heißt, nicht dem Erkennen, sondern dem Wissen um das Ziel, wohin wir wirklich kommen müssen. Und danach weckt man, je nach dem Maß der Verbindung und des Haltens am Ziel, die Not — das, wovon er spricht.
Das heißt, dass unsere Lage wirklich nicht gut ist, das Gegenteil des Ziels, und in ihr eine Not zu empfinden. Not — das heißt, in ihr Enge zu empfinden, Druck daraus, dass man sich in einer Lage befindet, die nicht vollkommen ist und nicht im Ziel ist. Und dann, durch das Empfinden der Not und durch eine solche Klärung von ihr, dahin zu kommen, dass im Herzen sich etwas bildet, ja?
Schüler: Entsteht.
Rav: Entsteht — im Herzen entsteht ein Gefühl, das Gebet genannt wird, das heißt eine Forderung, durch diese Not, durch das Gebet zur Rechten zu kommen, die vorher da war. Über das Gebet selbst — also das Gefühl im Herzen — sind wir nicht Herr im Haus, wir können es nicht auf direktem Weg verändern. Sondern aus der Korrektur der Rechten, dadurch dass ich am Ziel festhalte, und aus der Offenbarung der Linken auf die kontrollierte Weise, die mich nicht zu sehr belastet, sondern so richtig gegen die Rechte abgewogen ist — daraus wecke ich in meiner mittleren Linie ein Gebet, einen Mangel, eine Erhebung von MAN genau in einer solchen mittleren Linie, was dazu führt, dass der Obere mir eine Korrektur und einen Aufstieg gibt. Das heißt, das sind schon die drei Linien in der Arbeit des Unteren gegenüber dem Oberen. Ja.
11:32 Schüler: Wir sagen, dass der Mensch von der Rechten zur Linken gehen muss — warum kommen wir also von der Vollkommenheit zum Mangel? Ist diese Vollkommenheit denn nicht die Rechte, wovon kommen wir? Du hast gesagt, dass der Mensch sich in der Vollkommenheit befindet, also muss er…
Rav: Ich habe genau das gesagt, was du gesagt hast — nur warum sagst du, dass das nicht gut ist?
Schüler: Wir müssen von der Rechten zur Linken gehen.
Rav: Von der Rechten zur Linken gehen. Was heißt das, von der Rechten zur Linken zu gehen? Zuerst mit dem Endziel verbunden zu sein — wozu ich kommen will, wem ich zugehören will, wie ich mich am Ende sehen will. Das Ende kann nach tausend Handlungen kommen, oder das Ende kann nach einer einzigen Handlung kommen, die mich diesem Endziel einen Schritt voranbringt. Aber jedenfalls näher, als ich jetzt bin. Das nennt man die Rechte.
Das Festhalten an den Eigenschaften des Schöpfers, an seinem Zustand, an seiner Idee, an seinen Eigenschaften, an ihm — das nennt man die Rechte. Damit kann und darf ich mich schon jeder beliebigen Handlung zuwenden, jedem Gedanken, jeder Sache. Nachdem ich an der Rechten festhalte — sonst wären meine Handlung und mein Gedanke nicht auf das Ziel gerichtet, es wäre ein Tier. Wenn ich in dieser Welt nicht auf ein spirituelles Ziel ausgerichtet bin, dann bin ich mit meinem Blick nach unten, mit meinem Kopf nach unten, wie ein Tier. Du siehst (der Rav führt es vor), so schaut es nach unten.
Wenn ich nicht zuerst ein Ziel nehme, dann ist alles, was ich danach tue, schon egal, es ist schon tierhaft. Selbst wenn ich sehr gute Taten tue und der ganzen Welt gebe — wenn es nicht mit dem Ziel verbunden ist, wird nichts Gutes dabei herauskommen. Denn am Ende wird der allgemeine Mechanismus der Vorsehung des Schöpfers über unsere Welt selbst meine beste Handlung gegenüber der Menschheit verderben und statt Gutem noch mehr Böses bringen. 14:01
Je ähnlicher und näher dem Schöpfer die tierhafte Handlung im Äußeren ist — das heißt eine Handlung, um zu empfangen, ohne jede Verbindung zum Schöpfer —, desto mehr Böses wird sie am Ende verursachen, weil sie genau gegen die Handlung des Schöpfers ist, von der Seite der Linken, von der Seite der Klipa, und auf einer höheren Stufe. Wenn ich einfach so 10 Schekel stehle, allerlei solche Dinge mache, ist das nicht wichtig. Wenn ich aber im Begriff bin zu geben, und mein Ziel ist es, zum Geben gegenüber der Menschheit zu kommen — dass alle leben, alle sehen, dass es gut ist, und das Ganze dort so eine Art „schöne Seele" ist.
„Lasst die Tiere leben", Naturschutz, allerlei Dinge dort, Keren Kajemet, egal was dort. Es gibt viele solcher Dinge. In dem Maße, wie ich diese vermeintlich guten Dinge nicht an den Schöpfer knüpfe, sondern daran, dass es mir in dieser Welt gut geht, verursachen sie am Ende mehr Böses. Warum? Weil Taten, die im Äußeren an sich gut, im Ursprung aber nicht gut sind, dann eine Klipa gegen höhere Taten des Schöpfers sind. Das heißt, es geht nicht darum, zehn Schekel zu stehlen, das ist eine niedrige Stufe. Ich bin schon dabei, gute Dinge in der Klipa zu tun, ja? Ohne Ziel nennt man das Klipa.
Der ganze Unterschied zwischen Keduscha und Klipa ist, dass das eine mit Ziel und das andere ohne Ziel ist. Und dann sehen wir nach zehn, zwanzig, dreißig Jahren, wozu wir gekommen sind. Und manchmal verstehen wir nicht, wozu wir gekommen sind: Wir wollten so sehr, dass es gut wird, und es wurde das Gegenteil. Man sagt schon: „Wir wollten, dass es gut wird, es kam wie immer" — so etwas gibt es, ja, das ist schon ein Sprichwort. Das ist nicht ohne Grund. Deshalb muss man sich die ganze Zeit zuerst der Rechten zuwenden, sich am Ziel festhalten, und aus dem Ziel heraus kommst du zu jeder Handlung, jedem Gedanken, jeder Planung.
Was schreibt Baal HaSulam über Russland? Auch das. Anfangs wollten etliche Menschen, dass es wirklich gut wird. Und sofort verwandelte sich das ins Böse, in irgendeine Diktatur, in irgendetwas. Weil es eine Klipa war, gegen etwas sehr Großes. In eben dem Artikel „Die letzte Generation" schreibt er über den Kommunismus Russlands, dass es nichts Schlimmeres gibt als ihn. Und fast mit denselben Worten, mit denen man uns dort in Lüge erzählt hat, beschreibt er die letzte Generation.
Was ist der Unterschied zwischen ihnen? Man will, dass es einem selbst gut geht — oder man will, dass es gut wird, weil man mit dem Schöpfer verbunden ist. Geben an den Nächsten, wenn es nur um des Nächsten willen ist, ist eine Klipa. Wenn es um der Annäherung an den Schöpfer willen ist, ist es Keduscha. Aber was ist der Unterschied zwischen ihnen? Womit du anfängst, aus welcher Absicht heraus du die Handlung anfängst. Und im Äußeren, wenn du die Absichten eines Menschen nicht kennst, kannst du dich irren. 17:30
Deshalb sieh, was für eine Welt der Lüge — warum nennt man das Lüge? Man tut gute Taten, aber die Absicht ist verborgen, sowohl vor ihnen selbst als auch vor anderen, und man denkt, dass, so wie die Taten von außen gut sind, auch die innere Absicht gut sei. Das nennt man die Welt der Lüge. Und dann verursachen sie damit Katastrophen durch vermeintlich gute Taten. Und versuch mal, ihnen zu erklären, dass das nicht richtig ist, dass das nicht gut ist, dass das, was sie tun, sehr böse ist. Dass es sogar noch schlimmer ist — „Sitz und handle nicht, das ist vorzuziehen". Du verstehst.
Man will jetzt alles Essen an die Welt verteilen — nun, und was wird sein? Du wirst sehen, dass es mehr Hunger geben wird und mehr Nöte, und statt eines Baumes, der von oben in diese Welt gefallen ist², siehst du, wie plötzlich irgendwelche neuen Krankheiten auftauchen, die es nicht gab; dann fällt eben irgendeine andere Krankheit herein, noch etwas — es kann nicht anders sein, weil alles der Absicht folgt. „Alles wird im Gedanken geklärt", so ist das …
18:47 Schüler: Ich rede nicht von dem, was war und was draußen ist, ich rede, sagen wir, von uns. Ich nehme das Buch und lese einen Artikel und fange an, gute Taten zu tun, die rechte Linie — warum gerate ich also in diese Vollkommenheit hinein, die nicht richtig ist, gewissermaßen…
Rav: Kann jemand seine Frage erklären?
Schüler: Ja, er sagt: Selbst wenn ich mit der richtigen Absicht anfange — warum gerate ich in die Lüge?
Rav: Wenn du die ganze Zeit am richtigen Ziel festhältst, gerätst du nicht in die Lüge — warum solltest du in die Lüge geraten? Es kann sein, dass du zwischendurch in allerlei Verwirrungen gerätst und nicht verstehst — du befindest dich ja in der Verhüllung. Auch dein Ziel ist die ganze Zeit ein solches, dass du nicht klar weißt, wo es ist. Das nennt man, dass der Schöpfer verborgen ist. Das Ziel ist verborgen, Er ist verborgen, gewissermaßen sein Zustand, sein Wesen — dass du die ganze Zeit nicht genau weißt, wer Er ist, was Er ist.
Und dann sieh, wie jeder deiner Sätze ein wenig verdreht sein kann gegenüber dem vorigen, nicht genau zu demselben Weg passt und diese Dinge nicht auf derselben Linie liegen — das ist eine Folge der Verhüllung. Also sag nicht: „Warum passiert mir das?" Es passiert, weil unsere Lage einstweilen eine Lage der Verhüllung ist. Wenn du das Ziel sehen und von vornherein daran festhalten würdest — und er sagt, was dafür nötig ist: dass Israel, der Heilige (gesegnet sei Er) und die Handlungen — das nennt man „Wege der Tora" —, und die Handlung, die ich jetzt tue, dass all das in einem einzigen Punkt ist. Wenn man das wirklich in jedem einzelnen Augenblick halten könnte, dann würdest du dich sicher nicht irren.
Wie macht man es? Er sagt: die drei zusammen zu vereinen. Wie kann ich das mit dem verborgenen Schöpfer? Sofern du Ihn in der klarstmöglichen Form beschreibst — wer Er ist, was Er ist, sein Wesen, seine Vollkommenheit, sein Erkennen, egal was —, wenn du daran stark festhältst, und auch dich selbst so weit wie möglich enthüllst und dich diesem Punkt anschließen willst, und auch die Handlung der Verbindung selbst — dann tust du schon eine Handlung richtig. Ja.
21:27 Schüler: Ich will nur den Punkt zuspitzen. Aber sowohl die Handlung „Lasst die Tiere leben", all diese Dinge, als auch der, der hingeht und zehn Schekel stiehlt — im Grunde sind beide ganz gewöhnliche, einfache Tierhaftigkeit, da ist keinerlei Tiefe drin.
Rav: Sicher ist sowohl die Tat, dass er zehn Schekel stiehlt, als auch die, dass er die Tiere leben lässt oder die Menschen leben lässt — das ist egal, das ist dasselbe, sicher. Aber das Problem ist: Wenn er zehn Schekel stiehlt, dann sind sein Gedanke und auch seine Tat offen enthüllt, dass sie böse sind, und dann ist das eine kleine Klipa. Ja? Das ist nicht einmal eine Klipa.
Denn eine Klipa ist das, was schön zugedeckt ist — warum nennt man es Klipa? Ein Wille zu empfangen, zugedeckt mit einer guten Tat, mit einem guten Äußeren — das nennt man Klipa. Du verstehst. Warum glänzt die Klipa, womit zieht sie den Menschen an? Dadurch, dass sie ihm Genuss gibt, und ihr Genuss ist ein Genuss, der ihr aus der Keduscha kommt.
Das heißt, warum halten wir allerlei Menschen, „schöne Seelen", für gute Menschen? Sie zeigen dir regelrecht, wie sehr sie Gutes beabsichtigen, und innen ist alles zur Lüge und ins Gegenteil verkehrt, weil es nicht mit dem Ziel verbunden ist. Sie bringen dich am Ende zu einem unwahren Ziel. Und dadurch, dass es nicht wahr ist, verursacht die Handlung Böses.
Schüler: Das Problem liegt also nicht am Fehlen der Absicht, denn in jedem Fall gibt es keine Absicht, sondern in der Verwischung der Sache, gewissermaßen dass es so…
Rav: Sicher ist es bei uns eine Verwischung der Sache; ich sage nicht, dass sie es mit Absicht tun und wissen, dass sie eine Klipa sind.
Schüler: Nein, ich sage…
Rav: Erst jenseits des Machsom werden wir sehen, dass es so ist. Jenseits des Machsom haben wir solche Kräfte, dass es sich so verhält.
Schüler: Ich sage: In jedem Fall gibt es hier keine Absicht, also liegt das Problem nur in der Verwischung — darin, dass das eine als gut erscheint (es ist gut ohne Verbindung zum Schöpfer) und das andere als böse erscheint. Aber auch Gut und Böse ist ebenfalls eine Sache der Gemeinschaft.⁴ In einer anderen Gemeinschaft, wenn ich zehn Schekel stehle, ist das etwas sehr Gutes.
Rav: Nein, es kann keine menschliche Gemeinschaft geben, in der es gut ist, wenn du zehn Schekel stiehlst. Das ist in keiner Gemeinschaft akzeptiert. Das sind Ausnahmefälle — selbst wenn du Robin Hood bist, sagen wir, der mit Gewalt von den Reichen nimmt und an die Armen verteilt: Auch das duldet keine Gemeinschaft auf so gewöhnliche Weise, akzeptiert es als die richtige Ordnung. Das war's.
Wir sprechen hier nicht von den Klipot — dort ist Diebstahl etwas anderes, und das werden wir noch lernen, das sind eigene Dinge. Was in der Menschheit akzeptiert ist: In der Menschheit ist ein gutes Verhältnis zueinander akzeptiert, das ist Keduscha, das ist gut. Man wägt nicht nach dem Ziel ab, sondern nach der Tat. Und dann wird eine Tat, je näher sie der Spiritualität ist, dem Geben, bei uns eine gute Tat genannt — und in Wirklichkeit verursacht sie mehr Böses.
25:11 Schüler: Also sagen wir, welche richtige Überlegung würde so ein Mensch anstellen? Er kann jetzt zum Beispiel jemandem helfen oder ihm nicht helfen. Der, der hilft — du sagst also gewissermaßen, er verwischt eigentlich die Sache, er fügt ihm mehr Schaden zu, und der, der nicht hilft…
Rav: Es gibt das, was man das Notwendige nennt. Solange die Menschheit jedem das Notwendige bereitstellt, muss man dabei ohne jede Absicht sein, denn „das Notwendige wird weder getadelt noch gelobt". Man muss also einfach allen, sagen wir, tausend Kalorien am Tag verteilen, und dabei mach keinerlei Absichten — lass das Tier leben. Das war's. Aber nachdem du das verteilt hast, ja? — es liegt nicht an dir, den Menschen gut zu machen, lass ihn sich entwickeln, wie er ist. Wieso solltest du zu ihm kommen und anfangen, ihm was aufzublasen — das Ego, oder umgekehrt die Erkenntnis des Bösen? Du darfst dich da nicht einmischen. Das war's. Nur ihm die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln. Und nicht anfangen, über das hinaus zu sorgen.
Nun, sofern diese Stiftungen und all diese Organisationen für das Notwendige der Welt sorgen — worin es ja auch eine Notwendigkeit gibt —, dann ist das gut, niemand sagt etwas anderes. Aber auch das Notwendige muss von vornherein auf die Anhaftung an den Schöpfer ausgerichtet sein, das heißt, dass man dafür lebt. Und wenn nicht, dann erweist es sich am Ende, auf lange Sicht, als böse und bringt keinen Nutzen.
So viel Essen, wie es heute in unserer Welt gibt, kann sicher nicht nur für sieben, sondern für zehn Milliarden Menschen reichen. Einst dachte man, die Welt werde bald vor Hunger sterben — und es wird nicht geschehen, es wird immer genug sein. Das Problem ist die Verteilung. Und wir denken, durch eine angeblich gerechte Verteilung in der ganzen Welt — das ist wie das, was man in Russland wollte — würden wir zu etwas kommen; zu gar nichts werden wir kommen, es wird noch schlimmer sein.
Schüler: Nun, welche Aufgabe hat die Verteilung, in uns zu wecken?
Rav: Nein, gar nichts, wir müssen uns darum nicht sorgen.
Schüler: Überhaupt nicht?
Rav: Wir müssen uns damit nicht beschäftigen. Wir selbst als kleine Gruppe. Aber im Prinzip, ja. Wenn wir von der globalen Arbeit sprechen, dann müssen wir sehr wohl darin sein. Was er dort in „Die letzte Generation" schreibt. Aber nochmal, das ist schwer in kurzen Worten zu klären. Denn sieh: Einerseits — warum müssen wir zuerst als kleine Gruppe sorgen, ja? Das war's. Oder jetzt hingehen und der ganzen Welt geben und ihnen verteilen, so viel da ist.
So viel wir haben — wenn wir es verteilen, wird nichts geschehen, ja? Aber gewissermaßen, dafür zu sorgen. Oder, wie er sagt, dass die Korrektur zur Zeit der Weisen des Talmud durch das Licht geschieht, das kommt und leuchtet und zum Guten zurückführt. Also müssen unsere Prinzipien als kleine, führende Gruppe darin bestehen, dass wir Lichter herbeibringen. Und gemäß der Regel „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" müssen wir das… machen.
29:09 Schüler: Das heißt, auch von dieser Seite muss der Mensch zu dem Schluss kommen, dass er bei all diesen Verteilungen sowieso nichts ausrichten kann; das Einzige, was kommen kann, ist, das umgebende Licht zu wecken…
Rav: Wir müssen praktisch nur dafür sorgen, dass das umgebende Licht sich stärker über der ganzen Menschheit weckt.
Schüler: Und dass es auch auf diese Verhältnisse einwirkt, und nicht umgekehrt.
Rav: „Licht für die Völker", wie man sagt. Und das ist es, was er am Ende des „Vorworts zum Buch Sohar" schreibt. Im Unterschied zu dem, was er in „Die Gabe der Tora" schreibt, ja, in „Der Frieden", „Die Bürgschaft", „Die Gabe der Tora" und so weiter, und in „Die letzte Generation" — dass der Mensch hingehen und der ganzen Welt geben muss, bis niemand mehr auf die notwendigen Dinge der Welt angewiesen ist. Einerseits das, und andererseits, wie es dem Ende des „Vorworts zum Buch Sohar" entspricht, dass man sitzen und lernen und geben muss — nicht das Essen zu verteilen, sondern die Weisheit der Kabbala zu verteilen.
Also soll man diese Dinge nicht als einander entgegengesetzt und widersprechend sehen, sondern das ist unsere Arbeit als Einzelner in der Welt, und die Arbeit des Ganzen muss wirklich so sein. Das heißt, wenn ich das Volk³ lehre, was sie tun müssen, und sie nicht imstande sind zu lernen und durch das Lernen die umgebenden Lichter herbeizubringen, dann werden sie durch ihr gegenseitiges Geben an die ganze Welt die umgebenden Lichter über sich selbst wecken.
Aber das allgemeine umgebende Licht bringe ich herbei. „Ich" — gemeint sind die, die imstande sind, zu diesen, sagen wir, zehn Prozent zu gehören, wie er dort sagt; „Diener des Schöpfers" nennt er sie am Ende des „Vorworts zum Buch Sohar". Ja.
Schüler: Was ist der Zusammenhang zwischen dem Überschreiten des Machsom und dem Bewahren der Gefäße?
Rav: Von einem Menschen, der den Machsom überschreitet, sagt man, dass er die Kraft hat, in Einschränkung über seinen Gefäßen des Empfangens zu sein und sie nur insoweit in Tätigkeit zu bringen, wie er mit ihnen über dem Verstand arbeiten kann. Was heißt über dem Verstand? Die Herrschaft des Oberen aus ganzem Herzen auf sich zu nehmen.
Schüler: Heißt das nicht, die Wellen zu verändern?
Rav: Häh? Ich habe gar nichts verstanden.
31:56 Schüler: Heißt es nicht, die Gewohnheiten zu verändern. Heißt es nicht, die Gewohnheiten zu verändern?
Rav: Die Gewohnheiten zu verändern?
Schüler: Wie beim Machsom, man muss die Gewohnheiten verändern…
Rav: Welche Gewohnheiten soll man verändern, wenn man den Machsom überschreitet? Ich weiß nicht — was, ich kratze mich gern an den Ohren, ich habe ein Problem mit der Haut, ändert sich das dann? Von welchen Gewohnheiten redest du?
Schüler: Die Einstellung zu Menschen.
Rav: Häh?
Schüler: Die Einstellung zu Menschen zum Beispiel.
Rav: Die Einstellung zu Menschen hängt davon ab, zu wem und zu welchen Menschen. Sicher ändert sich gegenüber Menschen, die sich im spirituellen Prozess befinden, die Einstellung jedes Mal, je nachdem, wie sehr der Mensch den spirituellen Prozess versteht und erkennt. Nach dem Machsom geschieht also wirklich ein Umbruch im Erkennen von Weg und Ziel, und dann verhält er sich anders zu Menschen, die auf dem Weg sind. Und zu anderen Menschen ist es ebenfalls anders, aber ich weiß nicht — ich weiß nicht, wovon du redest, zu wem, welche Einstellung?
Ja, gibt es noch etwas? Ja, nun.
Schüler: Wenn ein Mensch sich in der Verhüllung befindet — wodurch kann er sich mit dem Schöpfer verbinden, und an welchem Ort, mit welchem Gedanken, den ich denke?
Rav: Zuallererst muss ein Mensch wissen, dass er sich wirklich in der Verhüllung befindet. Das heißt, er muss durchaus irgendwie sehen, dass die Vorsehung des Schöpfers verborgen ist. Dass er das, was er empfängt, nicht zu entschlüsseln weiß — warum er es so empfangen hat, wozu es kommt, was es von ihm fordert, ob er mit dieser Vorsehung verbunden ist, mit dieser Handlung, mit dieser Absicht. Entweder muss er sagen „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?" und weiß dabei nicht, was weiter geschehen wird. Oder er stellt schon fest, dass bei jedem seiner Schritte und Gefühle der Schöpfer da ist, und er ist regelrecht — wie ein Pferd mit seinem Reiter gehen sie in einer einzigen Bewegung zusammen, und man kann nicht unterscheiden, wer hier der Anfangende ist und wer hier der ist, der hinterhergeht.
Zuallererst festzustellen, dass du dich wirklich in der Verhüllung befindest, und dass es dir nicht nur so scheint, dass du dich schon in der Offenbarung befindest — denn wenn es Offenbarung gibt, dann gibt es keine Arbeit. Und nachdem man das festgestellt hat, sieht man daraus den Mangel. Was heißt Mangel? Wie ich — wie soll ich sagen — wie überspringe ich die Verhüllung? Denn erwünscht ist, die Lage zu offenbaren, den Schöpfer zu offenbaren und sich mit der Vorsehung, mit Ihm zu vereinen. Also, zuerst: Wenn ein Mensch nicht offenbart, dass er sich in der Verhüllung befindet, hat er nichts, woran er arbeiten kann.
Wenn er die Verhüllung offenbart, dann weiß er schon daraus, welche Schritte gewissermaßen zu tun sind, oder er betet — das heißt, das Gefühl selbst, dass er sich in dieser Lage befindet, bringt ihm schon ein inneres Gebet. Das war's. Das heißt, dass du fragst, was ich in der Verhüllung tun muss — diese Frage besagt, dass du nicht fühlst, dass du dich in der Verhüllung befindest.
35:58 Schüler: Was ist Verhüllung?
Rav: Genau, also was ist Verhüllung? Das musst du offenbaren. Verhüllung oder Offenbarung beziehen wir auf die Vorsehung. Auf die Vorsehung. Nachdem du deine wahre Lage jedes Mal offenbarst, hast du keine Frage, was ich tun muss — die Lage selbst sagt dir, was zu tun ist. Ja, Zion.
Schüler: Diese Frage ist sowieso unterwegs [entstanden]: Was hat es überhaupt mit der rechten Linie und der linken Linie vor dem Machsom auf sich? Was ist denn meine Wahl — kann ich etwas tun, wählen: Jetzt will ich es so, jetzt will ich es anders? Was man mit mir macht, das ist, was man mit mir macht; gewissermaßen ist die einzige Wahl in der Gemeinschaft das, was sie am Ende auf mich einwirken — das ist die Wahl. Wo ist hier überhaupt die rechte und die linke Linie?
Rav: Wo gibt es vor dem Machsom eine rechte und eine linke Linie? Was soll ich dir sagen?
Schüler: Wie wähle ich das, wie kann ich wählen?
Rav: Ich sehe, dass ich mich manchmal in einer Lage befinde, in der mir wirklich nichts fehlt: Die Welt ist gut, und es gibt eine obere Kraft, und es gibt eine Zukunft, und Gott sei Dank ist nicht alles damit zu Ende, dass ich hier bin — es gibt noch irgendein Leben und ein Ziel. Ich habe so ein Gefühl; zwar kommt es vielleicht nur für einige Augenblicke, einmal im Monat oder einmal im halben Jahr, im Jahr, aber ich bin manchmal darin versunken — diese Lage existiert also.
Und dem gegenüber gibt es andere Gefühle, in denen ich vielleicht die meiste Zeit bin — aber trotzdem nicht hundert Prozent der Zeit, sondern, sagen wir, neunundneunzig —, die entgegengesetzte Gefühle sind: dass es in der Welt keinen Hausherrn gibt und die Welt wirklich ohne jedes Ziel und verwirrt ist, und niemand weiß, wie man hier leben soll und wozu man überhaupt hier ist. Und ich kann damit nicht abschließen, und es lohnt sich überhaupt nicht, darüber nachzudenken, aber in Wahrheit ist es besser, dass das Geschöpf nicht erschaffen worden wäre, als dass es erschaffen wurde.
Du siehst also, dass du dich in zwei einander entgegengesetzten Lagen befindest. Wenn das so ist, dann kannst du schon aus diesen zwei Lagen heraus anfangen zu arbeiten, anfangen zu wirken.
38:48 Schüler: Aber wo… wie kann ich…
Rav: Wo ist die Wahl?
Schüler: Ja, wie wähle ich…?
Rav: Ich würde so wählen: Ich sehe, dass ich manchmal in der guten Lage versunken bin, dass es mir gut geht, dass ich alles rechtfertigen kann und froh bin, und manchmal bin ich in einer schlechten Lage. Was habe ich zu tun? Ich muss mich bemühen, in der guten Lage zu sein, das ist alles. Wenn ich hingehe und die ganze Zeit in der guten Lage sein will, fange ich nach und nach an zu entdecken, dass das aus irgendeinem Grund unmöglich ist — meine Natur ist so gebaut, dass sie mir nicht erlaubt, wirklich froh, glücklich zu sein. Und dann entdecke ich nach und nach, warum das so ist. Warum die Welt so schlecht für mich ist.
Bis ich entdecke: Niemand hat mich zur Kabbala gebracht, sondern das schlechte Leben, das schlechte Gefühl — dadurch, dass ich gesucht habe, wie es mir gut geht. Das war's. Bis ich zu einer Lage kam, in der ich zu verstehen anfangen kann, dass die Offenbarung des Bösen etwas auf das Ziel Gerichtetes ist, um mich zum wahren Guten zu bringen — aber zu diesem wahren Guten kann ich nur auf eine ganz, ganz besondere Weise kommen, über einen sehr schmalen Pfad und mit einer ganz und gar nicht einfachen Methode.
Aber insgesamt ist es die Suche nach dem Guten — dass ich die ganze Zeit ans Gute angehaftet sein will, an die rechte Linie, sagen wir mal, ja? Was bei uns die rechte Linie genannt wird, nicht in der Spiritualität — das bringt mich zur Suche. Die Linke drängt den Menschen, die Rechte zu vergrößern, bis er anzufangen beginnt zu verstehen, dass es ein Ziel gibt für die Schläge, für die Linke. Wie bist du dahin gekommen?
41:18 Schüler: Die Frage ist, wie man es prüft.
Rav: Vielleicht kannst du das, was du durchgemacht hast, nicht prüfen, aber innen, inmitten all deiner Handlungen — obwohl du in Zerstreutheit gegangen bist und nicht so recht wusstest, was du tust — bist du am Ende auf instinktive Weise wirklich losgegangen, das Gute zu suchen. Das war's. Auch jetzt, wo du hier sitzt, suchst du das Gute; wenn es dir schon gut ginge, würdest du nicht hier sitzen — wozu jetzt ab vier Uhr morgens?
Schüler: Nun, das Gute, das ich jetzt suche, ist ein anderes Gutes als das, was ich früher gesucht habe…
Rav: Jedes Mal ändert sich dein Gutes, das kommt daher, dass du mit dem Suchen wächst. Warum ändert es sich? Die ganze Zeit enthüllt sich das Böse mehr, und das Böse klärt dir genau, was das Gute sein muss. Was nennt man böse? Es gibt kein solches böses Ding in der Welt; böse ist das, was dich auf richtigere Weise zum Guten ausrichtet. Diese Abweichung, die man dir jetzt zufügt, diese Richtung — eine Korrektur der Richtung, ein Schub, den man dir in die richtige Richtung gibt —, das empfindest du als böse, nicht mehr.
Man enthüllt dir jetzt, dass du ein Dieb bist, dass du grausam bist, und du fängst an, dich schlecht zu fühlen; da willst du das zuerst einmal nicht fühlen. Warum enthüllt man mir das? Du bist bereit, den Menschen zu töten, der dir so etwas sagt. Er sagt — richtig, innen nimmst du es als richtig an, aber dass er es enthüllt hat, dafür bist du bereit, ihn zu töten. Das ist das Erste, richtig oder nicht? Awihu stimmt zu. Wer noch?
Genau, zuerst einmal ihn töten, ja? Weil dir das ein nicht gutes Gefühl gebracht hat. Danach, wenn du es auf zielgerichtete Weise annimmst, fängst du an, ihn zu küssen. Nicht einfach, bis du von dem einen zum anderen übergehst, aber so geht es. Das heißt, ohne die Offenbarung des Bösen hättest du nicht mit dem Ziel verbunden sein und vorankommen können.
(Ende der Lektion)